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Hallo.... ganz langsam wird mir bewusst, dass ich wahrscheinlich eine Form von sozialer Angst habe.
Ich bin überbehütet aufgewachsen, litt viele, viele Jahre unter Mobbing, war Opfer einer Liquid-Exctasy-Aktion, habe meinen allerliebsten Freund durch einen dramatischen Unfall verloren und ein weiterer mir sehr wertvoller Mensch erlitt einen Schlaganfall, den er aber glücklicherweise überlebte. Ich bin erst 35, all diese Dinge ereigneten sich wie auf einer Perlenschnur aufgereiht hintereinander mit nur kurzen Pausen zwischendrin.
Ich flog aus diversen Jobs, weil ich mich nicht einbringen konnte wie gefordert, meine Partnerschaften hielten nicht....
Ich arbeite seit einigen Jahren selbstständig von zuhause im Homeoffice. Das gibt mir Geborgenheit. Obwohl ich meine Arbeit sehr liebe, kann ich sie nicht immer mit voller Power ausführen. Ich habe Phasen, wo es mir einfach nicht so gut geht und ich dann nichts mache, bevor ich schlechte Arbeit abliefere. Dadurch reicht es bei mir finanziell nicht und ich muss noch etwas mit Alg2 aufstocken.
Aktuell ist es bei mir so, dass ich wirklich kaum Elan habe, etwas zu machen. Schreibkram bleibt liegen, Projekte gehen nur sehr langsam vorwärts und ganz viel Behördenkram müsste eigentlich schon "vorgestern" erledigt sein. Ich bin also schon über einige Fristen hinaus. Ich schaffs aktuell einfach nicht, bestimmte Dinge zu klären. Ich weiß, einiges wäre mit einem Brief oder einem Anruf aus der Welt geschafft, aber ich bekomm es nicht hin. Ich hab schon bissl Angst, was passieren könnte und male mir diverse Szenarien aus. Darin bin ich echt gut.
Meine Erfahrung zeigt zwar immer wieder, dass es doch nie so schlimm kommt und ich das eigentlich locker hinbiegen kann, aber ich mache mich im Vorfeld bei unangenehmen Dingen enorm fertig. Konsequenz ist, dass die Sache dadurch ja eher schlimmer wird, statt besser......
Aktuelles Beispiel. Ich soll mich halt vom Jobcenter aus 2x monatlich bewerben. Ich weiß sehr wohl, dass das nicht viel ist und ich weiß auch, dass es durchaus auch Jobs geben würde, wenn ich mich richtig bemühe. Ich weiß auch, dass es durchaus auch dazu reichen würde, dass ich das ein oder andere Vorstellungsgespräch bekommen könnte. Aber ich tu es einfach nicht! Konsequenz ist jetzt, ich habe nächste Woche meinen nächsten Termin bei meinem Vermittler, der meine Bewerbungen sehen will.
Es ist für mich ein wahnsinnger innerlicher Kraftakt, diese Bewerbungen zu schreiben. Ich kann das sehr gut, weil mir schreiben und formulieren schon liegt. Das ist überhaupt nicht das Problem. Sondern der innerliche Kraftakt, es zu tun. Der Antrieb. Und der ist nicht mal groß genug, wenn ich weiß, es könnte Konsequenzen geben.

Bei meinem letzten Job habe ich das sehr, sehr deutlich gespürt, was mit mir los ist. Es war ein tolles Unternehmen, nette Kollegen und ein Chef, der mir sogar zeitlich Freiraum lies, wann ich meine Stunden mache. Es waren nur 5 Stunden am Tag und ganz in meiner Nähe. Die Arbeit war auch völlig okay. Eigentlich ein Traum und ich schäme mich auch irgendwo, denn andere hätten das sicher mit Kusshand gemacht. Vor allem auch, weil mir das Geld einiges erleichtert hat. Ich bekam kein Alg2 mehr und musste mir um die monatlichen Fixkosten keinen Kopf mehr machen. Und durch die Zeitliche Flexibilität konnte ich das auch mit meiner selbstständigen Arbeit gut vereinen.....
Aber es war für mich innerlich die Hölle. Klar, am Anfang ist man immer angespannt, wenn man irgendwo neu ist. Aber bei mir wurde diese innere Anspannung immer größer, der innere Druck wurde stärker und ich war nur noch gehetzt und fühlte mich richtig neben der Spur. Ich war nicht mehr ich. Wie gesagt, das lag definitiv nicht am Job, sondern das war wirklich ich.

Ich wurde unausgeglichener, muffelte die Kunden am Telefon an, wurde oberflächlich, arbeitete unstrukturierter und dachte bei Arbeitsbeginn schon wieder an den Feierabend. Ich kam morgens noch schlechter aus dem Bett als zuvor.....
Der Chef beendete dann das Arbeitsverhältnis nach 3 Monaten.
Wenn ich mir das jetzt rückblickend vor Augen führe, war das in den anderen Jobs früher auch so und der Verlauf war ähnlich.

Ich bin durchaus in der Lage, da auf das Amt zu gehen und mit dem Vermittler da zu sprechen, ich hab ja auch Kunden, mit denen ich rede usw. Das funktioniert schon. Ich werde zwar unsicher, aber es geht halbwegs. Klar bin ich vor Gesprächen aufgeregt, aber es geht. Aber wenn ich mir vorstelle, den ganzen Tag in einem Büro zu sitzen, ständig Menschen um mich zu haben..... Da macht mich der Gedanke daran schon verrückt.

Ich habe auch festgestellt, dass ich manchmal die ganzen Eindrücke um mich herum nicht so filtern kann. Meine Konzentration hält immer nur für kurze Zeit an. Und das kostet enorme Kraft.

Ich habe beschlossen, eine Psychotherapeutin aufzusuchen. Mein Erstgespräch habe ich in etwa 6-8 Wochen.

Aber was sage ich jetzt nächste Woche auf dem Amt? Es ist ja noch gar keine Diagnose vorhanden. Ich hab auch Panik davor, dass später das Amt irgendwie erfährt, woher das kommt und meine ganze Geschichte bekannt wird. Weil ich denke, einfach zu sagen, ich gehe in Therapie wird denen nicht reichen. Da wird es sicher noch mal ein Gutachten beim Amtsarzt geben.
Was für Erfahrungen habt ihr mit der Arbeitsvermittlung in solchen Fällen?
Den Vermittler, den ich habe, der ist erst Ende 20 und somit einiges jünger als ich. Der ist zwar nett aber mit so nem "Bürschlein" kann ich nicht darüber reden. Aber scheinbar muss ich ja.... ich weiß nicht was ich sagen soll, warum ich mich nicht beworben habe. Beim letzten mal hatte ich schon als Ausrede, ich hab mich online beim Zeitarbeitsfirmen eingetragen und mich mündlich bei Bekannten in Firmen umgehört.... Aber das kann ich nicht ständig bringen. Ich mag aber auch nicht mehr schwindeln wollen/müssen....

09.03.2015 10:48 • 13.04.2015 #1


21 Antworten ↓


Hallo Mondgöttin,

ich hab mich jetzt extra angemeldet, damit ich Dir antworten kann. War bis jetzt immer nur stiller Mitleser, aber deinen Fal finde ich recht interessant, weil ich ich einige Parallelen zu meiner Vergangenheit entdecken konnte

Deine Probleme kenne ich leider auch nur zu gut und ich mache mich vor eigentlich simplen Dingen total verrückt, aber das war bei mir schon immer so. In der Schule habe ich schon bemerkt, dass ich z.B. bei der mündlichen Mitarbeit gradezu gestorben bin, wenn ich nur eine kurze Antwort geben sollte, aber ein Vortrag vor der Klasse ging relativ problemlos. Ähnlich ist es heute beim telefonieren. Wenn ich nicht weiß, wer anruft dann habe ich da extreme Probleme, ranzugehen und bin innerlich so sehr unter Druck, dass ich danach fertiger bin als nach einer Stunde Joggen.

Durch die ganzen Probleme habe ich dann auch irgendwann eine Therapie angefangen, die ich bis heute besuche. Was da bei mir für ein Rattenschwanz an Problemen dranhängt, hätte ich vorher nie gedacht.. Meine ursprüngliche Diagnose war eigentlich "nur" Burn-Out, aber letzlich stecken dahinter immer noch ganz andere Sachen...

Nun... wie Du habe ich halt mit dem Jobcenter zu tun und die sind natürlich dahinterher, einen wieder in Arbeit zu vermitteln. Welche und wie hoch die Bezahlung ist, ist denen schei., um es mal auf gut Deutsch zu sagen. Bei mir sieht es so aus, dass ich halt vom Arzt her damals krankgeschrieben wurde und sich das bis heute durchzieht. Leider muss ich inzwischen sagen

Zum Amtsarzt musste ich damals auch und ich hatte wie Du da totale Panik vor, weil ich wirklich Angst hatte, dass man mir nicht glaubt und mir nachher irgendwas unterstellt. Aber letzlich habe ich mich umsonst verrückt gemacht, denn ich war eine Stunde beim normalen Arzt und anschliessend noch eine Stunde beim Psychologen von denen und danach wurd ich als erwerbsunfähig eingestuft.
Ich konnte es selbst erst nicht glauben, aber meinst Du, dass ich danach erleichert war? Nein... Dieses Siegel macht einem erstmal überhaupt bewusst, wie kaputt man eigentlich ist und wie wenig leistungsfähig man ist. Der Witz an der Sache war bei mir, dass ich trotz der Probleme, die ich ja schon jahrelang hatte, die ganze Zeit selbständig gewesen bin und komplett alleine von meinem Einkommen leben konnte.

Ich kann Dir halt nur raten, da Du ja echt akut Probleme hast, zu deinem Hausarzt zu gehen und Deine Probleme zu schildern und dich erstmal krankschreiben zu lassen. Wenn Du derart Probleme hast, 2 Bewerbungen im Monat zu schreiben, dann hat das ganz sicherlich nichts mit Faulheit zu tun, sondern Du hast ganz grosse Probleme. Wie Du vermutet hängt es vielleicht mit einer Sozialphobie zusammen, denn selbst die wirklich arbeitsfaulen kriegen ja ihre 10 Bewerbungen im Monat hin, selbst wenn sie Fehler einbauen, damit sie nicht eingestellt werden.

Also mach Dich nicht verrückt, sondern sieh selbst ein, dass Du einfach krank bist. Das ist ja kein Makel von Dir, sondern ist einfach leider so
Und wenn Du deinem Arzt das so schilderst, wird er Dich auch erstmal von dem ganzen Druck befreien und Du kannst erstmal deine Therapie angehen. Alles andere hat erstmal keinen Sinn. Du machst Dich sonst über kurz oder lang kaputt.

Lg,
ratloser_Elf

09.03.2015 11:53 • #2



Soziale Angst - Wie geht man mit dem Jobcenter um?

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Ich danke dir sehr für deine Anwort. Das erleichtert ungemein!
Das stimmt in der Tat, ich bin zwar aufgeregt, aber ich kann durchaus vor anderen einen Vortrag halten! Was ich sogar ab und zu mache. Und ich glaube sogar, wenn ich es einfach häufiger mache, also übe, würde das noch flüssiger gehen. Gleichzeitig hab ich aber auch das Problem, wenn jemand anruft und ich weiß nicht wer, dass ich da manchmal recht aufgeregt bin oder schnell im Internet die Nummer eintippe um zu sehen, wer es war. Völlig bescheuert..... denn mit meinen Kunden telefoniere ich ja auch! Auch wenn ich jetzt einen Anruf tätigen muss, wo ich nicht weiß wer ran geht oder wie das laufen wird, bin ich da auch völlig fertig.

Aber wird man in der Tat als erwerbsunfähig eingestuft, obwohl man seine Selbstständigkeit hat? Klar, die läuft bei mir zwar nicht prickelnd aber ich arbeite ja. Nur eben nach meinen eigenen Regeln und nach meinem Befinden und Bedürfnissen. Ich glaube angestellt ist so eine Arbeitsweise nicht möglich.

09.03.2015 12:09 • #3


Nein, angestellt wäre das auch nicht möglich. Da brauchst Du Dir auch keine falschen Hoffnungen machen. Und dass deine Selbständigkeit einigermaßen läust, ist natürlich richtig klasse, aber letzlich siehst Du ja selbst, dass es vermutlich einfach auch ein bisschen "Glück" ist, dass Du halt zumindest einen Teil deines Einkommens noch selbst bestreiten kannst.

Aber das Jobcenter kann Dich halt auf dem normalen Arbeitsmarkt nicht vermitteln. Was sollte das denn auch für eine Stelle sein? Es ist natürlich die Frage, wie der Amtsarzt darauf reagiert, wenn er erfährt, dass Du halt von zuhause noch ein paar Stunden arbeitest. Zumindest in dem Punkt kann es unangenehme Fragen geben und da würde ich mir an deiner Stelle auch eine Antwort überlegen. Aber letzlich langt das, was Du hier geschrieben hast, ja schon als Begründung.

Tut mir leid, dass es Dir so schlecht geht Ich hoffe mal, dass Du nicht zuviel Ärger mit den Ämtern haben wirst. Aber nicht alle dort sind Unmenschen... Die meisten haben sogar recht viel Verständnis für einen, wenn man ganz offen mit seinen Problemen umgeht.

09.03.2015 12:27 • #4


Naja, es geht gerade. Aber richtig mies wird es, wenn irgendwelcher Druck und Erwartungen von aussen kommen, egal welcher Art.
Aber wird man da nicht erstmal therapiert bis zum umfallen, bevor so eine Entscheidung getroffen wird? Und was passiert bis dahin? Wird man da weiter von der Vermittlung bedrängt oder ruht das dann erstmal?
Krankschreibung ist für mich derzeit keine Option, da ich ja meine Arbeit zu hause auch mache. Wenngleich auch nicht so gut, wie gern gewollt aber etwas kommt schon rein. Das ist ja für den Vermittler auch erstmal komisch. Kunden hat sie aber ne Bewerbung schreiben kann sie nicht.

09.03.2015 12:57 • #5


Puh,
also da bin ich jetzt im Moment überfragt. Also dein Therapeut wird dich mit deinen Problem sicherlich erstmal krankschreiben und dann hast du mit deinem Vermittler nichts mehr zu tun. Aber die Frage hast Du schon richtig gestellt, wie es dann mit deiner Selbständigkeit aussieht. Das wirst Du gut begründen müssen, warum das eine geht, aber das andere halt nicht. Ich kann mir vorstellen, dass er Dir dann eine Art Attest ausstellt, indem dann eben drinsteht, dass Du zuhause im geschützen Rahmen durchaus arbeiten kannst, aber halt irgendwo im Büro nicht mehr.

Doch, das müsste möglich sein. Nur 100% drauf festnageln darfst Du mich jetzt nicht auf diese Aussage.

09.03.2015 13:28 • #6


Ja, ich denke, da ich nun keiner selbstständigen Arbeit nachgehe, die ständigem Publikumsverkehr und so, ausgesetzt ist, sondern ich im geschützten Rahmen zuhause arbeite, ist das vielleicht eher verständlich rüber zu bringen.
Schreibt eigentlich ein Therapeut krank? Dachte, das geht alles über den Hausarzt?

09.03.2015 13:42 • #7


Meine Therapeutin hat mich krankgeschrieben. Also müsste das bei Dir dann auch gehen. Aber die erste Anlaufstelle sollte für Dich dein Hausarzt sein, weil Du sonst demnächst bei deinem Termin im Jobcenter sonst Probleme mit deinem Betreuer kriegen könntest.

09.03.2015 13:46 • #8


Hm okay. Aber was soll denn der Hausarzt machen? Krank schreiben? Aber wegen was? Es gibt ja noch keine Diagnose. Ich dreh mich grad echt im Kreis..... So lange ich keine Diagnose habe, krank geschrieben bin, wie soll ich dann den Gewinn aus meiner Selbstständigkeit rechtfertigen. Das geht später, wenn meine Diagnose steht sicher wesentlich einfacher als jetzt. Ich war auch noch nie krank geschrieben wegen irgendwelcher seelischen Dinge. Meine Krankschreibungen die ich überhaupt habe, kann man an einer Hand abzählen.

09.03.2015 13:58 • #9


Du schilderst ihm deine Probleme und wie sehr sie dich hindern und dann schreibt er dich erstmal generell arbeitsunfähig und überweist dich halt an den Fachmann bzw die Fachfrau. Du musst die Bescheinigung natürlich nicht beim Amt abgeben, aber Du kriegst dann halt die Probleme, wenn Du keine Bewerbungen geschrieben hast. Ohne ärztliches Attest hast Du dann sicherlich schlechte Karten.
Und iim Zweifelsfall wäre mir meine Gesundheit wichtiger als die Arbeit, die Du jetzt im Moment noch machen kannst. Was ist in der Zukunft? Wenn sich deine Probleme verschlimmern, geht vielleicht gar nichts mehr und Du brauchst nur viel länger bis Du wieder gesund bist. Und je eher man bei einer Sozialphobie in Angriff nimmt, desto besser sind die Heilungschancen. Ansonsten bleibt es vielleicht für immer so und Du bereust es irgendwann.

Letzlich musst Du wissen, was Du machen willst und was nicht. Vielleicht kannst Du ja im grossem Rahmen krankgeschrieben werden, aber die Selbständigkeit kannst Du beibehalten. Ob das geht, weiß ich nicht. Das kann Dir nur dein Hausarzt beantworten, ob es da eine Art eingeschränkte Krankschreibung gibt.

09.03.2015 14:05 • #10


Schlaflose
Zitat von ratloser_elf:
Also dein Therapeut wird dich mit deinen Problem sicherlich erstmal krankschreiben und dann hast du mit deinem Vermittler nichts mehr zu tun.


Das geht nur dann, wenn der Therapeut ein niedergelassener Arzt ist. Normale Psychotherapeuten (d.h. Psychologen mit Zusatzausbildung zum Psychotherapeuten) sind keine Ärzte und können nicht krank schreiben. Das muss dann ein Arzt, z.B Psychiater oder auch Hausarzt übernehmen.

Zitat von mondgoettin80:
Aber was soll denn der Hausarzt machen? Krank schreiben? Aber wegen was? Es gibt ja noch keine Diagnose.

Der Hausarzt stellt dir eine Diagnose, wenn du ihm von deinen Problemen berichtest. Diese Diagnose muss nicht die sein, die dann letztlich vom Therapeuten auch gestellt wird.
Mich hat erstmal mein Hausarzt krank geschrieben, weil ich mehrfach heulend mit Nervenzusammenbrüchen bei ihm war. Die Diagnosen waren unterschiedlich. Mal stand da Burnout, mal Depressionen, mal Persönlichkeitsstörung.Während der letzten Krankschreibung, die dann fast ein Jahr dauerte, habe ich eine Therapie angefangen und aufgrund der Berichte des Therapeuten hat die Krankenkasse die lange Krankschreibung durch den Arzt akzeptiert. Ich hatte aber auch ein Jahr zuvor einen 8-wöchigen Aufenthalt in einer psychosmatischen Rehaklinik gemacht.
Die Diagnose, die ich schließlich vom Therapeuten bekam, war Soziale Phobie und ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung.

Als "erwerbsunfähig" (d.h. voll erwerbsgemindert) wird man erst dann eingestuft, wenn man schon Therapien und Klinikaufenthalte vorweisen kann, die die Arbeitsfähigkeitsfähigkeit nicht wieder herstellen konnten. Und um eine Erwerbsminderungsrente von der gesetzlichen Rentenversicherung zu bekommen, muss man dort mindestens 5 Jahre gemeldet sein und Beiträge gezahlt haben. Ich weiß nicht, ob man das als Selbstständiger überhaupt macht.

09.03.2015 17:25 • #11


Vielen Dank für deine Anwort. Das klingt für mich gerade sehr gut nachvollziehbar.
Ich war vor meiner Selbständigkeit bei der gesetzlichen RV gemeldet und seit ich Alg2 aufstocke bin ich dort auch automatisch durch das Jobcenter gemeldet. Aber soweit bin ich ja noch gar nicht und weiß auch nicht, ob ich da hin komme bzw. kommen will. Ich war nur verunsichert, was ein normaler Hausarzt bei seelischen Erkrankungen für eine Diagnose stellen kann. Bei mir ist zudem auch so, dass ich noch nie wegen psychischer Belastung oder ähnlichem krank geschrieben, geschweige denn beim Arzt war. In Notfällen, wenn ich irgendwelche unangenehmen Dinge umgehen musste/wollte, habe ich halt gesagt, ich habe Migräne, Magen-Darm, Blasenentzündung.... halt alles Dinge, wo jeder Verständnis zeigt, dass man da nicht ewig im Wartezimmer sitzt und auf einen Krankenschein wartet. So hab ich mich manchmal durchgemogelt.

Ich bin auch unsicher, wenn man normal und überhaupt nicht labil wirkt, einem normalen Arzt klar zu machen, was in einem vor geht, ausser meine abgeknubbelten Fingernägel.

09.03.2015 17:37 • #12


Schlaflose
Zitat von mondgoettin80:
Ich bin auch unsicher, wenn man normal und überhaupt nicht labil wirkt, einem normalen Arzt klar zu machen, was in einem vor geht, ausser meine abgeknubbelten Fingernägel.


Wenn du deinem Hausarzt offen erzählst, was du hier geschrieben hast, müsste er dir das abnehmen. Und du wirst ja auch zum Therapeuten gehen, was deine Glaubwürdigkeit stützt.

09.03.2015 17:45 • #13


Ja, da hast du wohl recht. Den Termin hab ich ja zumindest vereinbart. Auch wenns noch 6-8 Wochen dauert. Wobei ich da ehrlich gesagt schon froh drum bin, andere warten ein halbes Jahr auf einen freien Termin.

09.03.2015 17:53 • #14


Aber mal was anderes, was ja der Thematik mit dem Jobcenter ähnlich ist nur da eine Krankschreibung nicht hilft. Wenn ich so ne Phase hab, wo ich mich so bissl gehen lasse, kann ich mich auch nicht aufraffen, anderen Dingen nachzugehen. Also andern Behördenkram zu erledigen (Finanzamt z.B.) oder ich lasse Rechnungen offen, weils grad knapp mit dem Geld ist. Statt das ich offen in die Kommunikation gehe und sage, so siehts aus, was können wir machen, zieh ich den Schw... ein und lass es laufen. Was dann manchmal zu argen Problemen führt. Wenn ich dann wieder richtig Kraft habe, geh ich das auch an. Dann wusel und organisiere ich und bringe alles wieder ins Lot. Aber ich kann dieses Energie-Level eben nicht halten. Wenn ich einen Tag lang Steuerkram gemacht habe oder so, dann bin ich so platt, wie nach einem Marathon. Das wir das alle nicht gerne machen ist klar, aber mich nervt es halt, dass ich immer solche Phasen hab und diese dann wieder ausbügeln muss, wenns mir wieder besser geht.

09.03.2015 18:02 • #15

Sponsor-Mitgliedschaft

Was Schlaflose gesagt hat ist richtig. Mein Therapeut ist ein niedergelassener mit einer Zusatzausbildung zur Psychotherapie, deswegen ging das bei mir Hand in Hand. Also Sorry an dieser Stelle, dass ich mich undeutlich ausgedrückt hatte.

Worauf wolltest Du jetzt mit deinem letzten Beitrag hinaus? So wirklich eine Frage kann ich nämlich nicht erkennen

Im ersten Moment sieht für das nach einem vermeidenden Verhalten aus. Ich weiß jetzt nicht, ob das als ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung ansehen kann, aber ich vermute es mal. Schlaflose kann da wohl mehr zu sagen, weil sie die Diagnose selbst bekommen hat.

Mit der Rentenkasse sieht es so aus, dass Du ja nichts eingezahlt hat und als AlG2-Empfänger wird vom Jobcenter auch seit 1 oder 2 Jahren nichts mehr dort einbezahlt. Also informier dich da rechtzeitig, sonst kann es sein, dass Du da keine Ansprüche mehr hast. Das ist nämlich mir passiert und ich habe meinen (geringen) Anspruch auf Erwerbsminderungsrente verloren...
man wird darüber auch nicht informiert, sondern das wurde still und heimlich geändert. Das einzig, was Du noch hast, dass Du halt Zeit in der gesetzlichen RV ansammelst, aber das bringt ohne eigene Beiträge nicht wirklich was.

Mach Dich aber bitte nicht zu fertig. Du lässt zwar Sachen schleifen, aber Du machst es ja nicht aus böser Absicht. Vermutlich spielst Du Dir selbst oft genug die Starke vor und eigentlich bist Du es nicht mehr. Sei beim Arzt und später beim Therapeuten auch ganz offen und ehrlich. Wenn Dir nach Weinen zumute ist, dann zeig das ruhig.

09.03.2015 19:42 • #16


Ich wollte mit meinem letzten Beitrag darauf hinaus, wenn ich mal so nen Hänger habe, dass ich einfach Dinge laufen lasse, obwohl ich die Konsequenz kenne. Weil ich gerade wenig Einkommen hab, z.B. ne Rechnung nicht gleich bezahlen kann. Aber anstatt mich drum zu kümmern, lasse ich es einfach laufen. Somit wird der Rechnungsbetrag größer, es kommen Mahnungen und irgendwann, wenn ich wieder Kraft habe, muss ich den Schei... ausbaden und klären, den ich in meiner "Hänger-Phase" quasi verbockt habe. Somit geht meine Kraft dann dafür drauf und nicht, um mir etwas gutes zu tun und vielleicht die Kraft und Energie mal auf meine Selbstständigkeit zu verwenden. Weißt du was ich meine?
Und einem Gläubiger ist es völlig egal, warum der seine Kohle nicht bekommt. Und ehrlich gesagt, will ich auch nicht meine Erkrankung vorschieben.

10.03.2015 10:12 • #17


Schlaflose
Zitat von ratloser_elf:
Im ersten Moment sieht für das nach einem vermeidenden Verhalten aus. Ich weiß jetzt nicht, ob das als ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung ansehen kann, aber ich vermute es mal. Schlaflose kann da wohl mehr zu sagen, weil sie die Diagnose selbst bekommen hat.


Das hat damit überhaupt nichts zu tun. Ich bin jemand, der unangenehme Dinge wie Behördenkram oder Geldangelengeiten und auch sonstige Pflichten sofort regelt, weil wenn nicht kann ich nicht schlafen.
Das Vermeidungsverhalten bei dieser Persönlichkeitsstörung bezieht sich in erster Linie auf zwischenmenschliche Kontakte und auf Auftreten in der Öffentlichkeit. Es ist immer die Angst da, sich zu blamieren, kritisiert zu werden, abgewiesen zu werden, im MIttelpunkt zu stehen u.ä.

10.03.2015 12:44 • #18


Tja, aber warum kann ich mich nicht aufraffen, unangenehme Dinge zu regeln, obwohl ich die Konsequenzen kenne, auch schon erlebt habe und weiß, dass es Blödsinn ist und eigentlich nur mehr Ärger bringt. Wenn ich in einer normalen Phase bin, schieb ich das zwar auch immer bissl raus aber ich mach das immer noch rechtzeitig. Nur wenns mir einfach nicht so gut geht, lass ich es wirklich laufen. Und das geht auf Dauer einfach nicht. Ich verlier mich auch oft in Dingen, dann ist der Tag um und das eigentlich wichtige ist nicht gemacht. Das ko... mich an!

11.03.2015 21:51 • #19


Jetzt ist gerade das Waterloo eingetreten. War heute morgen in 2 Arztpraxen und wurde wieder weggeschickt, weil sie keine Kapazitäten haben. In der ersten wurde ich mitten im Wartezimmer/Anmeldezone gefragt, was ich habe. Das war so erniedrigend!
In der zweiten wurden mir immerhin 2 Praxen empfohlen, die Kapazitäten haben. Aber beides sind Männer. Das wollte ich vermeiden. Die zweite Praxis hat mir so gut gefallen. Viele junge Leute, sehr harmonisch eingerichtet.... Ich hatte mich im Internet halt vorher schlau gemacht und paar Bewertungen gelesen.
Was mach ich denn jetzt? Soll ich mich noch einer 3. oder 4. Abfuhr aussetzen? Es hat mich heute Morgen so viel Mut gekostet und ich war stolz auf mich.

Das zweite Problem, ich hab morgen diesen sch.... Jobcentertermin. Ich bin gerade an einem Punkt, wo ich überhaupt nicht weiß, ob ich das schaffe. Keine einzige Bewerbung geschrieben, dann das junge Bürschlein von Vermittler..... ich hab keine Bock mehr, zu schauspielern und die Starke spielen zu müssen, gleichzeitig hab ich auch keinen Bock dem Typen meine ganze Lebensgeschichte offenzulegen.
Als ich das Problem mal mit dem Mobbing ansprach und das das mit den Bewerbungen nicht so einfach ist und ich keine Lust habe, ständig von vorne anzufangen und irgendwo rauszufliegen, meinte er, dass es halt Gesetze gibt -> ergo, ich muss mich trotzdem bewerben.

18.03.2015 11:01 • #20



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Dr. Reinhard Pichler