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Ich hoffe, ich bin am richtigen Forum dafür.

Hallo

Also ich habe folgendes Problem, dass für mich etwas schwer in Worte zu fassen ist.
Ich bin im Prinzip kein gleichgültiger Mensch, ich wäre es gerne, aber im Gegenteil ich mache mir zu viele Gedanken um die Menschen um mich herum und sage eigentlich selten wirklich meine Meinung weil ich immer Angst habe, dass ich jemanden kränke und sich dadurch alles ändert.

Ich bin 22, kurz vorm Studieren und hatte eigentlich nie so etwas wie eine rebellische Phase, ich wollte es immer allen recht machen, nie Streiten, könnte ich gar nicht weil es mich im Nachininein so sehr beschäftigen würde, dass ich mich sowieso entschuldigen will. Ich habe kein dickes Fell und ich denke meine Persönlichkeit hat darunter gelitten.
Das ganze gipfelt bei der Beziehung mit meinem Vater. Ich liebe meinen Vater, aber er ist sehr egozentrisch und furchtbar leicht gekränkt. Ich weiß noch erst kürzlich hat er eine Woche nicht richtig mit mir geredet weil ich bei einem Essen einen kleinen Witz gemacht habe (den ich mit unmengen anderer Leute schon gemacht habe, inclusive meiner Mutter) er hat mich immer gemieden und erst nach besagter Woche redet er mich zu , dass ich ja gleichgültig wäre und mich hätte entschuldigen sollen, weil ich ja gemerkt hätte , dass er komisch drauf war.

Ich habe keine gute Beziehung zu ihm, er war zwar immer da, wenn es um das finanzielle ging und hat mir auch immer Geld gegeben etc. aber wir haben nie großartig was miteinander gemacht. Und ich weiß bei bestem willen nicht ob es nur an ihm lag oder auch an mir.

Ich habe mir schon so oft vorgestellt wie ich ihm die Meinung sage, wie viel ich schei. finde an allem was passiert ist, seinen dämlichen Spitznamen (Variationen meines Namens, die für 5 Jährige vielleicht lustig sind) seine mangelnde Einsicht und seine dummen Behauptungen gegenüber mir (Beispiel: Ich hätte Wahrnehmungsstörungen weil ich ab und an nicht bemerke wenn jemand aus dem Haus , dabei fragt er mich IMMERNOCH wenn er mich anruft ob er auf den roten Knopf drücken muss wenn er auflegt.) Oder wenn ich mal vergesse mein Hausinternes Telefon aufzuladen , dass er mir vorwirft wie vergesslich ich wäre und es sich erlaubt mir zu sagen "Ja du musst morgen an die Arbeit, hast du Getankt?! Ich frage dich weil du sowieso immer alles vergisst". Das sind eigentlich die Momente in denen ich wirklich gerne ausrasten würde und Dinge sagen will wie "Ich bin in meinen 4 Jahre die Ich Autofahre nie stecken geblieben und habe es auch immer geschafft ohne deine Erinnerung zu tanken!!" Genau das tue ich dann nicht, ich lasse es gut sein und ich fresse es dann in mich hinein. Einfach aus dem Grund, dass ich genau weiß, dass er dann gekränkt und beleidigt ist wegen seiner dummen Einstellung WIE KANN ER DENN SO MIT MIR REDEN. Er hat so die Einstellung, würde ich sagen, ich bin der Mann im Haus ich verdiene das Geld alles richtet sich nach mir.

Also das sind alles nur kleine Beispiele. Ich weis einfach nicht wo das manchmal hinführen soll ich habe einfach genug aber will nie jemanden kränken. Das nagt dann immer so furchtbar an mir, weil ich IMMER genau weiß was die Leute (speziell meinen Vater) beleidigt.

Jetzt ist er schon wieder komisch, er sei unglücklich sagt er mir , höchstwahrscheinlich weil ich bald gehen muss nehme ich mal an. Und jetzt fällt ihm wohl auf "Alles entfernt sich von mir" aber er war die letzten 22 Jahre sonst auch nicht wirklich da, er wusste nicht mal wie meine Schule heisst. Von der Beziehung zu meiner Mutter will ich gar nicht anfangen, da gab es schon so oft krach (gegipfelt in einer angeblichen Trennung die natürlich nie passiert ist, weil mein Vater alleine gar nicht klar kommen würde). Ich komme super mit meiner Mutter klar.

Ich habe eben auch Angst vor der Zukunft weil ich ja ein wenig auf ihn angewiesen bin. Und ich will ihn ja auch nicht verlieren aber manchmal habe ich einfach die Schnauze voll.

Kennt ihr das auch?
(Sorry wegen der Grammatik, bin etwas Gefühlsgetrieben)

07.08.2011 12:58 • 07.08.2011 #1


2 Antworten ↓


Hallo Randy,

Wieso bist du denn auch in Zukunft auf deinen Vater angewiesen? Wegen dem Geld? Reicht dir dein Bafög nicht?

Ich kann dir nur sagen: Es wird um Welten besser sobald du ausziehst. Das ist gerade in einer solchen Beziehung echt der richtige Schritt. Ich weiß das weil mein Freund auch genau solche Eltern hatten. Waren auf der einen Seite unglaublich pingelig und bekamen Tobsuchtsanfälle (keine Übertreibung, sondern die Wahrheit) wenn er im Flur seine Schuhe nicht ordentlich hingestellt oder im Bad nach dem Rasieren die Haare nicht gleich weg gemacht hat, wussten auf der anderen Seite aber auch nach 25 Jahren noch nicht was z.B. sein Lieblingsessen ist. (Erinnert mich an deine Geschichte mit dem Namen der Schule.) Auch mit 26, 27 Jahren wussten sie immer noch Alles besser und wenn ihnen seine Entscheidungen nicht gefallen haben dann wurde so lange diskutiert und gestresst bis er nachgab und es nicht gemacht hat. So hat er sich unter Anderem einen bezahlten Aufenthalt in den USA durch die Lappen gehen lassen weil seine Eltern das nicht wollten.

Mittlerweile ist er nicht nur von Daheim weg gezogen sondern auch 550km weit von Daheim weg gezogen, und das Verhältnis von damals und heute, da liegen Welten dazwischen. Seine Eltern sind, wenn wir sie besuchen, viel lockerer und entspannter, ganz freundlich. Früher haben sie immer angespannt gewirkt wenn ich (also die Freundin) da war und es gab oft Zoff, inzwischen ist der Verhältnis richtig freundlich und besser geworden. Auch offener und persönlicher sprechen sie inzwischen miteinander, der Abstand tut Allen gut glaube ich. Wenn er Entscheidungen trifft die ihnen nicht gefallen dann reden sie zwar immer noch dagegen, aber sie wissen dass er sich inzwischen ihrem Einfluss entzieht. Ganz einfach. Sein Vater etwa sperrte sich jahrelang gegen alle anderen Haustiere außer Vögel, und nun holt mein Freund am Montag sein erstes eigenes Haustier ab: Ein 7 Kilo schweres Langhaar-Katzen-Monster das seine Eltern ihm Wochenlang versucht haben auszureden, aber ganz offensichtlich ohne Erfolg

Ich denke sobald du ausziehst wird sich auch die Spannung zwischen dir und deinem Vater in Luft auflösen bzw. es wird schlicht nicht mehr so wichtig sein ob er nun die beleidigte Leberwurst spielen will oder nicht. Es mag aber mitunter trotzdem nötig sein ihm deine Meinung zu sagen. Nicht um eurer Beziehung Willen unbedingt, aber um deiner Willen. Probleme in sich hinein zu fressen ist schlimm, das führt zu nichts und hilft niemandem, im Gegenteil: Du schadest dir doch damit am Ende nur selbst. Konfliktmanagement ist eine gute Sache, man muss auch nicht immer starrköpfig auf seiner Meinung beharren. Aber wenn du jedem Konflikt aus dem Weg gehst und keine Kompromisse kennst sondern immer nur du Abstriche machst, dann ist das falsch. Es muss auch mal krachen können in einer Familie! Ich weiß noch, als mein Papa gestorben ist da hab ich viel versucht mitzubestimmen, und da meine Mom (wie du) sehr Konfliktscheu ist hat sie oft nachgegeben oder sich schnell verunsichern lassen von mir. Mir ist das natürlich gar nicht aufgefallen, ich bin halt so und nehm gern die Fäden in die Hand. (Mag sein dass dein Vater sich auch keiner Schuld bewusst ist.) Letzten Endes wars dann meine Omi die mich mal im Beisein Aller angefaucht hat: "Jetzt hör aber auf! Immer bevormundest du deine eigene Mutter!" Ich war total sprachlos und etwas beleidigt, aber im Nachhinein hatte sie wirklich Recht und ich bin froh dass sie mir damals den Kopf gewaschen hat. (Auch wenn sie das besser hätte machen können, z.B. unter vier Augen, aber naja.) Gerade autoritären Persönlichkeiten tut ein Stoß vor den Kopf auch mal ganz gut, da nehm ich mich selber nicht aus.

Aber ich glaube allein der Abstand wird schon viel helfen. Mach bloß nicht den Fehler und fahr jedes Wochenende oder jeden Monat Heim. Ich bin im März ausgezogen und war seitdem 3 mal Zuhause. Ich hab meine Familie immer noch sehr lieb, aber die hatten mich 24 Jahre für sich, jetzt ists auch mal Zeit dass man sein eigenes Leben lebt.

Übrigens: Alle Konflikte die ich Zuhause hatte (Nachbarn die kein "Nein" kannten und mich oft genervt und im Flur abgefangen haben, omnipräsenter Onkel der im selben Haus wohnte und mich nicht allein im Garten arbeiten lassen konnte, Tante die mich aus dem Bett klingelte um mir mitzuteilen dass ich den Müll nicht richtig sortiere, etc. pp.) haben sich mit dem Aufzug in Luft aufgelöst. Wenn ich Onkel, Tante oder Nachbarn jetzt treffe ist das ganz nett, ich sehe sie ja nur selten, da kann ich auch über ihre seltsamen Eigenarten getrost hinweg sehen, was ich früher niemals konnte weil sie einfach zu präsent waren. Wenn der omnipräsente Onkel mal wieder Stuss labert oder meint er müsste mich zurecht weisen geb ich ihm heute Konter. Jetzt kann mir ja egal sein was er denkt - ich wohn nicht mehr dort So ein Auszug bringt auch mit sich dass man über sich selbst hinaus wächst und merkt dass man eigentlich mehr kann und mehr ist als man früher immer so von sich dachte.

Vielleicht lernst du so auch mal deine Meinung zu sagen. Meinungsagen ist aber im Grunde auch nicht so wichtig. Wenn mir an Anderen etwas nicht gefällt seh ich auch lieber drüber hinweg. Weil a) ist die Gefahr groß dass sie es in den falschen Hals bekommen wenn ich Kritik übe und b) ändern sich die meisten Menschen sowieso nicht durch die Meinung Anderer, wär ja noch schöner wenn das so einfach wäre *lol*
Deswegen hab ich mir angewöhnt kleine Charakterfehler als menschlich zu akzeptieren anstatt mich daran aufzuhängen. Damit lässt es sich auch ganz angenehm leben. Wenn es aber Dinge sind die dich wirklich über Tage hinweg beschäftigen, dann lerne sie anzusprechen anstatt sie runter zu schlucken. Besonders wenn es deine Person betrifft und du schlecht behandelt wirst. Das bist du dir schuldig. An der Uni werden die Menschen auch nicht netter, leider. Da weht manchmal ein rauer wind, sowohl von Seiten der Studenten als auch der Profs. Da muss man seinen Mann/seine Frau stehen können wenn man ungerecht behandelt wird, auch wenn das oft nicht leicht ist. Die Psychologen an der Uni bieten oft tolle Weiterbildungskurse an, also in Sachen persönlicher Weiterbildung. Ich mach z.B. Konflikttraining und gewaltfreie Kommunikation. Eigentlich eher im Hinblick auf den späteren Beruf, aber ich bin mir sicher dass ich selbst da auch das eine oder andere persönlich anwenden werde können. Informier dich doch einfach mal! Du wirst nie mehr ein so breit gefächertes kostenloses Angebot bekommen wie an der Uni.

Und wenn du weiterhin finanziell abhängig von ihm bist wird dein Vater auch weiterhin Macht über dich haben. Sei dir dessen bewusst. Auch die Eltern meines Freundes überweisen ihm inzwischen zum Geburtstag nur noch 50€, kurz nach dem Auszug waren es noch 200€. Er meldet sich nicht sehr oft, besucht sie auch kaum, da sind sie ab und an eingeschnappt und so zeigen sie das dann. Das Gute ist: Ihm kann das egal sein, er verdient selbst genug Geld. Ich selber hab meiner Mom ausdrücklich gesagt dass ich kein Geld von ihr haben will, kein Taschengeld und auch sonst keine Unterstützung außer mal was zum Geburtstag oder so. Ich leb von Halbwaisenrente und Kindergeld und das reicht auch. Wenns eng wird geh ich arbeiten, das klappt wunderbar. (Besonders ab dem 2ten und 3ten Semester tun sich auch tolle Stellen an der Uni auf die sich im Lebenslauf meist wunderhübsch machen.) Die besagten nervigen Nachbarn z.B. wollten mir auch Geld schicken und im Gegenzug erwarten sie dann dass ich mich regelmäßig melde und ihnen ihre ganzen Schikanen verzeihe. Mach ich aber nicht. Ich hab gesagt dass ich kein Geld von ihnen annehmen werde und auch nicht brauche, dass ich nicht auf sie angewiesen bin. So bin ich ihnen auch zu nix anderem verpflichtet außer der üblichen Höflichkeit eben. Es tut ganz gut sich aus so einer selbstverschuldeten Abhängigkeit zu lösen.

Liebe Grüße,
Bianca

07.08.2011 14:16 • #2


Es liegt an keinem von Euch beiden. Es gibt keine SCHULD.

Dein Vater macht das was er naturgemäßig und instinktiv für richtig hält und gibt alles, weil er es mit völliger Überzeugung macht.

Genau wie Du. Es ist nicht immer so, dass 2 Menschen immer der gleichen Meinung sind.

Dein Vater wird immer der beste und einzige Vater sein den du hast, denn es gibt keinen anderen.

Akzeptiert Euch.

Du bist 22 und kannst ja auch eigentlich langsam Deine eigenen Wege gehen.

Es gibt viele Wege, die einem auch in jungen Jahren einen Start ins eigene Leben ermöglichen.

07.08.2011 14:38 • #3




Mira Weyer