Pfeil rechts

Hallo zusammen!

Hab schon einige Beiträge sowie positive Antworten hier im Forum gelesen und will euch auch kurz mal mein "Problem" schildern.

In meiner Kindheit war ich eigentlich, soweit ich mich erinnern kann, recht selbstsicher. Leider hat sich das in meiner Jugendzeit bzw. Pubertät ziemlich verändert. Ich weiß nicht genau wie es dazu gekommen ist, dass mein Selbstwertgefühl dermaßen in den Keller gegangen ist, wahrscheinlich eine Kombination von vielen verschiedenen Faktoren. Mein größtes Anliegen war es eigentlich immer "cool" dazustehen, d.h. ich habe mich auch oft verstellt, da ich dachte ich selbst sei nicht cool. Dazu kam, dass ich recht von Akne geplagt war, was natürlich in dieser Hinsicht auch nicht sehr förderlich ist. Ich schämte mich für alles was ich tat. Dazu kamen sehr starken schwitzen unter den Achseln (aus welchem Gründen auch immer) und dass ich recht schnell "erötete". Somit war das Selbstwertgefühl natürlich erstmal im Keller. Im Zusammenhang damit wurden auch die Leistungen in der Schule schlechter, aber es reichte noch fürs Abitur

Als ich etwa 12 Jahre alt war erkrankte mein Vater an Schizophrenie , was natürlich anfangs eine recht große Belastung für meine Mutter war und auch später noch das ein oder andere, wenn auch kleinere, Problem nach sich zog. Ansonsten gab es vielleicht auch noch kleinere Probleme mit meiner Schwester. Das alles hat mich damals eigentlich nicht bewusst belastet, sodass ich eigentlich eine super Jugendzeit hatte.

Natürlich weiß ich, dass die Erkrankung meines Vaters eine gewisse erbliche Komponente hat, was mir seit einiger Zeit Angst und Kopfzerbrechen bereitet, ich könnte ich krank werden.

Vor kurzem war ich auch bei einem Facharzt für Psychatrie, der mir nach einer Untersuchung versicherte, er sehe bei mir kein Risiko, zumindest kein erhöhtes.

Was natürlich geblieben ist, ist die Angst. Die Angst davor krank zu werden und damit verbunden natürlich eine deutliche Zukunftsangst. Sie beeinträchtigt mich zwar nicht im alltäglichen leben und ich würde auch sagen dass ich glücklich bin.
Aber ich denke, dass diese Angst gerade auf meinem geringen Selbstwertgefühl einen guten Nährboden gefunden hat.
Seit kurzem bin ich dabei, mit dem Buch von Rolf Merkle, mein Selbstwertgefühl nach und nach zu verbessern, wobei ich hoffe, dass es blad Fortschritte gibt.

Mich nervt diese Zukunftsangst auch unglaublich, da ich bald mein Studium abschließen werde (bin übrigens 25) und natürlich auch hinsichtlich der Jobwahl sehr unsicher bin, obwohl ich -objektiv gesehen- über eine sehr gute Ausgangssituation verfüge und keinerlei Grund zur Angst haben müsste.

Ist jetzt sehr lang geworden, aber ich danke trotzdem schon mal jedem, der sichs durchliest und evtl. auch antwortet.

VG
Max

16.02.2011 22:27 • 19.02.2011 #1


17 Antworten ↓


Hallo,

Zukunftsangst habe ich ebenfalls sehr oft und kann gut nachvollziehen, dass einen das Vorkommen einer schweren, psychischen Erkrankung innerhalb der eigenen Familie verunsichert. Eigentlich hilft nur, sich klarzumachen, dass auch die Schizophrenie - um mal den schlimmstmöglichen Fall vorwegzunehmen - grds. behandelbar ist. Dass man am Ende des Studiums verstärkt Ängste spürt, die sowieso schon in einem vorhanden sind, auch wegen der Qual der (Job)wahl, na ja, zumindest das würde ich noch als im Bereich des Normalen ansehen.

Viele Grüße

pc

17.02.2011 20:14 • #2



Diese verdammte Angst

x 3


Hallo panicchief,

vielen Dank für deine Antwort!
Ja da hast du recht, ich versuche mir auch ständig klar zu machen, dass es im sehr unwahrscheinlichen Falle das Falles auch kein Todesurteil wäre.
Meine dahingehende Angst ist auch schon deutlich besser geworden, aber ist sehr oft noch ein bedrückendes Gefühl. Danach ärger ich mich immer darüber, dass ich überhaupt darüber nachdenke und mich auch entsprechend schlecht fühle.

Ich arbeite momenten sehr an mir und meinem Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen und bin bereit auch weiterhin hart daran zu arbeiten.
Ich will diese Angst definitiv aus meinem Leben raus haben und ich denke die Grundlage dafür ist eben ein gesundes Selbstwertgefühl.

Was denkst du bzw. was denkt ihr darüber?

17.02.2011 20:33 • #3


Genau das, was panicchief dir geschrieben hat, wollte ich auch gerade schreiben.

Eine gewisse Zukunftsangst für die Zeit nach dem Studium ist sicher, besonders heute, völlig normal.

Aber es ist schon wichtig, dass du dein "Selbstbewusstsein" möglichst gut und bald aufpäppelst. Wobei der erste Schritt dazu m.E. der sein könnte, dich zu fragen, was du überhaupt unter "Selbstbewusstsein" vestehst oder verstehen willst. Hat es etwas mit dem Auftreten zu tun? Was genau? Hat es etwas mit der Sprache zu tun? Mit Körpersprache? Mit Kleidung? Mit der Einstellung gegenüber anderen Menschen? (Was genau?) Usw.

Die Krankheit deines Vaters ist natürlich zumindest subjektiv eine weitere Verunsicherung für dich. Was mich aber wundert: Hast du damals wirklich nichts von der Krankheit deines Vaters mitbekommen? Schizophrenie äußert sich ja eigentlich im alltäglichen Verhalten, daran merkt man das ja eigentlich erst, meines Wissens. Davon hast du nichts mitbekommen? Oder hast du das vielleicht verdrängt?

Und was ist jetzt mit deinem Vater? Lebt er mit deiner Mutter zusammen? Lebst du mit ihnen zusammen? Wie ist sein Zustand?

17.02.2011 20:39 • #4


Hallo GastB!

Doch doch, mitbekommen sehr wohl! Nur sehr belastet hat es mich damals nicht!
Er war ja auch ne Zeit lang in Therapie deswegen. Was ich allerdings nicht wusste, war um welche Erkrankung es sich handelte.

Meinem Vater geht es hinsichtlich dieser Krankheit ganz gut, geht arbeiten und führt eigentlich ein normales Leben. Klar merkt man, dass er sich verändert hat, wobei ich eigentlich nicht genau sagen kann wie er vorher war. Auf jeden Fall weniger ängstlich und nicht so antriebslos etc. Ja er lebt noch mit meiner Mutter zusammen, die ihm in dieser Zeit immer unglaublich stark zur Seite gestanden hat. Ich wohne seit ein paar Jahren nicht mehr zu Hause, sondern zusammen mit meiner Freundin, wo ich mich auch sehr sehr wohl fühle.

Zum Thema Selbstwertgefühl:

Für mich geht es in ersten Linie darum, mich selbst zu mögen und mich selbst bedingunglos anzunehmen... ich denke in diesem Bereich habe ich die größten Probleme!
Daran arbeite ich wie gesagt momentan.

Hast du irgendwelche Tipps für mich oder woher kommt dein Interesse?

Auf jeden Fall schon mal vielen Dank an dich!

17.02.2011 20:51 • #5


Mein Interesse ...

Du scheinst mir da sogar viel weiter zu sein, zumindest nach Duktus und Inhalt deiner Texte.

Du möchstest also dich selber bedingungslos annehmen können. Kannst du dafür mal Beispiele bringen? Dann könnten wir konkreter darüber reden (schreiben )

17.02.2011 21:29 • #6


Ok... und jetzt is es besser?

hm.. ich versuchs mal zu erklären:

Ich denke mein zentrales Problem ist, dass ich mit mir selbst unzufrieden bin und mich ständig selbst kritisiere, mich schäme oder einfach Angst habe. Ich habe auch Probleme Kontakte mit fremden Personen aufzubauen, da mir einfach das Selbstvertrauen fehlt.

Das Buch von Dr. Rolf Merkle hat mir in Sachen Erkenntnis definitiv schon sehr weitergeholfen.
Ich arbeite momentan daran, mich selbst einfach so zu akzeptieren wie ich bin und mit mir selbst zufrieden zu sein, da es eigentlich keinen Grund gibt, dies nicht zu sein. Objektiv gesehen bin ich mit Sicherheit ein "guter" Mensch, doch das steht leider nicht im Einklang mit meiner inneren Einstellung mir selbst gegenüber.

Ich hoffe du verstehst jetzt in etwa was ich meine?!?

17.02.2011 21:44 • #7


Zitat:
Ok... und jetzt is es besser?
VIEL besser.

Zitat von MaxMustermann:
Ich hoffe du verstehst jetzt in etwa was ich meine?!?



Dafür ist es m.E. nötig, sich auf die Details einzulassen.
Zitat:
Objektiv gesehen bin ich mit Sicherheit ein "guter" Mensch, doch das steht leider nicht im Einklang mit meiner inneren Einstellung mir selbst gegenüber.
Wie ist die denn? Dass du ein schlechter Mensch bist? Und inwiefern schlecht?

17.02.2011 22:00 • #8


ok verstanden

nein, ich denke nicht, dass ich ein schlechter Mensch bin.
Konkret nervt mich z.B. folgendes:

- ich bin selten mit mir zufrieden, auch wenn ich Erfolge habe (Prüfungen, Vorstellungsgesrpäche etc.)
- ich komme mir in Gesellschaft anderer oft minderwertig vor, z.B. an der Uni denke ich dass mir die anderen eh überlegen sind oder intelligenter
- dementsprechend fällt es mir auch schwer mit anderen (fremden oder wenig bekannten) Personen ins Gespräch zu kommen
- ich bin immer recht nervös in neuen Situationen, denke ich müsste jedem alles recht machen und gefallen usw.

Die Liste liese sich noch erweitern

17.02.2011 22:10 • #9


hallo,
die ganz kurze Definition davon lautet: Angst auf den Hintern zu fallen, bei dem Versuch SICH SELBST zu überholen.

Viel Glück weiterhin und liebe Grüsse

17.02.2011 22:32 • #10


aha... ich werd drüber nachdenken, danke

17.02.2011 22:36 • #11


Hallo Herr Mustermann,
Zitat:
Objektiv gesehen bin ich mit Sicherheit ein "guter" Mensch, doch das steht leider nicht im Einklang mit meiner inneren Einstellung mir selbst gegenüber.
Das Gegenteil von "gut" ist ja "schlecht". Das heißt, du siehst dich objektiv als gut, aber gefühlsmäßig als schlecht. Aber als schlecht bezeichnest du dich ja nicht. Was meinst du dann mit "gut"?

Zitat von MaxMustermann:
Konkret nervt mich z.B. folgendes:

- ich bin selten mit mir zufrieden, auch wenn ich Erfolge habe (Prüfungen, Vorstellungsgesrpäche etc.)
- ich komme mir in Gesellschaft anderer oft minderwertig vor, z.B. an der Uni denke ich dass mir die anderen eh überlegen sind oder intelligenter
- dementsprechend fällt es mir auch schwer mit anderen (fremden oder wenig bekannten) Personen ins Gespräch zu kommen
- ich bin immer recht nervös in neuen Situationen, denke ich müsste jedem alles recht machen und gefallen usw.

Die Liste liese sich noch erweitern
Was meinst du denn, woher das kommt, dass du dich anderen so unterlegen fühlst?
Und kannst du dich daran erinnern, wann du dich das erste Mal so gefühlt hast?

18.02.2011 15:18 • #12


Mit "gut" meinte ich eher gut im Sinne von "nicht gut genug", deswegen die Anfürungszeichen! Als schlecht bezeichne ich mich eigentlich nicht, auch nicht mir selbst gegenüber.

Gute Frage, woher da kommt.
Ich denke hierfür gibt es eigentlich keinen speziellen Auslöser. Als Kind war ich immer sehr sehr ehrgeizig, ob bei schulischen Leistungen oder beim Sport. Ich wollte mich immer mit anderen messen und war es gewohnt dabei zu gewinnen.

In meiner Jugendzeit, als die schulischen Leistungen deutlich schlechter wurden und der Sport auch nicht mehr den großen Stellenwert hatte, verglich ich mich aber trotzdem ständig mit anderen und fühlte mich gewissermaßen unterlegen.

Letztendlich war es ja so, dass ich wusste, dass ichs drauf hatte, aber zum Beispiel zu "cool" war um für die Schule zu lernen und um im Sport mehr Ehrgeiz zu zeigen. Mit Sicherheit hatte ich auch Angst zu versagen.

Nach außen war mir alles schei., aber nach innen keineswegs, wenn du weißt was ich meine

Und ich denke, unter diesem Umständen kann man kein Selbstwertgefühl aufbauen, eher im Gegenteil. Man manövriert sich immer tiefer in diese Null-Bock-Einstellung hinein, ist antriebslos und entwickelt eine gewisse Angst, neue Sachen enzupacken.

Gott sei Dank hab ich mich im Studium dann am Riemen gerissen
Ich denke, mein Selbstwertgefühl ist seitdem auch gesteigen, allerdings ist es noch auf keinem sehr hohen Niveau.

18.02.2011 15:41 • #13


Oh. Auf mich wirken deine Aussagen sehr widersprüchlich und daher verwirrend.

Zitat:
Objektiv gesehen bin ich mit Sicherheit ein "guter" Mensch

Zitat von MaxMustermann:
Mit "gut" meinte ich eher gut im Sinne von "nicht gut genug", deswegen die Anfürungszeichen!



Zitat:
Als Kind war ich immer sehr sehr ehrgeizig, ob bei schulischen Leistungen oder beim Sport. Ich wollte mich immer mit anderen messen und war es gewohnt dabei zu gewinnen.
Es war dir also wichtig, besser als die anderen zu sein?

Zitat:
In meiner Jugendzeit, als die schulischen Leistungen deutlich schlechter wurden und der Sport auch nicht mehr den großen Stellenwert hatte, verglich ich mich aber trotzdem ständig mit anderen und fühlte mich gewissermaßen unterlegen.
Als du nicht mehr besser als die anderen warst, fühltest du dich unterlegen.

Demnach gibt es also für dich nur überlegen oder unterlegen ... ?
(Frag dich das bitte ehrlich, ohne eine "ideale" Antwort geben zu wollen.)

18.02.2011 16:34 • #14


Zitat:
Mit "gut" meinte ich eher gut im Sinne von "nicht gut genug", deswegen die Anfürungszeichen! Als schlecht bezeichne ich mich eigentlich nicht, auch nicht mir selbst gegenüber.


Ok, das ist auch etwas missverständlich formuliert
Ich meine natürlich schlecht im Sinne von "nicht gut genug".

Also: Ich fühle mich nicht gut genug oder minderwertig, obwohl ich es objektiv nicht bin.
Verwirrungen beseitigt?

Ja ich denke schon, dass es mir damals sehr wichtig war besser als die anderen bzw. der beste zu sein.
Und wie du sagst fühlte ich mich minderwertig als ich nicht mehr besser war!

Deine letzte Frage ist schwierig zu beantworten...
Einerseits ja, andererseits nein.

Ich denke aufgrund meines schlechten Selbstwertgefühls geht es mir schon öfter um "unterlegen oder überlegen" da ich ja eigentlich besser (in was auch immer) als andere sein will, da ich mich sonst minderwertig fühle. Ich habe auch oft Probleme damit, anderen (die z.B. etwas besser können als ich) Anerkennung entgegen zu bringen, obwohl das schon besser geworden ist

Auf der anderen Seite sage ich mir, es ist nicht wichtig ob ich besser oder schlechter als andere bin, weil es natürlich quatsch ist, den Wert eines Menschen durch seine Leistungen zu definieren. Ich würde auch nie jemanden angreifen oder ähnliches, nur weil etwas nicht gut oder schlechter als ich kann!

Meiner Meinung nach ist es momentan einfach so, dass mein Verstand zwar sagt, es ist blödsinn sich mit anderen zu vergleichen, aber mein "Bauchgefühl" es etwas anders sieht.
Das ist wahrscheinlich eine Art Definition von geringem Selbstwertgefühl

18.02.2011 17:51 • #15

Sponsor-Mitgliedschaft

Bisher hast du dein "Selbstwertgefühl" offenbar immer daraus bezogen, dass du besser als die anderen warst.

Kannst du glauben, dass es nicht nur "überlegen" und "unterlegen", sondern auch "anders, aber gleichwertig" gibt?

Du kannst kein haltbares Selbstwertgefühl erwerben, wenn du dabei darauf angewiesen bist, dass du irgendwie besser bist als andere. Das wäre reine Abhängigkeit, anstelle eines Ruhens in dir selbst.

18.02.2011 23:08 • #16


Zitat von GastB:
Kannst du glauben, dass es nicht nur "überlegen" und "unterlegen", sondern auch "anders, aber gleichwertig" gibt?

Dabei geht es nicht nur darum, dass du dem anderen gleichwertig bist,

sondern genauso auch, sich bewusst zu werden, dass der andere dir gleichwertig ist.

Ein "liebevoller Blick auf die anderen" (hörte ich gerade im Radio) ist nach meiner Erfahrung die wichtigste Voraussetzung dafür, sein eigenes Selbstbewusstsein zu fühlen.

Klingt paradox, ist aber wirklich so ...

19.02.2011 10:02 • #17


Guten Morgen

Ja das kann ich glauben. Mir ist bewusst, dass es nicht darum geht, ob jemand unterlegen oder überlegen ist. Ich glaube auch, dass es um anders, aber gleichwertig geht. Nur ist mein Innerstes noch nicht davon überzeugt.

Es ist auch nicht so, dass ich sage "oh, der ist dem und dem unterlegen/überlegen" sondern das geschieht nur in Bezug auf mich selbst, indem ich mich minderwertig ggü. anderen fühle.

Wie du so schön sagst, soll es nicht um Abhängigkeit gehen, sondern um das Ruhen in mir selbst. Und genau das ist das Ziel!

19.02.2011 11:01 • #18



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Mira Weyer