Greenfairy

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hallo,

ich bin 27 jahre alt, seit 6 jahren verheiratet und hab 3 kinder (6, 4 und 2).
ich hab meinen traummann geheiratet...es war damals liebe auf den ersten blick. er war mein absolutes gegenstück, ein teil von mir, mein bestern freund.
wir hatten keine kriesen, konnten immer über alles sprechen, vertrauten uns blind und ich hatte das gefühl, dass er immer für mich da ist....mein rückhalt ist.

dann wurde ich april 2005 zum 3. mal schwanger. ein absolutes wunschkind und wir haben uns sehr darüber gefreut, dass es gleich wieder geklappt hat.
leider war die schwangerschaft von anfang an sehr anstrengend für mich. symphysenlockerung, ischiasnerv eingeklemmt und ab der 25. woche auch vorzeitige wehen.
da die geburt meiner 2. tocher auch sehr traumatisch war kam gegen ende der schwangerschaft auch panikattacken dazu.
in der ganzen zeit hat mich mein mann komplett alleine gelassen. hat sich darüber beschwert wie mühsam für ihn diese schwangerschaft ist. als wir einmal notfallmässig ins spital mussten, weil verdacht bestand, dass fruchtwasser abging meinte er: wieso muss das grad heute sein, wo doch ein fussballspiel im tv läuft....
vor freunden sagte er auch, dass er mich verlassen würde, wenn ich nach der geburt gleich wieder schwanger werden würde, sowas macht er nicht nochmal mit.

mich hat das alles so getroffen, ich war wie gelähmt und schaffte es nicht ihn da zur rede zu stellen......was eigentlich nicht meine art ist.....aber wenn ich schwanger bin, dann ist das so als hätte ich kein schutzschild mehr.

wie konnte der mann, den ich so liebe so sein?!? die anderen schwangerschaften waren problemlos....ich hab "funktioniert"....auch davor gab es nie eine situation wo ich nicht "stark" gewesen wäre.

nach der geburt hab ich dann alles probiert um das irgendwie wieder hin zu biegen. hab geschaut, dass wir zeit für uns haben, dass ich das was da in mir kaputt ging irgendwie wieder reparieren kann. ich wollte meinen mann wieder finden.

nach einem jahr dann verliebte ich mich in einen anderen mann. da war mir klar, dass es so nicht weiter gehen konnte, dass ich mit meinem mann reden muss, denn ich kann nicht eine beziehung für 2 retten.

es hat ihn tief getroffen das er mir das "angetan" hat. meinte er hätte einfach noch probleme mit dem tod seines vaters gehabt (er starb ein jahr vor beginn der schwangerschaft).
das konnte ich alles nachvollziehen, aber trotzdem war was kaputt gegangen.....vorallem diese gleichgültigkeit mir gegenüber macht mir sehr zu schaffen......einfach das er überhaupt so zu mir sein konnte....

mein fehler ist ganz klar, dass ich nicht früher was gesagt hab, das ist mir total bewusst....ich konnte es damals einfach nicht.....

jetzt ist wieder ein jahr vorbei und momentan ist es schlimmer als je zuvor. ich fühl mich total alleine, vorallem auch nach dem er eine weiterbildung begonnen und einfach mal kurse belegt hat ohne zu überlegen wies für mich ist, wenn ich 3 tage in der woche alleine mit den kindern bin.

ich mag am abend, wenn ich eh müde bin, nicht noch gross was für die beziehung tun. ich schaff es momentan kaum den tag zu überstehen....will am morgen nicht aufstehen.....hab keine lust mehr irgendwas zu unternehmen.....mir macht die ganze situation zum teil so zu schaffen, dass ich mich am morgen übergeben muss.
ich fühl mich total eingesperrt, würde am liebsten einfach weg gehen, alles hinter mir lassen und neu anfangen.

ich weiss nicht mehr was ich tun soll. meine gefühle für ihn sind wie eingefrohren.

hab ihm gesagt, dass ich etwas ruhe brauche. die probiert er mir auch zu geben, macht mir dann aber handkehrum vorwürfe, dass ich nicht mehr für ihn da bin. das stresst mich dann auch wieder, weil ich merke das ihm das weh tut.
dadurch sag ich ihm schon gar nicht mehr wies mir geht.....spiel ihm was vor, damit er mich in ruhe lässt.

bitte sagen sie mir was ich tun kann, damit ich aus dem ganzen raus komme......so wie ich jetzt bin, bin ich nicht wirklich....ich bin eigentlich ein total optimistischer, fröhlicher mensch, der das leben liebt.....davon ist momentan nichts mehr übrig.....am liebsten würd ich im bett bleiben und warten bis alles vorbei ist....

schon mal danke fürs lesen/antworten.

28.11.2007 13:47 • 29.11.2007 #1


2 Antworten ↓


bernd


Hallo Greenfary,

schade, dass Du im Augenblick Deinen Optimismus und Deine Lebensfreude, die Du von Dir kennst, nicht so gut nutzen kannst und irgendwie "in einem Loch gelandet bist". Ich spüre sehr deutlich Deinen Wunsch, da wieder raus zu kommen - nur wie?

Ich möchte Dir als erstes sagen, dass man so positive Eigenschaften wie Optimismus nicht einfach verliert, sondern in manchen Krisensituationen den Zugang nicht mehr so richtig findet, weil andere Gefühle dominieren. Vielleicht können Dir einige Anregungen, die ich Dir geben möchte, ja weiterhelfen, Deine Sicherheit und Lebensfreude wieder zu finden.

Eure Beziehung steckt wohl in einer Krise. Das ist nicht angenehm, verwirrt, schafft Irritationen. Das ist Dir deutlich anzumerken. Du wirst es vielleicht für den Moment nicht glauben können - aber Krisen sind in einer Beziehung normal und dienen immer wieder zur Neujustierung Eures Miteinanders. Du hast eine solche Krise aber wohl einfach nicht erwartet. Deshalb trifft Dich eine solche Erfahrung jetzt doppelt hart. Du bist darauf nicht vorbereitet gewesen, dass so etwas auch in Deiner Beziehung passieren könnte.

Ich möchte das mit einer langen, gemeinsamen Zugfahrt vergleichen, wo wir immer wieder, mal schneller, mal langsamer an Weichen kommen, wo wir uns entscheiden, ob wir gemeinsam oder getrennt weiterfahren - und wenn gemeinsam, wie? Belastend sind solche Weichenstellungen immer wieder. Eine Beziehung ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenrennen!

Aber warum trifft Dich das ganze so massiv? warum löst dies fast depressive Stimmungen bei Dir aus, so als sei Dir die Erde, auf der Du stehst, unter den Füssen weggezogen worden?

Ich vermute aus Deinen Worten heraus zwei Hauptgründe:

1. Dein "Traummann" ist zu einem normalen Menschen mit Ecken und Kanten, Stärken, aber besonders auch Schwächen geworden. Und das hat Dich ziemlich geschockt. Aber das ist gut so ! Warum? - weil es in Wirklichkeit keine Traummänner gibt!
Männer werden nur in der Vorstellung, in den inneren Bildern Ihrer Frauen zu Traummännern, weil man in Ihnen die Erfüllung dieser Vorstellungen sieht oder bei Verliebtheit auch alleine sehen will. Das ist meist in der ersten Phase einer Beziehung, wenn Liebesgefühle überwiegen und die rosarote Brille auf der Nase sitzt, ganz besonders so.

Es tut zwar weh, wenn man bestimmte Vorstellungen vom Partner korrigieren muss, aber es macht ihn auch menschlicher und hilft dabei, eine Beziehung weiter zu entwickeln. Viele Beziehungen scheitern daran, dass die gegenseitigen Vorstellungen vom Partner um jeden Preis aufrechterhalten werden und ein ständiger Kampf darüber entbrennt, wie der andere nun unbedingt sein sollte und wie nicht. Man liebt dann nicht den Gegenüber in Fleisch und Blut, sondern die eigne Vorstellung von ihm.

Du kennst das "verflixte 7.Jahr"? Da ist schon was dran, weil es meist damit zusammenfällt, wenn bestimmte Vorstellungen, die man hatte, sich an der Realität gemessen, als Illusionen herausstellen - meist wenn sich Rollen verändern (z.B. bei Übergang vom verliebten Paar zur Rolle als Eltern). Sich von solchen Illusionen zu trennen und ein neues, realistisches Bild vom Partner zu bekommen, ist aber wichtig, wenn eine Beziehung auf Dauer Bestand haben soll. Und ehrlich: Ich möchte kein Traummann sein - welche Erwartungen und Wünsche an mich steckten da drin, die könnte ich nie erfüllen, aber ich würde sie als Last spüren und mich vielleicht gerne etwas von Dir fernhalten, weil ich mich überfordert fühlen würde.

Beziehungen verlaufen sehr individuell, aber doch in ähnlichen Phasen: Verliebtsein - Paarbildung - Elternschaft - wieder erneute Paarbildung, wenn die Kinder aus dem Hause sind - mit einander alt werden.
Und in jeder dieser Phasen gibt es Irritationen und Stolpersteine, und manchmal steigt ein Partner auch aus. Dies ist normal - und keine Katastrophe, auch wenn es belastet und manchmal sehr weh tut!

Eva Jaeggi, eine bekannte Paartherapeutin, hat hierüber ein gutes Buch geschrieben: "Wenn Ehen älter werden". Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für alle Paare sein. Ich weiß nicht, ob dieses Buch noch im Handel ist. Aber über Antiquariat oder Leihbüchereien ist es sicherlich noch zu bekommen. Es ist wirklich lesenswert.

2. Es scheint mir, dass Du Dein Wohlbefinden sehr abhängig machst von Deiner Ehe, damit Deinem Partner bzw. der Familie. Du übernimmst auch sehr viel (zuviel?) Verantwortung für Eure Partnerschaft. Was soll da noch Dein Mann tun, wenn Du es ihm "so leicht" machst.

Das ist bei Männern oft sehr anders (Beruf, Karriere u.ä.) Darüber kommt es oft zu Konflikten, denn Du fühlst Dich von Deinem Partner allein gelassen und nicht ausreichend unterstützt, der Partner fühlt sich oft ausgegrenzt und verstärkt seine Aktivitäten außerhalb der Familie. Aber Dein Mann ist nicht allein für Dein Wohlergehen verantwortlich, und Du nicht für seins. Beide müssen lernen, sich an eine neue Situationen anzupassen, besonders wenn die Elternrolle dominiert, und für eine Zeit die Paarebene zurücktritt.

Also, wenn da was dran ist, was kannst Du tun?

1. Mache die Situation innerlich nicht schlimmer, als sie ist. Du bzw. Ihr steht nicht vor dem Weltuntergang ! Das was Euch gerade passiert, passiert den meisten anderen Paaren auch - und es ist die Chance, das Eure Beziehung wachsen und sich verändern kann.
2. Mache Dein eigenes Wohlergehen nicht allein vom Verhalten Deines Mannes abhängig. Übernimm selbst Verantwortung dafür. Unternehme etwas für Dich, schau auf Deine Bedürfnisse, pflege Deine eignen Kontakte und triff mit Deinem Mann Absprachen darüber, wann jeder etwas für sich alleine, und wann ihr als Paar auch mal was zusammen machen könnt (ohne die Kinder!). Das alles macht auch Eure Beziehung wieder spannender.
3. In der Partnerschaft: redet miteinander - reden, nicht anklagen und Vorwürfe machen? wie geht es jedem im Moment in Eurer Beziehung? Überwiegt noch der Wunsch, zusammen zu leben? Was läuft gut, was weniger? Welche Wünsche habt ihr gegenseitig aneinander? Was will und kann jeder davon erfüllen, was nicht? Und wie tolerant seid ihr bei Unterschieden zwischen Euch, wo niemand sich vom anderen "verbiegen" lassen will, aber auch nicht mit Schuldgefühlen herumlaufen muss, wenn er NEIN sagt.

Ich denke, wenn Du Eure Krise als Herausforderung und nicht als Weltuntergang werten kannst, dann kann dabei etwas positives geschehen.

Dies kann aber nicht sein: Es soll immer alles so schön bleiben, wie es einmal war. Das wäre Stillstand, obwohl ihr Euch als Individuen weiterentwickelt. Und das kann dann nicht gut gehen.

Und wenn es Euch allein sehr schwer fällt, in Ruhe miteinander zu sprechen, dann gibt es auch Eheberatungsstellen, wo Ihr Unterstützung erhalten könnt.

Ich hoffe, dass Ihr einen guten Weg miteinander findet und wünsche Euch alles Gute

Bernd Remelius

29.11.2007 10:24 • #2


Dr. Doris Wolf

Dr. Doris Wolf


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Hallo Greenfary

ich kann Bernd nur beipflichten. Ich finde, er hat dir wirklich ganz wesentliche Anregungen und Hilfestellungen gegeben.

Ich möchte dir nur noch die Seite Partnerschaft-Beziehung empfehlen, auf der du vielleicht weitere Anregungen für dich findest.

Alles Gute für dich

Doris Wolf

29.11.2007 11:10 • #3