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Hallo ihr Lieben!
Mein Partner hat seit längerem immer wieder die Sorge, dass er tot krank sei. Häufig denkt er, bei minimalen Symptomen, dass er an Krebs leider o.ä.
Ich sage ihm dann immer, dass er sich doch mal untersuchen lassen solle, aber nach einigen Tagen, ist das Thema dann nicht mehr aktuell für ihn und er geht nicjt zum Arzt. Einige Tage später, denkt er dann, er habe eine andere Krankheit und recherchiert dann sämtliche Symptome im Internet, bis er schließlich davon überzeugt ist, diese Krankheit zu haben oder sich zumindest Gedanken darum macht, evtl darunter zu leiden.

Habe dann immer das Gefühl, dass sein gesunder Menschenverstand ausgeschaltet ist und er sich nicht vom Gegenteil überzeugen lässt.

ich weiß nicht mehr, was ich noch machen soll, da ich manchmal schon richtig sauer werde, weil ich mir denke, du kannst doch nicht so blöd sein und denken, dass du ewig schwer krank bist, nur weil du mal häufiger Kopfschmerzen hast! Ärztliche Untersuchungen wie Blut u.ä. Waren bisher immer unauffällig.

Habt ihr Tips für mich, wie es weiter gehen soll? Was kann ich tun um ihm zu helfen?

Liebe Grüße und danke für jede Antwort!

23.02.2017 22:04 • 12.03.2020 #1


17 Antworten ↓


Dein Partner ist offenbar ein Hypochonder. Was du für ihn tun kannst, kann dir hier vermutlich eher jemand sagen, der davon auch betroffen ist, ich bin es nicht.
Aber psychologische Hilfe wäre da wohl nicht unwichtig.
Der Verstand scheint "auszusetzen", weil es krankhaft ist. Er kann vermutlich gar nicht anders. Sprich am besten mal mit ihm über externe Hilfe. Jedenfalls klang es in deinem Post nicht danach, als würde er die bisher in Anspruch nehmen

23.02.2017 22:28 • x 1 #2



Partner hat Angst vor Krankheiten

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Da hast du vollkommen recht. Ich habe auch schon häufiger gesagt, er soll ich professionelle Hilfe suchen, da er vor einigen Jahren an Depressionen und Angststörung litt, mit denen er kurzzeitig in psychologischer Behandlung war. Diese hat er aber wieder abgebrochen, da er meinte , die Ärzte können ihm nicht helfen...nun hat er sich "allein" darauß "gekämpft" und hat seit längerem diesbezüglich keine Symptome mehr...aber seit einiger Zeit kommen nun diese Sorgen über seine Gesundheit....er sagt immer nur, er will sich Hilfe holen oder sich untersuchen lassen, das sind aber immer nur Phasen. Im Endeffekt macht er es dann doch nicht. Ich will ihn ja auch nicjt zwingen, weil ich denke er muss sich aus freien Stücken Hilfe suchen, da er sie sonst auch nicjt annehmen kann.

23.02.2017 22:38 • #3


Klingt irgendwie nach sowas wie ner Angstverlagerung. Die eine scheint weg zu sein, da taucht ne neue auf. Gabs da vielleicht ne Art Auslöser? Unerwartete Krankheitsfälle im Freundes-/Familienkreis oder so, dass er sich plötzlich darauf fixiert hat? Oder tritt die Phase, wo er damit anfängt, zu bestimmten Zeitpunkten auf? Erhöhter/anstehender Stress zb?

23.02.2017 22:42 • #4


Das habe ich mir auch schon gedacht....weil eine Angstsörung verschwindet ja nicjt einfach so....

Nein eigentlich nicht....eigentlich läuft momentan alles besser als zuvor...beruflich wie privat. Mir ist nur aufgefallen, dass er diese Symptome häufiger hat, wenn er nach längerer Zeit Canabiskonsum "abstinent" ist. Vielleicht ist da ein Zusammenhang?

23.02.2017 22:46 • #5


Naja, zwischen Angststörungen und Gras (oder überhaupt Dro.gen) kann man nicht selten eine Verbindung schlagen. Scheint ja regelmäßig der Fall zu sein bei ihm. Könnte mir das schon vorstellen, dass da ein Zusammenhang besteht.
Dass er am besten ganz die Finger davon lassen sollte, brauch ich dir wohl nicht zu sagen Vielleicht hat er da aber auch selbst eine Vermutung und hat deswegen die Therapie abgebrochen, weil ihm die Ärzte eh gesagt hätten, er solls ki.ffen sein lassen. Vorausgesetzt, er hat das zum damaligen Zeitpunkt auch schon gemacht, wovon ich jetzt einfach mal ausgehe

23.02.2017 22:55 • x 1 #6


Ja, die Ärzte haben ihm das gesagt

Aber er hat Schwierigkeiten Vertrauen zu den Ärzten aufzubauen. Häufig ist er da misstrauisch und denkt dann, sie nehmen ihn nicht ernst, wenn er mit den Symptomen die er hat zu Ihnen geht. Er sagt dann, dass sie ihn eh in die "Psychoschiene" stecken, da er wegen psychischen Problem schon mal behandelt wurde...ich glaube ihm ja auch, dass er die Symptome wie Bauchschmerzen, Herzstolpern und und und hat, aber er steigert sich da teilweise so rein Aber nach ein paar Stunden ist dann alles wieder vergessen....er ist davon überzeugt, dass er das Grad als "Eigenmedikation" benutzt, weiß aber auch, wann er es übertreibt. Dass er es mit solch einer psychischen Vergangenheit besser sein lassen sollte, denkt er nicht, da er wie gesagt denkt, dass ihm das Rauchen geholfen hat, über seine Angstörung hinweg zu kommen.

Er hat eigentlich viel auszuarbeiten, vor allem aus der Kindheit...aber er packt es einfach nicht, sich psychologische Unterstützung zu holen....und ich weiß nicht warum....die Angst davor, das Rauchen sein zu lassen, kann es nicht sein, denke ich.

23.02.2017 23:03 • #7


Hey,

mit dem Thema Canabis als Angstauslöser kenne ich mich persönlich nicht aus, aber es gibt offenbar einige Indizien dafür, dass das Zeug angstauslösend wirken kann. Vielleicht liegt darin die Grunderkrankung. Vielleicht aber auch nicht. Er muss wissen, wie es sich ohne Gras lebt, sonst findet er ja nie raus, was wirklich los ist und woran er arbeiten sollte. Das ist genauso "erfolgreich" wie Alk.ohol zum Einschlafen - bringt was, aber irgendwann verliert man die Kontrolle und den Blick auf den eigenen Zustand.

Bei mir ist die Angst schon immer "einfach so da".
Ich kann gut nachvollziehen, dass er die psychologische Behandlung abgebrochen hat. Mir konnte auch keiner helfen. Von Klangschalentherapie und alternativen Ansätzen halte ich nichts, in meiner Kindheit herumzustochern bringt auch nichts und regelmäßig Psychopharmaka einnehmen will ich nicht. Was bleibt also anderes übrig, außer sich selbst zu helfen? Ich muss sagen, dass es mir geholfen hat, mich zu informieren, also Selbststudium zu betreiben und auch von anderen Betroffenen zu lesen. Es gibt viele andere Ansichten und Arten, damit umzugehen. Momentan habe ich mich für keine Therapie entschieden und versuche, mit Konfontation mal mehr mal minder erfolgreich, wieder normal zu leben. Einen Teil habe ich schon geschafft - es ist nicht unmöglich.

Was die Hypochondrie angeht - mein Partner ist davon auch teilweise genervt. Verständlich. Auch er sagt mir, ich solle dieses und jenes Symptom abklären lassen, er könne mir schließlich nicht helfen. Manchmal mache ich das, aber ich bin niemand, der ständig beim Arzt sitzt.
Ganz wichtig ist es wohl, ihn damit nicht alleine zu lassen, sondern vielleicht begreiflich zu machen, dass das eine Störung ist, an der sehr viele Menschen leiden. Er möchte sicherlich alles andere als dir auf die Nerven gehen, aber du bist ein wichtiger Bezug in seinem Leben, weshalb er sich dir anvertraut. Und auszusprechen, was einen beschäftigt, hilft zumindest teilweise. Ich reiße mich auch immer wieder zusammen und versuche, Dinge mit mir selbst auszumachen. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass ich die "ich bin eh bald tot"-Keule raushole, weil ich in dem Moment auch davon überzeugt bin. Wir sind jetzt 11 Jahre zusammen und er weiß, wie er damit umgeht... es gehört zu uns, wir leben damit und die Angst steht nicht mehr im Fokus unserer Beziehung.

23.02.2017 23:09 • x 1 #8


Unterschätz das Verlangen nicht. Wie oft gehen Leute mit Atembeschwerden zum Arzt, der sagt ihnen, die sollen das Rauchen sein lassen, aber man raucht doch so gerne, also macht man einfach weiter.

Ich würde eher sagen, das Gras hat ihn da nur tiefer reingezogen, jetzt entwickelt er ohne ja diese Hypochonderschübe.
Wenn er zu einem Psychologen geht, ist das schonmal kein Arzt. Und Leute wie dein Partner, die eben solche Ängste haben, sind deren täglich Brot. Die kennen sich aus und können ihm helfen.
Unternimmt er nichts, wird das ewig so weiter gehen und du bist dann ja irgendwie auch betroffen, weil du es aushalten musst. Ob du das kannst, ist ne ganz andere Frage. Ich stell es mir jedenfalls auch wirklich anstrengend vor, bei allem Verständnis (was ich wohl auch nur habe, weil ich selbst eine Angststörung hab).

Ich schätze, er wird da auf Dauer nicht drumrum kommen. Solange der Leidensdruck noch nicht hoch genug ist, schiebt er es auf, die Quittung kommt aber wahrscheinlich irgendwann.

Inwieweit das jetzt "psychologisch sinnvoll" ist, kann ich nicht sagen, aber ich würde ihn damit schon konfrontieren. Dass das kein Dauerzustand ist, man selbst dadurch ja auch belastet ist, es der Beziehung schaden kann und er vor allem sich selbst schadet. Das wäre als Partnerin einfach mein Reflex. Versuchen eine Verschlimmerung abzuwenden, ihn bitten sich Hilfe zu suche, die eigene Hilfe anbieten natürlich auch.
Naja und die Sache mit dem Gras wäre für mich ein absolutes No Go, aber das liegt an vergangenen Erfahrungen, das muss jeder für sich wissen, was er davon hält.

23.02.2017 23:18 • x 1 #9


Ich danke euch sehr, für eure ehrlichen iund hilfreichen Antworten! Ihr habt mir schon wirklich weitergeholfen! Man fühlt sich nicht ganz so allein

23.02.2017 23:22 • #10


Hotin
Liebe Sternchen,

Deine Situation ist nicht einfach. Wie auch die Ärzte, weißt Du, dass Dein
Mann seine innerlichen Probleme aufarbeiten sollte.

Zitat:
Aber er hat Schwierigkeiten Vertrauen zu den Ärzten aufzubauen. Häufig ist er da misstrauisch und denkt dann,
sie nehmen ihn nicht ernst, wenn er mit den Symptomen die er hat zu Ihnen geht.


Im Inneren weiß Dein Mann vermutlich genau, was ihn bedrückt. Also erzählt er etwas von, "sie nehmen ihn nicht ernst".
Recht hat er. Die Ärzte sind nicht dafür da, an einer Stelle zu suchen, wo keine Krankheit vorliegt.
Das heißt, wenn er grundsätzlich einen psychischen Anteil an seinem Problem ablehnt, nimmt er Dich und die Ärzte
auch nicht ernst.
Wie aber kann man ein gesundheitliches Problem finden und beseitigen, wenn keiner den anderen ernst nimmt?
Das finde ich schwierig.

Viele Grüße

Bernhard

23.02.2017 23:24 • #11


11.03.2020 23:58 • #12


Zitat von Fine2:
Hi,mein Freund und ich sind seit vier Jahren zusammen. Seit ich ihn kenne, hat er große Angst vor Krankheiten und immer wieder Panikattacken. Nun wohnen wir seit kurzem zusammen und ich würde ihm gerne helfen, Hilfe für seine Sorgen und Ängste zu bekommen.Er war noch nie in Therapie wegen seiner Ängste, dabei schränken sie ihn stark in seinem Leben ein. Er ist überzeugt, schwer krank zu sein, misst ständig seinen Puls, googelt seine Symptome, zählt mir seine Symptome alle halbe Stunde auf und verzichtet auf Sport, um sich zu schonen. Kein ...

Zuerst einmal Respekt, dass du ihm helfen möchtest! Ich bin in der gleichen Position wie dein Freund und meine Freundin in deiner. Auch ich messe sehr häufig meinen Puls und mache keinen Sport aus Angst.

Hat er auch Panikattacken, wenn ihr zusammen unterwegs seid?

12.03.2020 01:02 • #13


Szegfue
Hallo Fine,

willkommen im Forum. Das klingt anstrengend und belastend. Möchte dein Freund denn eine Therapie machen?

12.03.2020 01:58 • #14


Danke Euch für die lieben Antworten Ich freue mich, endlich dieses Forum gefunden zu haben. Das hilft mir, meinen Freund besser zu verstehen.

Ja, er hat auch Panikattacken, wenn wir gemeinsam etwas unternehmen. Er bekommt dann keine Luft mehr, fängt an zu zittern, sein Puls wird ganz schnell...
Seine Hausärztin meinte auch, dass das Panikattacken sind und er solle doch über eine Therapie nachdenken. Aber er meint, dass mit seiner Lunge etwas nicht stimmt. Er war deswegen schon bei vielen Ärzten. Er ist zum Glück körperlich kerngesund, aber das beruhigt ihn nicht. Beim Essen denkt er auch immer, dass das Essen, das er verschluckt, in seiner Lunge landet (ich weiß gar nicht, wie das anatomisch überhaupt möglich sein soll?).

Habt ihr vielleicht eine Idee, wie ich ihm eine Therapie nahelegen kann, ohne dass er gleich abblockt?

12.03.2020 10:23 • #15


Szegfue
Hmm.. dass ist dann wirklich eine Herausforderung, dass er noch nicht bereit ist eine Therapie zu machen.

Hast du ihn schon mal gefragt, warum er das nicht machen möchte?

Was sind seine Argumente, die gegen eine Therapie sprechen?

Du könntest ihm ja vermitteln, dass ihm eine Therapie nicht schadet. Sondern im Gegenteil ein Zugewinn ist. Wenn er trotz der Therapie weiterhin die genannten Symptome hat, kann er trotzdem weiterhin Ärzte zur Abklärung konsultieren.

Die Psyche wirkt sich unglaublich auf den Körper aus. Ein Depressiver beispielsweise leidet bei Kopfschmerzen mind. 3 x so schlimm als ein Nicht-Depressiver. Warum das so ist, kann ich dir jetzt nicht im Detail erklären.

Vielleicht gibt es ja gute Literatur, die die Behandlung von Angstpatienten beschreibt. Es müsste etwas wissenschaftliches sein, was auch für Laien bzw. Betroffene verständlich ist.

Vielleicht wäre auch eine Selbsthilfe-Gruppe etwas. Dort trifft er Gleichgesinnte und könnte sich austauschen.

https://www.sekis.de

Mach ihm vielleicht auch deutlich wie sehr dich diese Situation belastet.

Es gibt auch den Sozialpsychiatrischen Dienst, wo man mal unverbindlich vorbeigehen kann. Um vielleicht einfach eine Meinung Einschätzung und Tipps zur Vorgehensweise von einer geschulten Person zu erhalten, die neutral ist.

Ich glaube dein Freund steht noch ganz am Anfang und er kann das noch nicht richtig einschätzen, dass die Symptome auf die Psyche zu schieben bzw. in Verbindung zu bringen sind.

12.03.2020 10:53 • #16


NIEaufgeben
Als erstes möchte ich dir sagen das ich es super toll finde das du an der Seite deines Freundes bleibst und versuchst ihm zu helfen...

Es ist sehr schwer an der Seite eines Hypochonders zu leben...manchmal kann es echt zur Hölle für beide werden...

Aber die Lust auf eine Therapie muss von ihm kommen...er muss es wollen und freiwillig daran teilnehmen....alles andere hätte keinen Sinn...

Anscheinend ist sein leidensdruck noch nicht schlimm genug...
Ich bin sicher,sobald es auch für ihn schlimm genug ist wird er sich um eine Therapie kümmern...

Ich wünsche dir alles gute und drücke euch die Daumen das alles gut klappt.

12.03.2020 11:11 • #17


Danke für die Tipps! Ich werde ihm jetzt weiterhin nahelegen, dass ihm eine Therapie sicher helfen würde. Aber ihr habt recht: Wenn er es nicht möchte, dann hilft ihm das nicht weiter. Ich werde mal nach Artikeln/Literatur suchen, in denen er sich vielleicht wiederfindet. Damit er erkennt, dass er nicht alleine ist und seine Ängste einen psychischen Grund haben

Momentan sucht er immer noch nach gesundheitlichen Erklärungen für seine Beschwerden. Da MS in seiner Familie verbreitet ist, meint er, seine Symptome deuten darauf hin. Ist zwar keine Erbkrankheit, aber trotzdem gehäuft in seiner Familie. Ich habe ihm schon gesagt, dass Menschen, die ihn lieben, ihn auch mit MS lieben werden. Denn das ist seine größte Sorge: Dass er schwer krank wird und ihn alle deswegen verstoßen. Ich wäre auch mit ihm zusammen, wenn er MS hat.

Nur diese ständigen Sorgen sind belastend. Wir sind beide Mitte 20 und ich möchte gerne Dinge erleben mit ihm und nicht jedes Wochenende zuhause sitzen, weil er sich "schonen" muss. Aber ihr habt recht, ich muss ihm wohl deutlich machen, dass ich unsere Beziehung so momentan nur schwer ertrage. Und dass ich ihm wirklich wünschen würde, Hilfe zu finden.

12.03.2020 12:01 • x 1 #18



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