Zitat von GastB:Ja, das habe ich auch so aufgefasst - aber ich finde das völlig daneben.
Das bestätigt dann ja gerade die Fehleinstellung, die schon vorhanden istl und verfestigt sie meines Erachtens noch, anstatt sie aufzulösen.
Nun bin ich ja sowieso der Auffassung, dass das alles totaler Quatsch ist - und wie bereits geschrieben, vom Ausprobieren des Klopfens müsste ich schon Dellen im Schädel haben... Wenn ich jetzt aber nur mal der ursprünglichen Klopferklärung folge, dass nämlich das Meridiansystem stimuliert werde und dass Probleme aller Art auf Blockaden im energetischen System der Meridiane zurück zu führen seien, dann müsste eigentlich stummes Klopfen ausreichen, die Denkinhalte wären egal und dann könnte es diese "psychologische Umkehr" auch nicht geben. Dann ist der Satz nicht daneben, sondern überflüssig. Das ist mein erstes logisches Problem mit dem Klopfen.
Wenn ich das außer Acht lasse und annehme, dass zum Lösen der energetischen Blockaden auch die Denkinhalte nötig sind, dann fände ich den Satz folgerichtig, denn die Blockade würde ja in der Überzeugung bestehen, etwas nicht zu verdienen. Alternativ könnte man auch alle Überzeugungen beklopfen, was auch immer nicht zu verdienen und dann erst das eigentliche Problem. Da wäre "obwohl ich xy nicht verdiene..." quasi eine Abkürzung. Auf der Basis der m.E. falschen Annahme energetischer Blockaden hielte ich es aber für eine korrekte Schlussfolgerung.
Zitat von GastB:Dass man nicht einfach nur mechanisch und stumm klopfen sollte, hat m.E. durchaus eine Berechtigung. Das Klopfen könnte sonst vom Unterbewusstsein auf alte Muster fallen, z.B. von Schlägen, körperlichen Übergriffen sonstiger Art. Deswegen finde ich eine gewisse Richtungsvorgabe, eine gewisse (natürlich positive) Programmierung schon wichtig. Nur eben - positiv.
Das wird jetzt ein Mischmasch aus verschiedenen Traditionen, Theorien und Heilslehren. Die TCM kennt keine psychischen Störungen (im Sinne unserer "Störungen des Erlebens und Verhaltens"), kein Unbewusstes, kein Unterbewusstsein und keine Programmierung. Und das ist für mich ein weiteres Problem mit dem Klopfen: Da werden - hier zwar von Dir (nicht persönlich nehmen) - verschiedene Aspekte miteinander unvereinbarer Techniken hergenommen, wie sie gerade passen. EFT verballhornt Einsteins berühmte Formel: Es wird behauptet, Einstein habe gezeigt, dass Masse quasi gleich Energie sei, wir also alle aus Energie bestehen. Das ist schonmal falsch, denn die Formel besagt nur, dass Masse und Energie äquivalent sind, das bedeutet, dass man das eine in das andere umwandeln kann. Von Gleichheit kann keine Rede sein. Und damit liefert Einsteins Physik keinen Erklärungsrahmen mehr für EFT, und übrigens auch nicht für Akupunktur.
Die fernöstlichen energetischen Vorstellungen gehen außerdem auf ganz andere Tradtionen zurück als jedwede Theorie über das Unbewusste. Zu Letzterem wiederum gibt es völlig unterschiedliche Vorstellungen in den westlichen, vielfach psychotherapeutischen Theorien. Und die werden nun auch wieder beliebig vermischt. Nach Freud wären wir dem Unbewussten mehr oder weniger ausgeliefert (um es sehr zu vereinfachen), nach modernen psychodynamischen Ansätzen ist es neben dem bewussten Verstand ein evolutionär entwickeltes zweites (und extrem wichtiges) System der Verhaltenssteuerung (dazu kann ich die Bücher von Maja Storch sehr empfehlen), nach der Verhaltenstherapie entspricht es in etwa der Gesamtheit unserer automatisierten Lernerfahrungen und Überzeugungen, im NLP wäre es eine Art Festplatte ohne Angaben über ihren Inhalt. Und nur im NLP wird heute noch die Vorstellung einer Programmierbarkeit aufrecht erhalten.
Was man faktisch weiß und auch nachweisen kann, ist Folgendes: Wenn man lernt oder Erfahrungen macht, bilden sich Eiweißstrukturen im Gehirn. Wenn man sich intensiv mit einer Sache beschäftigt, werden es entsprechend mehr Strukturen als bei Dingen, die nur so beiläufig geschehen. Was aber genau wie repräsentiert wird, weiß man nicht. Dass es unbewusste Vorgänge gibt, die das Verhalten komplett steuern können, ohne dass man bewusst weiß oder auch nur vermutet, warum man sich so verhält, ist durch neurologische Experimente nachgewiesen - mit der Einschränkung, dass bei den Probanden Teile des Gehirns geschädigt waren. Darüber hinaus kennt man es aus der Alltagserfahrung, dass man sich seiner Motive nicht notwendigerweise immer bewusst ist. Man weiß also nicht wirklich viel über unbewusste Vorgänge und dementsprechend sind die Methoden einer bewussten Beeinflussung sehr begrenzt - sofern überhaupt vorhanden.
Bei EFT (und bei so ziemlich allen alternativen Verfahren und leider auch allzu oft in der etablierten psychotherapeutischen Praxis) wird der leider bescheidene Stand an Faktenwissen komplett ignoriert. Stattdessen wird (am ehesten in Anlehnung an Freud) ein System aus einem "Unterbewusstsein" gesponnen, das frühere Erlebnisse einerseits zu energetischen Blockaden verwurstet (Anleihe bei der TCM), andererseits die Auflösung dieser Blockaden aktiv behindert (da sind wir wieder bei Freud), so dass hier die Hilfe eines Anderen nötig wird, der einen besser erkennt als man selbst das tun könnte. Das wiederum sind typische Erwartungen an einen Guru.
Meine Mindestanforderung an eine Heilmethode wäre der empirische Wirksamkeitsnachweis, was wir ja schon eingehend diskutiert haben. Gibt's bei EFT nicht. Eine solide theoretische Basis könnte nicht schaden. Auch die gibt's bei EFT nicht, sondern Einsteins Formel, auf die man sich beruft, wird (bewusst?) missinterpretiert. Darüber hinaus wäre es schön, wenn die Theorie in sich geschlossen wäre. Ist bei EFT nicht der Fall: Ohne die bei Freud geliehene Erklärung des sabotierenden "Unterbewusstseins", das mit energetischen Vorstellungen nichts zu tun hat, hätte es sich ganz schnell ausgeklopft.
Ich kann übrigens verstehen, wenn man es mit dem Klopfen probiert. Und auch, wenn man im Erfolgsfall dabei bleibt. Wenn man sich besser fühlt, heiligt der Zweck mitunter die Mittel. Aber eins verstehe ich nicht, vielleicht kannst Du es mir erklären (und das ist nicht sarkastisch oder provokant gemeint): Wenn mir jemand was von "sorgenfrei in Minuten" erzählt, dieses Versprechen aber ganz offensichtlich nicht einhalten kann, dann fühle ich mich vera..... Du anscheinend nicht. Du verzeichnest (u.a. durch das Klopfen) einige Besserungen, was ja erfreulich ist. Aber den Anbietern und ihrer Theorie zufolge müsstest Du komplett geheilt sein (und bei Beklopfen der entsprechenden Themen dazu noch wohlhabend und erfolgreich). Da kann ich nicht nachvollziehen, wie man sich quasi schützend vor die Methode stellen kann, weil z.B. komplette Heilung bei unseren chronischen Verläufen zu viel verlangt wäre oder weil ja klar wäre, dass das nicht geht. In anderen Lebensbereichen würde man das Betrug nennen. Wenn ich einen Plasmafernseher bestelle und bekomme einen uralten Schwarzweiß-Röhrenfernseher geliefert, gebe ich mich auch nicht damit zufrieden, dass ich ja immerhin mit dem Ding fernsehen kann. Irgendwie vermisse ich die Empörung über derartige Geschäftemacherei, zumal ich sie mit chronisch Kranken besonders verwerflich finde.
Liebe Grüße
Christina