Pfeil rechts

Hallo alle zusammen :)

Also ich bin 17 Jahre alt, weiblich, gehe ans Gymnasium und habe ein schreckliches, schreckliches Problem: ich habe so grosse Angst vor der Klasse zu stehen oder überhaupt irgendetwas zu sagen im Unterricht. Es gab schon so viele Momente, wo ich als Einzige die Antwort auf eine Frage gewusst hätte, mich aber nicht getraut habe aufzustrecken.

Und nun hab ich am Montag einen Vortrag vor der ganzen Klasse! Es ist so extrem, dass ich heute sogar Alpträume hatte, in einem langen, dunklen Rohr festzustecken und keine Luft mehr zu bekommen, wie lebendig in einem engen Sarg zu liegen. Dann bin ich schweissgebadet aufgewacht, als hätte ich einen Marathon hinter mir... Ich denke an diesen Vortrag seit dem Sommer, jeden Tag wenn ich aufwache, ist das mein erster Gedanke. Und nun ist es so weit, ich weiss einfach nicht was ich tun soll :( Sogar wenn ich zu Hause "übe", wird mir schlecht, dass ich fast erbrechen muss, ich zittere und schwitze schon den ganzen Tag. Und die Motivation, es zu üben hab ich auch nicht, weil es so schwierig und unangenehm ist.

Kann mir jemand helfen? Was soll ich jetzt tun? Ich brauche wirklich Hilfe :((

Vielen Dank

18.12.2010 18:19 • 02.10.2017 #1


13 Antworten ↓


Hallo und willkommen Philas

Diese Redeangst haben sehr viele Menschen.

Da hilft eigentlich nur es einfach zu machen, üben und konfrontieren bis die Ängste nachlassen.

Selbst Leute die beruflich vor Menschengruppen Reden müssen, sind oft nicht frei von dieser Angst.
Es gibt daher für diese Berufsgruppen sogar extra Seminare.

Viel Glück und viele Grüsse, der Beobachter

18.12.2010 18:48 • #2



Panik wegen Vortrag/Referat/Rede

x 3


Hallo Philas,

diese Erfahrung einer derjenigen die ich zugut kenne. Dazu möchte ich nur sagen. Man sieht Gefahr wo keine ist!

Zu allererst. Wovor hast du genau angst. Ist es was die anderen denken könnten?

Hattst du schon mal solch eine Erfahrung gemacht, wo diese Reaktion hervorgerufen wurde? Wenn ja was für Personen/Charaktere waren es? Oder hast du es von anderen gehört?

18.12.2010 18:48 • #3


Ich denke, ich habe einfach schreckliche Angst vor den Momenten, in denen mein Herz so rast, mein Hals zugeschnürt ist und ich dabei keine Luft bekomme und mir in diesem schlimmen Augenblick die ganze Klasse zusieht. Ich fühle mich richtig blossgestellt, wenn ich da vorne stehe und alle auf meine zitternden Beine und meine nasse Stirn schauen, und sehen, wie nervös ich bin. Ich kann auch meinen Kopf nicht mehr bewegen, da der ganze Nacken verspannt. Ich denke dann ständig "Oh mein Gott, jetzt sind alle Augen auf mich gerichtet und sehen, wie ängstlich ich bin. Die müssen mich für verrückt halten!" Ich befürchte vor allem, dass sie nichts mehr mit mir zu tun haben wollen, weil ich so unsicher bin. Es war schon mehrmals so, dass manche aus meiner Klasse ungewollt lachen mussten, wenn ich vorne stand und mit wimmernder Stimme erzählte und dabei den Kopf komisch bewegte. Einmal sagte einer "Wieso steht sie so komisch da vorne?" Mensch, das hat mich so tief verletzt, dass ich jetzt immernoch deswegen heulen muss. Das Problem ist einfach, dass niemand aus meiner Klasse solche Probleme hat und alle ohne Probleme erzählen können. Einmal sagte eine aus der Klasse sogar, sie müsse gar nicht mehr vor den Vorträgen üben, das könne sowieso jeder. Daraufhin ging ich auf die Toilette und heulte wie ein Baby. Ich war noch nie so neidisch wie damals und eigentlich immernoch... Entschuldigung, dass ich hier so viel schreibe, ich habe versucht mit meiner Familie darüber zu sprechen, doch die verstehen mich einfach nicht. Meine Mutter kommt immer wieder mit ihren "heilenden Steinen" und mein Bruder kann mich schon gar nicht verstehen, denn er hatte in Vorträgen bisher immer eine 1... :S

18.12.2010 20:25 • #4


Oha, da geht schon einiges in dir vor.

Zu dem Satz:

Einmal sagte einer "Wieso steht sie so komisch da vorne?"

Wenn ich das mal aus einer anderen Sicht betrachte, fragt er sich das nur weil er es nicht versteht. Das hatte nichts mit dir zu tun und da kannst du dir sicher sein!

Hast du dich denn schon mal gefragt warum die wenn überhaupt schlecht denken können, was gar nicht der Fall ist?

Eine ganz sachliche Antwort habe ich parat. Jeder Mensch denkt anders. Und warum? Weil jeder Mensch ganz andere Erfahrungen macht.

Wenn jemand ein Kommentar abgibt, dann hat es einfach nichts mit dir persönlich zu tun.

Müssen dich denn alle mögen? Was hast du davon (abgesehen von einem guten Gefühl)?
Musst du Perfekt sein? Nein!

Sei so wie du bist. Du führst schließlich dein eigenes Leben und da sollte dir im großen und ganzen die Meinung anderer nicht soooo wichtig sein.
Wenn du dich verstellst damit dich die anderen mögen, dann bist das nicht mehr du.

Und selbst wenn andere lachen müssen. Sie lachen nicht über dich, sie lachen nur weil sie denken das es so ist. Aber es ist nicht so.

Zur Angst kann ich das so sagen. Die Sypthome die du geschildert hast, weisen darauf z.B. die Starre, das Schwitzen etc., das dein Körper versucht zu verhindern dich so zu zeigen wie du bist. Das nennt man "Sicherheitsverhalten". Durch Erfahrungen die du gesammelt hast, meint dein Körper, das in diesen Situationen Gefahr besteht, wo eigentlich aber keine ist. Und wenn du weißt, das wenn das Herz z.B. rast, das die Angst dann kommt und du dich darauf konzentrierst, wird die Angst umso stärker.

Hast du es denn schon mal versucht deine Aufmerksamkeit von deinem Körper wegzulenken?

Achja und vergleiche dich nie mit anderen. Das kann man nicht, weil einfach jeder anders ist und andere Vorraussetzungen hat. Wir sind ca. 7 Mrd einzelne Menschen auf der Welt.

19.12.2010 01:02 • #5


Ach ja.

Entschuldigen brauchst du dich schon mal gar nicht. Es ist doch positiv zu sehen das du schon viel erkannt hast und rat suchst bzw.von deinen Problemen erzählst. Denn nur so kann man dir auch helfen.

Das war der erste Schritt auf den Weg zur Besserung!!

19.12.2010 01:10 • #6


Hallo Philas,

die Reaktionen der anderen, die Du teilweise erlebt hast, einfach zum Kotzen, mehr kann man dazu nicht sagen. Ich kenne diese Angst auch, hab Höhen und Tiefen erlebt, was den Umgang damit betrifft. Eigentlich fällt mir dazu nur ein, dass Du es schrittweise angehen könntest. Erstmal versuchen, Sicherheit zu gewinnen, indem Du versuchst, Fragen im Unterricht zu beantworten. Wenn Du Dich halbwegs sicher dabei fühlst, die Sache mit den Vorträgen angehen.

Normalerweise soll man sich Ängsten bekanntlich ja stellen, aber ich habe den Eindruck, Du machst Dir ungeheuren Druck, den Vortrag unbedingt halten zu müssen. Bei mir hat es schon oft Nachteile gehabt, wenn ich dem Druck, irgendwas zu tun, einfach nachgegeben habe. Wenn Du im Moment (nicht auf Dauer!) nicht in der Lage bist, das Referat zu halten, dann geht es halt nicht, Du könntest Dir ein Attest besorgen. Wenn Du es noch nicht mit Therapie probiert hast, würde ich das mal versuchen.

Grüße

pc

19.12.2010 14:23 • #7


Zitat von panicchief:
Hallo Philas,

die Reaktionen der anderen, die Du teilweise erlebt hast, einfach zum Kotzen, mehr kann man dazu nicht sagen.

pc


Ich interpretiere es ein bisschen anders. Klar ist es nicht schön das diese Menchen so etwas machen. Ich glaube, das diese Menschen nicht wissen was sie eigentlich tun.

Um diese Menschen zu verstehen, muss man herrausfinden, was sie in der Vergangenheit erlebten und wie sich dadurch ihre Wahrnehmung gefestigt hat. Ers wenn man weiß, "warum" die Menschen tun was sie tun, dann kann man erst ein Urteil bilden. Vielleicht stehen sie unter Druck und wollen dazugehören und desswegen machen sie so etwas. Und es gibt sicher noch viele ander Möglichkeiten.

Das soll jetzt nicht bedeuten das ich diese Menschen in Schutz nehme. Nur es gibt immer mehrere Seiten an einer Geschichte und man muss um die Wahrheit herrauszufinden, alles bis zum Ursprung zurückverfolgen.

Genau so ist es mit der Angst. Wann ist sie das erste mal aufgetreten und warum. Was war das Schlüsselerlebnis. Wie habe ich dieses Schlüsselerlebnis wahrgenommen und warum habe ich diese Situation wahrgenommen. Was habe ich falsch gedacht? Wie hätte ich richtig denken können/sollen.

Dazu noch Vergangenheit ist Vergangenheit und hat nichts mit der Gegenwart zu tun. In der Vergangenheit hat man es so und so wahrgenommen und daraus hat sich diese und diese Wahrnehmung entwickelt.

Und das heute ist heute. Andere Bedingungen, andere Menschen, anderer Ort usw.

usw.

19.12.2010 20:04 • #8


Ich danke euch so sehr für eure Antworten! Es bedeutet mir wirklich sehr viel, dass ihr euch damit beschäftigt und euch die Mühe macht. Als ich eure Antworten gelesen habe, ging endlich mal dieser ganze Druck weg. Ich habe jetzt irgendwie ein richtig starkes Gefühl, dass ich stolz auf mich sein kann, es wenigstens zu versuchen! Ich kenne genug Leute, die z.B. vor Hunden flüchten, weil sie Angst vor ihnen haben; da freue ich mich jetzt richtig drauf, meine Angst entschieden herauszufordern.

20.12.2010 00:32 • #9


Hallo Philas,

ich habe auch das Problem vor anderen zu reden oder zu lesen...

Jetzt geht es mir so:

Ich habe ein Buch veröffentlicht und muss demnächst Lesungen abhalten. Meine Ängste habe ich mittlerweile unter Kontrolle, nur diese Angst vor dem Lesen lässt mich fast erstarren...

Ich bin ansonsten ein sehr aufgeschlossener und redegewandter Mensch und auch offen. Aber dieses Lesen....?? Alles ist still und konzentriert sich auf mich... Puuuuuhhhh.... Aber, da muss ich auch wieder durch... Hilft alles nichts.

Ich wollte damit nur andeuten, dass Du nicht allein mit Deiner Angst bist... Ich denke auch, dass man sich für nichts schämen muss....

Liebe Grüße

Marie

06.02.2011 16:44 • #10


Hallo Philas

Ich habe auch Angst, Vortrage zu halten oder frei zu reden. Je mehr du das machst, desto einfacher ist es. Nimm so oft am Unterricht teil, wie es geht. Gib alle Informationen, die du weisst. Auch wenn es peinlich ist. Und beim Vortragen, trage es vor deinen Eltern vor und dann vor deinen Freunden. Übe es einfacher, vor so viele Leute und ich hatte manchmal auch Black Outs. Am Anfang hatte ich sehr grosse Probleme, etwas vorzutragen, ich konnte den Anfang meist nicht und brauchte wirklich sehr lange und je mehr wir Vorträge, Dialoge gemacht haben, desto besser wurde ich. Am Montag hatte ich einen Vortrag. Ich war halt ein bisschen zu schnell, aber laut und deutlich und musste nur zweimal stottern. Das wird schon. Übe es immer mehr vor Leuten Vorträge zu halten.

Mlg Divya

09.02.2011 22:49 • #11


Hallo an alle,

für alle aus dem Raum Stuttgart, es findet alle zwei Wochen eine Selbsthilfegruppe speziell zu Rede- und Vortragsangst statt, und zwar in geraden Kalenderwochen mittwochs um 19:45 Uhr bei KISS Stuttgart, Tübinger Str. 15 in 70178 Stuttgart. Wir freuen uns immer über neue und alte Gesichter! Es geht weniger darum, über unsere Ängste zu reden (machen wir aber natürlich nebenbei auch mal), sondern hauptsächlich darum, uns mit konkreten Übungen zu verbessern. Die meisten Übungen dauern ca. 1-2 Minuten, bei denen jeder, der möchte, zu beliebigen Begriffen kurz etwas sagt, Pro- und Kontra argumentiert, vorliest, Witze nacherzählt, beliebige PPT Slides kommentiert, etwas über sich selbst/seine Arbeit/oder ein anderes beliebiges Thema erzählt. Wer nicht möchte oder vor der Zeit fertig ist, das ist überhaupt kein Problem, das geht selbst den geübtesten unter uns noch ab und zu so! Wer möchte, kann bei Bedarf auch seine (kurzen, ca. 5 Minuten) Vorträge in der Gruppe üben.

Alle, die nicht aus Stuttgart kommen, möchten wir dazu anregen, auch an anderen Orten Selbsthilfegruppen speziell zum Thema Rede- und Vortragsangst zu gründen, denn immerhin scheint es die am weitesten verbreitete Phobie zu sein! Da sie zu den Sozialen Phobien gezählt wird, sind wir auch beim Bundesverband der Selbsthilfe Soziale Phobie aufgeführt: https://www.vssp.de/selbsthilfegruppen-verzeichnis-bund​​. Dort könnt ihr auch Unterstützung bekommen, wenn ihr bei euch eine neue Gruppe gründen möchtet (info@vssp.de).

07.08.2017 00:16 • #12


moonlight-lake
Zitat von Philas:
Hallo alle zusammen

Also ich bin 17 Jahre alt, weiblich, gehe ans Gymnasium und habe ein schreckliches, schreckliches Problem: ich habe so grosse Angst vor der Klasse zu stehen oder überhaupt irgendetwas zu sagen im Unterricht. Es gab schon so viele Momente, wo ich als Einzige die Antwort auf eine Frage gewusst hätte, mich aber nicht getraut habe aufzustrecken.

Und nun hab ich am Montag einen Vortrag vor der ganzen Klasse! Es ist so extrem, dass ich heute sogar Alpträume hatte, in einem langen, dunklen Rohr festzustecken und keine Luft mehr zu bekommen, wie lebendig in einem engen Sarg zu liegen. Dann bin ich schweissgebadet aufgewacht, als hätte ich einen Marathon hinter mir... Ich denke an diesen Vortrag seit dem Sommer, jeden Tag wenn ich aufwache, ist das mein erster Gedanke. Und nun ist es so weit, ich weiss einfach nicht was ich tun soll Sogar wenn ich zu Hause "übe", wird mir schlecht, dass ich fast erbrechen muss, ich zittere und schwitze schon den ganzen Tag. Und die Motivation, es zu üben hab ich auch nicht, weil es so schwierig und unangenehm ist.

Kann mir jemand helfen? Was soll ich jetzt tun? Ich brauche wirklich Hilfe (

Vielen Dank


Das gleiche Problem hatte ich in der Schule auch. Auch jetzt noch aber ich kann dir sagen, wenn man wirklich ahnung von nem Thema hat dann gehts leichter. Ich bin zwar extrem schüchtern und zurückhaltend aber bei Klausurvorbereitungen oder Seminaren bin ich der, der am meisten redet. Einfach weil ich mich damit auskenne und sicher bin, dass das was ich sage stimmt.

28.09.2017 22:41 • #13


Knauf94
Bei solchen Dingen bleibt einem meist nur die Flucht nach vorne. Nach den ersten 2-3 Sätzen wird das dann schon einfacher. Wenn du den Vortrag am Ende durchgedrückt hast, du dich wieder setzen darfst und aus dem Fokus der Klasse rückst hast du dann als Belohnung ein tolles Gefühl der Erleichterung. Zumindestens war das immer bei mir so.

MfG.

02.10.2017 01:19 • #14



x 4




Auch interessant

Hits

Antworten

Letzter Beitrag


Dr. Reinhard Pichler