Habe seit einem Jahr Angst in meiner Klasse etwas vorzulesen.Ich selbst kann mir das Problem nicht erklären.Immer wenn ein Lehrer mich
drannmimmt fängt mein Herz plötzlich anzurasen,mein Puls geht hoch und ich bekomme Atemprobleme.Daraufhin habe ich einen Arzt in den Niederlandern Aufgesucht der mittels Muskelbewegungen Ängste auf bestimmte Fragen feststellen kann.Ein Tag danach fühlte ich mich sicher aber siehe da das gleivhe Problem trat wieder auf. Langsam bin ich ratlos und meine Noten werden langsam immer schlechter. Komischerweise verspüre ich nicht diese Angst wenn ich irgendetwas frei vortrage. Langsam nervt mich das Problem weil Jedes mal wenn ich etwas vorlesen soll ich entweder sage dass ich meine Hausaufgaben vergessen habe oder sage dass ich nicht vorlesen möchte.BEIDES führt zu schlechten Noten. Kann mir jemand mit diesem Problem weiterhelfen

10.01.2008 19:04 • 01.11.2019 #1


27 Antworten ↓


Das was ich Dir vorschlage hört sich für dich vielleicht erstmal wie Horror an, aber ich würde den/die Lehrer mal zur Seite nehmen und Ihnen erklären, dass Du damit ein Problem hast. Vielleicht fällt dann schon einmal etwas Druck von Dir.

Überlebge Dir das mal, es ist zwar vielleicht etwas unangenehm, aber es kann helfen.

Alles Gute

10.01.2008 19:39 • #2


Erstmal vielen Dank für dei Shnelle Antwort!
DAs habe ich ja schon mehrmals versucht aber was helfen mir Aussagen wie "versuchs mit joga..."Hab ich alles schon probiert es nützt nichts und die lehrer vergessen es nach 10 tagen wieder.außerdem will ich es nicht vor mir herschieben ich will das Problem konkret bekämpfen und beseitigen.

MFG

10.01.2008 19:45 • #3


Hallo lieber Spike!

ich kenne das persönlich auch und das einzige was ich dir da anraten kann ist dass du immer wieder Üben tust. Rede mit dir vertrauten Freunden und übe solche Situationen. Du wirst mit der Zeit sicherer werden. Solche Situationen können unter Druck aufkommen. Besonders wenn du dich selber sehr fordern tust. Ist dir das schon einmal an dir aufgefallen das du dir selber viel abverlangen tust? Ich selbst bin jemand der nie ganz zufrieden ist mit dem was ich tue und dann kommen solche Probleme wie Herzrasen, Angstschweiß, Atemnot , Zittern und dergleichen auf. Versuche zu Üben denn das kann Dir helfen! Ich wünsche Dir ganz viel Kraft und den Halt von Menschen die dir beistehen, alles liebe für Dich!

LG Emina

10.01.2008 21:40 • #4


Hi,

ich habe fast das selbe Problem und weiß nicht was ich tun soll. Irgendwann fing es mal an, das ich plötzlich beim vorlesen in der Klasse nicht mehr ausatmen konnte. Das heißt, dass ich bei kleineren Texten nach dem Lesen völlig aus der Puste bin bzw. nach satzende erstmal aus- und wieder einatmen muss und wenn ich weiß das ich gleich einen langen Text vorlesen muss, bekomme ich Panik und sage dann das ich auf Toilette muss usw.
Inzwischen geht's bei Texten mit nur 5 Sätzen oder so. Da sage ich mir dann, der Text ist so kurz, das schaffst du, und dann klappts auch - ich kann wunderbar atmen, aber bei langen texten bekomme ich immer eine riesen angst.

wer hat erfahrung mit dem problem, wer kann mir tipps geben wie ich das abstellen kann ?

mir wird immer gesagt das ich ganz ruhig bleiben soll , ich würde das schon schaffen. aber das hilft nix ich schaff es eben doch nicht.

gruß paul

27.02.2008 20:47 • #5


hey das problem hatte oder habe ich auch und gehe deswegen seid einem jahr gar nicht mehr zur schule weils so shclimm geworden ist

03.03.2008 15:01 • #6


bei mir ist die schule schon etwas her, aber ich kenne das problem. ich hatte zwar keine phobien dabei, aber ich hab vorlesen auch nicht gemocht...
liegt es daran, dass du schlecht lesen kannst?
oder ist es eine bewertungsangst? dass dir 20 leute gleichzeitig zuhören?

wenn es das zweite ist, kann ich dich beruhigen. die anderen hören sowieso nicht genau zu... weil sie froh sind, dass sie selber grad nicht dran sind... ohne schei.... es gibt noch ein paar, die auf den inhalt achten, denen ist egal, wie du vorträgst, hauptsache ruhig und laut, dass sie den inhalt erfassen können....frag mal die anderen! es gibt niemanden, der wirklich gerne vorliest. außer er/sie will schauspieler werden....

04.03.2008 00:49 • #7


Hallo,

ich hatte während der Schulzeit exakt das gleiche Problem. Sobald ich zum Vorlesen aufgerufen wurde zog sich bei mir alles zusammen, Schweissausbrüche, ich bekam keine Luft mehr, konnte im Text keine sinnvollen Pausen mehr machen etc.
Angefangen hat es in der neunten Klasse, in der 11. wollte ich die Schule schonmal fast hinschmeissen, hab aber dann das Abi durchgezogen.
Diese 4 Jahre (von 9 bis 13) waren aber die schlimmsten in meinem Leben. Habe deshalb Französisch abgewählt, obwohl ich sprachlich sehr talentiert bin.
Vor dem Vorlesen hab ich mich immer gedrückt, durch schwänzen, Hausaufgaben vergessen, "frosch im hals" usw.
Meine mündlichen Leistungen waren top, bei freier Meldung hab ich mich immer gemeldet und auch gute Antworten gegeben.
Teilweise hab ich mich bei kurzen Texten freiwillig gemeldet und es hat auch super geklappt.

Ich habe mich nunmal damit abgefunden, dass ich vor einer Gruppe nicht vorlesen kann. Nicht mal vor Freunden oder der Familie.

Damals hatte ich zuviel Angst, mit den Lehrern in den Vorlesefächern (Deutsch, Englisch usw.) darüber zu reden.
Das ist der erste Ansatz. Wenn die kein Verständnis zeigen, einfach zum Arzt gehen, notfalls zum Therapeuten gehen und sich die diesbezügliche Angst irgendwie bescheinigen lassen.

Vorlesen ist kein Kriterium für Noten.

Ich hatte damals den Fehler gemacht, niemandem davon zu erzählen. Ich war alleine damit. Wenn die Leute in Eurer Klasse davon wissen helfen Sie und springen notfalls freiwillig ein. Wenn der Lehrer euch aufruft, obwohl er weiß, dass du nicht vorlesen kannst springt ein anderer ein und liest freiwillig. Da kann der Lehrer nichts machen.
Normalerweise ist kein Lehrer ist so fies, jemand lesen zu lassen, wenn er ein richtiges Problem damit hat, schon gar nicht, wenn es ärztlich bescheinigt ist. Dann ist sogar die Frage ob er dich rechtlich zum Vorlesen zwingen kann.

Mein Tipp: Darüber reden! Nicht alleine bleiben, das Schulleben macht ihr Euch dadurch zur Hölle!








08.03.2008 10:14 • #8


Hallo Chre,

ich fand deinen Beitrag echt ermutigend. Ich finde, dass du recht hast. Man sollte darüber reden, dass man eine Vorleseschwäche hat. Mir geht es genauso, ich kann auch weder vor Freunden noch vor der Familie oder vor meinem Partner vorlesen.

Ich finde es mehr als bewundernswert, welche Kraft du in dir hast, dass du trotz dieser Angst das Abitur geschafft hast... Darf ich fragen, was du heute beruflich machst? Wirst du noch mit dieser Schwäche konfrontiert? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Die Angst herrscht im Moment noch über meine berufliche Laufbahn... Alles fing damit an, dass ich auf der Realschule blieb, um die quälende Schulzeit zu verkürzen, obwohl mir die Lehrer dazu rieten, auf das Gymnasium zu gehen. Ich ärgere mich heute sehr darüber, dass ich deswegen kein Abitur habe! Weiter ging es mit tausend abgebrochenen Ausbildungen. Die letze Ausbildung, die ich versuchte, war eine pädagogische Ausbildung. Ich sprach einfach mit meiner Ausbildungsleiterin, die mir versprach, dass ich nichts tun müsste, was ich nicht wollte, ausser Lernen natürlich. Und siehe da: Ich wurde Klassenbeste und schloss mit der Note 1,0 inklusive einer Auszeichnung ab !

Leider bekomme ich in diesem pädagogisch-kreativen Job keine Stelle. Und es treten neue Probleme auf: Neuerdings habe ich auch Angst vor Teambesprechungen. Da tanze ich mit diesem tollen Zeugnis an und Mitarbeiter wundern sich natürlich, wenn ich vor einer Gruppe nicht "meine Frau stehen kann". Wie peinlich! Diese ganzen Ängste und die damit verbundene ständige Einnahme von heftigen Medikamenten (Antidepressiva und/oder Valium) fressen mich auf. Ich fühle mich schwach und veräzt.

Eine weitere Sorge ist, dass meine Beziehung darunter leidet. Ein weiterer Stressfaktor, wenn man Angst hat verlassen zu werden.

Puh, Leute, wir haben es echt nicht leicht :_(

Das Angsthäschen_

11.03.2008 00:54 • #9


Achso, habe ja ganz vergessen noch von anderen Erfahrungen zu berichten...

Also ich habe mich nicht nur bei der letzten Ausbildungsleiterin "geoutet", sondern auch schon bei anderen vorher. Die letzte war halt einfach nur lieb und hat mir geholfen. Alle anderen gaben mir das Gefühl, eine schwere Krankheit zu haben, was ich als sehr kränkend und demütigend empfand. Am schlimmsten war die Antwort vom Arbeitsamt (!) als ich von meinem Problem berichtete und um Hilfe bat. Ich bekam zur Antwort (von der Arbeitsamtspsychologin!), dass ich mit dieser Angst soweit eingeschränkt sei, dass ich keine normale Tätigkeit ausüben könne und man mir deshalb empfehlen würde, an einer Maßnahme für Behinderte teilzunehmen und in einer Behindertenwerkstatt (als "Behinderte") zu arbeiten ! Ich finde es echt schlimm, dass sich 80 % der Bevölkerung lieber täglich harte Medikamente reinpfeifen, anstatt gewisse Schwächen einfach gesellschaftlich anzuerkennen. Ich habe mich in diesem Moment mehr als diskriminiert gefühlt und pfeife seit dem auf das Arbeitsamt !

Liebe Grüße,
das Angsthäschen

11.03.2008 01:08 • #10


Hi,
danke Euch allen für die liebe Hilfe Ihr habt recht, ich werde mal mit meinen Lehrern darüber reden und notfalls zum Arzt gehen.

Gruß Paul (P281)

P.S: Chre, außer das es funktioniert, wenn nur meine Familie zuhört, ist alles was du über das Problem schreibst genau so wie es bei mir ist!

11.03.2008 19:58 • #11


Hallo P281,

hat sich bei dir was ergeben?

Hast du mit den Lehrern darüber gesprochen?

07.05.2008 14:33 • #12


Hi Chre,

mhm... ja ich hab mit dem Lehrer drüber gesprochen... er hat zwar nicht soviel dazu gesagt aber immerhin weiß ers jetzt. Ich musste dann vor ein paar Wochen eine Buchvorstellung machen, bei dir wir auch eine Textstelle aus dem ausgewählten Buch lesen müssen, und habe dann vorher mit ihm ausgemacht, dass ich eben eine kurze Stelle (viertel Seite) lese, sodass mit der Luft grad noch so hinhaut. Hat dann auch ganz gut geklappt. Aber das Problem ist wenn man es genau nimmt nur aufgeschoben, nicht aufgehoben

03.06.2008 21:06 • #13


hey ihr!! wow des find ich richtig ermutigend dass ich da nicht die einzige bin ! naja danke schon mal im vorraus falls jemand nen guten tipp für mich hat ...Lg vanessa

04.06.2008 22:00 • #14


hallo vanessa

nachdem wir dich hier alle nur zu gut verstehen können und ansich eher froh sind das wir selber nicht in dieser situation sind, ich zumindest, wünsche ich dir das du dein referat gut machst.

ich kann deine angst sehr gut nachvollziehen. vor jahren erging es mir bei einem referat genauso und ich habe mich der situation einfach gestellt, komme was wolle. peinlicher als permanente ausflüchte konnte es nicht sein dachte ich mir.
als es dann soweit war empfand ich die ersten minuten als qual was dann aber nach und nach vorbeiging. viele in der klasse kannten meine angst und halfen mir bei dem referat mit aufmunternden blicken.

ich bin daducrch nicht stärker geworden oder wurde mich um ein weiteres refert reissen nur dieses referat war endlich erledigt.

mache dieses blöde referat einfach damit die last weg ist und versuch die so gut wie möglich vorzubereiten damit man schonmal nicht wegen unwissenheit dumm dastehen kann.
dann trage deine referat ein paarmal vor dem spiegel vor und versuche dich in die referatsituation zu versetzen.
was eventuell auch den druck in den anfangsminuten ein bischen raussnimmt wenn du irgendwie mit bildern oder folien ablenkst um dich selber vor der klasse zu sammeln und an die situation zu gewöhnen.

ruhig atmen.

du schaffst das, andere ja auch

gruß

06.06.2008 07:01 • #15


hallo alle miteinander!

ich bin zwar neu hier, aber fühl mich jetzt schon zu hause, wenn ich die beiträge lese!

ich habe ebenfalls diese vorleseangst.

über die symptome und schrecklichen situationen mit allen konsequenzen mit ausgrenzung sogar bis zu problemen in der beziehung kann ich euch ein liedchen singen...
ich denke hier ist darüber ja bereits genug gesprochen worden, ihr könnt mir glauben, ich kann das so gut nachvollziehen!

ich habe das"problem" nun endlich einmal angegangen. allerdings stecke ich nun fest und komme nicht weiter.
ich habe die ursache dafür durch gespräche mit einem guten freund, der auch gesprächstherapie macht, bei mir gefunden und habe auch eine simple idee, wie man es bekämpfen kann: wir brauchen eine übungsgruppe!
eine gruppe in der wir genau diese situationen simulieren. immer und immer wieder.
man kann es schaffen!
ich weiß es! abfinden ist für mich keine lösung!

ich hatte dieselben probleme mit referaten bis mich ein anderer kumpel bei einem rethorik seminar angemeldet hat. das war die hölle, aber es hat geholfen! es war eine art outing, denn als ich vor den 30 leuten stockte und nach einer langen und sehr peinlichen pause sagte: "so, jetzt wissen auch alle warum ich hier bin!" haben alle gelacht und es begann ein dialog, der mir bis heute hilft. seitdem habe ich kein referat mehr versemmelt und ich habe manchmal mehr, manchmal weniger lampenfieber vor einem referat, mehr aber auch nicht, weil ich weiß, dass ich es kann!

also -- wenn es beim referate halten geklappt hat, muss es doch auch beim vorlesen klappen! ich habe mich als nächsten schritt bei einem altenheim gemeldet, denn die suchen immer leute die dort vorlesen. es hat wunderar funktioniert! als ein zweiter schritt raus aus dem dilemma kann ich das nur empfehlen! diese menschen sind dankar dafür, dass man ihnen vorliest und man erfährt so viel geduld und toleranz! es war wundervoll, wirklich! probiert es einmal aus!

doch jetzt muss der nächste schritt folgen und ich bin auf der suche nach einer übungsgruppe.
ich weiß, dass das nicht so einfach ist, weil wir erstens aus ganz deutschland kommen und wir dafür zweitens unsere anonymität preisgeben müssen.

wer trotzdem interesse hat, den bitte ich, mir eine nachricht zu schreiben. dort können wir uns dann ja weiter beratschlagen und vielleicht kommen einige von euch ja aus der selben region wie ich. es gibt gar nicht soo wenige mit diesen problemen! und wenn man sich dann noch mit leuten zusammentut, die angst vor referaten haben, haben wir ruck zuck 10 oder mehr leute zusammen! ich bin da sehr optimistisch, weil ich eine gruppe bei mir kenne, die sich trifft, und über ihre probleme redet. allerdings war ich dort der einzige mit leseangst. ich denke, dass einige von denen auch dabei wären. man könnte außerdem über die probleme reden und müsste sich nicht die anderen leute in selbsthilfegruppen anhören, die sich nur selber bemitleiden und in ihrem selbstmitleid baden anstelle wirklich was gegen ihre ängste zu tun!

traut euch! es würde sich sicher lohnen!

es ist doch ein versuch wert, oder;)? was haben wir schon zu verlieren?

freezy

03.11.2008 04:41 • #16


ich finde es unglaublich dass es menschen gibt die die gleiche angst haben wie ich...
durch 5 jahre schulzeit hab ich mich mit viel schule schwänzen etc. bis zum abi durchgequält...und jetzt im studium quält es mich weiter...ich kann mit der belastung kaum noch umgehen und suche und suche und suche nach lösungswegen.

ich kann auch ganz wunderbar nem kleinen kind vorlesen ode meiner schwester, aber mehr auch nicht
es sei denn, die texte sind wirklich nur 3-4 sätze.

ich habe auch das gefühl, ich bekomme keine luft mehr und das schlimme noch dazu: meine stimme fängt durch die atemnot irgendwie so stark an zu zittern, dass man meinen könnte, ich steh grad vor nem heulkrampf

kann mich aber sonst super im unterricht mündlich beteiligen, ohne probleme. bei referaten versuche ich dann möglichst frei zu sprechen, habe keinen ausformulierten text vor mir. es geht zwar ein wenig besser, aber auch da hab ich das gefühl der atemnot.

ich will es wirklich schaffen davon loszukommen, aber ich weiß einfach nicht wie! habe jetzt im internet nach einer hypnose-cd bei redeangst gesucht, aber nichts gefunden. wenn jemand fündig wird möge er es mir bitte weitergeben.

den mut, das mit dozenten zu besprechen, habe ich nicht. ich studiere etwas ähnliches wie psychologie, das heißt, ICH soll eigentlich anderen helfen können ihre ängste zu überwinden, und weil ich es nicht bei mir selber schaffe fühle ich mich als hätte ich total versagt.

05.11.2008 21:32 • #17


Hallo ihr!

Es ist echt unglaublich, wie gut ich mich hier wiedererkenne... Tut gut, zu wissen, dass man damit nicht alleine ist. Auch wenn bei mir noch ein paar andere Sachen dazu kamen bzw. kommen. Deshalb erzähle ich euch jetzt meine Geschichte, bevor ich mich zum Thema äußere. Vielleicht hilft es euch weiter...

Ich habe seit 8 Jahren Panikattacken und gehe inzwischen stramm auf die 30 zu. In der Schule habe ich super gerne vorne gestanden, Sachen erklärt, Referate gehalten und war super im Vorlesen. Wenn sich bei Gruppenarbeiten keiner getraut hat, das Ergebnis vorzustellen, hab ich mich freiwillig gemeldet.
In der Ausbildung nach dem Abi ging es dann auf einmal los, dass ich "Kreislaufprobleme" beim Autofahren auf der Autobahn bekam, dann im Gespräch mit Leuten - sogar mit meiner Familie (die Ausnahmen waren meine Eltern, mein Bruder und mein Freund) - und sowieso in der Berufsschule, wenn ich mich meldete oder dran genommen wurde. Ich hörte auf, mich zu melden, bekam beim Vorlesen einmal so Luftnot, dass ich mit der Entschuldigung "Mir ist schlecht, ich muss mal raus." fluchtartig das Klassenzimmer verlassen habe. Ich ging zum Arzt und lies mich durchchecken. Nach einigen Untersuchungen (Blut, 24-Stunden-Blutdruckmessund, EEG usw.) stellte sich heraus, ich war kerngesund. Da hab ich erstmal ne Runde geheult. Denn das hieß ja, ich hatte was psychisches, das man nicht mal eben mit Eisentabletten oder Kreislauftropfen kurieren konnte. Ich hatte keine Hilfe von Seiten meiner Lieben. Keiner verstand mich (ich war ja auch auf einmal so ganz anders drauf) und bekam dann von meiner Mutter den unglaublich "weisen" Rat, ich würde mich da nur reinsteigern, das müsste man nur ignorieren, dann ginge es weg. Es ging natürlich nicht weg. Nach über einem Jahr wusste ich dann auch endlich, dass ich Angstattacken hatte.
Inzwischen habe ich eine Gesprächstherapie gemacht und eine Psychoanalyse über 2 Jahre, die ich dann abbrechen musste, weil die Kasse nur eine begrenzte Anzahl Stunden im Jahr bezahlt. Aber ich könnte mir ohnehin in den Hintern beißen, dass ich keine Verhaltenstherapie gemacht und mir eine Selbsthilfegruppe gesucht habe. Denn das ist wesentlich schneller effektiv. Ich habe zwar viel über mich und menschliches Verhalten im Allgemeinen gelernt, aber weg sind die Angstattacken auch heute noch nicht.
Jetzt stehe ich am Ende meines Medizinstudiums kurz vor dem Praktischen Jahr und schiebe Panik, weil ich da im OP helfen muss (da bekomme ich Angst, weil ich nicht einfach so weg kann) und Patienten vor der versammelten Ärzteschaft vorstellen darf. Und ich habe eben auch das Gefühl, als angehende Ärztin darf man sich keine Blöße geben, keine Schwäche zeigen. Vor allem sind viele Ärzte echte Raubeine (vor allem die Chirurgen) und könnten sofort durchschauen, was mit mir ist. Ich habe außerdem Angst vorm Fliegen und Bahnfahren (weil man da nicht ohne weiteres aussteigen kann und ich könnte mich ja wie eine Irre aufführen, wenn ich Panik habe). Ganz schlimm ist es, wenn es da voll ist. Aber im Großen und Ganzen habe ich mir echt viele Freiheiten wieder erkämpft, zahlreiche Referate überstanden, Seminare in viel zu kleinen Räumen mit viel zu vielen Leuten überlebt und Patientenvorstellungen gemacht. Die wichtigsten Erkenntnisse (für mich), die ich über die Jahre gemacht habe sind folgende:

*Wir sind nicht allein! Ich kann mich an keinen Student erinnern, der da vorne nicht Blut und Wasser geschwitzt hat, wenn er vor allen reden musste. (Und ich habe auch den einen oder anderen gefragt, der einen gelassenen Eindruck gemacht hat.) Ich habe Ärzte gesehen, die sich nervös am Schuh herumgefummelt haben und sich hinter ihrem Blatt verkrochen haben, wenn sie vorlesen mussten. Die einzigen, die echt ruhig waren, waren die alteingesessenen Ärzte. Und die machen das seit JAHREN. Ich habe Leute mit hektischen roten Flecken gesehen (ich kriege die wohl auch) und keiner hat sie ausgelacht oder blöd angemacht. - Mich auch nicht. ).

*Unser persönlicher Freiraum ist wie eine Gummiblase: wenn wir unseren Freiraum so einschränken, dass wir nur noch zu Hause sind, weil wir uns nicht raustrauen, dann liegt die Blase ganz eng am Körper. Um sie wieder auszudehnen, müssen wir sie dehnen und jedes dehnen macht Angst/unsicher/nervös (auch bei denen, die schon richtig große Gummiblasen haben). Aber die Angst vergeht, wenn wir oft genug dagegen "anrennen". Und dieses Kämpfen kann auch manchmal so aussehen, dass wir uns einfach in unser Schicksal fügen: Wir halten das Referat trotzdem und wenn uns die Angst übermannt, dann tut sie das. Was kann schlimmsten Falls passieren? Wir werden rot, wir stammeln, wir kriegen keine Luft und müssen eine Pause machen (s. auch unten), wir verlieren den Faden, alle sehen, dass wir nervös sind, wir fallen vielleicht sogar in Ohnmacht oder fliehen aufs Klo... aber wir überleben. Wir sind nie in Lebensgefahr und die Leute, die uns wirklich wichtig sind, lieben uns auch mit unserer Angst (Sch... auf unsensible Arbeitsamtsangestellte!). Das Leben geht weiter und wir können wieder ein bisschen stolzer auf uns sein.

*Schwächen machen Menschen sympathischer. Klingt seltsam, aber das habe ich von einer Freundin, die auch Angst hat. Und wenn man mal selbst überlegt: Wenn wir uns einen Vortrag anhören und der arme Mensch da vorne rot wird, stottert oder sogar stockt, möchten wir ihm doch am liebsten sagen, dass er ganz ruhig sein kann, dass wir ihm das nicht übel nehmen. Jemand, der nicht perfekt ist, wird menschlicher und somit "einer von uns". Und weil jeder Angst und Aufregung kennt, steht das "uns" für "alle Menschen". - Klar, nicht jeder hat gleich viel Angst, nicht jedem merkt man es an, aber alle kenne sie. (Und die, die vergessen haben, wie es sich anfühlt, tun mir leid, weil sie einen Teil von sich verloren haben und wahrscheinlich auch nicht mehr wissen, wie sich echte Freude anfühlt.) - Übrigens hatte Heinz Ehrhard vor jedem Auftritt so schlimm Panik, dass er nicht rausgehen wollte. Er hat es trotzdem getan. Und das Publikum hat ihn geliebt, weil er so knuffig war.

Sicher würde niemand einen gestandenen Professor, Manager oder Anwalt als "knuffig" bezeichnen wollen, aber die haben schließlich auch mal klein angefangen, bevor sie da waren, wo sie jetzt sind...

So... und jetzt nochmal zum Lesen und Referate halten: Bei mir ist der "Knoten geplatzt", als ich gemerkt habe, dass meine Mit-Studenten auch aufgeregt sind, wenn sie da vorne stehen. Da war es mir auf einmal egal, wenn sie merken, dass ich es auch bin. Und wenn ich vor Aufregung keine Luft mehr bekam, dann habe ich eine kurze Pause gemacht und durchgeatmet - und wenn es nach jedem Satz war! Das ist nämlich nicht die ganze Zeit so mit der Puste. Wenn man erstmal eine Weile da vorne steht und noch nicht gestorben ist, dann fängt man an, sich ein kleines bisschen zu entspannen und konzentriert sich auf das, was man da tut, nämlich den anderen etwas erzählen. Und wenn man mittendrin nochmal so aufgeregt wird, dann macht man es einfach wieder so. - Und das Beste: es merkt (fast) keiner. Ich habe nachgefragt.

Bei Ärzten, also Höhergestellten (bei euch wären das wohl Lehrer oder Vorgesetzte oder so) funktioniert das bei mir nicht so gut. Aber auch da habe ich eine wichtige Erfahrung gemacht. Mein schlimmstes Referat habe ich diesen Sommer gehalten. Der Arzt war ein schlimmer Zyniker und sehr bissig in seinen Kommentaren. Ich musste ein Kurzreferat halten und ich hatte in meinem ganzen Leben noch keine schlimmere Angst als in dem Moment: mein Herz hat gehämmert, dass ich meine eigene Stimme kaum hören konnte und dachte, es sprengt gleich den Brustkorb (gleichzeitig war ich ein bisschen fasziniert, was es so kann... , aber es geht alles vorbei. Das muss ich mir auch selbst immer wieder sagen, weil ich es dauernd vergesse und dann wieder Angst habe, was wohl auf mich zukommt.

So, das war erstmal erschlagend genug, aber ich hoffe, das kann wenigstens einem von euch helfen. Ich wünschte, ich könnte mehr tun...
Viele liebe Grüße
Svenja

28.11.2008 22:35 • #18


hey svenja,

wow, was ne antwort! sorry, dass ich mich jetzt erst wieder melde, ich hab einfach gedacht, dass da nix mehr kommt! außerdem hatte ich referat in der uni und hab nix anderes gemacht, als mich darauf vorbereitet
aber es hat sich gelohnt! es war echt klasse! solche hochs und die tatsache, dass es momentan einfach unwahrscheinlich ist, dass ich vorlesen muss, führen bei mir dann immer dazu, die sache zu verdrängen! aber es ist noch nicht weg, noch nicht auf dauer! die gummiblase ist ordentlich gedehnt, weil ich momentan echt stolz auf mich bin und selbstbewusst, aber es muss weitergehen!

du hast ja eine menge erfahrungen gemacht! ich finde es bemerkenswert, wie du das in angriff nimmst und welche einstellung du hast! wir ähneln uns darin, dass wir was dagegen tun, nur so kann es besser werden (stichwort gummiblase! klasse bild!). vieles was du schreibst, kann ich gut nachempfinden. und fürs referate halten kann ich es sehr gut anwenden. die lesesituation ist jedoch noch eine andere. in einem anderen forum bin ich dabei ein treffen zu organisieren. bisher sind wir zu dritt. ich komme aus schleswig-holstein. wer interesse hat einfach mal drüber zu reden, therapiemöglichkeiten auszutauschen etc. bitte hier melden oder nachricht schicken!!!

hab zur zeit auch viel auf dem plan....es geht nur um ein generelles interesse und kontakte austauschen, um dann einmal wenn luft ist, ort und zeit für ein treffen zu finden. ich würde mich freuen.

bis bald

freezy

08.12.2008 01:22 • #19


Hallo Freezy,

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH zu deinem Mega-Erfolg!
Freut mich sehr, dass es so toll gelaufen ist. Magst du vielleicht ein paar Details erzählen? Ich fänd es spannend, mal zu vergleichen, wie andere das erleben... und Mut macht es sicher auch, von deinem Erfolg zu hören.

Und übrigens: Vielen Dank für das Kompliment, das ging runter wie Öl...

Viele Grüße
Svenja

08.12.2008 20:19 • #20





Dr. Reinhard Pichler