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Hallo,
ich bin weiblich, 24 Jahre alt und habe am Anfang des Jahres angefangen zu studieren.
Seit kurzem habe ich eine Verhaltenstherapie begonnen und befinde mich noch in den Probesitzungen. In meiner letzten Sitzung hat mir meine Therapeutin einen Text über die generalisierte Angststörung vorgelesen und gefragt ob ich mich darin wiederfinde. Ich bin ein ängstlicher Mensch aber, dass die meisten meiner alltäglichen Probleme durch Ängste begründet sein sollen war mir zuerst suspekt.
Schon als Kind war ich ängstlich. Ich hatte Angst davor in den Kindergarten zu gehen, habe mich dort meistens von den anderen Kindern abgekapselt und hatte Alpträume darüber, dass mich meine Mutter verlassen könnte. In der Grundschule habe ich mich im Unterricht nie gemeldet und wenn doch hatte ich das Gefühl ignoriert zu werden. Ich hatte Angst, dass ich etwas Peinliches machen oder sagen könnte sodass mich meine Mitschüler auslachen würden. In der Mittelstufe hatte ich besonders bei Matheklausuren meistens Blackouts woraufhin ich natürlich schlechte Noten bekam und statt zu lernen habe ich mich lieber meinem Schicksal ergeben („ich hätte ja eh nichts ändern können“).
In der Schule kam ich mir oft ausgestoßen vor. Habe mich allerdings hauptsächlich selbst ausgeschlossen indem ich mich bevorzugt mit den „Außenseitern“ angefreundet habe. Ich hatte Mitleid mit ihnen und konnte mich mit ihnen identifizieren. Auch habe ich Mitschülern oft Geld für den Kiosk geliehen und war dann zu schüchtern um es wieder zurückzufordern. Ich habe dann einfach aufgehört Geld zu verleihen und lieber gelogen und behauptet ich hätte keines dabei. Auch heute teile ich nur sehr ungerne oder gebe anderen was aus. Ich mache es zwar manchmal aber insgeheim bin ich sauer auf mich selbst dafür, dass ich es getan habe. In Freundschaften und Beziehungen tendiere ich dazu in der Anfangszeit zu allem ja zu sagen. Ich verbiege mich und stecke oft zurück (vielleicht aus Angst sonst nicht gemocht zu werden?). Statt Grenzen zu setzen lasse ich mir alles gefallen und staue Wut in mir auf bis ich den Leuten die Freundschaft kündige oder mich trennen will. Das kommt für die betroffenen Personen meist aus heiterem Himmel. Sie wissen nicht, dass ich persönlich die Sorge habe mich zu sehr verbogen zu haben, nicht mehr ich selbst zu sein und dass ich glaube den kommenden Anforderungen („Aber du hast doch vorher schon meine Wäsche gewaschen! Was ist daran so schlimm?“, „Du hast doch gerade eh nichts zu tun, warum kannst du das nicht für mich erledigen?“) nicht mehr gerecht werden kann und WILL. Mit meinem neuen Partner habe ich deshalb schon oft streit gehabt und den Drang verspürt mich zu trennen.
Andererseits denke ich dann auch: „Warum macht er denn nicht Schluss mit mir? Die Streitigkeiten belasten ihn doch. Ich verstehe nicht warum er noch mit mir zusammen sein möchte.“
Gleichzeitig bekomme ich aber gesagt, dass ich das was andere für mich tun nicht sehe oder nicht als gleichwertig empfinde. Ich habe manchmal das Gefühl mich mehr anstrengen zu müssen als andere um anerkannt, interessant gefunden oder geliebt zu werden.
Des Weiteren habe ich Angst davor krank zu werden, vorm Fliegen und Angst davor uninteressant zu sein (bin sehr schüchtern und rede kaum wenn ich mit vielen Menschen oder nur einer bestimmten Person unterwegs bin. Meine Gedanken sind dann so leer.). Dazu kommt noch, dass ich mich in meinen eigenen (WG-)Zimmern nie wohl fühle. Ich bin immer lieber bei anderen Menschen zu Hause und kann mich nicht lange alleine in meinen eigenen 4 Wänden aufhalten. Ca. alle 2 Jahre kaufe ich mir neue Möbel oder dekoriere mein Zimmer stark um. Die Möbel in meinem Kinderzimmer habe ich damals alle paar Wochen umgestellt. Andere finden meine Räumlichkeiten meist sehr unpersönlich eingerichtet (mit was auch? Habe kaum Erinnerungsstücke.)
Das war ein kleiner Ausschnitt meines Lebens/ meiner Gefühlswelt. Ob die Diagnose „generalisierte Angststörung“ korrekt ist weiß ich nicht. Ich hatte immer geglaubt ich hätte eine Persönlichkeitsstörung. Lest ihr etwas anderes aus meiner Geschichte?
Vielen Dank!

07.09.2013 11:30 • 07.09.2013 #1


13 Antworten ↓


Schwierig, das so zu diagnostizieren, aber ich würde sagen, dass du unzufrieden mit dir bist und dir ein bisschen Selbstvertrauen fehlt. Wie äußert sich deine Angst denn? Sind es nur Gedanken, oder hast du das Gefühl, dass es auch körperlich über dich kommt?

07.09.2013 12:26 • #2



Habe ich eine Persönlichkeitsstörung?

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Hast du dich denn mit der generalisierten Angststörung identifizieren können?
Ansonsten heißt der Vorschlag ja nicht, dass du sie haben musst. Ich nehm an, dein Therapeut versucht noch herauszufinden, was genau dir fehlt. Ist ja alles gar nicht so leicht zu unterscheiden.
Ich hab auch mal die Diagnose ä-v Persönlichkeitsstörung bekommen, würd ich soweit auch unterschreiben - aber Angststörungen hab ich trotzdem on top, keine Ahnung welche genau, da hab ich nie 'ne genaue Diagnose bekommen Aso man kann das wohl alles ganz beliebig kombinieren.
Und falls es dich tröstet: ich hab auch ständig vor allem Angst

07.09.2013 12:33 • #3


nach einer Persönlichkeitsstörung hört sich das für mich nicht an.

Ich erkenne mich selbst in deiner Geschichte sehr wieder. Außer dass ich vor Unsicherheit sehr aktiv werde und aufgedreht bin um damit die Unsicherheit zu überspielen.

Gebe meiner Vorrednerin Recht, du hast eher ein geringes Selbstvertrauen und zweifelst darum sehr viel.

lg mal

07.09.2013 12:34 • #4


Schlaflose
Vieles von dem, was du schilderst, deutet eher auf eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (habe ich auch) hin.

Du hast aber auch Symptome, die dafür nicht typisch sind z.B. Angst vor Krankheit, vor dem Fliegen, vor dem Alleinsein. Und dass du überhaupt einen Partner hast. Ich habe noch nie einen gehabt und ich könnte auch nie in einer WG leben. Ich bin am liebsten allein.

Vielleicht ist es bei dir eine Mischung von verschiedenen Störungen.

07.09.2013 12:36 • #5


Ich kenne da ein Mädchen von der Arbeit, die ist so unsicher und unselbstbewusst, dass es schwierig wird, sie als Freundin für mich zu akzeptieren. Denn mir geht es selber nicht gut und wenn mich dann dauernd noch einer runter zieht, dann ist das nicht besser. Wir sagen ihr immer wieder, dass sie toll ist und ein bisschen entspannter werden mussm aber sie hört uns gar nicht zu. Man muss anfangen sich selber zu lieben, und wenn es etwas gibt, das man nicht an sich leiden mag, äußerlich z.B. dann darf man nicht jammern, dann muss man was tun. Zumindest ging es mir so. Ich habe mir über die JAhre etwa 15 KG angefressen und die versuche ich jetzt wieder runter zu bekommen, weil ich weiss, dass ich in der Zeit mit 15 KG deutlich glücklicher war. Es hat nicht an dem zusätzlichen Balast gelegen, dass ich unglücklich wurde, aber ich versuche mir immer wieder kleine Ziele zu stecken, und eins davon ist eben, wieder so auszusehen, als ich noch glücklich war. Das Glück kommt dadurch nicht zurück, aber ich fange mich vielleicht dann wieder an zu errinern,, wie es war, als es mir noch gut ging und ich noch Lebensfreude und Mut hatte.
Das sollte jeder für sich versuchen, seien, es die angefutteterten Kilos oder was auch immer. Man muss sich selber lieben lernen erst dann kann man auch wieder zufrieden mit sich sein

07.09.2013 12:40 • #6


Hey,
danke für eure Antworten. Ja ich bin wirklich sehr unsicher und das merkt man auch gut am Text^^. Ich mach mir ständig Gedanken was mit mir nicht stimmt. Warum ich so bin wie ich bin und ob es Hoffnung gibt etwas zu ändern. Macht ihr alle eine Therapie bzw. habt ihr Erfahrungen gemacht ob eine Verhaltenstherapie hilft?

Hab übrigens auch Panikattacken. Z.B. wenn ich nach Krankheiten google oder auch mal aus dem Nichts heraus.

07.09.2013 12:42 • #7


Ich mache noch keine Therapie, aber ich würde sehr gerne eine machen. Meine Hausärztin hat mir mal drei Fragen gestellt, danach bin ich in Tränen ausgebrochen, Ich habe zwar auch so Menschen mit denen ich Reden kann, aber es ist was anderes, wenn es ein fremder Mensch ist, der kennt dich und deine Situation nicht und gibt keine vermeintlich guten Ratschläge, die du eh nicht annimmst.

07.09.2013 12:44 • #8


mir hat bisher leider noch keine Therapie geholfen....
Nur homöopatische Mittel und Cipralex.
Damit geht es mir besser

07.09.2013 12:45 • #9


Zitat von Schlaflose:
Vieles von dem, was du schilderst, deutet eher auf eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (habe ich auch) hin.

Du hast aber auch Symptome, die dafür nicht typisch sind z.B. Angst vor Krankheit, vor dem Fliegen, vor dem Alleinsein. Und dass du überhaupt einen Partner hast. Ich habe noch nie einen gehabt und ich könnte auch nie in einer WG leben. Ich bin am liebsten allein.

Vielleicht ist es bei dir eine Mischung von verschiedenen Störungen.


Das ist auch der Punkt, der bei mir nicht zur Persönlichkeitsstörung passt. Beziehungen sind mit mir zwar recht schwierig manchmal, ich mach mich sehr vom Partner abhängig meistens, aber ich habe den absoluten Wunsch mich zu binden. Auch Angst davor, aber ich tu's trotzdem. Und in einer WG leb ich auch ^^ Hmhm.... vll gibt es einfach keine lupenreinen Diagnosen? Und jeder hat ne Mischung aus allem...

07.09.2013 12:45 • #10


Okay, ich sehe schon es ist vielleicht garnicht so wichtig, dass man die richtige Diagnose hat sondern hauptächlich, dass man etwas unternimmt.

@malory
ich hab mal Jahre lang Sertralin genommen weil ich mit 16-17 sehr depressiv war und meine damalige Therapeutin mir nicht mehr helfen konnte. Hatte aber nie das Gefühl, dass die Tabletten etwas an meiner Situation geändert hätten.

Ich erhoffe mir durch die Verhaltenstherapie eine Veränderung in meinem Leben und ich habe auch den Willen therapeutische Maßnahmen durchzuführen. Habe auch schon selbst angefangen Sachen zu erledigen die ich schon ewig vor mir hergeschoben habe. Um meine kleinen Erfolge auch zu sehen habe ich mir eine Liste gemacht mit allen Dingen die ich schon erledigt habe ABER bei jedem neuen Problem, und sei es für eine außenstehende Person auch noch so nichtig, fühle ich mich wieder wie in die Magengrube geboxt. Ich sehe dann einen neuen Berg der vor mir steht und alles was ich bisher geschafft habe ist wertlos. Nur an einem abend ist mir mal wirklich nichts mehr eingefallen was ich noch erledigen konnte... da wurde ich total sentimental und hatte Weltschmerz. Am nächsten Tag taten sich wieder Aufgaben auf und die Traurigkeit wurde wieder durch Magengrummeln und Sorgen ersetzt... Schon sehr seltsam

07.09.2013 13:02 • #11


Bzgl. deines Weltschmerzes: meine Therapeutin meinte mal zu mir, ich klammere mich am meine Angst und an meinen Schmerz, weil sie so einen riesen Teil meines Lebens, meiner Persönlichkeit ausmachen, dass ich sie nicht so leicht loslassen kann, weil mir dann erstmal jegliche Identität fehlt. Das wäre ganz normal.
Und ja, manchmal hab ich das Gefühl, ich suche Sorgen, Probleme, Dinge, vor denen ich mich fürchten kann und traue auch dem Guten nie.

07.09.2013 13:10 • #12


@Katatro-Fee:
das ist mal ne Interessante Ansicht. Stimmt, man ist so an seine Sorgen gewöhnt, dass es ja garnicht sein kann wenn die auf einmal weg sind.
Fällt es dir auch schwer zu entspannen?

07.09.2013 13:18 • #13


@Nachdenkliche: Ja, entspannen fällt mir sehr schwer, weil ich kein Urvertrauen habe (Das wird schon ales wieder...) - ich nehme an, wie du deine Kindheit beschrieben hast, wirst du das auch nicht haben.
Entspannung fällt schon schwer, aber sich fallen lassen ist echt unmöglich. Ich bin ein totaler Kontrolfreak, immer auf der Hut, aufmerksam, wachsam... bäh.

07.09.2013 13:41 • #14



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