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Hi, bei mir wurde ein Verdacht auf bpd festgestellt und die Therapeutin hat mir zwar empfohlen stationär zu gehen das traue ich mich aber nicht weil ich auch soziale Ängste habe. Wollte fragen ob jemand Erfahrung hat mit bpd und Tagesklinik ob das ausreicht, ob es hilft (vor allem besser mit Sachen umzugehen) wie es da ist und was man macht.

Danke schonmal

19.05.2025 08:45 • 23.06.2025 #1


3 Antworten ↓


Der prinzipielle Unterschied zwischen teil- und vollstationär liegt nur darin, ob jemand fähig ist selbstständig pünktlich zu erscheinen um die Therapien durchzuführen. Und ob das häusliche Umfeld sich nicht negativ auf die Behandlung auswirkt. Die Frage wäre also, ist es zuhause belastend oder eher nicht. Kommt man klar damit, ab Nachmittags und über Nacht zuhause zu sein, oder nicht. Schafft man es pünktlich in die Tagesklinik.

Die Therapien sind die selben.

A


Tagesklinik oder stationär mit bpd

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Hatte bei mir in der Tagesklinik zwei oder 3, also ja, TK geht, wenn es nicht gerade eine schlimme Phase ist …

Bei BPD würde ich eine spezialisierte vollstationäre Klinik vorziehen, am besten eine, die nach DBT arbeitet.

Das Problem bei den meisten Tageskliniken ist die mangelnde Spezialisierung. Ganz viele Tageskliniken habe bunt gemischte Patientengruppen mit allen möglichen Krankheitsbildern. Da werden dann hauptsächlich die Probleme bearbeitet, die fast alle Patienten haben, also oftmals Depression und Burnout. Für Persönlichkeitsstörungen finde ich Tageskliniken weniger geeignet, wenn es sich nicht um spezialisierte Tageskliniken handelt.

Vollstationäre Kliniken habe öfters spezialisierte Stationen, wo dann sehr viel spezifischer gearbeitet werden kann, was gerade bei BPD echt wichtig ist.
In der Tagesklinik, in der ich war, war ich mit BPD ein echt bunter Hund und die Mitpatienten konnten mit meinen Problemen nicht viel anfangen und mir somit auch nicht wirklich weiterhelfen, die Therapeuten waren schnell überfordert, wenn es um typische BPD-Symptome ging.
In den Gruppentherapien ging es viel um Themen wie
- Umgang mit Depression und Burnout
- Wiedereinstieg in den Beruf
- Wie rede ich mit meinem Chef und den Kollegen

Das Problem hatten auch Patienten mit anderen Diagnosen, z.B. Essstörungen, die kamen dort auch nicht wirklich klar.

Darum habe ich es so erlebt, dass die Tagesklinik nur auf dem Papier ähnlich funktionierte wie eine vollstationäre Klinik, aber im Detail ganz anders war.

Ja, der Tagesablauf war ähnlich:
Man kam morgens zusammen, es gab Einzel-und Gruppentherapien, Kunsttherapie, Sporttherapie, Musiktherapie, Entspannungstechniken, Achtsamkeit,....
Aber die Inhalte der jeweiligen Therapien waren in der Tagesklinik sehr viel allgemeiner und oberflächlicher als in der vollstationären Klinik.
Auch waren die Mitpatienten allgemein sehr viel stabiler als die in der vollstationären Klinik, sie waren dichter dran am normalen Alltag, viele waren kurz davor, wieder in den Beruf einzusteigen. Patienten mit komplexen und schwereren Krankheitsbildern gab es wenige, sehr viele der Therapeuten waren oft noch sehr jung, in Ausbildung und unerfahren mit schwereren Krankheitsbildern. Solche Therapeuten gibt es zwar in vollstationären Kliniken auch, aber dort gibt es deutlich mehr erfahrene Therapeuten, die die Auszubildenden und die jungen Therapeuten anleiten und unterstützen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass für Krankheitsbilder wie BPD spezialisierte Stationen wichtig sind für eine erfolgreiche Therapie, und auf BPD spezialisierte Tageskliniken sind meiner Erfahrung nach eher schwer zu finden.

Tageskliniken haben zwar den selben Tagesablauf wie vollstationäre Kliniken, aber oftmals fehlen die spezifischen Therapien, die gerade für komplexere Krankheitsbilder wichtig sind.





Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher
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