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psychologin91
Hallo Zusammen,

ich hab seit ca. 4 Monaten mit Panikattacken zu kämpfen. Es fing bei mir aber erst an, nachdem mein Opa gestorben ist. Dazu muss ich kurz erklären, dass er mir sehr, sehr wichtig war und ich ihn zwei Monate nach seinem Herzinfarkt und der OP auf der Intensivstation begleitet habe. Das war eine heftige, belastende Situation. Der Spagat zwischen Arbeit und Krankenhaus, ständiger emotionaler Stress haben mich wirklich sehr mitgenommen. Das ich ihm nicht helfen konnte, war das Schlimmste in der ganzen Zeit!

Und ich glaube, genau da liegt der Knackpunkt: Die erste Panikattacke hatte ich beim Autofahren auf der Autobahn. Ich dachte ich bekomme einen Kreislaufzusammenbruch und werde Ohnmächtig. Alles hat sich plötzlich gedreht und mein Herz hat geschlagen wie verrückt. Bei der zweiten habe ich vorher mit meiner Tante telefoniert und mich so aufgeregt, dass ich direkt danach beim Fahren eine heftige Attacke bekommen habe und nicht mehr weiterfahren konnte. Musste dann abgeholt werden.
Mittlerweile weiß ich ja woran es liegt und hab es ganz okay im Griff. Aber in letzter Zeit wird es wieder schlimmer. Sogar auf der Arbeit habe ich es und das ist echt schei..
Folgende Symptome spielen sich dann ab: Schwindel, als würde ich neben mir stehen - das Gefühl, dass ich nicht richtig sehen kann auf einem Auge - Taubheit - Arme und Hände fangen an zu kribbeln - Herzrasen - Übelkeit - Ohnmachtsgefühl.
Gerade beim Autofahren ist das echt bitter, ich stell mir dann vor wie ich die Kontrolle verliere und gegen einen Baum oder so fahre.
Wer von euch kennt das auch?

20.07.2015 11:29 • 30.12.2015 #1


21 Antworten ↓


achterbahn
Hallo!

Mir geht es ganz gleich wie dir!
Hatte voreineinhalb Jahren meine erste Panikattacke. Während dem Autofahren, in einem Tunnel.....
Damals wusste ich noch nicht, dass es eine PA war und rief die Rettung an. Nach unzähligen Untersuchungen und noch 3 Mal Krankenhaus, wusste ich, dass ich unter PA leide.

Letztes Jahr hab ich sie ganz gut in den Griff bekommen. Mit Hilfe von Medikamenten war ich im Herbst wieder fast Beschwerdefrei. Ich hab die Medikamente abgesetzt, leider, denn vor zwei Monaten kam alles wieder zurück, und noch heftiger als zuvor.

Ich bin auch gerade dabei, eine Lösung zu finden, dass ich wieder mit dem Auto fahren kann.
Aber im Moment kann ich nicht mal mitfahren, ohne Panik zu bekommen.

Meine beste Freundin ist vor knapp 2 Jahren gestorben, und das war sehr schlimm für mich. Noch dazu hatte ich fast zur selben Zeit eine Bauch OP, die mich auch ganz schön mitgenommen hat. Es war einfach alles zu viel, und mein Körper hat rebelliert.

ich kann dir leider auch nicht genau sagen, wie du das mit dem fahren wieder in den Griff bekommst. Denn ich weis es im Moment ja selber nur theoretisch.

Schau mal hier agoraphobie-panikattacken-f4/arzt-raet-von-urlaub-ab-was-soll-ich-nun-tun-t66490.html
Ich hab dort ganz viele tolle Tipps bekommen, die ich nun einen nach dem anderen angehen werde. Vielleicht ist ja auch für dich was dabei.

Ich versteh wirklich sehr gut, wie es dir gerade geht.
Vielleicht können wir ja in Kontakt bleiben, und uns gegenseitig motivieren und helfen.

GLG, achterbahn

20.07.2015 11:42 • #2



Autofahren: Panik während der Fahrt

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psychologin91
Hallo Achterbahn,

auch wenn die Situation beschissen ist, bin ich froh, endlich mal nicht mehr alleine mit diesem Gefühl zu sein.
Was für Medis hast du denn genommen? Ich möchte eigentlich keine nehmen und rede mir ein, dass ich stark genug bin um das alles so durchzustehen. Aber Angst habe ich davor, dass ich irgendwann gar nicht mehr fahren kann oder komplett durchdrehe. Das ist ja echt so eine 50:50 Chance.
Hab auch schon über eine Verhaltenstherapie nachgedacht. Allerdings ist es wirklich so schwer und langwierig einen Therapeuten zu finden, da hab ich schon gar keine Lust drauf.

Tut mir übrigens sehr leid mit deiner Freundin. Sind die Panikattacken deshalb denn entstanden?

Liebe Grüße

20.07.2015 13:06 • #3


schmölle
Hallo.

Ich kann euch auch gut verstehen.

Hatte 2011 einen schweren Autounfall auf der Autobahn wo wir uns überschlagen haben. Uns ist damals ein Rentner ungebremst hinten rein gefahren (er war wohl bewusstlos)

Dann wurde uns von der Polizei mitgeteilt man konnte nicht nachvollziehen warum er bewusstlos wurde.

Und dann ging es los das ich beim fahren auf Landstraße auch schon eine panikattacke hatte und anhalten musste. Autobahn traue ich mich gar nicht mehr zu fahren.

Dann kam es irgendwann das ich die panikattacken im Alltag hatte... Einkaufen, Arbeit. Mittlerweile geht es halbwegs. Versuche mir immer einzureden das es nur die angst ist

Derzeit kämpfe ich etwas mit atemnot. Irgendwas ist immer

20.07.2015 13:22 • #4


psychologin91
Oh je Schmölle,

das hört sich wirklich nicht gut an Aber ich kann dich so gut verstehen, weil das auch immer eine meiner größten Ängste ist: Die Kontrolle verlieren und bewusstlos werden beim Fahren.

Ein Freund der Familie hatte Anfang des Jahres einen Herzinfarkt beim Autofahren und ist dann gegen einen Baum. Wenn man Jemanden kennt, der sowas hatte, macht es das auch nicht besser.

Ich hasse diese Situation so sehr will eigentlich nur, dass es so wird wie vorher!

20.07.2015 14:20 • #5


schmölle
Ja genau. Ich habe jetzt auch ständig angst das Bewusstsein zu verlieren. Hab auch immer mal wieder mit Schwindel zu tun durch die ganze Anspannung. Und dann schießt auch direkt das Adrenalin durch den Körper.

Deine angst kann ich auch gut nachvollziehen.

Hab 2010 meinen Führerschein gemacht und bin so gerne Auto gefahren. Das hat alles kaputt gemacht. Und seitdem hab ich auch ständig angst vor dem umkippen / sterben

20.07.2015 14:29 • x 1 #6


Icefalki
Hallo, reihe mich mal bei euch rein, weil der offizielle Beginn meiner Angsterkrankung auch beim Autofahren begonnen hat.

Da hat es aber leider nicht geendet, sondern hat sich auf alle Lebenslagen ausgebreitet.

Das Gute ist, dass ich unbedingt arbeiten wollte. D.h. Ich bin trotzdem raus, bin trotzdem gefahren (Nebenstrecken), habe trotzdem irgendwie funktioniert. Und das ganze Theater auch ausgehalten. Geht nämlich. Heute nennt sich das Konfrontation, ich habe es eben gemacht, aber natürlich auch mit vielen Vermeidungen, Rückschritten, das ganze Theater halt.

Rettung war vor 11 Jahren nach Zusammenbruch medis und Therapeut.

Fazit: selbst Autobahn fahre ich nicht mehr. Fehlt die Motivation. Sonst kann ich wieder alles.

Überlegt mal, hat die hintergrundsproblematik damit zu tun, eingesperrt ohne fluchtmöglichkeit ein Leben zu leben (wie auf der Autobahn). Und was könnte man da ändern?

20.07.2015 14:39 • #7


Ich kann gar nicht mehr mit dem Auto fahren, seit 2 Jahren. Es ist ganz einfach viel zu gefährlich. Wenn man bedenkt, was da alles passieren kann. Was ist, wenn man eine Geschwindigkeitsbegrenzung übersieht? Ich habe nach jeder Fahrt panische Angst vor ner Strafe. Das dauert gleich 2 Monate lang. Außerdem gibts bei mir in der Gegend massenweise Rehe. Ein Zusammenstoß mit einem Reh kann tödlich enden. Und wenn man nen Unfall hat, dann ist man womöglich schwer behindert oder tot. Ich fahr lieber mit der Bahn, da kann weniger passieren. :/

20.07.2015 14:44 • #8


Tranix
Hallo,

ich kenne das mit den Panikattacken beim Autofahren.

Ich habe letztes Jahr 120 KM von mir aus eine Katze gekauft und bin mit dem Auto hingefahren, auf dem Weg dorthin änderte sich das Wetter schlagartig von Sonne zum dicksten Gewitter. Es wurde stockdunkel und durch den starken Regen konnte ich nur noch 50 km/h fahren.
Ich merkte wie mir komisch wurde, meine Beine fingen an zu zittern und ich dachte, ich müsste jeden Moment sterben. Es wurde so schlimm, das ich auf den Seitenstreifen fahren musste und anhalten musste.
Da stand ich mitten auf der Autobahn mit einen meiner schlimmsten Panikattacken die ich je hatte.
Es dauerte eine Zeitlang, bis es mir besser ging. Fühlte mich danach fix und fertig, bin aber weiter gefahren und habe die Katze geholt und bin auch die 120 km wieder zurück gefahren.
Mittlerweile mache ich eine Therapie und was mir mein Psychologe immer sagt, Man muss die Situationen aushalten, irgendwann werden diese schwächer und schwächer.
Wenn man vor den Situationen flieht, bekommt die Angst überhand und wird immer stärker.

Ich weiß, das ist leicht gesagt, ich kenne das selber, aber es hilft mit der Zeit.

Ich habe mittlerweile nur noch selten Panikattacken und kann viele Dinge wieder, die ich vorher nicht konnte. Ich habe zwar oft das Gefühl, das die Panik kommt, stehe dann neben mir, fühle mich irgendwie total leicht und alles ist surreal, aber die Panikattacken kommen nicht mehr richtig durch.

Ich denke das ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Wünsche dir viel kraft
lg
Sascha

20.07.2015 14:48 • x 1 #9


Martin91
Hey zusammen,

hört sich alles recht vertraut an, was ihr da schreibt.
Verhält sich zwar bei mir etwas anders, aber vllt helfen dir meine Tipps ja etwas:

- Versuche während der Autofahrt nicht zu sehr auf deinen Körper und deine Atmung zu achten (höre nicht zu sehr in dich hinein)
- Während langer Autofahrten verkrampfen evtl. die Muskeln in Schultern und Brustkorb. Man sollte sich bewusst machen, dass dies NICHTS mit dem Herzen zu tun hat.
- Mach dir bewusst, dass du gesund bist und nur die Angst vor der Angst (Erwartungsangst) das Problem ist.

Ich hatte im April einige Zeit mit Panikattacken zu kämpfen (zwar nicht offiziell vom Arzt bestätigt aber Blutwerte und Herz durchgecheckt und alles (sehr) gut, und nach einiger Recherche bleiben nur harmlose PAs)

20.07.2015 15:16 • x 1 #10


flügelpupser791
Hallo an,alle
Willtw auch,Führerschein machen zum Glück hab,uch net denn,wenn ich,genau nach denke ist,das tu gefährlich mit den,Angstzustände den,die kommen ohne vorwarnungen.......
Kg

20.07.2015 15:33 • #11


flügelpupser791
Sorry ich meinte lg

20.07.2015 15:33 • #12


psychologin91
Hi zusammen,

wow, so viel tolle Tipps und Geschichten - echt super! Es fühlt sich wirklich gut an zu wissen, dass ich nicht alleine mit dieser Situation bin.
@tranix, freut mich, dass du nur noch selten PA´s bekommst.
Wenn eine Attacke beim Fahren bekommen sage ich mir auch immer, dass ich nun einfach aushalten muss, sonst wird es nur noch schlimmer. Aber das kostet echt so viel Kraft, das ist unbeschreiblich. Gestern morgen hatte ich eine auf dem Weg zur Arbeit. Ich fahre schon extra nicht mehr alleine, sondern fahre mit zwei Kollegen um das ganze etwas erträglicher zu machen. In letzter Zeit ist es wirklich wieder schlimmer geworden, da habe ich fast täglich eine.

21.07.2015 07:50 • #13


psychologin91
Zitat von schmölle:
Hab 2010 meinen Führerschein gemacht und bin so gerne Auto gefahren. Das hat alles kaputt gemacht. Und seitdem hab ich auch ständig angst vor dem umkippen / sterben


Kenn ich, Schmölle. Ist echt nicht schön.
Wiederum bin auch der Meinung, dass man der Panik nicht so viel Raum bieten darf. Die darf uns einfach nicht kaputt machen. Das ist immer einfacher gesagt als getan, aber wenn man irgendwann aufgibt dann wird es niemals besser sondern in allen Lebenslagen immer schlimmer. Das ist doch auch traurig.

21.07.2015 07:57 • #14


Mondkatze
Hallo zusammen,

das Allerschlimmste wäre für mich, wenn ich nicht mehr Autofahren könnte wegen der Angst.
Ich liebe Autofahren, auch sehr schnell, bin ein notorischer Schnellfahrer, und Motorrad fahren über alles. Motorrad fahren habe ich mir schon abgeschminkt, geht nicht. Ich hoffe, das wird mal wieder, weil mein Motorrad im Stall wartet.

Beim Autofahren habe ich auch schon PA`s gehabt. Bin aber einfach weitergefahren, allerdinsgs gaaaaaaanz schnell nach Hause.
Beruflich brauche ich mein Auto, da ich auch im Außendienst tätig bin.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich als Kind mal einen Autounfall miterlebt habe. Meine Schwester war leicht verletzt, um mich hat sich keiner gekümmert, obwohl ich noch ein Kind war.

Ich war ja im Rettungsdienst tätig, da habe ich einige Beinahe Eigenunfälle im Einsatz erlebt und einen hefigen Eigenunfall.
Ich meine jetzt nicht die Unfälle, zu denen wir gerufen worden sind. Diese Einsätze haben mir nie was ausgemacht.

Sondern solche, wo wir als RTW-Besatzung gefährdet waren. Der letzte war heftig, der RTW war Totalschaden. Ich war als einzige ( leicht ) verletzt. Konnte lange nur im Sitzen schlafen, weil alles im Brustkorb weh tat.
Das ist jetzt etwas über 10 Jahre her und ich erschrecke immer noch, wenn ein Fahrzeug von rechts kommt.
ich glaube, das ist auch alles noch irgendwie im Kopf, wenn auch im Unterbewußtsein.

Autobahn vermeide ich absolut, wenn ich allein fahre. Dann nehme ich lieber Umwege über die Dörfer in Kauf.
Nur wenn wir in Urlaub fahren, geht es ja nicht anders. Das ist dann der totale Horror für mich.

LG
Mondkatze

21.07.2015 08:29 • #15


psychologin91
Zitat von Mondkatze:

Beim Autofahren habe ich auch schon PA`s gehabt. Bin aber einfach weitergefahren, allerdinsgs gaaaaaaanz schnell nach Hause.
Beruflich brauche ich mein Auto, da ich auch im Außendienst tätig bin.

Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich als Kind mal einen Autounfall miterlebt habe. Meine Schwester war leicht verletzt, um mich hat sich keiner gekümmert, obwohl ich noch ein Kind war.


Wie machst du das? Einfach weiterfahren bei einer Attacke? Bei mir dreht sich alles und ich habe das Gefühl, dass ich sterbe! Aber Respekt, dass du das so kannst!

Das mit den Unfällen ist natürlich echt hart. Das sich dann im Unterbewusstsein was festsetzt, ist ganz klar.

21.07.2015 12:08 • #16


Mondkatze
ja, ich bin weitergefahren, obwohl mir auch schwindelig war. Ich hatte das Gefühl ich schwebe.
Es war aber spät abends, besser gesagt nachts, und da wollte ich auf keinen Fall anhalten.
Zudem wird mir nicht immer schwindelig bei einer PA.
Meist habe ich dann Luftnot, Herzrasen und schwumerant.
Aber ich weiß, dass das nichts ernstes ist und ich auch nicht umfallen werde.

LG
Mondkatze

21.07.2015 12:15 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

psychologin91
Ich habe heute morgen folgendes ausprobiert:
Bevor ich zur Arbeit gefahren bin, habe ich mir schon Stress gemacht und gedacht, oh nein, nicht schon wieder Auto fahren. Aber ich bin als ich im Auto saß anders an die Sache herangegangen als sonst. Statt immer zu hoffen, dass ich keine PA bekomme, habe ich mir diesmal gesagt, dass die Panik meine Freundin ist und zu mir gehört. Ich habe halt versucht sie anzuerkennen. Habe gelesen, dass das helfen soll. Und ich hatte auch während der Fahrt nicht eine PA!
Hoffentlich bleibt es dabei und ich habe einen Weg gefunden, der mir wirklich hilft. Das wäre echt traumhaft!

22.07.2015 10:23 • #18


achterbahn
Sorry, dass ich mich erst heute melde, aber die letzten Tage waren wieder ziehmlich schlimm. Allein der Gedanke daran, mich in ein Auto zu setzen, löst in mir Panik aus.
In zwei Wochen soll ich mit meiner Familie auf Urlaub fahren, aber ich hab echt keinen Plan wie ich die Autofahrt überstehen soll.....

Ich freu mich für dich, dass es dir besser ging beim Autofahren.
Theoretisch weis ich auch sehr viel, aber ich hab einfach nicht die Kraft, es durchzustehen.

27.07.2015 14:24 • #19


Ich habe das Problem schon seit gut 10 Jahren - bin aber immer gerne Auto gefahren. Wobei ich bei mir eigentlich nicht mehr von Panikattacke rede. Heute ist ja alles eine Panikattacke, wo man nichts organisch findet. Bei mir steht der Schwindel im Vordergrund und der löst alle anderen Symptome aus. Eine Panikattacke ist das sicherlich nicht.

Da ich wirklich schon viel im psychologischen Bereich gemacht habe, kann ich behaupten: nichts davon hat geholfen. Ob ich nun vermeide oder mich konfrontiere, das juckt meine Symptome überhaupt nicht.
Oftmals ist es auch tagesverfassungabhängig, wie gut Autofahren funktioniert - Landstrasse und Autobahn fahre ich aber gar nicht, denn das würde ich erst dann tun, wenn ich in der Stadt weitgehend symptomfrei fahren könnte. Ist aber nicht, also tue ich es auch nicht.
Und wenn ich fahre, könnte ich auch nicht mehr behaupten, daß ich davor lange drüber nachdenke. Die Symptome kommen sowieso, also wozu soll ich mich vorab noch drüber aufregen ?

Neurologisch ist klar, daß Autofahren für das Gehirn eine der anspruchvollsten Dinge überhaupt ist (habe mal einen Beitrag hierzu hier verlinkt). Deshalb ist es irgendwie auch logisch, daß sich viele Symptome bei dieser Tätigkeit erstmals zeigen.
Da finde ich die psychologischen Ansätze mit stupidem Konfrontieren auch ziemlich kontraproduktiv. Was soll dadurch auch besser werden ? Ich persönlich könnte 5h am Stück fahren und die Symptome wären auch um kein bißchen besser. Eine besonders gute Phase hatte ich sogar einmal zu einem Zeitpunkt, wo ich monatelang davor überhaupt nicht mit dem Auto gefahren bin - von wegen Vermeidung.
Wenn jemand dann überhaupt noch mit einer Burn-Out ähnlichen Symptomatik kämpft, ist es natürlich noch umso kontraproduktiver. Denn einen überlasteten Körper durch zu heilen, indem man ihn bewußt immer wieder einer hohen Belastung aussetzt (nämlich Autofahren) wird auch nicht funktionieren.
Das Problem, was ich bei den Psycho-Ratschlägen noch zusätzlich sehe: Sie haben meist keine Grundlage, man erhebt sie aber dann selbst zum Evangelium. Wenn es also objektiv gesehen, völlig egal ist, ob man nun vermeidet oder nicht, es aber eingeredet bekommt, da es ein Problem ist, dann ist es erst ab dem Zeitpunkt ein Problem, wo man es eingeredet bekommt.
Aus einer Symptomatik wie Stressreaktionen wird ja auch erst dann Angst, wenn der Therapeut behauptet, daß es sich um Angst handelt. Und angebliche Angst vor der Angst kann man auch erst haben, wenn man glaubt, daß es Angst ist, um daß es sich hier handelt.
Oder anders gesagt: Geht man heute zu 5 Psychologen, kriegt man 10 Diagnosen und jede davon ist nicht objektivierbar, sondern nur eine graue Theorie, von der keiner sagen kann, ob sie stimmt.

Und andere Ansätze wie Hypnose, EMDR und Klopfen - das geht ja alles schon ins Esoterische und soll suggerieren, daß man irgendein Problem auf Knopfdruck lösen könnte. Das funktioniert natürlich genauso wenig. Ob ich 1h Hypnose habe oder 1h schlafe - da sehe ich keinen Unterschied, außer daß schlafen gratis ist. Dazu ist alles darauf ausgerichtet, möglichst schnell wieder zu funktionieren - wobei das Grundproblem vieler ist, daß sie eben nur noch ohne Rücksicht auf Verluste funktionieren.

Klingt zwar hart aber: Ich persönlich habe gelernt, das ganze so zu akzeptieren, wie es ist, auch wenn ich wahnsinnig gerne wieder normal Autofahren würde. Aber dieser ganze Psycho-Hokuspokus nährt einfach nur sinnlos Hoffnungen und kostet eine Menge Geld - ohne für mich auch nur irgendeinen Nutzen gehabt zu haben. So im nachhinein auf die Jahre rückblickend betrachtet muß ich sagen, daß die Ahnungslosigkeit in dem Bereich auch wirklich bahnbrechend ist. Man findet keinen Psychologen, der behauptet, daß er einem nicht helfen könnte, aber helfen kann einem in Wahrheit kein einziger. Die positivste Erfahrung war da bei mir noch eine Verkehrspsychologin, weil die hat als einzige zumindest verstanden, wie das Problem gelagert ist und nicht von Konfrontation o.ä. geredet, sondern von Überforderung.

Im normalen Leben (also abseits vom Autofahren) hatte ich schon ähnliche Probleme. Die sind interessanterweise verschwunden, ohne, daß ich irgendetwas bestimmtes gemacht hätte.

26.08.2015 23:40 • #20



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