Zitat von FrancesTheMute: Es ist gut wenn mich meine Psyche auf Dinge aufmerksam macht bzw. machen will, aber irgendwie nimmt sie mir damit meine Autonomie. Das nervt mich und führt mich, sowie aktuell, auch ein wenig in eine depressive Gedankenwelt. Fast kapitulierend. Jedoch nur fast, weil Kapitulation auch Akzeptanz impliziert und dieser Schritt fehlt definitiv noch. Die Leichtigkeit des Lebens geht für mich verloren, wenn die Angst mir die Leitplanken vorgibt.
Das mit der Autonomie stimmt natürlich. Die Angst ist wie jemand, der die Notbremse zieht und dem Lokführer damit die Kontrolle über den Zug entzieht. Der weiss auch nicht genau, was eigentlich los ist - aber der Zug steht erstmal.
Das, was ich oben beschreiben habe, ist bei mir auch nicht sofort gekommen. Das war ein Prozess und die Rückschläge waren gut und wichtig, um zu verstehen was überhaupt genau los ist und wie ich am besten damit umgehen kann.
Der Titel ist eigentlich auch nicht ganz richtig finde ich: Statt "1 Schritt nach vorne - 2 zurück" müsste es "2 Schritt nach vorne - 1 zurück" heissen. Denn Du kommst weiter, aber zwischendurch gibt es auch immer wieder mal eine kalte Dusche.
Zitat von FrancesTheMute: Ich stelle mir immer die Frage, was wäre denn wenn uns unsere Psyche/Unterbewusstsein nicht auf unsere vermeintlichen Versäumnisse aufmerksam macht. Also wenn Dinge unausgesprochen oder unaufgearbeitet bleiben?
Das kommt auf den Menschen an. Bei manchen entlädt es sich in einer Angststörung, andere wieder kommen lange damit zurecht bis sie irgendwann vor den Trümmern ihres Lebens stehen, wieder andere haben gar keine Probleme weil sie kaum gegen sich arbeiten, dann wieder gibt es die Nörgler und Miesepeter, die sich die ganze Zeit über alles mögliche beschweren. Das hat mit der Erziehung, dem Umfeld, den Genen und vielem mehr zu tun.
Zitat von FrancesTheMute: Wie ich vorhin geschrieben habe, wenn die Angst die Leitplanken vorgibt, dann verliert das Leben an Leichtigkeit, weil alles hinterfragt werden muss. Jede wichtige Entscheidung, jedes einschneidende Erlebnis
Es reicht schon wenn man weiss, wo die Straße aufhört und der Chausseegraben anfängt. Es geht primär nicht darum, die Probleme zu vermeiden, sondern sich bewusst zu werden dass irgendwas (ein Geschehen, eine Entscheidung) ein Problem ist oder sein könnte.
Was will ich denn eigentlich?
Will ich keine Probleme mehr haben und immer nur auf jeden Fall die richtige Entscheidung treffen? Und alles zig mal hinterfragen und von oben bin unten analysieren? Keinen Stress mehr und kein "ich schlag jetzt aber mal über die Stränge"? Nein, das will ich sicher nicht.
Was ich will, oder besser nicht will ist, dass Probleme und Entscheidungen Angst auslösen. Ich will kein Herzrasen und keine Panik, weil ich Probleme im Beruf habe oder vielleicht in die falsche Gegend gezogen bin. Ich will das eigentliche Problem sehen, erkennen und lösen oder - wenn das nicht geht - mich bewusst damit auseinandersetzen und abfinden.
Das ist kein Leben ohne Leichtigkeit oder ohne Lebensfreude, das ist ein bewussteres Leben.
Ein Leben, ohne sich was vorzumachen. Ich habe Menschen kennen gelernt, die es erst nach 40 Jahren im falschen Beruf, mit dem falschen Partner, im falschen Körper, im falschen Lebensentwurf usw. nicht mehr ausgehalten und zusammengebrochen sind.
Das coole ist: man
kann z. B. in der falschen Beziehung oder im falschen Beruf gut leben, wenn man sich dessen bewusst ist und sich klar macht, dass man was ändern
kann - aber nicht muss.
So dramatisch muss es auch gar nicht sein. Bei mir waren es vor allem berufliche Sachen und auch ein bisschen meine Zukunftsplanung, die ich mir viele Jahre schöngeredet habe und die mir irgendwann in Form von Angst und Panik auf die Füsse gefallen sind.
Du wirst wieder die Leichtigkeit und Lebensfreude erhalten, die dir so sehr fehlt. Aber ein bisschen Zeit musst Du dir geben.