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201713.12




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Hallo Ihr,
ich versuche mich kurz zu fassen. Ich verbringe sehr viel Zeit mit Kopfhörern im Ohr (Musik, Hörspiele). Allerdings gilt das vor allem für meine Zeit in der Wohnung. Ich habe auch öfter Ohropax drin. Ganz ohne Geräusch-Teppich in der Wohnung, erzeugt massiven Stress und Unwohlsein. Ich halte auch wenig davon, mich dem länger ungeschützt auszusetzen. Ich möchte mich dem gern stellen, habe bisher aber keine Strategie, wie ich die Geräusche und die Stille aushalte. Es ist schwer zu erklären, wie sich das anfühlt, zum Einen scanne ich quasi meine Umgebung und wenn es Geräusche gibt (poltern, krachen, etc.), dann reagiere ich darauf, wie auf Trigger. Dass mein Verstand mir sagt, dass diese Geräusche keine Gefahr sind, hilft nicht mehr, da diese Verstands-Intervention zu spät kommt. Die körperliche Reaktion erfolgt oft sofort und bleibt (nicht Stunden, aber zumindest Minuten).

Ich weiß, dass das mit der Dauerbeschallung nicht die Dauer-Lösung sein kann, ich finde es aber auch nicht angebracht, mich mit etwas zu konfrontieren, was mir (wissentlich) schadet. Wenn es Geschrei ist, triggert das gefährlich und treibt die nervliche Belastung in gefährliche Höhen. Das geht so schnell (und wird als Bedrohungs-Situation eingestuft), dass ich gar nicht überprüfen kann, ob das nicht ein Lacher, oder nur eine laute Unterhaltung war. Es wird sofort ein Horror-Szenario entworfen, oder es fühlt sich so an, als würde es gleich eskalieren. Der Verstand dämpft das dann oft wieder und sorgt dann irgendwann wieder für Ausgleich. Wer den Schrecken kennt, den man ab und an bei guten Horrorfilmen empfindet (bis ins Mark) und man sich dann vorstellt, dass dieser länger bleibt und bei jedem Geräusch wieder reaktiviert werden kann, der hat eine ungefähre Vorstellung davon, wie sich das anfühlt. Das ist zumindest das Beispiel anhand dessen ich Menschen versucht(e) meine Ängste zu erklären (denen solche Ängste fremd sind).

Ich dusche mit Ohropax, ich koche mit Ohropax oder Kopfhörern drin, oder eben dem TV an, oder Radio an, oder Musikuntermalung. Oft reicht es aber nicht, den Fernseher, das Radio oder was auch immer zu benutzen, um die Stille zu vertreiben. Ich überlege mir genau, wann ich Serien und Filme am TV gucke, ob ich "ungeschützt" zum Kühlschrank gehe, oder aufs Klo. Wenn ich mich dabei beobachte, was ich da tue, dann sorgt das bei mir schnell für Kopfschütteln. Aber: ich habe keine andere Strategie. Das Dilemma: Ich mache es durch das Nicht-Konfrontieren sehr wahrscheinlich noch schlimmer.

Es kommt auch vor, dass mich Bässe oder irgendwas in der Musik erschreckt. Ich kann mir zudem nicht erklären, warum ich es als bedrohlich empfinde, wenn ich Kopfhörer trage und es rumpelt was von oben oder von sonstwo. Oft sind also die Kopfhörer auch kein Schutz, dann kann dann so eine leichte Panik auslösen (keine Panikattacke), weil irgendwie gefühlt gar nichts schützt. Die Thera meint auch, dass Kopfhörer eher kontraproduktiv sind. Ich lasse mich aber auch nicht verprügeln, wenn ich es verhindern kann. Diese psychische Dauerbelastung hat auch psychosomatische Auswirkungen, wie Verspannungen und Schmerzen (habe eh schon Gelenkprobleme). Schlafen geht nur noch mit Beschallung (da geht auch nur Musik über Kopfhörer).

Wichtige Erkenntnis: Ich habe draußen weniger Angst als in der Wohnung, es ist oft sogar eine Befreiung. Selbst, wenn ich in der Straßenbahn sitze oder durch die Innenstadt laufe, ist es besser (oft sogar viel besser). Draußen lege ich auch öfter die Kopfhörer ab, wenn allerdings das Umfeld laut und stressbringend zu werden droht, setze ich sie wieder auf. Kannte ich früher auch so nicht, dass ich mir vom Umfeld (in der Wohnung, draußen) diktieren lasse, wie ich fühle und wie sicher ich mich vor allem fühle. In der freien Natur, gehen die Ängste dann auf Urlaub, es sei denn, man quält mich damit, dass es später ja wieder SO sein wird. Das kann ich aber oft ziemlich gut regulieren, es hängt aber auch von meiner Laune ab und wie zum Bsp. die Nacht war.

Im Moment ist um mich rum noch Krach, wegen Renovierungs-Arbeiten und da haben dann die Katastrophengedanken wieder Auslauf und nerven mich (was zahm ausgedrückt ist) mit Szenarien, wie es werden könnte. Es ist ziemlich hellhörig hier, da ist auch egal, ob ich meine Wohnung vollstelle (was nach oben eh nichts bringt). Im Moment habe ich Termine bei Psychiater und Therapeutin und auch die sind oft mit ihrem Latein am Ende. Ich habe bisher niemanden getroffen, der so lebt.
Die Betonung liebt aber auf "bisher". Im Moment wohne ich allein, ich habe vorher in einer Chaos-WG gewohnt, wo auch massiv Ängste auftraten, aber irgendwie anders. Vor 2 Jahren war es auch umgekehrt: Da bin ich sehr ungern raus und drinnen war es auch nicht optimal, aber halt anders stressig. Ich kann nicht sagen, dass das besser war, es war halt anders. Ich hatte dann halt auch wen, mit dem ich mich austauschen konnte (Konflikte gab es natürlich auch).

Noch ein Rat der Thera war mehr Informationen einzuholen, wenn ich Geräusche höre. Ich verstehe, was es bringen soll, diese verhaltenstherapeutischen Varianten, taugen bei mir allerdings oft wenig, u.a. auch, weil sich die Situation immer wieder neu anfühlt. Ich bin einige Tage dauerhaft angespannt, lasse mich aber nicht in diese Emotion fallen und halte sie einfach nur aus, sondern versuche meine Laune zu verbessern. Ich finde es halt anstrengend, dass fast jeden Tag tun zu müssen, aber ein Rückfall in eine depressive Phase (die Depris haben viel Zeit in meinem Leben verdunkelt), versuche ich mit allen Mitteln zu verhindern. Ich lege mich auch nicht hin, wenn ich tagsüber erschöpft bin, es kann aber passieren, dass ich im Sessel einschlafe.
Ja, es schlaucht, so zu "leben".
Vor 10 Jahren waren meine Ängste noch anders aufgestellt, da ging es vor allem um Scham und sowas, da habe ich aber die Nachbarn überhaupt nicht wahrgenommen. Selbst Krach in der Wohnung (verursacht durch Mitbewohner) hat nicht solche Reaktionen ausgelöst. Vor 10 Jahren war ich auch noch fast jedes Wochenende feiern. Seit 2008/2009 modifizierten sich die Ängste. Ich glaube, dass es unter anderem daran liegt, dass ich was Traumatisches von einem sehr intensiven Klinikaufenthalt mit nach Hause genommen habe. Das ist aber nur eine Erklärung. Wenn ich darauf noch im Detail eingehe, zieht sich das hier noch seitenweise.
Ich mache erst mal Schluss, es ist ja schon wieder etwas länger geworden.

Gruß
S.

Auf das Thema antworten


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  10.01.2018 15:34  
Hallo ich weiss nicht wie das kommt, ich ertrage es nicht wenn es still in meiner Wohnung ist.
Aber wenn ich in einer anderen Wohnung zb meinen Freund oder meinen Eltern bin geniesse ich die stille und Ruhe wenn ich da alleine bin weil die gerade unterwegs sind oder so. Da stört mich das überhaupt nicht ich hab auch keine Angst das wir was passiert wie zb umkippen. Warum ist das nur so? :panik2:



1986
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  10.01.2018 21:45  
Vielleicht weil Du spürst das da Leben ist, das nur eben mal kurz woanders hin gegangen ist aber bald/gleich/später wieder kommen wird?

In Deiner Wohnung ( falls Du alleine wohnst) kann es Dir zu still vorkommen weil nicht gleich wieder wer kommt.
Einfach mal so reinvermutet

Danke1xDanke


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  11.01.2018 14:24  
mamamia75 hat geschrieben:
Vielleicht weil Du spürst das da Leben ist, das nur eben mal kurz woanders hin gegangen ist aber bald/gleich/später wieder kommen wird?

In Deiner Wohnung ( falls Du alleine wohnst) kann es Dir zu still vorkommen weil nicht gleich wieder wer kommt.
Einfach mal so reinvermutet


Ja ich denke das trifft es genau ! Wenn ich bei den anderen bin die irgendwann wiederkommen dann ist die stille sozusagen freiwillig ausgesucht. Dann kann ich es geniessen. Bei mir dagegen fühl ich mich der stille ausgeliefert. Dann fühl ich mich einsam und kann das gar nicht mehr geniessen sondern das gar nicht ertragen. Wer weiss wann jemand kommt und ob überhaupt jemand kommt. Nachtbarschaft ist bei uns gleich null. Radio anmachen oder so hilft mir gar nicht. Es geht wohl um mein "altes" Thema alleine sein .





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  14.01.2018 14:34  
Ich denke nicht, dass das mit der Einsamkeit bei mir passt. Ich beschäftige mich viel mit mir (manches mal, mag es zuviel sein), es schützt mich aber vor überfallartigen seelischen Extremen (ich habe jahrelang die Hölle der Depression durchlebt).
Würde ich diese finstere Einsamkeit empfinden, würde ich mir ärztliche Hilfe holen, da die wirklich bedrohlich für mich sein kann. Alleinsein kann ich gut aushalten, aber es gibt wie gesagt kein wirkliches Refugium für mich. Ich behaupte nicht, dass es keinerlei Auswirkungen auf meine Psyche hat, soviel Zeit alleine zu verbringen. Ich kann aber bei mir nicht feststellen, dass ich wunderlicher geworden wäre, oder so Einsiedlersymptome zeigen würde (setzt mir hier wen hin, ich werde ganz normal mit ihm oder ihr sprechen, so, als würde ich es täglich tun).

Diese Geräuschempflindlichkeit hatte ich auch in meiner letzten WG, da war es aber anders (selbst, wenn wer neben mir schläft, dann ist diese Geräuschempfindlichkeit da). Ich wiederhole mich wahrscheinlich: Ich habe bis zum Jahre 2008 ohne Ohropax oder Musik auf den Ohren geschlafen. Auf Geräusche von oben überhaupt nicht geachtet, usw. Ich habe meine Urängste und meine Unsicherheit immer in mir drin, da ist aber noch etwas "Neues" dabei. Ich bräuchte eine Safe Zone. Es gibt keinen Ort, an dem ich mich wirklich sicher fühle (es gibt aber viele Orte, an denen ich mich sicherer fühle, als hier in der Wohnung). Ich habe jetzt vermehrt den Raum mit Musik beschallt, aber er füllt sich nie wirklich (das kenne ich auch nicht).
In den letzten Tagen, habe ich vermehrt ohne Kopfhörer Musik gehört (absolute Stille geht überhaupt nicht). Ich bin ziemlich gerne allein, weil mich der Umgang mit Menschen ziemlich stresst, habe aber 2017 mehr als sonst Menschen nicht gemieden.

Bei mir geht es auch um aggressives Umfeld, oder ein womöglich aggressives Umfeld (und meine Unfähigkeit zu agieren, wenn etwas zu heftig wird). Diese Hilflosigkeit, kann ich im Moment nicht durchbrechen (als ich es tat, fühlte ich mich noch unsicherer, da ich fürchte, dass meine Reaktion wiederum Reaktionen auslöst). Das ist ein fataler Kreislauf: da am Ende immer bei rauskommt, dass ich mich bedrohter fühle. Mein Kopf verhindert meist das Schlimmste, kann aber leider nicht korrigierend eingreifen (der Verstand kann aber meist Schlimmeres verhindern).

Wie gesagt: Geräusche sind faktisch keine Bedrohung, sie bewirken aber Reaktionen, die man hat, wenn etwas einen wirklich bedroht. Ich habe mich auch auf eine innere Suche begeben, aber ich finde nichts in meiner Biographie, was mir da weiter hilft. Ich bin 2018 jeden Tag (außer Sonntags) draußen und einen Tag war ich sogar ziemlich angstfrei (bis ich aus dem Innern wieder daran erinnert wurde, dass ich doch Angst haben müsste). Ich merke beim Schreiben, dass es mir schwer fällt, diese Empfindungen zu beschreiben (ich werde mir bildliche Umschreibungen überlegen, die passen).

Was halt bezüglich Depression noch wichtig ist: Sie bot auch einen Schutzfilter, als ich vor Jahren aus der Depression erwachte, war es so, als würde ich die Welt viel intensiver wahrnehmen (und ab und an, war es zuviel). Etwas, was diese aktuellen Ängste dämpft, habe ich nicht. Alk. ist keine Option, Benzos nehme ich nicht (und allgemein bringen Medis, die Ängste dämpfen wenig, weil das ja keine Problemlösung bietet). Ich bin ungeschützt, also so fühle ich mich. Ich bin halt so klar, wie selten in meinem Leben, aber das bringt halt auch (die oben geschilderten) Nachteile mit sich.
Filter sind wichtig.

Gruß

S.

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