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Wozlew
Hallo,

Vielleicht gibt es Betroffene, die das auch kennen.
Wenn es mal Tage gibt,oder Erlebnisse ( was nicht so oft vorkommt),die positiv oder schön waren,habe ich es oft das es mir dann abends nicht gut geht angstattacken kommen und ich fühle mich schlecht und selbst der Körper tut weh.
Es kommt mir dann so vor als ob ich bestraft werde, das es mir mal kurz gut geht.
Das ist so grauenvoll, darf man keine Freude mehr haben?.?

Liebe Grüße wozlew

28.09.2021 19:31 • 02.10.2021 x 4 #1


26 Antworten ↓


Mondkatze
Ich kenne dieses Phänomen auch.

Nur habe ich nicht gedacht, dass ich bestraft werden soll.
Wer sollte das denn auch sein, der uns "bestrafen" will?
Hast du eine Idee?

In Wirklichkeit ist es so, dass du deine Symptome nicht oder nur am Rande wahrnimmst, sobald du etwas hast, was deine volle Aufmerksamkeit erfordert.
Das ganze kann sogar so weit gehen, dass man körperliche Schmerzen nicht mehr so stark empfindet.
Habe ich selbst erlebt.

Wenn du wieder allein bist, oder das schöne Erlebnis ist vorbei, dann bist du wieder ganz bei dir, bei deinen Ängsten oder Symptomen. Du nimmst sie wieder viel stärker wahr, weil du dich wieder darauf konzentrierst. Das Schöne ist weg, jetzt geht wieder alles seinen "normalen" Gang.
Man erwartet sozusagen, dass nun doch wieder alle Symptome da sein müßten.

28.09.2021 20:35 • x 2 #2



Darf es mir nicht gut gehen?

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Myosotis
Kommt mir bekannt vor. Und immer wenn ich so etwas in der Art erlebe, frage ich mich, ob da so ein aus der Kindheit verinnerlichter Satz wirkt - eben "dass es einem nicht gutgehen darf" - der "nur" aufgelöst werden muss.

Aus meiner Kindheit und sogar bis ins Erwachsenenalter hinein, gibt es da genügend erinnerte Erlebnisse, die mir ganz klar bestätigen, dass dies die Grundhaltung meines Vaters gewesen ist. Immer, wenn ich mich mal über etwas gefreut hatte, habe ich "eine auf den Deckel bekommen", die Freude wurde mir ordentlich vermiest.

Gehe das Thema seit einiger Zeit so an, dass ich mir in den entsprechenden Situationen selbst Mut zuspreche statt mich darüber zu ärgern. Dass ich mir z.B. selbst sage, dass ich es verdient habe, dass es mir gut geht. Und ich versuche gedanklich diese Verbindung zu lösen, also in der Art, dass ich mir sage, dass das eine (das positive Erlebnis) mit dem anderen (das negative Erlebnis) nichts zu tun hat.

Ob´s funktioniert, wird sich mit der Zeit zeigen Zumindest belastet es mich nicht mehr so wie noch vor einiger Zeit, ist ja auch schon was wert!

28.09.2021 20:38 • x 5 #3


cube_melon
Zitat von Wozlew:
Das ist so grauenvoll, darf man keine Freude mehr haben?.?

Das Thema ist recht komplex und so etwas kann verschiedene Ursachen haben. Z.B. Von positivem Stress, über emotionales auslaufen, Reizüberflutung, selbst erhaltende Angstmechanismen, Introjekte usw..

28.09.2021 20:45 • x 3 #4


Icefalki
Zitat von Wozlew:
Es kommt mir dann so vor als ob ich bestraft werde,


Das ist das Wesen der Angst, dass man meint, ausgeliefert zu sein. Dass etwas von aussen den Zustand steuert. Man bestraft wird, von wem? Man keine Freude mehr empfinden darf, sagt wer?

Diese Meinung signalisiert nur: Ich hab nix mehr in der Hand, "es wird mit mir getan".

Kannst ja mal da bissle drüber nachdenken, wie man auf die Idee kommen könnte, dass einem nix vergönnt wird, man leiden muss, und vor was man überhaupt Angst hat. Solche Gedanken sind besser, als das rumgrübeln, dass eh alles nur Sch.eisse ist.

28.09.2021 20:57 • x 3 #5


Kenne das Phänomen auch. Ich weiß nicht wieso, aber vielleicht hängt es auch mit der Gehirnchemie zusammen, sprich, dass dein Gehirn einfach nichtmehr gewöhnt ist, längere Zeit glücklich zu sein und nach kurzer Zeit erschöpft und umso stärker in den traurigen Zustand zurück kippt. Kann auch Quatsch sein, aber so kommt es mir manchmal vor. Wie jemand der ewig kein Sport gemacht hat und dann heftigen Muskelkater bekommt

Es hat abet sicher auch eine psychologische Komponente: Man ist glücklich, hofft das alles besser wird, wodurch sich unterbewusst eine gewisse Erwartungshaltung entwickelt, die, sofern es droht wieder schlimmer zu kommen, ein erhöhtes Maß an Enttäuschung, Angst und Sorge mit sich bringt. Man befürchtet schon anhand vergangener Etlebnisse aus ähnlichen Situationen, dass das Glück nicht währt und wenn es dann so kommt, fühlt es sich schnell doppelt so aussichtslos an und zieht einen umso heftiger runter. Die Lösung ist wohl nicht an seinem Glück festzuhalten und es kommen und gehen zu lassen.

28.09.2021 23:54 • x 2 #6


Zitat von cube_melon:
Das Thema ist recht komplex und so etwas kann verschiedene Ursachen haben. Z.B. Von positivem Stress, über emotionales auslaufen, Reizüberflutung, ...


Klingt interessant. Kannst du das etwas ausführen?

29.09.2021 00:26 • x 1 #7


Wozlew
Guten morgen,
Da ich wieder mal ab 3.00 uhr wach war... habe ich natürlich über eure Beiträge nachgedacht.
Ich denke auch,das wenn man abgelenkt ist,beschäftigt man sich nicht mit sich selbst,wenn man dann wieder alleine ist,kriegt man wohl wieder die volle Ladung negativität und bei mir auch viele körperliche Beschwerden zurück.
Dann wird es für mich auch mit den Skills fast unmöglich zur Ruhe zu kommen.besonders Gedanken zur kontrollieren,deshalb das einschleichen des venlaflaxin.
Ich habe das Vertrauen in mich selbst verloren und selbstwertgefühl kenn ich nicht wirklich.
Der Preis von schönen Momenten, die wir ja alle brauchen,ist hoch
Da ich körperlich stark reagiere spricht meine Therapeutin oft von fehlgeleiteter Angst.
Gewisse Wurzeln und Einflüsse aus der Kindheit triggern mit Sicherheit noch dazu.

Liebe Grüße wozlew

29.09.2021 05:45 • x 1 #8


Icefalki
Zitat von Wozlew:
Ich habe das Vertrauen in mich selbst verloren und selbstwertgefühl kenn ich nicht wirklich.


Vielleicht anders: Unbewusst hatte man noch nie wirklich viel echtes Selbstvertrauen und natürlich auch kein belastbares Selbstwertgefühl. Und ich mach darunter den Strich und sage, kommt aus der Kindheit, der Erziehung und weil man es eben nicht besser wusste.

Wenn man hier gedanklich angelangt ist, etwas mehr Verständnis für sich und seine Situation aufbringen kann, Richtung: Aha, dieses Warum ergibt ja tatsächlich einen Sinn, dann könnte man doch man darüber nachdenken, wie man diese "falsche" Prägung verändern könnte.

Diese Prägung: Du bist falsch, du bist Schuld, du bist es nicht wert, du kannst das nicht. Diese Annahme, dass wir dem Leben gegenüber hilflos ausgeliefert wären?

29.09.2021 10:25 • x 1 #9


Zitat von Myosotis:
Kommt mir bekannt vor. Und immer wenn ich so etwas in der Art erlebe, frage ich mich, ob da so ein aus der Kindheit verinnerlichter Satz wirkt - eben "dass es einem nicht gutgehen darf" - der "nur" aufgelöst werden muss. Aus meiner Kindheit und sogar bis ins Erwachsenenalter hinein, gibt es da ...

So war es bei mir auch.

29.09.2021 10:35 • x 1 #10


-IchBins-
Ähnlich, ich wurde/werde heute noch manchmal bei schönen Momenten traurig, weil ich zu wenig davon hatte bzw. sie nicht wahrgenommen hatte in der Vergangenheit, da ich unbewusst und immer mit Anspannung und Angstgefühlen durchs Leben ging. Aber bestraft habe ich mich nie gefühlt.

29.09.2021 10:36 • x 2 #11


Wozlew
@Icefalki hast du eine Idee, wie man die Prägung aufweicht?

29.09.2021 15:16 • #12


Icefalki
Zitat von Wozlew:
@Icefalki hast du eine Idee, wie man die Prägung aufweicht?


Ist ganz einfach und ganz schwierig: Einfach: Kapieren, dass man in der Erziehung "klein" gehalten werden muss, sonst funktioniert das mit der Erziehung nämlich nicht. Ist also bissle dumm gelaufen.

Schwierig, weil man diesen Zustand so verinnerlicht hat. Weil man sich ein Gerüst drumrum gebaut hat, das jetzt eben eingestürzt ist, und die Sicherheit so fehlt. Deshalb auch die unlogische Angst.

Und so richtig Urvertrauen bekommen wir eh nimmer, muss man auch begreifen und hinnehmen.

29.09.2021 16:22 • x 3 #13


Spaceman
Zitat von MuMPiTz11:
Wie jemand der ewig kein Sport gemacht hat und dann heftigen Muskelkater bekommt

Zitat von -IchBins-:
Ähnlich, ich wurde/werde heute noch manchmal bei schönen Momenten traurig, weil ich zu wenig davon hatte bzw. sie nicht wahrgenommen hatte in der Vergangenheit, da ich unbewusst und immer mit Anspannung und Angstgefühlen durchs Leben ging. Aber bestraft habe ich mich nie gefühlt.


Genau so fühlt sich das für mich auch an. Gerade am Abend eines schönen, entspannten Tages, fühlt sich dann die "Rückkehr" in die gewohnte Angst, Einsamkeit, Depressionen, etc. besonders schlimm an. Einerseits weil mich der Tag emotional irgendwie erschöpft hat, andererseits weil ich mich nach mehr schönen Tagen sehne. Abgesehen vom Aushalten - ist morgen ja wieder besser - habe ich nie eine Lösung dafür gefunden.

29.09.2021 16:46 • x 3 #14


Myosotis
Zitat von Spaceman:
Aushalten - ist morgen ja wieder besser - habe ich nie eine Lösung dafür gefunden.

Für das, was du beschreibst, ist das bewusste Aushalten gewissermaßen die ZWISCHEN-Lösung. Sie führt irgendwann zum Annehmen dieser Situationen - oder kann zumindest dazu führen. So habe ich es erlebt. Und dann fühlt es sich leichter an.

29.09.2021 18:11 • x 2 #15


Zitat von Spaceman:
Genau so fühlt sich das für mich auch an. Gerade am Abend eines schönen, entspannten Tages, fühlt sich dann die "Rückkehr" in die ...


Ich versuche es nicht weiter ernst zu nehmen, lasse möglichst los davon, sage mir, dass es in Zukunft immer öfter schönere Tage geben wird und rufe mir in Erinnerung, was in letzter Zeit alles gut war, um das positive Gedächtnis zu stärken,weil die Wahrnehmung stark selektiv ist, um den Eindruck zu verhärten, dass die meiste Zeit gut ist und zukünftig leichter in positive Loops zu kommen, statt in negative. Ich führe auch ein positiv-Tagebuch. Versuch irgendwie aus dem "aushalten" rauszukommen, das verhärtet innerlich nur den Eindruck, dass es schwer ist.

Edit: Habe aber auch meine Tage wo ich im negativen Gefühlssumpf versinke und an allem Zweifel...

29.09.2021 18:26 • x 3 #16


Spaceman
Zitat von Wozlew:
hast du eine Idee, wie man die Prägung aufweicht?


Zusätzlich zu dem, was Icefalki schon richtiges gesagt hat:

Auch Eltern sind Menschen und machen respektive haben Fehler. Nicht alles, was sie uns beigebracht haben, war richtig, nicht jede Erziehungsmethode war zielführend und manches war schlicht Mist. Man kann mit der Zeit kritische Distanz dazu aufbauen, wenn man sich vor Augen führt, dass dieses oder jenes sich als falsch oder gar schädlich herausgestellt hat.

29.09.2021 18:33 • x 1 #17

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Wozlew
Ich denke es ist echt schwer ,so tief verankerte Muster zu durchbrechen. Tägliches arbeiten mit sich selbst.
Bei mir kommt leider dazu das ich so misstrauisch bin und alles hinterfrage.
Wenn mir mal jemand ein Kompliment macht,höre ich das,aber kann es nicht annehmen, der Kopf flüstert dann ..die meint das nicht ehrlich usw. Ich weiss, sehr schräg

30.09.2021 05:32 • x 1 #18


California1
Zitat von -IchBins-:
Ähnlich, ich wurde/werde heute noch manchmal bei schönen Momenten traurig, weil ich zu wenig davon hatte bzw. sie nicht wahrgenommen hatte in der Vergangenheit, da ich unbewusst und immer mit Anspannung und Angstgefühlen durchs Leben ging. Aber bestraft habe ich mich nie gefühlt.


Krass, das habe ich so noch nicht gesehen. Geht mir auch schon lange so mit der Traurigkeit in schönen Momenten. Es fühlt sich fast "bitter-süß" an als ob dann ein Ventil geöffnet wird.
Danke !

LG

30.09.2021 06:38 • x 2 #19


Wozlew
Zitat von California1:
Krass, das habe ich so noch nicht gesehen. Geht mir auch schon lange so mit der Traurigkeit in schönen Momenten. Es fühlt sich fast "bitter-süß" an als ob dann ein Ventil geöffnet wird. Danke ! LG

Ich empfinde das oft so als ob sich eine schwarze Wand hochschiebt und alles vernebelt

30.09.2021 07:55 • x 1 #20



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