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MissMuffet
Ein herzliches Hallo von einem bisher stillen Mitleser,

Ich wollte jetzt auch mal mein Problem hier schildern, auch wenn ich nicht genau
weiß, wo ich anfangen soll. Generell und in einem Satz ausgedrückt: Ich habe
Angst vor dem Leben. Meiner Zukunft. Und ein wenig vor mir selbst.
Vermutlich kommt das ganze durch meine klischeehaft schlechte Vergangenheit
(Mobbing, sexueller Missbrauch, falsche Freunde...) - ich glaube, dass ich das meiste
doch noch nicht so gut verarbeitet habe, wie ich manchmal denke und bin deswegen
oft verzweifelt.

Meine momentane Lebenssituation sieht wie folgt aus:
Ich lebe bei meiner Mutter und schaffe das auch kaum auf eigenen Füßen zu stehen,
sprich ich gehe nicht arbeiten und habe nur einen mittelmäßigen Schulabschluss.
Vergangenes Jahr wollte ich meine Schule weitermachen, aber wegen Panikattacken bin
ausgeschult worden (nach etlichen Gesprächen etc.) Nun stehe ich da und habe praktisch
nichts, natürlich habe ich mich um eine Ausbildung/FSJ beworben - aber bisher nur Absagen.
Geld habe ich also natürlich auch keins, meine Mutter hat selbst nicht besonders viel
und deswegen kann ich irgendwelche Aktivitäten eigentlich komplett vergessen (oder auch
so Sachen, wie Make-Up und Klamotten). Im Grunde für mich nicht schlimm, aber damals
war das eben einer der Mobbing-Gründe und umso mehr regt mich das jetzt auf, dass
ich die Situation gerade nicht ändern kann.

Ein weitere "Baustelle" in meinem Leben ist, dass ich keine Freunde oder Bekannte habe.
Wirklich niemanden. Ich verbringe den ganzen Tag vor dem Laptop und gehe auch nur
ab und an wenn es nötig ist nach draußen, beispielsweise mit dem Hund - wenn nicht
gerade viele Leute im Park sind, macht mir das auch richtig Spaß. Nur andererseits fehlen
mir natürlich schon Menschen an meiner Seite mit denen ich reden und lachen kann.
Das Problem an der Sache ist nur, dass ich nicht lange mit Menschen kann und sie nach einer gewissen
Zeit mit Absicht aus meinem Leben "entferne", aus vielerlei Gründen, die ich mir manchmal
selbst nicht erklären kann. Freunde sind gekommen und genauso sicher wieder gegangen und am
Ende stehe ich natürlich alleine da. Um es mal ganz krass auszudrücken, die meisten kotzen mich
nach einer Weile einfach an. Ich denke irgendwie mit der Zeit, dass sie mir was Böses wollen
und stoße sie dann aus Selbstschutz von mir weg, zumindest vermute ich das.
Je länger man sich kennt, umso näher steht man sich, aber ich halte das irgendwie nicht aus.
Ich glaube, dass ich irgendwo ein schlechter Mensch bin, ich kann mich kaum für andere freuen
oder sowas wie Mitleid empfinden, ich bin da eher knallhart. Wenn mir jemand auf die Nerven
geht mit seinen Problemen, dann sag ich es. Manchmal nervt es mich schon, wenn ich wegen
irgendwelchen belanglosen Dingen angeschrieben werde.

Nun frage ich mich, wie soll das weitergehen? Ich bin noch jung, aber was ist, wenn sich nie etwas
ändert? Was ist, wenn ich keinen Job finde? Was ist, wenn ich meinen Alltag später nicht
bewältigt bekomme? Oder was ist, wenn ich immer alleine sein werde?
Solche Fragen lösen in mir panische Angst aus, diese Ungewissheit, wie es weiter geht.

05.04.2015 00:17 • 05.04.2015 #1


7 Antworten ↓


Hotin
Hallo MissMuffet,

Deine geschilderte Lebenssituation finde ich auch nicht einfach.
Du schilderst sie jedoch ziemlich gut verständlich. Deshalb glaube ich
kannst Du da Verbesserungen erreichen.
Dies geht natürlich nicht auf die schnelle. Und Energie um was zu ändern brauchst Du auch.

Du solltest Dir Hilfe Durch einen Psychologen holen. Hast du da schon Kontakt?

Zitat:
Ein weitere "Baustelle" in meinem Leben ist, dass ich keine Freunde oder Bekannte habe.
Wirklich niemanden.

Zitat:
Je länger man sich kennt, umso näher steht man sich, aber ich halte das irgendwie nicht aus.


Erkennst Du da den Widerspruch? Kannst Du Dir vorstellen mit Menschen anders um zu gehen?

Zitat:
Ich glaube, dass ich irgendwo ein schlechter Mensch bin,


So etwas darfst Du nicht von Dir denken. Wie kommst du darauf?
Zitat:
Wenn mir jemand auf die Nerven geht mit seinen Problemen, dann sag ich es.


Wenn Du das ruhig und vernünftig sagst, ist das völlig in Ordnung.
Zitat:
Nun frage ich mich, wie soll das weitergehen? Ich bin noch jung, aber was ist, wenn sich nie etwas ändert?


Wenn sich nie etwas ändert wäre das doof. Ob sich was änderst hängt von Dir ab.
Was meinst Du könntest Du denn ändern? Oder wartest Du auf ein Wunder, das Du morgens
aufwachst und alle Probleme sind gelöst?

Viele Grüße

Hotin

05.04.2015 01:00 • #2



Ich sehe schwarz

x 3


MissMuffet
Nein, ich kann mir nicht vorstellen mit Menschen anders umzugehen -
beziehungsweise bleibt mir nach einer Zeit keine andere Wahl. Ihre Dummheit
und ihr Verhalten regt mich nach einer Zeit so dermaßen auf, dass ich vor Wut
fast platze - ich beginne dann ihr "dummes Verhalten" auf mich zu projizieren
und denke, dass sie sich nur so verhalten, weil sie MICH für dumm halten wollen,
beziehungsweise mich nicht ernst nehmen. Und dann hasse ich sie richtig.
Allerdings kann ich nicht sagen, ob das Hirngespinste sind oder ob das manchmal wirklich
der Fall ist.

Ich denke, dass ich ein schlechter Mensch bin, weil ich vollkommen nutzlos bin.
Eigentlich bräuchte meine Mutter meine Hilfe, jemanden, der sie unterstützt oder mit
dem sie mal reden kann, aber ich kann das nicht. Sie hat eine Menge durchgemacht
und ich kann nicht für sie da sein, weil ich so verkorkst bin. Manchmal fragt sie mich,
ob ich nicht Lust hätte mal mit ihr zusammen raus zu gehen, aber ich muss immer verneinen,
weil ich weiß, dass ich Panikattacken bekommen würde. Sie hat selbst eine Menge
durchgemacht und deswegen werde ich sie nicht mit meinen derzeitigen Sorgen belästigen,
denn allein schon wegen mir hatte sie damals genug. Ich bin den ganzen Tag so benommen,
dass ich mich kaum auf etwas konzentrieren kann.

Ob ich es nun ruhig und vernünftig sage spielt keine Rolle, die Leute sehen nur "Ey, die hat kein Bock
auf uns, also wars das." Was ja auch meistens wirklich der Fall ist - das ist einfach alles so confused.

05.04.2015 13:45 • #3


Da wirst du alleine nie mehr rauskommen. Vielleicht eine stationäre Therapie machen.

05.04.2015 13:58 • #4


Hotin
Hallo MissMuffet,

danke für Deine Antwort.

Leider hast Du nicht geschrieben, ob Du schon über
Deine Fragen mit einem Psychologen gesprochen hast.
Eine Therapie ist für Deine Sorgen sehr, sehr hilfreich und wichtig.

Zitat:
Ich bin den ganzen Tag so benommen,
dass ich mich kaum auf etwas konzentrieren kann.

Wenn das so stark ist, wird es aber Zeit, das du Dir schnell helfen lässt.
Falls Du noch nicht in psychologischer Behandlung bist, sprich bitte bald
mal mit Deinem Hausarzt über das, was Dich bedrückt.

Zitat:
Nein, ich kann mir nicht vorstellen mit Menschen anders umzugehen -
beziehungsweise bleibt mir nach einer Zeit keine andere Wahl. Ihre Dummheit
und ihr Verhalten regt mich nach einer Zeit so dermaßen auf, dass ich vor Wut fast platze


Auch ich bin manchmal verärgert, durch das, was mir andere sagen. Ein Grund sie auszuschimpfen
und zu verurteilen ist das aber nicht.
Wenn Du nicht mehr alles schwarz sehen willst, musst Du unbedingt etwas verändern.
Von allein geht so etwas nicht.
Warum meist Du, die anderen Menschen sind dumm. Meinst Du das so, weil sie etwas
anderes denken als Du es möchtest?

Zitat:
und denke, dass sie sich nur so verhalten, weil sie MICH für dumm halten wollen,
beziehungsweise mich nicht ernst nehmen. Und dann hasse ich sie richtig.
Allerdings kann ich nicht sagen, ob das Hirngespinste sind oder ob das manchmal wirklich der Fall ist.


Wenn Du das so denkst, dann finde unbedingt heraus, ob das wirklich der Fall ist.
Falls Du das nur denkst, tust Du den anderen ja unrecht.
Ist Dir das egal, ob Du andere zu recht oder zu unrecht beschuldigst?

Zitat:
Ich denke, dass ich ein schlechter Mensch bin, weil ich vollkommen nutzlos bin.


Bei dem, was Du sagst, kannst du gar keine schlechte Frau sein.
Glaube fest daran, das Du Deine Situation verbessern kannst. Kämpfe für Dein Glück.
Dafür sende ich Dir viel Kraft.

Viele Grüße

Hotin

05.04.2015 14:21 • x 1 #5


MissMuffet
Hallo Hotin,

Ich war früher mal in einer Therapie, wo ich eben versucht habe einiges aufzuarbeiten,
aber meiner Meinung nach war die Psychologin ziemlich inkompetent und hat mich behandelt,
wie ein kleines Kind. Nach einem Jahr habe ich das dann abgebrochen und mir auch niemanden
neues gesucht (zumal es mir eine Zeit lang sogar besser ging, "erst" seit anderthalb Jahren geht
es mir wieder schlechter).

Ich wollte schon seit Ewigkeiten einen Termin bei meinem Neurologen/Psychiater gemacht haben,
aber ich schiebe es vor mir her, weil ich mir nicht eingestehen will, dass ich Hilfe brauche.
Am liebsten würde ich das gern alles alleine schaffen, was dann wohl doch etwas unrealistisch ist.

Nein, das hat damit nichts zu tun. Ich mag es sogar, wenn Menschen eine andere Meinung haben und in
der Lage sind mit mir angemessen darüber zu diskutieren, aber die meisten sind das nicht.
Mich regt es auf, wie wenig Respekt und Toleranz viele besitzen oder wie sie miteinander umgehen.
Es wird gelogen, was das Zeug hält und alle heucheln sich etwas vor, das kann ich einfach nicht nachvollziehen.
Aber dann gibt es eben auch Kleinigkeiten, die mich aufregen, beispielsweise wenn ich etwas mehrmals
erklären muss und mich jemand nicht auf Anhieb versteht. Oder jemand erzählt immer wieder dieselbe
Geschichte (beispielsweise irgendein' Erlebnis), dann muss ich ihm direkt zu verstehen geben, dass das
niemanden interessiert und frage mich dann, wie er nicht von selbst drauf kommt, dass keiner zuhört.

Nein, das ist mir nicht egal. Es ist nicht in meinem Sinne jemanden zu Unrecht zu beschuldigen, obwohl
mich das traurig machen würde, sollte ich herausfinden, dass das einfach alles nur in meinem Kopf statt
findet und in real nicht der Fall ist. Das würde bedeuten, dass ich alles selbst ohne Grund kaputt mache.

Vielen Dank, deine Worte bauen mich etwas auf.

05.04.2015 19:44 • #6


Icefalki
MissMuffet, auf der einen seite hast du dir durch deine schlechten Erlebnisse eine Art Schutzwall gebaut, auf der anderen Seite würdest du ihn gerne einreißen.

Dazu kommt noch deine hilflosigkeit in der gesamten Situation dazu.

Da käme nur eine vernünftige therapie für dich in Frage. Gehe doch mal zum Arzt und bespreche das. Da gibt es doch auch bestimmt Kliniken, die da für dich in Frage kämen.

Erkundige dich doch mal.

05.04.2015 19:54 • x 1 #7


Hotin
Hallo MissMuffet,

das ist ja eine tolle Antwort von Dir.

Zitat:
Nein, das ist mir nicht egal. Es ist nicht in meinem Sinne jemanden zu Unrecht zu beschuldigen,
Das würde bedeuten, dass ich alles selbst ohne Grund kaputt mache.

Wenn Du eine solche Aussage machst, bist Du aber eine starke Frau.
Man, oh man.

Zitat:
weil ich mir nicht eingestehen will, dass ich Hilfe brauche.
Am liebsten würde ich das gern alles alleine schaffen, was dann wohl doch etwas unrealistisch ist.


Dann gib Dir doch mal einen Ruck. Jetzt hast Du doch genug gelitten, oder?
Auch wenn Du Hilfe bekommst. Das meiste musst Du allein schaffen.

Zitat:
Mich regt es auf, wie wenig Respekt und Toleranz viele besitzen oder wie sie miteinander umgehen.
Es wird gelogen, was das Zeug hält und alle heucheln sich etwas vor, das kann ich einfach nicht nachvollziehen.


Das regt mich genau so auf. Nur deswegen, weil andere Menschen wenig
Respekt zeigen, darfst Du Dich doch nicht schlecht fühlen. Im Gegenteil.
Wenn Du anderen mit Respekt begegnest, fühle Dich gut.
Aber bitte werde nicht übermütig – bitte schön ehrlich und bescheiden bleiben.

Und erzähle uns bald, welche Hilfe Du Dir geholt hast.

Viele Grüße

Hotin

05.04.2015 20:44 • #8




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