Zitat von Azure: Was macht einen guten Therapeuten aus?
Was sind gute bzw. schlechte persönliche Erfahrungen?
Was würdet ihr euch persönlich wünschen?
Ich bin tatsächlich wunschlos glücklich, sowohl was die Therapie als auch den Therapeuten angeht. Ich bin in bin in der glücklichen Position, dass ich mir eine private Psychotherapie leisten kann und der Therapeut damit wesentlich flexibler agieren kann als ein kassenzugelassener. Dazu noch mache ich ja eine Körper-Psychotherapie, die noch viele Elemente mit einschließt, die bei den Standardverfahren außen vor gelassen werden - die aber meiner Meinung nach die entscheidenden sind.
Ganz generell denke ich, dass die Gretchenfrage ist:
Bin ich bereit, mich meinen inneren Prozessen zu stellen? Lautet die Antwort "Nein", kann auch auch der beste Therapeut nichts ausrichten. Es braucht unbedingt die innere Bereitschaft, etwas zu verändern.
Für mich sind die wichtigsten Faktoren:
Der Kontakt auf Augenhöhe - viele Therapeuten schaffen es nicht, ein gutes, stabiles und vertrauensvolles Arbeitsverhältnis auf Augenhöhe aufzubauen. Sie sehen sich als die Experten und den Patienten als "Bittsteller". Sie sagen, wo es lang geht und ziehen stur nach Lehrbuch ihren Plan durch. Ein Therapeut sollte seinen Patienten auch ermuntern, Kritikpunkte anzusprechen oder eine kontroverse Meinung zu äußern. Man sollte auch Wut und Ärger zeigen dürfen. Viele psychisch Erkrankte haben ein Problem mit "Nein" und Grenzen setzen und können das so gut in der Therapie üben.
Authentizität - der Therapeut muss authentisch sein und sich auch mal als Mensch mit Ecken und Kanten zeigen. Mit einem "überhöhten" Wesen, dass alles besser weiß und kann, kann ich persönlich nichts anfangen.Ganz im Gegensatz zu vielen anderen denke ich, dass Therapie auch mal ein bisschen persönlich werden kann.
Spontaneität - Ein Therapieprozess ist immer dynamisch und nicht immer passen die Dinge, die der Patient mitbringt, zu dem, was der Therapeut vorbereitet hat. In meinen Therapiestunden haben meine Belange immer Vorrang und ich werde nicht in eine Richtung gedrängt, in die ich in dem Moment nicht gehen möchte.
Selbstwirksamkeit und Selbstfürsorge - Der Therapeut sollte in der Lage sein, einem den Weg aus der Fremdbestimmung und der Opferhaltung zu zeigen und mich dazu zu bringen, die Verantwortung für meine Selbstregulation zu übernehmen. Es ist wichtig zu begreifen, dass man sich nur selbst aus den Problemen heraushelfen kann.
Zeit - Ich habe beide Seiten der Medaille kennengelernt und finde den Faktor "Zeit" ganz entscheidend. In meinen Augen sind die Stunden, die die KK bewilligen zu knapp bemessen. Sich seinen inneren Prozessen zu stellen braucht Zeit, und auch Veränderung geschieht nicht über Nacht. Auch den Druck im Nacken zu haben: "Jetzt habe ich nur noch X Stunden, dann muss ich wieder funktionieren" ist absolut kontraproduktiv. Bei meinem Therapeuten habe ich auch immer volle 60 Minuten statt 45 - auch das macht es wesentlich entspannter.
Vielleicht fallen mir noch ein paar Punkte ein - dann schreibe ich die später nochmal auf.