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hi an alle,

leide seit wenigen jahren periodenweise unter schwindel. der letzte anfall dauert seit frühlingsanfang dieses jahr und schwächt langsam ab.

er äußert sich so, dass ich wackelig (puddingbeine) gehe, zu einer seite schwanke. z. B. kann ich zur Zeit auch nur rucksäcke tragen, keine umhängetaschen, weil ich die mit auspendeln müsste. dabei ist immer eine leichte bis sehr starke angst, umzukippen. ich renne auch gegen gegenstände und menschen, aber nur leicht.

neu hinzugekommen ist jetzt, dass mir auf breiten straßen und auf brücken, die weite sicht zulassen, besonders schwindelig ist. außerdem, wenn mir viele menschen entgegenkommen oder ich an voll besetzten cafés vorbei muss. habe eigentlich keine lust, dass ich jetzt auch noch eine platzangst habe. wie kann man so etwas im frühen stadium stoppen? das einzige was ich machen kann, ist trotzdem überall langlaufen, d.h. wenn es noch gerade so möglich ist.

habe auch festgestellt, dass es zwischen menschen, die größer sind, nicht so schlimm ist wie beispielsweise in einer kindergruppe gefangen zu sein.

11.08.2008 21:46 • 31.08.2008 #1


7 Antworten ↓


Hallo Tropfen,
bitte suche dir ganz schnell professionelle Hilfe. Geh zu deinem Hausarzt lass dir von ihn durchchecken und dann lass dir eine Übereisung zu einem Psychologen geben.
Ich kenne die von dir geschilderten Symptome. Ich habe Platzangst, schwierig sind für mich Kaufhäuser, Gaststätten, Bahnhöfe, Brücke, Plätze, viele Leute - eigentlich alles, was Spaß macht und man nicht allein ist.
Ich mache zur Zeit eine Verhaltenstherapie und habe schon viel gelernt, wie mit diesen Symptomen umzugehen ist. Nur weißt du sicherlich auch, dass die Theorie so schön ist, aber die Umsetzung in der Praxis ziemlich hapert.
Eines zum Trost: Wir können lernen, die Angst zu beherrschen, mit ihr umzugehen.


Wenn du Angst vor der Angst hat,
kann sie dich überwältigen.
Aber wenn du sie ruhig zu dir einlädst
und ihr in Achtsamkeit zulächelst,
wird ihre Stärke nachlassen.

Liebe Grüße
engelchen106

12.08.2008 06:21 • #2



Schwindel, Angst auf breiten Straßen

x 3


Hallo,

kann Dir nur raten-gehe (wenn man nichts krankhaftes findet) zum Psychologen. Bin gerade dabei, mich wieder aufrichten zu lassen.

Nur Mut!

12.08.2008 18:35 • #3


Hallo Tropfen.

Was Du hast nennt sich phobischer Attackenschwindel.

Ich hatte den auch beim Autofahren - genauso wie Du beschreibst. Früher auch in anderen Situationen.

Du kannst Dir den thread Angstschwindel beim Autofahren durchlesen.
Da steht zumindest in punkto Autofahren und Schwindel einiges interessantes.

Meine persönliche Erfahrung ist die (und ich hatte diesen Schwindel auch), daß diese Art des Schwindels aus dem permanenten Versuch resultiert, die Angst zu unterdrücken oder zu kontrollieren. Daher typischerweise dann auftritt, wenn schon länger eine Angststötung besteht.
Da die Angst sich aber immer ihre Wege sucht und sich nicht kontrollieren läßt, kommt sie dann als Schwindel zum Ausdruck. Es ist eine Art Überkontrolle über das Gleichgewicht. D.h. das GGW wird ja automatisch reguliert - Du nimmst das durch die Angst bewußt wahr (was andere gar nicht bemerken, weil sie ihre Aufmerksamkeit nicht darauf gelenkt haben) und versuchst es zu kontrollieren - daraus entsteht dann ein Teufelskreis.

Ich kann Dir nur meine obligatorischen Tipps geben: Angst auf jeden Fall zulassen - auch wenn es schwer fällt. Dagegen kämpfen und aushalten bringt nichts.
Es wird Dir nichts passieren, außer, daß sich die Angst und der Schwindel Stück für Stück verabschieden wird.

12.08.2008 23:33 • #4


danke an alle, die geantwortet haben, bes. die erklärungen von winston haben mir weitergeholfen.
@winston: was ist der unterschied zwischen angst zulassen (was man tun soll) und angst aushalten (was man nicht tun soll)?

über eine verhaltenstherapie habe ich auch schon nachgedacht, gesprächstherapie damals war nur nervig u hat nichts gebracht, weil es ja wiederkam.

wie laufen denn verhaltenstherapien ab?

danke tropfen

14.08.2008 19:52 • #5


@tropfen

Das mit dem Unterschied zwischen zulassen und aushalten fragen mich viele und ich habe festgestellt, daß es nicht einfach ist, es verständlich zu erklären.
Was auch mit daran liegt, daß Angstpatienten (mich früher selbst eingeschlossen) eine Patentlösung haben wollen, die in sekundenschnelle wirkt. Das geht beim Zulassen nicht, weil man es nicht sofort schafft, zuzulassen. Wenn man es aber einmal nur für Sekunden geschafft hat, dann versteht man es besser. Und dann fragt man sich auch, wieso um alles der Welt man vorher immer so gekämpft hat und das völlig kontraproduktiv war.

Aushalten heißt für mich Scheuklappen anlegen, Zähne zusammenbeißen, Muskeln anspannen und mit aller Gewalt durch.
Aushalten hat für mich etwas von Kontrollieren wollen und unterdrücken.
Angst IST Kontrolle haben wollen und Angst kann man nicht unterdrücken - sie kommt immer irgendwie an die Oberfläche und sei es nur durch Schwindel (das ist dann schon die Kontrolle über die ohnehin unbewußt ablaufende Kontrolle haben wollen).
Du kannst bestenfalls lernen, daß Du Angst aushältst, aber das bringt Dir nichts, weil sie dadurch ja nicht verschwindet.

Zulassen heißt für mich dagegen der Angst möglichst ohne Gegenwehr zu begegnen. Sie durch sich ohne Widerstand durchfließen lassen.
Das funktioniert natürlich nicht sofort, aber man kann es lernen.

Zulassen heißt auch Loslassen von allen Gedanken rund um die Angst. Jeder Gedanke nährt sie.
Stell Dir vor, die Angst wäre ein ungebetener Besucher.
Je mehr Du ihn anschreist zu gehen, desto boshafter wird er, weil er merkt, daß du reagierst. Natürlich ist es auch nicht richtig, ihm überfreundlich ein Bett anzubieten. Ich würde sagen, der richtige Weg ist höfliche Ignoranz: Das heißt, ohne wenn und aber akzeptieren und nicht damit hadern, daß er jetzt halt nun mal da ist, aber möglichst ignorieren.
Wenn er nach x boshaften Versuchen merkt, daß Du nicht reagierst, wird es ihm zu fad und er geht von selbst.
Ist bei der Angst genau daselbe Prinzip.

Natürlich gelingt das am Anfang nicht sofort auf Knopfdruck. Aber genauso, wie man gelernt hat, ununterbrochen (sinnlos) dagegen zu kämpfen, so kann man auch lernen sie und ihre Symptome zuzulassen.
Es wird nichts Schlimmes passieren. Schlimm ist es nur, wenn man sich quer legt, dann wird sie immer größer.

Du schreibst aber auch über Schwindel:
Was ich an Deiner Stelle mal machen würde (wenn Du es nicht ohnehin schon getan hast) ist, abzuklären, ob Dein Schwindel organische Ursachen hat oder nicht.
Wenn er organische Ursachen hat, dann wirst Du mit reiner Psychologie nicht weiterkommen, weil die Angst quasi die Folgereaktion auf den Schwindel ist. Dann sollte man als allererstes die organische Ursache behandeln.
Wenn er psychischer Natur ist (oder Schwindel ohne Befund wie es so oft heißt), dann kann Dir meine Anleitung helfen. Dann bist Du vermutlich ein ziemlich kontrollierter Mensch - so wie ich es war.
Ich dachte nämlich dann auch immer, ich falle um - bin aber nicht ein einziges Mal umgefallen. Die Ursache dafür war ganz einfach, daß ich ständig bewußt meine Gleichgewichtsregulation kontrolliert habe. Die läuft ja normalerweise unbewußt ab und man braucht es natürlich nicht kontrollieren. Und dadurch, daß sie dann durch das in sich hineinhören ins Bewußtsein rückt, wird man schwindlig, weil man jede Veränderung des GGW als bedrohlich wahrnimmt (also etwas wahrnimmt, was ein anderer gar nicht wahrnimmt, weil es unbewußt abläuft).

Wie gesagt, psychogener Schwindel ist meiner Ansicht nach schon die Folge einer dauerhaften Angsterkrankung. Man versucht die Symptome der Angst zu unterdrücken, man versucht alles zu kontrollieren - und dann steigt die Angst einem - weil sie halt nirgends anders wo ein Ventil findet - in den Kopf.

Egal ob psychogen oder organisch. Für organischen Schwindel gibt es gute Therapien und den psychogenen kann man genauso (Schritt für Schritt) wieder verlernen genauso wie man ihn sich eingelernt hat.

16.08.2008 00:34 • #6


hi winston,

danke für deine ausführungen. ich hab momentan 2 strategien, die ich verfolge. muss dazu sagen, dass es gerade einigermaßen geht.
das eine ist: ich suche mir beim gehen auf brücken, wo es schlimm ist, weit entfernte menschen und versuche sie zu erkennen. als wenn man einen bekannten entdeckt hat. das lenkt ganz gut ab.

das zweite ist der satz in meinem kopf: das ist alles meins, also die straßen, die häuser, die ganze stadt gehört mir. ich dulde, dass die anderen menschen sich darin bewegen, aber eigentlich gehört alles mir. das finde ich nicht nur witzig, sondern es hilft mir auch, mich nicht verstecken zu müssen.

27.08.2008 22:29 • #7


Interessant wie verschiedene Menschen mit dem gleichen Problem unabhängig voneinander die gleichen Strategien entwickeln .

Als ich diesen Angstschwindel beim Autofahren hatte, habe ich mir manchmal ganz weit entfernte, markante Punkte gesucht und mich darauf konzentriert. Das hat auch etwas geholfen.

31.08.2008 22:53 • #8




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