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Wie kann ich weniger sensibel werden gegen die Angst vor Ablehnung?

Gedächtnisschwäche und sensibel.
Ich hab beides und deshalb Angst in der Zukunft ausgelacht oder verachtet zu werden.

Es kann sein
- ich grüße innerhalb von 10 Minuten die gleiche Person zweimal.
- Man muss mir alles mindestens 3-mal erklären bis ich es mir merke.
- Diskussionen kann ich nicht so schnell folgen und verstehe dann den Sinn nicht.
- ...
Ich war deshalb vor einigen Jahren über 6 Monate in stationärer Behandlung nachdem mir ein psychologischer Gedächtnistest Merkfähigkeitsprobleme nachwies.

Weil ich Sensibel bin habe ich große Angst aufgrund solcher Geschehen ausgelacht oder verachtet zu werden. Solche Situationen machen mich dann richtig fertig. Ich habe Angst vor der Zukunft weil meine Schwäche naturgemäß mit dem Alter noch größer wird und solche Situationen häufiger auftreten werden.

FRAGE:
Meine Gedächtnisprobleme lassen sich nicht lösen, das hab ich 30 Jahre lang probiert.
Ich muss deshalb weniger sensibel werden. Wie kann man das erreichen?



Zu meiner 42 jährigen Person:
Die Angstform Angst vor Ablehnung
https://www.psychic.de/angst-vor-ablehnung.php
passt in großen Teilen zu mir mit dem Unterschied, in der Kindheit recht selbstsicher gewesen zu sein.
Lösungsansatz bei dieser Angstform ist zu lernen, sich mit seiner Behinderung zu akzeptieren indem man andere Fähigkeiten entdeckt. Für mich hat die Behinderung der Gedächtnisschwäche aber ein zu großes Übergewicht, demnach sollte meine andere Fähigkeit entsprechendes Gegengewicht haben.
Bisher konnte ich noch keine in mir schummernde große Gegenfähigkeit rauskitzeln.
Gibt es noch andere Lösungsansätze weniger sensibel zu werden außer vielleicht saufen zu gehen?

Ich würde mich als lebensbejahender Mensch mit viel Energie und großer Lust auf Änderung bezeichnen. Allerdings fehlt mir mittlerweile der Mut und mein soziales Umfeld wird immer kleiner.
Ich möchte endlich weniger sensibel sein.

15.11.2009 09:05 • 29.11.2009 #1


9 Antworten ↓


Hallo ilover,

um dahin zu kommen, wo du hin willst, nämlich mit weniger Angst zu leben, musst du deine Frage "Wie kann ich weniger sensibel werden gegen die Angst vor Ablehnung?" als erstes ändern in:
"Wie kann ich weniger sensibel werden gegen Ablehnung?"

Wenn du weniger sensibel gegenüber deiner eigenen Angst werden willst, zememtierst du geistig deine Angst.

Du musst weniger sensibel gegenüber möglicher und echter Ablehnung werden. Das musst du anstreben.

15.11.2009 13:41 • #2



Weniger sensibel gegen Angst vor Ablehnung

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Hallo,

Du hast völlig recht.
Ich möchte weniger sensibel gegen Ablehnung werden.

Interessant ist, dass es auch anders herum funktioniert.
Ich bin überglücklich bei Anerkennung.
Da reicht schon ein Tschüss eines Kollegen nach Feierabend und ich freue mich stundenlang.
Das ist zum Kotzen.

Wie kann ich diese verfluchte Sensibilität abstellen?

16.11.2009 07:55 • #3


Die beiden Dinge gehören zusammen. Du fühlst dich existenziell davon abhängig, dass du gemocht/geliebt/bewundert wirst,
und bekommst Panik, wenn dir dies aus irgendeinem echten oder eingebildeten Grund entzogen wird. Gell? :coo:

Für ein kleines Kind ist diese Gefühlslage ganz normal. Ein Kind ist ja existenziell davon abhängig, dass jemand es genügend liebt, um ihm Essen, Kleidung, Wohnung und positive Aufmerksamkeit irgendeiner Art zu geben (im allgemeinen: "Liebe").
Der Entzug davon bringt das Kind wirklich in große Not.

Erst recht, wenn das Kind nur 1 Elternteil hat. Dann hängt von dessen Liebe ja noch viel mehr ab - eigentlich alles.

Es kann aber auch sein, dass ein Kind so viel Aufmerksamkeit, Lob und Anerkennung für alles und jedes bekommen hat, dass es als Erwachsener jedes Fehlen davon für einen Weltuntergang oder für eine enorme persönliche Kränkung hält. Dass es das nicht als normal empfindet, dass man nur für besonders gute Leistungen Anerkennung bekommt ,dass man keineswegs in allen Bereichen gleich gut ist und daher im Leben auch mal Kritik oder Nicht-Lob anfällt.

In welcher Gruppe würdest du dich denn sehen?

18.11.2009 00:46 • #4


Danke für Deine Antwort und entschuldige meine späte Antwort

Ich hab eigentlich keine große Hoffnung mehr auf Heilung meiner Probleme. Deshalb hab ich die ganze Woche auch nicht in das Forum geschaut. Ich hatte vor Jahren einmal einen Eintrag in ein Psychoforum gesetzt. Da kamen lauter Beileidsbekundungen die zwar nett sind, mich persönlich aber nicht weiter bringen.
Dein Ansatz ist mir da lieber.

Durch deine Ausführung bin zum Nachdenken gezwungen.
In die erste Schublade würde ich mich nicht stecken. Eher in die Zweite.
Wenn ich aber darüber nachdenke, passe ich da aber auch nicht rein.
Oder eigentlich ist es wie beim Horoskop irgendwie passt alles ein bissle.
In unserer Familie war und ist das äußere Erscheinungsbild extrem wichtig.
Vermutlich hat das meinen Charakter einfach mehr beeinflusst als den meiner Geschwister.

Auf jeden Fall muss ich irgendwie resistenter gegen die Meinung anderer werden.

Funktioniert hier vielleicht Konfrontationstherapie?
Z.B. als Tourette Kranker einen Tag lang in der Fußgängerzone rum laufen.
Oder kann das die Sache noch verschlimmern?
Ich meine mit Höhenangst vom Hochhaus springen soll auch nicht wirklich helfen.

21.11.2009 07:54 • #5


Ich glaube, dass eine Konfrontatonstherapie gut helfen kann, dass man gleichzeitig aber auch das Denken umstellen muss.

Wenn etwas Anderes wichtiger oder dringender ist als die Angst, kann man sie ganz leicht und rasch überwinden. Beispiel: Ich litt Jahrelang an extremer Höhenangst. Mir wurde schon schwindlig, wenn ich auf ein Schemelchen steigen musste, um eine Glühbirne auszuwechseln. Stühle oder sowas gingen gar nicht, Leitern erst Recht nicht.
Dann hab ich dieses Frühjahr mein Zimmer renoviert, und um die Decke streichen zu können hätte ich eben auf eine Leiter klettern müssen.
Das wollte ich aber nicht.
Bzw. ich dachte, ich könnte es nicht.
Also hab ich mich darauf eingestellt, auf meine Mutter zu warten, die das dann für mich machen sollte. Da hätte ich aber noch 6 Stunden warten müssen, bis sich was tut.
Ich wollte aber in dem Moment die Veränderung unbedingt und dringend, ich wollte ein neues Zimmer haben und ich wollte endlich fertig sein mit dem Streichen.
Also bin ich kurzerhand selber auf die Leiter geklettert, erst zaghaft und langsam, dann von Mal zu Mal immer schneller.
Inzwischen kann ich einfach so auf Leitern und Stühle und Hocker steigen, ich hab überhaupt keine Angst mehr davor.

Also erst Überwindung, sich ein Ziel setzen, etwas, was dringender und wichtiger ist als die Angst -und dann üben und konfrontieren.

Anderes Beispiel: Ich litt nach dem Tod meines Vaters an Panikattacken, musste aber gleichzeitig auch mein Abi schreiben. Die Attacken waren entsetzlich, aber das Abi war einfach wichtiger, dringender. Also hab ich mich in die Prüfungen gesetzt trotz Panikattacken. Ich litt also 3-6 Stunden lang an Schwindel, Übelkeit, Herzrasen, Derealisationsgefühlen -aber hab durchgehalten. Weil ich wusste: Egal, wie schlimm es auch wird, du kommst hier nicht raus. Aufstehen und weggehen -das geht nicht.
Also hab ich die Prüfungen durchgestanden und rasch erkannt: Man kann die angst aushalten, und obwohl sie sich entsetzlich anfühlt, kann sie nicht wirklich etwas an meiner Zielsetzung ändern.
Ab dem Zeitpunkt hatte ich nie mehr so schlimme Panikattacken, mittlerweile sind sie ganz weg.

Verstehst du, was ich meine?

Zunächst einmal musst du dir ein festes Ziel setzen, dir wirklich klar machen: JA, ich habe die Wahl. JA, ich kann etwas verändern.
Mal dir aus, wie cool du reagieren könntest, wenn du weniger sensibel wärst.
Wenn du von Vornherein, wie du sagst, an einer Heilung (was ja irgendwie auch passiv klingt und wenig Aktivität impliziert) zweifelst, dann wird es auch sehr schwer, eine Verbesserung deiner Situation zu erzielen.
Denn die Verbesserung, die du dir wünschst, die muss wichtig sein, und sie muss vor Allem real und greifbar werden in deinem Kopf.
Denn das ist sie auch.

Jede Verbesserung geht aber nur mit Veränderung einher.
In deiner speziellen Situation habe ich das Gefühl, dass du dich sehr über Lob und Tadel Anderer definierst. Das führt dann dazu, dass dich das emotional stark erregt, wenn du Lob oder eben Tadel von Anderen erfährst. Dadurch wirst du freilich auch sehr empfindlich und da sind dann auch die Ängste nicht mehr weit.

Du solltest deinen Blickwinkel ändern.
Dich selber mehr in den Mittelpunkt stellen.
DU bist es, der dein Leben misst.
Du selbst bestimmst, was gut war und was nicht, du selbst definierst dich.
Nicht die Anderen, sondern Du.
Versuche, das zu verinnerlichen, versuche, dich selber mehr ins Zentrum deines Lebens zu rücken.

Wenn dir z.B. jemand sagt: "Du bist blöd!"
Dann kannst du kurz darüber nachdenken, aber es braucht dich nicht zutiefst zu erschüttern, denn du weißt ja (hoffentlich), dass es nicht stimmt
Wenn jemand sagt: "Heute hast du auf der Arbeit echt nur schei. verzapft!" -dann kannst du das als Genörgel abtun, wenn du für dich selbst weißt, dass du heute dein Bestes gegeben hast.

Am Ende des Tages ist nur eine Meinung wichtig, und zwar die Eigene.
Wenn man in den Spiegel schauen und sagen kann: Ja, ich hab heute Alles richtig gemacht, ich hab mein Bestes gegeben und ich hab genau so gehandelt, wie ich es als gut empfinde -dann ist Alles okay.
Eine dritte Meinung, ein fremder Mensch, die haben da gar nichts zu suchen.

Auch hängst du, denke ich, gedanklich zu sehr an deiner Erkrankung. Immerhin hast du schon eingesehen, dass du sie nicht ändern kannst -das ist gut! Jetzt musst du lernen, die Einschränkung als ein Teil von dir anzunehmen. Sie gehört zu dir dazu wie deine Haarfarbe, deine Augenfarbe oder dein Daumenabdruck.
Aber -und das ist sehr wichtig- sie macht dich nicht aus!
Du hast es nicht nötig, dich über die Krankheit zu definieren.
Du bist, unabhängig davon, auch ein eigenständiger Mensch.
Ich kann deine Angst gut verstehen; ich selber sehe z.B. sehr schlecht, im Dunkeln bin ich so gut wie blind. Da ich aber mit meinen 22 Jahren trotzdem gerne weg gehe und dann erst Nachts nach Hause komme, hatte ich oft Probleme damit, das vor Anderen zu zeigen, hatte Angst, dass meine "Schwäche" von Anderen bemerkt werden könnte und sie mich auslachen würden. Dieser Satz hat mir damals sehr geholfen:
Das ist ein Teil von dir, aber es macht dich nicht aus.
Mein Charakter, der macht mich aus. Die Krankheit aber ist in Wahrheit viel nichtiger, als ich es wahrhaben wollte.
Irgendwann hab ich einfach mal auf dem Nachhauseweg gesagt, dass ich im Dunkeln so gut wie blind bin, dass ich sehr schlecht sehe, und dass es mich unsicher macht. Seitdem nehmen mich Freundinnen oder Freunde auf dem Nachhauseweg einfach an der Hand oder haken sich unter. Mir gibt das Sicherheit, wir haben trotzdem gemeinsam viel Spaß, und ich habe vor Allem erkannt, dass das, was ich als vermeintliche Schwäche gesehen habe, mich für Andere eher liebenswert und besonders macht.
Und genau so ist es bei dir auch.
Deine Merkschwäche ist zwar ein Teil von dir, aber es ist ein Aspekt, den du nicht ändern, den du dir nicht aussuchen kannst. Wie eine zu große Nase oder ein krummer Finger oder ein komisch geformtes Muttermal. Du musst sie einfach akzeptieren und das Beste draus machen. Es ist keine Schwäche, es ist nichts, wofür man sich schämen muss.
Du hast sie zwar, aber sie definiert dich nicht.

Tatsächlich kenne ich ein Mädchen, das auch oft Diskussionen und Gesprächen nicht gut folgen kann. Sie sagt dann oft völlig unpassende Dinge zur falschen Zeit -und wir lachen dann immer gemeinsam herzlich darüber. Trotzdem mögen wir sie alle sehr gern, denn sie ist ein herzensguter, gütiger und hilfsbereiter Mensch. Dass man ihr eben öfters mal Dinge erklären muss, die Andere sofort verstehen, stört uns alle überhaupt nicht. Im Gegenteil: Es macht sie besonders, es macht sie liebenswert.

Kurzum: Gib die Hoffnung nicht auf, Finde sie wieder.
Nimm dich so an, wie du bist.
Sieh die Krankheit nicht als Schwäche, sondern als etwas, das dich besonders macht.
Ich glaube, wenn du das schaffst, dann verschwindet zeitgleich auch die Angst vor Ablehnung. Wer sich selber als Gesamtpaket akzeptieren kann, der wird auch von Anderen sehr positiv aufgenommen.
Und wer mit sich selbst im Reinen ist, der ist auch standfester und weniger anfällig für Kritik von Außen.
Denn: Keiner ist perfekt. Manch ener hat vielleicht eine krumme Nase, der andere sieht nicht besonders gut, und du kannst dir eben Dinge nicht so gut merken. Ist doch egal. Unterm Strich sind wir alle Menschen mit Stärken und Schwächen und Eigenschaften, die uns die Natur gegeben hat und die wir nicht ändern können.

Du solltest vielleicht sogar eine gute Verhaltenstherapie suchen, vielleicht hilft es dir, gemeinsam mit dem Therapeuten zu üben, wie man mit Kritik und Lob maßvoll umgeht, wie man mehr zu sich selber findet und nicht so abhängig ist von der Meinung Anderer.
Du könntest dir auch dein persönliches Mantra schreiben, nach dem Motto: "Ich bin gut, so wie ich bin, und kein Andrer kann da mitreden" oder "Meine Krankheit ist keine Schwäche, sondern eine Besonderheit" oder "Ich muss nur vor mir selber gerade stehen können" -eben Alles, was du glauben willst, aber wohl noch nicht so recht verinnerlicht hast.
Zeitgleich nutzt es vielleicht wirklich, wenn du dir durch Konfrontation eine dickere Haut zulegst. Vielleicht einfach mal von Freunden deine Stärken und Schwächen aufzählen lassen und so nach und nach ein dickeres Fell entwickeln. Oder mal in der Fußgängerzone absichtlich stören und auffallen, indem man z.B. recht langsam geht oder mitten im Weg stehen bleibt. Wenn dich dann die vorbeihetzenden Leute mit verachtenden Blicken oder Genörgel strafen und du dir dabei denken kannst: "Pah, ist mir egal!" -dann bist du vermutlich nicht mehr zu sensibel für diese Welt.

Jedenfalls steht es in deiner Macht, etwas zu verändern, du kannst etwas bewirken.
Aber dazu braucht es Veränderung und die muss von dir ausgehen.
Einfach mal Alles ausprobieren, was man sich vorstellen kann.
Manches hilft, andres ist nutzlos. Aber solange man probiert, bewegt man sich vorwärts

Alles Gute,
Pilongo

21.11.2009 11:17 • #6


Zitat:
Gedächtnisschwäche und sensibel.
Ich hab beides und deshalb Angst in der Zukunft ausgelacht oder verachtet zu werden.

Es kann sein
- ich grüße innerhalb von 10 Minuten die gleiche Person zweimal.
- Man muss mir alles mindestens 3-mal erklären bis ich es mir merke.
- Diskussionen kann ich nicht so schnell folgen und verstehe dann den Sinn nicht.


Wäre es möglich, dass Dein Gedächtnis in Ordnung ist, Dich aber wegen der sozialen Angst manchmal im Stich lässt? Falls Du bei diesem Test (wo es auch um die Bewertung von Dir geht, also ebenfalls eine soziale Situation) auch wahnsinnig angespannt warst und schon mit einem grauenhaften Gefühl reingegangen bist, dann würde ich das für möglich halten. Dass das Gedächtnis weniger Informationen hergibt und sogar komplett versagen kann, wenn der Körper voller Stresshormone ist, wurde schon nachgewiesen.

Ansonsten, diese Therapierichtung, die in die Richtung (shame-attacking) geht, also dass man sich gezielt "blamiert", finde ich nur mäßig erfolgversprechend. Man spielt in diesem Moment jemand anderen und das konnte ich vorher auch schon, tatsächlich geht es doch um was ganz anderes, man hat Angst davor, die Person zu sein, die man wirklich ist. Sensibilität kann man nicht abstellen, warum auch, das ist doch was Positives und an sich kein Problem, diese gefühlte Abhängigkeit muss weg. Ich habe den Großteil meiner (falschen) Freundschaften erst beenden können, nachdem mir das klar geworden ist. Heißt aber nicht, dass ich mich für geheilt halte, leider.

Grüße, pc

21.11.2009 14:46 • #7


Danke für Deine Antwort Pilongo.
Du hast vieles auf den Punkt getroffen. Dein Schreiben macht auch Hoffnung.
Du hast vor allem in Einem Recht.
Ich muss meine „Krankheit“ akzeptieren und sollte Sie auch nach außen tragen.
Dann wäre meine Angst sicherlich weg.
Ich weiß aber noch nicht ob ich das umsetzten kann.

Es ist doch sehr stark in mir drin durch Leistung anerkannt zu werden. Leistung, die ich aufgrund meiner Gedächtnisschwäche nicht mehr erbringen kann. Früher konnte ich durch Fleiß vieles ausgleichen. Fleiß reicht mit zunehmendem Alter aber nicht mehr aus. Deshalb kommt noch der Effekt dazu für Fleißarbeit nicht mehr motiviert genug zu sein.
Genug lamentiert.

Das herzensgute Mädchen kenne ich in Form von einem ehemaligen herzensguten Kollegen. Ohne, dass er es weiß hab ich sehr viel von Ihm gelernt und übernommen was zwischenmenschliche Beziehungen angeht. Wenn er was nicht verstand sagte er einfach ich Dummerle . Das machte ihn sympathisch.
Ich könnte das übernehmen, aber ich müsste es so oft sagen, dass es für mein Empfinden eher Unverständnis auslösen würde. Ich müsste da innerlich verdammt stark sein um mit soviel Dummerles auszukommen.
Von selbst kommt die Stärke nicht. Ich muss die Kraft dafür auch irgendwoher saugen.
Oder benötigt man tatsächlich keine Stärke dafür sondern nur innere Überzeugung?

Da noch schwere Zeiten kommen werden hab ich Deine Post lokal abgespeichert um Sie öfter zu lesen. Ich denke das kann mir vielleicht noch viel helfen.


Hallo panicchief
Berechtigte Frage mit dem Test.
Mein logisches Denkvermögen unterscheidet sich zur Merkfähigkeit unverhältnismäßig stark im Vergleich zu anderen Probanden. Das wurde in einem einzigen psychologischen Test festgestellt der aus mehreren Bögen besteht die unterschiedliche Fähigkeiten des Gehirns prüfen.
Würde die Angst hier eine Rolle spielen, hätte ich in allen Bereichen gleich schlecht abgeschnitten. Es war aber eine „ungewöhnliche“ Differenz etwa in der Form:
Merkfähigkeit - mangelhaft, logisches Denkvermögen - gut.
Der Test spiegelt auch meine Situation zur Schulzeit. Mathematik viel mir total leicht. Lernfächer dagegen sehr schwer.

Ich wusste noch gar nicht dass es dafür einen Begriff gibt Shame-attacking
Sensibilität ist positiv. Aber nur in Maßen.

22.11.2009 10:04 • #8


Das erinnert mich daran, wie oft ich früher spontan und laut gesagt hab: "Ich Idiot!" Bis ich irgendwann merkte und auch gesagt bekam, dass das keine gute und nette Einstellung zu sich selbst ist. Danach habe ich versucht, anders auf meine Dummheiten zu reagieren. Ich versuche sie jetzt einfach wahrzunehmen, darüber zu seufzen & zu lächeln und nur leicht den Kopf zu schütteln - und es als ein ganz normales kleines Versagen im Alltag zu akzeptieren, so wie alle anderen Menschen das mit ihren Dummheiten auch tun.

Inzwischen muss ich immer schmunzeln, wenn ich höre, wie andere, selbst hoch gebildete und aktive Menschen spontan mit "Mensch, bin ich blöd" herausplatzen. Da merke ich mal wieder, wie normal es ist, Fehler zu machen.

Du schriebst
Zitat:
- Man muss mir alles mindestens 3-mal erklären bis ich es mir merke.
- Diskussionen kann ich nicht so schnell folgen und verstehe dann den Sinn nicht.

Irgendwie passt das nicht mit deiner Aussage zusammen, dass du ein gutes Denkvermögen hast und es an deiner Merkfähigkeit hapert.
Mehrfache Erklärungen braucht man ja nicht, um sich etwas merken zu können, sondern um es zu verstehen.

Wolltest du nun sagen, dass du es beim ersten Mal nicht verstehst?
Oder dass du es zwar schon beim ersten Mal verstehst, es dir dann aber nicht gleich merken kannst?

Letzteres wäre aber nichts Unnormales, im Gegenteil ist es erwiesen, dass man sich etwas mehrmals zu Gemüte führen muss, um es sich langfristig merken zu können. Es gibt dazu massenhaft Literatur und Untersuchungen. Siehe u.a. http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/Inte ... htnis.html
Wenn du also von dir erwartest, dass du dir sofort alles, was du verstanden hast, merken kannst, erwartest du eindeutig zu viel bzw. mehr als Otto Normalmensch leisten kann. Es gibt zwar solche Menschen, die das auf bestimmten Gebieten können, aber das sind Ausnahmen.

Falls du aber damit meintest, dass du eine Erklärung beim ersten und zweiten Mal nicht verstehst, dann liegt das mit 99.9 % Wahrscheinlichkeit daran, dass es dir schlecht = unvollkommen, durcheinander oder sogar falsch "erklärt" wird. Das Wort erklären kommt von "klar", jemandem etwas klar machen. Wenn es nicht klar rübergebracht wird oder in sich gar nicht klar = stimmig ist, dann ist es überhaupt nicht zu "verstehen".

Sich so etwas Unklares dann merken zu können, ist m.E. gar nicht erstrebenswert. Es sei denn, es kommt vom eigenen Lehrer oder Professor und er erwartet es genau so und nicht anders in der Prüfung und ist nicht bereit und fähig, einer Diskussion darüber standzuhalten. Dann muss man manchmal die Kröte schlucken. Aber das sollte wirklich sehr sehr selten vorkommen, sonst kann man sich später selber nicht mehr in die Augen gucken, verliert sein Selbstwertgefühl. Denn dann gibt man ja Dinge als "wahr" wieder, die man gar nicht für korrekt hält.

Zitat:
Diskussionen kann ich nicht so schnell folgen und verstehe dann den Sinn nicht.

Auch hier gilt das Obige im Prinzip. Manche Diskussionen haben keinen Sinn

Was meinst du dazu?

Es gab so viele Dinge, die ich früher "nicht verstanden" habe, d.h. ich dachte, es könne eigentlich nicht richtig sein, was die anderen sagten, aber da ich damit offenbar allein war und die anderen die Mehrheit (inkl. Lehrern und Professoren), habe ich geschwieigen und mich von dem Gebiet zurückgezogen. Im späteren Leben habe ich oft festgestellt, dass nicht die anderen, sondern ich richtig gelegen haben

22.11.2009 17:30 • #9


Hallo und vielen Dank GastB,

es ist wirklich ein tolles Gefühl wenn Andere auf die eigenen Probleme eingehen.
Das ist bemerkenswert. Ich selbst könnte soviel Aufmerksamkeit gar nicht abgeben.

Viele Menschen sind mehr oder weniger vergesslich oder können hochtrabenden Diskussionen nicht folgen. In sofern kann mich ja jeder verstehen. Dumm an diesem Fakt ist aber, dass eine Äußerung von mir wie:
ich hab ein schlechtes Namensgedächtnis
deshalb auf taube Ohren stößt weil das ja viele haben und man sieht mich erst komisch an wenn man merkt wie schlecht mein Namensgedächtnis wirklich ist. UPS
Ich selbst hab deshalb meine Krankheit jahrelang immer darauf abgeschoben, dass es ja vielen so geht.
Wenn ich aber anfangen muss zu rechnen um mein Alter sagen zu können, möchte ich aber nicht mehr behaupten, die gleichen Schwierigkeiten zu haben.

Ich sollte schon lernen die Krankheit zu akzeptieren weil Sie zu mir gehört und sie nicht mehr selbst verleumden, verharmlosen und ganzen Tag mit Tricks arbeiten um nicht aufzufallen.

Dir ist Super aufgefallen.
Oberflächlich gesehen widerspricht sich eigentlich mein gutes Denkvermögen dem Diskussionen folgen zu können. Aber es ist wirklich so
Welche unterschiedlichen Fähigkeiten bereiten mir hier Probleme?
Eine Diskussion geht mir oft zu schnell und durcheinander. Ich kann dann nicht mehr folgen. Bei einer einzelnen Aufgabe kann man sich auf einen Punkt konzentrieren und das konnte ich eigentlich ganz gut.
Folgendes Beispiel erklären meine Schwäche und Stärke vielleicht:
Ich kann einer Diskussion in der Familienrunde nur folgen wenn ich mich sehr stark konzentriere. Irgendwann reißt aber vor Anstrengung dann der Faden. Kannst Dir vorstellen wie viel Lust ich auf Familienrunden hab.
Allerdings lassen meine Konzentrationsschwäche und das Denkvermögen mit dem Alter (42) nun auch langsam nach, so dass ich meine andere Schwäche immer weniger kompensieren kann.
Den ganzen Tag wie eine Analphabet zu tricksen um meine Probleme zu verstecken wie bisher fällt immer schwerer und wird mir nicht mehr lange helfen können.
Ich werde deshalb in der Zukunft auf immer größere Problem stoßen und weiß noch nicht wie ich damit umgehen soll und hab deshalb starke Zukunftsangst.

Ich war eigentlich nie besonders ängstlich oder depressiv und kann/will die Ursachen meiner Gedächtnisprobleme deshalb nicht dahinter suchen. Warum ich die Krankheit hab, wenn es überhaupt eine ist, weiß ich nicht.
Ich würde auch nicht behaupten mit mir total unzufrieden zu sein. Ich bin oft egoistisch und in vielen Dingen auch stolz auf mich.

Ich sage mir es gibt viele Krankheiten oder Probleme die jeder Mensch zu bewältigen hat. Oft kann man es nicht vermeiden, wie der Tot eines geliebten Menschen, oder man kennt die Ursache nicht bei einer Krankheit.
Man muss für sich nur einen Weg finden damit klar zu kommen. Auf dieser Suche bin ich seit einiger Zeit.

Noch schlage ich einen Weg ein der in eine Sackgasse führt.
Aber ich suche weiter.

29.11.2009 07:25 • #10



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