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Nikieagle
Gast

Ihr Lieben, ich bin nun seit 16.02. in einer Tagesklinik und habe mit einer Schematherapie begonnen.
Seit ich nun in Therapie bin, werden meine Symptome immer stärker. Ich kämpfe täglich mit Panikschüben, somatischen Symptome, Schwindel, Übelkeit bis Erbrechen. meine Depression ist viel stärker und oft entladen sich schwere emotionale Gefühle wo ich dann locker 1-2h weinen muss. Ich imaginiere oft zu meinem inneren Kind und spüre dann stark welche Emotionen unter der Panik liegen.

Diese unerträgliche Anspannung macht es mir aber sehr sehr schwer alles auszuhalten.

Meine Frage ist an alle die Therapieerfahrung haben: ist es "normal" das während der Therapie erstmal alles viel schlimmer wird? Und wenn ja, ist es ein gutes Zeichen, das die Therapie anschlägt?

Medikamente nehme ich "nur" Valdoxan (25mg zum Schlafen) und atosil (6 Tropfen am Abend)

Ich denke immer es muss doch mal besser werden. Aber irgendwie wird es alles nur schlimmer :/

15.04.2021 x 1 #1


25 Antworten ↓
silverleaf

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Zitat von Nikieagle:
Mein "größtes" Problem ist ja leider immer noch das meine körperlichen Symptome über meinen Emotionen liegen. Ab und zu brech ich durch und fange an mit weinen und habe einfach Angst um mein Leben. Diese innere Unruhe und Anspannung machen es so schwer psychisch zu arbeiten. Ich kenne meine Probleme und Muster, ...

Das kann ich sehr gut verstehen.

Einer meiner Herzenswünsche wäre es, mich in eine Zeitmaschine setzen zu können, um zu verhindern, dass mir mit meinem Körper passiert, was mir passiert ist. Ich wünschte, ich hätte frühe angefangen, mehr auf die Signale meines Körpers zu hören. Er hat mich oft genug gewarnt, dass alles zu viel ist, dass ich auf ihn achten muss, dass ich auf die Bremse treten muss und er mit dieser permanenten inneren Hochanspannung nicht zurechtkommt. Aber ich bin darüber hinweggegangen.
Ich hätte zu der Zeit schon intensiv in Therapie gehen sollen, mich mit meinen diversen schweren psychischen Baustellen befassen sollen, hätte zu diesem Zeitpunkt schon lernen sollen, meine psychische Hochanspannung (die sich ja körperlich ausgewirkt hat) zu regulieren. Aber ich habe es damals nicht getan. Ich bin mit Volldampf unter Hochanspannung weitergeprescht, habe die Signale ignoriert, verdrängt, verdrängt und nochmal verdrängt (das beherrschen viele von uns ja in Perfektion), und irgendwann hat der Körper dann die Notbremse gezogen und mir eine körperliche Erkrankung gebracht, die mich inzwischen gezwungen hat, zu stoppen. Die ich nie wieder loswerden werde, weil sie nicht heilbar ist. Mit der ich nun gezwungen bin, möglichst achtsam mit mir und meinem Körper umzugehen, denn nur so kann ich erreichen, dass die Erkrankung möglichst mild verläuft und sich nicht so schnell verschlechtert. Und selbst zum Zeitpunkt der Diagnosestellung war ich noch nicht bereit, mein Leben umzustellen, auf meine Psyche zu achten und auf meinen Körper zu hören, ich bin einfach weitergeprescht, bis ich dann auch psychisch mit Volldampf "gegen die Wand gerast bin" und von einem Tag auf den anderen gar nichts mehr ging.
Ich wünschte, ich wäre schon damals anders mit all dem umgegangen. Hätte früher Therapie gemacht. Dann wäre es mir vielleicht anders ergangen.

Was ich damit sagen möchte: Die Verbindung zwischen Psyche und Körper ist stark. Diese Verbindung ist ein zweischneidiges Schwert, man kann sie zum Positiven und zum Negativen nutzen. (Unsere Gedanken sind der dritte Einflussfaktor.)
Indem Du Dich mit Deinen psychischen Symptomen auseinandersetzt, hilfst Du Deiner Psyche und Deinem Körper. (Darum gibt es ja die psycho-somatische Kliniken, die ja genau auf diese Verbindung ausgelegt sind.) Ohne Deiner Psyche zu helfen, wird es schwer, die körperlichen Symptome in Schach zu halten. Der innere Druck ist da und sucht sich ein Ventil, und dieses Ventil ist oft der Körper.
Die Anspannung, von der Du sagst, dass sie es Dir schwer macht, psychisch zu arbeiten, wird ja von Deiner Psyche verursacht. Sie ist daher genau der Punkt, an dem Du ansetzen kannst. Und das tust Du, das ist genau der richtige Weg!
Du wirst lernen, mit all diesen Problemen besser umgehen zu können. Du hast Dich auf den Weg gemacht, und das ist bereits der wesentliche Schritt zur Lösung Deiner Probleme. Und zur Heilung (bzw. Besserung).
Was Du jetzt noch benötigst, ist eine gaaaaanz große Portion Geduld und Nachsicht mit Dir und dem Prozess. Es dauert soooo viel länger als man denkt, und Rückschritte und stark aufflammende Symptome sind leider Teil davon.
Ich wünschte, ich könnte Dir etwas anderes sagen, aber der Zeitfaktor ist wirklich nicht zu unterschätzen. Die Probleme/Symptome haben sich ja auch über Jahre und Jahrzehnte entwickelt, die Genesung wird Zeit brauchen. Da langen ein paar Monate nicht aus, das dauert oftmals Jahre. Ich bin jetzt seit vielen Jahren in diesem Prozess und bin auch jetzt immer noch mal wieder überrascht, wiiiiiee lang der Weg sein kann. Wie oft bin ich schon verzweifelt, wenn ich dachte "Hey, hinter dieser Kurve liegt bestimmt die Lösung", nur um hinter der Kurve festzustellen, dass der Weg tatsächlich noch länger ist, als ich vor der Kurve dachte.

Sei geduldig mit Dir und nimm' Dir die Zeit, die es braucht. Es ist gut investierte Zeit, die sich auszahlen wird. Sei geduldig mit Dir und auch mit Deinem Körper (der wird Dir bestimmt auch künftig noch Symptome schicken, es ist die Sprache, die er kennt). Die körperlichen Symptome werden irgendwann nachlassen. Wenn Du es schaffst, Deine Anspannung zu regulieren und herunterzufahren, wird Dein Körper es Dir danken, denn dann muss er es nicht mehr übernehmen, die Anspannung zu regulieren, es ist ja sein Weg, Dir helfen zu wollen oder Dir etwas mitteilen zu wollen.
Und dann kann sich eine Positiv-Spirale in Gang setzen (über die Psyche die innere Anspannung regulieren - dadurch weniger körperliche Symptome - dadurch weniger innere Anspannung - ...).

Geh' Deinen Weg mutig weiter! Auch wenn es sich nicht so anfühlt: Du machst das super! Gib' nicht auf, alles was Du gerade fühlst und erlebst ist Teil des Prozesses. Geh' Deinen Weg weiter! Es wird sich lohnen.

Alles Liebe und ganz viel Kraft
LG Silver

14.04.2021 19:43 • x 5 #25


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A


Starke Reaktion = Starke Wirkung bei Therapie?

x 3


silverleaf

silverleaf
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Liebe Nikieagle,

um erst einmal auf Deine Fragen vom Anfang einzugehen:
Ja, es ist völlig normal, dass sich durch die Therapie die Symptome verstärken und die Gesamtsituation sich erstmal verschlechtert. Darum unterschreibt man ja in so gut wie jedem Therapievertrag, dass man um die Risiken und Nebenwirkungen der Therapie weiß und "das Risiko eingeht".

Und es ist ja auch nur folgerichtig, dass es einem erst einmal schlechter geht. Der ganze Mist, der die Psyche belastet, wird ja oft über Jahre und Jahrzehnte von uns unterdrückt und verdrängt, damit man im Alltag funktioniert. Nur entfaltet dieser Mist ja trotzdem seine toxische Wirkung und produziert Symptome. Oftmals kann man diese über lange Zeit kompensieren, aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem das nicht mehr funktioniert.
Ein Therapeut von mir verglich diesen Prozess mit Atommüll, den man im Vorgarten vergraben hat. Man meint, man sieht ihn nicht (aus den Augen, aus dem Sinn), er verstrahlt aber weiter alles, nur im Verborgenen, und wenn man dann anfängt, ihn auszugraben, dann strahlt er erstmal sehr viel stärker. Aber es ist keine wirklich gesunde Alternative, ihn im Vorgarten liegenzulassen.

Du machst das sehr gut und Du bist eine starke Frau, auch wenn sich das vielleicht gerade anders anfühlt.
Und wie j_1411 schon schrieb: Du kannst wirklich stolz auf Dich sein!
Du hast Dich auf den Weg zur Heilung gemacht, und das ist eine tolle Leistung, die viel Mut erfordert. Sich seinen Problemen und Dämonen zu stellen ist nicht einfach, aber leider der einzige Weg, sich aus deren Fängen zu befreien.

Du wirst mit der Zeit lernen, besser mit Deinen Attacken umgehen zu können. Diese werden Dich vermutlich noch eine ganze Zeit begleiten, aber sie werden irgendwann nicht mehr so viel Macht über Dich haben. Du wirst durch die Therapie lernen, diese besser zu akzeptieren (solange sie noch da sind) und auszuhalten, ihnen die Wucht zu nehmen, zu lernen, dass sie Dir nicht wirklich etwas anhaben können (auch wenn sie sich furchtbar anfühlen) und vor allem: das sie auch wieder vorbeigehen. Das macht die Tatsache, dass sie da sind, erstmal nicht schöner, aber Deine Reaktion darauf kann das emotionale Leid, dass Du empfindest, abmildern, indem Du den Schmerz nicht durch Widerstand dagegen noch verstärkst. Irgendwann wirst Du sagen können: "Aha, ok, da ist meine Panik wieder, das kenne ich (oder besser gesagt: die kenne ich) gut, dann warte ich jetzt mal darauf, dass sie wieder geht" oder so ähnlich. Dadurch schaffst Du es, dass sich die Symptome nicht immer weiter hochdrehen, sondern diese Attacken weniger angsteinflößend werden.

Du hast ganz viele tolle Ressourcen, auf die Du zurückgreifen kannst, und Du hast Dir eine sehr hohe Alltagsfunktionalität bewahrt, das sind alles gute Voraussetzungen dafür, dass Du den Weg auch mutig weitergehen können wirst.
Eine Schematherapie ist doch ein vielversprechender Anfang!
Du konntest nach kurzer Zeit das stationäre Setting wieder verlassen und schaffst es, Tagesklinik und Alltag hinzubekommen, das muss man erstmal schaffen! Viele Patienten erreichen diesen Punkt erst nach laaanger Zeit (manche auch nie). Du machst das super, und lass' Dich nicht davon verunsichern, dass es sich gerade alles so mies und furchtbar anfühlt, das gehört leider zum Prozess dazu. Und gib' der Sache Zeit! Therapie braucht Zeit, und leider kann es dauern, bis man sich nach der Verschlechterung wieder besser fühlt. Aber irgendwann wird es besser! Bis dahin heißt es: Geduld haben und lieb und nachsichtig mit sich selber umgehen!

Viel Kraft für Deinen weiteren Weg,
LG Silver

12.04.2021 21:49 • x 5 #13


Zum Beitrag im Thema ↓


j_1411
Hallo Smile
Ich finde es super, dass du eine Therapie angefangen hast und deine Probleme angehst.
Ich habe genau die gleiche Erfahrung gemacht, nur nicht über so einen langen Zeitraum. Von den 8 Wochen waren die ersten 3 Wochen am schlimmsten und das sagen dir auch Ärzte. 2-3 Wochen wird es schlimmer, bevor es besser wird. Man fängt ja an, sich mit seinen Problemen zu beschäftigen und für die meisten ist das alles neu, was sie da (über sich) lernen. Das überfordert und kann die Symptome verschlimmern.
Was sagen denn die Ärzte und Betreuer dazu, dass es dir täglich so schlecht geht? Hast du deine Schübe nur vor Ort in der Tk oder auch/erst zu Hause?

x 2 #2


N
Wir haben die ersten 14 h nur reine Diagnostik gemacht und erst eine Stunde Störungsmodell abgefangen.

Meine Therapeutin sagt immer es wird lange dauern weil mein Trauma ausgeprägt ist und ich stark somatisch reagiere.

Die Schübe habe ich auch da. Zuhause ist es aber meistens schlimmer. Ich habe das Wochenende auch recht gut überstanden und seit 2 h ca gehts wieder rund in meinem Körper.

#3


N
Ich werde übrigens mindestens 4 Monate da bleiben. Wahrscheinlich mit kurzer Pause dann nochmal 4 Monate

#4


j_1411
Okay, dann wird es sicher auch länger dauern, wenn es bei dir so schlimm ist und dir jetzt schon angekündigt wird, dass du 2x 4 Monate da bist. Wieso hast du die Tagesklinik und keine stationäre Therapie gewählt?
Ich fand die Tagesklinik damals super für mich, da ich alles gelernte direkt zu Hause anwenden und in meinen Alltag integrieren konnte.
Gib dir, deinem Körper und deiner Seele Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Es wird besser werden. Versuch dich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Trauma brauchen Zeit um verarbeitet zu werden und führ dir immer vor Augen, was du alles schon geschafft hast

x 1 #5


N
Zitat von j_1411:
Okay, dann wird es sicher auch länger dauern, wenn es bei dir so schlimm ist und dir jetzt schon angekündigt wird, dass du 2x 4 Monate da bist. ...


Ich war schon 5 Wochen stationär. Da habe ich das alles schlimmste überwunden. Zb meine extreme Panik einen Tumor oder was mit dem Herzen zu haben. Ich habe aber einen 9 jährigen Sohn und wollte am Abend dann wieder bei ihm sein. Ich bekomme sonst mein leben auch gut auf die Reihe. War heute Radfahren, kümmere mich um den Haushalt, Gartenarbeit, einkaufen etc also alles was jeder "gesunde" Mensch macht nur halt mit ständigen Symptomen.

Wenn man mich so auf der Straße sehen würde, würde keiner glauben was in meinem Körper so los ist. Mein Freund sagt immer ich würde so enorme Fortschritte machen aber ich fühl mich halt echt nicht gut. Die Therapie wühlt einfach viel auf was ja aber gewollt ist bei einer Tiefentherapie.

x 1 #6


j_1411
Das ist doch super. Da hast du schon ein paar Dinge aufgezählt, die du überwunden hast und schaffst, trotz den Symptomen. Es gibt Menschen, die das nicht schaffen. Du kannst echt stolz auf dich sein! Und die Symptome bekommst du auch noch in den Griff. Wie gesagt, setz dich nicht zu sehr unter Druck und hör auf deinen Freund. Manchmal will man zu viel auf einmal, aber das geht nicht. Ein Schritt nach dem anderen und dann wird alles gut Smile

x 1 #7


N
Zitat von j_1411:
Das ist doch super. Da hast du schon ein paar Dinge aufgezählt, die du überwunden hast und schaffst, trotz den Symptomen. Es gibt Menschen, die das ...



Vielen Dank, für deine tollen Worte!

Man ist nur immer so verunsichert, wenn es mal eine Woche ganz ok ist und dann wieder 2 Wochen viel schlimmer. Ich hoffe einfach das die Therapie anschlägt und nehme in Kauf das ich vorher nochmal durch die Hölle muss um ein besseres Leben zu führen. Man will einfach nur das die Schübe aufhören und die anderen Symptome auch weniger werde. Weil die zerren echt an der Energie und den Nerven

#8


Jolande
Zitat von Nikieagle:
Ich war schon 5 Wochen stationär. Da habe ich das alles schlimmste überwunden. Zb meine extreme Panik einen Tumor oder was mit dem Herzen zu haben. ...


Mir geht es wie dir, Außenstehende merken gar nicht was los ist. Zeige das nicht nach außen und rede nur allgemein drüber. Ich versuche halt stark zu sein für die Kinder, hoffe dass ich demnächst stationär gehen darf und mit meiner Tochter zusammen. Ohne geht gar nicht.
Liebe Grüße

x 1 #9


N
Jetzt sitz ich im Auto und warte bis das Fußballtraining vorbei ist und habe wahnsinnige Übelkeit und Panik im Körper. Könnte auf der Stelle heulen und bin verzweifelt weil ich kein Licht am Ende des Tunnels sehe. Ich weiß dass ich mitten im Prozess stecke. Aber zur Zeit geht die Spirale nach unten.

#10


E
Furchtbar das Gefühl.
Ich denke, ja es kann mit an der Therapie zusammen hängen. Aber wenn man an der doofen Angst leidet kommt sie wann sie will.
Drück dich

x 1 #11


N
Zitat von Emilnala:
Furchtbar das Gefühl. Ich denke, ja es kann mit an der Therapie zusammen hängen. Aber wenn man an der doofen Angst leidet kommt sie wann sie will. ...


Laut der Therapeutin und den Ärztin habe ich ja keine Angststörung sonder eine Panikstörung sowie eine mittelschwere Depression und eine somatische Störung.

Ich dachte einfach durch die Klinik wird jetzt langsam alles besser aber meine körperlichen Symptome und die Unruhe, Anspannung und Panik ist immer noch wie am Anfang.

#12


silverleaf
Liebe Nikieagle,

um erst einmal auf Deine Fragen vom Anfang einzugehen:
Ja, es ist völlig normal, dass sich durch die Therapie die Symptome verstärken und die Gesamtsituation sich erstmal verschlechtert. Darum unterschreibt man ja in so gut wie jedem Therapievertrag, dass man um die Risiken und Nebenwirkungen der Therapie weiß und "das Risiko eingeht".

Und es ist ja auch nur folgerichtig, dass es einem erst einmal schlechter geht. Der ganze Mist, der die Psyche belastet, wird ja oft über Jahre und Jahrzehnte von uns unterdrückt und verdrängt, damit man im Alltag funktioniert. Nur entfaltet dieser Mist ja trotzdem seine toxische Wirkung und produziert Symptome. Oftmals kann man diese über lange Zeit kompensieren, aber irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem das nicht mehr funktioniert.
Ein Therapeut von mir verglich diesen Prozess mit Atommüll, den man im Vorgarten vergraben hat. Man meint, man sieht ihn nicht (aus den Augen, aus dem Sinn), er verstrahlt aber weiter alles, nur im Verborgenen, und wenn man dann anfängt, ihn auszugraben, dann strahlt er erstmal sehr viel stärker. Aber es ist keine wirklich gesunde Alternative, ihn im Vorgarten liegenzulassen.

Du machst das sehr gut und Du bist eine starke Frau, auch wenn sich das vielleicht gerade anders anfühlt.
Und wie j_1411 schon schrieb: Du kannst wirklich stolz auf Dich sein!
Du hast Dich auf den Weg zur Heilung gemacht, und das ist eine tolle Leistung, die viel Mut erfordert. Sich seinen Problemen und Dämonen zu stellen ist nicht einfach, aber leider der einzige Weg, sich aus deren Fängen zu befreien.

Du wirst mit der Zeit lernen, besser mit Deinen Attacken umgehen zu können. Diese werden Dich vermutlich noch eine ganze Zeit begleiten, aber sie werden irgendwann nicht mehr so viel Macht über Dich haben. Du wirst durch die Therapie lernen, diese besser zu akzeptieren (solange sie noch da sind) und auszuhalten, ihnen die Wucht zu nehmen, zu lernen, dass sie Dir nicht wirklich etwas anhaben können (auch wenn sie sich furchtbar anfühlen) und vor allem: das sie auch wieder vorbeigehen. Das macht die Tatsache, dass sie da sind, erstmal nicht schöner, aber Deine Reaktion darauf kann das emotionale Leid, dass Du empfindest, abmildern, indem Du den Schmerz nicht durch Widerstand dagegen noch verstärkst. Irgendwann wirst Du sagen können: "Aha, ok, da ist meine Panik wieder, das kenne ich (oder besser gesagt: die kenne ich) gut, dann warte ich jetzt mal darauf, dass sie wieder geht" oder so ähnlich. Dadurch schaffst Du es, dass sich die Symptome nicht immer weiter hochdrehen, sondern diese Attacken weniger angsteinflößend werden.

Du hast ganz viele tolle Ressourcen, auf die Du zurückgreifen kannst, und Du hast Dir eine sehr hohe Alltagsfunktionalität bewahrt, das sind alles gute Voraussetzungen dafür, dass Du den Weg auch mutig weitergehen können wirst.
Eine Schematherapie ist doch ein vielversprechender Anfang!
Du konntest nach kurzer Zeit das stationäre Setting wieder verlassen und schaffst es, Tagesklinik und Alltag hinzubekommen, das muss man erstmal schaffen! Viele Patienten erreichen diesen Punkt erst nach laaanger Zeit (manche auch nie). Du machst das super, und lass' Dich nicht davon verunsichern, dass es sich gerade alles so mies und furchtbar anfühlt, das gehört leider zum Prozess dazu. Und gib' der Sache Zeit! Therapie braucht Zeit, und leider kann es dauern, bis man sich nach der Verschlechterung wieder besser fühlt. Aber irgendwann wird es besser! Bis dahin heißt es: Geduld haben und lieb und nachsichtig mit sich selber umgehen!

Viel Kraft für Deinen weiteren Weg,
LG Silver

x 5 #13


N
Zitat von silverleaf:
Liebe Nikieagle, um erst einmal auf Deine Fragen vom Anfang einzugehen: Ja, es ist völlig normal, dass sich durch die Therapie die Symptome ...


Wow vielen vielen Dank, für diese wahnsinnig tolle Nachricht. Es tut so gut solche Worte zu hören und zu wissen, es sind nicht nur irgendwelche Floskeln die beruhigen sollen.

Ich versuche die Panik anzunehmen aber sie überrollt mich noch so oft zu sehr. Ich möchte einfach ein schönes Leben führen mit meinen Lieben. Diese Geduld aufzubringen ist einfach nicht meine Stärke aber ich hoffe, ich kann es lernen.

x 1 #14


j_1411
Das wirst du lernen, da bin ich mir ganz sicher.
Weißt du, was mir unglaublich geholfen hat? Ich habe meiner Angst "ein Gesicht" gegeben. In der Therapie hieß es "das Monster am Wegesrand". Da gibt es sicher bei Google was dazu. Ich habe meiner Angst einen Namen gegeben und sie ist ein Tier (mehr möchte ich nicht verraten) und wenn die Angst kommt, sage ich "hallöchen, ach du schon wieder. Komm ich streichel dich, bis es dir besser geht." es hat mir geholfen, meine angst besser anzunehmen. Ich bin nämlich nicht meine angst! Und du bist auch nicht deine angst!

x 1 #15


N
Zitat von j_1411:
Das wirst du lernen, da bin ich mir ganz sicher. Weißt du, was mir unglaublich geholfen hat? Ich habe meiner Angst "ein Gesicht" gegeben. ...


Ich hab jetzt schon 2/3 mal zu meinem inneren Kind gefunden als die Panik in mir hoch kam. Theoretisch ist mir schon zu einem kleinen Anteil klar woher es kommt. Nur sind mir meine körperlichen Symptome zu stark das ich wenig Energie habe dahin zu spüren. Deswegen haben wir heute entscheiden noch ein neues Medikament zu probieren. Quetiapin heißt das. Bin gespannt ob es mir hilft.

#16


j_1411
Und was hat dir dein inneres Kind gesagt, als du diese Panik hattest?

x 1 #17

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N
Zitat von j_1411:
Und was hat dir dein inneres Kind gesagt, als du diese Panik hattest?


Das es traurig und alleine ist.

#18


j_1411
Zitat von Nikieagle:
Das es traurig und alleine ist.


Und bist du traurig und alleine?

#19


N
Zitat von j_1411:
Und bist du traurig und alleine?


Als Kind war ich es und hab es nicht gespürt, heute spüre ich es bin es aber nicht ...

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Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher
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