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Strand
Hallo zusammen,

jetzt bin ich mal wieder auf dem Forum, obwohl ich seit 2012 nicht mehr hier war....Ich war 2010 hier ständig, allerdings hatte ich da eine GAS und mittlere Depression. Nach Verhaltenstherapie und Medis gings mir dann richtig gut

Hab lang überlegt ob ich schreiben soll, aber vielleicht kann mir jemand helfen/Mut machen oder wie ich besser damit umgehen kann....Aaaalso: ich hab letztes Jahr im Mai mein erstes Kind bekommen, Geburt lief garnicht toll und endete zum Schluß im Kaiserschnitt, was ich als ganz schlimm erlebt hab. War da so hilflos und schwach, und auch durch die Wehen hab ich meinen Körper so zerbrechlich und schwach wie nie erlebt. Na ja...
Seit ich das Baby habe, denke ich fast jeden Tag darüber nach wie schlimm es jetzt wäre wenn ich Krebs bekommen würde....und denke da echt ständig drüber nach. Jedes Bauchweh ist Magenkrebs, jedes Kopfweh ein Hirntumor, heute hab ich Knieschmerzen, also Knochenkrebs, mal tut mir der Rücken weh, dann könnte es Lungenkrebs sein. Brüste werden sowieso ständig abgetastet....etc etc...
Mache am Montag jetzt so einen Selbsttest von der Apotheke für Darmkrebs weil ich manchmal blute (rotes Blute = müssten meine Hämorrhoiden sein, weiss ich ja auch eigentlich...)
Ich bin da total besessen davon irgendwie, auch mit der Ernährung (Anti-Krebs-Kochbuch zum Beispiel)....

Seit ich das Kind hab, ist das völlig ausgeufert...der Chef von meinem Mann ist vor zwei Jahren ganz tragisch mit 40 an Magenkrebs gestorben, schnell und schlimm. Und auch irgendwie um einen rum haben doch irgendwie alle Krebs, dauernd hört man es hier und da. Es macht mich wahnsinnig!

In meiner Familie gibt es eigentlich keinen Krebs, ich rauche nicht und trinke auch schon lange kaum was, bin schon noch übergewichtig gerade aber bemühe mich redlich gesund zu leben. Aber auch das ist ja keine Garantie!

Ich gehe zu allen Vorsorgesachen die man machen kann, aber mich belastet diese Angst total und frage mich, wie kann ich damit umgehen....oder habt ihr Tipps für Bücher? Oder Homepages? zur Not rufe ich vielleicht auch meine alte Therapeutin an...Jedes kleine Zipperlein das ich habe, ist bei mir immer gleich Krebs oder wenn nicht Krebs dann eine Nervenkrankheit die ganz schlimm ist...

Ich sags euch, da steht man mitten im Leben, hat ein Baby und ist soweit ich weiss kerngesund und denkt die ganze Zeit an so eine Sch......!

Vielleicht was von euch jemand Rat...

07.02.2014 15:42 • 11.02.2014 #1


9 Antworten ↓


Hallo und Guten Abend,

ich bin zwar ein Mann, 53 Jahre alt, aber ich habe genau solche Ängste wie Du.
Dazu muß ich schreiben, dass ich schon lange Frührentner bin wegen einer Zwangserkrankung.

Auch ich denke immer, dass ich Krebs habe.
Kleinere Symptome bewerte ich über.

Aber in letzter zeit geht es mir wieder schlecht.

ich denke von früh bis abend nur daran, dass ich Krebs haben könnte und daran sterben werde.

Das Schlimme ist, zum Arzt traue ich mich auch nicht, wegen der eventuellen schlimmen Diagnos Krebs!

Deshalb halte ich lieber Schmerzen aus, solange noch erträglich.

Ich lese im Internet dann über die jeweilige Krebserkrankung und deren Symptome und dann empfinde ich diese Symptome auch wirklich.

Es ist ein Teufelskreislauf.

Dazu kommt noch, dass ich panische Angst vor Krankenhäusern habe.

Das erstmal zu mir.

Über eine Antworte würde ich mich freuen,

Bis dahin liebe Grüße und Kopf hoch

Matthias

08.02.2014 18:31 • #2



Jeden Tag Krebsangst!

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Hallo Strand und Matthias,

ich reihe mich bei euch ein.
Durch eine bösartige Tumorerkrankung Anfang letzten Jahres leide ich nun auch unter Krebsangst und bewerte jedes Symptom über.
Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich mich ständig selbst beobachte und meine Gedanken kreisen und kreisen sehr, sehr häufig nur um dieses Thema.

Ich mache seit einem Jahr eine Psychotherapie und mache langsam winzig kleine Fortschritte.
Oft verfalle ich aber wieder in den Panik-Modus, aus dem ich mich dann mühsam wieder befreien muss.

Ich habe mir ein Buch zugelegt: Die Angst vor Krankheiten verstehen und überwinden.
Das Buch hilft mir sehr, weil es mir immer wieder vor Augen führt, dass die Angst vor Krankheiten die eigentliche Krankheit ist und dass die Gefühle und Ängste, die man empfindet, ein Ausdruck der Angsterkrankung sind und nicht ihren Ursprung in einer tatsächlich vorhandenen organischen Krankheit haben.
Es zeigt auch auf, dass krankheitsängstliche Menschen glauben, sich durch ihre ständige Besorgtheit gegen schlimme Krankheiten wappnen zu können und damit den Teufelskreis aus Angst und Besorgnis immer weiter selbst befeuern.
Diesen Teufelskreis können nur wir selbst unterbrechen, da nur wir selbst Einfluss auf unsere Gedanken und Gefühle haben.
Wir müssen lernen, unseren Gedanken eine andere Richtung zu geben, dann können auch die Gefühle nachziehen.

Und immer daran denken: die Angst kann uns vor nichts bewahren. Sie schützt uns nicht vor Krankheiten und sie bietet uns auch keine Vorbereitung !
Sie hat für uns in dieser Form daher keinen Nutzen. Jedenfalls nicht den Nutzen, den gesunde Angst sonst hat!

Wir müssen lernen, uns dem hier und jetzt zuzuwenden ! Wahrnehmen, dass wir Angst haben, aber dass ansonsten alles in Ordnung ist.

Das ist harte Arbeit, aber es wird sich lohnen.

Ich selbst arbeite täglich daran. Mal erfolgreicher, mal weniger erfolgreich...

10.02.2014 11:17 • x 1 #3


Mir gehts im moment ähnlich. ist aber bei mir nicht unbedingt auf krebs beschränkt. ausgelöst wurde es bei mir dadurch dass im moment um mich rum schreckliche krankheiten toben. an jeder ecke höre ich von (jungen) menschen, die krebs haben, schlaganfälle oder schreckliche andere dinge. da denke ich mir dann: Ok, du hast nicht wirklich symptome zurzeit - aber wenn doch sooooo viele junge menschen so krank sind ist die wahrscheinlichkeit, dass in dir was schlummert doch extrem hoch.

Auch wenn in meiner familie bisher keinerlei krebserkrankungen und schlaganfälle vorkamen. (zugang zu meinen gedanken: Als ich das grade schrieb dachte ich plörtzlich: verdammt, wenn so viele junge leute was haben, dann sind meine eltern bestimmt erstrecht bald dran und fange an mich deshalb auch nochv errückt zu machen).

10.02.2014 11:45 • #4


Kann ich auch ein Lied von singen. Habe jeden Tag Angst vor Krebs, aber auch vor einem Schlaganfall usw. und bewerte Kleinigkeiten über. Bei mir liegt es anscheinend daran, das ich meinem Körper in meinem bisherigen Leben recht viel zugemutet habe. Ich habe 10 Jahre lang geraucht, viele Nulldiäten gemacht und trinke auch zu viel Alk. weil dieser mir bei meinen Panikattacken hilft. Bei jedem Zipperlein denke ich das sich dieses Verhalten nun rächt. Jeder unerklärliche blaue Fleck ist Knochenkrebs und jedes ziehen im Kopf ist ein Hirntumor. Seit heute Morgen allerdings habe ich ein pochen im Ohr, deshalb warte ich auf den nahenden Schlaganfall anstatt den relativ sonnigen Tag zu genießen..
Was können wir daran bloß machen? Warum versauen wir uns unser kurzes Leben nur mit so doofen Gedanken?

10.02.2014 12:30 • #5


Strand
Hallo!

Nachdem ich den beitrag geschrieben hab, hab ich nochmal ernsthaft nachgedacht...

Ich glaube daran rumzudenken dem ganzen Tag verschwendet nur die Lebenszeit in der ich gesund bin...wenn man sich umschaut: ja, es gibt Leute die krank sind aber wenn man genau schaut ist doch die mehrheit gesund? Die regel ist doch eigentlich dass man gesund ist.
Heute gehts mir eigentlich nicht gut, mir ist komisch im kopf und ich fühle mich psychisch angeschlagen, aber ich versuche dem zu begegnen mit etwas dass ich in meiner letzten psychotherapie gelernt habe: Akzeptanz! Ich akzeptieren meine Angst, nehme sie an, will ihr aber nicht die macht geben mein Leben zu bestimmen.
Alles was ich tun kann ist Vorsorgeuntersuchungen zu machen, gesund zu leben und vorallem eine positive einstellung zum Leben zu pflegen. Klingt leicht das so zu sagen, aber mir die ganze Zeit sorgen zu machen bringt mich auch nicht weiter...Gedanken machen gefühle, also will ich wieder mehr Gedankenhygiene betreiben.

@tanilein: das Buch will ich mir auf jeden fall zulegen!

LG

10.02.2014 12:32 • x 1 #6


Hallo Panikmichi und Strand

Ihr nehmt mir die Worte aus dem Mund, vor allem du, Strand.

Wir müssen uns selbst helfen. Denn am effektivsten und schnellsten funktioniert die Hilfe an uns selbst.

Wir müssen versuchen, vernünftig, anstatt zu emotional zu denken.
Wir müssen uns sagen: die Wahrscheinlichkeit, dass ich nichts habe, ist viel größer als der umgekehrte Fall.

Ich halte es genau wie du, Strand: ich versuche, so gesund wie möglich zu leben, nehme die wichtigen Vorsorgeuntersuchungen wahr und der Rest muss VERTRAUEN sein ! Wir müssen vertrauen in uns und unsere körperliche Gesundheit lernen.
Wir müssen uns, wie all die psychisch Gesunden einfach sagen Ich werde schon nichts schlimmes haben anstatt ich habe bestimmt was schlimmes

Wir müssen uns klar machen, dass es uns wundervoll gehen könnte, wenn wir nur unsere Sch...Gedanken in den Griff kriegen würden.

Strand: das Buch lese ich jeden Abend und markere mir die interessanten und auf mich zutreffenden Stellen mit einem Textmarker an. Da ich dann verstehe, was mit mir los ist, kann ich ruhig einschlafen und dieses Gefühl dann auch am nächsten Morgen (erstmal) empfinden.
Das tut gut !
Unsere Krankheitsangst gibt uns so viel Sicherheit, weil wir diesen ständigen Angstzustand kennen. Eine Art perverse und paradoxe Geborgenheit ist das. Zumindest ist es ein vertrauter Zustand.
Jetzt müssen wir den Mut aufbringen und diesen ausgelatschten Weg verlassen und uns seitlich durch das dichte Gebüsch in Richtung weniger Angst schlagen.
Das ist anstrengend, denn der ausgelatschte Weg ist viel bequemer.
Aber wenn wir uns ertsmal den neuen Weg gebahnt haben, dann können wir profitieren und es wird uns irgendwann besser gehen.

Wir müssen einfach nur lernen, dass der Zustand ohne oder mit wenig Angst uns keine Angst zu machen braucht, sondern der RICHTIGE Weg ist.

Es tut mir unglaublich gut, mich mit euch auszutauschen !

10.02.2014 12:45 • x 1 #7


Hey Leutz Bin 26, habe auch schon seit Jahren Krebsangst, hatte letztes Jahr angeblich n Tumor im Eierstock, Bauchspiegelung, GARNIX! Hab dann versucht mich aus Angst zu killen, weil ich dachte, ich machs lieber selber als das eine Krankheit das macht, und meine Tochter is erst 6, das war mega ego von mir, aber was ich euch sagen will: Meine Angst is noch da, ja, aber wir müssen alle sterben und ich hab kein bock mehr nur dran zu denken, es kommt doch eh, das kann man nicht ändern, aber es is bestimmt nicht so schlimm wie man sich das immer einredet, es is nur das Unbekannte wovor wir uns fürchten, also genießt euer Leben und Kopf hoch, opk Magische Grüße

10.02.2014 13:37 • x 1 #8


Strand
Hei Tanilein und LittleMissPotter,

Danke für die Beiträge - seht ihr, eigentlich wissen wir ja wie es geht Also ich hab die letzten Tage gedacht, ich muss mich da selber wieder erziehen. Jetzt war ich heute wirklich den ganzen Tag so benommen im Kopf, echt beschissen sag ich euch, aber ich hab auch beschlossen ich lass mich dadurch nicht kleinkriegen. Wahrscheinlich kommt die Benommenheit im Kopf von Verspannungen im Nacken und Rücken die ich grad dauernd hab da ich mein 9-kg-Baby überall durch die Gegend trage...und nicht weil ich Krebs im Kopf habe oder die nächste Depression kriege.
Man muss schon auf sich aufpassen, keine Frage, aber das tue ich auch.
Ich will mich am Leben freuen und mir nicht ausmalen was passieren könnte...macht ja auch keinen Sinn.

Ich werde versuchen positive lebensbejahende Gedanken zu denken, und wenn mir komisch im Kopf ist nicht darauf achten, sondern mich mit etwas beschäftigen, und mich ablenken! Und Ablenkung hab ich eigentlich genug durch meinen Stöpsel hier.

Meint ihr so eine Art Rückschlag bei mir könnte auch gekommen sein weil es tierisch anstrengend ist mit Baby, schlaflose Nächte, viel stillen und etwas blödes Geburtserlebnis? Das kann einem doch schon auch den Kopf verbiegen bisschen, oder? Was meinen da die erfahrenen Mütter unter euch? Da muss man schon gucken dass man nicht auf der Strecke bleibt, oder?

An alle:

LG

10.02.2014 17:26 • #9


Hallo Strand,

ich glaube, deine Strategien sind gut.
Du hast dir vorgenommen, der Angst nicht zu viel Raum zu geben, sondern sie zu beherrschen, bevor sie dich beherrscht.
Ich glaube, das ist genau der richtige Ansatz.

Ich bin mir übrigens sicher, dass dein Rückfall sehr viel mit deiner aktuellen Situation zu tun hat.
Zwar empfindest du Glück mit deinem Baby, andererseits hast du aber auch viel Stress, wenig Schlaf und eine völlig veränderte Situation.
Und wenn man sich auf einem so hohen Stresslevel befindet, dann hat natürlich die Angst freie Fahrt.
Sie setzt sich oben auf dein ohnehin schon hohes Stressleves drauf und ist dann quasi der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Das haben wir doch sicher alle schonmal erlebt, dass aus einer durch und durch entspannten Situation heraus weit seltener starke Ängste entstehen, als wenn wir uns gerade gestresst und ausgelaugt fühlen.

Deswegen ist es auch enorm wichtig, dass wir Angstpatienten unser Wohlbefinden so gut es geht steigern, mit was auch immer.
Dann sinkt der Stresslevel und dann kann die Angst einfach nicht so gut andocken.

Ich weiß aber selbst, dass das im Alltag oft wenig bis gar nicht gut möglich ist

11.02.2014 09:06 • #10



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Dr. Matthias Nagel