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Hallo,

nachdem ich mich in den Symptomen der Generalisierten Angststörung so sehr wiedergefunden habe, überprüfe ich mich natürlich derzeit auch auf den ganzen Rest... stelle (mal wieder) meine Gedankenwelt in Frage, beobachte mich selbst etc.

Es heißt ja, die GAS zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass man sich übermäßig sorgt. Ich habe die Angst nicht erst seit kurzem und schon einige Strategien entwickelt; die panischen "oh Gott, ich werde sterben" Gedanken oder die bodenlosen Horrorszenarien lasse ich schon gar nicht mehr zu. Trotzdem habe ich so den Verdacht, dass ich mir, wenn ich sonst nichts zu tun habe und zur Zeit leider auch wenn ich was zu tun hätte, meistens auf die eine oder andere Art Sorgen mache.

So zB heute morgen:
Ich wache auf; erstmal schläfrig, aber dann geht´s ziemlich bald los: was muss ich heute alles erledigen? (Was werde ich schon wieder alles verschusseln?)
Heute muss ich das und das machen... (hoffentlich kann ich mich heute konzentrieren, es ist schon so spät, ich krieg diese Seminararbeit nie fertig)
Hm, ich müsste mal das und das einkaufen... (wie viel Geld hab ich eigentlich noch? Jedenfalls weniger als noch da sein sollte)
Im Bad vorm Spiegel: hm, das sieht aber auch doof aus (nee, ich sag jetzt nicht was ^^) (na kein Wunder dass mich interessante Männer alle ignorieren)
Die Zeitungsüberschriften sind natürlich auch nicht gerade angetan, sich keine Sorgen zu machen.
usw und so fort...

Das in Klammern sind so Gedanken, die ich eigentlich gar nicht richtig zulasse, weil ich sie selber dumm und unproduktiv finde, die sich aber unweigerlich so als halbewusste Sorgen-Nebel-Fetzen dranhängen...

In so Sorgen-Spiralen gerate ich eigentlich immer vor allem dann, wenn ich mich nicht geistig anders beschäftigen kann. Also in der Dusche, beim Spazierengehen, in der Bahn, auf dem Weg nach Hause - vor allem, wenn ich dann auch noch müde bin.

Aber (um zu meiner eigentlichen Frage zu kommen): über was denken "normale" Menschen eigntlich nach, wenn sie nichts zu tun haben?! Also, das klingt jetzt vielleicht doof, aber ich weiss echt nicht, an was ich denken soll, was nicht potentiell ein Thema zum Sorgen ist...
Hochfliegende Zukunftspläne? Eigen-Lobeshymnen? Habt ihr irgendeine Ahnung?!

17.11.2008 14:08 • 06.05.2009 #1


5 Antworten ↓


Klaro, wie wärs mit:

- Pläne machen fürs Wochenende

- Sinnieren über einen Zeitungsartikel, Tv-Bericht o.ä., zum Beispiel sich fragen, wie jemand bloß so etwas Dreistes vorschlagen kann wie Politiker xyz....und ob er eigentlich alle Menschen für bescheuert hät...und ob nicht eigentlich auch wirklich viele ihm das abkaufen....und ob das nicht mal wieder ein schlechtes Licht auf unser Bildungssystem wirft usw. (lässt sich ewig fortsetzen)

- über Erlebnisse des vorigen Tages nachdenken

- sich über musizierende Nachbarn aufregen

- Überlegen, ob, wann und wohin man mit Freund/in einen Kaffee trinken möchte

- was schenke ich Oma zu Weihnachten?

- Soll ich meinen Fernseher verbannen?


Das sind so Sachen an die ich heute gedacht habe. Daneben kenne ich auch Selbstzweifel und Gegrübel, auch sicher mehr als andere, wegen des doch eher geringen Selbstwertes - aber das Gegrübel ist halt nicht generalisiert, also begleitet mich das auch nicht permanent.
Also, ganz ehrlich gesagt, meistens denk ich irgendeinen Pillepalle, Sorgen mach ich mir gelegentlich und wenn mir danach ist, wäge ich auch mal die tiefsinnigen Fragen unserer Existenz ab.

18.11.2008 16:57 • #2



Die Gedanken schweifen lassen und sich nicht sorgen?!

x 3


das kenn ich nur zu gut, man kann nicht abschalten und an was gutes denken, zu hause kommen dann immer die bösen hedanken weil man nicht abgelenkt ist

lg hartmut

18.11.2008 19:36 • #3


bin neu hier im Forum und vermute eine generalisierte Angststörung bei mir...Die Frage im Eingangsposting finde ich genial, weil sie eine Antwort auf genau das fordert, was ich auch wissen möchte: Über was denken eigentlich andere Menschen nach, wenn sie z.B. unter der Dusche stehen...
Bei mir dreht sich fast ständig alles um irgendwelche Sorgen, sobald ich nicht z.B. durch Computerspielen oder Artbeiten abgelenkt bin:
- wird die Finanzkrise unser Erspartes wertlos machen?
- brennt unser Ölofen auch richtig? können wir im Winter die Wohnung auch mal ein paar tage alleine lassen; was, wenn ausgerechnet dann der Ofen spinnen sollte?
- Was macht der Ölpreis? Werden wir für die nächste Heizölfüllung nächstes Jahr doppelt soviel zahlen müssen? Sollten wir evtl. ausziehen und uns ne Wohnung suchen, die bereits unabhängig von Öl und Gas ist?

Jetzt sind das ja Sorgen, die sich andere auch machen. Wenn sie aber jede ruhige Minute zerstören, leidet da auch meine Frau drunter. Wenn sie dann versucht, mir die Sorgen zu nehmen und mir sagt, wie sie das alles sieht, fühle ich mich manchmal nicht ernst genommen, weil ich mich frage, wie man manches Thema so locker sehen kann...

Werde mir jetzt das Buch von Dr. Doris Wolf bestellen und evtl. gleich ein Buch über die Entspannung nach Jacobson...Haben andere damit schon gute Erfahrungen? Kann man solch eine "Störung" tatsächlich alleine loswerden?

20.11.2008 15:57 • #4


Hi,
ich denke, dass man sowas alleine loswerden kann, wenn man ein geeignetes Umfeld hat. Mich würde es z.B. beruhigen wenn mir jemand mal seine Sicht der Dinge sagen könnte und die seien einfach viel unkomplizierter als meine.
Andererseits kenn ich es auch, dass ich mich nicht ernst genommen fühle.
Bei Menschen die mir sehr vertraut sind geht das ganz gut. Die können mich mit anderen Sichtweisen öfter wieder auf den Teppich bringen.

Ich persönlich meine, dass eine Therapie angesagt ist, auch um das Umfeld nicht zu sehr zu belasten.

25.11.2008 10:28 • #5


Hallo, ich lese schon seit einiger Zeit mit, nun will ich mich auch einmal äußern.
wahrscheinlich pflege ich eine GAS und diverse Phobien und Zwänge. Vor etwa einem halben Jahr habe ich mich entschlossen Hilfe zu suchen, nicht ganz freiwillig.....
Seit ca 15 Jahren wälze ich Gedanken, Ängste. Entwickle Vermeidungsstrategien und gehe meiner Umwelt und mir mächtig auf den Wecker.
Ich stehe erst am Anfang einer Behandlung, deshalb schreibe ich "wahrscheinlich GAS". Die Symptome passen und die Psychologin tendiert auch in diese Richtung.
Nun zum Eigentlichen, als Beginn der Therapie nehme ich seit 3 Monaten Paroxat 20mg und es wirkt. Besser als erwartet. Das Kopfkarussell ist zwar nicht zum Stillstand gekommen aber sehr verlangsamt und wesentlich weniger bedrohlich. Aber was macht das Gehirn mit dem "Leerlauf"....
Bei mir ist es so, dass ich das Gefühl habe überhaupt zu fühlen, das erste Mal seit Jahren kann ich genießen, ich bemerke Dinge die schon immer da waren, die ich nur nicht gesehen habe. Und ich habe auf einmal Zeit, einfach Zeit. Irgendwo zu stehen und zu beobachten, und ich kann mich später genau daran erinnern. Ich habe mir angewöhnt jeden Tag länger Strecken durch die Stadt zu gehen, was es da alles zu sehen gibt....
Unter der Dusche? Ich beobachte die Drehrichtung des Wassers im Abfluß, es ist phantastisch. Immer noch ein wenig Unheimlich. Vor allem in Situationen bei in denen sich früher die Drehzahl des Kopfkarussels erhöhte denke ich heute, ich muß mir eigentlich Sorgen machen.... aber dann weiß ich nicht so richtig warum, verwirrend aber sehr angenehm.
Natürlich sind durch die Medis die Gedanken nicht verschwunden, aber es ist einfacher sie beiseite zu schieben. ICH HABE ZUM ERSTEN MAL SEIT JAHREN DEN KOPF FREI.

06.05.2009 10:48 • #6




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Mira Weyer