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Hallo Forum!
Ich mache momentan eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie.
Der Grund für meine Ängste (soziale Phobie, ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung) liegt nämlich in der Kindheit/Jugend.
Nun habe ich viele Zusammenhänge verstanden, jedoch sagt die Therapeutin, dass das so nicht reicht.
Ich muss die Gefühle wieder erleben, und die Ängste/Enttäuschungen/Wut/ Hilflosigkeit/Scham usw. von früher wieder erleben, um es verarbeiten zu können.
Die Therapeutin meint, das kommt mit der Zeit.
Ich bin aber so ein "Kopf-Mensch" und mir gar nicht so sicher, ob das passiert.
Kann mir jemand sagen, wie ich es schaffe, diese Gefühle von früher wieder zu erleben?

LG! Kravina

17.10.2014 21:21 • 19.10.2014 #1


8 Antworten ↓


Liebe Kravina,

es ist nicht einfach, das Ganze noch einmal durch zu machen.

Zitat:
Kann mir jemand sagen, wie ich es schaffe, diese Gefühle von früher wieder zu erleben?


Du musst dich mit diesen Gefühlen und Gedanken konfrontieren, aber du musst sie an dich heranlassen und akzeptieren, das war die Vergangenheit, das jetzt und heute akzeptierst du und verarbeitest es somit.
Lass dich ganz einfach fallen und dich von deiner Therapeutin führen.

Sollte Wider erwarten kein Zugang zu dir sein, was ich aber nicht denke, kannst du es noch mit Hypnose Therapien versuchen.

Liebe Grüße und alles Gute

Gerd

17.10.2014 21:39 • x 1 #2



Wie Gefühle aus der Kindheit verarbeiten/wieder erleben

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Guten Morgen Gerd49,

danke für deine Antwort.
Während der Sitzungen reden wir so viel, da erkläre und beschreibe ich mehr wie es früher war oder jetzt ist, so dass ich nicht die Ruhe habe, die Gefühle stark an mich ranzulassen.
Außerdem sitzt da ja die Therapeutin, da wäre es mir unangenehm, direkt vor ihr negative Gefühle zu zeigen (vermutlich ist das auch ein Teil meines Problems).

Kann ich das auch zu Hause ganz für mich allein versuchen?
Mich also gemütlich irgendwohin legen/setzen, und mich an irgendeine Situation von früher erinnern? Ggf. weinen, wütend werden usw... Und dann? Wenn diese negativen Gefühle kommen? Soll ich mir dann sagen: "es ist okay, dieses Gefühl zu haben und so war das damals" es also annehmen?
Und das war`s?
Sorry, dass ich so blöd frage, kann es mir aber irendwie nicht so vorstellen...

Gruß,
Kravina.

18.10.2014 10:03 • #3


Zitat von Kravina:
Kann ich das auch zu Hause ganz für mich allein versuchen?


Es gibt kein "Rezept", das für alle Menschen gültig wäre.

Was du - u.a. - brauchst, ist Geduld, ist Mut, ist das Aushalten der Ungewissheit, der Ängste u. a. mehr.


Zitat von Kravina:
Und dann? Wenn diese negativen Gefühle kommen? Soll ich mir dann sagen: "es ist okay, dieses Gefühl zu haben und so war das damals" es also annehmen?
Und das war`s?



Ich habe den Eindruck, dass du das Ganze zu "mechanisch" siehst.. Wenn das, dann dies..

Die Beziehung (auf der Gefühlsebene) zu deiner Therapeutin ist wichtig. Sie kann mit der Zeit an Tiefe gewinnen. So kann mit der Zeit vielleicht auch Vertrauen entstehen.
Dann wirst du es vielleicht auch besser aushalten können, von ihr "gesehen" zu werden..

Versuch vielleicht zu akzeptieren, dass du Zeit brauchst, vielleicht sogar viel, sehr viel Zeit.

18.10.2014 10:21 • #4


Hallo Kravina,

ich habe vor 6 Jahren meine tiefenpsychologische Therapie beendet und ich muss heute manchmal immer noch bitterlich weinen über die Vergangenheit, danach fällt mir dann wieder ein Stein vom Herzen und ich kann mich entspannen. Ich hatte auch eine ausgeprägte Wutphase. Das kommt einfach, wenn es soweit ist, also, wenn du soweit bist, dass du es zulassen kannst.
Gut, dass du deine Therapie so ernst nimmst. Ich war damals auch so: Reflektieren, dann Gefühle zulassen, Vergangenheit noch mal erleben und schwups, in einem halben Jahr ist wieder alles ok.

Du kannst es nicht beschleunigen, aber wenn du dran bleibst, werden die Gefühle auf jeden Fall kommen. Es hängt auch damit zusammen, wie schlimm deine Kindheitserlebnisse für dich waren.

Viel Kraft!

Sub

18.10.2014 14:49 • x 1 #5


Zitat von sub1:
Hallo Kravina,

ich habe vor 6 Jahren meine tiefenpsychologische Therapie beendet und ich muss heute manchmal immer noch bitterlich weinen über die Vergangenheit, danach fällt mir dann wieder ein Stein vom Herzen und ich kann mich entspannen. Ich hatte auch eine ausgeprägte Wutphase. Das kommt einfach, wenn es soweit ist, also, wenn du soweit bist, dass du es zulassen kannst.
Gut, dass du deine Therapie so ernst nimmst. Ich war damals auch so: Reflektieren, dann Gefühle zulassen, Vergangenheit noch mal erleben und schwups, in einem halben Jahr ist wieder alles ok.

Du kannst es nicht beschleunigen, aber wenn du dran bleibst, werden die Gefühle auf jeden Fall kommen. Es hängt auch damit zusammen, wie schlimm deine Kindheitserlebnisse für dich waren.

Viel Kraft!

Sub


Hallo Sub,
danke für die Tips. Dann lasse ich mir Zeit und werde oft reflektieren und zulassen.
Hört sich gut an

18.10.2014 19:23 • #6


Hi Kravina

Wie gehst Du denn im Normalfall mit Gefühlen um? Freust Du Dich herzlich, wenn es was zu lachen gibt? Macht Dich ein Film z.B. traurig, wenn es dort traurige Szenen gibt?
Ich denke, am einfachsten ist es (so denke ich es für mich), wenn man Gefühle halt über bestimmte Dinge zulässt, die einem gefallen. Musik, Film, andere Kunst wie Gemälde, Fotos etc. Akzeptierst Du z.B. hier auch traurige Musik und traurige Filme, dann bist Du ein ganzes Stück weiter. Erzwingen kann man solche Dinge allerdings nicht. Lediglich zulassen und nicht unterdrücken. Du wirst sehen, vor allem bei Musik kann das wunderschön sein, denn Musik kann alles an Gefühlen ausdrücken, die man so hat.

19.10.2014 13:21 • #7


Zitat von holger014:
Hi Kravina

Wie gehst Du denn im Normalfall mit Gefühlen um? Freust Du Dich herzlich, wenn es was zu lachen gibt? Macht Dich ein Film z.B. traurig, wenn es dort traurige Szenen gibt?
Ich denke, am einfachsten ist es (so denke ich es für mich), wenn man Gefühle halt über bestimmte Dinge zulässt, die einem gefallen. Musik, Film, andere Kunst wie Gemälde, Fotos etc. Akzeptierst Du z.B. hier auch traurige Musik und traurige Filme, dann bist Du ein ganzes Stück weiter. Erzwingen kann man solche Dinge allerdings nicht. Lediglich zulassen und nicht unterdrücken. Du wirst sehen, vor allem bei Musik kann das wunderschön sein, denn Musik kann alles an Gefühlen ausdrücken, die man so hat.


Hallo Holger,
also das mit den Gefühlen zulassen dürfte ich irgendwie hinbekommen, das konnte ich auch früher schon (manchmal) wenn ich was trauriges gesehen habe oder an was schlimmes/trauriges aus meiner Kindheit dachte.
Ich frage mich halt nur, ob das reicht, dass man die Gefühle zulässt, um die Gefühle auch verarbeiten zu können?
Oder gehört da etwas mehr zu?
Meine Therapeutin sagt immer: gefühle zulassen, sich denken, ja so war das früher, das ist ein altes Gefühl von früher...
Ok, soweit so gut.
Aber man muss mit dem, was geschehen war, bzw. mit den Personen, auch Frieden schließen, es annehmen, ich weiß aber rein praktisch nicht wie das geht.
Denn nur an die Vergangenheit zu denken, und danach zu heulen, hat mir bisher -auch ohne Therapie- nichts gebracht.

Kravina.

19.10.2014 15:34 • #8


Hi Kravina

Es gibt einige Dinge, die mich z.B. immer wieder an die Vergangenheit erinnern. Höre ich bestimmte Musik, dann kann ich mich wunderbar in meine Kindheit / Jugend hineinversetzen - weil damals die Musik gerade aktuell war und ich sie damals immer gerne gehört habe. Dieses habe ich mir bis heute quasi rübergerettet und erhalten.
Glücksgefühle / angenehme Gefühle sind so eigentlich am schönsten, finde ich. Einen Teil bewahren, nur für sich, ohne Andere. Das ist für mich das Besondere. Da kann ich noch soviel von Anderen hören "Du lebst in der Vergangenheit, lebe im Jetzt". DAS ist aber ein Teil von mir. Der Teil geht bis ins Jetzt hinein und wird mich in die Zukunft begleiten. Mit "zu denken und daran zu denken,"ja, so war es früher"" habe ich dem Augenblick noch nie bewusst wahrgenommen. Sowas geschieht eigentlich unbewusst...

Für mich war und ist es wichtig, dass Gefühle zu einem selber gehören, vergangene und welche von Heute, dem Jetzt. Ich muss sie keinem erklären, ich muss mich dafür nicht schämen, ich muss sie vor allem mir nicht erklären.

Wenn Du dahin kommst, sie als Teil von Dir zu akzeptieren, dann wirst Du auch irgendwann Gefühle wieder zulassen, die Dir Trauer und Schmerz bereitet haben. Inwieweit Du wirklich mit Personen Deinen Frieden schliessen musst, ist so eine Frage. Denn erzwingen kannst Du nix und ich glaube, dass ist exakt das Problem. Müssen musst Du gar nix. Wenn Du sauer warst auf bestimmte Situationen, dann darfst Du das auch heute noch. Wenn Dich bestimmte Personen extrem verletzt haben, dann heisst das nicht, dass Du verzeihen musst, weil es die Zeit verlangt.

Sagen Therapeuten dass in dem Muster "Du musst!"? Ich hoffe doch wohl mal nicht, oder? Oder bist Du es eher, der Dir das sagt "Ich muss, ansonsten..."?

Ich denke, generell im Bereich von Emotionen und Gefühlen mit einem "müssen" anzukommen, geht nicht auf. Man (bzw. auch ich) kann Dir hier eigentlich keine grossartigen Ratschläge geben, da eben bei Gefühlen ein Jeder Dinge anders verarbeitet. Einzig kann man halt sagen "versuchen, sie zuzulassen und akzeptieren, dass sie da sind um sich damit auseinanderzusetzen"...

Wie oben zu der Musik geschrieben. Gewisse Dinge zuzulassen erlaubt, dass Emotionen und Gefühle unbewusst getriggert werden, der Trigger (also Auslöser) kann dann eben Musik sein oder ein Film, zwanghaftes Erinnern dürfte selten funktionieren.

19.10.2014 15:52 • #9




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