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K
Hallo zusammen!

Die ungelenke Floskel einen Ausweg habe ich nur deshalb geschrieben, weil Hilfe in der Betreffzeile offenbar nicht funktioniert, ungeachtet des Kontexts. Eigentlich wollte ich schreiben Wie kann ich mir Hilfe suchen, aber so geht es wohl auch.

Ein bisschen Background-Wissen, zur eigentlichen Problemstellung komme ich zum Schluss; wen also meine Lebensgeschichte nicht interessiert oder zu wem sie zu lang ist, der kann bis zum tl;dr (Zusammenfassung) runterscrollen:

Ich leide schon seit meiner Kindheit unter starker Schüchternheit, was ich im Wesentlichen auf ein traumatisches Ereignis in dieser Zeit zurückführe, ohne dass ich aber sämtliche Verantwortung an meiner jetzigen Situation von mir weisen möchte. Auf das Ereignis als solches möchte ich hier nicht weiter eingehen, ich denke es reicht, wenn ich sage, dass es sich dabei um einen Vertrauensbruch durch eine mir nahestehende Person handelt. Dabei sehe ich mich selbst sowohl als Opfer der Umstände als auch im Anschluss daran als Mittäter, weil ich rückblickend von da aus an vielen Stellen eine Abzweigung hätte nehmen können, die es mir ermöglicht hätte, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Von diesem Ereignis ausgehend stellt sich mein Lebensweg jedoch wie folgt dar.

In der Schule hatte ich anfangs noch keine Schwierigkeiten, mit dem Wechsel aufs Gymnasium zeigten sich dann jedoch alsbald erste ernst zu nehmende Entfremdungserscheinungen. Der Stoff fiel mir anfangs noch leicht, meine Noten waren gut. Ich galt als Streber. Mobbing seitens einiger Mitschüler war zu der Zeit (in den Neunzigern) wohl auch nichts Ungewöhnliches mehr, da mussten viele durch. Ich habe versucht, dem keine allzu große Beachtung beizumessen. Das war ein Fehler, denn mein passives Verhalten ermunterte die anderen nur. Von da an ging ich nicht mehr gerne zur Schule, aber immerhin ging ich noch. Dennoch ging es mit meinen Noten langsam aber stetig bergab. Das erste mal sitzen geblieben bin ich in der achten Klasse. Der Wechsel in eine neue Klasse fiel mir schwer, die Angst vor neuen Leuten war zu der Zeit schon stark ausgeprägt. Zum Glück für mich waren einige meiner Freunde ebenfalls hängengeblieben, das erleichterte es mir.

Leider hatte ich dann aber auch mit dem ein oder anderen Lehrer so meine Schwierigkeiten, für die ich sicherlich mitverantwortlich bin. Hinzu kam der Umstand, dass ich mich zu dieser Zeit zum ersten Mal mit Dro. auseinander setzte. Nichts hartes, nur Gras, was aber eben nicht dafür bekannt ist, jemanden aufzuputschen. Als meine Motivation und damit auch meine Noten noch weiter absackten, ich Klassenarbeiten trotz Wiederholungsjahr versiebte und mir dafür von einigen Lehrern vor versammelter Klasse eine Standpauke anhören musste, die mich emotional aufwühlte (ich bin ein Sensibelchen), feierte ich immer öfter krank. Zuerst einzelne Unterrichtsstunden bei ungeliebten Lehrern, später ganze Schultage. Das ging dann irgendwann so weit, dass mein Klassenlehrer morgens in der ersten Stunde gucken kam, ob ich überhaupt anwesend war, obwohl er in dieser ersten Stunde gar nicht unterrichtete. Natürlich war ich inzwischen zum Gespött meiner Mitschüler geworden, die sich über meine ständigen Fehlzeiten lustig machten und mich sarkastisch begrüßten, wenn ich doch mal wieder zur Schule kam. Was mir verständlicherweise immer schwerer fiel. Meine Lehrer nahmen mich dann besonders hart ran, ließen mich vor die Klasse treten, um etwa meine Hausaufgaben vorzulesen, wohlwissend, dass ich mit dem Stoff aufgrund meiner vielen Fehlzeiten längst nicht mehr nachkam. Ich hatte das Gefühl, sie wollten mich zusätzlich demütigen, indem sie mich vorführten, was aber nur zur Folge hatte, dass ich dem jeweiligen Unterricht nur noch mehr fernblieb, was ihnen wiederum einen Grund mehr gab, mich fertig zu machen. Ein Teufelskreis. Da meine Eltern aufgrund meiner Zeugnisse die Geduld verloren, bekam ich Nachhilfeunterricht und schaffte es schließlich in die neunte, allerdings mit Ach und Krach durch Absolvieren einer Nachprüfung in mehreren Fächern. Das war natürlich einerseits ein Erfolg, andererseits bedeutete das, dass ich viele meiner Lehrer behalten würde. Rückblickend glaube ich, ein Wechsel an eine andere Schule und ein damit verbundener Neustart wäre zu der Zeit besser gewesen. Stattdessen ging der Spießrutenlauf weiter. Obwohl ich die Nachprüfung bestanden hatte, fehlte mir Basiswissen in zahlreichen Fächern. Nachhilfe bekam ich zu der Zeit nicht mehr, was auch ein Kostenfaktor war. Es kam, wie es kommen musste, ich blieb erneut sitzen, war jetzt also mit Leuten in einer Klasse, die zwei bis drei Jahre jünger waren, wodurch ich abermals unangenehm aus der Masse heraus ragte - wortwörtlich. Darauf hatte ich keinen Bock. Ich schmiss hin. Komplett. Ohne Abschluss.

Nicht wissend, was ich tun könnte, blieb ich einige Monate zuhause und igelte mich ein. Meine Eltern hatten indes einen Platz an einer berufsbildenden Schule für mich gefunden, an der ich meinen Abschluss nachholen konnte. Zunächst einmal die Woche, was mir gelegen kam. Das funktionierte gewissermaßen als Vorbereitungs(halb)jahr, mit dem ich auch gut zurechtkam. Der Stoff war leicht, die Klasse mit etwa zehn Schülern sehr übersichtlich. Ich fand einen neuen Freund, allerdings nichts, das über Smalltalk bei einer Zig. vor der Schule und während den Pausen hinausging. Im Anschluss an dieses erste Halbjahr kam ich in eine neue klasse, mit zusätzlichen Fächern wie BWL und Werkstofftechnik. Berufsvorbereitende Fächer eben. Nichts, das mich irgendwie reizte, aber ich konnte verhältnismäßig gut damit umgehen und hatte ein Jahr später meine Fachoberschulreife (mittlere Reife) in der Tasche, mit einem Notendurchschnitt von 2,3. Und das, obwohl ich auch während dieses einen Jahrs so an die 100 Fehlstunden hatte, da ich mich wie ein Fremdkörper in dieser, im Vergleich zum Vorjahr mit 30 bis 40 Mitschülern (überwiegend mit Migrationhintergrund) deutlich unübersichtlicheren Klasse fühlte. Ich gehörte nicht dazu und das wurde mir von den meisten auch oft genug deutlich gemacht. Dementsprechend weniger Lust hatte ich, am Unterricht teilzunehmen. Was mit ein Grund dafür war, dass ich den Notendurchschnitt von 1,4 aus dem Vorjahr nicht halten konnte. Dennoch war ich am Ende mit meiner Leistung zufrieden.

Ich begann, Bewerbungen zu schreiben, fand jedoch keinen Job und keine Ausbildung. Nach einiger Zeit der fruchtlosen Versuche, eine Zeit in der ich viel gelesen hatte, eröffnete ich meinen Eltern, dass ich Schriftsteller werden wolle. Das Eintauchen in andere Welten war toll und fühlte sich gut an, war es doch immerhin eine Form der Realitätsflucht. Solche Welten selbst zu erschaffen und sie mit Leben zu füllen, Geschichten und Charaktere zu erfinden, das alles war mindestens genauso toll. Das Fantasieren und Schreiben machte mir großen Spaß. Natürlich war ich vollkommen unbeleckt und meine Eltern waren nicht wirklich von der Idee begeistert, ließen die Zügel aber locker und gaben mir Zeit, mich auszuprobieren. Zu der Zeit hatte ich noch keinen PC und konnte mir auch keinen leisten, also kaufte ich mir von meinem Ersparten eine Schreibmaschine. Keine altertümliche, wie man sie etwa im Vorspann von Mord ist ihr Hobby zu sehen bekommt, sondern eine elektrische, mit der man sogar Tippfehler nachträglich korrigieren konnte. Trotzdem gestaltete sich das Schreiben im Vergleich zu einem PC als schwierig, weil man nicht mal eben einen Absatz löschen oder einen einzelnen Satz umschreiben konnte. Mein erster Roman war furchtbar. Ich hatte keine Ahnung, welche Regeln man befolgen musste. Tatsache war aber auch, dass ich gegen Ende des Manuskripts deutlich an Sicherheit gewann. Darauf ließ sich aufbauen. Ich begann, über den PC meines Bruders (später über meinen eigenen) im Internet zu recherchieren und fand ein Forum für angehende Schriftsteller, wo ich viel lernen konnte. Ich stellte Textproben ein, bekam Rezensionen. Anfangs musste ich natürlich viel Kritik einstecken und lernen, mit ihr umzugehen. Was mir auch gelang. Ich wurde besser und erntete immer öfter auch Lob. Mit dem Ehrgeiz kam aber irgendwann auch der Hang zum Perfektionismus. Der Wunsch, es so vielen wie nur möglich recht machen zu wollen. Das war nicht unbedingt unbegründet. Je mehr Leser man erreicht, desto besser für zukünftige Verkaufszahlen. Der Spaß blieb dabei allerdings auf der Strecke und ich wurde gedanklich blockiert. Obwohl ich glaubte und bis heute glaube, Talent zu haben, bekam ich nichts Längeres mehr hin. Gewissermaßen als zusätzlicher Bremsklotz wirkte die Erkenntnis, dass Schreiben harte Arbeit ist und nur die wenigsten auch tatsächlich gut genug sind, um allein vom Schreiben leben zu können. Resignation stellte sich ein. Inzwischen waren Jahre vergangen, in denen meine Eltern immer seltener versuchten, mich zu einer normalen Ausbildung, einem normalen Job zu bewegen. Während ich meinem Traum nachgejagt bin, hatte ich alles andere konsequent abgeblockt.

Bis heute bin ich nie einer geregelten Arbeit nachgegangen. Meine verpfuschte Schulzeit, in der ich immer stärkere soziale Phobien entwickelte, haben mich davor zurückschrecken lassen. Momentan bin ich gezwungenermaßen auf Jobsuche, weil meine finanzielle Lage sich immer weiter zuspitzt. Ich lebe allein im Haus einer Angehörigen. D.h allein mit meinen Katzen. Ich konnte immer schon besser mit Tieren umgehen als mit Menschen, vor allem mit Katzen. Ich liebe sie, sie lieben mich. Die Angst, bald alles zu verlieren, auch sie, hat mich dazu gebracht, zum Amt zu gehen und Hartz IV zu beantragen. Das war sehr schwer für mich und hat mich sehr viel mentalen Willen gekostet. Meine sozialen Fähigkeiten sind über die Jahre immer weiter verkümmert. Der einzige Austausch mit anderen Menschen bestand und besteht überwiegend über das Internet. Freunde habe ich so gut wie keine. Am nächsten steht mir mein Bruder, der aber wie auch der Rest meiner Familie nicht weiß, wie es in mir aussieht. Und ich möchte auch nicht, dass sie es wissen, weil es mir unangenehm wäre, obwohl sich dadurch theoretisch nichts ändern würde, außer, dass sie wissen, warum ich so bin wie ich bin.

Nun bin ich aber immerhin an einem Punkt angelangt, an dem ich mir eingestehen muss, dass ich Hilfe brauche. Ich bin unselbständig, unsicher und habe nichts in meinem Leben erreicht. Ich habe Angst davor, mich irgendwo zu bewerben, unter anderem auch deshalb, weil auf meinem Lebenslauf seit 2002 ein gigantisches Loch klafft. Das einzige, worin ich halbwegs gut bin, ist Schreiben (diesen Forumspost bitte nicht als Maßstab nehmen, momentan schreibe ich alles so, wie es mir in den Sinn kommt) und damit lässt sich nur schwerlich Geld verdienen. Meine Ängste sind dabei vielfältig. Ich habe Angst vor dem Ungewissen. Angst davor, wie andere über mich denken. Ich habe Angst, zu telefonieren. Etwas so simples wie eine Pizza zu bestellen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn es an der Tür klingelt, kriege ich Panik und verstecke mich, robbe auf allen Vieren unterhalb der Fenster auf dem Boden entweder in Richtung Flur, um zu schauen wer an der Tür ist, oder in ein anderes Zimmer, wo ich warte, bis es vorbei ist. Allein das Geräusch der Türklingel bereitet mir körperliche (Magen/Darm) und seelische Schmerzen. Ich habe innere Unruhe, kaue Fingernägel seit ich vier Jahre alt war. Ich bin antriebslos, verbringe die meiste Zeit im Internet, spiele Videospiele oder gucke Fernsehen. Zuhause fühle ich mich am sichersten, trotz allem. Ich kann das Haus durchaus verlassen, ich kann auch in den Supermarkt gehen, obwohl sich mir beim Gedanken an die Kasse bzw. dem Interagieren mit dem Kassierer im Magen flau wird. Aber das ist nicht so schlimm. Ich habe dann nur jedes Mal Angst, mich irgendwie dämlich anzustellen oder mit dem Bezahlen zu lange zu brauchen. Ich kann dann förmlich die genervten Blicke der hinter mir wartenden Kunden auf mir spüren. Deshalb bezahle ich niemals passend, bei ungeraden Beträgen zahle ich stets mit Scheinen, das geht schneller. Und dann die Abschiedsfloskeln. Schönen Tag noch - Danke, Ihnen auch. Tschüss! Oft genug verhaspele ich mich bei so etwas und laufe rot an. Einmal habe ich Auf Wiedertschüss gesagt und dann beinahe fluchtartig den Laden verlassen. Klingt lustig, ist aber sehr unangenehm. Dennoch kann ich wie gesagt ohne größere Probleme einkaufen gehen. Ich beiß mich durch, vermeide Situationen, in denen ich nicht die Kontrolle habe. Überhaupt vermeide ich vieles.

Meine letzte Beziehung zu einer Frau liegt gut und gerne 15 Jahre zurück. Viele gab es ohnehin nicht und meist haben sie auch nicht lange gehalten. Man könnte sagen, dass ich es aufgegeben habe. Dabei sehne ich mich nach einem Seelengefährten, ich sehne mich nach zwischenmenschlicher Nähe. Der Zuneigung einer Frau, dem Gefühl von Geborgenheit. Der Sex fehlt mir auch, allerdings ist das jetzt schon so lange her, dass Versagensängste ins Spiel kämen, sollte sich irgendwann doch mal was ergeben. Ohnehin war es nie leicht für mich, mit einer Frau intim zu werden. Mangelndes Selbstvertrauen, Verlustängste, Angst vor Ablehnung. Irgendwann hab ich von mir aus dicht gemacht, habe eine emotionale Mauer um mich herum aufgebaut, die mich einerseits vor Ablehnung schützte und es mir andererseits unmöglich machte, eine Beziehung zu irgendjemandem aufzubauen, was den Sinn und Zweck dieser Mauer natürlich ad absurdum führt.

Kurzum, ich habe Probleme, die ich nun lösen will. Das wird nicht von heute auf morgen gehen, aber ich muss jetzt langsam die Kurve kriegen. Oder sollte ich sagen, ich will? Wäre die finanzielle Schieflage nicht, hätte ich womöglich noch eine Zeitlang so weiter gemacht wie bisher. So aber bin ich gezwungen, ein bisschen aufs Tempo zu drücken. Andernfalls - und das sind ausnahmsweise mal keine irrationalen sondern durchaus reale Verlustängste - bricht mir eher früher als später der Boden unter den Füßen weg.

tl;dr

- traumatisches Ereignis in der Kindheit
- verkorkste Schulzeit
- mittelprächtiger Abschluss
- keine Ausbildung
- nie richtig gearbeitet
- Angst vor sozialer Interaktion
- daraus resultierende Isolation
- Einsamkeit
- Antriebslosigkeit
- Verlustängste
- finanzielle Notlage

Wie komme ich da wieder raus? Ich weiß, dass ich Hilfe brauche, habe aber Angst davor. Angst vor der Ungewissheit und dem damit verbundenen Kontrollverlust, Angst davor, einfach so zu einem Therapeuten zu gehen. Was sagt man da? Guten Tag, ich bin kaputt, mach mich wieder heile? Nein, das gewiss nicht. Ich weiß aber auch nicht, was das Protokoll üblicherweise vorsieht, weil es eben kein Protokoll gibt. Gäbe es doch nur eins! Ein einfaches Codewort. Drei mal klopfen und das Losungswort sagen. Und schon ist man aufgenommen im Club der Bekloppten. Hach ja, alles nicht so einfach. Nicht weil es nicht einfach wäre, sondern weil ich es mir nicht einfach mache, nicht machen kann. Alles vorher tausendfach durchüberlegen, um am Ende unsicherer dazustehen als vorher. Telefonisch einen Termin vereinbaren fällt leider auch flach, aufgrund meiner Angst vor dem Telefonieren. Mit anderen Worten - und hier schließt sich der Kreis -, wie kann ich mir Hilfe suchen, wenn ich zu feige bin, mir Hilfe zu suchen?

Tut mir leid, dass das so lang geworden ist, es tat aber mal gut sich das alles von der Seele zu schreiben. Falls das tatsächlich jemand in voller Länge gelesen haben sollte: Respekt! Und vielen Dank fürs Zuhören.


Gruß,

Katzenfreund83

12.01.2017 04:28 • 13.01.2017 #1


6 Antworten ↓


F
Hallo Katzenfreund,

zunächst mal:Angst vor der Ungewisshheit haben wir alle.Auch Menschen ohne psychische Einschränkungen,das ist ganz normal.
Ich habe viele Parallelen entdeckt zu Dir,war auch auf dem Gymnasium und musste dann runter wegen Mobbing,auf der neuen Schule wurde es bei mir allerdings auch nicht besser...
Hab dann einen erweiterten Realschulabschluss gemacht aber damals fing es dann auch an mit überhöhtem Alk..
Wir sind so kreative,sensible Seelchen ,die nicht so recht in diese Ellenbogengesellschaft hineinpassen wollen.
Aber auch wir können einen Platz finden,an dem wir leben können mit unseren Besonderheiten.
Ich mache zum Beispiel Musik und dachte auch früher,da kann richtig was draus werden.
Das sind die Flausen,die man in jungen Jahren im Kopf hat und auch mir tat es weh,erkennen zu müssen,dass mein Talent eher mittelmässig ist.(Soll jetzt nicht heissen,dass Du mittelmässig schreibst)
Beruflich wollte ich allerdings nie Musik machen,weil sie für mich Ausdruck von Freiheit ist.
Und wenn man davon leben muss,kommt eben genau dieser Druck,den Du auch erfahren musstest,da ist der Flow weg.

Jetzt ist mein Brot und Butter Job putzen gehen,was mir sogar Spass macht.
Ich arbeite in Privathaushalten,wo ich überwiegend alleine bin denn viel unter Menschen möchte ich auch nicht sein,da ich eher introvertiert bin.
Die Musik betreibe ich weiter als Hobbie.

Das Loch in Deinem Lebenslauf kannst Du mit Deiner Schriftstellerei doch gut begründen!

Aber zunächst einmal steht wohl der Umgang mit Deinen sozialen Ängsten im Vordergrund.
Da ist es wie mit allen anderen Sachen auch:
Man muss es einfach üben...

Ich finde,das könntest Du supergut in einer psychosomatischen Klinik tun.
Der Gedanke ist vermutlich erschreckend für Dich aber da wärst Du für 2-3 Monate in einem geschützten Rahmen,in dem Du das soziale Miteinander üben kannst und es parallel in den therapeutischen Sitzungen reflektieren kannst.
In Kliniken sind ja auch Menschen,die selbst ihr Päckchen zu tragen haben,das macht es für Dich leichter,weil alle in einem Boot sitzen.

12.01.2017 07:33 • x 2 #2


A


Wie kann ich mir einen Ausweg suchen?

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N
Hallo Katzenfreund,

ich kenne eine ähnliche Situation. Ist lange her, ist aber noch nicht vergessen. Ich war damals auch sehr verzweifelt und habe sehr gelitten. Aber das ist gut, wie ich heute weiß. Das brachte mich an den Punkt, dass ich so nicht mehr wollte. Ich begann mich zu entwickeln, Dinge auszuprobieren. Heute bin ich da raus. Ich habe viel gelernt. Viele haben mir geholfen. Dafür bin ich dankbar.
Aber nun zu dir. Ich entnehme deiner Beschreibung, dass du es auch leid bist, so zu leben. Gut! Der erste Schritt wäre dich deinen Ängsten zu stellen. Schüchternheit ist im Grunde ein Angst. Du vermeidet diese Angst und das nimmt dir alles. Ich weiß, Ängste verschwinden, wenn man sie erzeugt und immer wieder aushält. An dieser Stelle könntest du dir vorstellen, du musst jemanden anrufen. Spüre diese Ängste immer wieder. Wenn das schwächer wird, dann ruftst du jemanden an und legst gleich wieder auf. Wichtig ist, dass die Angst erzeugt wird und du sie aushälst. Ist so eine Art Training. Das geht so weiter bis du mit jemandem telefonierst. Am Besten so ein psychologisches Angebot aus dem Internet (z.B. coach47). Dann wäre der erste Schritt getan und du könntest weitere Schritte mit professioneller Hilfe in Angriff nehmen. Nochmal ganz wichtig (musste ich auch erst lernen!): Ängste verschwinden nur, wenn man sie auslöst und aushält!
Viel Erfolg
LG Alexa

12.01.2017 11:52 • x 1 #3


K
Hallo Flame und Nalexa!

Habt Dank für eure Antworten.

Flame, eine psychosomatische Klinik, wo ich dann drei Monate weg vom Fenster wäre, wäre für mich wohl der allerletzte Ausweg, nachdem zuvor schon alles andere ausprobiert wurde und nichts geholfen hätte. Vor allem erschreckt mich daran der Gedanke, dass dann alle in meinem Umfeld Bescheid wüssten. Das möchte ich nicht. Psychische Krankheiten sind bis heute leider mit einem Stigma verbunden, und dieses würde ich mir lieber nicht auferlegen. Trotzdem danke ich dir für den Vorschlag.

Nalexa, gewiss, die Ängste auslösen und zu bewältigen lernen, das ist der Plan. Allein schaffe ich das aber nicht, ich muss an der Hand geführt werden und alles von Grund auf (neu)erlernen. Analog zum Kind das Fahrradfahren lernt. Anfangs noch mit Stützrädern und einer Hand auf der Schulter, dann alleine. Vielleicht noch etwas wackelig, vielleicht falle ich hin. Später hoffe ich, freihändig fahren zu können. Ich weiß noch nicht, wer diese Person sein könnte, die mir hilft. Ich habe Angst davor, mich jemandem zu offenbaren, den ich kenne, weil ich den Gesichtsverlust fürchte. Ich versuche stark zu sein und keine Schwäche zu zeigen, obwohl ich glaube, dass es größtmögliche Stärke erfordert, um Schwäche zeigen zu können. Und ich habe womöglich nicht die Kraft, schwach zu sein. Das klingt ... irgendwie paradox, oder?

Im Moment spiele ich mit dem Gedanken, mich einer guten Freundin anzuvertrauen, mit der ich in der Vergangenheit schon öfter über meine Probleme gesprochen habe, ohne ihr jedoch gänzlich reinen Wein einzuschenken. Ich habe das Gefühl, ihr mehr sagen zu können als allen anderen. Und doch käme ich mir irgendwie schäbig vor, hätte das Gefühl, sie auszunutzen. Sie hat schon einmal mit jemand anderem zu tun gehabt, der, wenn ich mich recht erinnere, Borderline und suizidal war, dazu noch äußerst manipulativ. Das hat sie runtergezogen und ausgelaugt. Das möchte ich ihr nicht antun. Jetzt habe ich sie dennoch angesprochen, gefragt ob ich mal mit ihr reden könne und sie hat natürlich ja gesagt. Und nun mache ich mir wieder Gedanken. Wieviel soll ich ihr erzählen? Wie kann sie mir überhaupt helfen? Nutze ich unsere Freundschaft nicht aus? Manipuliere ich sie womöglich ebenfalls? Ich will sie nicht manipulieren, aber sind wir unterbewusst nicht alle irgendwie ein wenig manipulativ? Zudem glaube ich seit jeher, dass sie mehr in unsere Freundschaft investiert. Bei ihr konnte ich meine emotionale Mauer ein Stück weit abbauen, aber eben nicht ganz. Ich habe stets eine gewisse Distanz gewahrt. Eine Distanz, die auf Egoismus und Selbstschutz fußt. Eine Distanz, die ich aus egoistischen Gründen überbrücken würde, wenn ich sie um Hilfe bäte. Ist das nicht der Inbegriff von Ausnutzung?

Hm, ist wieder länger geworden, als ich beabsichtigt hatte. Danke für eure Ratschläge, danke fürs zuhören. Ich gehe jetzt mal meine Gedanken sortieren.


Grüße,

Katzenfreund

13.01.2017 14:45 • #4


Icefalki
Weißt du, nichts geht weg, wenn man nichts tut.

Geh zum Hausarzt, als erste Anlaufstelle, und bitte um Hilfe.

Kannst dir noch so alles zurechtlegen und Gründe oder Nichtgründe anführen. An der Tatsache, dass du hilflos bist, führt kein Weg vorbei.

Sei eine Krankheit nun psychisch oder physisch, Hilfe bekommst du nur, wenn du sie dir holst.

13.01.2017 15:14 • x 1 #5


Maldur
sicher ist eine psychische krankheit auch heutzutage noch vielerorts ein stigma - aber wenn man sich erst einmal öffnet und offener damit umgeht wird man feststellen, dass viel mehr menschen als man vll. glaubt unter etwas psychosomatischen leiden. zumindest meine feststellung (und damit meine ich nun nicht uns hier im forum, sondern in meinem realen leben )

ich weiß noch, als bei mir die angsterkrankung und die depressionen 2005 begannen und ich 2006 erstmals bei einem psychiater war. was der mir alles vorgeschlagen hat - und ich ihn nur ausgelacht habe weil ich mir das alles nicht eingestehen wollte (ich und krank, lächerlich), bis es dann nicht anders mehr ging. aber auch dann (2008) war ich nicht bereit hier in die örtliche psychiatrie zu gehen, stigma und so, sondern in eine reha klinik weiter weg, als privatpatient mit einzelzimmer, minibar und tv. so konnt ich das ganze eher als urlaub verkaufen, als wirkliche hilfe (was es im endeffekt auch war). rst 2012, als es mir richtig mies ging, war es mir so egal, dass ich in die hiesige psychiatrie gegangen bin (klingt irgendwie immer hart, psychiatrie, aber im endeffekt war es eine ganz normale offene station für angstpatienten, depressive, sozialphobiker, keine selbstmordgefährdeten, keine schizophrenen oder gewalttätigen menschen, aber im gegensatz zu einer psychosomatischen rehaklinik mit einer weitaus besseren versorgung, nur als beispiel, den beiden rahakliniken in denen ich bisher war war nachts bzw am wochenende nur 2 pfleger für ein stockwerk zuständig, in der psychiatrischen war es 1 pfleger für die station - 16 menschen, und die hatten immer ein offenes ohr). das war die beste entscheidung meines lebens.

dennoch kann ich vieles was du schreibst nachvollziehen, wenngleich auf einer etwas anders gelagerten ebene: bei mir ist es aktuell auch die angst vor dem nicht mehr die kurve bekommen. keinen job zu haben und momentan keinen zu finden bzw. nicht mal wirklich sicher sein einen auszuhalten, finanziell nicht auf rosen gebettet zu sein und permanent unter stress stehen, weil mir das alles zu schaffen macht, auch der erwartungsdruck von außen, alleine weil wir in einer rasenden gesellschaft leben. angst, den anschluss vollends zu verlieren, gleichzeitig aber viel zu sehr auf die meinungen anderer hören un dselber nicht wirklich wissen, was ich möchte, was ich noch kann, das vertrauen in einem selbst verloren zu haben.

und wie icefalki absolut richtig sagt, hilfe bekommst du nur, wenn du sie dir holst. ich werde kommende woche auch wieder anfangen therapeuten abzuklappern, weil ich mittlerweile durch gespräche (vor allem hier im forum) auch langsam einen klarern blick habe, was ich ändern möchte, woran ich arbeiten möchte (also zb wie gehe ich mit dieser erwatungshaltung um, wie kann ich mir wieder mehr selbst vertrauen, mich wieder mehr selbst lieben, kurzum mit demleben klar kommen)

13.01.2017 15:39 • x 1 #6


kleinerIgel
Hallo Katzenfreund,

Zitat von Katzenfreund83:
Jetzt habe ich sie dennoch angesprochen, gefragt ob ich mal mit ihr reden könne und sie hat natürlich ja gesagt. Und nun mache ich mir wieder Gedanken. Wieviel soll ich ihr erzählen? Wie kann sie mir überhaupt helfen? Nutze ich unsere Freundschaft nicht aus? Manipuliere ich sie womöglich ebenfalls?


Das ist doch ein erster guter Schritt in die richtige Richtung!

Ich denke, du solltest ihr alles erzählen. Vielleicht aber nicht persönlich im Gespräch, sondern in einem Brief/Email? Damit setzt du sie nicht unter den Zwang sofort zu antworten und dabei auch noch das richtige zu sagen. Hängt natürlich davon ab, wie gut sie deine Situation schon kennt, wie euer Verhältnis ist, und auch wie sie allgemein so drauf ist. Ich muss dazu sagen, dass ich selbst Probleme habe, was die sozialen Kompetenzen angeht, und das deshalb vielleicht etwas verzerrt sehe. Könnte mir aber vorstellen, dass auch viele normale Leute mit so einer Geschichte etwas überfordert sind.
Wenn du das, was du hier geschrieben hast zusammenkopierst und ihr schickst, hat sie Zeit über alles nachzudenken. Ein paar Tage später könnt ihr dann in Ruhe und mit etwas Abstand drüber reden.

Nein, ich glaube nicht, das du damit eure Freundschaft ausnutzt und auch nicht das du sie manipulierst. Freundschaft ist auch dazu da dem anderen zuzuhören und zu helfen. Du darfst nur nicht erwarten, dass sie deine Probleme aus der Welt schafft. Aber du hast ja verstanden, dass du derjenige bist, der was tun muss.

Helfen könnte sie dir sicherlich ganz konkret: Indem sie für dich Telefoniert um Termine auszumachen. Indem sich dich an die Hand nimmt und mit dir zum Hausarzt geht und wenn es sein muss auch für dich redet. Einfach indem sie dir hilft den ersten ganz konkreten Schritt zu tun, der nötig ist, damit du aus diesem Kreislauf rauskommst. Aber wirklich nur den ersten Schritt! Danach musst du es selber hinkriegen!


Ich wünsche dir viel Kraft und viel Mut für diesen ersten Schritt.

Viele liebe Grüße vom kleinen Igel

13.01.2017 16:54 • x 1 #7





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