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Hallo,

zu einer meiner größten Phobien gehört die Redeangst... Bei mir äußert es sich so, dass ich mit Menschen, denen ich "vertraue" eigentlich ganz normal reden kann.

Mein Problem ist, dass ich zu schnell, zu undeutlich rede und in direkten Gesprächen z.B. mit Vorgesetzten etc. im Gespräch mich nicht wirklich auf die Punkte konzentrieren kann...Ganz auffällig ist, dass ich besser sprechen kann solange es nicht um mich geht...z.b. in der Firma bei Besprechungen über Kunde A oder B...Sobald es um meine eigene Belange geht, verliere ich die Übersicht...

Im Privatbereich habe ich perfekte Vermeidungsstrategien entwickelt, damit ich nicht unbedingt in GEspräch rein muss....Ich schaue überall wo ich hingehe, ob irgendwelche Personen da sind, die "über mir" stehen und wenn ja, entwickle ich innerhalb weniger Sekunden einen Plan, wie ich jetzt an denen vorbei komme um entweder gar nicht reden zu müssen oder wenn nur "Hallo" zu sagen...

Meine Frage:
Wie geht ihr mit eurer Redeangst um ? Habt ihr schon Erfolge geschafft, welche "Strategie" ?

Ich lebe mit dieser Redeangst jetzt schon 15 Jahre...Nach außen merkt man mir das nicht unbedingt an...Aber innerlich stehe ich dadurch ständig unter Strom...Ich könnte jedes Mal schreien, wenn ich merke, dass die Leute mich irritiert anschauen, wenn sie mich mal wieder nicht verstehen...Es ist sooo frustrierend... Man bekommt schwierig Kontakte, wird sofort in eine Schublade geschoben...es strengt mich einfach an...und ich bemühe mich wirklich...doch die Erfolge bleiben meiner Meinung nach aus.

Lg
nicita

08.06.2008 06:06 • 13.06.2008 #1


4 Antworten ↓


Hallo Nicita,

da ich auch Schwierigkeiten habe, mit bestimmten Menschen Gespräche zu führen, möchte ich Dir etwas über meine Strategien erzählen.

Wenn ich vor oder während des Gespräches merke, dass ich Schierigkeiten habe mit dem Gesprächspartner Kontakt auszunehmen, versuche ich zunächst meine Atemtechnik zu kontrollieren. Vor dem Gespräch atme ich tief durch und dann versuche ich den Atem zu kontrolieren, indem ich normal ein und aus atme. Die richtige Atemtechnik hat mir schon oft geholfen, dass zumindest der Redefluss bzw. die Stimme normal rüberkam.

Um meinen Blick und die innere Ruhe zu kontrollieren, versuche ich zunächst, den Gesprächspartner nicht direkt in die Augen zu schauen. Es hilft auch manchmal bei mir, wenn ich mich am Arm kratze oder die Hand am Halz oder am Kinn kurzzeitig halte. Das kann bei mir eine innere Sicherheit erzeugen.

Es hilft mir auch manchmal das Gespräch kurzzeitig durch den Vorwand abzubrechen, dass man kurz zur Toilette müsse, bevor der Gesprächspartner einen seine Schwäche ansieht. Wenn ich mich dann kurz zurückgezogen habe, hat es bei mir auch schon mal geholfen, dass ich mich wieder fangen konnte und das Gespräch danach normal fortführen konnte.

Ablenken kann ich mich auch, falls es die Situation erlaubt, wenn ich etwas esse z.B. einen Apfel oder ein Getränk in der Hand halte, so dass ich zwischenzeitig etwas trinken kann. Ich habe es auch schon mit Kaugummi versucht.

Wenn die Redeangst bei mir jedoch zu groß ist, dann hilft das was ich oben beschrieben habe leider auch nichts.

Vieleicht hast Du ja ähnliches schon einmal ausprobiert?

LG

12.06.2008 09:55 • #2



Umgang mit Redeangst

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Hallo Nicita,

ich kann dich sehr gut verstehen. Ich hab genau das selbe problem. Manchmal meide ich personen die, wie du auch gesagt hast, über mir stehen. Ich hab dann totale Angst ich könnte in ihren Augen lächerlich wirken oder ich könnte versagen.

Genauso fühle ich mich wenn ich in einem Meeting sitze. Ich setz mich dann so dermaßen unter Druck alles richtig zu machen das ich mich meistens nicht mehr auf das wesentliche konzentrieren kann und es deswegen öfters zu nem "Black out" kommt. Ich habe aber zum Glück nen tollen Vorgesetzten mit dem ich über mein Problem sprach. Wenn er merkt das ich mal wieder den Faden verloren habe schreitet er gleich ein und hilft mir.

Nee Strategie entwickelt habe ich bis jetzt nicht wirklich. Ich helf mir eigentlich auch nur so wie es krit bereits schon erwähnt hat, mit der Flucht Strategie, sofern möglich.

Aber mein schlimmster Alptraum steht mir noch bevor. Demnächst werde ich heiraten. Wir haben 200 geladene Gäste und natürlich muss ich eine Rede halten zur Begrüßung. Schon bei dem Gedanken daran wird mir ganz übel. Am liebsten würde ich jetzt schon weglaufen wollen...

Übrigens ... Gute Videos zur Redeangst gibt es hier


vlg Tom

13.06.2008 09:15 • #3


Hallo Krit,

danke für deine Antwort

Ich habe noch nicht soviel ausprobiert. bisher dachte ich immer, dass es ein Sprachproblem ist und dass ich daran nichts ändern kann, außer zum Logopäthen zu gehen...Aber das wird von der kasse nicht bezahlt.

Ich habe das Problem während meiner VT mal kurz angesprochen, bin aber noch nicht soweit gewesen darüber wirklich zu sprechen. Das muss ich die nächsten Wochen angehen. Nur damals sagte mein Thera, dass er keine Probleme hat mich zu verstehen (haha, er würde mit sicherheit nichts anderes sagen ) und dass es der letzte Strohhalm wäre an den ich mich klammern würde um Ausreden zu finden, warum ich nicht in Gespräche direkt reingehe...

Mehr sagte er dazu nicht...Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass er der Meinung ist, wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, dass ich dann auch ruhiger sprechen kann..Von der Seite habe ich es noch nie betrachtet..Könnte natürlich sein.

Im Moment "übe" ich mit meiner Tochter. Die wird bald drei und wenn ich mit ihr spreche versuche ich immer die Wörter richtig auszusprechen und eben langsam zu sprechen (soweit wie ich es überhaupt merke)...Ich korrigiere sie auch immer, wenn ich merke, dass sie meinen Dialekt nachspricht. Ab und an bespreche ich den AB neu um zu schauen, ob es zu schnell ist... Das geht mittlerweile...und ich versuche bewußter"ruhig" anzufangen zu reden...

Anfang der Woche war ich in meiner Firma. Musste mit Chef und Kollegen sprechen...Aber es war wieder das gleiche...Ich merke richtig, wie ich innerlich denke ich muss "auf den Bus"...

Ich schaffe es zwar vorm Chef einigermaßen ruhig zu sprechen, aber nicht meine eigene Interessen richtig durchzuboxen...und sachlich zu argumentieren...also nehme ich es hin...

Ich hoffe, dass wir im Rahmen meiner Therapie da weiterkommen. Es würde mir mehr Lebensqualität geben, wenn ich das besser im Griff hätte. Auch mich anderen gegenüber durchzusetzen bzw. meine Meinung zu vertreten. IM Moment mache ich vieles schriftlich, wenn mich was zu arg beschäftigt. Aber man kann ja nicht immer einen Brief schreiben..

lg
nicita

13.06.2008 09:17 • #4


Hallo Tom,

auch dir danke für deine Anwort, ich habe sie zu spät gesehen

Du hast geschrieben, du hast Angst dich lächerlich zu machen oder zu versagen...Kannst du das genauer beschreiben in wie fern du Angst hast zu versagen oder lächerlich zu machen ?

Ich habe ja die Angst, dass ich zu undeutlich spreche...die Leute dann nachfragen, sich über mich lustig machen könnten und ich rot werde...ich glaube früher hatte ich auch noch die Angst abgelehnt zu werden....=alleine da zu stehen...

Das ist heute aber quatsch, weil ich wirklich einen guten Freundes-und Bekanntenkreis habe, so dass mir die Ablehnung einer Person, nicht das Problem der Einsamkeit bereiten würde...

MUSST du die Rede halten ? Mein Mann hat glaube ich keine Rede gehalten an unserer Hochzeit

Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit dir Stichwörter auf einen Zettel zu schreiben und es ist keine Schande sowas dabei zu haben...du kannst das ganze im Vorfeld "entschärfen" indem du einfach sagst: "liebe gäste, ich bin heute so fasziniert von meiner Frau, dass ich mich nicht wirklich auf meine Rede konzentrieren kann und mir deswegen einen Stichwortzettel (o.ä.) gemacht habe" oder das gleiche mit deiner Frau und sogar vorlesen vom Schreiben...WAs soll's... Du hast bestimmt die positiven Lacher auf deiner Seite und deine Frau wird dich dafür noch mehr lieben..


lg
nicita

13.06.2008 11:34 • #5




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