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Hallo,
morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch bei einer Firma. Ich hab jetzt schon Angst davor.
Dabei ist es eigentlich das normalste auf der Welt, für gesunde jedenfalls...
Angst vor dieser Bewertung, Angst vor Ablehnung, Sozialphobie, Angst etwas falsch zu machen... das volle Programm mit allen dazugehörigen Symptomen.

Es ist irgendwie schön. Die Bewerbung ist nicht direkt in den Müll gewandert, ich wurde sogar angerufen. Das hat mich echt gefreut, weil so er so unerwartet kam und positiv war. Mein Selbstbewustsein ist ziemlich am Boden (eigentlich ist es gar nicht existent)und dieses kleine Erfolgserlebnis war Balsam für meine Seele.
Andererseits habe ich so eine unglaubliche Angst vor morgen, ich kann es kaum beschreiben. Es ist eine so starke Bewertungssituation für mich, dass ich jetzt schon Anfälle bekomme
Die ganze Freude über den Anruf ist komplett verflogen. Ich hab Angst und ich bin traurig weil ich mir das Ergebnis schon denken kann. Ich rede mir ständig ein, dass ich nicht genommen werde, aus welchen Gründen auch immer. Kennt ihr das? Wahrscheinlich wurde ich eh nur angerufen, weil sich sonst keiner beworben hat. Ständig dieses Hinterfragen der beklopptesten Dinge.
Gedanken kreisen wie im Strudel. Eben noch oben, jetzt ganz weit unten und kein Ende in Sicht. Wie kommt man wieder hoch? Durch gut zureden? Durch Ignoranz? Wieso ignoriert man eigentlich so gut alles Positive, doch das Negative nicht? Ich hab Kopfschmerzen und mein Herz beginnt wieder zu stolpern. Sehr ermüdend dieser Zustand.

LG

05.02.2013 18:28 • 10.02.2013 #1


7 Antworten ↓


HeikoEN
Mein Tipp wäre, sich klar zu machen, was Du zu verlieren hast.

Denn es geht weder um Dein Leben, noch um etwas anderes ganz entscheidendes, sondern "nur" um einen Job, der wiederum auch nicht gleichbedeutend mit Leben oder Tod ist.

Natürlich ist der Job wichtig und es wäre schön und toll, wenn Du die Stelle bekommst. Aber wenn nicht, machst Du so weiter mit den Bewerbungen, wie gehabt.

In einem Bewerbungsgespräch hat man eigentlich nichts zu verlieren.

Man KANN sich gut präsentieren, muss es aber auch nicht zwingend.

Wie Du schon weisst über Dich, sind es eher die eigenen Gedanken, die das eigentliche Problem sind.

Versuche Dich NUR (!) auf das gesprochene Wort zu konzentrieren. Denn nur DAS ist absolut verlässlich.

Alles andere fällt in den Bereich der Interpretationen, die für einen Soziophobiker "tödlich" ist, da er ja alles nur auf sich bezieht.

Achte also NICHT auf Mimik und Gestik des Gegenübers, sondern versuche freundlich, direkt und gut versändlich eine Antwort auf das zu geben, was der gegenübersitzende Mensch von Dir möchte.

Einen Pluspunkt hast Du bereits! Du bist eingeladen worden. D.h., der Mensch ist von DIr überzeugt! Also so viel falsch kannst Du da gar nicht gemacht haben, konzentriere Dich darauf.

Würde mich interessieren wie es gelaufen ist!

06.02.2013 12:02 • #2



Große Angst vor Bewerbungsgespräch

x 3


Hallo Heiko,
vielen dank für deine Antwort, die hat mir echt geholfen.

Also das Gespräch war ganz ok. Auf der Hinfahrt war natürlich totales Kopfkino angesagt, mit allen Horrorszenarien die es so gibt...
Eingetreten davon ist NICHTS, was mich im ersten Moment echt gewundert hat. Nach einiger Zeit hat der Verstand dann wieder die Oberhand gewonnen und im Grunde musste es so kommen wie es letztendlich gekommen ist: Probearbeit nächste Woche.

Wir haben ganz normal geredet, mir wurde dort alles gezeigt usw. das Übliche halt bei so einem Bewerbungsgespräch. Ich hab versucht mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, wie du es mir ja auch in deiner Antwort mit auf den Weg gegeben hast.
Bin echt gespannt wie das nächste Woche läuft. Was mir gerade alles durch den Kopf geht kannst du dir ja sicher denken...

LG

10.02.2013 19:13 • #3


HeikoEN
Ich finde Deine Erfahrung sehr wichtig!

Die solltest Du so "breit" vom Gefühl her machen, wie nur geht!

Du HAST mit Deiner Person überzeugt!
Du HAST und KANNST Dir selber vertrauen!
Du HAST bestanden in einem Bewertungsgespräch!

Alles Dinge, an denen Du vorher völlig gezweifelt hast.

Du hast Dir selber vertraut und bist bestätigt worden darin. Bedeutet also, alles ist richtig! Deine Wahrnehmung ist richtig. Ein bischen Lampenfieber gehört dazu, ebenso Kopfkino, aber genauso die Erfahrung, dass sowieso fast immer alles anders kommt und dass dann die eigene Wahrnehmung gefragt ist, die offensichtlich bei Dir gut und normal ist.

Berufe Dich darauf, auch beim nächsten Mal.

Bedeutet nicht, alles auf die leichte Schulter zu nehmen, aber bedeutet vielleicht, auch ein wenig auf seine Art, seine Wahrnehmung, seine Fähigkeiten, seine Kompetenzen zu vertrauen.

Toll.

10.02.2013 19:33 • #4


oh ich weiß so gut wie du dich fühlst. man will ja arbeiten und man will bestätigung bekommen.
im prinzip ist reden und nachdenken doch ablenkung.also bist im gespräch abgelenkt.
es wird standartmäßig sein: was von dir erzählen, den lebenslauf, warum du in der firma arbeiten solltest.

du kannst echt nur gewinnen. und wenn´s extrem wird, sag was du hast. das hab ich auch mal und dann sind die in der firma total nett mit mir umgegangen. sie wollten mich trotz panik u haben mir die möglichkeit zum luft schnappen gegeben.

kannst ja was leichtes zum beruhigen nehmen. es kann nix passieren. du kannst jeder zeit sagen: sorry mir ist schlecht, ich muss weg, der job ist doch nix für mich und raus gehen. du hast immer die option zu gehen, du bist nicht eingesperrt. vll beruhigt schon der gedanke, dass du gehen kannst.

ansonsten kannst glaub beruhigt sein. zumindest dein schreiben hat schon eindruck gemacht. wenn du dann noch nett lächelst

10.02.2013 19:47 • #5


HeikoEN
Spannende Erfahrung.

Ich würde KEINESFALLS "offen" mit einer Angsterkrankung gegenüber einem potentiellen Arbeitgeber umgehen.

Psychische Erkrankungen, wozu nunmal Angst auch gehört, sind sozusagen ein rotes Tuch und das schnelle Aus. Wer stellt schon einen kranken Arbeitnehmer ein, wenn 5-10 weitere "gesund" vor der Tür warten?

Zumal je nach Branche, man ja nicht alleine auf dem Arbeitnehmermarkt ist und wenn dann bereits in der Bewerbung drin steht: "Ich bin krank", wird was passieren?

Ebenso "Beruhigungsmittel" halte ich für kritisch. Es entsteht sehr schnell eine psychische Abhängigkeit, die einem eine "falsche" Sicherheit vorgaukelt. Und diese Beruhigungskette hört ja nicht nach dem Bewerbungsgespräch auf, sondern dananch kommt der 1. Arbeitstag, die Probezeit, das erste Projekt, der erste Kundenbesuch usw., was alles wichtig ist und bei dem man meint, ohne "Hilfe" nicht bestehen zu können.

Nein, höre auf Deine eigenen Gefühle, denn damit liegst Du immer richtig, zumal es ja bereits geklappt hat.

10.02.2013 20:03 • #6


bei mir war das unabsichtlich. ich würd es normal auch nicht erzählen.
ich hatte vor dem gespräch panik und hab mich nicht rein getraut. dann dacht ich , der job ist nun eh weg, und hab ne mail geschrieben, warum ich nicht da war. hab mit nix mehr gerechnet.
aber bekam dann nen anruf, ich solle doch bitte kommen. sie können damit umgehen,wenn ich mal kurz raus muss. das ist sicher die ausnahme. die wollten mich halt wirklich unbedingt.
aber ich würd es vorher auch nicht ansprechen,außer es ist so ne art maßnahme für kranke, ne wiedereingliederung oder so.

10.02.2013 20:13 • #7


Zitat von Florian31:
Hallo,
morgen habe ich ein Vorstellungsgespräch bei einer Firma. Ich hab jetzt schon Angst davor.
Dabei ist es eigentlich das normalste auf der Welt, für gesunde jedenfalls...
Angst vor dieser Bewertung, Angst vor Ablehnung, Sozialphobie, Angst etwas falsch zu machen... das volle Programm mit allen dazugehörigen Symptomen.

Entschuldige, aber es ist keineswegs für Gesunde "das Normalste von der Welt", in ein Vorstellungsgespräch zu gehen. Praktisch JEDER hat davor mehr oder weniger große Angst und Nervosität mit den üblichen Begleiterscheinungen.

Da muss man halt durch. Es ist eine Form von Prüfung, und auf Prüfungen freut man sich in der Regel nicht.
Wenn man sich aber richtig auf das Vorstellungsgespräch einstellt und wenn die Leute zu dir passen, dann kann es angenehm werden. Wenn nicht, kann es auch unerfreulich werden. Das ist aber auch "Normalität". Ich bin schon mal aufgestanden und habe gesagt: "Geben Sie mir bitte meine Unterlagen wieder, für mich ist das jetzt zu Ende."

10.02.2013 20:55 • #8




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