Zitat von Volatilität: Ein wirklich guter Therapeut schafft eine sehr gute Balance zwischen Verständnis/ Einfühlvermögen und dem leider auch so nötigen "A....tritt".
Gebe ich dir recht, möchte aber ergänzen, dass es da auf das nötige Fingerspitzengefühl ankommt und auf die Problematik des Patienten.
Ich bin die Sorte Patient, die sich eh selber wegen allen möglichen Belangen fertig macht, weil das nicht geschafft wurde, es da hängt oder dies und dies nicht umgesetzt wurde. Habe ich jetzt einen Therapeuten, der bei solchen Sachen evtl. noch mit einem A****tritt interveniert, bin ich schnell in einem Loch drin, in das ich nicht hätte reinfallen müssen.
Habe ich aber bspw. einen Patienten, der sich konsequent weigert, mitzuarbeiten, Hausaufgaben zu machen oder Vorschläge umzusetzen, wird dieser A****tritt benötigt, um die Deutlichkeit klarzumachen, dass sich nichts ändern wird, wenn der Patient nicht mitmacht.
Ich hatte mal eine Therapeutin, die meinte, sie kann mich nicht behandeln, weil ich die ganze Zeit mit "Nebelkerzen" um mich schmeißen würde. Ich habe nie verstanden, was sie gemeint hat, weil ich war immer offen und habe (zumindest nicht bewusst) irgendwas verheimlicht. Für mich wiederum konnte die Dame kein Gespräch führen, sie hat mich einfach 40 Minuten reden lassen und meinte dann: "Bis nächste Woche". Das war für uns beide völlig sinnlos, denn ich habe keine Lösung bekommen und sie hat ihre Zeit verschwendet.
Ein Therapeut muss wortgewandt sein, damit er genau die Quellen aufstoßen kann, die schmerzhaft sind. Und das passiert bei 90 % der Patienten nicht durch einfach reden lassen, sondern durch konkretes Einhaken.
Ich bin sehr schnell im Denken und hätte pro Termin gefühlt 30 Geschichten zu erzählen. Meistens schaffe ich nicht eine, weil mein Therapeut bei jedem 3ten Satz eine Rückfrage stellt. Das hilft mir, nicht nur runterzurattern, sondern zu reflektieren, warum sich was wie ergeben hat.