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gikana
Ich dreh noch durch vor Angst. Jeden Tag, jede Stunde. Ich sehe keinen Ausweg mehr. Ich kann gar nichts mehr. Habe nur noch Angst vor der Angst, dass die nie aufhört, dann kommt die Verzweiflung, keine Ausweg mehr zu haben. Mit mir kann man kein normales Gespräch mehr führen, alles dreht sich um die Angst, dass seit Wochen. Bin in einer Klinik für Psychotherapie. Funktioniere nur, um der Angst davon zu laufen. Kann nichts genießen, weil ich immer denke, dass mein Leben vorbei ist. In der Klinik geht es mir genauso. Keiner hat das gleiche Krankheitsbild, nur sehr leichte Fälle. Soll in die Tagesklinik, habe nur noch Angst, Angst, Angst, dass mir keiner helfen kann und ich kann mir nicht helfen. Bin wie irre vor Angst.

21.08.2016 15:50 • 26.08.2016 #1


8 Antworten ↓


Perle
Hallo gikana,

Bernhard hat Dir gestern in einem anderen thread sehr ausführlich geschrieben und ist auf Dich eingegangen. Bitte lies Dir das doch noch einmal durch.

Viele von uns hier können nachvollziehen wie es Dir geht. Ich war damals auch sehr verzweifelt und dachte, mein Leben sei zu Ende. Ich wollte in den Armen meiner Mutter sterben, weil ich keinen Ausweg sah. Aber über die Monate hinweg, mit Klinikaufenthalten, ambulanten Therapien und Medikamenten kamen langsam meine Kraft und Zuversicht zurück und ich begann, den wahren Sinn meines Lebens zu erkennen. Ich hörte auf, gegen mich selbst anzukämpfen, ich gab die Kontrolle auf uns lies mich fallen. Und siehe da, mein Fallen ging nicht ins Bodenlose. Es offenbarte mir neue Lebensperspektiven.

Es ist noch ein weiter beschwerlicher Weg, der vor Dir liegt aber bitte verstehe, dass die Angst nicht Dein Feind ist und Dir nichts Böses will. Das Gegenteil ist der Fall. Die Angst ist Dein Wegweiser und sie bittet Dich nur, Dein bisheriges Leben zu betrachten und zu schauen, was Dich da belastet und was Du verändern kannst. Höre in Dich hinein mit Hilfe der dortigen Therapeuten. Und bitte sage nie wieder, dass die anderen Patienten "leichte Fälle" seien. Das mag Dein subjektives Empfinden sein aber ich bin mir sicher, dass die betroffenen Patienten das anders sehen. Höre zu, was diese Patienten zu erzählen haben und erzähle Du auch von Deinen Sorgen und Gedanken. Zwischenmenschlicher Austausch ist ein ganz wesentlicher Aspekt auf dem Weg zur Heilung.

Alles Gute für Dich.

LG, Martina

21.08.2016 16:28 • x 4 #2



Angst, dass keiner mir helfen kann

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Liebe gikana,

ich weiss,Du fühlst Dich wie ein hoffnungsloser Fall aber das bist Du ganz sicher nicht.
Entdecke deine innere Kraft,Du hast sie!Benutze sie!

LG,

GreenTree

21.08.2016 17:20 • #3


gikana
@perle Nicht alle Patienten sind leichte Fälle. Hier auf dieser Station aber die meisten. Das war auch keine Abwertung der Personen. Ich weiß ja um ihre Probleme. War vielleicht unglücklich ausgedrückt. Keiner ist umsonst hier. Ich kann da jetzt auch nicht ins Detail gehen. Schweigepflicht. Es gibt ja auch unterschiedliche Angsterkrankungen. Und Angst vor der Angst ist wohl am Schwersten zu therapieren. Ich weiß nicht, wie ich mich richtig ausdrücken soll, ohne missverstanden zu werden. Das ich die beneide, die fröhlich in die Stadt gehen können, ohne sich vor Angst in die Hose machen, einfach entspannt ein Buch lesen, sich mit Leuten treffen ohne vor Angst zu zittern. Verstehe mich bitte nicht falsch. Die Beiträge von Bernhard lese ich mir immer und immer wieder durch. Ich bin ihm auch sehr dankbar, dass er sich Zeit für mich nimmt.

22.08.2016 23:24 • #4


gikana
@perle Ich leide schon viele Jahre unter wiederkehrenden Depressionen und Panikattacken. Bisher habe ich es immer wieder gut in den Griff bekommen. Aber jetzt hat sich noch eine Angst vor der Panik bzw. Angst manifestiert. Und das kriege ich nicht mehr in den Griff. Ich bin den Weg schon so oft gegangen. Immer in der Hoffnung, dass es nie wieder kommt, diesmal hat es mich so niedergeschmettert, weil ich schon so viele Monate kämpfe. Mich immer wieder rausgekämpft habe und diesmal halt so weit wie noch nie zurück gefallen bin.

22.08.2016 23:35 • #5


gikana
Mich ärgert eher, dass die kein Verständnis für "schwere" Fälle zeigen und damit meine ich nicht nur mich. Ich mache mich nicht lustig über Menschen, die Psychosen haben (andere Station) oder reagiere mit Unverständnis, wenn jemand kaum spricht weil er so depressiv ist.

22.08.2016 23:47 • #6


Hotin
Hallo gikana,

Zitat:
Und Angst vor der Angst ist wohl am Schwersten zu therapieren. Ich weiß nicht, wie
ich mich richtig ausdrücken soll, ohne missverstanden zu werden.


Wenn ich Deine Texte lese, wirkst Du völlig "normal". Du bist also vermutlich kein schwerer Fall.
Und Du wirst bestimmt auch nicht falsch verstanden.

Zitat:
Und Angst vor der Angst ist wohl am Schwersten zu therapieren.


Schon dieser Satz von Dir sagt aus, " Ich will, dass ein anderer eine Lösung für mich findet." Dies geht nicht.
Angst ist das Gefühl des Menschen, welches auf Deinen inneren Befehl zwar Deine Handlungen aber nicht Dein Denken abbremst.
Wenn Du nun mit viel Angst Deine Handlungen stoppst, geht die ganze Energie im Kopf in Dein Denken hinein. Dies
produziert noch mehr Angst und kann Dich krank machen.
Du solltest also schnellstens wieder viele Dinge tun, vor allem Dich viel bewegen.
Erst wenn Du wieder anfängst zu Handeln, leitest Du Deine Energie aus dem Kopf langsam wieder ab und so hat der
Kopf keine Chance mehr, den ganzen Menschen wegen Angstgefühlen zu blockieren.
Du stehst jetzt noch freiwillig voll auf der Bremse und bist völlig verkrampft. Und nun möchtest Du, dass Dir jemand hilft,
wieder loszufahren.
Dies geht aber nur, wenn Du an Dich selbst glaubst. Dir wird nichts passieren, wenn Du Dein Bremsgefühl etwas lockerst
und ganz, ganz langsam wieder los rollst.
Ein Fahrrad muss doch eine Bremse haben und ein Mensch muss auch Angst haben. Sonst funktioniert Leben nicht.
Du forderst einen Menschen ohne Angst und ein Fahrrad ohne Bremse. Wer soll das verstehen? Was wäre das Gute daran,
wenn Du keine Angst fühlen würdest? Wäre Dein Leben dann nicht schnell zu Ende. Du könntest nichts mehr machen.
Keine Hauptstraße überqueren, auf keinen Baum klettern, kein Auto mehr fahren, keine Freunde mehr finden.
Eigentlich geht ohne Angst fast nichts mehr.
Die Lösung liegt also darin heraus zu finden, wie Du Deine Angstgefühle wieder regelst.
Weil mit viel Angst geht nichts gut und ohne Angst kannst Du auch nicht leben.
Du kannst aber neu lernen, die Stärke Deiner Angstgefühle so fein zu regeln, dass sich Deine innere Verkrampfung löst und
Du wieder Freude und Erfolg spüren kannst.
Eine wichtige Frage ist also, wie bekommst Du wieder das Vertrauen, dass Dir nichts schlimmes geschieht,
wenn Du Dich bewegst, gehst, sprichst, singst, oder sonst etwas machst.


Viele Grüße

Bernhard

23.08.2016 07:52 • x 4 #7


gikana
@Bernhard ich fordere ja nicht, dass ich keine normale Angst habe. Aber diese erschöpft mich dermaßen, dass ich kaum noch Kraft habe, dass macht mir noch mehr Angst. Diese Erschöpfung. Wie finde ich wieder Lebensmut? Ich habe einen lieben Mann, eine 17jährige Tochter. Es macht mich nur traurig, dass ich nicht in mein Leben finde. Ich versuche mich für sie und andere zu interessieren. Aber dann verfalle ich sofort wieder in meine Krankheit und Angst und alles dreht sich darum. Ich bin da so furchtbar drin verfangen. Ich bin da richtig schlimm reibgerutscht. Mich interessiert alles nicht mehr. Richtig schlimmer Gedanken- und Grübelzwang. Wie finde ich Lebensfreude? ? Irgendwie durchdringt mich nichts.

25.08.2016 19:30 • x 1 #8


Hotin
Hallo gikana,

Zitat:
Ich fordere ja nicht, dass ich keine normale Angst habe .Aber diese erschöpft mich
dermaßen, dass ich kaum noch Kraft habe, dass macht mir noch mehr Angst.
Diese Erschöpfung. Wie finde ich wieder Lebensmut?


Starke Angst entsteht bei inneren Entscheidungskonflikten.
Das ist etwa so, als wenn beim Ski fahren bei voller Geschwindigkeit ein Bein nach rechts und ein Bein nach links wegläuft.
Dies geht nie gut. Du kannst nur wieder zufrieden werden, wenn Du Dich entscheidest, in welche Richtung Du fahren willst.
Vor dieser Richtungs-Entscheidung brauchst Du keine Angst zu haben. Weil Du bist ein Mensch. Das bedeutet, Du kannst
Deine Fahrtrichtung immer wieder verändern und korrigieren. Du musst nur Deine Beine (Dein Denken und Handeln) nah bei
einander halten. Damit behältst Du auch die Kontrolle über Dich und das was Du tust.

Angst erschöpft unter anderem in folgenden Situationen.

- Bei längerer Dauerüberlastung.
- Während ernster Erkrankung.
- Wenn Du eine schwere psychische Erkrankung suchst, obwohl keine da ist.
- Wenn Du Dich nicht akzeptiert fühlst.
- Wenn Du nicht ehrlich zu Dir selbst bist.
- Wenn Du nicht gewohnt bist sehr ehrlich mit Menschen zu reden und Deine Meinung offen zu sagen.
- Wenn Du fairen Streit und Auseinandersetzung als Lösung ablehnst.
- Wenn Du das Gefühl hast, Du kannst Dich nicht durchsetzen, nicht nein sagen.
- Wenn Du glaubst, Deine Eltern akzeptieren Dich/Deine Meinung nicht.
- Wenn Du nicht zugeben kannst. "Ich brauche Hilfe oder Das kann ich nicht."
- Wenn Du Dir nicht klar selbst sagst, wie Du in naher Zukunft leben möchtest.
- Wenn Du keine gute Verbindung zu Deinen Gefühlen und Wünschen hast.
- Bei einer Situation, für die Du glaubst keine Lösung zu finden
- Bei einer Situation, die Du innerlich ablehnst, weil sie gegen Deine Überzeugung steht.
- Wenn Du das Gefühl hast, Dein Partner akzeptiert Dich oder Deine Meinung nicht.
- Wenn Du das Gefühl hast, Dein Partner will meistens etwas anderes, als Du
- Wenn Du das Gefühl hast, Du führst ein anderes Leben, als Du es eigentlich möchtest.

Hier könnte noch viel mehr stehen.

Findest Du da etwas, was auf Dich zutreffen könnte?

Zitat:
Wie finde ich Lebensfreude? Wie finde ich wieder Lebensmut?
Richtig schlimme Gedanken- und Grübelzwang.


Der Lebensmut kommt zurück ohne direkt dafür etwas zu tun.
Grübeln wird weniger, wenn Du anfängst wieder Entscheidungen zu treffen.

Da Du zur Zeit keine Ruhe im Kopf hast, kenne ich nur die schriftliche Methode mit der Du dies verbessern kannst.
Du beginnst damit, alles das aufzuschreiben, was Dir beim Grübeln hauptsächlich Sorgen und Probleme macht.
Nach und nach erscheinen da auch sehr unangenehme Punkte. Du schaust Dir das, was Du denkst damit in extremer
Zeitlupe, also stark verlangsamt an.
Und dann beginnst Du Dir für die einzelnen Sorgenpunkte Lösungsmöglichkeiten zu überlegen. Zu jedem Problem solltest Du mindestens
eine Lösung dazuschreiben. Damit kannst Du erkennen, das Grübeln ein Ende findet, wenn Du eine Lösung dafür
auf dem Papier stehen hast. Außerdem entlastest Du damit Dein Denken.
Ob Du später diese aufgeschriebene Lösung auch durchführst, ist dabei nicht von Bedeutung.
Es geht nur darum zu erkennen, dass fast alles lösbar ist.

Zitat:
Aber dann verfalle ich wieder in meine Krankheit und Angst und alles dreht sich darum.


Ich glaube nicht, dass Du in Deine Krankheit verfällst. Ich bin davon überzeugt,
das Du nur viel zu lang nicht auf Dich und Deine Wünsche geachtet hast.

Nun gilt es ab sofort mehr auf Dich und Deine Gefühle zu achten. Und deshalb solltest Du in Deiner Denkweise
etwas egoistischer werden.
Nur schau nicht zu oft zurück. Schau immer nach vorn.

So wie Du den fehlenden Schlaf der letzten Jahre nicht nachholen kannst, kannst Du auch das, was Du vermutlich
falsch gemacht hast nicht ungeschehen machen.
Bitte entscheide und mache ab morgen alles so, wie Du es für richtig findest. Dann brauchst Du ab übermorgen nicht mehr
so viel grübeln und anzweifeln. Schließlich machst Du ja dann ab sofort fast alles so, dass Du zukünftig zufrieden bist.

Viele Grüße

Bernhard

26.08.2016 06:59 • x 1 #9




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