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W

Worrie
Gast

... Angst gelernt, hat es Euch irgendwie positiv verändert?

Ihr Lieben,

die "Angstlehre" behauptet ja so schön, daß Angst uns auf irgendetwas, was in unserem Leben falsch läuft, hinweist. Wir sollen sie daher "annehmen", auf sie hören und uns danach verhalten.

Jetzt frage ich Euch, hat die Angst wirklich etwas in Eurem Leben zum Guten verändert?

Oder hat sie nur Kummer und Leid gebracht, womöglich ein zerstörtes Leben "hinterlassen"?

Was sind Eure Erfahrungen, Eure Meinungen? Ist die Angst tatsächlich zu "etwas nütze" oder wiíl uns die Psychologie da Unsinn "verkaufen", damit wir nicht verzweifeln, daß gerade wir sowas haben?

Ich frage mich in der Tat jeden Tag wieder, wenn ich so viel Elend und Leid hier lese, ob jemand von Euch tatsächlich daran glaubt, daß Angst "etwas Gutes" ist...

Für Eure Meinungen und Erfahrungen wäre ich Euch dankbar.

Schon mal meine Meinung - Ich halte die Angst einfach nur für zerstörerisch, sie zerstört Existenzen, Partnerschaften, sie zerstört einfach Leben. Ich kann daran nichts Gutes finden. Angststörungen sind imho mit die schlimmste Krankheit, die man sich vorstellen kann.

29.06.2013 #1


47 Antworten ↓
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Worrie
Gast

Vielen Dank wieder an Euch. Smile

>>> Zitat von sonne: ALLEN angsterkrankten so tiefenpsychologisch schauen oder kann es nicht einfach ganz einfach ein falsch erlerntes verhalten sein, was sich manifestiert hat?! Ich kann mir nämlich vorstellen, dass die ewig grübelnde frage nach dem warum auch Angst macht...man meint ja immer neben der Angst stimmt noch etwas in dem leben nicht...kein schöner Zustand! Damit will ich nicht abstreiten, dass die Angst auch Menschen etwas sagen möchte... Aber vielleicht nicht bei jedem. <<< Zitat Ende.

Hier stimme ich zu. Nachdem ich nach dem "Woher und Warum" gesucht habe, es gefunden habe, und es vom Gefühl her nicht besser wurde, scheidet die "Warum-Suche" als Heilungschance aus. Damit habe ich das Wissen, woher es kommt, aber nicht auch nicht mehr. Heilend wirkt es nicht.
Und die Frage nach dem "Warum" hat mir in der Tat auch Angst gemacht. Dieses Beschäftigen mit der Vergangenheit. Ich habe meine Eltern, besonders meine Mutter, bis zu ihrem Tod als schwierig, aber immer noch in normalen Grenzen gesehen. Seit meinen Therapien ist sie zu einem Monster geworden, durch das ich so krank bin. Dieses ewige Wühlen in der Vergangenheit hat mir Angst gemacht, was da wohl noch alles zu Tage kommt. Auch ich denke, daß sich diese Angst einfach manifestiert hat, und unsere Reaktion darauf. Wie das morgendliche Zähneputzen. Aufwachen - der erste Gedanke - "Was liegt heute an, wie komme ich über den Tag, wie geht es mir.." Mit der Sucherei nach dem Sinn und dem Woher tauchte bei mir nämlich auch die Frage auf, ob mein Leben einfach zu schön war. Auch ich habe alles, was ich mir je erträumt habe mit meinem LG vor vier Jahren leben dürfen. Ich war so glücklich, wie nie zuvor. Und sich dann die Frage stellen zu müssen, ob es einem einfach zu gut geht, finde ich einfach schon per*ers.

Wobei ich auch gleich bei der Frage von primavera wäre.

Meine Gesprächstherapie-Erfahrungen sind so, daß ich hätte mir das Gelaber ersparen können. Diese Therapeuten haben ihr Schema F und danach soll es denn flutschen, wie sie es gelernt haben. Nur wenn es nicht so flutscht, haben sie auch keinen Rat. Einzig die Hypnose hat mir geholfen, den Kram, der die Angst wohl verursacht hat, aufzuarbeiten. Es sind da keine Baustellen mehr. Aber Gesprächstechnisch kam auch nichts Neues heraus, was ich nicht schon wußte. Auch meine Thera erklärte mir, daß ich, wenn die Angst nicht wäre, vielleicht eine andere Krankheit hätte. Irgendwie äußert sich die "Seele" immer, bei jedem anders. Nicht gerade sehr tröstlich. Lieber würde ich saufen wie ein Loch, als mich so herumzuquälen, zudem kann man das "heilen". Habe ich ja schon vor fast 20 Jahren getan.

Meiner Meinung nach kann also eine Therapie helfen, diese Angstsymptomatik zu verstehen, den Kreislauf zu verstehen. Aber damit umzugehen, dabei kann keine Therapie helfen. Letztendlich steht man alleine davor und muß damit irgendwie leben.

Wie pumuckl denke ich auch, es wird nicht groß bei Angst geforscht, dazu sind wir immer noch eine Randgruppe, die man notfalls mit Pillen abspeisen kann. Es gibt wohl Therapiepläne, die meiner Meinung nach alle nicht greifen. Hätte ich vorher gewußt, was bei den Therapien herauskommt, hätte ich mir zweieinhalbtausend € sparen können, eine Masse Zeit und Hoffnung.

Wie emipat bin auch in in Notsituationen der "Fels in der Brandung", und ich wundere mich hinterher, wie ich das geschafft habe...

28.06.2013 13:22 • #30


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A


Angst - nur zerstörerisch? Oder habt Ihr irgendetwas aus der

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W

where.there.is.light
Gast

Nun, ich weiß sehr gut warum meine Angst da ist. Aber das wusste ich auch schon bevor sie da war! Seither macht sie mir das Leben nur unnötig noch schwerer. Und sie bringt mir nichts, da ich dass wovor sie mich bewaren soll nicht abändern kann. Ich mag das System nicht, die Gesellschaft nicht und würde am liebsten in einer komplett anderen Welt leben, wenn ich denn schon unebdingt leben muss. Das es durch die Angst nun noch besch... ist nicht wirklich hilfreich, nein, stattdessen nimmt sie mir noch jede Möglichkeit, es für mich hier auch nur etwas erträglicher zu machen. Also worin kann da schon der Nutzen bestehen.

@primavera:
Bei Stress schaltet der Körper meist in ein Notprgramm, mobilisiert letzte Reserven um zu überleben und wenn der Stress rum ist, dann kommt der große Zusammenbruch. Ob das nun im Alltag ist, ein Marathon läufer der die letzten Kilometer dissoziiert, ein Soldat im Krieg, etc. das Prinzip ist ansich ja das selbe.
Abgesehen davon, während der Stresszeit kozentriert man sich häufig auf etwas anderes, bestimmte Dinge geraten automatisch in den Hintergrund, kommen aber dann wieder hervor wenn man Zeit dafür hat. Ein klassisches Beispiel: kein Mensch denkt über Suizid nach wenn er gerade fast ausversehen! von einem anderen Auto angefahren wird oder jemand anderes aus der Situation rettet.
Bei einigen braucht es Extremsituationen um das Gedankenwirrwarr abzuschalten, anderen reichen da schon einfache Tätigkeiten.
Ich hab manchmal den Eindruck, das mein Hirn chronisch unterfordert ist und dadurch anfängt rumzuspinnen und zu grübeln, was dazu führt dass man sich wenn man es denn dann mal muss, nicht mehr auf wichtiges konzentrieren kann, dann viel schief läuft, und es dann in Überforderung ausartet.

Das mit dem feinfühliger sein und mehr Dinge zu registrieren die andere gar nicht mitbekommen kenn ich! Kann ich voll verstehen und zwar auf vielen Ebenen.
Mein Gehirn verbraucht sogar entscheidend mehr Energie als das der meisten Leute.
Woran liegts? Naja die Gründe sind nochnicht so ganz erforscht. Mittlerweile nennt man den Zustand meist Hochsensibilität. Es gibt auch oft eine komorbidität zu Adhs.
Die Ursache liegt oft am Dopamin und das die "Hirnfilter" einfach zu viel als wichtig deklariert ins Bewusstsein vordringen lassen.
Ich weiß nicht wie stark es bei dir ausgeprägt ist, aber bei mir kann man zumindest eingrenzen das es auf eine falsche Dopaminkonzentration zurück geht und die ist in so einem Fall idr genetisch bedingt (wie Adhs).
Also so oder so, das anders sein ist uns ganz einfach und höchstwahrscheinlich angeboren. Und ich finde, es hat nicht nur Vorteile, denn bei mir führt es oft zur Reizüberflutung, keiner Fokusierung und damit dann ggf zur Entscheidungsunfähigkeit oder gar zur Derealisation in einigen Momenten wenns ganz zu viel wird.

28.06.2013 11:51 • #23


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S
Liebe Worrie

meine Meinung dazu:
Ich habe die Angst auch sehr lange gehasst und gedacht sie will mich fertig machen.
Mittlerweile habe ich meine Meinung ein kleines bisschen geändert.
Sie hatte ihren Sinn, mein Leben war einfach zu hektisch und ich habe mich über Dinge aufgeregt die es nicht wert waren.
Ich habe meine Lektion gelernt, bin seit knapp 9 Monaten arbeitsunfähig und mein Leben hat ein anderes Tempo bekommen.
Also meine ich "Danke liebe Angst für den Hinweis" Ich habe es verstanden und nun kannst du dich wieder verdrücken! Tut sie aber nicht! Sie gehört mittlerweile zum Leben wie Atmen, Essen und Trinken.

Ich will sie nicht mehr und ich finde auch dass es mit die schlimmste Krankheit ist die es gibt. Wie oft habe ich schon gesagt dass ich mir lieber nen Knochen brechen will als immer dies sch..... Angst haben zu müssen.....

#2


Schlaflose
Ich würde bei mir schon sagen, dass die Angst mein Leben nach mehr als zwanzig schlimmen Jahren zum Guten verändert hat. Eigentlich hat sie mich schon frühzeitig davor gewarnt, einen Riesenfehleher zu machen, nur habe ich das einfach ignoriert. Ich hatte schon gegen Ende des Studiums für kurze Zeit Panikattacken, die ich aber durch Ignorieren nach einem halben Jahr loswurde. Dann fing es an mit den Schlafstörungen. Meine Angst dahinter war, dass das Studium zu Ende ging und ich dann in den Schuldienst musste. Habe ich auch gemacht und es war die Hölle. Nach mehreren Nervenzusammenbrüchen und Krankschreibungen in den letzten Jahren, habe ich den Absprung geschafft und jetzt arbeite ich in der Verwaltung des Bildungsministeriums. Wenn ich damals schon auf die Symptome der Angst reagiert hätte, wäre mir viel Leid erspart geblieben.

#3


H
Hallo Worrie Smile

Deine momentane Einstellung der Angst gegenüber kann ich verstehen!Ich habe auch lange genauso gedacht.

Inzwischen muss ich aber sagen, dass die Angst(so bedrohlich und nervig sie auch erscheinen mag) durchaus positive Aspekte hat.
Sie beschützt einen, hilft einem aus unangenehmen Situationen heraus, macht einen Leistungsfähig, bremst einen, wenn es zu viel wird, ist eine super Ausrede usw. (Teils ironisch gemeint)

Angst hat viele Facetten und Gründe, weshalb sie da ist.

Bist du in Therapie?

Ich habe sehr lange gebraucht um die Angst zu verstehen und war oft sehr sauer auf die Therapeuten(die MICH in meinen Augen nicht verstanden haben)

#4


W
Schon mal vielen Dank für die ersten Antworten. Smile

Ja, liebe Hoffnungsschimmer, ich habe zwei Therapien hinter mir. Aber mich interessiert einfach, wie die Realität hinter dem "Psychozeug", welches wir so lernen und gelernt haben, wirklich aussieht, quasi das echte Leben hinter den Therapien, hinter den Lehrbüchern.

Über Angst gibt es jede Menge Information, aber nicht über echte Menschen, die ihr Leben damit leben, womöglich doch was Gutes da gefunden haben, wie es die Lehre so sagt....

Daher mein Thread. Smile

#5


H
Das verstehe ich Smile

Dann versuche ich dir mal einen Einblick zu geben, woher meine Ängste kommen und wofür sie "gut" sind.

Als ich 2 Jahre alt war musste meine Mama plötzlich ins Krankenhaus.Danach ging es los, dass ich nicht mehr alleine sein konnte und immer Angst hatte, dass meine Mama nicht wieder kommt.

Als ich 5 war musste sie wieder ins Krankenhaus(mit dem RTW von zuhause abgeholt).

Alles manifestierte sich.

Mein Papa hat meine Bruder und mich öfter geschlagen.Meine Mutter ist nie dazwischen gegangen,sondern hat uns danach aufgefordert uns bei meinem Vater zu entschuldigen(weil wir ja vorher was falsch gemacht haben)

Auf der anderen Seite sind meine Eltern herzensgut und zeigen uns immer wie sehr sie uns lieben.

Naja, diesen Spagat habe ich nicht so gut hinbekommen.

Außerdem war ich immer schon oft krank und habe dadurch Aufmerksamkeit bekommen.Die Angst setzt das fort.

Und sie ist quasi wie ein unbewusster "kick", weil mir schnell langweilig wird.

Sorry, falls das wirr klingt.Aber wollte es so knapp wie möglich halten.Schreibe mit dem Handy.

Bei Fragen, kannst du gerne fragen Wink

#6


W
Dankeschön, liebe Hoffnungsschimmer,

genau das ist es, was mich interessiert. Die Gründe, und was Ihr daraus gelernt habt. Und eben, ob diese Angst tatsächlich auch Gutes bewirken kann, außer zerstörte Leben zu hinterlassen.

Wahrscheinlich ist diese Angst nur so zerstörerisch, wenn wir nicht wissen, woher sie kommt und was sie uns "sagen will". Ohne Anhaltspunkt kann man ja auch nichts verändern, kann quasi nur zuschauen, wie das Leben, das wir kannten, unaufhaltsam den Bach heruntergeht. Und wir müssen dann, wenn wir erkannt haben, warum die Angst uns so quält, danach leben. Nur - wer schafft das wirklich? Und ist der hohe Preis für eine Veränderung gerechtfertigt?

Viele Beziehungen gehen kaputt, einige von uns können nicht mehr arbeiten und sich selber versorgen.

Beziehungen - waren sie tatsächlich so wenig tragfähig, daß es ein "Gutes" ist, wenn sie zerbrechen? Und einige nun alleine vor einem Trümmerfeld stehen? Den Partner, den sie lieben, verlieren oder verloren haben?

War die Arbeit wirklich so schlimm, daß Angst und Panik und davor schützen sollten?

Ist das alles, was wir Angstler teilweise aushalten müssen, so viel besser, als vielleicht eine Beziehung, die zwar nicht 100% ist, aber wo gibt es das schon?

Ist Angst so viel besser, als eine Arbeit, die nun mal nicht der Traumjob ist, die uns aber unser Einkommen sichert?

Ist es so viel besser, nicht mehr alleine sein zu können, nicht mehr alleine seine Wege erledigen zu können, als unser Leben "vor der Angst"(Erkrankung)?

Ich will nicht philosophisch werden, es sind nur Fragen, die sich mir aufdrängen, wo eben "das Gute" sein soll....

Ist es das alles Wert?

#7


D
Hm...da hab ich auch lange drüber nachgedacht. Und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass meine Panikstörung mein Leben langsam aber sicher ruiniert.

Als ich vor gut zwei Jahren erkrankte, dachte ich viele Monate dass es die Überforderung war...der Job in
der Psychiatrie, meine Tochter, die mit 20 ein Baby bekommen hat und alleinerziehend ist, ich also viel auf
den Enkel aufpassen musste, dann noch der Dauerkrach mit meinen Eltern, der Tod meiner Mutter...und
ich mittendrin bin von einer Baustelle zur nächsten gerannt und hab probiert alles zu wuppen.

Ich habe eine Verhaltenstherapie gemacht, hab meinen Job gekündigt, hab mich auf ein gesundes Mass
beschränkt meine Tochter zu unterstützen und meinen narzistischen Vater aus meinem Leben gestrichen.

Es ging mir bis vor ein paar Monaten viel besser. Die Panikattacken waren weg, es blieb nur noch eine "Grundanspannung", mit der ich aber zurechtkam.

Vor ein paar Wochen schlug die Panik wieder aus heiterem Himmel zu. Ich weiss nicht warum und ich was ich
jetzt noch in meinem Leben ändern könnte.

Ich zieh mich immer weiter zurück. Manchmal gibt es Tage da denke ich mir, ich hab es einmal geschafft, dann schaffe ich es jetzt auch da wieder rauszukommen.
Heute ist so ein Tag da seh ich alles nur schwarz, denn selbst wenn ich es schaffe kann die Angst in ein paar
Wochen oder Monaten wiederkommen.

Ich schaffe es nicht diese Krankheit zu akzeptieren. Ich weiss nicht was sie mir sagen will, ich weiss nur dass
mein Leben so nicht mehr viel Qualität hat.

Letztendlich habe ich mein Leben geändert und es hat nichts gebracht. Ich suche immer noch nach
Anhaltspunkten was ich anders machen könnte. Mir fällt nichts mehr ein.

LG
die Eine

#8


P
Meine Therapeutin sagt, dass es gut ist, wenn der Körper mit Symptomen reagiert. Denn der Körper lügt nicht. Wenn wir nicht selbst die Notbremse ziehen, uns übernehmen oder was auch immer, dann regelt ER das. Und sendet uns Signale wie Schwindel usw. Die Angst ist quasi nur das Symbol, hinter der wir uns verstecken. Ich hoffe, ich konnte das irgendwie erklären.
Mir geht es jedenfalls so. Ich habe mich jahrelang übernommen. Schulisch, beruflich, familiär. Ausnutzen lassen. Maßregeln lassen. Andere über mich bestimmen lassen. Bis es irgendwann nicht mehr ging. Und das bittere Ende sind die Panikattacken. Die mir dann zeigen: Es geht nicht mehr. Und der Körper erreicht ja dann genau, was er will. Dass wir eben NICHT mehr raus gehen, NICHT mehr arbeiten, uns NICHT mehr mit anderen Leuten umgeben usw.
Das äußert sich ja in ganz vielen Dingen. Die einen können nicht mehr raus, die einen entwickeln eine Phobie etc.
Gut kann die Angst nur sein, wenn wir einen Weg raus finden. Raus aus der Situation, die uns krank macht.
"Die Angs weist den Weg" sagte mal eine Ärztin zu mir.

#9


P
Übrigens ging es mir da wie Schlaflose. Ich hätte schon viel früher merken sollen, dass mein Job mir nicht gut tut. Dass mein Chef mich ausnutzt. Dass ich das alles niemals bewältigen kann. Wenn ich heute zurück denke, sehe ich mich selbst hinter einem riesigen Aktenberg oder mit einem ganzen Arm voll, balancierend mit den Akten. Und hinter dem Schreibtisch mein cholerischer Chef. Ich war seine Marionette. Und danach kamen noch mehr Chefs, die mir nicht gut taten. Meine Therapeutin hat mir das auch bestätigt.
Ihrer Meinung nach kann ich nur für einen einzelnen Chef arbeiten und keinerlei Führungsaufgaben übernehmen. Theorie und Praxis liegen bei mir sehr weit auseinander.
Die Symptome haben mich gewarnt. Schon vor 10 Jahren. Aber ich habe sie ignoriert. Aber irgendwann kann man sie nicht mehr ignorieren. Denn dann bricht man zusammen.

#10


H
Das hast du sehr schön erklärt Muckel Daumen hoch

#11


U
Also ich hab ja "nur" eine soziale Phobie - mit Überlastung hat die nichts zu tun - eher mit magelnder Liebe in der Kindheit (hatte aber auch keine "schlimme" Kindheit oder so).

Ich hab also nur Angst vor ungewohnten sozialen Situationen.
Diese Angst schützt mich davor mich allzu naiv auf fremde Menschen einzulassen (bin prinzipiell misstrauisch) und sorgt dafür in gewissen Situationen selbstständiger zu sein - nämlich bei eher "materiellen Problemen" - da informiere ich mich lieber selbst gut, bereite mich vor oder probiere etwas aus, anstatt jemanden um Hilfe zu bitten.

Aber klar, im Endeffekt hat die Angst sehr viel mehr Nachteile - in erster Linie die Einsamkeit und "Langeweile" die daraus resultiert (traue mich ja viele neue Dinge nicht auf Anhieb).

#12


W
Auch bis hierher wieder vielen lieben Dank an Euch, daß Ihr so offen geschrieben habt.

Mein Fazit ist bislang, daß die Angst den Weg weist, und wenn es der Weg ins totale Verderben ist. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß sich Angst und Burn out wohl mischen. Während man ein Burn out wohl sehr gut kurieren kann. Die Angst aber "macht weiter", immer weiter und weiter, bis auch das letze Bisschen Kraft erschöpft ist.

Letztendlich hat man es vielleicht geschafft, "auf die Angst zu hören", was zu ändern, aber zurück bleibt eben diese Angst, die langsam aber sicher das, was man sich neu aufgebaut hat, zerstört. Die Angst als eigenständiges Symptom, weil der Körper und der Geist nicht mehr so einfach heilen wollen.

Eine Grippe ist irgendwann auskuriert, die Angst wohl niemals.... Egal, wie man sich dreht und wendet, egal, was man verändert, es steckt wohl im Körper wie ein Virus, das jederzeit wieder ausbrechen kann.

Es ist unheimlich. Wie in einem Horrorfilm, daß man Angst quasi vor sich selber hat, vor seinen eigenen Empfindungen, und eine Empfindung ist nun mal Angst. Nicht mehr und nicht weniger. Aber nach Trauer die Schlimmste.

Ich kann immer noch nichts Gutes daran finden. Wenn es mit der "Veränderung" ausgestanden wäre - ok. Ziemlich heftige Reaktion von "innen", aber nützlich. Aber SO?

#13


M
@ Worrie,
ich denke dass es ein sehr langer Weg ist,bis man durch diese permanente Angst
die Einen so fest im Griff hat,auch was Gutes in Ihr sehen lernt.
Man macht da doch eine lange Achterbahn der Gefühle durch,
angefangen von Angst vor der Angst,
Verzweiflung,Wut,Hoffnungslosigkeit und Vieles mehr.

Bei mir war es so,dass es sehr lange gedauert hat,bis ich bemerkt habe,
dass mir diese Angst völlig neue Wege des Lebens geöffnet-bzw. aufgezeigt hat.
Ich habe daraus gelernt,dass mein Leben vorher viel zu stressig und oberflächlich war,
ich bin dem Erfolg hinterher gehechelt,ohne Rücksicht auf Verluste
und hab dabei den größten Verlust überhaupt erfahren,
nämlich meine Gesundheit.

Mittlerweile geht es mir schon lange wieder gut,ich weiss auch einzuschätzen,
was ich mir zumuten kann,stehe wieder im Berufsleben,
kann wieder fast Alles machen,was <normale Menschen< so machen und bin auf dem Weg.

Ich sehe diese Angst mittlerweile als ein großes Stoppschild,
welches mir zeigt,wann es genug ist. Very Happy

#14


UnfinishedStory
Worrie du sprichst mir aus der Seele!Du brings es echt gut auf den Punkt.
Ich kann im Moment REIN GAR NICHTS positives an der Angst sehen. Klar ist es sicherlich förderlich für die Persönlichkeit,wenn man auch durch schwere Zeiten geht etc. Jedoch ist diese Krankheit eigentlich unzumutbar. Sad
Es ist so unfassbar und so unbegreifbar für mich diese Angst. Es fühlt sich so grauenvoll an und kein Mensch kann verstehen wie man sich fühlt. Ich weiß nicht wie ich in meinem Leben was ändern soll, wenn die Angst mich "lähmt". Für mich macht die Angst keinen Sinn und ist absolut zu nix nutze. Sie verändert mich, meine Persönlichkeit, meine Lebensenergie. einfach alles - doch nicht zum positiven. Ich hoffe das sich Blatt mal wieder wandelt aber momentan bin ich echt ratlos. Könnt nur heulen.

#15


M
Zitat von UnfinishedStory:
Worrie du sprichst mir aus der Seele!Du brings es echt gut auf den Punkt.
Ich kann im Moment REIN GAR NICHTS positives an der Angst sehen. Klar ist es sicherlich förderlich für die Persönlichkeit,wenn man auch durch schwere Zeiten geht etc. Jedoch ist diese Krankheit eigentlich unzumutbar. Sad
Es ist so unfassbar und so unbegreifbar für mich diese Angst. Es fühlt sich so grauenvoll an und kein Mensch kann verstehen wie man sich fühlt. Ich weiß nicht wie ich in meinem Leben was ändern soll, wenn die Angst mich "lähmt". Für mich macht die Angst keinen Sinn und ist absolut zu nix nutze. Sie verändert mich, meine Persönlichkeit, meine Lebensenergie. einfach alles - doch nicht zum positiven. Ich hoffe das sich Blatt mal wieder wandelt aber momentan bin ich echt ratlos. Könnt nur heulen.


So hab ich auch mal empfunden,
diese Angst hatte mich so extrem und so lange in ihren Klauen
und ich hätte es NIE verstanden,dass man daraus etwas positives ziehen kann.
Aber du wirst sehen,die Lage wird sich ändern,das kann ich dir mit Sicherheit sagen.

#16


E
Hallo liebe Ängstler...Oma sagte immer:"Nichts ist so schlecht,als dass es nicht noch für etwas gut wäre"...in gewissen schlechten Situationen mag das zutreffen, allerdings in Sachen Angst nicht! Ich kann ihr NICHTS Positives abgewinnen und ich habe den Verdacht, daß sie mich mein ganzes Leben lang begleiten wird, mal mehr, mal weniger.Ich habe sehr viel in meinem Leben geändert, meinen aufreibenden Job gekündigt, mich von Freunden getrennt, einen neuen Job angefangen...Sie kommt immer wieder diese böse Angst! Sie ist ein Manifest,ein Stigma oder was auch immer.Ich glaube nicht, daß die Angst uns etwas sagen will, sie ist ein Teil von uns,die wir mal mehr oder weniger ertragen können oder müssen.Was haben wir denn nicht alle alles über Angst gehört? Meine Thera sagt, Angst sei nach innen gerichtete Wut...Naja, ich habe mich arangiert, sie ist da,ich habe ihr schon mehrfach gekündigt,sie geht vorne raus und kommt hinten wieder rein.Ich lebe mit ihr seit 20 Jahren,hatte viele angstfreie Zeiten, aber auch, wie momentan viele schwere Angstphasen.Manchmal denke ich, wir alle wissen zu viel, sind zu gutmutig, zu emotional...

#17

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W
Auch an Euch vielen liebenDank. Smile

Liebe UnfinishedStory

was nützt es noch, wenn man endlich u.U. die "Stimme der Angst" verstanden hat, die sich ja stets laut brüllend bemerkbar macht, aber wohl in der Hauptsprache in Kisuaheli oder Klingonisch, seinen Weg ändern will, geändert hat, wenn man bereits alles durch diese Angst verloren hat, nichts mehr hat, für was sich das Ändern noch lohnt?

Wenn man, wie viele, bereits Monate in Kliniken verbracht hat, sich mit noch mehr Leid und Elend konfrontieren mußte, nur um die Stimme der Angst zu verstehen?

Wenn man so fertig ist, daß man nun die Sprache versteht, aber keine Kraft mehr hat, zuzuhören?
Wenn man soweit ist, daß man am Liebsten mit Allem abschließen möchte? Sagte die Angst dann, daß man zu schwach
ist? Daß man keinen Platz mehr in dieser Welt hat?

Liebe emipat,

ich weiß nicht, ob Deine Therapeutin Recht hat, oder ob sie nur schwafelt, um ihrem Job gerecht zu werden.

Mittlerweile weiß ich gar nichts mehr, daher freue ich mich hier in diesem Thread über jeden Post, um mir weiterhin ein Bild machen zu können. Ein Bild, wie man es in den Angst-Lehren nicht findet.

Liebe MitSouKo63,

na, mal abwarten... Wäre ja schön..

#18


H
Hallo,

ich schließe mich den meisten hier an Smile
Ich kann der Angststörung auch nicht positive abverlangen.
Bei mir trat sie schon in meiner Kindheit auf. Ich weiss auch genau warum.
Im Erwachsenenalter bekam ich im Schlaf eine Panikattacke, die mich glauben ließ sterben zu müssen. Und von da an wusste ich, was es heißt richtige Angst zu haben.

Ich mache nun die 4. Verhaltenstherapie und mittlerweile kann ich sehr gut mit meiner Angststöung umgehen.

Positiv sehe ich nur an der ganzen Sache, dass ich es gelernt habe, damit umzugehen. Sonst nichts!

Mir hat aber auch noch kein Therapeut gesagt, dass man es positiv sehen kann/sollte. Also, diese Störung zu haben.

#19


L
Liebe Worrie und natürlich auch all ihr anderen Lieben,

das Thema ist hoch interessant und ich versuche der verfluchten (-da sieht man schon meine Beziehung) Angst immer wieder etwas abzugewinnen, sie zu verstehen, mit ihr zu reden, etwas Positives zu sehen[i][/i],......

Doch ich kann nur sagen, ICH VERSTEHE SIE NICHT!
Vom Kopf her, kann ich eine traumatische Situation aus der Kindheit benennen, die meine irrationale Angst erklären könnte. Hinzu kommen noch weiter Erfahrungen aus der Kindheit/Jugend, die sicherlich prägend waren.
Das weiß ich. Es nützt mir aber nicht, das zu WISSEN. Ich müßte FÜHLEN, dass kein Grund mehr für Angst besteht - und das kann ich bis dato nicht.
Ich kann auch nicht dankbar sein für die Angst, denn sie hat mir soviele wunderbare Situationen meines Lebens verdorben! Bei meiner eigenen Hochzeit musste sie mitmischen, bei der Geburt meiner wunderbaren Tochter.....

Ich habe meine Krankheitsängste seit meiner Jugend. Natürlich habe ich hingehört, was sie, die Angst mir sagen will. Ich habe mich privat in Entspannungstechniken ausbilden lassen, - kann sie bei mir aber kaum anwenden! die Angst ist stärker.....
Ich habe Therapien gemacht, ich war bei Heilpraktikern, bei unterschiedlichsten Ärzten, ich habe ADs genommen und keine genommen, ich habe es pflanzlich probiert, ich habe es mit Willenskraft! probiert - und ich achte mehr denn je auf mich, versuche mich nicht zu sehr zu stressen. Meine Lebensumstände sind gut - und SIE ist trotzdem da.

Bis vor drei Monaten war ich der Ansicht, ich "müsse da durch", ich müsste ergründen, es ohne Antidepressiva irgendwie schaffen, dann würde es schon bessser werden. Immer schön an sich arbeiten, dann wird das schon.
Ich hatte aber schon so sehr an mir gearbeitet, dass ich einfach nur noch erschöpft, total erschöpft von der Angst war.

Jetzt nehme ich seit drei Monaten Cipralex, kann sagen, dass es mir besser geht, das aber auch nur aufgrund der Medikamente. Die Krankheitsängste sind immer noch jeden Tag präsent, aber nicht so dramatisch wie vorher. Ich kroch förmlich auf dem Zahnfleisch, weil ich "es " (was auch immer?!) so schaffen wollte.
Mir ist völlig klar, dass die Medikamente die Angstproblematik nicht (auf-) lösen, es war aber der einzige Weg, den ich sah und im Moment sehe, um Lebensqualität zu haben und nicht jeden Tag nur zu kämpfen.

An euch alle liebe Grüße,

Charly

#20


A


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Dr. Reinhard Pichler
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