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Zitat von Lillibeth:Sag mal was tust Du gegen diese Grübelattacken ? Das ist schon extrem. Was sagt Dein Therapeut wo das herkommt? Klingt sehr nach Kontrollzwang. Habe ich auch so schlimm gehabt.
Vor der Therapie habe ich immer versucht alles zu beseitigen oder allem aus dem Weg zu gehen. Nun versuche ich mich dem ganzen zu stellen und Dinge zum Beispiel zu berühren ohne gleich Handschuhe anzuziehen (also im Fall von den Spuren des Pilzes - sonst lauf ich nicht immer mit Gummihandschuhen rum). Das Grübeln danach ist momentan einfach extrem, aber mein Therapeut meint, dass es besser wird, je öfter ich sowas mache. Ich rede aber in dem Moment auch mit meiner Familie. Meine Schwiegermutter und mein Mann haben da meistens ein offenes Ohr. Und natürlich hat mir auch das Forum hier gut geholfen.Mein Therapeut meint, dass ich Angst habe Fehler zu machen und diese Fehler dann fatale Folgen haben. Dies liegt in meiner Erziehung und in meiner Kindheit begründet. Gekrönt wird alles im Moment von einer akuten Belastungsstörung, weil mir die momentane Situation im allgemeinen zu viel geworden ist und ich nicht mehr abschalten kann. Diese Belastungsstörung ruft mittlerweile auch körperliche Symptome hervor.
[/quote]Genauso geht es mir auch. Angst zu versagen. Alles perfekt machen etc. Wir hatten für die Selbständigkeit meines Mannes letztes Jahr eine Finanzamt Prüfung. Die erste nach 16 Jahren. Mittlerweile ist die Firma nur noch nebenbei aber da mussten wir durch. Das hat mir den Rest gegeben. Ich habe alles im Namen meines Mannes gemacht und er hätte die Konsequenzen tragen müssen für meine Fehler. Die wollten alles sehen selbst die Sparbücher der Kinder, hätte ja schwarzes Geld drauf sein können. Die haben mich fertig gemacht. Totaler Zusammenbruch, Steuerberater musste übernehmen und ich wollte mich einweisen lassen. Nichts ging mehr. Dann fuhr die Tante vom Amt erstmal 3 Wochen in Urlaub etc. War die Hölle. Ich habe dann Medikamente genommen und bin letztlich bei Opipramol geblieben. Die Prüfung war natürlich ohne jeden Fehler. War ja eigentlich auch klar. Ich war noch 3 Monate krankgeschrieben. Und auch jetzt nach 14 Monaten habe ich noch Probleme. Ich war immer schon ein Perfektionist aber das mich das mal so einholt hätte ich nicht gedacht. Ich zwinge mich jetzt alles etwas lockere zu sehen. Räumt hier jemand seinen Kram nicht weg, ich mach es such nicht mehr. Und die Erde dreht sich trotzdem weiter ....Hier ist Achtsamkeit der Schlüssel
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In vielem was du schreibst, erkenne ich mich selbst wieder. Wir haben dieses Jahr eine Firma übernommen. Da möchte man ja einiges erst mal ändern. V.a. weil der Vorgänger eher verkniffen war und mit neueren Arbeitsformen nichts am Hut hatte. Dann kam Corona und der Lockdown. Wir haben geschaut, dass es mit der Firma weitergeht, haben Hygienepläne etc. erstellt. Ich habe zusätzlich noch die Kleine hier gehabt, weil jegliche Betreuung eingestellt war und die Großeltern mit Diabetes, Bluthochdruck etc. zur Risikogruppe gehören. Dann hat uns der Vorgänger noch ein zusätzlichen Neubau hinterlassen, weil er sich ein Denkmal schaffen wollte. Dieser muss eingerichtet, unterhalten und finanziert werden. Zusätzlich ist man ja bei sowas nicht nur für sich selber verantwortlich, sondern auch noch für die Mitarbeiter und deren Familien. Denen soll es ja auch nicht schlecht gehen. Meine Mama ist depressiv. Corona hat sie etwas zurückgeworfen. Das habe ich auch noch als Belastung. Zum Glück kam diesbezüglich alles nicht so arg wie gedacht. Aber da waren die Ängste und die Anspannung schon zu groß. Bis August habe ich es auch noch nicht so arg gespürt. Dann musste ich in die Notaufnahme und ab dem Zeitpunkt waren die Ängste wieder da. Den Perfektionismus habe ich auch von Klein auf. Und das kommt dann mit voller Wucht.
10.10.2020 19:58 •
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