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Hallo zusammen,

ich schreibe hier als besorgte Freundin. Ich selbst bin 39 Jahre alt und habe eine PTBS erfolgreich hinter mich gebracht und habe einen guten Stand im Leben gefunden. Verheiratet, Kinder, beruflich leite ich die Sozialarbeit an einer großen Schule.

Meine Freundin arbeitet an der selben Stelle, als Lehrerin im BVJ. Wir sind im selben Alter.

Mir fällt es etwas schwer, alles zu bündeln.

Ich mache mir Sorgen, sie lebt immer noch bei ihren Eltern, traut sich nicht auszuziehen, traut sich nicht mit ihrem "Freund" Schluss zu machen, hat auch seit über einem Jahr keine intime Beziehung mehr zu ihm. Angeblich hängt er aber an ihr. Auch er beendet die Beziehung nicht. Sie sagt, dass sie sich sorgt, was Freunde und Bekannte sagen. Auch die Eltern wissen nichts davon.

Bei der Arbeit ist sie vor allem darauf aus, mit niemand privat zu werden, um das zu erreichen schwindelt sie auch und widerspricht sich dabei. Dabei geht es um Small Talk, zb. das Urlaubsziel. Private Fragen werden nicht oder ausweichend beantwortet.

Auch kann sie nur schwer eine eigene Meinung entwickeln, geschweige denn im Team äußern. Dies vor allem in Teamkonstellationen. Häufig zeigen sich dann rote Flecken im Gesicht. Im Einzelgespräch errötet sie nicht, entschuldigt sich aber sicher 100 Mal am Tag, wenn sie eine Meinung äußern möchte, nimmt sie zurück, bzw. sagt: ich weiß nicht. Ganz schlimm sind Präsentationen und Vorträge. Dazu kommt noch eine leichte Adipositas.

Die anderen Kollegen lästern, halten sie für unfähig und bezeichnen sie als dumm und umständlich.

Ich mag sie sehr sehr gerne. Sie ist ein lieber Mensch, aber bei der Arbeit macht sie mich wahnsinnig.

In den letzten Wochen ging es ihr zunehmend schlechter. Der Grund waren die og Probleme. Dies hat sie allerdings erst nach WOCHEN erzählt. Zur Info: Wir waren schon mehrfach gemeinsam verreist.
Die Probleme, die sie sieht, sind im familiären Bereich. Dass sie sich nicht traut, die Beziehung zu beenden und dass ihr ihr Freund so leid täte und sie zu lieb sei. Daraufhin sagte ich, darf ich die gezielt provozieren? Dann habe ich ihr gesagt, dass sie nicht lieb sei, sondern keinen Ar. in der Hose habe.

Danach hat sich angefangen zu weinen und mir anvertraut, dass sie schon immer so sensibel, schüchtern, "höflich" sei und grundsätzlich keinem vertrauen würde. Der Selbstwert fehlt so völlig!

Der Vorschlag eine Therapie zu beginnen wurde zwar angenommen, aber sie sei nicht völlig daneben. Das habe ich auch nie gesagt, noch nicht einmal gedacht. Man kann keinen zwingen, es zu machen, aber ich weiß gar nicht, wie das bei der Arbeit weiter gehen kann, wenn es so bleibt, wie es ist. Sie meint, sie wäre eben eine empfindliche, unsichere Persönlichkeit. Aber ich habe den Eindruck, es ist mir als das.

Ich bin mir relativ sicher, dass es in Richtung selbstunsichere Persönlichkeitsstörung geht.

Ich weiß aber nicht, wie ich ihr spiegeln kann, dass eine Therapie keine Schande ist und hilft. Ich hatte auch eine! Ich meine, ich habe ihr das zwar so gesagt, aber ich spüre einerseits Interesse und aber auch den Widerstand.

Ich hoffe, das liest sich jetzt nicht unfair. Ich mag sie, ich möchte, dass sie glücklich ist und mir in der Arbeit erhalten bleibt und das Lästern aufhört.

Ach ja, ich zwinge ihr kein Gespräch auf, sie sucht die Hilfe bei mir und ein heilsames Gespräch ist auch ok. Aber die Therapie MUSS jemand anderes machen.

Grüße von der Fränzy

15.09.2016 16:48 • 06.10.2016 #1


18 Antworten ↓


cube_melon
Hallo Fränzy,

ich denke auch, dass sie dringend in Therapie gehört. Die Gefahr, das die Situation an die Wand läuft halte ich für real.

Ein nahestehender Mensch sollte nie ein Therapeut sein, dazu ist er nicht neutral genug und auch persönliche Spannungen würden einen Therapieerfolg vermindern.
Klar bespricht man evtl. einzelne Sitzungen mit der Freundin. Aber ich denke dass weißt du selber.

Was Du als Freundin weiterhin aufbringen solltest ist wirklich eine Eselsgeduld zu haben und sie auf ihrem Weg zu begleiten - auch wenn sie dich an eine Frustrationsgrenze treibt.

Zitat:
Daraufhin sagte ich, darf ich die gezielt provozieren? Dann habe ich ihr gesagt, dass sie nicht lieb sei, sondern keinen Ar... in der Hose habe.


Solche Sätze spiegeln Verzweiflung wieder. Ich kenne deine Freundin nicht, aber ich halte das tendenziell für schlecht. Ich kann das ja verstehen, das man zu so etwas greift, wenn man sieht das so vieles schief läuft. Deine Freundin empfindet Scham, Angst und bestimmt Verzweiflung. Mit so einem Satz programmierst du sie falsch.

Es gibt einen Grund, warum sie Blockaden vor einer Therapie hat. Ob das nur Scham ist kann ich nicht wissen, aber es könnte auch mehr dahinter Stecken. Evtl. macht sich Gedanken, was die ihre Eltern darüber denken, ob das die Kollegen mitbekommen, sie in eine zwangsweise in eine Klinik eingewiesen wird und und und. Diese ganze Paranoia habe ich bei mir und bei ein paar anderen erlebt.
Was gut hilft ist ihr eigenes Paranoia-Bild von Therapie wirklich ein reales Bild zu ersetzen. Quasi die Angst vor der Angst nehmen.
Wenn möglich, setze dich mit ihr an einen ruhigen, geschützten und ungestörten Ort hin - mit Zettel und Stift. Versuche mit ihr im Gespräch, dass sie ihre Ängste in Worte fasst und aufschreibt. Es können Stichworte sein, Sätze. Die Punkte kann priorisieren und dann der Reihe nach abarbeiten.

Oft habe ich erlebt, dass Menschen aus Angst vor dem Ungewissen eine Therapie völlig verweigern. Deine Freundin hat den Ansatz verstanden, dass eine Therapie sinnvoll ist. Also hast da schon echt einen Fuß in der Tür. Es ist auch gut, dass Du ihr von deinen Erfahungen erzählt hast.
Du kannst mit ihr zusammen auch einen Therapeuten/tin über das Internet heraussuchen. Begleite sie in dem Moment und erkläre ihr immer wieder, dass sie keiner dazu zwingt und sie die Kontrolle hat.
Wenn sie es dann schafft bei einem Therapeuten anzurufen, frage sie ob Du im Hintergund bei ihr im Raum sein sollst.
Wenn ein Termin angesetzt wurde, begleite sie dort hin. Lass sie nicht selber fahren, dann hat sie schon etwas weniger Streß.
Auch gibt es mehrere Probesitzungen, wo man sehen kann, ob man tendenziell eine Verbindung und Vertrauen zu dem Therapeuten aufbauen kann.

Es ist wirklich eine Herausforderung das Mittelmaß zwischen liebevollem Begleiten und Druck zu finden. Ich hoffe für Deine Freundin wirklich, dass sie in der Bahn bleibt und die Therapie beginnt und die Umstände sie nicht dazu zwingen.

Gruß
Melon

15.09.2016 23:14 • #2



Selbstunsichere Persönlichkeitsstörung

x 3


Danke!
Die Provokation war notwendig. Ich kann aber verstehen was du meinst.
Ich glaube nicht, dass sie begleitet werden möchte oder dass wie will, dass ich mit ihr telefoniere. Sie hat schon auch bei mir immer noch die Hosen voll.
Was alles noch komplizierter macht, ist dass ihre Eltern prominent in ihrer Stadt sind. Jeder kennt sie.
Ich hoffe dass nur mein Atem reicht. Auch das habe ich ihr gesagt. Es geht nur wenn sie bei mir die Manschetten weglassen kann
Keine Lügen mehr
Ich denke an kognitive VT. Paßt das?

16.09.2016 05:50 • #3


Noch ein Nachtrag, ich finde die Idee mit dem Aufschreiben richtig gut. Wir sind nächste Woche sowieso verabredet, um länger sprechen zu können. Geplant ist ein Spaziergang, im Gehen ist finde ich vieles einfacher, aber Aufschreiben ist gut. Im Anschluss gehen wir in ein Restaurant, das normale Leben und der Spaß daran, sollten nicht zu kurz kommen.

Sie ist privat versichert, ich hoffe, dass die Kasse nicht nur diesen Witz von 20 Stunden bezahlt. Ich nehme an, sie kann direkt einen Therapeuten anfragen. Einen Hausarzt hat sie nämlich nicht, auch keine Frauenärztin, keine Zahnärztin. Auch das lässt tief blicken. Sie geht nicht gerne zum Arzt. Im letzten Jahr ging sie am dritten Tag mit massiven Rückenschmerzen zur Arbeit, weil sie hier nicht fehlen will und kein Attest holen möchte. Auch hoffe ich, dass sie nicht ewig warten muss. Denn prinzipiell ist sie der Meinung, dass sie NUR das Problem mit ihrem Freund und der Wohnsituation lösen muss. Das aber stimmt nicht, ich denke, dass sie es zumindest ahnt, aber eingestehen kann sie es sich noch nicht ganz. Sie sagte mir auch, dass ihr "keine Krankheit einfallen würde, die ich haben könnte". Ob ich das nun selbst als Krankheit oder als "so sein" bezeichnen würde, weiß ich auch nicht. Aber, wenn man an seinem "so sein" leidet und Probleme im Team bekommt, dann ist es doch gut, wenn das Ding einen Namen hat und sie deswegen mit der KV abrechnen könnte. Ich hatte damals das gesagt und noch gemeint, dass Ängste ein weites Feld sind.

Der Witz ist nur, dass sie nicht merkt, wie sie von den Kollegen wahrgenommen wird. Wobei ich dazu sagen muss, dass die Kollegen, die genau hinsehen und merken, dass da irgend etwas aus der Norm fällt, sehr gut damit umgehen. Es sind im Prinzip vier in der Abteilung, die ihr mit sehr viel Unverständnis begegnen. Schade ist, dass es die Kollegen sind, die eigentlich am erfahrensten sind und die Bude rocken. Und ungeschickt ist, dass es sich u.a. um die Fachbereichsleitung, um die Personalratsvorsitzende und unseren versiertesten Sonderpädagogen handelt. Menschen, von denen ich in jeder Hinsicht sehr viel halte.

16.09.2016 07:40 • #4


Nicky2112
Zitat von cube_melon:
Hallo Fränzy,

ich denke auch, dass sie dringend in Therapie gehört. Die Gefahr, das die Situation an die Wand läuft halte ich für real.

Ein nahestehender Mensch sollte nie ein Therapeut sein, dazu ist er nicht neutral genug und auch persönliche Spannungen würden einen Therapieerfolg vermindern.
Klar bespricht man evtl. einzelne Sitzungen mit der Freundin. Aber ich denke dass weißt du selber.

Was Du als Freundin weiterhin aufbringen solltest ist wirklich eine Eselsgeduld zu haben und sie auf ihrem Weg zu begleiten - auch wenn sie dich an eine Frustrationsgrenze treibt.

Zitat:
Daraufhin sagte ich, darf ich die gezielt provozieren? Dann habe ich ihr gesagt, dass sie nicht lieb sei, sondern keinen Ar... in der Hose habe.


Solche Sätze spiegeln Verzweiflung wieder. Ich kenne deine Freundin nicht, aber ich halte das tendenziell für schlecht. Ich kann das ja verstehen, das man zu so etwas greift, wenn man sieht das so vieles schief läuft. Deine Freundin empfindet Scham, Angst und bestimmt Verzweiflung. Mit so einem Satz programmierst du sie falsch.


das denke ich auch!

16.09.2016 12:53 • #5


cube_melon
Eine kognitive Verhaltenstherapie halte ich auch für passend. Aber ehrlich gesagt, hilft alles was ihr die Augen öffnet. Aber später dazu mehr.

Wenn ich deinen Nachtrag so lese, verfügen die Eltern über finanzielle Mittel, die über den Mittelstand gehen?
Für mich klingt alles irgend wie so, als wären es gut möglich, dass viele der Entscheidungen, moralische Wertvorstellungen usw. deiner Freundin von ihren Eltern erzwungen oder aufgezwungen worden sind.
Vielleicht haben die Eltern Angst vor dem Gerede der Leute? Wenn sie sich dir gegenüber schon verschließt und dich "anlügt", dann scheint das für mich so, als würde sie in einem imaginären Kellerverlies festsitzen. Wie gut kennst Du die Eltern oder wie gut kannst Du sie einschätzen?

Der Erfolg einer Therapie wird auch mitbestimmt, je mehr man sich von dem Befreit, was einem schadet. Therapie kann einem zwar Erkenntnisse über uns selbst, und Werkzeuge geben, aber befreien muss man sich selbst.
Du solltest dir auf jeden Fall Gedanken über das "danach" machen. Wenn man sich aus solchen Fesseln und Verließen befreit hat, wird man mehr oder weniger in ein Loch fallen. Dies Fesseln scheinen schon lange zu bestehen. Um damit umgehen zu können interpretiert man sich selbst sich gerne eine Art Sicherheitsgefühl hinein. Zudem wird sie auch vor dem Punkt stehen, wo sie die Fremdbestimmung durch Eigenbestimmung zu ersetzen hat. Die möglichen Szenarien, was passieren wird sind vielfältig und nicht wirklich vorhersehbar.

Was die Kollegen angeht, nicht jeder ist perfekt. Das aber ein Sonderpädagoge das nicht sieht ist schon echt traurig. Spätestens, wenn die Kollegen sich über deine Freundin echauffieren, hätten die mal nachfragen können. Wie blind kann man sein? Aber ja, es ist Energieverschwendung sich darüber zu ärgern.

Bei einer kognitiven VT bekommst Du bei den Problemen bestimmt mehr als 20 Einheiten. Zumindest ist das bei den GKK so.
Es wäre wirklich auch zu überlegen, ob sie nicht zu einem späteren Zeitpunkt mal in eine Klinik geht. Wenn sie eine Persönlichkeittsstörung hat, helfen so abgewandelte Therapien, die bei einer BPD eingesetzt werden. Dazu gehört DBT und Skillstraining. DBT hat einen Dachverband, wo Therapieangebote aufgelistet sind: http://www.dachverband-dbt.de
Das ist jetzt ein wenig weit in die Zukunft gefriffen und setzt gewisse Dinge voraus.

Drück euch beiden mal feste die Daumen. :o)

16.09.2016 13:22 • #6


Icefalki
Liebe Fränzy, ich denke, dass das das größte Problem die prominenten Eltern sind. Hier liegt der Hund begraben.

Gefangen in Konventionen, ich denke, sie "stirbt" lieber, als sich Hilfe zu suchen.

Wird schwierig, probieren kannst du es. Aber, wenn ich an mich denke, mit meiner Erziehung war mir das auch Jahrzehnte unmöglich, mir Hilfe zu suchen. Und ich war rebellisch..

Sie wird lieber weiter leiden, denn die "Schmach" ist für sie noch schlimmer, für sie quasi tödlich.

Beziehungsprobleme kann man sich "leisten", die "darf" man haben, psychische Probleme aber nicht.

Ist alles schrecklich traurig, ich fühl da richtig mit. Pass auf dich selbst auf, das alles kann einen richtig runterziehen.

16.09.2016 15:53 • #7


Hallo,
ihr seid echt super!
Die Eltern stehen im politischen Leben im Gemeinwesen an vorderster Stelle. Ich möchte nicht mehr ins Detail gehen
Ich bin mir sicher, dass das die Ursache für vieles ist. Evtl für alles.
Ich hoffe nur es geht nicht so weit dass sie lieber stirbt. Suizidal wirkt sie nicht.

Heute morgen wollte sie einen Anruf bei einem Schüler nicht erledigen. Habe ich dann gemacht. Ich mache das seit 10 Jahren. Sie telefoniert nicht gern. Der sonderpädagoge sagte dann ich nehme zu viel ab. Forder sie. Stimmt. Aber dann ist es schlechter erledigt. Sie ist unbeholfen und fragte zb einen uns fremden Schüler am Telefon etwas brisantes. Der kommt dann nicht mehr
Ich bin auf dem kommenden Mittwoch gespannt ob da was geht.

Heute war sie recht locker aber weitgehend waren wir in der dyade.
Sie lügt alle an. Mich am wenigsten aber auch. Und sich

16.09.2016 18:35 • #8


Hallo zusammen,

ein kurzes Update, es hat sich im Prinzip null komma null getan. Die Beziehung besteht offiziell noch, wenn gleich auch ohne Intimität. Nebenher läuft eine Art Liebschaft zu einem deutlich älteren Herren, der ihr intellektuell meilenweit unterlegen ist. Nicht, dass ich das für problematisch halte, es ist aber sicher kein Zufall.
Aus der anderen Beziehung, also von diesem anderen Herren, ist das, was sie erzählt, echt katastrophal. Ein Kontrollfreak vom Feinsten.
Sie beendet weder das eine noch das andere. Sucht keine Wohnung, schiebt alles auf.

Lässt sich von den Kollegen hier ins Bockshorn jagen. Rund machen für Kleinigkeiten. Allerdings in Gewerbeschulen ist der Ton rauh, man braucht ein dickes Fell.

Das genau habe ich ihr gesagt, man muss das nicht alles an sich ranlassen. Die Männer sind so. Und meinen es auch nicht böse. Das kam gar nicht gut an, nein, ein dickes Fell bräuchte sie nicht. Sie wurde richtig *beep*.

Am Tag drauf hat sie mir dann unterstellt, dass ich ein Wahrnehmungsproblem hätte. Grund war: ein Schüler erzählte mir etwas. Und diese Info musste an sie als Klassenlehrerin. Ich habe ihr das am nächsten Tag erzählt. Nach einer durchmachten Nacht, weil meine Tochter krank war. Ja, sie hat mir schlicht nicht geglaubt, weil nämlich, ich hätte ja kein Video davon. Ich war tierisch wütend, weil ich NICHTS falsch verstanden hatte und es eine Frage des Vertrauens ist, mir nicht zu unterstellen, dass ich lüge.
Zudem sagte sie dann auch noch, ich hätte keinen Respekt vor ihr und sonst auch keiner. Ja, alles klar. Und dass sie zu viel zu tun hätte mit dieser schwierigen Klasse. Tatsächlich habe ich ihr so gut wie alles abgenommen, wie zB. alle Elterngespräche und Telefonate ("Ich telefoniere nicht gern"). Auf das Danke warte ich bis heute.

Sie hat wohl gemerkt, dass ich wütend bin. Auf die Idee, dass es mit ihr zu tun hat, kam sie nicht. Zwischenzeitlich habe ich mich auch wieder abgeregt und am Donnerstag gehen wir zusammen aus.

Die Therapie will sie nicht machen. Ich habe ihr klar gesagt, dass ich nicht mehr mit ihr über ihre Beziehung, ihre Wohnsituation spreche und über Therapie, sie kennt meine Meinung. Und es ist genug geredet worden. Und es belastet die Freundschaft.

04.10.2016 07:39 • #9


cube_melon
Opferrolle von feinsten? Traumawiederholung?

Alter. Da gibt es nicht viele sinnvolle Alternativen. So lange sie es so will und noch in die selbe Richtung steuert, hast du eigentlich kaum Einfluss auf sie. Das mit dem netten, älteren Kontrollfreak kann ein erzwungenes Ende sein, in dem die Bombe irgendwann platzt oder sie ist wirklich völlig in ihrer Rolle drin.
Das was andere ihr "antun" spiegelt sie ein wenig auch auf dich.

Du kannst u.a.
- weiter versuchen Pflaster auf die Situation kleben, bis es eskaliert. Wobei hinterher die Frage einer Kurzschlusshandlung im Raum steht.
- nichts tun und nach dem alles an die Wand gelaufen ist die Scherben aufräumen. Hier stellt sich die obere Frage ebenfalls.
- eine Eskalation erzwingen/eingreifen. Wobei Du da etwas gegen ihren Willen tust und das das ihr Vertrauen zu dir und im gesammten zu anderen schädigt.

Sie ist ein Stück weit beratungsresistent, hat keine Willen etwas zu ändern, warum auch immer und beginnt nun die Realität völlig zu verzerren.
Die Zeit bleibt nicht stehen und alle Handlungen haben Konsequenzen.

Da wüßte ich selbst nicht für was ich mich entscheiden würde.

04.10.2016 13:11 • #10


Momentan habe ich die Tendenz das alles laufen zu lassen und es darauf ankommen zu lassen. Es ist allerdings abzusehen, dass es in der Schule fürchterlich wird. Die Kollegen haben sich ihre Meinung gebildet und die heißt faul, bequem, dumm, langsam und kompliziert. Und sie denkt, dass sie integriert ist. Soll sie das Denken. Tatsächlich dünnen sich die wohlgesonnenen Personen aus. Der abteilungsleiter ist zufrieden
Weil sie ist unterwürfig. Gut oder?

Und privatrotzdem wird sie lieber bei den Eltern leben um mit dem kontrillfreak nicht Schluss machen zu müssen. Nebenher die Beziehung zu dem sehr einfachen älteren Herrn.

Irgendwann kommt das raus in dieser Kleinstadt wo jeder sie kennt.

Aber ich weiß nicht mehr was ich da machen kann. Zumal sie mir dann auch eine gibt. Sie ist ja völlig normal!

04.10.2016 18:02 • #11


NachtFalke2016
Hallo Fränzy,

sei mir nicht böse wenn ich das mal so unumwunden schreibe aber mach bitte die Probleme deiner Freundin nicht zu deinen eigenen. Pass bitte auch auf dich selbst auf und spar deine Kräfte, vielleicht kannst du diese später nochmal gebrauchen.

Deine Freundin will oder kann im Moment nicht aus ihrer Situation, du kannst ihr wahrscheinlich nur helfen wenn du ihr einfach nur zuhörst, lass sie erstmal selbst über alles nachdenken und reflektieren versuch sie nicht in irgendeine Richtung zu drängen, denn egal wie gut das gemeint ist, es wäre jetzt in der angespannten Situation nur weiterer Druck

Liebe Grüße,
Nachtfalke2016

04.10.2016 19:34 • #12


cube_melon
@Fränzy
Wir haben alle den Vorteil, dass es uns nicht betrifft. Ganz Unrecht hat Nachtfalke da wirklich nicht.
Wenn man einen Menschen mag, wird das aber schwer.

Auch ich hatte ich schon Freunde in ähnlichen beratungsrestistenten Zuständen erlebt. Eingegriffen habe ich nur ein einziges Mal, dann nie wieder in meinem ganzen Leben. Ich lebe nach dem Grundsatz keine Hilfe aufzudrängen, wenn nicht wirklich danach gefragt wurde.
Habe zu oft miterleben müssen wie andere sich blindlings und mit Anlauf in das Unglück gestürzt haben. Nur bei wirklich engen Freunden habe nach dem "Polterabend" die Scherben mit aufgekehrt. Das aber auch nur bedingt, da ich nur begrenzte Ressourcen habe.

Frag sie was sie will, erkläre ihr die möglichen Konsquen, lass ein Stück weit los aber bleibe in der Nähe.
Sie wird schon irgendwann wieder ankommen, nachdem sie sich den Kopf angestoßen hat.

04.10.2016 21:17 • #13


Es ist definitiv schwierig es auszuhalten, so unter Freunden. Aber: ich werde mich hüten, da noch weiteren Druck aufzubauen. Sie muss das schon selbst sehen und dann auch wollen.
Ich möchte mich nicht in die Schusslinie bringen. Das auch.

Bezeichnend war heute - sie hat Geburtstag und bringt Kuchen mit, stellt den im Lehrerzimmer ab und setzt sich dann nicht an den Tisch. Drückt sich lieber mit dem Handy in der Hand an die Wand in der letzten Ecke. Es ist traurig, das mitansehen zu müssen

05.10.2016 10:05 • #14


Schlaflose
Ich war auch Lehrerin mit sozialer Phobie und ängstlicher (vermeidender) Persönlichkeitsstörung, aber ich konnte den Beruf auf Dauer nicht ausüben. Das, was ich ich in deinen Beiträgen über deine Freundin gelesen habe, spricht aber bei ihr nicht für diese Störung.

Bei ÄVPS hat man ständig Angst, etwas falsch zu machen, kritisiert zu werden, sich zu blamieren. Als Lehrer im ständig im Mittelpunkt zu stehen, den Boss zu spielen, auf die Schüler einzugehen etc. ist dann auch nicht aushaltbar.
Ein weiterer Punkt ist, dass ÄVPSler keine Beziehung eingehen können, weil sie sich als zu minderwertig fühlen, sich ihrer selbst genieren und Angst haben, den Erwartungen eines Partners nicht entsprechen zu können. Ich bin 54 und hatte noch nie eine Beziehung geschweigen denn Sex. Deine Freundin dagegen hat wechselnde Beziehungen.

Ein dritter Punkt ist, dass ÄVPSler krankheitseinsichtig sind und bereit, sich Hilfe zu suchen. Das passt auch nicht auf deine Freundin.

05.10.2016 15:07 • #15


Icefalki
Weißt du @fränzy, ich hab zur Zeit auch die Rolle einer Beraterin bekommen, auch angenommen, es handelt sich um meine Arbeitskollegin. Sie hat u.a. Eheprobleme und auch insgesamt Ängste.

Ich bin einfach ehrlich. Zwänge mich nicht auf, sag meine Meinung, und das war es. Sie will es aber hören und denkt darüber nach, was ich ihr sage.

Das reicht mir, therapieren kann ich nicht und erwarte auch nichts.

Wer mich um Rat fragt, bekommt meine Meinung. Und was deine Freundin anbelangt, wird sie mit ihren Leben eben das tun, was sie für richtig hält mit allen Konsequenzen die eben daraus entstehen.

Weißt du, für mich offensichtliche Probleme anderer tangieren mich nur, wenn ich in irgendeiner Weise abhängig bin.

Und die Art der Abhängigkeit lässt mich dann handeln.

05.10.2016 15:28 • #16


Das halte ich schon auch so.

Klar.

Der andere Beitrag, ich weiß ja nicht, was da im argen liegt, aber irgendwas stimmt nicht. Und im Prinzip weiß sie es. Nur die Therapie wird abgelehnt.

Die eine Beziehung läuft seit 2 Jahren geschlechtslos und seit 10 Jahren kontrolliert der sie. Und wohnt zu hause mit 42. Der neue ist nicht ebenbürtig.

In der schule läuft es mehr als schlecht.

Es wäre jedenfalls gut wenn mal abgeklärt würde was da dahinter steckt.

Das Verhalten fällt definitiv aus der Norm

05.10.2016 15:55 • #17

Sponsor-Mitgliedschaft

Icefalki
Fränzy, du bist der Meinung, dass sie außerhalb der Norm ist. Sie empfindet es wahrscheinlich nicht so.

Und es wird doch definitiv immer über unser eigenes Empfinden gesteuert.

Ich bin bestimmt auch recht schräg drauf. Mein Leben finden manche bestimmt auch seltsam.

Solange mir es dabei gut geht, ist das doch ok.

Und wenn's deiner Freundin gefühlt dabei gut geht, ist dann doch auch ok.

Du machst dir Sorgen, sie aber scheinbar nicht .

Ergo, warum sollte sie was verändern, solang es läuft?

05.10.2016 16:05 • #18


Hallo zusammen,
danke für die Antworten. Es ist sicher nicht so, dass ich diese Freundin zu etwas zwingen will. Es ist nur ganz offensichtlich so, dass sie selbst an der privaten Situation leidet. In den letzten Monaten hat sie häufig geweint und sehr oft mit sich selbst, ihrer Wohnsituation, ihrer Beziehung gehardert. Auch mit ihrer Figur, eigentlich mit fast allem. Sie weiß, dass sie eine Entscheidung treffen müsste. Aber sie schafft es nicht. Ihr fehlt die Grundlage, der Selbstwert. Da sich diese Entscheidungsunfähigkeit auch auf profane Sachen erstreckt und sie sich hier im Haus auch in Lügen verstrickt, um ihre Situation zu verschleiern, habe ich den Eindruck, dass sie erstens gar nicht mit sich im Reinen ist und große Angst davor hat, sich auf andere Menschen einzugehen. Das sagt sie schon auch selbst. Vertrauen ist ein ganz großes Fremdwort.
Ich bin sicher, es wäre wert, mit einem Profi genauer hinzusehen. Der Leidensdruck ist groß genug. Relativ sicher bin ich mir, dass in der Herkunftsfamilie eine Psychotherapie abgelehnt wird und dies auch jahrzehntelang vorgelebt wurde.

06.10.2016 07:02 • #19



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