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RobertAntonG
Gast

Ist jemand von euch der Psychiatrie bzw. der Psychotherapie gegenüber eher kritisch eingestellt - sei es aufgrund von eigener Erfahrungen oder sonstigen Ursachen? Haben vielleicht die bisherige psychotherapeutische Behandlung oder die Psychopharmaka nicht gewirkt? Seid ihr dem Ganzen grundsätzlich skeptisch gegenüber? Würde mich echt interessieren.

08.11.2024 x 1 #1


92 Antworten ↓
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Chris_ohne_BBBB
Mitglied

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Zitat von Angstmaschine:
Nur muss der Wille (und die Kraft) zur Selbstreflexion auch da sein. Und der fehlt bei vielen glaube ich, vor allem am Anfang einer Krise. Da wünscht man sich das alte Leben zurück, was umso widersinniger ist, weil doch grade das alte Leben zur Krise geführt hat.


Es gibt einige deren Leben vor der Erkrankung „normal” war. Bei anderen war es von Anfang an nicht normal.

Dass bei ersteren der Wunsch nach dem alten „normalen” Leben besteht, auch wenn es vielleicht gar nicht möglich und vielleicht auch gar nicht gut für die Gesundheit ist, kann ich verstehen. Da braucht es sicherlich Zeit um zur Erkenntnis zu gelangen, dass es ein anderes Leben braucht. Ein Leben in dem gesundheitliche Stabilität im Vordergrund steht.

Bei Letzteren steht oft und so war (ist) es auch bei mir der Wunsch und der Druck von der Gesellschaft im Vordergrund zu funktionieren. Der Irrglaube, wenn ich mich nur intensiv genug anstrenge, dann kann ich auch das leisten, was andere leisten, hat nicht selten schwere Folgen: Versagensangst, Minderwertigkeitskomplexe, Depressionen, soziale Phobie usw. Ich habe schon lange unterbewusst das Gefühl gehabt, dass es nicht richtig sein kann, dass die Gesellschaft und die Wirtschaft (Schule, Arbeitsleben usw.) Menschen vor allem nach ihrer Funktionsfähigkeit bewertet. Meiner Ansicht nach ist das sehr kurzsichtig und lässt ganz viel Potenzial sowohl gesellschaftlich als auch wirtschaftlich ungenutzt.

Ich bin gerade dabei das seit vielen Jahren in meinem Unterbewusstsein schlummernde Gefühl, dass Menschen viel mehr sind als ihre gesellschaftliche und wirtschaftliche Kompatibilität, wahrzunehmen und entsprechend zu handeln. Ich glaube, es geht vielen, die von Kindesbeinen an krank sind, so, dass sie ihre eigene Haltung überdenken müssen: Kann und will ich um jeden Preis Leistung erbringen um die Forderungen von Wirtschaft und Gesellschaft zu erfüllen und wenn die Antwort “nein” lautet wie kann ich mich sinnvoll an der Gesellschaft und dem Arbeitsleben beteiligen? Wie kann ich meine Fähigkeiten einbringen? Wie kann ich meine Defizite kompensieren und da wo ich sie nicht kompensieren kann akzeptieren und einen für mich passenden Weg finden damit umzugehen?

22.09.2024 13:45 • x 6 #62


Zum Beitrag im Thema ↓

A


Psychiatrie- bzw Psychotherapie - kritisch eingestellt?

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E

Ex-Mitglied
Gast

Zitat von Jakob02:
Die diesbezüglichen Unterstellungen, wie sie gestern in der Sitzung geäußert wurden, verletzen mich nicht nur emotional, sondern führen auch zu einem tiefgreifenden Zweifel an meinem eigenen Charakter. Ich beginne zu hinterfragen, ob ich möglicherweise ein größeres A. bin, als ich zuvor angenommen hatte. Solche Aussagen werfen nicht nur Schatten auf mein Selbstverständnis, sondern erschüttern auch mein Vertrauen in meine zwischenmenschlichen Fähigkeiten und vor allem ethischen Überzeugungen.


Hach, Jakob...seufz.
Ich verstehe deine Situation und vor allem fühle ich den Konflikt, der in dir ausgetragen wird.

Mittlerweile hab ich dich ja durch die Nachrichten (Postfach ist übrigens voll) etwas kennengelernt und du bist weder ein Besserwisser, noch bist du ansatzweise ein A.

Beides kannst du getrost aus dem Vokabular einer Selbstbezeichnung streichen.

Du bist ein Mensch, der die Dinge komplettieren will. Der die Puzzleteile zusammensetzen will, um das ganze Bild betrachten zu können.

Deine Eigenschaft, einen Ball nicht nur als rund zu bezeichnen, sondern ihn begrifflich schärfer zu stellen, um ihn begreifbarer zu machen ist eine Tugend des Perfektionismus und keine Sünde, der Besserwisserei, um sich im Sinne des Strebens nach Macht zu profilieren.

Heutzutage wird beides allzuoft unisono in einen Topf geworfen, um sich nicht die Mühe zu machen, zu differenzieren worin der Unterschied liegt.

Es gibt den Perfektionismus, als Ausdruck des menschlichen Strebens nach Wahrheit, und es gibt den Hang, sich mit Wissen zu rühmen, um Macht zu gewinnen.

Du bist ein Perfektionist.
Das ist mMn dein "Problem".

Problem deshalb, weil du damit a) bei Menschen anecken wirst, denen diese Last zu schwer ist, um sie wegstoßen zu wollen und b) eben diese Last auf dir selbst liegt.

Du bist das, was man mythologisch und archetypisch als Typus Atlas bezeichnet.

Allerdings war selbige Bürde des Atlas eine Bestrafung der Götter des Olymps, sich als Titan gegen selbige aufzulehnen. Ihre Ordnung infrage zu stellen. Ihre Macht herauszufordern.

Nur waren es nicht die Titanen, die diesen Krieg begonnen haben, sondern die Götter des Olymp, die sich provoziert gefühlt haben.

Und dieser sinnbildliche Kampf, ist das was du mit anderen Menschen erfährst. Sie fühlen sich von dir provoziert, weil du ihnen mit dem Perfektionismus den eingebildeten Gottstatus streitig machst.

Und deshalb eckst du bei mir zB nicht an. Ich bin zwar älter als du, und würde mich selbst nicht unbedingt als ungebildet bezeichnen, aber ich merke, dass du mir intellektuell, dH kognitiv-kapazitiv überlegen bist.

Ich könnte jetzt sagen, mimimi Jakob ist viel schlauer, der muss weg, aber weißt du, ich finde es im Gegenteil befreiend - weil es mich von meiner Last befreit, dir etwas erklären zu müssen.

Das muss ich aber nicht.
Du verstehst mich. Ich verstehe dich.

Aber...
Und es gibt ja immer dieses sch. Aber.

Du wirst dieses Dasein nicht ablegen können. Du wirst morgen kein Schlumpf sein, nur weil du dich blau anmalst oder nach Schlumphausen ziehst.

Du musst lernen mit dieser Bürde zu leben, dass nicht jeder Mensch dich verstehen wird und sich viele Menschen von dir herausgefordert fühlen, weil du ihre Macht infrage stellst.

Das kannst du aber nur lernen, wenn du wirklich akzeptierst Jakob zu sein und wenn du dir selbst auch die Chance gibst, dir nicht jeden Morgen die Welt auf die Schultern zu legen.

Ich weiß das klingt einfach gesagt.
Aber so ist es nun mal.
Du musst nicht perfekt sein, um perfekt zu sein - und sei es nur für einen einzigen Menschen, nämlich dich selbst, der sich auch dann akzeptiert, wenn etwas nicht optimal gelaufen ist.

31.10.2024 17:46 • x 3 #78


Zum Beitrag im Thema ↓


Sonja77
Ich bin seit vielen Jahren psychisch schwer krank
Bin seit bald 7 Jahren durchgehend in Psycho Psychotherapie bis jetzt hat sie mir nicht geholfen

Ich persönlich stehe der Psychotherapie skeptisch gegenüber durch meine persönlichen Erfahrungen

Ich kenne aber auch viele denen es wirklich sehr geholfen hat

Psychopharmaka stehe ich persönlich gut gegenüber da sie mir sehr geholfen haben und ich ohne sie heute wahrscheinlich nicht mehr hier wäre

x 7 #2


H
Sehe es ähnlich wie meine Vorrednerin.

Medikamente ja, Therapie nur bis zu einem gewissen Grad. Bin seit 12 Jahren in unterschiedlichen Therapien gewesen, einen richtigen Durchbruch hatte keine. Habe immer noch Suizidgedanken und verfalle in alte Muster, sobald Stress aufkommt. Bin gerade in der Akzeptanzphase, dass ich damit so wohl leben muss.

x 3 #3


Logo
So sehe ich es auch. Bin empfindlich auf jeden Versuch der Manipulation. Durchschaue es, auch wenn es gut gemeint ist. Da funktioniert Psychotherapie nicht. Mit Medikamenten bin ich bis zur Diagnose medikamentös gut eingestellt gekommen und seit paar Wochen nehme ich nichts mehr und bin mit der Sache durch. Dachte auch, dass ich das Medi bis zum Ende nehmen muss.

x 2 #4


R
Herzlichen Dank euch allen!

#5


C
Es gibt, wie überall, Bewegungen in die eine oder andere Richtung.
Man kann nicht generell sagen, dass die Psychiatrie oder Psychotherapie gut oder schlecht ist, viel hängt auch damit zusammen, die richtige Kombination für den Einzelfall zu finden.
Allgemein ist vieles im Umbruch, die Psychiatrie wird immer multimodaler und 'subjektiver', man weiß, dass man keine Messgeräte oder Laborparameter hat, also verlässt man sich endlich wieder aufs Gefühl.
Die Diagnosebücher der Psychotherapie werden gerade erneuert, es gibt die Einbindung breiterer außertherapeutischer Maßnahmen und so weiter, andererseits ist der Vormarsch der Psychopharmakologie eher kritisch zu sehen.

x 4 #6


Kruemel_68
@RobertAntonG Bei mir ist es gerade andersrum wie bei meinen Vorrednern - ich stehe der Psychiatrie und der breiten Palette von Psychopharmaka sehr kritisch gegenüber. Ich habe noch keinen Psychiater getroffen, dem ich vertrauen würde und ich glaube, dass man mit Medikamenten nur die Probleme deckelt und sich dadurch viel verbaut (Ausnahme schwere Depressionen mit Suizidgedanken, da geht es oft nicht anders).

Ich bin aber ein großer Fan der Psychotherapie und glaube, dass man mit der richtigen Therapieform, dem passenden Therapeuten und dem Willen, sich zu ändern viel erreichen kann.

x 6 #7


C
@Kruemel_68

Tendenziell vertrete ich auch diese Richtung, aber in der Psychiatrie tut sich gerade was.
Was nicht heißt, dass man nicht noch immer gegen ältere Strukturen ankämpfen muss.

x 2 #8


C
@RobertAntonG
Die Sprachwissenschaftlerin Elke Prestin ist als Patientin einige Monate in der Akutpsychiatrie behandelt worden. Sie hat auf Grund ihrer Erfahrungen als Patientin angefangen sich mit der Psychiatrie auseinanderzusetzen. U.a. hat sie den nachfolgend verlinkten Aufsatz zusammen mit Michael Schulz zum Thema „KommuniKation in der stationären Akutpsychiatrie” geschrieben.
Es sind 12 Seiten. Dieser Aufsatz sollte Pflichtlektüre in der Facharztausbildung im Bereich Psychiatrie und Neurologie und von Pflegekräften in der Psychiatrie werden.
https://www.thieme-connect.com/products...275380.pdf

x 3 #9


R
@Chris_ohne_BBBB Herzlichen Dank!

x 1 #10


Türknopf
Hallo! Ein sehr interessantes Thema, super! Ich bin den regulären Therapieformen mittlerweile fast schon abgeneigt. Ich habe mehrere Verhaltenstherapien gemacht und einen psychosomatischen Klinikaufenthalt. Beides hat für eine gewisse Zeit funktioniert, jedoch nicht auf Dauer, sprich geheilt wurde ich dadurch nicht. Ich habe alles mögliche umgesetzt was ich da gelernt habe und habe das erlernte bis heute in mein Leben integriert. Trotzdem bekam ich wieder Panikattacken und Ängste, sodass ich vor kurzem auf mein altes Paychopharmaka zurückgreifen musste. Und ja das hilft. Auch dem bin ich kritisch gegenüber und wünschte es würde ohne gehen, tut es aber im Moment nicht. Ich denke die Zukunft liegt in den neueren Therapiemethoden, Ego State, ioPT und ein paar andere mit denen ich mich nicht auskenne. Auch glaube ich mittlerweile an unsere Selbstheilungskräfte und denke, dass jeder für sich einen guten Weg finden muss mit sich gut umzugehen. Gerne mit Begleitung von außen, aber nicht mit den „alten“ Methoden. Ich beschäftige mich viel mit Epigenetik und Trauma, ich denke da liegt der Schlüssel.

x 5 #11


DrSeltsam
Wenn es um Angst und Depressionen geht, stehe ich grundsätzlich beidem - also Psychotherapie und auch Psychopharmaka - positiv gegenüber.

Es kommt aber wie so oft auf die Probleme, die Lebensgeschichte, den Therapeuten, die Therapie, die Medikamente und nicht zuletzt die eigene Einstellung an.

Psychische Krankheiten können nicht (oder nur ganz selten) wie eine Grippe oder ein Beinbruch "geheilt" werden.

Psychopharmaka sind gut, um die Angst soweit zu dämpfen dass man wieder handlungsfähig wird. Das Problem ist u. U., davon später wieder loszukommen, aber trotzdem würd ich persönlich nicht drauf verzichten wollen.

Bei der Therapie (egal welche) sehe ich es so, dass Therapie und Therapeut einen nur in die richtige Richtung "schubsen" können. Therapie bedeutet sehr viel an sich selbst zu arbeiten, mitunter viele seelische Schmerzen aushalten zu müssen und tief in sein Innerstes zu gehen. Das kann kein Therapeut für einen tun, er kann einem höchstens die grobe Richtung vorgeben. Die Hauptarbeit muss man selbst leisten und das unterschätzen viele glaube ich.

Man geht nicht in eine Therapie, unterhält sich ein bisschen und kommt dann geheilt wieder nach Hause. Man kann viel über sich selbst lernen, auch beängstigendes – aber es lohnt sich am Ende.

Grade deswegen ist es aber auch wichtig, den richtigen Therapeuten zu haben der einen genau in dem Maße "lenkt", wie man es nötig hat und es einem gut tut.

x 2 #12


C
Das Fachgebiet der Psychiatrie ist die einzige medizinische Fachrichtung die außer der Heilung oder zumindest Behandlung von Patienten auch noch eine andere Aufgabe hat. Sie soll die Gesellschaft vor psychisch kranken Menschen schützen. Bei den Patienten der Forensik liegt der Grund meistens auf der Hand. Es gibt aber auch nicht straffällig gewordene Patienten, die Zwangseinweisungen und andere Zwangsmaßmahmen über sich ergehen lassen müssen. Auch um sie davor zu bewahren sich selbst oder andere zu schädigen, aber auch um die Gesellschaft vor ihnen zu “schützen”.

M.E. ist die Psychiatrie Fluch und Segen zugleich. Es gab und gibt ? Bestebungen die Psychiatrie menschlicher zu gestalten und das ist wirklich notwendig.

x 3 #13


C
Ein Kommentar von Lea De Gregorio:

„Kommentar: Mehr Mitbestimmung für die Patienten”

https://www.deutschlandfunkkultur.de/kr...n-100.html

x 2 #14


Schlaflose
Zitat von RobertAntonG:
Ist jemand von euch der Psychiatrie bzw. der Psychotherapie gegenüber eher kritisch eingestellt - sei es aufgrund von eigener Erfahrungen oder sonstigen Ursachen? Haben vielleicht die bisherige psychotherapeutische Behandlung oder die Psychopharmaka nicht gewirkt? Seid ihr dem Ganzen grundsätzlich skeptisch ...

Ich finde die Ausgangsfrage Psychiatrie oder Psychotherapie nicht korrekt gestellt. Die Psychiatrie ist ja in erster Linie für psychiatrische Erkrankungen (z.B. Schizophrenie, Psychosen u.ä. ) oder bei akuter Selbstgefährdung oder Gefährdung von anderen zuständig, während eine Psychotherapie bei psychischen Erkrankungen wie Ängsten, Depressionen angewendet wird. Wenn das stationär behandelt wird, dann in einer psychosomatischen Klinik und nicht in der Psychiatrie.
In der Psychiatrie war ich nie, hatte aber mehrere ambulante Psychotherapien gehabt und einen Aufenthalt in einer psychosomatischen Rehaklinik. Mir persönlich hat das alles nicht geholfen, aber das liegt an mir, weil ich nie bereit war, mich darauf einzulassen. Ich rede einfach nicht über mich, meine Gefühle, meine Ängste etc. Bei vielen anderen hilft das.
Medikamenten gegenüber bin ich sehr positiv eingestellt, weil sie mir helfen. Ich nehme seit 25 Jahren Antidepressiva.

x 3 #15


C
Zitat von Chris_ohne_BBBB:
Es sind 12 Seiten. Dieser Aufsatz sollte Pflichtlektüre in der Facharztausbildung im Bereich Psychiatrie und Neurologie und von Pflegekräften in der Psychiatrie werden.

Sehr guter Text, über den man diskutieren könnte, ich wäre dabei.

x 1 #16


C
Zitat von Chris_ohne_BBBB:
Es sind 12 Seiten. Dieser Aufsatz sollte Pflichtlektüre in der Facharztausbildung im Bereich Psychiatrie und Neurologie und von Pflegekräften in der Psychiatrie werden.

Man könnte bspw. die 4 Fragen am Ende besprechen.
Insgesamt hält das, was im Text für die Psychiatrie angemahnt wird, z.B. in die multimodale Schmerztherapie Einzug.
Da ist es in guten Fällen nicht Wir, das Team, das über den Patienten richtet, sondern der Patient/die Patientin ist selbstr Teil des Teams. Die Psychiatrie könnte langsam in diese Richtung gehen, angesichts der Krankheitsbilder natürlich ein schweres Unterfangen. In einer manischen Phase oder in anderen Ausnahmesituationen möchte man vielleicht selbst nicht über sich entscheiden, jedenfalls wenn man sich außerhalb der Episoden befindet.

Die Pflege kenne ich von der Innenschau, allerdings nicht Psychiatrie, sondern andere Stationen, die beschriebenen Probleme sind aber analog.
Die Psychiatrie kenne ich über einen Bekannten, der dort als Arzt arbeitet und eine enge Freundin die dort Ärztin ist, aktuell in der Neurologie tätig, letzte Woche konnte ich noch einer psychiatrischen Fortbildung beiwohnen zum Thema Suizidalität. An der Front ist man im Begriff umzudenken, das ist erfreulich.

Bis sich diese Impulse in feste Strukturen umsetzen, dauert es natürlich wieder. Die sprechende Medizin ist überall ein wichtiges, aber noch immer unterschätztes, da unterfinanziertes Thema.

x 1 #17

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C
„Eine humane, den Patienten wirklich wertschätzende Psychiatrie wäre vielleicht eher erreichbar, wenn sich alle Mitarbeiter ehrlich einer Reihe von Grundsatzfragen stellen würden:

1. Gibt es ein Recht auf Krankheit? Das bedeutet: Werden Lebenskrisen als Zei- chen des Versagens in einer allein auf Leistung ausgerichteten Gesellschaft gesehen oder als Möglichkeit zum per- sönlichen Wachstum?

2. Was ist das oberste Ziel psychiatrischer Behandlung: die Wiederherstellung der gesellschaftlichen Funktionsfähigkeit des Patienten oder dessen subjektiv empfundene Genesung?

3. Welches ist der angemessene Weg zur Gesundung bzw. Genesung: Sollen die Behandler den Patienten zu erwünsch- tem Verhalten erziehen? Oder besteht die gemeinsame Aufgabe von Patienten und Behandlern darin, nach individuellen Wegen des Wachstums zu suchen und die Selbstheilungskräfte zu akti- vieren? Kurz: Geht es ums Zurechtstut- zen oder darum, Raum, Licht und Luft zum Wachstum zu geben?

4. Wenn die gesellschaftlichen Bedingun- gen immer mehr Menschen psychisch krank werden lassen: Ist dann die Psychiatrie der verlängerte Arm der Gesellschaft, um die Menschen wieder funktionsfähig zu machen (oder auszu- sortieren)? Oder ist die Psychiatrie der Anwalt der Betroffenen, ein Unterstüt-
zer im Ringen um eine lebensgerech-
tere Welt?”

Zitat von Cbrastreifen:
Man könnte bspw. die 4 Fragen am Ende besprechen.

Gerne greife ich deinen Vorschlag auf.
@ all Was denkt Ihr darüber?

Die Fragen habe ich oben zitiert.
Quelle:
https://www.thieme-connect.com/products...275380.pdf

x 3 #18


C
Ich würde gerne noch eine 5. Frage hinzufügen:

Was bräuchte es damit Menschen mit psychischen Erkrankungen gesund (oder gesünder) werden können?

x 3 #19


K
Zitat von RobertAntonG:
Ist jemand von euch der Psychiatrie bzw. der Psychotherapie gegenüber eher kritisch eingestellt - sei es aufgrund von eigener Erfahrungen oder sonstigen Ursachen? Haben vielleicht die bisherige psychotherapeutische Behandlung oder die Psychopharmaka nicht gewirkt? Seid ihr dem Ganzen grundsätzlich skeptisch ...

Ich befinde mich seit einigen Monaten in verhaltenstherapeutischer Behandlung, stelle für meine Wenigkeit allerdings keine signifikante Besserung fest. Da ich dazu neige, in Dingen, welche anderen Menschen einen gewissen Halt geben, je nach psychischer Konstitution nur eine flüchtlige Illusion sehe und mich gedanklich in existenziellen Themen verrenne, erachte ich dieses standardisierte Konzept einer Verhaltenstherapie in meinem Fall als unangebracht, weil diese oft nur auf symptomorientierte Ansätze abzielt, die spezifische Verhaltensweisen oder Denkmuster adressieren, ohne die tiefgreifenden philosophischen und existenziellen Fragen zu berücksichtigen, welche mich als Betroffenen umtreiben.

Und gerade aufgrund des standardisierten Charakters zeichnen sich die Mechanismen und Muster der Therapie schnell ab - ich persönlich empfinde sie als zu simplistisch und wenig auf mich als individuellen Patienten zugeschnitten. Allerdings wüsste ich auch nicht, was für eine Therapieform für mich potentiell infrage kommen könnte.


Escitalopram erzielt bei mir auch keine sonderbare Wirkung, stabilisiert allerdings ein klein wenig.

x 4 #20


A


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Prof. Dr. med. Thomas Hillemacher
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