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200514.06




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Ich schlage mich speziell mit dem Problem der Redeangst (auch bezeichnet als Sprechangst, Bühnenangst, Auftrittsangst oder Podiumsangst) herum. Als Personalleiter in einem mittelständischen Unternehmen ist es für mich unvermeidlich, z. B. im Rahmen von Betriebsversammlungen hin und wieder vor der Belegschaft zu sprechen oder in größeren Abteilungsleitersitzungen über ein Thema vorzutragen.


Vor diesen Situationen habe ich regelmäßig die Furcht, in der Redesituation zu versagen, also entweder Redeinhalte in der Redesituation einfach zu vergessen oder durch Schweißausbrüche, Atemnot, etc. ins Stocken zu kommen. In einzelnen Situationen ist es mir tatsächlich auch schon passiert, dass ich durch Herzrasen oder Luftwegbleiben so gehandicapt war, dass ich meinen Beitrag unplanmäßig schnell zu Ende bringen musste. Mein Umfeld scheint dieses Problem bislang zwar kaum registriert zu haben (zumindest bin ich bislang noch nie darauf angesprochen worden), aber für mich selbst bedeutet es eine erhebliche Einschränkungen meiner Lebensqualität im Berufsleben und meiner Leistungsfähigkeit.


Ich habe Redesituationen bislang zwar nicht auf Teufel komm ´raus gesucht, aber auch nicht vermieden, da ich weiß, dass sie einfach zu meinem Job gehören, im Beruf insgesamt immer wichtiger werden und weil ich davon überzeugt bin, dass die regelmäßige Übung der konkreten Problemsituation die beste Hilfe ist, um die Problemursachen zu bekämpfen (Prinzip: Konfrontationstherapie).


Die Übung alleine hat bislang allerdings nicht ausgereicht, um die oben beschriebenen Probleme zu lösen. Ich habe versucht, mich im Internet zu diesem Thema schlau zu machen (Stichwort: soziale Phobie ...) und habe einige probatorische Sitzungen bei einem Neurologen mitgemacht, der aber (obwohl ein ausgewiesener Angsttherapeut) nicht wirklich im Thema war und nur die Tiefenpsyhologieschiene verfolgt hat.


Ich möchte aber kein neuer oder besserer Mensch werden und meine Persönlichkeit nachhaltig verändern, sondern einfach nur vor und in diesen Redesituationen etwas ruhiger und gelassener sein. Dafür bin ich gerne bereit Zeit und Geduld zu investieren. Autogenes Training habe ich versucht, grundsätzlich auch mit einem gewissen Erfolg. Allerdings ist es einfach nicht praktikabel, sich 10 Minuten vor einem Redebeitrag in ein stilles Kämmerlein zurückzuziehen und autogen zu trainieren. Autogenes Training ist m. E. daher eher eine Hilfe, um grundsätzlich besser entspannen zu können.



Über andere Entspannungsmethoden, wie "", "Qi Gong" oder "Energetische Psychologie" habe ich bislang nur gelesen. Danach scheinen mir diese Methoden ebenfalls grundsätzlich entspannungsfördernd zu sein, aber weniger situationsbezogen erfolgreich bzw. praktikabel anwendbar zu sein. Vielleicht gibt es hierzu Beiträge von anderen Betroffenen, die sich an diesen Methoden versucht haben und über die Erfolg berichten können.


Wie vermutlich viele Betroffene in ähnlicher Situation bin ich außerdem auf der Suche nach dem "idealen" Medikament. Es soll kurzfristig wirken, nicht abhängig machen und keine störenden Nebenwirkungen haben. Vor allem (durch das Medikament ausgelöste) Konzentrationsschwächen oder Gedächtnisstörungen kann man in einer Redesituation natürlich gar nicht gebrauchen. Insofern scheiden Antidepressiva, SSRI und vermutlich auch Benzodiazepine grundsätzlich aus. Interessant scheinen Beta-Blocker zu sein, die (wie gewünscht) lediglich die vegetativen Begleiterscheinungen der Redeangst kurzfristig und damit situationsbezogen bekämpfen, aber nicht in die Psyche des Menschen eingreifen und dort (unerwünschte) Veränderungen auslösen. Nach allem, was ich gelesen habe, scheint dies das Mittel der Wahl zu sein, wenn es jemandem lediglich darum geht, in einer sehr begrenzten Anzahl von Einzelfällen situationsbezogen die Symptome der Redeangst zu lindern bzw. zu bekämpfen. Zur Anwendung dieser Beta-Blocker wäre ich für weitere Berichte Betroffener sehr dankbar. Welches konkrete Medikament bietet sich an? Wie sollte man es dosieren? Bewirkt der Beta-Blocker auch eine Reduzierung der Angst vor der Rede, oder ist er lediglich eine Hilfe in der Redesituation? Reduzieren sich dadurch auch andere vegetative "Aussetzer", wie starkes Schwitzen oder das "Luftwegbleiben", oder beeinflusst es nur die Herztätigkeit? Gibt es auch Betroffene, bei denen Beta-Blocker in vergleichbaren Situationen überhaupt keine Wirkung gezeigt haben?


Nun ist dieser Beitrag schon etwas lang geraten, aber das Thema ist eben zu komplex, um es in ein bis drei Sätzen abzuhandeln. Ich hoffe trotzdem, dass der Ein oder Andere durchgehalten hat und mir ein paar Hinweise aus seiner/ihrer Erfahrung bzw. einige Antworten auf meine Fragen liefern kann.

Auf das Thema antworten
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  10.10.2005 16:55  
Hallo Janosch,
ich hoffe, meine Antwort kommt nicht zu spät. Bin ganz neu hier und eher durch Zufall als durch gezielte Suche - hab aber das Gefühl, dass ich hier ein "bisschen" richtig bin.

Ich leide wie Du unter diesen fiesen Problemen bei öffentlichen Auftritten, Reden vor mehreren Menschen etc.
Hab alles ganz gut im Griff und ärger mich manchmal, dass ich z.B. Chancen im Beruf nicht wahrnehme, aus Angst in die ungeliebten Situationen zu kommen.

Vor meinem Examen habe ich einen Doc um Hilfe gebeten, da ich bei müdlichen Prüfungen gerne durch totale Blackouts auffiel....
Der gute Mann hatte mir damals Betablocker gegeben, um die körperlichen Symptome zu bekämpfen. Seitdem ist der Betablocker mein ständiger Begleiter und ich nehm das Zeugs so selten wie nötig, d.h. vielleicht alle paar Wochen mal.
Wenn Du es eine Stunde vor einem Auftritt nimmst, merkst Du, wie sich alles enstpannt, das Herzklopfen verschwindet und Du - wie scheinbar jeder andere das als vollkommen normal erlebt - ohne benebelt zu sein, ganz normal Deine Aufgabe bewältigen kannst.
Für mich die optimale Lösung. Meine Probleme sind zu gering, ich verdränge zu gerne und will mich darum einfach nicht weiter kümmern.
Allerdings brauche ich langsam neue, lebe schon lange in einer anderen Stadt, sodass der Doc von damals nicht erreichbar ist und weiß gar nicht, an welchen Arzt ich mich wenden muss/kann....

Über das Internet kann man das leider nicht bestellen, ist alles verschreibungspflichtig.
Es gibt 1000 verschiedene - das Zeugs ist von ratiopharm, den Namen weiß ich leider nicht mehr, aber da wird Dir Dein Arzt bestimmt helfen!

Mir gefiel Dein Beitrag so gut, ich fühlte mich Dir so ähnlich.

Liebe Grüße!
Stella1
Würde mich freuen, von Dir zu lesen!

Danke1xDanke


  10.10.2005 23:37  
hi,
ich habe ähnliche angst vor dem reden (bzw. auffallen) vor einer größeren gruppe in geschlossenen räumen, ja schon die anwesenheit alleine, die blicke der anderen, setzt mich unter wahnsinnigen druck, der sich in herzrasen, starker spannung im hals, schwitzen in den händen usw äußert; ich würde so gerne die ursache dahinter verstehen, es muss ja wohl echt die angst davor sein sich zu blamieren, von den anderen verachtet zu werden, und gerade dafür habe ich überhaupt keinen anlass; die angst schein so absurd zu sein, getrennt von meinem realen erleben, erzeugt durch gedankenkreisläufe die vermutlich mit erlebnissen aus meiner vergangenheit zu tun haben (nehme ich mal an, wird ja wohl nicht alles nur einbildung sein); irgendetwas muss ich um jeden preis von den anderen verbergen, ich muss mich verschließen und halte das ganz einfach nicht mehr aus, meine seele hält es nicht mehr aus, das ständige sich zurücknehmen, sich verkrampfen, unterdrücken; das hat mich über lange zeit lethargisch gemacht, emotionslos und so gesehen kann ich fast dankbar dafür sein, auf diese schmerzhafte art nicht total zu versteinern, weil ich denke mir, wenn ich es herauslassen kann, wenn ich dem druck nachgebe und etwas von mir hergebe, dann muss ein sehr befreiendes gefühl sein; denn mein problem bezieht sich ja nicht nur auf große gruppen, ich bin oft unzufrieden mit meiner kommunikation und spüre dann eine starke distanz zu anderen menschen, was mich einsam macht; die angst ist dann das erste gefühl das wieder auftaucht in der kargen wüste meines innenlebens, das ich nach strich und faden zensiere;
...gerade als student leide ich aber schon sehr unter diesem problem, da man referaten ja kaum aus dem weg gehen kann und ich das auch nicht will, weil ich mir schwach und erbärmlich dabei vorkomme; in der schule hate ich komischerweise keine probleme damit, ich war zwar schon nervös, aber wenn ich dann gesprochen habe wars immer ein irsinnig gutes gefühl, soviele zuhörer zu haben, quasi im mittelpunkt zu stehen und den anderen etwas vermitteln zu können; mit 17 hatte ich dann das erste mal panikattacken und da wars dann schon immer ein ziemlicher stress, aber das abi hab ich trotzdem ganz gut gepackt; auf der uni habe ich das gefühl intelligenter sein zu müssen, und habe scheinbar gerade in bezug darauf starke minderwertigkeitsgefühle, kann meinen ansprüchen nicht gerecht werden; andererseits liegt mir sehr viel an intellektueller betätigung, die ich also auf keinen fall aufgeben will!
...tja, was die medikamente betrifft kann ich dir leider nicht wirklich helfen, die beta-blocker hören sich ja wirklich interessant an, ich hab aber auch gehört dass sie einem den antrieb nehmen und so depressiv machen können; ich werds vielleicht mal mit xanor(xanax) probieren, das nehme ich momentan wenn ich sehr angespannt bin; ist zwar ein benzo, macht aber kaum schläfrig und hat ne sehr kurze halbwertszeit - wohl fühle ich mich aber auch nicht sehr dabei soetwas tagsüber schon zu nehmen; aber mal schaun, wenn man es nicht so oft macht ist es ja nicht so schlimm; wenn du was suchst das deine konzentrationsfähigkeit und gedächtnisleistung steigert könntest du dich mal mit provigil beschäftigen (Dro. will ich dir nicht empfehlen *g*), kenne ich persönlich zwar nicht, soll aber ein erstaunliches mittel sein, dass munter und wach macht ohne denn blutdruck zu erhöhen, und nebenbei nicht abhängig macht; ist aber ein aufputschmittel, also vorsicht! jetzt hab ich eh schon ne menge geschrieben und dich hoffentlich nicht total gelangweilt, wenn du überhaupt alles gelesen hast; dein beitrag war ja sehr nüchtern und überlegt und ich weiss nicht ob meine antwort sehr konstruktiv war;
viel erfolg wünsche ich dir bei deiner angstbewältigung!

liebe grüsse, felix

Danke1xDanke


  12.12.2005 12:55  
Hallo! Geheimtipp: Heilhypnose oder auch Klinische Hypnose genannt!
Du wirst dabei auch SelbstHypnose lernen, welche du dann am Abend anwendest, bevor du ins Bett gehst! Im Prinzip machst du jetzt schon nichts anderes als SH, jedoch in die verkehrte Richtung! Bei der SH lernst du, dir die Situationen Positiv vorzustellen, genau anders herum als du es nun schon tust. Anstatt der Vorstellung zu Versagen, wirst du lernen, dir die Situation so vorzustellen wie sie sein soll und wie du sie gerne haben möchtest! Und im Zustand der Trance, in welchem du stets Handlungsbereit bist, also nicht verwechslen mit Showhypnose (!) - du bekommst bei einer Hypnosesitzung alles mit - also im Trancezustand machst du nichts anderes als deinem Unterbewußtsein einen Befehl geben, diesmal jedoch einen Positiven. Google mal unter Selbsthypnose! Es gibt auch CDs welche dir einen Einstig in die Welt der SH geben, auch speziell zum Thema Lampenfieber! Beste Grüße!

Danke1xDanke


  13.12.2005 23:16  
Hallo Janosch,

ich hatte wegen psychischer Probleme (verschiedene Ursachen) starkes Herzklopfen gehabt. Ich habe von meinem Hausarzt Carvedilol 6,25mg (von Sandoz) verschrieben bekommen. Es ist ein unselektiver Beta-und Alpha-1-Rezeptorenblocker. Ich habe die Medikamente über ca. 3-4 Monate regelmäßig schwach dosiert eingenommen. Ich habe heute kein Herzklopfen mehr.

Die Ursache des Problems wird dadurch aber nicht gelöst und das halte ich für sehr wichtig, denn sonst können über kurz oder lang weitere Probleme auftreten oder die vorhandenen sich verschlimmern.

Am besten sprichst du mit deinem Hausarzt darüber. Es gibt auch Beratungsstellen an die man sich wenden kann ( Caritas, Rotes Kreuz, Pro Familia, Diakonie usw.). Die Beratung ist übrigens kostenlos und man braucht auch keine Überweisung vom Arzt.

Viel Erfolg und gute Besserung
Lichtlein

Danke1xDanke


  18.02.2007 20:47  
Hallo Janosch,
Dein Beitrag spricht mir aus der Seele -ich habe genau die gleichen Erfahrungen, kenne das Gefühl genau.
Du schriebst im Juni 2005. Hast Du das Problem erfolgreich gemeistert? Wenn ja, dann besuchst Du wahrscheinlich diese Seite nicht mehr?!
Jemand anderes, der Rat hat?
Viele Grüsse,
Andreas



  21.02.2007 12:09  
Hallo Andreas, Hallo Janosch und hallo an alle anderen interessierten!

hab mir heute einen freien Tag genommen und bin über meine Internetrecherche auf dieses Forum gestossen.

Vieles, dass hier geschrieben wurde, betrifft auch mich. Wobei ich mittlerweile das Gefühl hatte, meine Emotionen unter Kontrolle zu haben. Aber vielleicht ein kurzer Rückblick auf mein bisheriges Leben.

Herzklopfen / Panikattacken und Angstgefühle haben mich eigentlich immer begleitet. Sie traten besonders in diesen "Mittelpunktsituationen" auf, wie z.b. persönliche Vorstellung, Kurzbeitrag in der Gesprächsrunde, Vortrag, etc. Bemerkenswert dabei war stets, dass diese Angst meist davor sich wie ein Berg aufbaut und während des Vortrags langsam verschwindet.

Einen negativen Höhepunkt erreichte ich allerdings im Jahre 2000 als ich während einer Diskussion das Wort ergriff, doch nachdem ich begann, mir die Stimme langsam versagte, der Puls unkontrollierbar wurde und ich nur noch vor mir her stammelte. Ich geriet in innere Panik und musste den Raum fluchtartig verlassen. Was nach einer solchen Situation in einem vor geht, brauch ich wohl nicht beschreiben.

Zwischenzeitlich diagnostizierte man bei mir bei einer Routineuntersuchung viel zu hohen Blutdruck. Internisten kümmern sich leider um körperliche Symptome aber nicht um die Ursachen. Denn während den Messungen beim Arzt habe ich die gleichen Panikattacken wie bei meiner Redeangst. Dennoch erhielt ich BB (Beloc Zock 92 mg / Tag). Die Dinger dämpfen wirklich und anfänglich war ich damit zufrieden. Doch BB dämpfen Dich insgesamt und ich war kein Bluthochdrucker zumal ich regelmässig Ausdauersport betrieb.

Nun jedenfalls gab es im Anschluss eine Menge Situationen (Vorträge,Redebeiträge, etc.), die ich mit Bravour löste. doch trotz der BB war die Angst da, die Symptome waren allerdings schwächer ausgeprägt. Einmal sogar hatte ich einen Vortrag zu halten, der beruflich entscheidend gewesen ist. Deshalb ließ ich mir zusätzlich Bromazepam verschreiben. Ich glaube, die Dosierung war zu niedrig. Dennoch war der Vortrag erfolgreich. Ich schreibe es dem Plazeboeffekt der Bromas zu.

Seit 4 Monaten habe ich die BB schleichend abgesetzt, da sie meine sportliche Betätigung behinderten. Ich wollte BB nur für vohersehbaren Paniksituationen einsetzen (z.B. große Meetings mit Redebeitrag).
Vor ein paar Tagen allerdings erlitt ich wieder einen Tiefschlag. Ich sollte einen kurzen Beitrag in einer Runde leisten und machte mir auch keine große Gedanken über BB im Vorfeld. Es ging daneben, wie im Jahre 2000. Das einzige was ich nicht gemacht habe, war zu flüchten. Ich habe auch meinen Beitrag zu Ende gebracht, doch zu Beginn vor mir hergestammelt, dann unterbrochen in meinen Dokumenten gewälzt und erst langsam zu mir gefunden. Aber ich denke da war das Kind bereits in den Brunnen gefallen. Ich habe mich derartig blamiert, meinen Ruf verspielt und ich frage mich was ich antworten soll, wenn man mich auf die Situation ansprechen wird.

Momentan bin ich geprägt von Selbstzweifel bis Selbsthass und weiss auch nicht so richtig weiter.

Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung jedenfalls folgendes sagen. Zur Linderung von akuten Panikerscheinungen bzw. zur Vorbeugung helfen Johanniskraut, Hopfen, Bachblüten und der ganze andere homöopatische Kram überhaupt nichts. Wenn mal der Tatort zu spannend war und du ruhig schlafen willst, dann vielleicht.

BB dämpfen die Symptome und man wird am Anfang auch einen Placeboeffekt haben. Doch sollte man die Einnahme mit dem Arzt absprechen und keine illegal beschaffen!
Benzos kann ich so nicht beurteilen, da meine Dosierung wohl zu niedrig war. Jedenfalls höre ich nicht mehr auf das itellektuelle Gerede derer, die sich über die Suchtgefahren der sog. "chemischen Keulen" äussern. Solche Personen haben m.E. noch nie solch eine Situation durchmachen müssen.

Was sonst noch: Abendschulkurse gegen Redeangst habe ich auch hinter mir, doch die stressen, weil man auch dort die Angst nicht lindern kannst. Man zeigt aber Verständnis für Deine Lage. Und interessanterweise bestätigen die Zuhörer, dass man die inntere Angst des Redners gar nicht bemerkt hat. Man kommt also meist besser rüber als man es selbst empfindet.

Sport als Überdruckventil ist empfehlenswert und tut dem gestressten Körper sehr gut. Es ist m.E. aber kein Wundermittel. Ich selbst lauf in der Woche zwischen 70 - 80 km. Dennoch war ich am besagten Tag nicht Herr meiner Lage.

Ich hab jetzt sehr viel geschrieben und vielleicht gibt es den einen oder anderen, der diese Zeilen liest oder sich damit identifiziert oder mir sogar ein paar Ratschläge erteilen will. Ich würde mich auch gern mit dem einen oder anderen austauschen. Auch schwebt mir vor, eine Gruppe gleichgesinnter zu gründen, in der man zur Vorbereitung von Vorträgen etc. üben kann ohne den Hintergrundgedanken zu haben, ausgelacht zu werden. Aber das ist Zukunftsmusik...

Momentan wäre mir aber am liebsten ein tiefes Loch, in das man versinken kann oder eine Zeitmaschine, um den Paniktag rückgängig zu machen.

Viele Grüße

Danke1xDanke


  21.02.2007 12:19  
Was mir jetzt bei deinem Geschriebenen so auffällt ist, dass ich den Eindruck habe, dass du sehr viel darauf legst, was die anderen von dir denken. Ich denke nícht, dass du es beweisen musst. Vielleicht hilft es dir ein wenig mehr Selbstvertrauen dir anzueignen.

Danke1xDanke


  21.02.2007 16:30  
Hallo Hortensie,

Du hast recht, wenn Du meinst, dass ich den Menschen alles recht machen will. Es ist auch die . Dies mündet dann in dem Drang zum Perfektionismus. Doch hier liegt auch ein Problem. Durch den Weg des Perfektionismus hat man eine Methode gefunden, sich mit seinen Ängsten zu arrangieren. Zum Beispiel habe ich jedwege mögliche Situation in der Vortragsvorbereitung durchgespielt, um dafür gewappnet zu sein. Bist Du dann erfolgreich, steigt auch das Selbstbewusstsein. Scheiterst Du, sinkt selbstverständlich Dein Selbstvertrauen.
Danke für Deinen Kommentar. Du bestätigst die Meinung einiger anderer über mich. Und das nur aus ein paar geschriebenen Zeilen...

Danke1xDanke


  23.02.2007 11:44  

Hallo Marathon,
deine Beiträge könnten auch von mir stammen, es bleibt
nichts hinzuzufügen.
Könntest du bitte etwas mehr über diese Kurse berichten,
haben sie dir gegen deine Schwierigkeiten überhaupt nicht
geholfen? Würdest du sie empfehlen?
Wie ist es bei den Medikamenten, muss man die dauernd
nehmen oder nur dann, wenn sie nötig sind?
Viele Fragen, ich danke dir schon vorab herzlich für deine
Antwort!

Violinengruß

Danke1xDanke


  24.02.2007 11:11  
Hallo Violine,

Die Volkshochschulen bieten diverse Kurse / Seminare über Rhetorik, Bewältigung von Redängsten, Präsentationstechniken, etc. an. Das Angebot ist vielfältig und die Preise sind annehmbar.Du kannst ebenso zwischen sog. "Crash-Kursen" am Wochenende wählen, oder verteilt auf die Woche.
Mein letzter Kurs sein Inhalt war im Kern Gespräche, Diskussionen und Vorträge richtig halten zu können. Hierbei spielte neben der Rhetorik auch der Inhalt, also der Informationsgehalt ein wesentliche Rolle. Ich versuche, mich kurz halten. Violine,Falls Du nähere Angaben dazu haben willst, dann beschreibe ich Sie Dir gern per E-Mail auf. Sonst werde ich das Forum hier"sprengen".
Unsere Dozentin, eine ausgewisene Spezialistin auf dem Gebiet, ging dabei auch auf Redeängste ein, besonders wenn wir vor der Gruppe vortragen mussten(und das mussten wir oft: von spontanen Kurzvorträgen bis zu 10min-Vorträgen bei 1 Std. Vorbereitung). Es war überhaupt keine Blosstellung von ihr, sondern der Fingerzeig, dass wir Zuhörer es gar nicht merken, dass einer Ängste hat. Peinlich war auch zu Beginn sich auf Video zu sehen. Doch auch dies ist verblüffend, denn Du kommst ganz anders rüber, als Du es selbst empfindest.
Du kriegst mit diesen Kursen eine Menge Tricks und Kniffs mit und lernst auch Menschen mit ähnlichen Problemen kennen. Man lernt auf jeden Fall dazu. Doch muss ich Dir auch mitteilen, dass Du gestresst sein wirst, wenn Du diese Mittelpunktsängste hast. Denn dort wirst Du im Mittelpunkt stehen. Die Belohnung zu sehen, dass auch Du es schaffst und meist besser als Du denkst, ist dann überwältigend! Doch Du musst den Mut auch aufbringen, dort hinzugehen. Und ein letzter Satz zu diesen Kursen: Sie sind leider keine Wundermedizin für den Alltag, sondern geben Dir den Ratschlag regelmässig zu üben, um über Gewohnheit seine Ängste abzubauen.
Ich hab wieder zu viel geschrieben. Sorry liebe Forumleser.

Ich will aber noch auf BB eingehen. Du spürst nach der Einnahme der BB eine Dämpfung in Deinem Körper. Dein Ruhepuls senkt sich deutlich, Du wirst insgesamt "träger". BB werden m.E. nicht üblicherweise bei Angstpatienten eingesetzt, sondern klassischerweise bei Bluthochdruck, um den systolischen, ober Wert zu senken. Die Einnahme bei Bluthochdruck ist regelmäßig, d.h. täglich.
Empfundene Nebenwirkungen:
Zu Beginn Kopfschmerzen (nur einige Tage), manchmal Schwindel bei Übergang von Ruhe in Bewegung, Gewichtszunahme aufgrund des verminderten Stoffwechsels.
Wenn Du selbst keinen Bluthochdruck hast und BB gezielt einmalig zur Vorbeugung gegen die Angst bei z.B. Vortragssituationen einnehmen willst, gehe bitte vorher zum Arzt DEINES VERTRAUENS (ich betone das, weil einige Ärzte Null Verständnis für Dein Anliegen haben). Denn vor der Einnahme von BB solltest Du körperlich einige Voraussetzungen erfüllen: Z.B. ist Dein Ruhepuls bereits unter 50 Schlägen/ Minute wird der Blocker ihn weiter senken. Oder hast Du bereits zu niedrigen Blutdruck, geht er vielleicht noch weiter runter.
Wenn der Arzt Dir grünes Licht gibt, dann teste die Einnahme vorher.Es ist wichtig für Dich zu wissen wie Du reagierst und wie Du empfindest und um ein Gefühl für dieses Medikament zu kriegen.

Ich glaube, das war mal wieder ein halber Roman. Ich hoffe, ich konnte Dir, liebe Violine, ein wenig weiter helfen und Dir vielleicht ein wenig Mut machen. Es würde mich sehr freuen. Wenn Dir noch was unter den Nägeln brennt, dann schreib einfach. Ich will gern antworten.
Ich wünsch Dir alles Gute

Marathon

Danke1xDanke


  26.02.2007 14:28  
Hallo Marathon,

deine Mitteilung ist so ausführlich, daraus kann ich
wirklich viel für mich entnehmen. Werde mich direkt
zu einem speziellen VHS-Kurs anmelden, mir ist zwar
jetzt schon unwohl bei dem Gedanken, aber es muss
wohl sein. Wie beneide ich diese Menschen, die sich
permanent zu Wort melden und ohne jede Schwierigkeit
reden können!
Melde mich wieder, wenn ich Neues berichten kann.

Alles Gute auch für dich!
Violinengruß

Danke1xDanke


  03.03.2007 23:22  
Hallo zusammen, hallo janosch, hallo marathon,

ich kenne die Situationen und die Erlebnisse auch sehr genau. Bei mir hat es damals in der Schule angefangen. Es war im Geschichtsunterricht, als mich meine Lehrerin aufrief und mich bat, eine Textpassage vorzulesen. Urplötzlich entwickelte sich in mir ein panikartiges Gefühl: mein Herz fing rasend schnell an zu klopfen, ich bekam schwitzige Hände, meine Kehle war wie zugeschnürt und meine Stimme zitterte heftig. Die ersten Sätze schaffte ich noch, dann war es vorbei.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich damit überhaupt keine Probleme, es war mir ein Leichtes vorzulesen und konnte auch vor der KLasse reden.
Seit diesem Erlebnis war die Angst mein ständiger Begleiter, sobald ich wieder in der Situtation war, etwas vor der Klasse vorzulesen und ein Referat zu halten. Auch Diskussionsrunden, wo einer nach dem anderen etwas sagen mußte waren für mich ein Alptraum.

Gleichzeitig hat mich diese Phänomen der sozialen Angst, so wird ja das Gefühl von Lampenfieber und extremer Nervosität bis hin zu Panikgefühlen offiziell bezeichnet, sehr fasziniert.

Nach meinem Abitur fing ich an, Psychologie zu studieren, um mehr über mich und meine Problematik zu erfahren. In dieser Zeit und natürlich auch davor habe ich aktiv versucht, die Angst in Situationen wie: Referat halten, allgemeines öffentliches Reden etc. zu überwinden bzw. einen Weg zu finden, um mit dieser Angst konstruktiv umzugehen.

Während meines Studiums habe ich schnell festgestellt, dass das Phänomen der sozialen Angst oder auch Sozialen Phobie die dritthäufigste psychische Problematik ist und die häufigste Angsterkrankung. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass ca. 6 Millionen Menschen unter extremen Ängst sozialen Ängsten leiden. Und das Tragische ist, das diese zugrunde liegende soziale Angst nur bei jedem zweiten vom Arzt bzw. Therapeuten erkannt wird und nur jeder zehnte wird optimal therapiert.

Tatsächlich gib es sehr gute therapeutische Ansätze, mit denen ich mich sehr intensiv auseinandergesetzt habe während meines Hauptstudiums im Fach Klinische Psychologie. Mir liegt es sehr am Herzen so viele Informationen wie möglich an ebenfalls Betroffene weiterzugeben, die häufig nicht einmal wissen, dass es soetwas wie die Soziale Phobie oder soziale Angststörung überhaupt gibt und dass es Techniken gibt, diese Ängst zu überwinden.

Erst kürzlich habe ich ein privates Weblog ins Leben gerufen, um auf diesem Wege möglichst viele Menschen zu ereichen und sie in Form von regelmäßigen wissenschaftlich fundierten Beiträgen rund um das Phänomen der sozialen Angst zu informieren. Jeder der Lust hat, ist herzlich willkommen auf meiner Seite vorbeizuschauen.

Das Wichtigste aus meiner Sicht ist, nie aufzugeben, immer am Ball zu bleiben, und jede "soziale" Herausforderung anzunehmen. Dabei sollte man sich jedoch nie überfordern, sondern sich Schritt für Schritt den angstbesetzten Situationen aussetzen. Hier ist es sehr hilfreich, sich genau zu überlegen, wovor man sich eigentlich am meisten fürchtet und wovor weniger: Erstellung einer Angsthierachie. Von besonderer Bedeutung sind auch die Symptome bzw. die körperlichen Reaktionen wie "Erröten, Zittern etc.", die einem als Betoffenen zu schaffen machen. Auf keinen Fall ist es angebracht die Symptome krampfhaft zu unterdrücken und zu kontrollieren. Studien haben gezeigt, dass diese Sicherheitsstrategien den gegenteiligen Effekt bewirken. Die Angst nimmt dann nämlich zu. Zuerst geht es darum die leichten Situationen aufzusuchen, und dort das bewußte Zulassen der Symptome zu trainieren. Grundlage dieser Vorgehensweise ist die kognitive Verhaltenstherapie nach Clark und Wells. Mehr könnt ihr auch auf meiner Homepage sehen.

Danke1xDanke


  04.03.2007 09:24  
Hallo Go,

Wenn ich Deine Zeilen lese, muss ich an den denkenswerten Leitsatz von "Violine" denken. Du hattest den Mut, die Herausforderung und den Kampf anzunehmen.
Dass Du Dich mit Deinen Problemen so intensiv konfrontiert, es sozusagen bis in seine Grundbestandteile durch ein Studium analysierst, halte ich für ausserordentlich.
Bist Du eigentlich von Deinen Ängsten befreit oder schlummern sie in Dir, weil Du Sie in ewigen Winterschlaf versetzt hast?

Ich werde Deine (?) Homepage noch heute besuchen und hoffe, dass andere Besucher des Forums es ebenfalls tun werden.

Viele Grüße

Marathon

Danke1xDanke


  20.04.2007 23:32  
Hallo,

nahezu alle Beiträge, die ich auf dieser Seite gelesen habe sprechen mir absolut aus der Seele.
Als Leidensgenosse habe ich viel zu diesem Thema im Internet recherschiert und mir sogar ein Buch über "soziale Phobie" gekauft.
Oft wird meines Erachtens die Redeangst in einer sehr allgemeinen und auch sehr medizinischen Form diskutiert.
Es ist unter dem Begriff der "sozialen Phobie" die Rede von Angst zu Essen vor anderen Menschen, Angst Parties
oder Einladungen wahrzunhemen, Angst soziale Kontakte zu knüpfen, das alles trifft bei mir nicht wirklich zu.
Ich habe z.B. keine Angst Leute zu treffen, mich bei Fremden Menschen vorzustellen oder eine interessante Unterhaltung
zu führen, solange ich mich in einer Dialogsituation befinde, d.h. auch eine direkte Reaktion meines Gegenübers zu erfahren.
Ich stelle z.B. fest, dass viele Menschen mich genau als Gegenteil von dem beurteilen, wie ich mich eigentlich
selbst fühle (Selbstbild ungleich Fremdbild).
In der medizinischen Herangehensweise wird oft beschrieben, dass die Redeangst als "soziale Phobie" nie allein
daher kommt, sondern oft von anderen Symtomen begleitet wird. (Depression, Isolation, etc.)
Mich würde interssieren, ob das bei euch z.B. auch der Fall ist.

Was mir wirklich fürchterliche Angst bereitet, ist das Vortragen von Inhalten (Voträgen, Präsentationen oder längere
Redebeiträgen in Meetings) vor einer grösseren Menschenmenge, die von mir die Überbringung von Inhalten abverlangt,
nach denen nicht konkret gefragt wurde. Ich bin mir schon lange darüber im Klaren, dass es nicht zu meinen
großen Stärken gehört, öffentlich zu Reden oder mich in den Mittelpunkt zu stellen, habe das aber nie wirklich
als großes Problem empfunden - sowohl in der Schule wie auch im Studium - habe ich mich davor immer gedrückt und bin
auch nie wirklich dazu gewzungen worden.
Im späteren Berufsleben muss ich jedoch feststellen, dass mir die Redeangst erhebliche Probleme bereitet - zugegeben:
natürlich wird man sich auch hier einige Zeit überbrücken können, es behindert aber auf jeden Fall die berufliche Karriere.

Am aller Schlimmsten empfinde ich das Gefühl, das es bei mir von Meeting zu Meeting schlimmer statt besser wird,
jeder der mit normalen Lampenfieber zu kämpfen hat, beteuert: "Ach, das wird von Mal zu Mal besser ... das muss man eben ein paar mal gemacht haben!". NEIN, eben nicht - bei mir das genaue Genegenteil. Das finale Schlüsselerlebnis
hatte ich erst kürzlich in einer wirklichen sehr lockeren Runde von 5-6 Kollegen, die ich großenteils sogar
sehr gut kenne. Ich war an der Reihe, mit einem kurzen Beitrag über meine Arbeit zu berichten. Der erste Satz kam schon ins
stocken, danach war einfach nur noch verwirrtes Gestammel aus meinem Mund zu hören - diese Peinleichkeit habe
ich wirklich so schnell nicht verkraftet. Seit dem passiert es mir sogar, dass die von mir zuvor geschilderte Sicherheit
in Dialogsitutaionen auch nicht mehr zu 100% gegeben ist - Teilweise werde ich sogar hier nervös.

Das grosse Problem ist, dass ich eigentlich ganz gut mit Ängsten umgehen kann. ich habe z.B. große Flugangst, muss
aber beruflich viel Fliegen.
Insbesondere pulsiert mein Herz beim Start der Maschine im gleichen Maße, wie es beim Halten einer Präsentaion
oder eines Redebeitrags der Fall wäre. Es macht mir aber nichts aus, da ich diese Angst durchaus ertragen kann, es bekommt
weder jemand anderes mit, noch würde es mir etwas ausmachen wenn jemand es täte - ich würde sagen: "Naja ich habe
eben Flugangst". Ich denke der grosse Unterschied liegt daran, dass man es irgendwie begründen kann, diese Angst
ist einigermaßen rational. Viele Menschen leiden unter Flugangst und wird von der Allgemeinheit als eine
mögliche Angst anerkannt. Die Redeangst wird von den Betroffenen (jedenfalls von mir) als vollkommen irrational
beurteilt. Angst? Vor was? vor wem? Ich soll doch nur kurz in einigen Stichpunkten die Wesentlichen Bestandteile
meiner Arbeit kommunizieren.

Anfangs habe ich den grossen Fehler gemacht, mir Rhetorikbücher zu kaufen, weil ich dachte ich könnte durch
ausgepfeilte rhetortische Fähigkeiten, mein Problem der Redeangst bekämpfen. Allerdings hat sich eigentlich
genau das Gegenteil eingtestellt: Sätze wie - "sie müssen durch Ihre Rede überzeugen" - "auf Ihre Körpersprache
achten", "Ihre Körpersprache macht ca. 70% des Gesamteindrucks aus" haben mir wirklich nicht geholfen. Ich könnte
durchaus damit leben, das meine Präsentation oder mein Vortag als langweilig empfunden wird, sofern ich ihn nur
halbwegs angstfrei überstehe.

Mir ist nicht klar, wie ich dieser Angst begegnen kann - Therapie, Mediakamente?
Was wird der erste Schritt sein - der Hausarzt? Direkt zum Therapeuten? Wird so etwas von der KK bezahlt?
Wenn Therapeut: wie mache ich den richtigen ausfindig?

Würde mich über Feedback oder weitere Beiträge freuen!

Viele Grüße

Danke1xDanke



  21.04.2007 03:34  
Hallo Gast,

Ich möchte mal auf Deine ersten beiden Absätze eingehen, da ich diese für sehr interessant halte. Du schreibst nämlich, dass Du in einem offenen Dialog keine oder kaum Ängste verspürst. In Meetings dagegen sehr große.
Ich vermute, Deine Situation in Meetings sieht folgendermassen aus: Erst trägt der Chef seine Punkte vor und dann gibt es die Beitragsrunde der einzelnen Meetingteilnehmer. Während nun die Einzelvorträge kommen und man bald selbst an der Reihe ist, wird die Panik immer größer. Das Herz schlägt wie verrückt, da man gleich selbst das Wort ergreifen muss. Am liebsten würde man aus dem Raum rennen oder wortlos an den nächsten übergeben wollen. Diese Angst, gleich im Mittelpunkt zu stehen, ist unerträglich und man beachtet kaum noch die Redebeiträge anderer sondern ist voll und ganz auf seine Ängste isoliert. Vielleicht verläuft es so bei Dir. Bei mir zumindest ist es so.
Bemerkenswert war allerdings einmal, dass wenn ich den Ball erst ins Feld der anderen spielte und dann den Return erhalte, es mir leichter fällt das Spiel aufzunehmen, weil ich mich dann in einer Art "offenen Dialog" befinde.
Ich will es an Beispielen erläutern, die ich selbst erlebt habe. Ich muss regelmässig wie Du auf diese Meetings. Als ich meinen Redebeitrag hatte, eröffnete ich mit einer kurzen Frage an meinen chef ob ihm meine Präsentation gefallen hat, die ich ihm vor einigen Tagen übersandt habe (Ball gespielt). Er antwortete mir (Return) und ich stellte noch ein paar Verständnisfragen dazu und das Spiel war eröffnet. Ich war in einen offenen Dialog geraten und meine Angst war an diesem Tag wie weggeblasen. Die anderen Punkte, die ich vorzutragen hatte, gingen locker über meine Lippen.
Ähnliches tat ich als ich einen Vortag vor größer Zuhörerschaft zu halten hatte. Ich war vom Lampenfieber geplagt und leider war ich erst am Nachmittag an der Reihe. Der Tag war grausig. Als ich nun vor der Front stand, eröffnete ich meinen Vortrag, indem ich das Publikum befragte, ob es xyz kenne, welches Bestandteil meines Vortrags sei (Aufschlag). Der eine oder andere gab kurz eine Antwort ab (Return). Ich ging auch kurz auf die Antworten des Publikums ein (offener Dialog) und wechselte dann fließend zu meinem Vortrag, der dann großartig klappte. Rhetorisch war das nicht unbedingt die beste Lösung aber dieser Brückenschlag war meine Rettung.
Leider ist diese Art der Angstbewältigung nicht immer möglich. So war ich vor kurzem auf einer einstündigen Schulung für ein bestimmtes IT-Tool. Doch bevor wir anfingen, wollte der Coach kurz von jedem von uns eine kurze persönlich Vorstellung hören und warum wir diese Schulung brauchen. In mir breitete sich sofort eine Höllenpanik aus und mein Herz schlug bis zum Hals, so dass ich lediglich meinen Namen und meine Abteilung über die Lippen gekriegt habe.

Mich würde dennoch interessieren, ob diese Methode auch bei Dir oder anderen Redeangstgeplagten klappt. Denn es ist in einfachen Worten ein Umschiffen der ersten großen Angstwelle, um dann in ruhigeres Fahrwasser zu gelangen.

Grüße

Danke1xDanke


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  21.04.2007 23:37  
Hallo marathon und auch alle anderen, die hier Beiträge geschrieben haben,

ich wusste gar nicht, dass es doch so viele Menschen gibt, die unter diesem grausamen Gefühlstohuwabu leiden!
Das tut richtig gut zu lesen, dass ich nicht allein bin.
Kurz zu mir: ich bin 32, sozialpädagogin und seit kurzem in der Erwachsenenbildung tätig.

Mit diesem "return" habe auch ich positive Erfahrungen gemacht und ich glaube das kommt daher, dass mich eine Gegenfrage (bzw. eine Antwort des anderen) aus dem Gefühlszirkel in mir herausreißt. Wenn mir also jemand etwas sagt oder mich fragt, habe ich schlicht und ergreifend keine Zeit über meine Angst nachzudenken. Dadurch habe ich genau wie Du die Erfahrung gemacht, dass sich das Blatt zum Guten wenden kann.
Tja, diese verflixte Angst! Die kostet so verdammt viel Energie!!
Bei mir ist es so, dass ich umso mehr Angst habe, je höher meine Erwartungen an mich sind oder auch je selbstverständlicher eine bestimmte Leistung von mir gefordert wird.
Bei einem Beitrag in einer Runde z.B. habe ich meistens noch genug Zeit, mir darüber Gedanken zu machen, was denn jetzt "meiner Qualifikation,meinem Alter und meiner Position angemessen" sein müsste. Und das ist dann auch das Ende...
Genau wie Du beschrieben hast, kann ich gerade noch meinen Namen und den Betrieb "rausquetschen" und fummele an meinem Ohrring herum oder blicke unruhig durch die Runde.

Prüfe Dich doch mal, wie es zum Beispiel in einer Runde von Sozialphobikern wäre. Hättest Du da auch Angst? Oder würdest Du Dich innerlich entspannen und würdest denken: "hier ist es ja nicht so wichtig - hier sind ja alle so..."
Das wäre ein Indiz dafür, dass die Angst eigentlich nur mit Leistungserwartungen an sich selbst zu tun hat.

Ich bin selbst ganz dringend auf der Suche nach Hilfe, denn ich habe in 2 Wochen eine gruppe von Frauen auf eine Umschulung vorzubereiten. Gerne würde ich auch eine Selbsthilfegruppe gründen. Auch habe ich von einer neuartigen Therapieform gehört (Gruppentherapie auf Verhaltensth-Grundlage)ATP - Assertiveness-Trainings-Programm. Aber ich muss noch ausfindig machen, wo und ob es das überhaupt in Hannover gibt.

Von Medikamenten halte ich gar nichts, obwohl ich auch eine ganze Zeit lang immer eine Valium in der Tasche hatte. Ich glaube, es ist ein Konflikt, den man mit sich selbst lösen muss.
Irgendwo habe ich auch gelesen, dass es nicht wichtig ist mit Rhetorikkursen zum perfekten Redner zu werden. Das sei sogar eigentlich (außer dem kurzen Erfolg durch die Übung) kontraproduktiv!! Denn dadurch werde der Anspruch an sich selbst in bezug auf das Gesagte nur schlimmer. Eigentlich muss man üben, bewusst Fehler zu machen und die eigenen Fehler auszuhalten. Als eine Übung dieses ATP-Programms (die sich für den anfang eignet) wurde z.B. gesagt, man solle mit lauter kräftiger Stimme auf ein Tonband sprechen und ganz viele Fehler einbauen. Anschließend anhören und anhören und aushalten!

Ich würde mich riesig über eine Antwort freuen.
Diese schei. muss man doch irgendwie entkräften können!
Oder??

Danke1xDanke


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  21.04.2007 23:49  
Nochmal an Marathon,

mir ist an Deinem Text noch aufgefallen, dass Du Deine Lösung mit Ball zuspielen und Return nicht optimal findest.
Aber es hat doch TROTZ der Angst anschließend super geklappt!

Vielleicht hast Du ja so einen extrem hohen Anspruch an Dich, dass Du meinst, Du müsstest das "locker aus dem Ärmel schütteln können".

Ich finde Deine Lösung genial!
Du hattest Deine Angst zumindest noch so unter Kontrolle, dass Du Dir einen funktionierenden alternativen Einstieg bereiten konntest!!
Vielleicht finden viele Zuhörer so einen Einstieg auch viel angenehmer! Erstmal locker ein paar Fragen stellen, ein bisschen hin und her. Anstatt aalglatt sein Programm abzuspulen.

Viele Grüße
foxy

Danke1xDanke


  23.04.2007 22:21  
Hallo Foxy,

Danke für Deinen Zuspruch. Ich erkenne in Deinen Zeilen sehr vieles was auch mir ständig durch den Kopf geht. Und mit Sicherheit denkt ein großer Teil dieses Forums ebenso.

Wie Du dachte ich über die Gründung einer Selbsthilfegruppe nach, in der man offen über seine Ängste reden kann, vielleicht auch Vorträge üben kann und lernt seine Fehler zu akzeptieren, ja vielleicht lernt über seine eigenen Fehler zu lachen. Leider komme ich aus Hamburg, sonst hättest Du Dein erstes Mitglied

Wie groß ist denn die Gruppe, die Du zu unterrichten hast? Sollst Du dort Vorträge halten oder den Unterricht wie einen klassichen Unterricht gestalten?
Es gibt ja eine Menge Tips aus den Rhetorikbüchern. Z.B. sollte man sein Outfit so wählen, dass man sich darin wohl fühlt allerdings dennoch gepflegt in Erschinung tritt. Das schafft eine äußere Sicherheit.
Weiterhin würde ich Dir empfehlen sich intensiv auf den Unterricht vorzubereiten. Klingt vielleicht ein bisschen martialisch, doch Du wirst sicherer, wenn Du Deinen Stoff beherrscht und alle Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Unterrichtsverlaufs berücksichtigst.
Das mit dem Tonband halte ich für eine glänzende Idee. Doch warum nicht gleich eine Videokamera? Das wird am Anfang total peinlich, wenn Du Dich auf dem Bildschirm siehst und hörst. Doch warum ist es eigentlich peinlich?

Ich kann ein wenig mit Dir fühlen und wünsche Dir alles Gute und hoffentlich nicht jetzt schon schlaflose Nächte. Gern würde ich von Dir lesen wie es so läuft bzw. gelaufen ist.

Viele Grüße

Marathon

Danke1xDanke


  26.04.2007 12:12  
Hallo Ihr lieben!

Ich hatte das Glück meine Redeangst regelrecht wegtrainieren zu können. Im September 03 wurde ich in den Kirchenvorstand unserer Gemeinde nachberufen weil eine ältere Dame ausschied. Als Kirchenvorsteher muß ich 1-2 mal im Monat Dienst machen, d.h. außer der Kollekteneinsammlung müssen wir auch die Epistel oder das Evangelium lesen. Am Anfang hatte ich große Bedenken und regelrecht Angst vor dem Dienst bzw. lesen. Mittlerweile stört es mich nicht mehr das ca. 40-50 Menschen am Heiligabend ca. 100 Menschen in den Bankreihen sitzen und mir lauschen. Ich sehe die Gemeinde gar nicht mehr beim lesen, sondern nur noch den Text vor mir.

Ich für mich kann sagen: Durch Gewohnheit oder Training habe ich es geschafft und das macht mich stolz.

Danke1xDanke

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