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Huhu ihr

ich bin neu hier und Mitte 20 ich weiß gar nicht wo ich genau anfangen soll...

wie die Überschrift schon sagt, ich bin eigentlich nicht alleine... ich habe seit dreieinhalb Jahren einen super Partner und auch viele Leute, mit denen wir am Wochenende etwas unternehmen können.

Trotzdem fühle ich mich alleine... Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, was in mir vorgeht. Ich war vor Jahren schon einmal in Therapie bezüglich einer Anpassungsstörung und leichten Zeichen von ADS. Im Moment bin ich das aber nicht, weil ich eigentlich mein Leben im Griff habe (eigene Wohnung, Studium läuft super)

Ich habe aber schon seit ich denken kann Probleme mit meinem Sozialverhalten, vorallem mit Freunden. Ich hatte in meiner Pubertät kaum Freunde, war der Außenseiter in der Klasse. Habe mir dann über das Internet einen riesen Freundeskreis aufgebaut und von 18-22 keine Party ausgelassen... dass da aber selten "wahre Freunde" rausspringen, ist wohl klar...

Es gibt so 6-7 Mädels, mit denen ich regelmäßig Kontakt habe und auch regelmäßig sehe. Aber eigentlich kann ich nur sagen, das sind zwar Menschen, die ich regelmäßig sehe, aber sie geben mir trotzdem das Gefühl alleine zu sein!

- Die eine ist vor einem Jahr weggezogen und hat von da an nichts mehr von sich hören lassen. Ich habe noch ein paar mal nachgehakt, wie es ihr gefällt usw. aber mir wurde gezeigt, dass ich jetzt überflüssig bin...auch wenn sie zu Besuch da war(ihre Familie wohnt ja hier) hat sie keine Zeit für mich finden wollen, aber bevor sie weggezogen ist, immer wieder betont ich sei so eine gute Freundin. Nun wohnt sie wieder hier und plötzlich war ich wieder gut genug... Ich kam mir etwas blöd vor, habe das auch gesagt, aber trotzdem treffe ich mich ab und zu mir ihr. Ich selbst habe von den Treffen nicht viel, weil das meistens so abläuft, dass sie redet und ich zuhör...
- Eine andere Freundin ist zwar eine super Freundin und wenn wir uns sehen fühle ich mich soooo gut, aber bis es erstmal dazu kommt... Sie war schon immer so unzuverlässig und wir haben etwas ausgemacht und eine Stunde vorher kam "mir geht es nicht so gut, können wir es verschieben?". Und ich bin jetzt kein empfindlicher Mensch, aber das kam jetzt dieses Jahr schon wieder x mal vor und irgendwann platzt mir auch der Kragen... Ich habe da mittlerweile im Vorneherein kein Vertrauen mehr, dass es überhaupt klappt...
- eine weitere sehr gute Freundin wohnt leider am anderen Ende des Landes... ich kann sie zwar immer anrufen, aber gegen meine Einsamkeit hilft das nicht viel...
- Von einer anderen Freunden habe ich mich jetzt komplett entfernt. Sie hat ein Kind bekommen und interessiert sich überhaupt nicht mehr für meine Belangen, sondern es geht nur noch um ihr Kind... Das brauch ich nicht. Sie führt sich etwas auf, als wäre sie etwas besseres. Seit ich studiere hat das etwas nachgelassen was Bildung angeht (da sie noch nichtmal Abi hat), aber jetzt lässt sie mich dumm da stehen, wenn ich mich versuche für ihr Kind zu interessieren und irgendeine Frage dazu stelle.
......
und eigentlich kann ich bei jeder irgendetwas schreiben.... ich will jetzt bei euch nicht nörgelnd rüberkommen, aber was ich damit sagen will, ist dass ich durch die Angst noch einsamer zu sein, immer zurückstecke anstatt mal eine Grenze zu setzen und zu sagen "nein, so Freunde brauch ich nicht".
Natürlich hat eine Freundschaft auch schlechte Zeiten, aber da ich sehr viel nachdenke, fällt mir auf, dass ich selten absage und mir selten "so etwas leiste". Weil ich einfach Angst hab, dass ich die Freundin dann verliere...


Ich hoffe ihr könnt mir da ein wenig folgen...


Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

06.11.2016 12:04 • 07.11.2016 x 1 #1


6 Antworten ↓


Hotin
Hallo Flori2116,

herzlich willkommen hier bei uns,

Sich allein fühlen, obwohl man Kontakte und Freunde hat, kenne ich aus meiner
Zeit, als ich so alt war wie Du es jetzt bist.
Zitat:
Ich habe aber schon seit ich denken kann Probleme mit meinem Sozialverhalten, vorallem mit Freunden.


Warum genau, wie gut kannst Du das erklären?
Zitat:

aber da ich sehr viel nachdenke, fällt mir auf, dass ich selten absage und mir selten "so etwas leiste".
Weil ich einfach Angst hab, dass ich die Freundin dann verliere...


Bis Du mehr Selbstbewusstsein aufgebaut hast, ist dieses Verhalten einigermaßen ok. Es ist ein Kompromiss.
Nur merken Deine Freunde bestimmt, das Du schnell weich wirst und nachgibst. Dann nutzen sie das aus
( noch nicht einmal bewusst) und das macht Dich unzufrieden. Versuche diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Dir wünsche ich, dass Du bald anders mit Deinen Freunden umgehen kannst.
Das ist ein Stück geistige Arbeit für Dich.

Viele Grüße

Bernhard

06.11.2016 12:19 • #2


Zitat:
Ich habe aber schon seit ich denken kann Probleme mit meinem Sozialverhalten, vorallem mit Freunden.


Warum genau, wie gut kannst Du das erklären?[quote]

Das ist wirklich schwer zu erklären. Ich wage die Vermutung aufzustellen, dass meine Eltern mich in der Erziehung zu sehr verwöhnt und verhätschelt haben... Ich musste nichts alleine schaffen, mir wurde quasi alles herangetragen, auch finanziell.
Ich habe auch als Kind immer zu allen "ja und amen" gesagt, nur um beliebt zu sein.
Manchmal war ich aber auch (Hauptsache dann ab der Pubertät) total aufbrausend, wenn mir etwas nicht gepasst hat und dadurch habe ich mir auch Freundschaften verspielt.
Zum Beispiel vor 6 Jahren: ich war mit Freundinnen aus der Grundschule (10 Jahre Freundschaft) im Urlaub und durch eine Kleinigkeit habe ich mich ausgeschlossen gefühlt und habe mich den ganzen Urlaub nicht mehr beruhigen können. Bin ziemlich ausgetickt und als ich nach dem Urlaub zuhause in meinem (damals ICQ) Status geschrieben habe "das war die schlimmste Zeit meines Lebens", war die Freundschaft vorbei.
Also verstehst du was ich meine? Entweder übertreibe ich oder lass alles mit mir machen... Und beides macht einsam... Das richtige Maß fehlt mir. Natürlich hab ich daraus gelernt.. aber mittlerweile geb ich eher nach als dass ich nochmal Freundschaften verliere. Das ist nämlich nichts schönes

Und dann bin ich lieber mit Leuten befreundet, die mich eigentlich enttäuschen, als alleine zu sein...weil das Gefühl so schrecklich ist.

Vielen lieben Dank für deine Worte Bernhart, das fühlt sich gut an, wenn jemand deine Sorgen ernst nimmt

Liebe grüße

06.11.2016 14:08 • #3


Egal aus welchen Verhältnissen du kommst...ich fühle mich auch mal alleine...obwohl ich einen Partner haben und Kinder...trotzdem habe ich Momente da hasse ich es auch alleine zu sein...jeder Mensch hat Angst vor dem "Alleine sein"...das ist was menschlich natürliches...es klopft in unser Bewusstein und versucht uns etwas aufzuzeigen...es ist sich nicht alleine zu fühlen mit sich selbst zu sein!...du hast einen Punkt überwunden...gehe weiter und finde dich dort...geh in die Meditation...es gibt auch ein schönes Gefühl...es muss nicht immer negativ gewertet werden...das macht dein Kopf...in der Seele brauche wir das manchmal um an uns zu arbeiten...vorran zu kommen...mit der Aufgabe im Leben...

Grüßle
Melanie

06.11.2016 14:39 • x 2 #4


Hotin
Hallo Flori2116,
Zitat:
Das ist wirklich schwer zu erklären. Ich wage die Vermutung aufzustellen, dass meine Eltern mich in der
Erziehung zu sehr verwöhnt und verhätschelt haben...


Damit wirst du verflixt Recht haben. Eigentlich wollten Dir Deine Eltern doch etwas Gutes tun. Was jetzt?
Zitat:
Ich musste nichts alleine schaffen, mir wurde quasi alles herangetragen, auch finanziell.
Ich habe auch als Kind immer zu allen "ja und amen" gesagt, nur um beliebt zu sein.


Sehr schön beschrieben. Und heute funktioniert das bei Fremden nicht mehr so,
wie?

Zitat:
Manchmal war ich aber auch (Hauptsache dann ab der Pubertät) total aufbrausend, wenn mir etwas nicht
gepasst hat und dadurch habe ich mir auch Freundschaften verspielt.


Ja klar. Wenn ich merken würde, dass das, was ich jahrelang gelernt habe nicht anwendbar ist, wäre ich
auch erst mal richtig wütend.

Zitat:
Also verstehst du was ich meine? Entweder übertreibe ich oder lass alles mit mir machen...
Und beides macht einsam...

Das zu verstehen ist super einfach.
Zitat:
Das richtige Maß fehlt mir.


Das erste, was Du beschrieben hast, sind Gefühle aus Deinem Unterbewusstsein.
Und das richtige Maß stellst Du mit Deinem Bewusstsein ein.
So wie Du im Badezimmer einen Wasserhahn bedienst.
Ohne das bewusst zu steuern, kommt da auch nur kaltes oder ganz heißes
Wasser raus. Wenn Du aber Deine Intelligenz benutzt, kannst Du Dir eine
passende Wassertemperatur einregeln.
Zitat:
Natürlich hab ich daraus gelernt.. aber mittlerweile geb ich eher nach als dass ich nochmal Freundschaften verliere.


Wunderbar. Jetzt brauchst Du nur noch zu lernen, wie Du mit deinem neuen Verhalten auch zufrieden wirst.
Dann hast Du es geschafft.

Viele Grüße

Bernhard

06.11.2016 15:14 • x 1 #5


Hallo Melanie, Hallo Bernart

Es ist schon mal sehr schön zu lesen, dass man nicht alleine ist... Viele halten mich für verrückt, wenn ich versuche "mein Leid" zu klagen. Da in meinem Leben sonst soweit alles geregelt abläuft! Da ist es umso besser hier Verständnis zu finden.

Also meint ihr ich sollte versuchen, es auch mal versuchen das alleine sein anzunehmen und zu genießen?


Zitat:
Wunderbar. Jetzt brauchst Du nur noch zu lernen, wie Du mit deinem neuen Verhalten auch zufrieden wirst.
Dann hast Du es geschafft.


Ja das trifft es ziemlich gut. Es ist nur wirklich nicht leicht

Liebe grüße

Flori

07.11.2016 07:34 • #6


Hotin
Hallo Flori2116,
Zitat:
Also meint ihr ich sollte versuchen, es auch mal versuchen das alleine sein anzunehmen und zu genießen?


Das alleine sein annehmen halte ich für uns Menschen für etwas sehr wichtiges.
Auch ich lebe schon länger wieder allein und da gilt es, das Beste aus dieser Situation zu machen.
Die Zeiten in einer passenden Partnerschaft waren für mich jedoch Phasen,
die ich leichter genießen konnte. Es ist auch einfacher, sich gegenseitig im Alltag etwas mehr Sinn zu
geben und dadurch zufrieden zu sein.
Allerdings konnte ich nie akzeptieren, wenn wir uns häufiger um weniger Wichtiges
gestritten haben. Dann bleibe ich lieber allein. Gegenseitiges Verhalten in einer
Beziehung zu akzeptieren scheint oft ziemlich schwer zu sein.

Egal ob allein oder zu zweit. Mach das Beste aus jeder Situation und sei immer offen für Menschen,
die überwiegend ehrlich sind und wissen, wie man mit Gefühlen umgehen kann.


Viele Grüße

Bernhard

07.11.2016 21:14 • #7




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