luma444

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Hallo, ich bin ganz neu hier im Forum und hoffe, dass Ihr mir vielleicht weiterhelfen könnt. Mein Mann leidet seit Jahren an einer generalisierten Angststörung. Im Moment ist es wieder sehr akut und er macht auch eine Psychotherapie. Für mich ist es sehr schwer, den richtigen Umgang mit dieser Krankheit zu finden. Bisher habe ich ihn immer versucht zu beruhigen, viel Verständnis zu zeigen und für ihn da zu sein. Nur fällt mir das zunehmend schwerer. Ich habe das Gefühl, den ganzen Tag nur Rücksicht zu nehmen. Er ist sehr schnell gestresst, braucht viel Ruhe etc., das kann ich ja auch verstehen. Aber wir haben einen Sohn (2,5 Jahre), mit dem er sich kaum beschäftigt, weil es ihn zu sehr stresst. Seine Therapeutin hat ihm geraten, sich mehr zurückzunehmen und öfter nein zu sagen. Aber er kann sich doch nicht von allem, was ihn nur im geringsten stresst, zurückziehen, wie soll dann das Familienleben überhaupt noch funktionieren? Ich kann langsam nicht mehr, denn alles dreht sich bei ihm nur noch um dieses Thema, nur ich muss funktionieren, weil ich ja gesund bin....
Danke fürs Lesen,
luma

25.05.2009 10:27 • 25.05.2009 #1


3 Antworten ↓


wild


Hallo Luma!Ja,das ist schade,dass Du alles alleine schultern mußt.Hast Du nicht eine Freundin in der Nähe,die ab und zu mal was mit Euch (Kind und Dir) unternimmt,wo Du reden kannst,dich fallen lassen kannst??Gibts bei euch Selbsthilfegruppen für Angehörige von psychisch Erkrankten?Liebe Grüße

25.05.2009 15:14 • #2


luma444


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Hallo, ja, Freundinnen hab ich und ich unternehme auch viel, aber das alleine reicht auch nicht. Nach Selbsthilfegruppen in der Umgebung werd ich mich mal umschauen....
LG, luma

25.05.2009 16:26 • #3


Pilongo


Herzlich Willkommen hier!

Es ist leider manchmal so, dass psychisch kranke in so eine Art Opferrolle fallen. So nach dem Motto: "Ich bin krank-und alle müssen Rücksicht nehmen!" Das ist an sich richtig, und kann helfen, aber nur in der ersten Zeit. Sinn einer Therapie ist aber, dass man beginnt, an sich zu arbeiten, dass man sich mit sich selber auseinander setzt und seine Probleme in den Griff bekommt. Damit man eben irgendwann wieder ein normales Leben führen kann. Dieser Weg ist aber sehr steinig und schwer, und manche scheitern daran oder wollen es aus angst vor dem Scheitern gar nicht erst versuchen.
Dein Mann scheint mir so ein Fall zu sein.
(Aber das ist schwer zu beurteilen, ich kenne ja nur deine sicht der Dinge und die ist wenig objektiv.)
Ich kann sehr gut verstehen, dass du dich Alleingelassen fühlst, und es nervt auch, ständig nur Zurückstecken zu müssen. Das macht auf Dauer dich krank, und das ist nicht richtig.
Als ich nach dem Tod meines Papas (ich bin 21) an einer Angststörung litt, hab ich sofort eone Therapie begonnen. Ich hab meinem Freund erzählt, wie sich das anfühlt und wie es mir dabei geht, und er musste mich ab und zu Nachts sehr betüdeln, wenn ich eine meiner Attacken hatte und nicht schlafen konnte vor lauter Panik. Aber wenn ich eine Attacke hatte und gemerkt hab, dass er gerade schläft, hab ich mich auch aufgerafft, bin aus dem Haus, hab allein eine Runde um den Block gedreht und so -ich wollte ihn damit nicht unnötig belasten. Ich hab ihm von meinen Ängsten erzählt, aber auch von meinen Erfolgen, trotzdem fiel es mir in der letzten Zeit schwer, mich richtig um ihn zu kümmern. Dabei hätte er es eigentlich verdient, weil er wirklich stark für mich war in letzter Zeit. Ich habe ihm das aber auch jeden Tag gesagt: Dass ich froh bin, dass er mich versteht und sich um mich kümmert. Soviel kann man machen, auch trotz Angststörung. Und seit es mir wieder besser geht, versuch ich, ihm Alles zurück zu geben, was er mir gegeben hat, wir unternehmen ganz viel miteinander und sind einfach wieder sorglos und zufrieden
Ich denke, es ist wichtig, als Partner Verständnis zu haben für diese Krankheit. Aber der Kranke darf sich nicht in eine passive Opferrolle fallen lassen oder sich hinter seiner Krankheit verstecken.
Und ich hab das Gefühl, dass es dir so vorkommt, als täte dein Mann genau das.
Kannst du vielleicht mal mit seiner Therapeutin reden?
Oder mit ihm ein offenes Gespräch führen?
Kannst du nicht einfach auch mal "Nein" sagen?
Wenn er sich dieses Recht heraus nimmt, musst du das auch dürfen.
Immer zurückstecken -das macht krank.
Auch, wenn man es für den Liebsten tut.

Alles Gute,
Pilongo

25.05.2009 20:08 • #4



Mira Weyer