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Morgen da draußen, (denn einen guten Morgen kann ich das nicht nennen)

ich bin gerade auf der Arbeit. Hatte Nachtschicht und mich dann um ca 1.30 Uhr hingelegt (ich arbeite im Gesundheitswesen). Um 3.30 Uhr werde ich plötzlich wach, Schwitzen, Übelkeit, Schwindel - Panikattacke vom Feinsten. Es schaukelt sich so hoch, dass ich überlege, den Bereitschaftsarzt zu alarmieren. Hatte tatsächlich das Gefühl, zu kollabieren. Als ich dann aber meinen Blutdruck und Puls gemessen hatte, wusste ich, dass nicht mein Kreislauf sondern wieder einmal die Panik das Problem war: 134 zu 91 und Puls 86. Zum Vergleich: Wenn ich kreislaufbedingte Beschwerden habe, liege ich gern mal bei 90 zu 60.

Doch wieso schreibe ich jetzt hier? Zum einen, weil ich jetzt noch zwei Stunden hier durchhalten muss und mir nicht sehnlicher als einen Gesprächspartner Wünsche und zum anderen, um das einfach los zu werden.

Ich habe endlich einen Job, den ich liebe. Die Bezahlung ist gut, die Aufgabenbereiche genau mein Ding, die Arbeitszeiten super und das Team ein Traum. Aber was bringt mir das alles, wenn die Angststörung wieder bis nach Jeremi durchknallt?

Bin ich eigentlich die einzige hier, die so viel Potential in sich spürt und jedes Mal, wenn sie es ausleben will, von ihrer Psyche ausgebremst wird?! Oder habt ihr das auch? Früher war es so, dass dann meine Depression schlagartig schlimme wurden (ich war jahrelang an einer schweren Major Depression erkrankt) und seit die Angststörung nun da ist, wird diese halt unter der kleinsten Belastung schlimmer.

Wie soll das denn alles mal werden? Wie soll ich je selbst für mich sorgen? Wie soll ich je meine Träume leben können? Ich muss zugeben, dass mir momentan zeitweise der Lebensmut schwindet.

Nesquik

19.12.2014 06:03 • 20.12.2014 #1


16 Antworten ↓


nilu
Hallo Nesquik,

liege auch wach und komme nicht zur Ruhe. Drück dich mal ganz fest! Glaub weiter an deine Träume, verliere den Mut nicht, es lohnt sich! Hast du eine spezielle Phobie? Lass dir dadurch das Leben nicht kaputt machen. Ich weiss, das liest sich so einfach, aber man muss wirklich dran glauben und es sich immer und immer wieder sagen. Kenne es selber auch

Bin sicher noch eine Weile wach, wenn du hier dich austauschen willst.

19.12.2014 06:18 • x 1 #2



Nachtschicht Bitte redet mit mir

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Black Sheep
Morgen Nesquik

ich kann dich hören....und nein, du bist nicht die einzige, aber es ist nicht unbedingt unsere Psyche die uns ausbremst, wir selbst bremsen uns aus, warum wir das tun, ist die Frage die es für uns zu klären gilt.

19.12.2014 06:21 • x 2 #3


Hallo nilu, hallo Black Sheep,

Oh Gott, ich bin gerade einfach so froh, jemanden zum reden zu haben! Danke, danke, danke!

@nilu:

Wieso kommst du denn heute Nacht nicht zur Ruhe? Hast du einen bestimmten Auslöser oder "läuft es momentan einfach nicht so rund"? Ich drück dich ganz fest zurück! Ich hab schon spezielle Phobien, aber obendrauf auch noch eine generalisierte Angststörung. Meine Phobien beziehen sich ausnahmslos aufs Essen und Medikamente. Alles, was quasi irgendwas in meinem Körper verändern könnte. Ich bin aber nach fast fünf Jahren Angst aber nun an dem Punkt, dass ich mich nach meiner Prüfung im März stationär medikamentös einstellen lassen will. Zu Hause schaffe ich es nicht allein und Therapie allein scheint auch keine Heilung für mich zu bringen. Hast du bestimmte Phobien? Was hilft dir?

@Black Sheep:

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich so ist. Es gab Bereiche in meinem Leben, in denen ich Selbstsabotage betrieben habe - aber so fühlt sich das hier nicht an.

GLG und DANKE!
Nesquik

19.12.2014 06:31 • #4


nilu
Bitte, bin gern da, mir hilft das Schreiben und er Austausch auch. Ich leide unter Emetophobie und wachte halb drei auf, seitdem komm ich nicht runter und fühle mich so übel Habe das schon sehr lange und bin auch in psychologischer Behandlung, probiere allesmögliche aus wie Akkupunktur, Kinesiologie und und und. Ich will nichts unversucht lassen um diese Angst endlich in den Griff zu bekommen. Habe mich allerdings vom Gedanken gelöst, dass ich sie ganz losbekomme, sondern dass es einen Weg geben muss, wie ich damit leben kann ohne dass ich mir zB die Nächte um die Ohren schlage. Wir waren nun gestern mit der Agentur zum Weihnachtsessen, ich trank zwei Gläser Rotwein. Eigentlich vertrage ich das gut und hab da nie Probleme. Ich achte trotz der Angst auch nicht penibel drauf was ich esse, weil ich eben nicht möchte, dass mir die Angst Lebensfreude nimmt oder mich einschränkt. Tja aber dennoch sitze ich nun wach da und meine das war eine doofe Idee, bzw. sagt mir das die Angst im Kopf Als ob es irgendwie nicht sein darf, dass ich Dinge geniesse.

Was arbeitest du genau? Was sind dann deine Pläne?

19.12.2014 06:37 • #5


Black Sheep
Hey Nesquik

Ich meinte keine bewusste Selbstsabotage, sondern Denkmuster die wir seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten, für uns angenommen haben, und den Grund dafür rauszufinden ist die Aufgabe, aber pauschalisieren, kann man sowieso nichts, dafür sind wir alle und unsere Geschichten, zu verschieden, doch trotzdem gibt es auch immer wieder Übereinstimmungen, sieh dir das Thema mal an, das geht in die Richtung von dem was ich meine.

zukunftsangst-generalisierte-angststoerung-f57/angst-vor-positiven-t62141.html

19.12.2014 06:47 • #6


Ich kann mir vorstellen, wie du dich grad fühlen musst. Ich leide zwar nicht an der selben Phobie, aber ich finde gewisse Parallelen sind da schon vorhanden. Zum Beispiel esse ich ganz viele Lebensmittel nicht mehr (Eier, Milchprodukte, Gewürze, Obst, Säfte...) und trinke auch keinerlei Alk.. Ich hätte auch gern ein normales Leben mit jeglichen Genüßen, aber es geht nicht mehr. Ich fühle also total mit dir! Ist dir denn jetzt schlecht vom Magen her oder hast du Angst, dass dir schlecht werden könnte? Hilft es dir vielleicht, dir zu vergegenwärtigen, dass schon längst etwas hätte passieren müssen, wenn dir der Wein heute nicht bekommen wäre? Ich habe übrigens ganz ganz großen Respekt davor, dass du deiner Angst die Stirn bietest und trotzdem noch alles isst und trinkst! Da möchte ich auch irgendwann mal hinkommen. Wie schaffst du das nur?

Therapiemäßig hab ich auch alles durch.. Von EMDR, Kinesologie, Bioresonanz, Verhaltenstherapie stationär und teilstationär, Gesprächstherapie bis hin zu meiner jetzigen Hypnosetherapie. Ich habe über die Jahre viel erreicht, aber gegen die Ängste hilft bis jetzt nichts. Deshalb meine Idee mit den Medis.. hast du irgendwelche guten Erfahrungen gemacht mit Medikamenten?

Was ich genau arbeite, würde ich dir lieber per PN erzählen, da ich nicht weiß, wer hier so alles mitliest. Also wir können entweder hier weiterschreiben oder du kannst auch per PN antworten, dann schreibe ich dort dazu mehr.

GLG Nesquik

19.12.2014 06:50 • #7


Hey Black Sheep,

Danke nochmal für die genauere Erklärung. Diese "negativen Mythen" habe ich auch in meinem Leben gehabt. Es gibt immer noch einen speziellen Satz, der allerdings nichts mit meiner Angstsymptomatik zutun hat. Ich verstehe aber, was du meinst.

Mit meiner Therapeutin arbeite ich seit über einem Jahr an diesen "Hintergrundprogrammen" und ich war auch davon ausgegangen, dass die Ängste endlich besser werden, wenn ich nur den Übeltäter entlarve. Leider war das bis jetzt noch nicht der Fall. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht. Hoffentlich.

GLG Nesquik

19.12.2014 06:55 • #8


Black Sheep
Den Übeltäter entlarven ist sicher immer gut, aber das ist meiner Meinung nach schon die zweite Stufe, um sich wieder richtig gut und glücklich zu fühlen, du bist, obwohl du schon sehr viel getan hast mit der ersten Stufe beschäftigt, du hast es noch nicht geschafft dich deinen Ängsten zu stellen, das ist jetzt nicht böse gemeint, aber du vermeidest alles was dir Angst macht, versuchst ständig Sicherheit durch Blutdruckmessen usw. zu erlangen....das ist der falsche Weg, der wird dich nicht weiterbringen, stelle dich deinen Ängsten, und erlebe das sie dir nichts anhaben können, dann werden sie vergehen.

Es gibt keinerlei Sicherheit, keinen Fallschirm, Hilfe von Außen Ja, Heilung nein, heilen musst du dich selbst.

19.12.2014 07:27 • #9


Ich weiß, dass du Recht hast, Black Sheep.

Doch was mache ich, wenn ich es einfach nicht schaffe? Die Angst zu groß ist? Und es liegt weiß Gott nicht an meiner Therapiemotivation. Wie meine Traumatherapeutin mal so schön sagte: "Mein Gott Frau XY, Sie haben aber auch wirklich keine Angst, die Ärmel hochzukrempeln, den Kopf in ihre Sch**** zu stecken und richtig drin rumzuwühlen." Ich will ja (was die Ängste jetzt angeht), aber ich kann nicht.

GLG Nesquik

19.12.2014 07:36 • #10


Black Sheep
Das glaube ich dir, ich habe festgestellt das es da sehr auf die innere Einstellung ankommt, nicht so sehr auf "Action", ich hoffe du verstehst wie ich das meine, es kann auch völlig ruhig in deinem Wohnzimmer sein, du schmeißt das Blutdruckmessgerät weg, setzt dich auf die Couch, und denkst dir, "Hallo, Angst da bin ich, gib dein bestes, Zeig was du kannst, wenn du so mächtig bist, bring mich sofort um, ansonsten geh dahin wo der Pfeffer wächst"

Versuche jede Attacke, als Herausforderung zu sehen, du gegen sie, es kann nur eine geben, du wirst nicht immer gewinnen, darum geht es auch gar nicht, es geht darum das du es immer und immer wieder versuchst, du wirst lernen das sie dich zwar behindern kann, aber nicht stoppen, die Angst ist mit dir geboren, und wird irgendwann mit dir sterben, in der Zwischenzeit entscheidest du allein, wie sehr du dich von ihr beeinflussen lässt, aber um das zu entscheiden musst du sie erst mal kennenlernen.

19.12.2014 08:26 • x 1 #11


Danke noch einmal für deine Worte, Black Sheep!

Ich kann gerade nicht viel mehr dazu sagen, da ich diesen Kampf mit meinen Ängsten nun schon so lange führe, dass mir einfach nicht mehr nach Kämpfen ist. Gerade bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich die Ängste nicht mehr als eine "Entscheidung" oder eben eine "Herausforderung" sehe, sondern nur noch als eine "Krankheit". Ähnlich wie Diabetes oder Asthma. Ich hoffe, du kannst das verstehen.

GLG Nesquik

20.12.2014 03:24 • #12


Olli91
@ Nesquick gehts wieder besser weil ich kann mich grade gut in deine Situation hinein versetzen hab eine Herzphobie bzw von der Kardiologin als diagnostiziertes hyperkinetisches Herzsyndrom und hatte eben auch wieder Panik ..... Hast du das denn auch das du es schon vorher bemerkst so Std vor der Attacke also z.B. durch Adrenalingefühle oder so allgemeine starke Angespanntheit ?


lg Olli

20.12.2014 03:32 • #13


Hey Olli!

Danke, mir geht es jetzt etwas besser. Der Tag war wirklich mies, aber gerade geht es. Versucht gerade trotz latenter Angst müde zu werden, weil ich in vier Stunden wieder raus muss und dann den ganzen Tag Uni habe.

Zu deiner Frage: Manchmal merke ich die Vorboten Stunden vorher, manchmal Minuten und manchmal gar nicht. Das ist immer unterschiedlich, da meine Panikattacken auch unterschiedliche Auslöser haben können. Wie ist das bei dir?

Geht es dir jetzt gerade schlecht? Oder ist die PA wieder vorbei? Bist du zu Hause? Allein? Ich frage, weil es mir immer unendlich hilft, wenn ich dann nicht ganz allein dadurch muss!

GLG Nesquik

20.12.2014 03:42 • #14


Olli91
Also mal kurz zu meiner Vorgeschichte ich bin 23 Jahre alt und hab es vor zwei Jahren noch sehr gerne mal übertrieben indem ich fast jeden Tag mit Freunden unterwegs war bis in die Nacht und immer wieder feiern war. Dann fing bei mir die Panik an zuert hatte ich immer Angst mir tut jm was ins Glas weil es schon mal pssiert ist damals in einer Bar mit Dro.... Das war dann irgendwann vorbei und ich fing an immer Herzrasen zu bekommen und halt ein allegmeines Unwohlsein. Dies verflog irgendwann auch und jetzt hab ich immer abwechselnd Herzrasen und ab und zu mal ne Tag Herzstolpern vereinzelnd über den Tag .... Ich versuche es jedesmal zu uenterdrücken und es wird auch immer besser und weniger aber wenn es kommt ist es sehr stark war vor nen paar Monaten mehrmals im Monat im Krankenhaus weil ich immer den Notdienst rufen musste... nach dem dritten mal bin ich dsnn auch endlich zum Kardiologen gegangen mit dem Ergebnis mein Herz wäre sehr gesund und es wäre das Adrenalin was meinen Nerv der am Herzen sitzt reizt und dort den Takt verändert .... klar denkt man die ersten Tage natürlich hey cool ich hab nix organisches allerdings wenn es wieder kommt hat man auch wieder Angst und die Spirale fängt von neuem an ..... man muss dazu sagen ich komme auch leider nicht zur Ruhe da ich ein sehr intensives Studium absolviere und viel vor dem Pc sitze (ist ein Film und Visuell Effects Studium )....

Ja und die Attacke jetzt ist auch bestimmt schon wieder fast 2 Std echt nervig sowas daher ich verstehe vollkommen wie mies es einem dann geht besonders schränkt es einen auch megamäßig im Alltag ein

20.12.2014 03:54 • #15


Oh man, du sprichst mir aus der Seele. Deine Geschichte ist meiner auch wirklich nicht unähnlich. Wahnsinn. Ich würd mich unheimlich gern mehr mit dir austauschen hier, vielleicht auch per PN?

Es tut mir so leid, dass ich jetzt gerade nicht wirklich viel für dich tun kann, aber ich muss jetzt gleich versuchen, zu schlafen. Sonst wird der Tag morgen wieder die Hölle Das ist gerade echt schwer für mich, dich da so sitzen zu lassen, weil ich weiß, wie ich mich heute Morgen gefühlt habe!

Wirst du denn vielleicht etwas müde? Oder hast du etwas, dass du zur Beruhigung tun oder einnehmen kannst?

GLG Nesquik

20.12.2014 04:03 • x 1 #16


Black Sheep
Zitat von Nesquik:
Danke noch einmal für deine Worte, Black Sheep!

Ich kann gerade nicht viel mehr dazu sagen, da ich diesen Kampf mit meinen Ängsten nun schon so lange führe, dass mir einfach nicht mehr nach Kämpfen ist. Gerade bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich die Ängste nicht mehr als eine "Entscheidung" oder eben eine "Herausforderung" sehe, sondern nur noch als eine "Krankheit". Ähnlich wie Diabetes oder Asthma. Ich hoffe, du kannst das verstehen.

GLG Nesquik


Hallo Nesquik

Natürlich kann ich das verstehen, ich habe auch seit 8 Jahren damit zu tun, habe alle klassischen Symptome durch, und weiß ziemlich genau wie du dich fühlst, aber es ist überhaupt nicht wichtig, wie ich, oder andere Menschen über dich denken, bei mir kam der Punkt an dem ich feststellte das man mit seinen Gedanken und Ängsten sowieso immer allein ist, und ich war auch schon oft ganz unten, und dachte jetzt geht nichts mehr, doch auch das hat was gutes, denn wenn man erstmal ganz unten angekommen ist geht es nur noch rauf, das Leben geht einfach weiter als ob nichts gewesen wäre, und man ist immer noch da, und nicht nur das, man fühlt sich auch wieder besser, du wirst für dich auch den richtigen Weg finden, kein Gefühl bleibt für immer.

20.12.2014 08:17 • #17



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Dr. Reinhard Pichler