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LenaPhobia
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Hallo ihr Lieben,

ich habe noch nie in ein Forum geschrieben, aber ich fühle mich mit meiner spezifischen Angstsymptomatik irgendwie so einsam.
Ich hab schon mein Leben lang eine Generalisierte Angststörung, dazu noch einige Costörungen. Aber derzeit ist es die Angst, bezogen auf die Arbeit, die mich fertigmacht. Ich hatte vor 4 Jahren eine Anstellung, bei der ich so eine heftige Panikattacke bekam, dass ich heulen musste (ich war erst 3 Wochen dort) und weil ich nicht vermeiden wollte, habe ich auch noch in dem Zustand einen Termin abgehalten. Dann war die Chefin auch noch so schrecklich, dass mir das immer wieder passiert ist. Ich hab nach 4 Monaten gekündigt und arbeite jetzt mit einem Stipendium an der Uni, wo ich weder Lehre machen muss noch gebunden bin. Ich bin zwar gern im Büro, könnte aber jederzeit gehen.
Meine größte Sorge ist, was ich machen soll, wenn das rum ist. Wie soll ich einen neuen Job finden, wenn ich sofort wieder weine und nicht aufhören kann (das geht dann über Stunden und selbst Tavor hilft manchmal nicht).

Gibt es hier jemanden, bei dem sich das auch so auf die Arbeit bezieht und mit Weinen zu tun hat? Das ist mir so peinlich und ich hasse mich so dafür. Dabei könnte ich egtl vieles gut, aber das zerstört mir mein ganzes Leben.
Viele Grüße an euch schon mal vorab Smile

10.11.2023 #1


33 Antworten ↓
Achtsamkeit

Achtsamkeit
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Liebe Lena

Ich möchte hiermit mein Versprechen einlösen und Dir auf Deine Ausführungen und Fragen eingehender antworten.

Zitat von LenaPhobia:
Am Ende wird es für mich etwas schwierig, genau zu verstehen, was du meinst, auch wenn mir Achtsamkeit ein Begriff ist.


Achtsamkeit bedeutet nicht nur, dass wir gegenüber anderen achtsam sind sondern auch uns selbst gegenüber.
Konkret: Darauf achten was in uns in ganz konkreten Situationen vorgeht, welche Gefühle in uns aufsteigen.

Unser Gehirn ist so konstruiert, dass es aus erlebten/vergangenen Erfahrungen Muster bildet, die durch bestimmte Schlüssel-Reize unserer Sinneswahrnehmungen dann immer wieder getriggert werden und uns automatisch, so wie wir es einmal gelernt und verinnerlicht haben, reagieren lassen. Werden zu zu sog. Automatismen, die sich unserer bewussten Wahrnehmung entziehen, so wie das Kuppeln und Schalten im Automobil, wenn wir das Aufheulen des Motors hören wenn wir in einem zu kleinen Gang fahren der beim Beschleunigen wir einen Gang höher schalten. Müssten wir ständig erst unser Bewusstsein einschalten bei allem was wir tun, wir würden nichts gebacken kriegen oder irgendwann wahnsinnig werden ob der Menge an Überlegungen die wir ständig anstellen müssten. So gesehen ist das ein Riesen Vorteil fürs Überleben gewesen wenn wir an die gnadenlose Urzeit denken, in der der Mensch als Mängelwesen noch mehr Beute als Jäger war.

Gleichzeitig sortiert, unterscheidet und selektiert das Gehirn unbedeutende und bedeutende Signale aus der Umwelt. Das was in unserem Bewusstsein ankommt (50 KByte/Sek) ist nur ein verschwindender Bruchteil dessen was an Sinneswahrnehmung jede Sekunde (100 MByte/Sek) auf unser Gehirn einströmt.

Diese Automatismen haben etwas von Instinkten, die auch die Kreatur zu einem bestimmten Handeln veranlasst, oder besser, eben ohne ein Bewusstsein, über welches wir Menschen verfügen, dazu zwingt, wenn bestimmte Reize auf dessen Wahrnehmung einfliessen. Wie zum Beispiel der unmittelbar einsetzende Jagdinstinkt wenn Beute sichtbar/gewittert wird oder der Fluchtinstinkt bei allem was ihm unbekannt und/oder grösser, schlichtweg bedrohlich ist, erscheint oder nur sein könnte.

Wir können uns meist, bei den alltäglichen Dingen auf diese angeeigneten Muster/Automatismen verlassen, wenn die äusseren Bedingungen und Umstände auch stets dieselben sind. Wenn wir z.B. mit dem Auto immer auf der gleichen Strecke zur Arbeit fahren steht uns dann sogar Zeit und Muße zur Verfügung über völlig andere Dinge nachzudenken oder uns mit den Beifahrern zu unterhalten, während unser innerer Autopilot das Auto trotzdem sicher von A nach B lenkt.

Schwierig wird es erst dann, wenn die Strasse plötzlich, z.B. durch einen Unfall, gesperrt ist und wir unvermittelt einen neuen uns u.U. sogar völlig unbekannten Weg machen müssen, um pünktlich an die Arbeit zu kommen. Dann reichen die vorhandenen Muster im Kopf ggf. nicht mehr aus, um die Situation zu bewältigen. Es entsteht plötzlich unangenehme Unsicherheit wie diese Situation denn nun möglichst in Sicherheit verwandelt werden könnte.
Ohne unser Bewusstsein dazu zu schalten, nachzudenken und dann am Ende eine wohlüberlebte Entscheidung zu treffen, wird uns das nicht gelingen.
Ohne in neuen Situationen uns von den Automatismen in unserm Kopf zu lösen und unser Bewusstsein und den Verstand einzuschalten, drohen wir in ein Loch gar der Angst anheim zu fallen, sind und bleiben wir in der Situation gefangen, wenn wir uns von der Situation sozusagen paralysieren lassen. Fallen in eine gedankliche Schockstarre.

Fragen wir dann nur nach aussen gerichtet, gar die himmlischen Kräfte, die Götter bemühend: "O mein Gott! Was soll ich nur tun?", dann werden wir wohl lange auf eine Antwort warten müssen, wenn wir auf diesem Weg denn überhaupt jemals eine bekommen.

Frage wir uns hingegen nach innen gerichtet: "Hm, was könnte ich tun? Welche Alternativen gibt es?"
Dann erscheinen uns meist viele Dinge vor dem geistigen Auge. Im Falle des Unfallstaus z.B.:

1. Den Chef oder die Kollegen anrufen, dass ich im Stau eines Unfalls stecke und weder vor noch zurück kann. Dann weiss im Betrieb wenigstens jemand Bescheid und wird so unnötiger Ärger und überflüssige Diskussionen vermieden.
2. Den Kunden anrufen, dass man den vereinbarten Termin leider nicht halten kann und es später wird.
3. Einen Polizisten an der Unfallstelle fragen ob es eine alternative Route/Umleitung gibt.
4. Das Navi im Handy einschalten das mit den aktuellen Verkehrsmeldungen u.U. weitaus aktueller ist als das Navi an Bord und mir bereits eine Umfahrung empfiehlt.
5. ........usw. usf.

Gerade dann, wenn wir fühlen völlig überwältigt, vereinnahmt, gar paralysiert zu werden, ist es wichtig dieses Gefühl zuzulassen und wahrzunehmen. Erst einmal tief durchatmen und sich die Zeit zu nehmen, die Stille zu ertragen, sich selbst in diesem Moment zu fragen:

"Was passiert hier gerade wirklich?" (Die Sache/Sachlage in den Vordergrund stellen.)

"Was macht das gerade mit mir?" (Warum triggert das (immer wieder) meine (schlechten) Gefühle, erschüttert mich das bis ins Mark?)

"Bin ich als Person tatsächlich betroffen und, wenn ja, wie und warum?" (Nehme ich das jetzt (zu) persönlich?)

"Ist es jetzt wirklich sinnvoll mich jetzt voll und ganz meinen Gefühlen hinzugeben, mich sprichwörtlich gehen zu lassen?"

"Oder wäre es besser mir meine (schlechten) Gefühle zwar zuzugestehen, sie als Warnung wie Wegweiser der immer gleichen Sackgasse wahrzunehmen und zu verstehen, aber dann daraus eine von meinem bewussten Verstand geleitete, angemessene Reaktion zu entwickeln, sprich die Macht über mich selbst wieder zurückzugewinnen?"

Diese Fragen kommen dem Grundsatz gleich den Viktor Frankl einmal so ausdrückte:

"Man muss sich auch von sich selbst nicht (immer) alles gefallen lassen!"

Es gibt zwei Ängste die als die Ur-Ängste des Menschen bezeichnet werden könnten, wo alle übrigen ihren Ursprung haben/nehmen:

1. Die Angst vor dem Tod.
2. Die Angst vor dem Verlassen-Sein, der Ablehnung.

Ausser uns Menschen weiss kein Wesen auf Erden, das es irgendwann sterben muss. Alleine schon die Tatsache, dass wir irgendwann alle dem Unausweichlichen gegenüber stehen, treibt manche Menschen in den Wahn.
In diesem Wahn vergessen sie oft vollständig überhaupt zu leben und meiden jede Regung und Zuwendung zum Leben in ständiger Angst sterben zu müssen. Doch sei genau hier die Frage erlaubt, was für ein Leben sie dann überhaupt verlieren wenn sie nicht dazu imstande sind, ja es noch nicht mal erleben wollen oder besser können?

"Das Leben ist lebensgefährlich und endet tödlich" meinte einmal vor ein paar Jahren ein Psychologe in einem Interview.
Und so recht er damit hatte ist es ebenso wichtig das/sein Leben auch zu leben, denn man hat nunmal nur eines, das mit jedem Jahr, jedem Tag, jeder Stunde und jeder Sekunde unaufhaltsam dem Unabwendbaren entgegen geht.
Somit, dem schönen Ausdruck von George Carlin, folgend es also wesentlich mehr Glück auf dem Lebensweg zu erleben geben dürfte wenn man sich die Frage stellt:

"Wäre es nicht besser anstatt dem Leben immer mehr Jahre, den Jahren mehr Leben hinzuzufügen?"

Fast ebenso schlimm trifft uns die Angst vor dem Verlassen-Sein, der Ablehnung. Sie ist in der Vorhalle der Angst vor dem Tod anzutreffen. Denn Ablehnung zu erfahren, ausgestossen und verlassen werden, das ist in uns allen, als durch und durch soziale Wesen, angelegt, bedeutete in rauher Vorzeit den sicheren Tod.

Ich möchte nicht allzu sehr spekulieren, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Du, auch wenn es Dir vielleicht nicht mehr bewusst ist, Du dich nicht mehr daran erinnern kannst, dass Du dich einmal zutiefst allein, verlassen, hilflos und ohnmächtig dem Schicksal ausgeliefert gefühlt hast. Das könnte sogar noch vor Deiner Bewusstwerdung geschehen sein. Ein sog. Schlüsselerlebnis hattest, das sich tief in Deiner Psyche verankert hat und noch immer unbewusst präsent ist.

Das Kind das sich damals von allen verlassen, sich völlig allein, hilflos mit seiner Trauer oder Verzweiflung allein und im Stich gelassen fühlte, drängt nun in genau den Situationen wieder ans Tageslicht die Du beschrieben hast.
Werden die Muster von damals wieder getriggert, was u.U. zu denselben Gefühlsausbrüchen/Emotionen führt wie damals als Du keine anderen Möglichkeiten hattest all das zu kanalisieren bzw. zu kompensieren.

Erinnert mich Dein "Symptom" an ein Kleinkind dem sich meine liebe Frau und meine Wenigkeit neulich auf dem Jahrmarkt annahmen. Das mutterseelenallein auf dem Bürgersteig stand, nach seiner Mama schrie so laut es nur konnte, dabei Rotz und Wasser geheult, ja kaum mehr Luft dadurch geholt bzw. bekommen hat. So etwas, solch ein traumatisches Erlebnis kann tiefe Spuren in der kindlichen Seele hinterlassen, die es zwar irgendwann vergessen und verdrängt hat, doch nichtsdestotrotz lange nachhallen können ohne dass ihm das selbst jemals erklärlich ist.....

Zitat von LenaPhobia:
Kann ich es so verstehen wie in einer Exposition, dass man die Gefühle nicht wegdrücken und sich ablenken soll, sondern sie sich in jeder (bedrohlichen) Minute bewusst machen soll und sich dann vielleicht auf Dauer der Schrecken verliert?


Es ist, weil weder Du noch ich jemals wissen können was genau der Auslöser all dessen ist, daher absolut SINN-los weiter im Nichts zu bohren oder darüber zu spekulieren oder gar sich in Schuldzuweisungen zu verlieren, was das genau, was der Auslöser war.

Ebenso sinnlos wie darüber zu spekulieren und sich daran festzubeissen warum und wer den blöden Nagel auf die Strasse geworfen oder verloren hat, der gerade meinen Reifen inkl. Felge ruiniert und meine Fahrt abrupt und unerwünscht unterbrochen hat.

"mist happens!" ;-)

Fakt ist: Dass Du heute eine ausgewachsene Frau bist. Mit Fähigkeiten und Fertigkeiten die das des damals verletzten Inneren Kindes bei weitem überragen!
Eine intelligente Frau mit akademischer Bildung die auf dem Weg ist ihren Doktortitel zu bekommen.

Bedeutet im Klartext, dass Du mit kognitiven Fähigkeiten, einem Verstand ausgestattet bist die/der es Dir (eigentlich) leicht machen sollte/n zu erkennen, dass es, wie Du es selbst ja schön beschreibst, eigentlich keine konkrete Bedrohung (mehr) gibt.
Dass Du (ich denke mir) wertvolle Freunde und Studien-Kollegen hast, die Du jederzeit kontaktieren kannst wenn es Dir schlecht geht und/oder ihren Rat benötigst oder Dir wünschst.

Wie beim Gitarre spielen oder jegliche sonstige Fertigkeiten die man sich aneignen möchte, muss man sich der Lern-Situation aussetzen. Und zwar bewusst. Wer auch immer z.B. ein Instrument spielen lernen, es gar zur Virtuosität im Spiel und Umgang mit Noten wie Instrument bringen will, wird niemals darum herum kommen tagtäglich zu üben.

Bei Dir sind es die Gefühle die in Dir aufsteigen mit denen Du (noch) nicht umzugehen weisst wie eben ein Virtuose dieses Fachs.

Daher hast Du, um zum Schluss meiner Ausführungen zu kommen, Dir die Antwort oben ja selbst schon gegeben.
Das zeigt und bestätigt mir wie klug Du doch bist.
Indem Du Dich diesen Situationen aussetzt, lernst Du Deine Gefühle in jeder dieser Situationen immer besser wahrzunehmen.
Kannst sie hoch lassen, sie Dir bewusst machen.
Musst, ja kannst Dich auf diesem Weg Deinen Gefühlen gar nicht ausliefern wie bisher.

Behältst und beherrschst so stets Deine Eigen-Macht. zwinkern

Je mehr Du dich darin übst, mit u.a. der oben angebotenen Selbst-Befragung, desto schneller wird sich der Schrecken in diesen Situationen verlieren.
Denn Du kannst fortan mit Verstand aufgrund Deines Bewusstseins auf Deine Gefühle antworten und bewusste Entscheidungen treffen.
Versöhne Dich mit Deinem verletzten Inneren Kind, indem Du ihm mitteilst:

"Du bist nicht mehr allein! Ich bin immer für Dich da!"

"Und wenn Du mal wieder weinen möchtest, dann nimm ich Dir das nicht übel.
Lass es einfach raus und heul solange und soviel Du nur kannst damit die Tränen zu einer wahren Überschwemmung führen und mit ihr all der Müll der Vergangenheit ein für allemal in den Abfluss des Verzeihens gespült wird!"

In diesem Sinne ganz liebe Grüsse sendet, Inspiration und inneren Frieden wünscht Dir von Herzen 💝
Achtsamkeit

10.11.2023 16:54 • x 2 #34


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A


Angst und Weinen bei der Arbeit

x 3


kleiner

kleiner
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Hallo.

Ich kann dich gut verstehen...da was du beschrieben ist weil das weinen in der Arbeit dir schon passiert ist und somit ist es in deinem Kopf gespeichert, oder? Die Verknüpfung ist da im Kopf und holt sich das leider immer wieder her....man muss nur dran denken und schon ist es da .
Es ist eine Erwartungsangst oder?

Ich kenn das auch. Ich lebe in der Zukunft und Vergangenheit und male mir Sachen aus die schon mal passiert sind und dann kommen sie erst recht.

Kenne sowas vom Supermarkt... hatte da früher Panikattacken. Schon wenn ich daran dachte , war das in meinem Hirn mit Panik verbunden. Die Gedanken sind nicht immer die Realität. Einmal habe ich "vergessen" dran zu denken und nach dem Supermarkt dachte ich mir...wo war jetzt die Panik? Umso öfter ich ohne Panik im Supermarkt war, irgendwie hat das Gehirn nun keinen Zusammenhang mehr.

Ich habe mit der Arbeit auch Probleme...ich hatte schon 2x ein Burnout und brach mehr oder weniger auf der Arbeit zusammen( Stress und noch körperliche Probleme)... seitdem fühle ich mich hier immer unsicher.
Und habe Ängste entwickelt und beobachte mich häufig unter Druck...
Wenn ich Herzrasen und schwitzen habe, bekomme ich gleich Panik und verfalle noch mehr in Angst und daraus entsteht dann ne Panikattacke. Dabei muss das nicht immer psychisch sein. Mir reicht schon der Kreislauf und ich denke gleich an Panikattacken.
Man verbindet es einfach damit.

Die Gedanken haben so viel Kraft.
Echt anstrengend.
Hilft dir jetzt nicht weiter aber ich drück dich.

LG

05.11.2023 18:11 • x 2 #13


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Hotin
Hallo Lena,

hier im Forum begrüße ich Dich.
Habe ich das richtig verstanden, dass Deine Ängste nichts mit Deiner Arbeit zu tun hatten?
Falls nicht, ist es sicher hilfreich, wenn Du mit uns ins Gespräch kommst, wo nach Deinem Wissen
der größte Teil Deiner Ängste herkommt.
Warst Du schon mal in einer Therapie? Und wenn ja, gab es durch die Therapie neue Erkenntnisse
und bleibende Verbesserungen?
Bitte erzähle uns doch mal ein bisschen mehr über Dich und Dein Leben.

Viele Grüße

Bernhard

x 1 #2


L
Hallo Bernhard,
ich bin seit ca. 15 Jahren in Therapie. Vieles hat sich auch stark verbessert. Das mit der Arbeit hat eher nichts mit den Aufgaben zu tun, also dass ich Angst habe, überfordert zu sein, sondern mit "neuen Orten" und dem Gefühl, dass ich nicht wegkann, wenn ich muss (also aus Panik). Das habe ich bei Vielem, Reisen sind z.b. nur kaum drin, aber da stört es mich nicht so sehr, da es nicht Existentielles ist. Ganz schlimm habe ich dieses "Fluchtgefühl" auch in Krankenhäusern oder anfangs bei Klinikaufenthalten. Es hängt irgendwie damit zusammen, dass ich keine Kontrolle habe, sondern gezwungen bin, "da" zu sein. Dabei komme ich mit Menschen eigentlich immer gut klar. Nach dieser damaligen Erfahrung hat es sich jetzt nur noch so eingebürgert, dass ich bei Panik direkt anfange zu weinen und das somit gar nicht verbergen kann, was dann natürlich mit erheblicher sozialer Scham einhergeht. Ich weiß einfach nicht, wie ich das wieder in den Griff kriegen soll und es frustriert mich so sehr, da ich ansich unheimlich gerne arbeite und auch gerne im Team. Aber ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass es bei Antritt einer neuen Stelle sofort zur Panik und Weinen kommen wird und ich werd diese Vorstellung nicht mehr los. Früher habe ich wenigstens gedacht, es kann passieren, der Anfang wird schwer, jetzt bin ich der festen Überzeugung, dass es direkt am Anfang passiert... Ich nehme Venlafaxin und Quetiapin ein und bei Bedarf Tavor, aber bei diesen schlimmen Panikattacken helfen die Medikamente auch nicht (außer Tavor), auch wenn ich ohne noch anfälliger wäre...

x 2 #3


Hotin
Vielen Dank für Deine Antwort.
Ist es richtig, dass Dich ein extrem schlimmes Trauma, also eine heftige seelische Last belastet?

Zitat von LenaPhobia:
sondern mit "neuen Orten" und dem Gefühl, dass ich nicht wegkann, wenn ich muss (also aus Panik).

Wie alt warst Du da?
Kannst Du darüber reden oder geht das nicht?

#4


L
@Hotin Welche Situation meinst du mit "wie alt ich da war"? Ich kann gut über alles reden und ich würde auch nicht sagen, dass ich diesbezüglich ein schlimmes Trauma hatte. Ich habe die Angststörung seit ich denken kann und Panikattacken schon im Kindergarten, aber eine gute Familie usw. Damals hat man das nur nicht als Störung gesehen, wobei ich auch nicht wüsste, was man hätte anders machen können. Wenn ich die EIngewöhnungsphase mit den extremen Angstattacken "überlebt" habe, dann kann ich mich auch gewöhnen und hatte meist tolle Arbeitsstellen. Aber die waren alle sehr frei, sodass ich am 1. Tag z.B. 2 Stunden arbeiten konnte und dann immer steigern. Ich weiß nicht, wie das im "richtigen" Arbeitsleben gehen soll.

#5


Hotin
Dann habe ich falsch gelegen. Ich hätte jetzt gedacht, dass es ein bestimmtes Erlebnis war, was in
Dir die Angststörung ausgelöst hat.

Zitat von LenaPhobia:
Ganz schlimm habe ich dieses "Fluchtgefühl" auch in Krankenhäusern oder anfangs bei Klinikaufenthalten. Es hängt irgendwie damit zusammen, dass ich keine Kontrolle habe, sondern gezwungen bin, "da" zu sein.

Das beschreibst Du hier doch ganz klar und deutlich.
Hast Du in Deinen Therapien dazu mal etwas herausgefunden? Warum hast Du Angst, wenn Du
irgendwo nicht wegkannst? Warst Du als Kleinkind oder Baby mal in einem Krankenhaus?
oder sonst irgendwo?
Getrennt von der Mutter oder den Eltern?
Zitat von LenaPhobia:
Wenn ich die EIngewöhnungsphase mit den extremen Angstattacken "überlebt" habe, dann kann ich mich auch gewöhnen und hatte meist tolle Arbeitsstellen.

Trotzdem nimmst Du dann aber Medikamente zur Beruhigung?

Lebst Du allein oder in einer Partnerschaft?

x 1 #6


L
@Hotin Das konnte bei mir nie festgestellt werden, woher das kommt. Es war einfach schon immer da, d.h. ich kenne es nicht ohne bzw. das Gefühl, entspannt zu sein und nicht darüber nachzudenken, wie ich mich gerade fühle. Ich erinnere mich auch, dass ich diese schlimmen Panikattacken schon auf der Klassenfahrt in der Grundschule hatte und sowas. So richtig getrennt im frühkindlichen Alter war ich nicht, außer halt, dass ich in den Kindergarten musste 🙄 Das, was du zitiert hast, war schon immer so, also die Angst in Krankenhäusern u.a. Der gemeinsame Nenner ist immer, dass ich entweder durch Krankheit oder durch soziale Verpflichtung genötigt bin, irgendwo zu sein und das löst Angst aus. Gleiches gilt aber auch, wenn ich zuhause bin und zb so krank, dass ich nicht mehr alles unter Kontrolle habe. Tavor nehme ich bei Bedarf.
Mittlerwiele seit 5 Jahren in Partnerschaft und wir leben auch zusammen, davor hatte ich auch riesen Schiss, aber das klappt zum Glück ganz toll.

#7


Hotin
Schön, wenn Du in einer Partnerschaft lebst. Bestimmt ist dadurch vieles leichter für Dich.

Zitat von LenaPhobia:
Es hängt irgendwie damit zusammen, dass ich keine Kontrolle habe,

Zitat von LenaPhobia:
Gleiches gilt aber auch, wenn ich zuhause bin und zb so krank, dass ich nicht mehr alles unter Kontrolle habe.

Ganz viele Menschen berichten davon, dass sie Probleme empfinden, wenn sie nicht alles unter Kontrolle
haben. Was ist das für Dich? Wenn Du mir das erklären solltest. Was meinst Du damit, Du möchtest alles unter Kontrolle haben?
Ich persönlich gehe mal von Folgendem aus. Man kann viele seiner Gedanken unter Kontrolle haben.
Aber alles unter Kontrolle zu haben, scheint mir unmöglich zu sein.
Was also machst Du dann mit Deinen Gedanken? Kannst Du das beschreiben?

#8


L
@Hotin Mhh, ich denke, ich meine das eher physisch: Also in der Lage sein, mich zu verpflegen ganz grob. Das kann damit zusammenhängen, dass ich schon öfters im KH war oder so schlimme Magendarminfekte hatte, dass ich nichts mehr konnte. Und so um die 20 war die Panikstörung so heftig, dass ich kaum noch das Haus verlassen konnte - da habe ich dann die erste Therapie begonnen. Dann war bis Ende 20 die Borderlinestörung und Beziehungen das Hauptthema. Ich hab dahingehend ne Menge erreicht, aber dass sich an bestimmten Ängsten in der Qualität nichts zu ändern scheint, macht mich fertig. Aber mir bleibt ja nichts anderes übrig, als neue Stellen auszuprobieren und wenn ich da jedesmal anfange zu heulen. Die Alternative ist ja noch schlimmer.

#9


Hotin
Zitat von LenaPhobia:
ich denke, ich meine das eher physisch: Also in der Lage sein, mich zu verpflegen ganz grob.

Das verstehe ich nicht ganz als Außenstehender. Sollte da nicht noch ein anderer Grund vorliegen?
Denn wenn Du an der Arbeitsstelle anfängst zu weinen, hast Du doch die Kontrolle über Dich
und Dein Leben.

Zitat von LenaPhobia:
Ich hab dahingehend ne Menge erreicht, aber dass sich an bestimmten Ängsten in der Qualität nichts zu ändern scheint, macht mich fertig.

Deine Beiträge hier finde ich gut verständlich und logisch. Wir unterhalten uns auf einer überwiegend
mit bewussten Gedanken geführten Ebene.

Du weißt vielleicht, dass wir gleichzeitig auf zwei Ebenen denken?
Es gibt nämlich in unserem Kopf eine extrem stark ausgeprägte unterbewusste Denkebene.
Und auf dieser Ebene entstehen unsere Gefühle und vor allem auch unsere Ängste.
Deswegen lassen sich unsere Ängste nicht so einfach auf direktem Weg abschwächen.

Abschwächen können wir unsere Ängste über unsere bewusste Denk-Ebene das Bewusstsein.
Unser Bewusstsein kann das Denken des Unterbewusstseins erkennen und beobachten.
Und unser Bewusstsein kann mit beruhigenden Gedanken die Tür unseres Unterbewusstseins
ein wenig anlehnen, sodas weniger Angstgedanken aus dem Unterbewusstsein herausfließen.

Das ist jetzt natürlich sehr, sehr vereinfacht und bildlich gesagt.

x 1 #10


L
@Hotin das klingt für mich jetzt etwas nach Verdrängung, ich glaube nicht, dass das Ziel ist, weniger unbewusste Gedanken zuzulassen, sondern mit diesen zu arbeiten und sie zu prüfen. Aber das ist für die Uhrzeit und mein Gehirn jetzt zu schwierig. Ich danke dir für die Unterhaltung und verabschiede mich jetzt ins Bett.
Guteeeee Nacht 🙂

x 1 #11


Hotin
Zitat von LenaPhobia:
das klingt für mich jetzt etwas nach Verdrängung


Nein, nein, mit verdrängen hat das gar nichts zu tun. Unser Denken funktioniert ganz anders.

Das Unterbewusstsein hat eine lebenswichtige Aufgabe. Es macht das normale Leben überhaup erst möglich.
Wir können beispielweise laufen lernen, weil wir langsam lernen die Balance zu halten und nicht
ständig umzufallen. Würden wir das dauerhaft mit unserem Bewusstsein steuern wollen, hätten wir den
ganzenTag nichts anderes zu tun, um zu kontrollieren, dass wir nicht umfallen. Für anderes bliebe dann
keine Zeit. Unser Unterbewusstsein nimmt uns sehr schnell diese Aufgabe ab. Bewusst können wir nun neue Sachen lernen.
Wenn ich lesen lerne, dann übernimmt unser Unterbewusstsein sehr bald diese Aufgabe.
Ich sehe die Schrift und durch unser Unterbewusstsein weiß ich sofort, was auf dem Papier eine Schrift ist
und welche Bedeutung sie hat. Lese ich eine französische Schrift, kann ich mit bewusstem Nachdenken
eventuell ein paar Wörter entziffern und vielleich mal einen Sinn im Satz vermuten. Mehr aber nicht.
Lebenslang speichern wir also Wissen in unser Unterbewusstsein.
Und auf diesem Weg speichern wir auch Gefühle und Erfahrungen in unser Unterbewusstsein ein.
So habe ich beispielsweise in mein Unterbewusstsein als Kind eingespeichert, dass stark tätowierte
Menschen fast immer zu einer Gruppe gehören, die überwiegen sehr einfach strukturiert waren und
oft gewalttätig waren.
Unterbewusst kann ich deswegen heute keine starken Tätowierungen schön finden.
Mir fehlt das Verständnis, warum so etwas wie ein Körperschmuck getragen wird.
Bewusst kann ich mir natürlich immer wieder sagen. Wenn die Menschen das schön finden, dann
ist es eben so.

Ich habe so weit ausgeholt, um dafür für Verständnis zu werben, wie unser Denken überhaupt funktioniert.
Was wir denken ist sehr, sehr auf uns persönlich zugeschnitten. Alles sind unsere persönlichen Erfahrungen
und unsere Sichtweisen. Nur derjenige, der sich darüber klar wird, was da im Kopf abläuft, kann auch erkennen, dass er
vermutlich eine starke Beteiligung an seiner seelischen Stabilität haben wird.
Damit möchte ich behaupten. Angst entsteht selten zufällig. Und deswegen kann man sie auch
abschwächen.

Zitat von LenaPhobia:
ich glaube nicht, dass das Ziel ist, weniger unbewusste Gedanken zuzulassen, sondern mit diesen zu arbeiten und sie zu prüfen.

Das sehe ich genau so wie Du. Wir brauchen in jedem Moment unsere unterbewussten Gedanken.
Wie Du es beschreibst, geht es fast immer darum, unsere unterbewussten Gedanken zu erkennen,
sie zu prüfen und dann besser geeignete Gedanken neu in unser Unterbewusstsein einzuspeichern.

Für mich stellt sich dann die Frage. Wie passt nun Dein Wunsch nach völliger Kontrolle ausüben,
in dieses Denkmodell hinein?
Oder auch. Was kommen aus dem Unterbewusstsein für Gedanken heraus, die bei Dir während
der Arbeit veranlassen, dass bei Dir Tränen beginnen zu fließen?

Oder beschreibe ich das falsch?

#12


kleiner
Hallo.

Ich kann dich gut verstehen...da was du beschrieben ist weil das weinen in der Arbeit dir schon passiert ist und somit ist es in deinem Kopf gespeichert, oder? Die Verknüpfung ist da im Kopf und holt sich das leider immer wieder her....man muss nur dran denken und schon ist es da .
Es ist eine Erwartungsangst oder?

Ich kenn das auch. Ich lebe in der Zukunft und Vergangenheit und male mir Sachen aus die schon mal passiert sind und dann kommen sie erst recht.

Kenne sowas vom Supermarkt... hatte da früher Panikattacken. Schon wenn ich daran dachte , war das in meinem Hirn mit Panik verbunden. Die Gedanken sind nicht immer die Realität. Einmal habe ich "vergessen" dran zu denken und nach dem Supermarkt dachte ich mir...wo war jetzt die Panik? Umso öfter ich ohne Panik im Supermarkt war, irgendwie hat das Gehirn nun keinen Zusammenhang mehr.

Ich habe mit der Arbeit auch Probleme...ich hatte schon 2x ein Burnout und brach mehr oder weniger auf der Arbeit zusammen( Stress und noch körperliche Probleme)... seitdem fühle ich mich hier immer unsicher.
Und habe Ängste entwickelt und beobachte mich häufig unter Druck...
Wenn ich Herzrasen und schwitzen habe, bekomme ich gleich Panik und verfalle noch mehr in Angst und daraus entsteht dann ne Panikattacke. Dabei muss das nicht immer psychisch sein. Mir reicht schon der Kreislauf und ich denke gleich an Panikattacken.
Man verbindet es einfach damit.

Die Gedanken haben so viel Kraft.
Echt anstrengend.
Hilft dir jetzt nicht weiter aber ich drück dich.

LG

x 2 #13


Achtsamkeit
Liebe LenaPhobia

Wärst Du bereit für einen unorthodoxen Versuch?
Tut nicht weh und es geht grundsätzlich erst mal nur um die Bereitschaft zu klären etwas anders zu machen als bisher.

Liebe Grüsse und in diesem Sinne
Achtsamkeit

#14


L
@kleiner Ja, du beschreibst es genau richtig und so wie du es im Supermarkt hattest, hatte ich es früher mit Bus und Bahn. Das "Doofe" ist, dass ich das ja nicht trainieren kann, ich hab ja bei meiner derzeitigen Stelle keine Angst, nur vor neuen Stellen, aber ich kann ja deswegen nicht ständig kündigen und neu anfangen. Ich habe das früher mit Praktika etc versucht zu "üben", was ich auch wieder tun werde, allerdings bewerte ich die ja nicht als existenziell, sodass das auch nur bedingt geht. Das ist soooo nervig... Aber wem sag ich das. Danke für deine Antwort, es hilft mir schon, dass ich nicht alleine bin mit diesem blösen Panikwirrwarr

#15


L
@Achtsamkeit Guten Morgen,
das kann ich schlecht beantworten, ohne zu wissen, worum es geht 🤔

#16


MariaManchester
@LenaPhobia aber wenn du die Angst vor Bus und Bahn in den Griff bekommen hast, dann schaffst du auch deine jetzige Angst. Da bin ich mir sicher 🙃

#17

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L
@mariamanchester Puh, das ist schon ne etwas andere Nummer und wie gesagt, ist es schwierig, oft in die Situation zu gehen. Aber letztendlich bleibt mir kaum eine andere Alternative. Ich müsste es irgendwie schaffen, dass es mir egal ist, wenn ich vor anderen heule, das wär schon die halbe Miete 🙄

#18


MariaManchester
@LenaPhobia Bei mir ist es genau andersherum. Ich habe kein Problem damit vor anderen zu weinen. Aber mich würde derzeit keiner in ein öffentliches Verkehrsmittel bekommen. 😁

#19


L
@mariamanchester Das musste ich damals MIT meinem Therapeuten machen. Er ist mitgefahren und ich musste mich an die unangenehmsten Stellen im Bus setzen und ihm dann meine Symptome beschreiben. Kam dann halt noch dazu, dass ich die ganze Zeit dachte, die anderen halten mich für bekloppt, weil ich mich umsetze, der komische Mann mal da, mal da sitzt usw. Aber tatsächlich ist nichts aufgetreten, weil ich mich so darauf konzentrieren musste, also mich gedanklich fast zur Panikattacke bringen sollte. Das muss ich irgendwie mal wieder lernen, bin durch die Pandemie wieder sehr zum Vermeider geworden... Wir sollten uns irgendwie aufteilen zwinkern

x 1 #20


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Mira Weyer
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