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Hallo, zusammen!

Was für ein langer Begriff für eine Angst- bzw Persönlichkeitsstörung.
Ich habe recherchiert, wie sie sich von der Soziophobie unterscheidet, die man damit in Zusammenhang bringt oder glaubt, sie wäre eigentlich dasselbe - unterm Strich gelten identische Symptome.

Eins vorweg - ich hab den S******* und die Situation verläuft schon in der Sackgasse.
Hab mich immer gefragt, wieso ich das habe, ohne den Hintergrund von Traumatas, Mobbing, zerütteter Familienverhältnisse und sonstiger augenscheinlich negativer Einflüsse.
Es steckt schon lebensbegleitend und einschränkend in der Persönlichkeit, die wir uns nicht ausgesucht haben.

Ursache und Wirkung:
http://www.psychosoziale-gesundheit.net ... rheit.html

mist happens,
Joe

14.01.2012 01:28 • 30.01.2013 #1


14 Antworten ↓


Hallo und vielen Dank für den super interessanten Link!
Den Bericht habe ich aufmerksam gelesen da ich auch eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeit habe.
Also zugrunde liegt dieser Persönlichkeit ja eine tief verwurzelte Angst....die sich mit verschiedenen Konzepten therapieren lässt. Ein Erfolg ist wie bei allen anderen Therapien nicht sicher, aber möglich. Selbst wenn sich dazu noch eine soziale Phobie eingestellt hat.
Alles in allem denke ich, dass viel viel viel Eigeninitiative gefragt ist, auch wenn es nicht immer einfach ist.
Aber ich bin überzeugt davon, dass auch diese Persönlichkeitsstörung lernen, reifen und heilen kann!
Schöne Grüße

14.01.2012 10:21 • #2


Hallo, dunklerauenwald !

In der Regel verlangt es viel Kraft, Zweifel und Ängste permanent aus dem Weg zu räumen. Kann man das schaffen, ohne daran zu zerbrechen?

Wer die Kraft hat, den schweren Stein vor dem Ausgang beiseite zu rollen, kann fliehen.
Manchmal läßt er sich bewegen und man kann hinausschauen. Doch dann klemmt er wieder fest und rollt zurück.

Auch wenn Du ne Phase durchläufst, wo es Dir gut geht, bist Du tief in Dir drin immer noch der Alte, der seine Ängste an Ketten gelegt hat. Und diese Ängste zerren an den Ketten, werden eines Tages wieder bei Kräften sein, wenn jemand ihnen genug Futter zuwirft.

Joe

14.01.2012 22:58 • #3


Hallo Joe....

ja das hast Du sehr schön und vor allem trefflich geschrieben....hast Recht.
Es ist so anstrengend und mühsam....jeder einzelne Schritt....und dann die Rückschläge....
Aber dennoch finde ich, dass es sich lohnt. Immer mehr und mehr die Ängste verhungern zu lassen, denn WIR bestimmen ja letztendlich, ob sie Futter bekommen oder nicht.
Und ich bin festen Glaubens, dass die Ängste die wir so sehr fürchten, ein wichtiger Wegweiser sind...und das jeder den schweren Stein vor seinem eigenen Ausgang wegrollen kann. Nur Mut und nicht die Hoffnung aufgeben!

15.01.2012 00:27 • #4


Du scheinst auf dem Weg der Besserung. Das klingt alles so euphorisch.
Wie kommt das. Schaffst Du es trotzdem in einem Umfeld, was zu Deiner Persönlichkeit beigetragen hat - oder mußtest Du alle Zelte abbrechen und mit Deinem bisherigen Leben abschliessen.
Ich lebe jedenfalls noch dort, wo sich alle meine Erinnerungen daran sammeln, wer ich bin.

Beste Grüße,
Joe

17.01.2012 22:27 • #5


Hallo Joe,

also euphorisch bin ich nicht, davor würde ich mich auch sehr hüten!
Ich erkenne nur immer mehr, was mir gut tut und höre auf, den Umständen die "Schuld" zu geben.
Als ich einen herben Rückfall vor einem Jahr hatte, da konnte ich dem Alltag nicht mehr standhalten. Es ging nichts mehr.
Also musste ich auch zu den Menschen im meinem Umfeld immer öfter "Nein" sagen. Das wurde keineswegs verstanden und ich als Simulant abgestempelt. Nicht einfach, gerade von der eigenen Familie, aber so war das halt. Ich war gezwungen, mich aus diesem Sumpf, der ja die Persönlichkeitsstörung hervorrief, zu befreien. Sonst wäre ich untergegangen. Das war sehr sehr schwer für mich und ohne meinen Mann, wäre ich heute nicht mehr hier.
Ich habe gelitten wie ein Hund und bis heute verstehe ich nicht, warum es alles so gekommen ist. In einer Familie sollte man doch zusammenhalten, dachte ich immer.....ich war diejenige, die immer hielt, während die anderen mir in den Ar. traten.
Nun ist ein Jahr vergangen und in manchen stillen Minuten vermisse ich meine Familie....ich liebe sie ja dennoch! Aber mittlerweile liebe ich auch mich genug, um mich von Menschen fernzuhalten, die mir schaden oder mich ausnutzen wollen.
Wie geht es Dir denn gerade so ?
Schöne Grüße

28.01.2012 20:46 • #6


Diese Persönlichkeitsstörung trifft meine Lebenssituation sehr gut.

Mein Problem ist, dass es bei mir gleich mehrere Ursachen gibt:
- Dysmorphophobie
- ein kühl distanziertes Elternhaus mit Überbehütung
- eine eher selbstkritische Wesensart.

Und es ist genauso, wie ihr geschrieben habt: ein harter, langer, steiniger Weg. Man muss Tag für Tag, Woche für Woche den inneren Schweinehund überwinden. Die Ängste kommen leider sehr schnell zurück, wenn man ihnen auch nur die kleinste Chance lässt.

29.01.2012 16:22 • #7


hallo an alle,

bin froh diesen beitrag gefunden zu haben denn diese persöhnlichkeitsstörung passt auf mich wie die faust aufs auge.
von kindesbeinen an sage ich mir ...ich bin nichts und ich kann nichts,kann nur schwer mit kritik umgehen fühle ich mich dann doch wieder in meiner meinung bestätigt!
bekomme ich lob dann winke ich ab und werte ab.

habe ich es richtig verstanden,daß daraus auch panikattacken resultieren?

liebe grüsse
urmel

29.01.2012 19:47 • #8


Schlaflose
Zitat von urmel56:
habe ich es richtig verstanden,daß daraus auch panikattacken resultieren?


Bei mir nicht. Dafür Schlafstörungen. Die haben sich aber auch gegeben, seitdem ich einen neuen Job habe. (bis vor einem Jahr Lehrerin, jetzt in der Verwaltung)

Liebe Grüße

30.01.2012 17:35 • #9


Hallo, zusammen!

@dunklerauenwald: Momentan halten Exixtenz- und Zukunftsängste mich zusätzlich in ihrem Bann. Ich bin oft kurz davor, das Handtuch zu werfen, weil ich nicht weiß, woher noch die Kraft und Hoffnung nehmen. Wenn man sich seiner vielen Schwächen bewußt ist, erscheinen die Stärken so klein. Durchhalten - Aushalten -

@urmel: Merkwürdigerweise überkommt mich auch keine Panikattacke.
Dabei bekommen andere sie bei harmlosen Menschenansammlungen - und wir haben doch auch Angst vor Menschen - das verstehe ich nicht.
Bei einer Panikattacke übernimmt doch das "emotionale Gehirn" die Macht. Irgendwie funktioniert dieser archaische Mechanismus bei mir nicht. Und ich habe selten gelesen, daß es bei SP oder ÄvsPs zu Panikattacken kommt.
Vieleicht, weil wir eingeschränkt emotionsfähig sind - zumindest, Emotionen ungehemmt rauszulassen.

Grüße,
Joe

30.01.2012 23:36 • #10


Zitat von frederick:
Diese Persönlichkeitsstörung trifft meine Lebenssituation sehr gut.

Mein Problem ist, dass es bei mir gleich mehrere Ursachen gibt:
- Dysmorphophobie
- ein kühl distanziertes Elternhaus mit Überbehütung
- eine eher selbstkritische Wesensart.

Und es ist genauso, wie ihr geschrieben habt: ein harter, langer, steiniger Weg. Man muss Tag für Tag, Woche für Woche den inneren Schweinehund überwinden. Die Ängste kommen leider sehr schnell zurück, wenn man ihnen auch nur die kleinste Chance lässt.



Hallo, Frederick!

Das trifft bei mir auch so zu.
Und da die Ängste sich schwer vertreiben lassen, kann es nur eine Wesensart sein.
Aus einem Reh wird nie ein Wolf.

30.01.2012 23:44 • #11


Misch
Vieles kommt mir hier bekannt vor, auch meine Problematik lässt sich zum größten Anteil mit diesem sperrigen Begriff betiteln. Worauf ich gerade eingehen möchte ist mein Verständnis über den Unterschied einer Sozialen Phobie bzw anderen Angsterkranungenen und einer Ängstlich-Vermeidenden-PS.

Wie ich finde ist es richtig, dass diese beiden Problematiken sich sehr ähnlich sind, die Grenzen verschwimmen und es sich schwer sagen lässt wo eine Soziale Phobie aufhört und wo eine PS beginnt. Nach meinem Empfinden hat die Vermeidung hier einen besonderen Stellenwert, daher auch ängstlich-vermeidend. Soziale Phobie-Patienten die ich kennen gelernt habe kämpften zwar auch mit Vermeidung von möglichen Gefahren, jedoch stand es weniger im Vordergrund. Für mich wirkt es als wären wir Angstlich-Vermeidende, Soziale Phobie-Patienten die sich dafür entschieden haben ihren Angstsituationen aus dem weg zu gehen. Das soll nicht heißen das dies bei einer Sozialen Phobie nicht geschiet oder das es irgend jemand schwerer oder leichter hat, jedoch ist es bei der PS ein ausgeprägtes System. Ich denke in diesem Punkt liegt auch der Kern warum Angst und Panik-Attacken ehr bei anderen Störungen zu finden sind. Ich kann z.B. ohne Probleme in einer U-Bahn sitzen, macht mir nichts aus aber wehe ich werde angesprochen oder es schaut mich jemand länger als 3 Sekunden an, dann will ich nur noch weg. Was mir jedoch bekannt ist, sich in einer solchen Situation hineinzusteigern, sich seiner Angst in diesem Moment voll und ganz ausliefern. Eine Panikattacke hat ehr den Charakter ohne Vorwarnung und ohne genauen Grund auszubrechen. Diese Attacken entstehen denke ich weniger in Angstsituationen sondern mehr in neutralen Situationen aus Angst vor dieser Angst.

Oder in wenigen Worten ausgedrückt, wir ticken da einfach anders.
Wie weit ich mit meiner Einschätzung an der Realität bzw der Wahrheit vorbeischieße darf jeder selber entscheiden. Für mich war bisher die Angst weniger der Kern der ganzen Problematik, sondern ehr der Motor der das Ganze am laufen hält.

mfg Misch

01.02.2012 01:30 • #12


Zitat von Misch:
Ich kann z.B. ohne Probleme in einer U-Bahn sitzen, macht mir nichts aus aber wehe ich werde angesprochen oder es schaut mich jemand länger als 3 Sekunden an, dann will ich nur noch weg. Was mir jedoch bekannt ist, sich in einer solchen Situation hineinzusteigern, sich seiner Angst in diesem Moment voll und ganz ausliefern. Eine Panikattacke hat ehr den Charakter ohne Vorwarnung und ohne genauen Grund auszubrechen. Diese Attacken entstehen denke ich weniger in Angstsituationen sondern mehr in neutralen Situationen aus Angst vor dieser Angst.

mfg Misch


Genau dasselbe Problem habe oder besser hatte ich auch. Ich fuhr mit dem Bus mit dem Gedanken, hoffentlich spricht mich niemand an oder beobachtet mich. Dann steigerte sich diese Angst manchmal bis zur Panik. Aber wenn mich mal jemand angesprochen hatte war das für mich meistens eine Erleichterung und die Angst war weniger geworden.

Mittlerweile fahre ich richtig gerne mit dem Bus, ohne Angst und ohne PA Ich lasse jetzt zu, dass mich jemand anspricht, ist doch schön, wenn jemand mit mir kommunizieren möchte.

Diese PA waren auch bei mir das Ergebnis jahrelanger Vermeidungsstrategien.

01.02.2012 11:50 • #13


http://www.facebook.com/groups/angstgru

selbsthilfe gruppe bei facebook.

01.02.2012 22:16 • #14


Zitat von Joaquim:

Hallo, Frederick!

Das trifft bei mir auch so zu.
Und da die Ängste sich schwer vertreiben lassen, kann es nur eine Wesensart sein.
Aus einem Reh wird nie ein Wolf.

Wenn es eine Wesensart ist, selbstunsicher und ängstlich zu sein, ist es dann auch eine Wesensart, unglücklich zu sein statt glücklich? Es kommt doch nicht von ungefähr, dass Ihr Persönlichkeitsgestörten uns Normalos um unser Selbstbewusstsein, unsere Urteilssicherheit, unsere Fähigkeit, anderen zu vertrauen (zumindest solange wir durch einen von Euch nicht eines besseren belehrt worden sind) beneidet. Ihr wollt doch nichts mehr, als so sein wie wir. Und warum? Weil ______________________________ .

Eben! Vertraut doch mal wenigstens in dem Punkt Eurem Urteil.

Es ist eine Sache, sich auch mit seinen negativen Persönlichkeitsmerkmalen zu akzeptieren (was für mich auch heißt, dass man vielleicht allzu hohe Ambitionen aufgibt und den Schaden, den man anrichtet oder anrichten könnte, begrenzt) - und eine ganz andere, die Negativität, die aus der eigenen Persönlichkeit resultiert, als alternativlos anzusehen und sie voll auszuleben.

Es ist für mich sonnenklar, dass Persönlichkeitsstörungen (und deren Träger sind per Definition immer an sich selbst Leidende) durch ein Fehlverhalten der Hauptbezugsperson(en) in der frühen Kindheit verursacht werden, hier insbesondere durch ein permanentes Sich-Hinwegsetzen über die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes.

Bevor Ihr jetzt alle über Eure Eltern herfallt : auch die haben ihre Persönlichkeitsstörungen (plus vielleicht noch besonders schwierige Erziehungsbedingungen), und sind damit tendenziell genauso sehr oder wenig dafür verantwortlich zu machen wie Ihr. Was nicht heißen soll, dass es nichts bringt, sich damit intensiv auseinanderzusetzen und auch Verantwortlichkeiten zu klären (s. Giger-Büttler und v.a. Alice Miller). Mindestens ebenso aufschlussreich ist es, wenn Ihr mal genau beobachtet, wie Eltern mit kleinen Kindern umgehen. Und wie Ihr Euch dabei fühlt. Da fällt Euch bestimmt so einiges auf. (Ich wurde für solche Fragen auch erst mit der Zeit sensibler, seit ich Neffen und Nichten bzw. mein eigenes Kind habe).

Die Hauptschuldigen sind wir, die Normalos (oder zumindest ein Großteil von uns), die Eure Eltern nicht oder nicht angemessen bei Eurer Erziehung unterstützt haben oder nicht dafür gesorgt haben, ihnen das Leben leichter zu machen. Wobei zu unserer Entschuldigung vorgebracht werden kann, dass wir dabei von Euch Persönlichkeitsgestörten auch ganz schön gestört werden.

30.01.2013 11:55 • x 1 #15





Dr. Reinhard Pichler