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Huhu,
mich interessieren mal handfeste Vorschläge. Was genau macht ihr, wenn ihr unterwegs seid und eine Panikattacke bekommt?
Bei mir kommt das oft erst unterwegs. Fahre also daheim los, mir geht es noch ok und dann passiert es irgendwo. Zu Fuß, beim Straße überqueren, beim Warten, im Supermarkt, Kaufhaus etc. Ihr kennt das ja...
Oder ihr steht morgens auf und es geht euch schon schlecht.
Besonders schlimm finde ich es, wenn ich alleine unterwegs bin. Z.B. beim Einkaufen. Oder alleine Auto fahren muss.

Gestern bin ich nach GANZ langer Zeit wieder 15 km alleine Auto gefahren. Ewigkeiten bewegte ich mich im Umkreis von 6 km. Aber es musste halt sein, weil ich zur Neurologin musste. Freiwillig hätte ich es eher nicht gemacht. Habe auch einen kleinen, wenig befahrenen Schleichweg auf der Rücktour genommen. Aber hin bin ich über die Bundesstraße.

Ich weiß nie, was ich tun soll, wenn ich z.B. hinter einem ganz langsamen Auto festhänge und Panik bekomme oder gar an einer Ampel warten muss.

Vielleicht habt ihr ja noch gute Tipps.

11.06.2013 15:14 • 13.06.2013 #1


40 Antworten ↓


Ach ja: Ich habe Schwindel und riesige Panik, dass ich umfalle. Und nicht mehr alleine heim komme. Beim Fahren bewusstlos werde usw.

11.06.2013 15:15 • #2



Was macht ihr, wenn ihr unterwegs eine Panikattacke bekommt?

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GEdanklich Ablenken, laut zum Radio singen, PMR in "abgeschwächter" Form, denken dass es vorübergeht, Atemübung (tief ausatmen, auf 10 zählen, langsam einatmen) und wenns ganz heftig wird zumindest einreden dass man die Ampelphase noch durchhält, danach abbiegt und das Auto erstmal abstellt - dann erstmal geschehen lassen, aussteigen, spaziergang machen, jemanden anrufen,...

11.06.2013 15:24 • #3


Hallo!


Ich frage mich (gedanklich) immer: Was ist das Schlimmste, was mir jetzt passieren könnte?
Diese Gedanken versuche ich dann zu entschärfen.

zum Beispiel beim Einkaufen:

Angstgedanke:
Was passiert, wenn ich jetzt ohnmächtig werde?
Entschärfung:
Ich hoffe das passiert jetzt nicht am Gemüseregal, sonst habe ich vielleicht eine Möhre im Nasenloch stecken, wenn ich wieder zu mir komme.

Was passiert, wenn mir das Geld herunterfällt?
Sei doch froh, wenn du Geld hast, was runterfallen kann.

Was passiert, wenn ich jetzt Durchfall bekomme und das jemand merkt?
Dann gehe ich nach Hause und ziehe mich um. Jeder der es merkt oder riecht ist meinem Hinterteil dann wohl etwas zu nahe gekommen-selbst Schuld.

Was passiert wenn ich mich verletze und sogar blute?
Kriegsverletzungen sind ja in

Meistens bin ich dann so abgelenkt, dass ich die Angst nicht mehr so spüre.
Zudem verlieren sie ihren Schrecken und immer wenn ich Möhren sehe, muss ich grinsen


P.S: ich bin sogar mal in der Öffentlichkeit umgefallen.
Damals war ich 18 Jahre als und litt unter der monatlichen, weiblichen Betriebsstörung.
Mir war so elend und ich musste in die Stadt.
Jetzt kommts: An der Hauptstrasse (!) merke ich, wie meine Ohren zugehen, mir übel wird und dann wars vorbei.
Ich kam zu mir, als mich jemand auf dem Arm hatte und mich etwas abseits auf eine Sitzbank legte.
Himmel, ich dachte ich müsste sterben
Dann hörte ich auch noch die Sirenen vom RTW und ich konnte es nicht fassen, dass jemand einen gerufen hatte. Um mich herum neugierig starrende Augenpaare.
Mein netter "Träger" kam mit einer Flasche Mineralwasser wieder, während meine Freundin, die dabei war, mir die Beine hochhielt.

Da lag ich nun, wie ein Käfer auf dem Rücken und dachte meine Leben war zu Ende.
Ich musste dann in den RTW zu zwei jungen Männern. Und konnte das Schicksal noch gemeiner sein? JA! Denn ich hatte natürlich an diesem Tag meinen rosa Blümchen-BH angezogen, der nun beim Abhören zur Schau gestellt wurde und es kam noch schlimmer, er war verrutscht-Waaaahhhh.....

Mir ging es dann aber schnell wieder besser und ich stieg aus.
Inzwischen war niemand mehr da, nur der junge Mann, der mich auf die Bank getragen hatte.
Da die Situation jetzt doch eher lustig war- so im Nachhinein- unterhielten wir uns sehr lange und lachten auch darüber.

Mein Fazit: Okay, ein etwas peinlicher Auftritt und ich werde mir nie wieder einen rosa BH kaufen. Aber das Gute daran? Eine anschließende 6 jährige Liebesbeziehung mit meinem tapferen Helden
Wir sind zwar kein Paar mehr, aber das war es wert!

Selbst wenn dir soetwas passieren wird, es wird immer jemand geben, der die hilft.
Umzufallen ist menschlich und nichts, wofür man sich schämen müsste!

11.06.2013 15:35 • #4


Nele_Sani
Ich versuche mich meist abzulenken. Bei der Bahnfahrt habe ich z. B. mal die ganze Fahrt darüber nachgedacht, warum die Dame vor mir wohl in der Mitte von der Bank sitzt. Es hat aber geholfen. Auch versuche ich immer den Gedanken: "Es ist nur die Angst, es ist dir die ganze Zeit nichts passiert, also wird das heute auch nicht geschehen!"

11.06.2013 15:45 • #5


Das ist ja echt noch lustig FragileWings. Aber immerhin warst du nicht alleine und du hast zu der Zeit sicher nicht unter Panikattacken gelitten oder?

11.06.2013 16:05 • #6


Zitat von pumuckl:
Das ist ja echt noch lustig FragileWings. Aber immerhin warst du nicht alleine und du hast zu der Zeit sicher nicht unter Panikattacken gelitten oder?


Doch, hatte meine Agoraphobie mit PAs zu dem Zeitpunkt schon.

11.06.2013 16:09 • #7


FragileWings, ich finde deinen Beitrag echt toll. Hab ja auch immer Panik in der Öffentlichkeit umzukippen. Der Beitrag zeigt mir, dass man danach noch weiterleben kann ohne vor Scham im Boden versinken zu müssen. Musste zwischendurch auch etwas schmunzeln.

Wie bist du denn damit umgegangen, wo du doch damals schon die Agoraphobie hattest und nun ja wirlich etwas "passiert" ist, als du draußen warst? Hat dich das nicht ziemlich zurück geworfen?


LG

11.06.2013 16:12 • #8


Zitat von Angsthäschen89:
FragileWings, ich finde deinen Beitrag echt toll. Hab ja auch immer Panik in der Öffentlichkeit umzukippen. Der Beitrag zeigt mir, dass man danach noch weiterleben kann ohne vor Scham im Boden versinken zu müssen. Musste zwischendurch auch etwas schmunzeln.

Wie bist du denn damit umgegangen, wo du doch damals schon die Agoraphobie hattest und nun ja wirlich etwas "passiert" ist, als du draußen warst? Hat dich das nicht ziemlich zurück geworfen?


LG


In der Situation dachte ich, dass ich es nicht ertragen könnte.
Ich dachte dabei ständig daran, dass es genau der Grund ist, warum ich niemals rausgehen sollte. Weil genau mir ständig so etwas passiert. Das wovor ich Angst hatte, ist auch noch passiert, prima Ich war sogar richtig wütend auf ich, weil ich trotzdem rausgegangen bin, obwohl mir nicht gut war.
Damals war ich in Therapie und habe das natürlich besprochen.
Und genau das was du geschrieben hast hatte meine Thera auch gesagt: "Und sehen Sie, Sie leben noch!"
Ich habe etwas Wichtiges gelernt, nämlich das es liebe Menschen gibt, die eben auch helfen.
Und es gab viele nachfolgende Lacher: Wie habt ihr euch kennengelernt? Antwort von meinem damaligen Freund: "Auf dem Rücken"

Lustigerweise ist die Angst vor dem Umfallen überhaupt nicht mehr präsent bei mir.
Ich habe immernoch Panik, mir könnte "etwas Peinliches" (also peinlich in den Augen eines Phobikers) passieren, aber ich habe keine Angst mehr vorm Umfallen.
Wahrscheinlich ist das so, weil ich doch mehr Positives aus der Situation gezogen habe (und mehr Stilsicherheit bei Unterwäsche )

11.06.2013 16:21 • #9


Zitat von FragileWings:
In der Situation dachte ich, dass ich es nicht ertragen könnte.
Ich dachte dabei ständig daran, dass es genau der Grund ist, warum ich niemals rausgehen sollte. Weil genau mir ständig so etwas passiert. Das wovor ich Angst hatte, ist auch noch passiert, prima Ich war sogar richtig wütend auf ich, weil ich trotzdem rausgegangen bin, obwohl mir nicht gut war.



Genau diese Gedanken hatte ich auch, als ich vor zwei Monaten im Bus plötzlich Kreislaufprobleme bekam. Ich bin zwar gar nicht umgefallen, aber dachte mir: Wärst du mal nicht rausgegangen. Dir ging es heute Morgen schon nicht so gut. Hättest du mal auf deine Gedanken gehört. Glück gehabt, dass du nicht umgefallen bist. War ja knapp.

Und ich dachte kurz danach wirklich, es wäre besser gar nicht mehr vor die Tür zu gehen. Das kann ja schließlich immer passieren. Das hat mich aufjeden Fall wieder ziemlich zurückgeworfen, aber ich verkrieche mich nicht zu Hause.

Vielleicht sollte ich auch mal umkippen, dann würde es vielleicht auch besser werden. Oder aber es wird dann noch schlimmer....

Aber das finde ich wirklich mutig von dir, dass du dann weitergemacht hast. Und, wenn man es aus einem späteren Blickwinkel betrachtet ist es ja auch irgendwie gar nicht mehr sooo schlimm, wie man es sich vorher vorstellt.

11.06.2013 16:37 • #10


Ja, ich hatte da wirklich großes Glück.
Wahrscheinlich hat mein Hirn da mal sinnvoll konditioniert

Blöderweise bin ich wirklich umgekippt, das deckte sich mit meinen Angstgedanken, aber ich hatte keine schwere Kopfverletzung, bin nicht verblutet oder wurde ignoriert. Das alles war nur in meinen Gedanken und so ist es immer.
In meinen Gedanken ist das immer der reinste Horror, aber passiert ist über all die Jahre nichts Vergleichbares.

Meine Thera hat damals mal ganz gute Übungen mit mir gemacht.
Aber ich will hier den Thread auch nicht zumüllen, schweife zu sehr ins Offtopic ab...

11.06.2013 16:46 • #11


Oh die Übung interessiert mich aber.
Also ich muss sagen, dass in einem Geschäft ja jemand kommen und einen aufraffen würde. Oder auch auf der Straße. Aber im Auto? Wenn man dann einen Unfall baut?
Oder wenn man denkt, man ist einen Milimeter davor, umzufallen und spricht Leute an? Das ist schließlich peinlich und das kann man ja nicht immer an den gleichen Orten machen, denn dann denken die ja schon: Oh da kommt die Alte wieder, die behauptet, sie fällt gleich um. Versteht ihr, was ich meine?
Man bewegt sich ja doch immer in seinem "Bezirk". Ob Stadt oder Dorf. Und wenn man dann ständig unangenehm auffällt, weil man Anstalten macht, umzufallen, denken die doch alle, dass man sie nicht alle beisammen hat.

11.06.2013 17:32 • #12


Nele_Sani
Bei mir ist es eher so, dass ich eigentlich eher immer denke, dass ich jetzt alle Blicke auf mich ziehe und andere Leute von was abhalte oder so. Mir ist das eher immer peinlich. Vor dem umkippen an sich hab ich keine Angst, ich weiß, dass es mir nach ein paar Minuten besser geht, wie bei der Übelkeit. Einmal alles raus und dann ist alles gut ich ziehe nur nicht gerne die Aufmerksamkeit auf mich

11.06.2013 17:37 • #13


Eine der Übungen hat sogar wirklich etwas damit zu tun, andere Menschen anzusprechen und um Hilfe zu bitten.
Und damit die Scheu zu verlieren und die Gewissheit zu haben, dass es eben auch nur alles Menschen sind.
Ich werde die Übungen noch ausführlich aufschreiben und erklären, warum sie mir geholfen haben. Das mache ich mit klarem Kopf, ich merke, dass der Tag sehr anstrengend für mich war.
Liebe Grüße

11.06.2013 17:48 • #14


Ok, mach das.
Aber das ist ja sicher auch in einer Metropole, wo täglich unterschiedliche Menschen rum rennen einfacher als auf dem Dorf. Ich meine, sowas würde sich hier rumsprechen wie ein Lauffeuer und wenn man das mehrmals machen würde, würde über einen geredet. Das ist sicher.

11.06.2013 17:59 • #15


Die Übungen interessieren mich auch

Zitat von Nele_Sani:
Bei mir ist es eher so, dass ich eigentlich eher immer denke, dass ich jetzt alle Blicke auf mich ziehe und andere Leute von was abhalte oder so. Mir ist das eher immer peinlich. Vor dem umkippen an sich hab ich keine Angst, ich weiß, dass es mir nach ein paar Minuten besser geht, wie bei der Übelkeit. Einmal alles raus und dann ist alles gut ich ziehe nur nicht gerne die Aufmerksamkeit auf mich


Das geht mir auch so, dass ich weniger Angst vor dem Umkippen an sich habe, sondern davor, dass ich dann die ganze Aufmerksamkeit auf mich ziehe. Wäre mir unglaublich peinlich. Dabei ist es ja menschlich.

Zitat von pumuckl:

Oder wenn man denkt, man ist einen Milimeter davor, umzufallen und spricht Leute an? Das ist schließlich peinlich und das kann man ja nicht immer an den gleichen Orten machen, denn dann denken die ja schon: Oh da kommt die Alte wieder, die behauptet, sie fällt gleich um. Versteht ihr, was ich meine?
Man bewegt sich ja doch immer in seinem "Bezirk". Ob Stadt oder Dorf. Und wenn man dann ständig unangenehm auffällt, weil man Anstalten macht, umzufallen, denken die doch alle, dass man sie nicht alle beisammen hat.


Genau das denke ich auch immer! Besonders in der Uni. Da kennt man ja total viele Menschen vom Sehen. Da kann ich ja nicht jede Woche jemanden anquatschen und sagen: Du mir gehts nicht gut und so weiter. In meinen Horrorvisionen falle ich ständig um, sodass alle Leute schon genervt sind, weil ich ständig umkippe. Dabei bin ich ja noch nie umgefallen. Dämliche Gedanken

11.06.2013 18:16 • #16


Praktische Übung aus meiner Therapiezeit.....Kopfrechnen, Vokabeln übersetzen, versuchen Worte rückwärts zu buchstabieren. Sprich dich geistig fordern in dem Moment dein Hirn kann sich naemlich nicht auf zwei anspruchsvolle Dinge gleichzeitig " konzentrieren".

Ansonsten wenn die PA schon voll da ist durchhalten und dann weiter machen wie vorher. Je weniger " Macht" ich der Angst gebe um so schneller geht sie wieder.

11.06.2013 18:43 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Hmm, schwer ...
Ich hatte eine ganze Weile Fluchtgedanken. Entweder weg oder ein Notfallmedikament.
Über die Jahre habe ich natürlich bemerkt, das ein Medikament nicht schon wirken kann, wenn es zb. erst in Mundnähe ist.

Ich provoziere die Angst/Panik und lasse sie dann los. Meistens zieht sie sich zurück oder schwächt ab.
Ich habe weiter bemerkt, wenn ich zb. mit dem Hund gehe und in mir sagt etwas:"Die nächsten 100 Meter bis zur nächsten Straße schaffst du nicht, der Rückweg wird nur noch länger, du wirst umkippen usw." das ich nicht darauf hören darf. Also gehe ich einfach weiter und taumle mich irgendwie nach Haus. Manchmal verzögere ich in dem ich noch einen Umweg mache.
Das sehe ich als einzige Möglichkeit die Panik irgendwann loszuwerden.

Ich habe auch schon abgebrochen, so ist das nicht. Danach ging es mir noch beschissener weil ich wusste ich hab eine Chance zum üben verdorben, war feige usw.

Es ist schwer. Der Kopf, Seele, Herz eben alles schreit, KEHRE UM! Und die Beine laufen in die genau andere Richtung.

Olaf grüßt ....

11.06.2013 19:45 • #18


Hmm, Olaf, so war es bei mir eine Zeit lang auch. Totales Vermeiden. Nun ist es so, dass es sein kann, dass es mir Tagen oder Wochen gut geht und dann kommt wieder was. Gerade jetzt im Sommer scheinbar. Kreislauf?
Und wenn mir dann mal wieder sowas ganz Schlimmes passiert ist, wirft einen das irgendwie total zurück. Gestern das mit den 15 km fahren war ein riesen Schritt für mich. Eigentlich. Aber ich habe es nur getan, weil ich quasi durch die Krankenkasse gezwungen war und wusste, dass es Streß gibt, wenn ich das nicht mache. Wenn ich zwingend muss, dann schaffe ich es irgendwie.

11.06.2013 19:57 • #19


Was denkt ihr von was die Gedanken überhaupt kommen?

Ich versuche mich dann immer abzulenken. Im Auto suche ich eine andere CD, verstelle Radiosender, schau auf das Handy und denke dann "du schaffst das schon". Also immer ablenken.

11.06.2013 20:08 • #20



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