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Mindhead
Guten Tag,

in kommender Zeit werde ich eine Autismus Diagnostik durchlaufen und bin sehr aufgeregt, weil ich gar nicht weiß, was auf mich zukommen wird und wie diese abläuft. Ich denke, dass das natürlich dazu gehört und man sich da nie sicher sein kann. Oder doch?
Dennoch wollte ich fragen, ob jemand schon Erfahrungen gemacht hat und wie er oder sie sich auf den Termin vorbereitet hat?
Ich habe jetzt eine Liste geschrieben mit Stichpunkten die auf mich zutreffen, bzw. mit denen ich Schwierigkeiten habe oder was andere Personen über mich sagen. Ich habe nämlich in stressigen Situationen oft Blackouts. Das kennen vermutlich viele von euch. Dennoch habe ich solch eine große Angst etwas zu vergessen, oder auch Probleme zu minimieren und sie zu verharmlosen/herunterzuspielen.

Ich möchte hier erwähnen, dass ich nicht selber auf die Vermutung gekommen bin eine Ar. haben zu können, sondern diese Vermutung von einer Psychologin stammt und wir diese Vermutung ebenfalls erstmal in mehreren Sitzungen durchgegangen sind.
Zum Vorgang der Diagnostik selber haben wir allerdings nichts gesprochen.

Ich habe Angst, dass ich auf Grund dessen, dass ich weiblich bin, mehr oder weniger direkt weg geschoben werde. Oder weil Mathe nicht gerade mein bestes Gebiet ist (wohingegen ich sehr gut z.B. in Informatik und Biologie bin) und weil ich eine Hörschädigung habe (einige Menschen mit Hörschädigungen weisen ja auch autistische Züge auf die dadurch entstehen -allerdings möchte ich anmerken, dass bis her kein Ohrenarzt irgendwas in dieser Richtung gesagt hat (also dass meine Probleme (abgesehen vielleicht von der Hyperakusis) mit meiner Hörschädigung zu tun haben könnten).
Tut mir leid, wenn dieser Satz schwierig zu verstehen ist. Im Grunde möchte ich damit sagen, dass ich Angst habe, dass es auf die Hörschädigung geschoben wird.

Ebenfalls habe ich Angst davor, wie es mir danach gehen wird. Als ich den ersten Termin für eine Sprechstunde bei einer Psychotherapeutin hatte, ging es mir danach sehr schlecht und auch in den Wochen danach hatte ich wieder schwere Selbstmordgedanken, weil das Gespräch so unfassbar schwierig war. Und das war nur eine Stunde. Der Termin, der jetzt kommen wird, wird mehrere Stunden dauern.
Hat vielleicht jemand Tipps, wie ich einen erneutes Tief danach vermeiden kann?
Ich warte nun schon seit mehreren Monaten auf diesen Termin und jetzt, wo er näher rückt, weiß ich gar nicht, ob ich dort hin möchte. Das ist alles sehr frustrierend. Ich wünschte, ich wüsste ganz genau, was passieren wird und ganz genau wie lange etc.

Tut mir leid, falls dieser Text durcheinander ist. Ich bin wirklich aufgeregt. Dabei ist nicht mal morgen oder übermorgen der Termin. Den genauen Tag des Termines möchte ich hier nicht erwähnen. Mich macht das nur noch nervöser.

Ich hoffe sehr, dass mir vielleicht jemand eine Antwort geben möchte.
Falls nicht, kann ich das natürlich auch verstehen. Das ist sehr viel Text und ich musste meine Gedanken auch einfach mal raus lassen.

Liebe Grüße
Mindhead

09.06.2019 22:26 • 10.10.2019 #1


62 Antworten ↓


kopfloseshuhn
Hi Mindhead.
Das man aufgeregt ist vor solchen Terminen ist ja recht normal. Und so Befürchtungen sicher zum Teil auch.
Es wäre sicher gut, wenn du dein Kopfkino ein bisschen in Zaum halten könntest. Oft ist der Termin selbst die ganze Aufregung nicht wert.
Ich gehe davon aus, dass das in einem anerkannten Zentrum für Autismus gemacht wird? Dann würde ich von Vorverurteilungen und vorschnellen abtun der Symptomatik mal einfach nicht ausgehen.
Eine Bekannte von mir hatte so einen Test auch. Sie fand es anstrengend, es gab viel Papier zum ausfüllen. Aber ein großes Drama ... davon hat sie nichts erzählt.

Vielleicht könntest du dir einen Plan für hinterher machen? Einen Therapiezermin gut legen zum Beispiel und ganz wichtig, vielleicht schon Dinge überlegen und notieren, die dir helfen und womit du dich belohnen kannst?

Liebe Grüße

10.06.2019 07:45 • x 1 #2


Icefalki
Hallo, deine Aufregung verstehe ich sehr gut, aber wäre es nicht auch ok, wenn Klarheit herrschen würde?

Ich weiss noch von mir, als ich das 1. Mal beim Psychiater sass, und der machte mit mir Tests, wo es ums Merken ging. Ich war sowas von daneben, und hab mich geschämt, weil ich so schlecht war. Dabei ging es wahrscheinlich um den Grad und Art meiner Problematik. Und die war ganz gewaltig.

Allerdings sitzt man ja nicht wegen nix bei Psychiater oder was auch immer. Es geht auch nicht um Verurteilung, es geht um Diagnosen. Um die Art, was los sein könnte, den Grad der Problematik und dann um die Therapie.

Einfach ganz ehrlich alles sagen. Gott, ich weiss sogar noch, dass ich um Abbruch gebeten habe, weil ich es nicht ertragen habe, so schlecht zu sein. Habe ihn sogar gebeten, was anderes zu machen, das mir ein besseres Gefühl gibt.

Du siehst, alles ist möglich. Therapeuten erkennen auch anhand unserer Reaktionen, in welche Richtung es geht. Mach dich nicht so fertig, es geht um Diagnostik, um mehr nicht.

10.06.2019 09:06 • x 1 #3


Mindhead
Guten Morgen ihr beide,

@kopfloseshuhn dass man aufgeregt ist, ist sicherlich normal. Ich kann mich nur leider nicht beruhigen. Da hast du vermutlich Recht, dass es die ganze Aufregung nicht wert ist.
Nein, es wird in einer Psychiatrie gemacht. Aber das Zentrum für Autismus hat mich dort hin verwiesen. Dort gibt es eine Autismus Ambulanz, wo die Diagnostik gemacht wird.
Danke für dein Bericht deiner Bekannten! War sie auch schon erwachsen?

Das Problem ist auch, dass ich gar nicht ganz genau weiß, wie lange der Termin dauern wird. Am Telefon wurde etwas von 5 Stunden gesagt. Aber mit einem "ungefähr". Ein Ungefähr lässt mich schlecht planen und ich MUSS immer planen (was einer der Gründe für die Vermutung ist natürlich). Ich werde danach vermutlich zu meinem Ehrenamt gehen, wobei ich auch dort schon gemeldet habe, dass es nicht sicher ist, ob ich komme. Denn wenn es mir danach wirklich nicht gut geht, werde ich nach Hause fahren, duschen und schlafen. Andernfalls schaffe ich das denke ich nicht. Das war auch das erste was ich nach dem ersten Termin bei der Psychotherapeutin machen musste, damit ich den Tag weiter durchmachen konnte.

Liebe Grüße

@Icefalki Das kann ich mir gut vorstellen. Jede Reaktion hat eine potentielle Aussage und die verstehen Psychologen/Psychiater vermutlich oft besser als wir es selber tun.
Mir ist bewusst, dass es "nur" um Diagnostik geht. Es wird nur das erste Mal in meinem Leben sein, wo ich eine Antwort auf so viele "Warum?" bekommen könnte. Und das macht mir denke ich Angst. Mein Ziel war es immer normal zu sein (gesellschaftlich betrachtet) und ich habe so viel dafür getan... Auch wenn ich es nie geschafft habe. Ich bin dabei zu lernen mich zu akzeptieren, so wie ich bin. Nur dafür brauche ich eine Antwort. Weil ich es sonst nicht kann. Weil ich sonst einfach nicht verstehe, WIESO ich nicht kann. Ergibt das Sinn?

Aber ja, erstmal ist es nur eine Diagnostik. Ich hoffe sehr, dass sie mir auch nach der Diagnostik -egal was raus kommt- helfen können geeignete Hilfe zu finden/bekommen.
Die Psychologin, durch die ich überhaupt erst bis zu diesem Punkt angelangt bin, ist nämlich zu weit weg um weiterhin dort hin zu fahren. Außerdem ist sie keine Psychotherapeutin (mit einer hatte ich wie erwähnt ein Erstgespräch, allerdings betrug die Wartezeit ein Jahr und somit habe ich noch keinen Platz).

Ich danke euch beiden wirklich sehr für eure Antwort! Es beruhigt mich schon etwas hier schreiben zu können.

10.06.2019 10:02 • #4


Icefalki
Zitat von Mindhead:
Mein Ziel war es immer normal zu sein (gesellschaftlich betrachtet) und ich habe so viel dafür getan... Auch wenn ich es nie geschafft habe. Ich bin dabei zu lernen mich zu akzeptieren, so wie ich bin. Nur dafür brauche ich eine Antwort. Weil ich es sonst nicht kann. Weil ich sonst einfach nicht verstehe, WIESO ich nicht kann. Ergibt das Sinn?


Absolut, so denke ich auch. Ich brauche auch diese Erklärung, warum ich so bin, wie ich bin. Und wenn dieses Verständnis von Ursache - Wirkung erkannt ist, fällt es es auch leichter, das annehmen zu können. War damals sehr heftig, bis das soweit war.

Unsere Ängste oder Problematiken hängen ja immer mit den zugrundeliegenden Ursachen zusammen. Und ohne dieses Wissen fühlt man sich total hilflos. Hat man aber mal einen Grund für alles, kann man auch leichter akzeptieren, dass man eben so seine Probleme hat und sie auch immer haben wird.

10.06.2019 10:39 • x 1 #5


Mindhead
@Icefalki Ich denke auch, dass ich es erst schaffe, wenn ich eine Antwort habe. Ich suche schon so lange danach und ich habe das erste Mal das Gefühl, dass ich eine bekommen könnte.
Ich kann mir gut vorstellen, dass das bei dir auch lange gedauert hat. Ich denke, bei manchen Menschen dauert es ein Leben lang. Bei anderen ist es anders. Ich freue mich, dass du es hinbekommen hast und ich hoffe, dass es bei mir bald auch so weit sein wird. Ich weiß mittlerweile wenigstens, dass ich ich sein möchte und lernen möchte, ich sein zu dürfen.

Genau das denke ich auch. Danke für deine Worte. Es freut mich, dass du das verstehst.

10.06.2019 12:30 • x 1 #6


Jochanan
Ich habe mein Termin zur Autismustestung diesen Mittwoch und bin auch ziemlich aufgeregt. Autismus ist eine Spektumstörung und es gibt Menschen, die die Symptome ziemlich stark verdecken. Man spricht da vom weiblichen Autismus, wobei ich aber galube, dass es eher ein emotionaler Autismus ist. Ich unterscheide zwischen kühl und emotional.

Ich habe meine Testung an der Uniklinik in Münster. Für die Testung brauche ich ein Blutbild und EKG, die ich aber erst für den zweiten Termin mit nehmen kann.

Ansonsten werde ich schauen, dass ich ein kleinen Bericht schreibe. Bei welchen Kliniken etc. ich vorher war, welche Diagnosen ich hatte, welche Verhaltensweisen ich habe, die man als autistisch sehen könnte etc.

Viele Autisten haben ein Spezialinteresse, aber nicht alle. Außerdem kann das alles mögliche sein, wie z.B. eine bestimme Tv-Serie oder eine Sportart etc.

10.06.2019 12:43 • x 1 #7


Mindhead
@jochanan
Mein Termin ist knapp nach deinen. Allerdings nicht in Münster, sondern eine Stunde von dir entfernt. Den Ort mag ich jetzt nicht nennen, da bin ich immer übervorsichtig im Internet.

Im Grunde kann ich meine Verhaltensweisen gar nicht so gut verstecken. Was ich jedoch gut kann ist das Verhalten und die Sprache anderer zu imitieren und zu nutzen. Verständlich wird es mir dadurch leider nicht.
Ich denke, dass ich noch nicht getestet wurde liegt eher daran, dass väterlicher Seits dieses Verhalten als relativ normal angesehen wird. Ich bin nicht die einzige mit diesem Verhalten/dieser Wahrnehmung. Jedoch die einzige, bei der es so stark ausgeprägt ist. Ein Cousin von mir hat, so glaube ich zumindest, den atypischen Autismus. Diagnose mit 9 Jahren, nach wiederholten Wutanfällen. Allerdings kenne ich die genaue Diagnose nicht, diese trägt einen anderen Namen und wurde nicht in Deutschland gestellt und mir wurde nie genau gesagt, was er denn nun hat. Ich habe es mir nur zusammengereimt auf Grund der Buchstaben (fängt mit p an und hört mit nos auf), dass es PDD-NOS sein könnte. Aber ich könnte auch falsch liegen.
Mein Vater und meine Oma zum Beispiel haben dies sehr leicht, sind jedoch weiter nicht beeinträchtigt. Haben auch keine Diagnose und nie nach einer gesucht.
Mich jedoch beeinträchtigt es in diversen Situationen und in meiner Lebensqualität -vor allem da man einen enormen Druck von der Gesellschaft bekommt "richtig" funktionieren zu müssen.

Bei mir wurde für den Termin lediglich gesagt, ich solle meine Versichertenkarte mitbringen. Da ich allerdings letzten Monat sowieso eine Neurologische Untersuchung mit EEG hatte, nehme ich den Bericht trotzdem zur Sicherheit mit um zeigen zu können, dass zumindest dieser Bericht zeigt, dass die neurologische Untersuchung nicht auf eine neurologische Erkrankung hindeutet (ich hatte diesen zwar aus einem anderen Grund, aber ein EEG ist ein EEG).

Genau so eine Liste habe ich ebenfalls erstellt. Vor allem für den Fall, dass ich ein Blackout bekomme oder damit ich ihn vorlegen könnte. Ich finde es oft schwierig frei zu sprechen, wenn ich nervös bin und nicht weiß, was mich erwartet.
Darf ich dich fragen, was für Verhaltensweisen du z.B. hast?
Ich habe auch beschrieben wie es bei mir in der Schule war -z.B. die Ausgrenzung, Mobbing, kein Anschluss, nicht reden, als "abnormal" von anderen eingestuft, etc. Es steht sogar in meinem Abschlusszeugnis der Grundschule, dass ich als nicht normal angesehen werde, verglichen mit den Mitschülern. Den Zettel werde ich ebenfalls mitnehmen, da dort auch drauf steht, dass ich z.B. die Note 4 bekommen habe im Umgang mit den Mitschülern.

Das mit den Spezialinteressen finde ich sowieso interessant. Das hat sich im Laufe meines Lebens auch geändert. Als Kind hatte ich das Spezialinteresse "Delfine". Das wird für Mädchen, so denke ich, als normal erachtet. Nur in der Intensität wurde es oft kritisiert, dass ich mich zu zwanghaft damit beschäftige und es nicht normal sei, was ich alles wusste und wie ich damit umging und wie viel Zeit ich investierte.
Ich bin um ehrlich zu sein froh, dass sich dieses Interesse bei mir gelegt hat und mein Interesse sich nun im Gebiet der griechischen Mythologie befindet, ganz bestimmte Serien und Biologie. So wie man bemerkt, sind es anstatt ein Interesse nun drei.
Wie sieht es bei dir aus? Das würde mich sehr interessieren.

Ich wünsche dir alles Gute bei deinem Diagnostik Termin!
Hast du auch lange auf den Termin gewartet?
Ich habe zwei Monate warten müssen um dann zu erfahren, dass der Termin verschoben werden musste und somit habe ich jetzt drei Monate gewartet. Dem Internet zufolge sind drei Monate noch ziemlich wenig für eine Autismus Diagnostik.
Ich habe auch gelesen, dass Münster gut sein soll! Da ich allerdings nicht dort lebe, musste ich den Termin hier im Gebiet machen. Dazu habe ich nichts lesen können -leider.

Würdest du mir am Mittwoch schreiben, wie dein Termin verlaufen ist? Wie es dir ergangen ist?

10.06.2019 13:05 • #8


Jochanan
Ich habe ca. 6 Monate für den Termin gewartet, was ziemlich wenig ist, zu z.B. Dortmund mit gut zwei Jahren Wartezeit.

Dass du andere Menschen imitierst deutet schon auf den weiblichen Autismus hin. Da ist es weit verbreitet.
Bei mir könnte es eher Überanpassung aufgrund von Angst sein.

Das Einzige, was ich habe ist, dass ich emotional und körperlich extrem sensibel bin. Ansonsten fällt mir nichts ein. Ich habe kein Spezialinteresse. Mich interessiert alles mögliche, aber nichts bestimmtes.

Mein Psychiater ist der Meinung, dass ich Asperger sein könnte, da ich sehr viele Gemeinsamkeiten mit ADS habe, aber ohne der Aufmerksamkeitsstörung.

10.06.2019 13:41 • #9


Mindhead
@jochanan
Das ist wirklich lange. Stimmt, ich habe auch schon von längeren Wartezeiten gelesen. Ich glaube, dass ich da mit meiner vergleichsweise kurze Wartezeit ziemlich Glück hatte.

Ich persönlich denke, dass Autismus weder männlich, noch weiblich ist. Lediglich, dass es unterschiedliche Coping Mechanismen gibt und ein paar gewisse Unterschiede. Im Wesentlichen ist Autismus Autismus und eben ein ganzes Spektrum breit.

Anpassung/Imitation resultiert natürlich auch aus Angst. Ich musste schon früh lernen, dass ohne Anpassung nichts läuft.

Wie sieht es bei dir denn zum Beispiel mit der sozialen Interaktion aus? Irgendwie muss der Psychiater doch auf Autismus gekommen sein, nicht nur wegen den Gemeinsamkeiten mit der ADS.
(Ich kann mich hingegen schwer Konzentrieren, außer ich interessiere mich für etwas).
Ich zum Beispiel habe extreme Schwierigkeiten mit dem Blickkontakt, kann nicht "zwischen den Zeilen lesen", deute Mimik und Gestik falsch, komme oft unhöflich rüber ohne es zu merken und bin sehr direkt. So als paar Gemeinsamkeiten.

Körperlich ist meine Wahrnehmung ebenfalls gestört. Ich bin Licht- und Geräuschüberempfindlich, was Schmerzen hingegen angeht unterempfindlich. Emotional weiß ich es nicht, da ich meine Gefühle generell oft nicht benennen kann.

10.06.2019 13:55 • #10


Jochanan
@Mindhead

Ich bin auf Facebook bei mehreren Autismus und Asperger Gruppen und bei dir spricht einiges für Autismus, nach dem was du geschrieben hast. Ich weiß natürlich nicht, wie deine anderen Erkrankungen sind oder ob du Hypochonder bist und dazu neigst dir Symptome einzureden, wie ich.

Ich habe eine leichte Gesichtsblindheit. Bei mir passiert es schon öfter, dass ich jemanden nicht erkenne oder mich irre. Ich habe auch ziemliche Koordinationsprobleme und kann mir Orte und Wege nur sehr schwer bis gar nicht merken. Mir fällt es auch sehr schwer etwa eine Handlungsbewegung nach zu ahmen.

Wenn ich jemanden in die Augen schaue fühle ich mich sehr unwohl und kriege oft mals ein Black Out. Mir wird dann ganz langsam schwarz vor Augen bist wirklich alles schwarz ist und ich tatsächlich nichts mehr sehe.

Ich finde, dass ich sehr einfühlsam und empfindsam bin und bereits Kleinigkeiten in meinem Gegenüber merke. Gesichtsausdrücke kann ich jedoch nur sehr schwer lesen. Ich habe zwar einiges lernen können, aber bei Test fällt es immer noch auf, dass ich vor allem die Augenpartien kaum deuten kann.

Ich bin ein eher sachlicher Mensch und früher war ich eher emotional kühl. Gleichzeitig jedoch bin ich sehr kindlich, verspielt und oftmals impulsiv. Entweder ich analysiere etwas zu sehr und zu trocken oder ich handle völlig unüberlegt. Ein Dazwischen fehlt mir. Einige Autisten haben das auch, also eher sachlich und gleichzeitig kindlich zu sein.

Wenn mich etwas interessiert brauche ich mich kaum anzusträngen um es sogar recht gut zu lernen. In der Schule, in den Fächer, in denen ich eine 1 hatte, waren diejenigen, wo ich mich am wenigsten bemüht habe, aber die mich am meisten interessiert haben. Wenn mich jedoch etwas nicht interessiert, ist es eine Qual für mich.

Ich weiß nicht warum, aber ich habe ziemliche Probleme mit Sprachen. Es spielt auch keine Rolle, wie sehr ich mich bemühe oder welche Sprache es ist.

Ich weiß nicht so recht, woran es liegt. Ich glaube, weil ich eben sehr kindlich oder zu sachlich bin, aber das ist der Grund, warum ich schon seit Kindheit an Probleme hatte Anschluss zu finden.

10.06.2019 14:40 • #11


Mindhead
@jochanan
Es ist bestimmt schön, Austausch zu haben. Den hatte ich bis her noch gar nicht. Du bist der erste, mit dem ich näher darüber schreiben kann. Auch wenn wir beide den Termin noch vor uns haben.

Ich bin kein Hypochonder. Ich habe zwar Angst vor bestimmten Krankheiten (aber nur solche, die tödlich enden können), aber ein Hypochonder bin ich zum Glück nicht.
Denkst du denn, dass du dir diese Symptome einredest? Findest du die Asperger Diagnose passend, falls du sie bekommen würdest?

Die leichte Gesichtsblindheit kenne ich leider ebenfalls. Gar nicht einfach. Ich versuche mir immer andere Merkmale einzuprägen. Ich bin gut in Stimmen erkennen und am Gangbild Personen zu erkennen, so als Beispiel. Vielleicht würde es dir helfen.
Zu der Koordination habe ich leider keinen Tipp, da ich tatsächlich eine sehr gute räumliche Vorstellung besitzte -ich bin aber auch rein visuell denkend.
Bewegungen nachahmen ist auch nicht meins. Ich weiß bis heute nicht, wie andere Choreographien so schnell lernen können. Ich denke, dass das aber auch nicht weiter schlimm ist, sofern man in der Schule keinen Sportunterricht mehr hat.

Das mit dem Blickkontakt geht mir ähnlich. Ich muss mich auch komplett darauf konzentrieren und kann gar nicht mehr denken, zuhören oder gar reden. Ich verstehe den Blickkontakt sowieso nicht. Den finde ich unwichtig und auch ich fühle mich dabei gänzlich unwohl. Allerdings ist mir dennoch bewusst, dass andere Menschen den Blickkontakt durchaus wichtig finden, auch wenn mir dazu das Verständnis fehlt.

Was sind denn diese "Kleinigkeiten" für Sachen?
Gelernt habe ich auch einiges. Die extremen Ausdrücke (ich nenne sie jetzt einfach mal so) kann ich auch erkennen, sprich, wenn jemand zum Beispiel weint ist er/sie traurig. Lachen bedeutet glücklich (ob es immer echt ist kann ich oft nicht einschätzen) etc. Augenbrauen dienen mir auch zum Erkennen. Aber das ist eben alles gelernt und nicht intuitiv.

Ich bin auch ein rationaler Mensch und realistisch, sowie eben sachlich. Ich tendiere ebenfalls zum überanalysieren.
Ob ich kindlicher bin weiß ich nicht einzuschätzen. Aber ich kann mich selber oft nicht gut einschätzen. Ich kann ja nicht mal unbedingt meine Gefühle darlegen.
Inwiefern meinst du denn, dass du kindlich bist? Ich weiß schon, dass ich länger Kind war, sozusagen, als andere und große Probleme damit hatte älter zu werden, die körperliche Veränderungen anzunehmen etc. Das hängt aber natürlich auch viel mit dem Verhänderungshass/-Angst zusammen.

Genau so wie dir ist es mir in der Schule ebenfalls ergangen. Was mich interessiert kann ich. Was nicht, damit habe ich Probleme. Aber das ist sogar ziemlich normal. Aber ich habe mich mit den Fächern dann eben wieder auch "zu" intensiv beschäftigt.

Inwiefern hast du Probleme mit Sprachen?
Ich bin auch nicht die Beste was Sprachen angeht. Ich kann zwar mehrere, aber keine perfekt. Grammatik fällt mir auch nicht einfach, aber das ist ein Resultat meiner Hörschädigung.
Wenn du große Probleme mit Sprachen hast (im Deutschen erkenne ich bei dir jetzt keine gravierende), hast du mal an einer LRS gedacht?

10.06.2019 15:57 • #12


Jochanan
@Mindhead

Ich bin der Meinung eine LRS zu haben, aber da möchte ich mich noch testen lassen.

Mit "Kleinigkeiten" meine ich, dass ich selbst kleinste Veränderungen in Gestik und Mimik erkenne, vermutlich aus Angst. Ich bin auf ständiger Alarmbereitschaft und achte auf alles.

Ich sehe mich als kindlich, da ich gerne herum albere, impulsiv bin, anhänglich bin, unüberlegt handle, oft sofortige Bedürfnisbefriedigung möchte, in aller Regel angefangenes nicht zu Ende bringe.

Bei dir ist es ziemlich klar. Ich würde mich wundern, wenn du kein Autismus hättest. Nur bei mir ist es glaube ich nur die Angst und aufgrund meiner Angst bin ich extrem sensibel und mein Psychiater deutet das falsch. Aber wir werden sehen.

Ich empfehle dir bereits jetzt dich mit anderen Autisten in Verbindung zu setzen.

10.06.2019 21:44 • #13


Mindhead
@jochanan
Mach das auf jeden Fall. Schaden kann es nicht und dann kannst du dafür auch Hilfe bekommen und auch z.B. für die Arbeit kann es auch gut sein.

Ah ja, verstehe. Mir fallen Kleinigkeiten auch direkt auf, aber nicht unbedingt an der Mimik. Oft sehen Gesichter für mich immer gleich aus.
Aber es ist gut, dass du das direkt erkennst! So kannst du bestimmt auch mehr dazu lernen -denke ich.

Stimmt, da handelst du zwar kindlicher, aber vielleicht kommt dazu, hast du eine schlechtere Impulskontrolle haben könntest? Nur ein Gedanke.

Es kann durchaus sein, dass es deine Angst ist, vor allem wie extrem du dich anpassen möchtest. Aber es könnte durchaus auch Autismus sein.
Mir wurde jetzt von 3 Personen gesagt, dass sie sich wundern würden, wenn ich nicht autistisch wäre (also von dir, der Psychologin und noch jemanden. Weiter weiß niemand, dass ich die Diagnostik machen werde). Aber ich weiß es natürlich nicht. Ich habe Angst, dass ich mich jetzt zu sehr darauf festlege und es am Ende nicht stimmt. Autismus würde wirklich einiges in meinem Leben erklären. Aber es kann auch sein, dass es nicht so ist.

Ich wüsste nicht, wie ich mich jetzt schon mit anderen Autismus in Verbindung setzen sollte. Ich kenne niemanden persönlich.

11.06.2019 09:54 • #14


Jochanan
Hallo,

ich war heute bei der Autismus-Diagnostik. Ich empfehle bereits zum ersten Termin eine Liste mit Symptomen zu erstellen, die für und die gegen eine Diagnose sein könnten. Ebenso alle Arztberichte, Zeugniskopien von der Grundschulzeit und ein kurzer Bericht über einen selbst, also was für Probleme man hat, welche Medikamente man nimmt, Werdegang etc.

Die Frau meinte, dass bei mir sehr wenig für Asperger spricht. So sehe ich das auch. Ich soll jetzt einige Formular ausfüllen und zurück schicken und ebenso die Arztberichte beschaffen.

Außerdem möchte sie mit meiner Mutter telefonieren und sie über meine frühe Kindheit befragen.

12.06.2019 18:33 • x 1 #15


Mindhead
Zitat von Jochanan:
Hallo,

ich war heute bei der Autismus-Diagnostik. Ich empfehle bereits zum ersten Termin eine Liste mit Symptomen zu erstellen, die für und die gegen eine Diagnose sein könnten. Ebenso alle Arztberichte, Zeugniskopien von der Grundschulzeit und ein kurzer Bericht über einen selbst, also was für Probleme man hat, welche Medikamente man nimmt, Werdegang etc.

Die Frau meinte, dass bei mir sehr wenig für Asperger spricht. So sehe ich das auch. Ich soll jetzt einige Formular ausfüllen und zurück schicken und ebenso die Arztberichte beschaffen.

Außerdem möchte sie mit meiner Mutter telefonieren und sie über meine frühe Kindheit befragen.


Danke für deine Rückmeldung!

Das wird sehr schwierig werden, da meine Grundschulzeugnisse nicht aus Deutschland sind... Aber ich hatte dennoch vor einen Zettel mitzunehmen, wo auch z.B. drauf steht, dass ich keinen Klassenanschluss hatte etc.
Wie man Arztberichte mitnehmen sollte... ich habe kaum welche. Dem von der Neurologie nehme ich auf jeden Fall mit.
Hattest du diese denn alle mitnehmen müssen?

Danke, die Liste habe ich erstellt. Ich schaue auch mal, ob ich eine Liste hinbekomme was für und dagegen sprichst.

Bist du jetzt erleichtert? Oder was denkst du?
Findest du es in Ordnung, dass mit deiner Mutter gesprochen werden möchte?
Meine weiß zum Beispiel nichts von dem Termin den ich habe, weil sie generell keine Probleme von mir sieht und immer der Meinung ist, ich würde übertreiben (zum Beispiel was Panikattacken angeht).

12.06.2019 18:38 • #16


Jochanan
Mir wurde bereits vor dem Termin gesagt, ich solle die Artzberichte, Blutbefund und EKG mit nehmen, was ich aber nicht getan habe.

Ich habe ein gutes Verhältnis zu meiner Mutter, daher macht es mir nichts aus, dass sie mit meiner Mutter über mich reden möchte.

Ich werde mir noch einmal die Diagnosekriterien von Asperger anschauen und überlegen, was zutreffen könnte und was nicht und entsprechend ein kurzes Schreiben beifügen.

Ich würde mir wünschen, dass die Psychologin mit den Unterlagen bereits gut genug auswerten kann, ob es bei mir unwahrscheinlich ist oder nicht. So könnte ich mir ein weiteren Termin sparen.

Bei dir sollte es jedoch keine Bedenken geben. Wenn du nicht grade so wie ich dazu neigst dir alles mögliche einzubilden, hast du tatsächlich Asperger. Da bin ich mir sehr sicher. Ich habe viele kennen gelernt und es passt sehr.

Nur dein Spezialinteresse habe ich noch nicht verstanden.

Ich werde dir weiterhin berichten. Vielleicht hilft es dir und auch anderen, die das lesen.

Erleichtert bin ich schon, weil jetzt wirklich - ansich - endgültig klar ist, dass ich ein sehr ängstlicher und sensiebler Nessteckchen bin und das mein Problem ist. Ansonsten habe ich nichts.

12.06.2019 18:46 • #17


Mindhead
Danke dir auf jeden Fall!

Mir wurde nur gesagt, dass ich meine Versichertenkarte mitbringen soll und ebenso meine Überweisung. Entsprechend muss ich weiter nichts mitnehmen, dennoch nehme ich den Bericht vom Neurologen schon mal mit um auch zu zeigen, dass da alles gut ist und meinen selbst gestalteten Zettel.
Du meintest ja, dass du noch nicht alle Berichte hast und diese noch nachreichen wirst, wenn ich es richtig verstanden hatte?

Nach den Diagnosekriterien werde ich nochmal schauen, danke für den Tipp! Daran habe ich in meiner Nervosität gar nicht mehr gedacht. Bei mir ist es nämlich auch fast soweit.

Ich bilde mir Krankheiten nicht ein, außer wenn ich Schmerzen habe, dann kann ich ordentliche Panikattacken bekommen und ganz schlimme Sachen denken. Aber mehr auch nicht und es sind generell dieselben Gedanken immer wieder.

Also zu meinen Interessen: Ich kann dir im Grunde die komplette Supernatural Serie (und auch Harry Potter) über mehrere Stunden hinweg erklären, verdeutlichen etc. Teilweise kann ich auch mitreden.
Ansonsten die griechische Mythologie. Leider kann man darüber nur mit sehr wenigen reden und wenn ich anfange wird mir meistens gesagt, ich solle wieder aufhören. Informatik gehört auch dazu.
Als Kind hatte ich nur eine einzige Interesse und zwar Delphine. Jeden Tag intensive Beschäftigung. Ich kannte alle Arten (auch ausgestorbene), wo sie leben, wie sie leben etc. Ich bin aber froh, dass sich dieses Interesse gewandelt habe und ich heutzutage wenigstens ein paar wenige Interessen habe.
Allerdings versuche ich mein Bestes mich nicht zu intensiv damit zu beschäftigen, da bei mir daraus auch viel Mobbing entstanden ist und ich Angst habe, auf Grund meiner intensiven Beschäftigung und das Wissen daraus wieder so abgelehnt und behandelt zu werden.

Ich kenne das Wort "Nessteckchen" zwar nicht, aber es freut mich für dich, dass du erleichtert bist!
Du wirst ja, soweit ich weiß, auch noch einen ausführlichen Bericht zu der Diagnostik bekommen, oder?

Ich hoffe auch, dass nur ein Termin bei mir notwendig ist um festzustellen, ob ich Autismus habe oder nicht. Immerhin dauert der Termin schon bis fünf Stunden.

12.06.2019 18:57 • #18


Jochanan
Richtig heißt es nesthaekchen. Ich habe es falsch geschrieben. Oder so. Sprachen fallen mir schwer.

Ich glaube schon, dass du ein Spezialinteresse hast. Insofern passt das auch. Also bei dir passt viel.

Da wäre noch die Frage, wie du Körperkontakt empfindest und wie es mit deinem Partner ist. Dazu könntest du in deinem Bericht auch was schreiben, also nur kurz. Asperger sind eher scheu was den Körperkontakt angeht. Falls das bei dir auch so ist.

12.06.2019 19:03 • #19


Mindhead
Nicht schlimm Auch das Wort kenne ich nicht. Aber ich schaue gleich mal nach, was es bedeutet.

Ich hasse Körperkontakt. Schon als Baby/Kind. Es gibt nur 4 Personen die mich umarmen dürfen. Und nicht plötzlich. Wenn man mich plötzlich umarmt kann ich (ausversehen) zuschlagen -verletzt habe ich zum Glück noch nie jemanden.
Ich habe auch gar keinen Partner. Dementsprechend kann ich dazu wenig sagen. Ich hatte auch nie einen.

Hat bei dir denn sehr vieles nicht gepasst?
Von dem was du erzählt hast, traf immerhin auch mehreres auf dich zu.

12.06.2019 19:07 • #20





Univ.-Prof. Dr. Jürgen Margraf