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Ich stecke im Moment in einem ganz großen Tief, da ich meine Panikanfälle und Angstphantasien nicht in den Griff bekomme. Mein Therapeut hat mir nun die Möglichkeit einer stationären Behandlung aufgezeigt. Ich muss aber sagen, dass ich davor einen riesigen Bammel habe. Eigentlich weiß ich nicht viel darüber, größtenteils ist das was ich kenne sogar aus dem Fernsehen und ich habe große Angst dadurch eine Stigmatisierung meines Umfeldes zu erfahren.
Kann mir vielleicht jemand von euch etwas drüber schreiben, wie ein solcher Aufenthalt abläuft bei einer Angststörung?
Wie lange ist eine übliche Behandlungszeit und muss dies in der Stadt in der man wohnt geschehen?
Was waren eure Erfahrungen, war es positiv und weiterzuempfehlen oder wird es dadurch noch schlimmer?

Viele Grüße
Anna

02.09.2008 20:35 • 03.09.2008 #1


9 Antworten ↓


Hallo Anna,

meine Erfahrungen aus meinen 2 Aufenthalten in Psychosomatischen
Kliniken (2001: Donaueschingen, 8 Wochen u. 2007 Bad Bergzabern 6 Wochen) waren alle positiv.
Da ist genug Zeit um dich langsam einzufinden. Meine Erfahrungen
mit meinen Psychologen waren alle positiv. Ferner wird folgendes
angewandt:
- Einzeltherapie mit "deinem" Psychologen
- eine feste Gruppe, in der du die ganze Zeit bleibst (Basisgruppe)
- Angstgruppe/oder Depri-Gruppe
- Entspannungstherapien - wird viel Wert darauf gelegt
- med. Bäder, Mass., etc.
- es wird viel Wert auf sportliche Bewegung gelegt (Anfängergruppe
oder sportl. Gruppe)
- bei mir noch: Feldenkraistherapie

Vor allem: Du bist mit deinem Problem nicht alleine, es geht vielen so
wie dir ... und du lernst wirklich nette Leute kennen.

Ich wünsche dir eine eine positive Einstellung, stelle einen Reha-
Antrag!

Und eines noch: Seit ich in meinem Bekanntenkreis und auch am Arbeitsplatz offen über meine Angststörung gesprochen habe, geht
es besser ... es gibt keine Ausreden und keine Heimlichtuereien mehr.

Ganz lieben Gruß
Michael

02.09.2008 21:01 • #2



Wie verläuft eine stationäre Behandlung?

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Hallo Michael,
danke für deine Antwort. Deine Erfahrungen hören sich ja ganz gut an. Mich irritiert, dass du in einer psychosomatischen Klinik warst. Ich dachte, man würde automatisch in eine Psychiatrische Klinik kommen?

Du bekommst dort aber einen neuen Psychologen, den du zuvor noch nicht kennst? Das stelle ich mir etwas schwierig vor, da ich immer etwas länger brauche um mich wirklich anvertrauen zu können. Wieviele Sitzungen hat man denn in der Woche?

Ich finde es mutig, dass du das auf deiner Arbeitsstelle angesprochen hast, für mich selber kann ich mir das nicht vorstellen. Bekommt der Arbeitgeber denn die Nase daran, wo man ist (Krankmeldung auf der die Klinik bezeichnet ist?), oder kann man auch andere gesundheitliche Probleme vorschieben?

Viele liebe Grüße
Anna

03.09.2008 07:29 • #3


Christina
Mich irritiert, dass du in einer psychosomatischen Klinik warst. Ich dachte, man würde automatisch in eine Psychiatrische Klinik kommen?Nein, mit einer "normalen" Angststörung ist man i.d.R. in einer psychiatrischen Klinik völlig fehl am Platz.

Du bekommst dort aber einen neuen Psychologen, den du zuvor noch nicht kennst? Das stelle ich mir etwas schwierig vor, da ich immer etwas länger brauche um mich wirklich anvertrauen zu können. Wieviele Sitzungen hat man denn in der Woche?Ja klar, man kann ja schlecht seinen Therapeuten von zu Hause mitbringen... Als Angstpatient tut man sowieso gut daran, in eine verhaltenstherapeutische Klinik zu gehen, und man lernt dort ganz besonders, mit den Symptomen und Ängsten anders, sinnvoller umzugehen. Das Ausmaß oder die Art, in dem/der man sich da seinem Therapeuten anvertraut, ist methodenbedingt etwas anders als z.B. bei tiefenpsychologisch fundierter Therapie. Üblich ist eine bis ggf. zwei Stunde/n pro Woche beim Therapeuten und in vielen Kliniken zusätzlich mehrere Termine mit einem Cotherapeuten oder Bezugspfleger, der einen z.B. bei Expositionen unterstützt.

Schau Dir doch mal die Homepages verschiedener psychosomatischer Kliniken an, die erklären meist, wie sie vorgehen. Hier z.B. Bad Bramstedt bei Panikstörung oder Bad Pyrmont bei Angststörungen.

Ich werde demnächst nach Bad Dürkheim gehen. Ambulant bin ich übrigens (wie Du?) in tiefenpsychologisch fundierter Therapie.

Liebe Grüße
Christina

03.09.2008 15:38 • #4


Danke für die Informationen, da weiß ich ja schonmal etwas mehr
Die Klinik in Bad Bramstedt sieht ansprechend aus.
Und wie ist dann das Verfahren, wenn man sich dazu entschließt? Wie lange dauert es, bis ein solcher Antrag bewilligt wird? Kann man den Ort wählen? Wird die Dauer des Aufenthaltes im Vorfeld festgelegt, oder wird von der Therapeuten vor Ort entschieden wie lange man bleiben soll?

Oh, das waren schon wieder ganz viele Fragen...wär nett, wenn ihr mir da noch weiterhelfen könntet!

Ja, Christina, ich bin ambulant auch in einer tiefenpsychologisch fundierten PT.

Viele liebe Grüße
Anna

03.09.2008 17:14 • #5


Christina
Hallo Anna,

wie das Verfahren ist, in welche Klinik Du kommst und ob Du sie aussuchen kannst, hängt vom Kostenträger ab. Sicher auch die Dauer, bis ein solcher Antrag bewilligt wird. Was Du auch noch mit einkalkulieren musst, ist eine u.U. beträchtliche Wartezeit, bis Du nach Genehmigung Deiner Kur tatsächlich einen Platz in der gewählten Klinik bekommst. In Bad Bramstedt kann das ein halbes Jahr dauern, wenn man keine Akuteinweisung hat. Überhaupt scheint es ziemliche Unterschiede zu geben, je nachdem, ob man eine Reha machen möchte oder - über die Krankenkasse - einen "normalen" stationären Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik anpeilt. Also Unterschiede darin, wie schnell man zu seiner Behandlung kommt, keine Unterschiede in der Behandlung selbst. Die Aufenthaltsdauer liegt im Schnitt bei 6-8 Wochen. Weniger bringt's nicht, und mehr wird kaum genehmigt.

Liebe Grüße
Christina

03.09.2008 17:44 • #6


Danke für die schnelle Antwort!
Ich habe meinen Therapeuten so verstanden, dass er mich da gegebenenfalls kurzfristig einweisen wollte. Das wäre dann wohl eher eine Akuteinweisung schätze ich? Aber gerade dann kann man den Aufenthaltsort vermutlich noch weniger bestimmen.
Bekommt man dann im Vorfeld eine Krankmeldung vom Arzt oder wie sieht es aus mit der langen Fehlzeit am Arbeitsplatz?

03.09.2008 17:54 • #7


Hallo Annaa,
vor einiger Zeit habe ich das hier geschrieben :

...dauert es tatsächlich sehr lange!
Vor 14 Tagen bekam ich mein Bewilligungsschreiben. Die für mich geeignete Klinik (so steht es im Schreiben...) ist in Bad Bramstedt. Narürlich habe ich direkt dort angerufen, wie lange es noch dauern wird, bis zur Aufnahme...3-4 MONATE!!
Ich hab gedacht, ich hätte nicht richtig verstanden. Nach mehrmaligem Nachfragen war allerdings klar, daß diese Wartezeit durchaus üblich sei.
Bin jetzt schon fast 4 Monate nur in meiner Wohnung, und weiß nicht, wie ich die nächsten Monate noch überbrücken soll...
Nun hat meine KK sich auch nochmal direkt bei der Klinik gemeldet, um darauf aufmerksam zu machen, daß mein Antrag mit dem Vermerk
"Eilantrag" (oder so ähnlich) gestellt worden sei. Hat sich rausgestellt, daß seitens der BfA das nicht! so weitergeleitet wurde.
Würde aber nun als solcher dort behandelt, und die Wartezeit ist damit "nur" ca. 1 Monat . Die Möglichkeit einer 24-Stunden-Anreise ist auch gegeben. d.h., auf gepackten Koffern sitzen und hoffen, daß so bald wie möglich das Telefon klingelt...

Heute ist der 3. September...kein freier Platz z.Zt....

03.09.2008 18:45 • #8


Ohje, soviel dann zum Thema Akuteinweisung..
Halt die Ohren steif

03.09.2008 20:03 • #9


Christina
Zitat von Annaa:
Ohje, soviel dann zum Thema Akuteinweisung..
Deswegen ist es sinnvoll, sich erst um die Genehmigung der Reha bzw. des Klinikaufenthalts zu kümmern und dann zu überlegen, ob man das wirklich machen will. Absagen kann man immer noch.

Liebe Grüße
Christina

03.09.2008 21:10 • #10



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