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Erstmal möchte ich Alle hier im Forum herzlich grüßen.
Bin durch Zufall hier gelandet, weil ich auf der verzweifelten Suche nach einer Lösung für die Angstzustände meiner Partnerin bin. Im Laufe unserer Beziehung weihte mich meine Partnerin in Ihre psychische Erkrankung ein, die mir zu erst gar nicht so bewußt geworden ist. Seit einigen Jahren litt Sie unter Zwangsgedanken und wurde mit Tabletten (Neuroleptikum) behandelt. Dies verdrängte zwar die Zwangsgedanken, aber senkte die Lebensqualität deutlich. Seit einigen Monaten stellen sich immer wieder Angstzustände ein, die kaum noch unter Kontrolle zu halten sind. Die Ärzte verschreiben nur Tabletten, die einen in einen Zombie verwandeln.....das kann doch nicht die Lösung sein. Ich weiß auch nicht mehr was ich noch machen soll, meine Kraft geht so langsam zu Ende.... Deshalb suche ich Informationen über Therapiemöglichkeiten die erfolgversprechend sind. Wenn Ihr also Erfahrungen in dieser Richtung gemacht habt und mir etwas empfehlen könnt, wäre ich Euch sehr dankbar..... Weil.. Sie ist die Liebe meines Lebens und ich möchte Sie nicht wegen dieser Krankheit verlieren......

01.09.2002 12:55 • 03.09.2002 #1


2 Antworten ↓


Hallo Mike,

bin auch heute erst auf diese Seite gestoßen und hoffe, dir ein kleines Stück weiterhelfen zu können. Ich leide selbst seit fastz 2 Jahren in unterschiedlicher Stärke (z.Zt. Gott sei Dank weniger) an verschiedenen Angst- und Panikzuständen.
Zwar ist mir noch immer nicht so richtig klar, was die Ursache(n) hierfür ist(sind) aber ich habe doch bereits einiges über dieses Krankheitsbild gelernt. Von daher kann ich Deine Meinung bestätigen, dass Deine Freundin ein proffesionelle Therapie benötigt. Was mir am ANFANG MEINER Erkrankung sehr gut geholfen hat, war eine ca. 6 wöchige Therapie, die ich in einer psychiatrichen Therapiestätte, die ich in Tagesform durchgeführt hatte. Dort lernt man zunächst das Krankheitsbild kennen, lernt andere Betroffene, durch deren Verhalten und Geschichte man gute Rückschlüsse auf sich selbst ziehen kann. Ich hatte z.Bsp. anfangs das Gefühl, gar nichts mehr auf die Reihe zu kriegen und absolut keine Leistung mehr erbringen zu können und habe dort gemerkt, dass mir dies nur durch die Symptome vorgeschleiert wurde. Eine solche Therapie kann helfen, um den freien fall nach unten aufzufangen, sich mal sammeln und anschließend wieder nach vorne schauen zu können. Aber merh als ein Auffangbecken mit Orientierungsmöglichkeiten ist es nicht. Es ist dann zu emmpfehlen, anschließend eine Einzelpsychotherapie über mehrere Monate (Jahre?) zu beginnen. Zwar bekomme ich dort nicht die goldenen, direkt greifenden Ratschläge. Aber ich lerne mich mit Hilfe meiner Therapeuten besser kennen. Ein Therapheut ist auch in der Lage, dich auf ungünstige Interpretationen und Verhaltensweisen, die du vielleicht schon seit Jahren verinnerlicht hast und daher nicht mehr als solche erkennst, hinzuweisen. In der Regel wird eine socle Therapie als Verhaltenstherapie durch geführt, d.h., es wird gekuckt, wie verhälst Du Dich in bestimmten Lebenssituationen, zu was führt dies, warum verhälst Du Dich so, hast Du andere, bessere Alternativen? I.d.Regel bezahlt dies auch die Krankenkasse. Wichtig ist auc, dass sich Deine Freundlin bei Ihrem Therapeuten wohl fühlt. Adressen müsstest Du beim hausarzt, bei der verbraucherzantrale, im Internet, Krankenhäuser usw. finden.
Nochmal, eine Therapie hilft nicht automatisch, denn letztendlich kann sich jeder nur selber helfen, aber sie hilft Dir, Dir selber besser helfen zu können.
Zu den Medikamenten: Um schwere Angstanfälle einigermaßen überstehen zu können, sind, soweit ich das als laie einschätzen kann, Medikamente nötig. Aber, immer nur sowenig und so selten wie nötig. Von Tranquilizern (Valium usw.) sollte, außer in extremen Ausnahmesituationen, Abstand genommen werden. Es gibt aber Antidepressiva, die gut nützen könne, nicht abhängig machen und als Langzeittherapie eingenommen werden können. Ein guter Psychologe kann Euch da weiterhelfen.
Was erwiesenermaßen bei vielen patienten (auch bei mir) weiterhelfen kann, ist Sport, insbesondere Ausdauersport (Joggin, Radfahren, Schwimmen suw.) und möglichst noch im Freien. Warum, kann ich Dir nicht erklären, aber ich habe es selbst erfahren. Auch Entspannungstrainings sollen hilfreich sein, wobei ich mich dabei etwas scher tue, aber das hat ja nichts zu heißen.
Zum Schluss:
Dass Du Dich um Deine Freundin so kümmerst , ist echt klasse. Hört sich vielleicht blöd an, ist es aber nicht. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, denn meine Frau hält auch ganz fest zu mir und unterstützt mich, wie es nur geht. Dabei brauchts Du gar nicht viel zu machen. Es reicht, wenn Du Ihr zeigst, dass Sie in allen Situationen zu Dir kommen kann. Daher wünsche ich Dir viel Kraft, dass weiter so zu betreiben. Deiner Freundlin wünsche ich Dir, dass Sie aus diesem Teufelskreis bald herauskommt.

Bis dann, Francesco

02.09.2002 22:22 • #2


Vielen Dank für Deine ermutigende Antwort Francesco,

werde mein Bestes geben um mit Ihr diese Krankheit durchzustehn.....
Wünsche Dir auch alles Gute, damit Dir die Sonne wieder scheint........

Viele Grüße

Mike

03.09.2002 19:29 • #3




Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf