Ich kenne das auch sehr gut, ich habe auch sehr damit zu kämpfen.
Ich kann z.B. zu Hause nicht mal Besuch haben, also so gar nicht, weil ich dann das Gefühl bekomme, nicht aus der Situation rauszukönnen oder so ähnlich.
In Gruppentherapien kenne ich das auch sehr gut, und viele Mitpatienten haben das auch so erlebt, es ist ein weit verbreitetes Problem, das viele Patienten haben.
Auf der Station haben die Therapeuten dazu oft Folgendes gesagt:
- Bitte in der Einzeltherapie thematisieren und ganz dringend Skills erproben und trainieren
- Die Gruppe nicht ganz meiden, sondern hingehen, und dann, wenn es nicht mehr geht, den Raum verlassen, eine kleine Pause machen, sich Skills holen / skillen und dann wieder reingehen
- einen Skill finden, den man auch in der Gruppe anwenden kann, um die Zeit, die man im Raum verbringen kann, zu verlängern
- Es stört die Gruppe nicht, wenn man den Raum verlässt. Bei uns war die Regel immer: Wenn es passiert, den Raum verlassen, sich Skills holen oder gegebenenfalls bei einem anderen Therapeuten oder bei der Pflege Hilfe/Unterstützung holen.
Auf diese Weise können die anderen Gruppenteilnehmer weiter an dem Thema arbeiten, das gerade Thema ist, und man kann sich regulieren.
Und man soll mit dem Bezugstherapeuten weiter im Gespräch darüber bleiben, welche Skills helfen und aktiv daran arbeiten, passende Skills zu finden
Die Aussage mit der Geschlossenen würde ich differenziert betrachten.
War das wirklich ernst gemeint oder sollte die Aussage den Druck auf dich erhöhen, aktiver nach passenden Skills zu suchen?
Ich kann dazu sagen, dass ich es sehr oft erlebt habe, dass Patienten mal für eine gewisse Zeit in die Psychiatrie verlegt worden sind, wenn es gar nicht mehr ging, das war alles andere als selten. Manchmal ist vielleicht gerade alles zu viel und der geschütztere Raum der Psychiatrie kann dann helfen.
Aber insgesamt kann ich aus Erfahrung berichten, dass es recht normal ist, dass Patienten dieses Problem haben und dass es auch normal ist, dass Patienten Gruppen immer mal wieder verlassen und wieder reinkommen.
Trotzdem zur Gruppe zu gehen, das Zeitfenster zu erweitern, in dem man dort sein kann und den Raum zu verlassen, wenn es nicht mehr geht, war genau das, was wir machen sollten. Ich kenne Mitpatienten, die immer nur 5 oder 10 Minuten in der Gruppe waren.
Vielleicht sind es auch aktuell einfach zu viele Gruppen für dich, du kannst ja auch mit deiner/m Bezugstherapeut:in besprechen, dass du vielleicht ein paar Gruppen weniger machst und dich dafür intensiver auf weniger Gruppen konzentrierst.
Vielleicht fällt es dir dann leichter, dein Toleranzfenster für den Verbleib in der Gruppe zu erweitern.
Ich habe es zumindest so erlebt, dass das eine recht gängige Maßnahme ist.
Bei mir war es auch schon so, dass mein Therapieplan deutlich geschrumpft worden ist, weil meine Ängste einfach zu groß waren, um mehrere Gruppen aushalten zu können. Stattdessen sollte ich dann wirklich intensiv an meinen Skills arbeiten und ganz viele Sachen ausprobieren. Und als es dann etwas besser wurde, sind dann wieder mehr Gruppen auf den Plan gekommen.
Und manchmal ist es auch leider so, dass es einem manchmal nicht gut genug geht, um das Programm einer Tagesklinik durchhalten zu können. Das kann passieren. Manchmal kann es dann auch notwendig sein, in eine andere Klinik-Form zu wechseln, also vielleicht doch vollstationär zu gehen, das muss ja nicht gleich die Geschlossene sein, da gibt es ja noch andere Möglichkeiten.
In einer Tagesklinik wird ja vom Patienten ein gewisses „Funktions-Niveau“ abverlangt, und vielleicht ist das gerade zu viel für dich.
Ich war auch schon in der Situation, dass von Klinikseite überlegt worden ist, ob ich dort bleiben konnte, weil es mir so schlecht ging und ich eben auch am Programm nicht richtig teilnehmen konnte. Da war dann im Gespräch, mich zu verlegen und den Aufenthalt dort dann zu einem anderen Zeitpunkt wieder aufzunehmen.
Zum Glück habe ich die Kurve noch gekriegt, mit einem kurzfristig reduzierten Therapieplan und angepassten Therapiezielen.
Und es wurde besser. Zuerst bin ich aus den Gruppen abgehauen und auch nicht wieder zurückgekommen, bin teilweise sogar für Stunden aus der Klinik abgehauen, und nach einigen Wochen konnte ich dann länger in den Gruppen bleiben, bin nicht mehr ganz weggelaufen, sondern im Umkreis vom Gruppenraum geblieben, habe mir Hilfe bei anderen Therapeuten oder der Pflege geholt.
Und das war dann halt mein neues Therapieziel. Zuerst habe ich mich damit überhaupt nicht gut gefühlt, ich wollte halt genauso sein wie die Mitpatienten und einfach eine Gruppe ganz „normal“ durchhalten können. Ich musste dann einsehen, dass meine Voraussetzungen halt andere sind und darum auch meine Therapieziele andere sind als die meiner Mitpatienten.
Und ich habe dann irgendwann gelernt, mich auch über kleine Fortschritte zu freuen.
Solange es bergauf ging und sich Fortschritte eingestellt haben, war das in Ordnung.
Ich kann dir nur sagen: Mach‘ dich nicht fertig deswegen, du bist mit dem Problem nicht allein! Du machst das gut, du bemühst dich, und das ist die Hauptsache. Bleib‘ im Gespräch mit deiner/m Bezugstherapeut:in.
Ich wünsche dir alles Gute, viel Mut und ganz viel Kraft ! LG