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Prati

20.06.2016 17:06 • 08.04.2021 #1


28 Antworten ↓


miriam0707
Hallo nochmal,
also mir geht es ähnlich. Ich habe nicht mehr so wirklich Panikattacken. In meinem Kopf Kreisen diese Gedanken, Gedanken an Krankheiten und sterben. Ich achte ganz genau auf meinen Körper. Jedes ziepen und ziehen macht mich verrückt. Dann Male ich mir die schlimmsten Gedanken aus und zack fängt mein Herz an zu rasen. Manchmal kann ich mich ablenken aber an schlechten Tagen funktioniert das garnicht. Den ganzen Tag diese Gedanken im Kopf, dass macht einen verrückt ...

20.06.2016 17:14 • #2



Lösen Panikattacken wirklich all DAS aus?

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Hallo,
ich verstehe die Frage nicht ganz. Irgendwie liest sich das wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Bei mir genügt es schon, wenn jemand sagt: "Ich muß dir unbedingt was erzählen." und schon habe ich Panik, weil ich dann so wichtig bin, nicht aufstehen und weggehen kann. Es ist, als wenn mich jemand anbinden will. Wenn ich das Gefühl der Vereinnahmung habe, dann habe ich Panik. Und dabei renne ich nicht nervös panisch rum, sondern werde ganz regungslos, kann der Erzählung gar nicht folgen und habe das Gefühl, aus mir 'herauszutreten', mein Blut scheint zu erstarren und ich würde am liebsten weglaufen. Auch Orte und bestimmte Situationen lösen Panik aus. Insoweit ist für mich klar, daß nicht Panikattaken der Auslöser sind, sondern das Ergebnis meiner Angst.

Grüße

20.06.2016 17:42 • x 1 #3


Prati
Hallo Reenchen,

stimmt, dass war missverständlich ausgedrückt.

Was mich derzeit quält - neben dem Kopfpanikkino - ist die Frage - sind all die erlebten Symptome Teil einer Panikattacke bzw. evtl. auch Folgen dieser? Ich beobachte es bei mir in Etwa so...

- beim Treppensteigen der Gedanke was jetzt passieren könnte (Herz, xyz)
- umgehende körperliche Reaktion (zB. erhöhter Puls, Blutdruck steigt/fällt...)
- Panikattacke, so fern ich mich nicht "runter fahren kann"
- je nach "Stärke" fühle ich mich dann müde, schwach usw.

Aber ich fühle mich unabhängig von diesen Situationen wie eingangs beschrieben. Und da frage ich mich und Euch - erfahrt Ihr Ähnliches? Bei mir lassen bestimmte Symptome gar nicht nach.

Vielleicht ist es ja auch so, dass ich regelmässig kurz "panisch" reagiere und mein Körper mittlerweile "platt" ist vom vielen Angst haben. Das erlebe ich als fast noch schlimmer als die Angst an sich - weil es mir total die Kraft nimmt und mich komplett ausbremst. Und noch zusätzlich das Kopfkino befeuert, weil dann Gedanken aufkommen wie "so geht das doch nicht weiter", "mit mir muss doch körperlich was nicht stimmen"...

Hoffe, jetzt wird es etwas klarer...
Prati

Zitat von Reenchen:
Hallo,
ich verstehe die Frage nicht ganz. Irgendwie liest sich das wie die Frage nach dem Huhn und dem Ei. Bei mir genügt es schon, wenn jemand sagt: "Ich muß dir unbedingt was erzählen." und schon habe ich Panik, weil ich dann so wichtig bin, nicht aufstehen und weggehen kann. Es ist, als wenn mich jemand anbinden will. Wenn ich das Gefühl der Vereinnahmung habe, dann habe ich Panik. Und dabei renne ich nicht nervös panisch rum, sondern werde ganz regungslos, kann der Erzählung gar nicht folgen und habe das Gefühl, aus mir 'herauszutreten', mein Blut scheint zu erstarren und ich würde am liebsten weglaufen. Auch Orte und bestimmte Situationen lösen Panik aus. Insoweit ist für mich klar, daß nicht Panikattaken der Auslöser sind, sondern das Ergebnis meiner Angst.

Grüße

20.06.2016 17:56 • #4


Panik ist Fight-or-flight. https://de.wikipedia.org/wiki/Fight-or-flight
Wenn man Panik hat, stellt der Körper alle Stoffe zur Verfügung, die für einen plötzlichen Kampf oder Flucht nötig sind. Der Herzschlag und die Atmung erhöht sich, es wird mehr Sauerstoff durch Blut und Muskeln gepumpt, Hormone sorgen dafür, das du weniger Schmerz empfindest und die Organe arbeiten beschleunigt. Das sind ureigendste Verteidigungsstrategien des Menschen, sonst gäbe es ihn heute nicht mehr.

Es gibt Auslöser, bei denen unser Gehirn reagiert, als würden wir gerade von einem Löwen gejagd. Natürlich sind unsere Ängste keine Löwen, aber unser Körper denkt, er müßte sich verteidigen und diese Fehlreaktion läuft bei uns ab. Wovor man Angst hat, kann bei jedem Menschen völlig unterschiedlich sein - die Panikreaktion läuft aber körperlich immer gleich ab. Die Wahrnehmung bei jedem Menschen ist genauso unterschiedlich, wie die Angst, die Panik auslöst. Der eine nimmt das Schwitzen mehr wahr, der andere den Herzschlag und wieder andere haben plötzlich das Gefühl, sie müßten schnell aufs Klo.

PS: der Körper kann bereitgestellte Stoffe nicht einfach selbst zurück nehmen. Am Besten du versuchst mit Sport (mal auspowern), die Stoffe wieder aktiv abzubauen.

20.06.2016 18:11 • x 2 #5


Prati
So weit so klar. Der Körper haut alles raus was geht, sobald das Nervensystem auf Überlebensmodus schaltet.

Also ist es quasi "normal" sich nicht nur während einer Attacke sondern auch weit darüber hinaus schlecht zu fühlen und die von mir beschriebenen Symptome (so, oder ähnlich) wahrzunehmen..?

Was mich halt enorm wurmt ist - selbst dann, wenn ich mich "gut" fühle und keine Attacke habe, bin ich körperlich mehr als nur ein wenig eingeschränkt. Aber das ist dann wohl Ergebnis des "Angstmarathons" der letzten Wochen...

Das macht mir zusätzlich Angst bzw. löst Spannungszustände aus durch entsprechende Gedanken. Eine Spirale...

20.06.2016 18:25 • #6


Prati
Zitat von miriam0707:
Den ganzen Tag diese Gedanken im Kopf, dass macht einen verrückt ...


Hallo Miriam,

wie geht es Dir an den Tagen nach Attacken?

Prati

20.06.2016 18:29 • #7


miriam0707
Hey, im Moment bin ich generell so gut wie immer unruhig, hibbelig und nervös. Ich bin dann immer total erschöpft und mein Kopfkino lässt mich nicht in Ruhe. Ich achte einfach auf alles, gegen Abend wird es dann meist etwas besser.
Liebe Grüße

20.06.2016 18:31 • #8


Adrenalin ist das beste Beispiel. Wenn vom Körper plötzlich mehr Adrenalin zur Verfügung gestellt wird, dann erwartet z.B. das Herz, daß es jetzt ackern soll. Du merkst, daß dein Herz pocht und vielleicht denkst du, daß es jetzt Herzstolpern ist. Die Panik geht vorbei und du merkst aber immer noch, daß das Herz mehr schlägt und weil du mehr darauf achtest, holpert es natürlich oder zittert oder tickt... auch der Panikmodus geht nur langsam vorbei. Du wirst körperlich aber nicht aktiv, damit das Adrenalin auch verbraucht wird. So verbleibt das erhöhte Adrenalin und weicht nur langsam. Wenn du ständig täglich über Stunden in diesem Modus verbleibst, kann dein Körper das nicht abschalten.
Adrenalin baut man durch Bewegung ab. Wenn man sich einfach nur hinlegt oder sich mit TV ablenkt, wird das erhöhte Adrenalin irgendwann wirklich den Körper schädigen.

20.06.2016 18:34 • x 1 #9


Prati
Und das ist die Krux - als Laie weiss ich eben nicht, was von der Panik kommt und was evtl. doch eine andere Ursache hat. Könnte die Schilddrüse sein, oder eine Darmentzündung, oder, oder oder.

Wenn ich zB. während des Unterrichts die Schwäche und das merkwürdige Körperempfinden wahrnehme, geht der Kopfkasper ab. Ich kann mich zwar ganz gut runter fahren, aber nichts desto trotz denke ich sofort - "das kann doch nicht alles von der Angst kommen". Aber dann lese ich andere Beiträge hier und denke - "sehr wohl".

@Miriam
Bei mir ist es abends immer schlimmer - bis dahin bin ich weit aus besser beeinander. Für den Kopf muss ich wirklich einiges tun, damit der nicht komplett durch dreht. Das "was wäre wenn" spiele ich regelmässig durch - stelle mir das Schlimmste vor was passieren könnte. Übe mich in Akzeptanz - "dann ist es eben so" usw.

21.06.2016 19:56 • #10


miriam0707
Wenn ich beschäftigt bin geht es mir eindeutig besser, zum Beispiel auf der Arbeit. Vielleicht geht es mir auch Abends besser weil ich dann entspannen kann, ich male unheimlich gerne. Das mache ich jeden Abend zum runterkommen. Was machst du beruflich und in deiner Freizeit gerne?

21.06.2016 20:01 • #11


Prati
Musik! Klavier, leider nicht zuhause. Dann säße ich bei jeder Attacke sofort am Klavier. Malen sollte ich auch mal wieder probieren. Schön, dass du etwas hast, was dich beschäftigt/runter bringt! Hatte heute diverse Termine und während dessen keine Spur von "Panik" usw. Erst hinterher war da wieder Zeit für Gedanken... bäh!

21.06.2016 20:14 • #12


miriam0707
Ja richtig, sobald man zur Ruhe kommt, dann kommen diese blöden Gedanken. Ich versuche im Moment sobald diese Gedanken kommen an etwas schönem aus meinem Leben zu denken, klappt sogar manchmal. Ich kann nur empfehlen etwas zu suchen was einem Spaß macht und wenigstens etwas runter bringt. Ich weiß, leichter gesagt als getan ....

21.06.2016 20:18 • #13


Prati
... aber etwas was wirklich hilft, so scheint es. Mir hat vor kurzem jemand gesagt - nur "fühlen" hilft. Soll heissen - die jeweilige Empfindung einfach nur fühlen. Habe es ein paar Mal ausprobiert - ziemlich, äh, starke "Medizin". Dachte ich werde verrückt...

21.06.2016 20:22 • #14


miriam0707
Das nenne ich auch mal harte Medizin, habe ich aber auch schon oft gehört. Bei mir hilft es am besten wenn ich mich ablenke. Seit dem AD habe ich ja auch keine wirklichen Panikattacken, aber diese blöden Gedanken bekomme ich nicht aus dem Kopf und dieses blöde gleich passiert etwas ... man hat doch Vorstellungen im Kopf das ist der Hammer, kein Wunder das man da mal am Rad dreht. Spazieren gehen hilft mir auch super

21.06.2016 20:28 • #15


Phänomen
mir geht es genau wie dir, prati. ich kann mich nicht daran erinnern, jemals eine wirkliche panikattacke erfahren zu haben. musste mich einmal übergeben und das herz raste auch schonmal; aber so, dass ich das gefühl hatte, gleich die kontrolle zu verlieren, war es noch nie.
nichtsdestotrotz geht es mir momentan wieder total beschissen. ich habe permanentes völlegefühl und keinen wirklichen hunger oder appetit, power und antrieb fehlen schon unlängst. blutbild war natürlich wie immer bestens, trotzdem bleibt die angst.

22.06.2016 22:49 • #16


Prati
Hallo Phänomen,

das ist es ja! Ich verstehe - mittlerweile - das eine Panikattacke und/oder auch starke Ängste den Körper enorm belasten können. Scheinbar geht es nicht wenigen so, dass sie auch manchmal über Tage hinweg bestimmte Symptome erleben, sich schwach/müde usw. fühlen.

Aber bei mir wie heute - morgens Sport, danach 20 Minuten Rad. In der Arbeit dann Blutdruck niedrig. Später Kopfschmerzen. Schmerzen in den Beinen. Zuhause angekommen - total platt. Vor 5 Wochen habe ich noch jede Woche 100 km mit dem Rad zurück gelegt. 2-3 Mal zusätzlich Fitness. Jetzt - alles zuviel.

Habe später einen Arzttermin und mittlerweile hoffe ich fast, dass einer Mal sagt - da ist doch was. Weil dieser Zustand keiner mehr ist. Und das ist doch total schräg wenn man schon hofft, dass der Arzt eine (körperliche) Erkrankung bestätigt...

Prati

23.06.2016 14:12 • #17

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12.02.2020 21:08 • #18


zWo3
Hallo,

Was soll man groß dazu sagen, du bist eine von Millionen denen es so geht du bist keine Ausnahme und nichts besonderes. Ja du hast wirklich Panikattacken. Versuche dir einen Termin bei einem Psychologen / Psychiater deiner Wahl zu bekommen, und gehe dem ganzen auf den grund. Der Arzt wird dir wohl zu einer Verhaltenstherapie und einem SSRI raten. Was du damit machst ist alleine deine Entscheidung.

Alles gute und gute besserung.

13.02.2020 14:43 • #19


Vielen Dank für deine Antwort. Es fällt mir wirklich schwer damit umzugehen. Aber so ist es wohl bei allen. Wie genau geht man denn vor? Den Hausarzt darauf ansprechen?

Lg

13.02.2020 18:15 • #20



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Dr. Matthias Nagel