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Celinamary

Celinamary
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Hallo, ich habe ein Anliegen.

Ich bin aktuell in der Tagesklinik und habe im Moment sehr stark mit Angstschüben und ausgeprägten Paniksymptomen zu kämpfen. Besonders in Gruppentherapien ist es mir in den letzten Tagen mehrmals passiert, dass ich den Raum verlassen musste, weil ich das Gefühl hatte, eine Panikattacke zu bekommen.
Es ist sehr schwer für mich, in Worte zu fassen, was in diesen Momenten in mir vorgeht. Es fühlt sich an wie ein dauerhafter Panikzustand. Auch in Einzelgesprächen mit Therapeut:innen oder Psycholog:innen fällt es mir momentan extrem schwer, weil dieses intensive Fluchtgefühl ständig präsent ist so, als müsste ich sofort weg. Gespräche können dann kaum stattfinden.
Diese Angst ist in letzter Zeit so stark wie noch nie und fühlt sich fast wie ein Dauerzustand an. Nur wenn ich alleine bin, lässt sie zeitweise nach. Sobald ich jedoch unter Menschen bin oder unter Anspannung stehe, ist es kaum möglich, ruhig sitzen zu bleiben oder ein Gespräch zu führen, ohne dass die Panik hochkommt und ich den Raum verlassen muss.
Dabei ist es nicht unbedingt ein konkretes körperliches Symptom, das die Angst auslöst, sondern die Panik selbst. Ich habe große Angst, die Kontrolle zu verlieren, eine Panikattacke zu bekommen, zu hyperventilieren oder umzukippen. Aus Angst davor ziehe ich mich häufig kurz auf die Toilette zurück, um durchzuatmen – das hilft meist kurzfristig. Sobald ich jedoch wieder bei anderen sitze, kommt die Panik erneut hoch, und ich habe das Gefühl, nichts dagegen tun zu können.
Ich weiß, dass mir gesagt wurde, ich müsse versuchen, in der Situation zu bleiben, um keine Vermeidungshaltung zu entwickeln. Gleichzeitig habe ich große Angst davor, in der Situation zu bleiben, wenn die Panik sehr stark wird und ich das Gefühl habe, dass mir niemand helfen kann. Dann ist für mich auch kein Weiterreden mehr möglich.
Zusätzlich habe ich Angst, dass andere mich verurteilen könnten oder denken, ich sei „komisch“, auch wenn mir rational klar ist, dass das wahrscheinlich nicht so ist. Trotzdem belastet mich diese Angst sehr.
Im Moment leide ich stark unter dieser Situation und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Das führt leider auch dazu, dass Gedanken entstehen, die Tagesklinik oder bestimmte Räume ganz vermeiden zu wollen.
Kennt das jemand ? Habt ihr ähnliche Erfahrung gemacht ?

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Danke

20.12.2025 x 2 #1


55 Antworten ↓
E

Ex-Mitglied
Gast

Zitat von Celinamary:
Kennt das jemand ? Habt ihr ähnliche Erfahrung gemacht ?


Ja.

Nicht in den gleichen Situationen, aber einkaufen, Termine in der Schule meiner Tochter, arbeiten, Auto fahren usw war praktisch nicht mehr möglich ohne Begleitung, weil ich permanent das Gefühl hatte, dass ich die Situation nicht kontrollieren kann und die Menschen meine "Schwäche" sehen und ausnutzen könnten.

Es ging mir durch die Depression körperlich so schlecht, dass es mich angreifbar gemacht hatte und kurz darauf kam dann die Panik, nichts dagegen tun zu können.

Es war in der Zeit auch nicht unbedingt hilfreich, Menschen um mich zu haben, die Druck aufgebaut haben, wieder funktionieren zu müssen und die meinen Zustand permanent negativ bewertet haben.

Das war so eine Abwärtsspirale aus Hilflosigkeit, die von außen auch noch gespiegelt und aufgezogen wurde, im Sinne von, du kannst gerade weder dir, noch mir helfen.

Wie ich aus der akuten Panik rausgekommen bin?

Ich fand ein Gespräch mit dem Therapeuten besonders aufschlussreich. Als es darum ging, dieses Gefühl der Hilflosigkeit zuzulassen.

Er meinte, dass Nervensystem des Menschen, ist darauf ausgelegt Emotionen durchleben zu müssen. Sie zuzulassen. Sonst können sie nicht ausklingen, sondern werden vom Körper wie festgehalten.

Er hatte mir dann eine Übung auf der Liege gezeigt, indem ich eine Hand auf den Bauch und die andere auf die Brust lege. 4 Sekunden durch die Nase einatmen, und 6 Sekunden durch den Mund ausatmen. Und beim ausatmen, betet man dann ein Mantra runter.

"Es ist okay, dass ich mich hilflos fühle. Ich darf die Angst zulassen."

Das haben wir dann ein paar Mal geübt, bis es zum gedanklichen Alltag geworden ist, mir immerwieder ins Gedächtnis zu rufen, dass egal was ich denke, es okay ist, mich so zu fühlen.

Dadurch sind die Panikattacken dann irgendwann komplett verschwunden, auch wenn die gespeicherte Grundanspannung im Körper (die über Jahrzehnte "normal" war) leider immernoch unangenehm hoch ist, aber auch das wird sich mit der Zeit und mehr Therapie klären.

Den meisten Druck mach ich mir selbst, um Unzulänglichkeiten zu verstecken, die jeder Mensch hat, aber die ich an mir selbst nicht dulde. Bzw es so gelernt habe, sie nicht dulden zu dürfen.

18.12.2025 11:59 • x 5 #53


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Ständiges Fluchtgefühl - wie loswerden?

x 3


Darkshadow

Darkshadow
Mitglied

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Ich denke auch, dass der Therapeut mit dem Spruch etwas übers Ziel hinausgeschossen ist. Es kann natürlich sein, dass er den Eindruck hat, dass du sehr instabil bist, aber ohne Eigen- oder Fremdgefährdung wäre da wohl eher eine offene Station der nächste Schritt.

Ich kenne die Stufen Tagesklinik - psychosomatische Klinik vollstatinär - Psychiatrie offen - Psychiatrie geschlossen.

Was ich konkret erlebt habe, ist die Verlegung von vollstationär psychosomatische Klinik auf die geschlossene Psychiatrie (bei extremer Instabilität).

Das Problem ist ja oftmals, dass die meisten psychosomatischen Kliniken Wartezeiten haben. Darum ist dann die Psychiatrie bei akuter Instabilität die nächste Anlaufstelle.
Wenn also Patienten, die teil- oder vollstationär sind, sehr instabil werden, ist dann halt oftmals die Psychiatrie der nächste Schritt, aber um auf die Geschlossene zu kommen, muss halt Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegen.

Aber wenn die teil- oder vollstationäre psychosomatische Klinik der Meinung ist, dass der Patient gerade nicht von der Therapie profitieren kann, kann es durchaus passieren, dass die Behandlung dort erstmal beendet wird und eine Empfehlung oder Überweisung für eine andere Klinikform (z.B. eine Psychiatrie) ausgestellt wird.

Aber ich denke nicht, dass das hier schon der Fall ist. Ich glaube auch eher, dass der Therapeut auf sehr ungünstige Art und Weise Druck machen möchte.

18.12.2025 10:25 • x 4 #43


Zum Beitrag im Thema ↓


Luce1
Zitat von Celinamary:
Kennt das jemand ?


Nicht ich aber eine Mitpatientin hatte das.

Ihr wurde die Gruppenaufstellung Zuviel.

Anders als bei Dir wurde ihr gesagt, sie soll sich nicht zwingen.

verurteilen wird Dich ganz bestimmt keiner; im Gegenteil, sprechen drüber und du wirst bestimmt von Ihnen unterstützt.

x 3 #2


Schlaflose
Zitat von Celinamary:
Kennt das jemand ? Habt ihr ähnliche Erfahrung gemacht ?

In meiner Reha kam es dauernd vor, dass irgendwer mittendrin fluchtartig den Raum verließ.

x 3 #3


MoniHofft
Hallo! Auch ich kenne dieses Gefühl als Angstpatientin leider sehr gut. Mir geht es, wie @Luce1 beschreibt, tatsächlich oft besser, wenn ich offen darüber sprechen kann und bis jetzt hatten auch alle Verständnis dafür. Ich kann mir vorstellen, dass das gerade in dem geschützten Rahmen der Tagesklinik eine sinnvolle Option für dich sein könnte. Leider ist Vermeidungsverhalten für sowas überhaupt nicht förderlich, weil man sich dadurch immer mehr in seine Angst hineinsteigert. So richtige Tipps habe ich dafür leider nicht - momentan hilft es mir oft schon, zu wissen, dass ich jederzeit mal auf die Toilette verschwinden kann, wenn es mir zu viel wird. Manchmal brauche ich das und "gönne" es mir auch - manchmal bleibe ich einfach sitzen und warte, bis Gefühl vorüberzieht, auch wenn das gut und gerne ein oder zwei Stunden dauern kann.

Ich wünsche dir ganz viel Mut!

x 4 #4


N
Mein Mann hatte es in der Tagesklinik andauernd, musste fast täglich die Gruppentherapien verlassen. Ich verstehe das gut, helfen allerdings würde es langfristig, es auszuhalten, damit du lernst, dass nix passiert

x 2 #5


Feuerschale
Ich denke auch, offen drüber sprechen könnte helfen. Weil man dann auch real verankert wird oder merkt, die anderen reagieren gar nicht so schlimm. Vielleicht haben die Leute da sogar auch Tips, Mitgefühl oder können da auch was teilen.

x 3 #6


Celinamary
Ich hab ja offen drüber gesprochen und also das erste Mal hat er natürlich gesagt ja du kannst mal rausgehen aber es bringt auf Dauer nichts und ich soll es halt demnächst aushalten und das gibt mir auch wieder dieses Gefühl, dass ich halt muss und das macht es nur noch schlimmer.

x 1 #7


Celinamary
Ich bin eine Person ich spreche das sogar an, bevor es mir so geht, weil ich mich einfach absichern will. Ich bin gar nicht die Art von Mensch, die das irgendwie geheim hält oder sich nicht traut das anzusprechen. Aber das Gefühl ist trotz ansprechend trotzdem da und es ist wirklich nicht auszuhalten. Bin echt ganz tief drin im Moment

x 1 #8


MoniHofft
@Celinamary Ich kann leider keine Privatnachrichten senden, aber dieses Gefühl zeigt sich bei mir meistens in immer größer werdender innerer Anspannung, Händezittern, Herzrasen und dem prominenten Gedanken "Ich muss hier raus!". Ich kenne das aus sehr vielen Situationen, zum Beispiel beim Autofahren oder in der Vorlesung in der Uni.

x 1 #9


Celinamary
@MoniHofft und wie oft hast du das Gefühl ? Auch manchmal einfach so ohne das was ansteht ?

#10


E
Man kann schon Angst haben oder Befürchtungen gleich eine Panikattacke zu bekommen, das ist ein grosses Problem, die Angst vor der Angst, das ist das reinste Hamsterrad.

x 1 #11


MoniHofft
@Celinamary Das kann man schwer pauschal sagen, es gibt gute Tage mit wenig Angst und es gibt Phasen, in denen ich sehr dünnhäutig bin und die Angst mein ständiger Begleiter ist. Und natürlich ist sie stärker, wenn etwas ansteht, aber manchmal ist sie auch einfach ohne direkt erkennbaren Grund da. Das ist oft nur schwer aushaltbar, gehört aber eben zu (m)einer Angststörung mit dazu

x 3 #12


Celinamary
@MoniHofft du bist nicht alleine ! Ich habe das genauso 🫶🏼

x 1 #13


MoniHofft
@Celinamary Es tut sehr gut, das zu wissen und wir werden nicht daran kaputtgehen! Wir sind stärker als die Angst! 💪

x 2 #14


E
Manch mal kann die Angst verzögert auftreten und dann sucht man nach einem Auslöser und findet nichts, doch das Ereignis kann auch einen oder zwei tage zu vor stattgefunden haben, manch mal können sogar sehr gute Gefühle Ängste auslösen weil auch das einen irgend wie überfordern kann.

x 3 #15


Celinamary
@Elemente genau das ist es ! Habe heute noch drüber nachgedacht ob die Angst auch verzögert auftreten kann.. und Glücksgefühle können das auch begünstigen da hast du recht.

x 1 #16


sensibelchen98
Ich habe das auch, nur bin ich dann nicht mehr fähig zu flüchten, ich 'erstarre' dann und traue mich nicht etwas zu sagen oder zu gehen weil es mir auch so mega peinlich ist. Aber fühlen tue ich das gleiche.
Ich denke aber die Tagesklinik ist da ein gutes Übungsfeld und vielleicht merkst du in ein paar Wochen schon eine Unterschied und kannst z.b sitzen bleiben, wenn dein Nervensystem lernt dass dir nix passiert. Du bist so wie ich verstanden habe ja auch noch recht neu dort, gib dir Zeit
Hast du denn zufällig auch eine soziale Phobie, wenn ich fragen darf?

x 3 #17

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Celinamary
@sensibelchen98 nein eigentlich rede ich viel mit Menschen. Ich hab auch keine Angst vor Menschen aber seitdem ich mitbekomme, dass man hier in Deutschland leicht abgestochen wird oder einem schnell schlimme Dinge passieren können, ist es vielleicht doch ein bisschen so.

#18


Celinamary
Aber ich hab ja auch manchmal alleine dieses Fluchtgefühl und diese Angst deshalb denke ich nicht, dass das damit was zu tun hat.

#19


E
Zitat von Celinamary:
@Elemente genau das ist es ! Habe heute noch drüber nachgedacht ob die Angst auch verzögert auftreten kann.. und Glücksgefühle können das auch begünstigen da hast du recht.

Ich habe auch mit den Jahren immer mehr darüber herausgefunden und es ist schon Hilfreich wenn man genügend darüber informiert ist. Es ist schon etwas gemein wenn man aus lauter Freude dann Ängste entwickelt oder Panik hoch kommt weil die Gefühlswelt einen innerlich überschwemmt.

x 2 #20


A


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