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ChillingEffect
Hallo zusammen,

Ich bin ziemlich bei hier und habe mich jetzt schon eine Zeit durch eure Beiträge gelesen. Jetzt habe ich auch selbst Mal eine Frage, auf die vielleicht der/die ein oder andere eine Antwort hat.

Seit Wochen hänge ich in einem ziemlich tiefen Loch. Warum das so ist bzw wo die Gründe liegen ist schwierig zu sagen, ich weiß es selbst nicht so genau. Ich habe nächste Woche auch einen Termin bei meinem Hausarzt bezüglich Beratung und Überweisung zu einem Psychologen.

Das es mir jedoch aktuell nicht so gut geht (und ich befürchte, dass aktuell Termine bei einem Psychologen schwer zu bekommen sind) und ich jeden Abend zu Hause sitze und mir Gedanken mache, weine und es mir schlecht geht, wollte ich einen "Plan B" haben.

Ich tue mir derzeit selbst nicht gut (selbstverletztendes Verhalten usw) und sehe, wie es immer schlimmer wird. Ich weiß, dass ich aus diesem Strudel alleine nicht heraus komme.

Hat jemand von euch Erfahrung damit, sich selbst einzuweisen und wenn ja, wie läuft das ab? Finden dann Gespräche statt oder wird man erstmal ist Medikamenten beruhigt und wie lange dauert so ein Aufenthalt? Darf man sein Handy behalten um ein wenig Kontakt zu Freunden etc zu halten oder wird man davon erstmal "befreit"?

Vielleicht ein paar komische Fragen, aber das Thema geht mir schon eine Weile im Kopf herum und so langsam muss ich was tun.

Ich sage schon Mal vielen lieben Dank!
ChillingEffect

27.07.2021 17:31 • 28.07.2021 #1


14 Antworten ↓


AndreaSteffi
Hallo, hatte auch diese Angst und habe vom Hausarzt eine Überweisung mit dringlichkeitscode bekommen und dann über die 116117 innerhalb kurzer Zeit einen Psychologen bekommen

27.07.2021 17:34 • x 2 #2



Selbsteinweisung in Klinik - wie ist der Ablauf?

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Gibt es ein Sanatorium in der Nähe bei dir ? kann ich mehr empfehlen als eine Klinik , ich war schon 2 mal in einer Klinik am Ende hat selbst mein Vater gesagt eine Klinik habe ich nie gebraucht nur einen Rückzugsort ein Erholungsort wo ich mich erholen könnte = Sanatorium .

Sich in eine Klinik einweisen hab ich auch gemacht , jedoch würde ich diesen Schritt nur gehen wenn du Suizid gedanken hast oder du echt nicht mehr aufstehen weitermachen willst ,

Bei Selbstverletzendem Verhalten würde ich mich einweisen lassen , irgendwann gehst du sogar soweit dass du dich umbringst damit oder dich sogar an den Schmerz gewöhnst .

Hab auch ein Suizidversuch hinter mir , ist wirklich stechend schmerzvoll , lass es lieber . Rede mit einem Hausarzt als erstes wenn es nicht anders geht , Klinik aber ich rate dir zum Sanatorium

27.07.2021 17:35 • x 1 #3


1RosaRot1
Also ich glaube das ist sehr unterschiedlich.

Ich selber habe mich Ende letzen Jahres auch selber einweisen lassen. Je nachdem auf welche Station du kommst gibt es verschiedene Schwerpunkte. Ich war auf einer akutstation. Da liegt der Schwerpunkt auf Medikamenteneinstellung und das schlimmste abzufangen. Gespräch gab es 1 mal pro Woche, 2x Ergo und etwas Sport. Auf den Therapiestationen läuft es dann aber anders.

27.07.2021 17:36 • x 2 #4


1RosaRot1
Handy darf man behalten, und wenn keine Gefahr für dich oder andere besteht darf man auch raus. Man muss sich dann nur immer abmelden und die Pfleger*innen öffnen die Tür. Ich würde an deiner Stelle in deiner Klinik anrufen und fragen. Würde nie wieder auf eine Akutstation gehen. Versuch direkt auf die Therapiestation zu kommen aber da gibt es leider oft lange Wartelisten. vielleicht auch Tagesklinik. Da war ich echt gut aufgehoben.

27.07.2021 17:42 • x 1 #5


ChillingEffect
Vielen lieben Dank für eure schnellen und hilfreichen Antworten!

@AndreaSteffi : mit der 116 117 und dem Dringlichkeitscode ist ein guter Rat, danke dafür. Aber die Dringlichkeit hierfür muss ja dann der Hausarzt feststellen oder?

@Alex123 : nach einem Sanatorium habe ich noch nicht gekuckt, werde ich definitiv machen. Suizidgedanken habe ich derzeit nicht, vielleicht ist dann tatsächlich ein Sanatorium besser als eine Klinik. Vielen Dank für den Gedankenanstoß!

@1RosaRot1: vielen Dank fürs teilen deiner Erfahrung. Ich kenne mich da leider so gar nicht aus und weiß nicht, ob Medikamente aktuell sinnvoll sind oder eher Gespräche. Ich hoffe, mein Hausarzt kennt einen guten Facharzt, der zeitnah einen Termin hat und da helfen kann.

27.07.2021 17:44 • x 2 #6


1RosaRot1
Zitat von ChillingEffect:
Vielen lieben Dank für eure schnellen und hilfreichen Antworten! @AndreaSteffi : mit der 116 117 und dem Dringlichkeitscode ist ein guter Rat, danke ...



ich habe am Anfang welche genommen aber die nach 8 Wochen wieder aus meinem Leben verbannt. Meine Therapeutin jetzt möchte auch das ich keine nehme. Aber diese Entscheidung muss jeder selber treffen.

27.07.2021 17:47 • x 1 #7


AndreaSteffi
Zitat von ChillingEffect:
Vielen lieben Dank für eure schnellen und hilfreichen Antworten! @AndreaSteffi : mit der 116 117 und dem Dringlichkeitscode ist ein guter Rat, danke ...


Das ging recht fix , dass sie mir das ausgestellt hat. Probiers einfach mal

27.07.2021 17:52 • x 1 #8


cube_melon
Zitat von ChillingEffect:
Ich tue mir derzeit selbst nicht gut (selbstverletztendes Verhalten usw) und sehe, wie es immer schlimmer wird. Ich weiß, dass ich aus diesem Strudel alleine nicht heraus komme.

Das ist gut das Du die Zeichen erkennst und handelst.

SVV kommt bei Diagnosen vor, wo man ein angepasstes Leben führen sollte.
Dennoch kann das selbst bei langjährig therapieerfahren Menschen eine solche Phase auftreten.

Es gibt in jedem Landkreis eine sog. PIA (psychiatrische Institutionsambulanz). Da könntest Du anrufen und deine Situation schildern. In der Regel haben die Ideen und lokale Ressourcen.

Bis dahin versuche dich herunter zu skillen, bevor Du in den Stresstoleranzbereich kommst.
Aber nochmal - so was darf sein. Es stellt ersteinmal keine direkte Gefahr da, aber erfordert ein zeitnahes, angepasstes Handeln von dir.

Viel Erfolg

27.07.2021 19:16 • x 2 #9


ChillingEffect
Zitat von cube_melon:
Das ist gut das Du die Zeichen erkennst und handelst. SVV kommt bei Diagnosen vor, wo man ein angepasstes Leben führen sollte. Dennoch kann das selbst bei langjährig therapieerfahren Menschen eine solche Phase auftreten. Es gibt in jedem Landkreis eine sog. PIA (psychiatrische Institutionsambulanz). Da könntest Du ...


Danke für deine Worte. "ein angepasstes Leben führen sollte" glaub das trifft es ziemlich gut. Man muss "funktionieren" und spielt so tagsüber seine Rolle. Aus der Sicht habe ich das selbst noch nicht gesehen. Nach einer PIA werde ich mal Ausschau halten. Ich denke, so einen "Notfallplan" zu haben ist sicherlich nicht verkehrt wo man sich hinwenden kann wenn man mal so gar keinen Ausweg mehr weiß.

Eine "Gefahr" ist es nicht, vielleicht ein unschönes Verhalten welches was man auf Dauer sicherlich ändern muss, da gebe ich dir vollkommen recht. Aber ich denke, wenn man Unterstützung bekommt findet man gewiss andere Wege, um mit solchen Situationen umzugehen.

27.07.2021 21:40 • x 1 #10


silverleaf
Hallo ChillingEffect,

es tut mir sehr leid, dass es Dir aktuell so besch*** geht!

Für mich klingt es aber auch eher so, als könnten ambulante Maßnahmen und ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik für Dich durchaus noch ausreichend sein. Eine Notwendigkeit zur Selbsteinweisung in ein Krankenhaus sehe ich bei Dir, wie einige meiner Vorredner auch, nicht wirklich dringend gegeben. Du schreibst selber, dass Du nicht
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suizidal

bist. Eine Selbsteinweisung erfolgt ja über die Notaufnahme, und einen aktuellen Notfall gibt es ja bei Dir nicht. Im Rahmen dieser Notfalleinweisungen geht es ja auch erstmal nur um eine konkrete Stabilisierung und Abwendung der aktuellen Krise, nach ein paar Stunden oder Tagen wird man entlassen, viel an Therapie findet nicht statt (falls überhaupt), zumeist werden nur Medikamente gegeben, um die aktuelle Krise zu beenden.

Und ich glaube nicht, dass es das ist, was Du brauchst! Du benötigst imho eine andere Form von Hilfe und Unterstützung.

SVV ist ja ein vielschichtiges Problem, und auch die Gründe dafür sind vielschichtig. Es ist aber kein Grund für eine Notaufnahme, es sei denn, die Wunde musst ärztlich versorgt werden
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sprich: Du hast zu tief geschnitten und musst genährt werden

, und auch dann wirst Du nicht aufgenommen, sondern nur versorgt und wieder entlassen, wenn klar ist, dass es kein
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Suizidversuch

war. Es ist leider ein Symptom, das bei so einigen psychischen Diagnosen immer wieder auftreten kann, auch wenn es nicht schön ist und über die Zeit durch funktionalere Kompensationsmechanismen ersetzt werden sollte, da stimme ich @cube_melon völlig zu. Aber es ist kein "Notfall" im eigentlichen Sinn. Es sollte therapeutisch behandelt werden, ganz klar, aber nicht unbedingt im Setting einer Notfall-Aufnahme. Ausnahme: Es sind doch
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Suizidgedanken

im Spiel!

Ich würde an Deiner Stelle an mehreren Punkten ansetzen. Versuche auf jeden Fall, einen ambulanten Therapieplatz zu bekommen, auch wenn es etwas dauern kann. Lass' Dich auf Wartelisten setzen, auch wenn es zermürbend sein kann, bleib' am Ball. Parallel dazu kannst Du Dich um einen Klinikplatz in einer psychosomatischen Klinik bemühen (sprich: Einweisung beim Arzt holen, Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragen, in einer Klinik anmelden). Eine solche Klinikaufnahme dauert etwas, aber dafür bekommst Du dort dann auch eine intensive therapeutische Behandlung. Dort wird auch an SVV intensiv gearbeitet, alternative Verhaltensweisen und Skills vermittelt. Diese sind ganz wichtig, wie @cube_melon ja auch schon geschrieben hat.
Ich habe selber große Probleme mit SVV und mehrer Klinikaufenthalte dafür (u.a.) gemacht (bei mir war es eine DBT-Behandlung im Zusammenhang mit mehreren Persönlichkeitsstörungen, u.a. Borderline). DBT kann man auch ambulant machen.
Ein Weg kann auch die Tagesklinik sein, da ist der Anmeldeprozess zwar vergleichbar mit dem des vollstationären Aufenthalts, aber die Wartezeiten sind oftmals kürzer, das Therapieprogramm ist vergleichbar, man schläft halt nur zu Hause.

Ansonsten kannst Du nach Selbsthilfegruppen suchen (gerade im Bereich Depressionen und SVV), Du kannst Dir vom Arzt ambulante psychiatrische Pflege (APP) verschreiben lassen und die ortsansässige PIA ist auch eine gute Idee, auch da kann ich mich @cube_melon voll anschließen, ich habe mit all diesen Maßnahmen gute Erfahrungen gemacht.

Du siehst: Du hast einen bunten "Strauß" an Möglichkeiten für Notfallpläne, es muss nicht die Notfallaufnahme/Selbsteinweisung sein. Es gibt viele Alternativen.

Viel Erfolg,

LG Silver

28.07.2021 20:09 • x 2 #11


ChillingEffect
@silverleaf danke für deine sehr ausführliche, ehrliche und hilfreiche Antwort.

Nach einer Selbsthilfegruppe wegen SVV und Depressionen werde ich mich Mal erkundigen. Montag habe ich ja meinen Termin beim Arzt und werde versuchen, offen und ehrlich mit ihm zu sprechen damit man die richtige Therapieform finden kann.

Ich kann mir vorstellen, dass es sehr zermürbend sein kann, auf einen Therapieplatz zu warten und auf Wartelisten zu stehen. Aber damit ist dann der erste große Schritt getan und sicherlich schon viel gewonnen. Sonst habe ich noch einen sehr guten Freund, mit dem ich offen sprechen kann was mir sehr oft hilft und somit auch dann auch eine eventuelle Wartezeit gut überbrücken lässt.

Nochmals vielen Dank für deine Worte!

28.07.2021 21:24 • x 1 #12


silverleaf
@ChillingEffect

Sehr gerne !

Ich freue mich, dass ich Dir ein kleines bisschen weiterhelfen konnte.

Zitat:
Ich kann mir vorstellen, dass es sehr zermürbend sein kann, auf einen Therapieplatz zu warten und auf Wartelisten zu stehen. Aber damit ist dann der erste große Schritt getan und sicherlich schon viel gewonnen


Das kann ich nur absolut bestätigen ! Man durchbricht damit dieses Gefühl von Hilflosigkeit und steigert das Erleben von Selbstwirksamkeit, und das kann schon ganz viel Positives mit einem machen (mir geht es zumindest so).
Bei mir war es schon häufig so, dass es mir manchmal schon besser ging, wenn ich es einfach geschafft habe, bestimmte Dinge "anzuschieben", einen Anruf zu tätigen, eine Anmeldung auszufüllen... Es gibt einem das Gefühl, dass es irgendwie weitergeht, dass man diesen schweren "Panzer" aus lähmender Verzweiflung durch Aktivität (in welche Richtung auch immer) etwas durchbrechen kann. Mich in einer Klinik anzumelden, auch wenn ich weiß, dass ich vermutlich monatelang auf den Platz warten muss. Mich bei bestimmten Therapeuten auf Wartelisten setzen zu lassen, auch wenn es noch dauert.
Man hat dann ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann. Und manchmal wundert man sich auch, wie schnell z.B. 6 Monate vergehen können, wenn man wieder eine Perspektive hat.

Viel Erfolg und alles Gute!
LG Silver

28.07.2021 23:01 • x 1 #13


ChillingEffect
@silverleaf

Da kann ich dir nur zustimmen. Der erste Schritt, proaktiv was zu machen gegen die aktuelle Situation tat schon gut. Auch wenn es nur Mal der Anruf beim Arzt war bezüglich einer Beratung und einer hoffentlich stattfindenden Überweisung. Aber wie du sagst, man hat eine Perspektive auf die man hinarbeiten kann und das gibt einem ein gutes Gefühl und auch ein wenig Hoffnung

28.07.2021 23:06 • x 1 #14


silverleaf
@ChillingEffect

Das ist super und freut mich sehr !

Ich drücke Dir alle Daumen, dass bald aufwärts geht und wünsche Dir viel Erfolg für den Beratungstermin beim Arzt !

LG Silver

28.07.2021 23:19 • x 1 #15



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