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Hallo ihr Lieben,

ich habe Angst vor dem Erröten. Diese Angst beeinträchtigt mein ganzes Leben bis zum heutigen Tag und raubt mir meine ganze Lebensqualität.
Ich werde rot in allen Situationen, ohne das ein vernünftiger Grund vorliegt. Ganz schlimm ist es an der Supermarktkasse und beim Friseur... da kann ich nicht "flüchten".
Ich schäme mich so sehr für mich "selbst" und möchte mich in solchen Momenten am liebsten in Luft auflösen.

Wem geht es ähnlich?

In welchen Situationen werdet ihr rot?

Hinzu kommen meine Panikattacken, wenn ich unter Menschen bin. Ich habe das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen, jeden Moment zu kolabieren.... und dann diese geistigen Blackouts (einfach nur schrecklich!) Das hat dazu geführt, dass ich mich immer mehr aus dem "normalen Leben" zurückgezogen habe.

Mittlerweile ist es so, dass ich gar keine Freunde mehr habe. Damit soll aber jetzt Schluss sein... ich wünsche mir neue Kontakte, denn eigentlich bin ich ein offener und kommunikatver Mensch mit vielen Interessen.

In diesem Sinne, freue mich auf euch.... Simone

06.04.2012 08:34 • 02.06.2012 #1


7 Antworten ↓


Hallo Simone,

danke für deinen Beitrag! Also an den Supermarktkassen fühl ich mich auch nicht wohl - überhaupt mag ich gar keine Situationen, wo ich in einer Reihe mit anderen stehe und Vergleiche gezogen werden, obwohl die anderen mich gar nicht kennen.

Ob ich erröte, weiß ich nicht - ich sehe mich ja nicht selbst - und vorm Spiegel hab ich es noch nie geschafft, rot zu werden. Aber Schwindelgefühl und Blackouts können schon mal um sich greifen in Situationen, wo ich mich nicht wohl fühle.

Eigentlich hab ich kein Problem zu reden, auch vor größerem Publikum (ich bin sogar Hochschuldozent) - aber echte Probleme gibt's, wenn ich unvorhergesehen mich in einer Gruppensituation befinde, dann "an die Reihe" komme und was sagen muß. Das geht regelmäßig schief - ich bin da wie blockiert.

Ich denke mir: Entweder habe ich die Initiative und gehe spontan aus mir raus - dann fühle ich mich sicher und hab alles unter Kontrolle. Aber sobald ich irgendwie "gezwungen" bin was zu machen oder zu sagen, krieg ich was zuviel.

Eben besonders, wenn man in einer "Reihe" ist, aus der man nicht ausbrechen kann: wo man sieht, wie der eigene Einsatz unaufhaltsam näherrückt - und die Panik in mir hochsteigt, je näher es an mich rankommt. Wenn ich dann drankomme, zittere ich und krieg kaum ein Wort raus - sogar bei eigentlich harmlosen "Vorstellungsrunden". Natürlich kann man sich mit Alk. im Einzelfall behelfen - aber das ist ja keine wirkliche Lösung.

Was ich dagegen gut kann, das sind Situationen, in denen ich entweder ganz passiv sein kann und nichts zu machen brauche: da fühle ich mich unter anderen LEuten auch sehr sicher, wenn ich in der anonymen Masse untertauchen kann und nur ein Teilchen in der Menge bin. Oder aber umgekehrt Situationen, in den alles von mir abhängt, wo ich die "Oberhand" und die "Kontrolle" habe (z.B. als Lehrer). Da fühle ich mich dann selbstsicher und bin in einer Rolle, die ich gerne ausübe.

Ich weiß nicht, ob man das verstehen kann. Ich glaube, das Schrecklichste ist für mich eben, in einer zusammengewürfelten Runde "an die Reihe" zu kommen. Sicher mach ich mir da viel zu viele Gedanken, wie die anderen mich wahrnehmen mögen und ob sie mic hauch sympathisch finden. Und gerade weil mir das so wichtig erscheint, verkrampfe ich um so mehr - und mache am Ende wirklich einen schlechten Eindruck. Das ist ein Teufelskreis. Ich hab da einfach keinen Mut, zu mir selbst zu stehen. Auch schon jeder kritische oder auch nur neutrale Blick entmutigt mich total. Am liebsten hätte ich ein Publikum, das mir ständig Mut macht. Dann bin ich zu sehr guten LEistungen fähig. Z.B. ist es für mich etwas Wunderbares, wenn meine Studenten mir gebannt zuhören - und ich merke wie ich beim Reden immer freier werde und am Ende ganz ich selbst bin und sogar über mich hinauswachse. Wenn dagegen Kritik kommt, bin ich schnell abgeblockt.

Das Schlimme daran ist eigentlich: Ich kann weder gut schauspielern noch auch kann ich in Drucksituationen ganz authentisch ich selbst sein. Eine verzwickte Sache... Hängt gewiß mit Minderwertigkeitsgefühlen zusammen...

Ich weiß nicht, was wirklich hilft. Also, ich versuche, Streß-Situationen, denen ich mich nicht gewachsen fühle, möglichst zu vermeiden. Wenn ich die Kontrolle habe, mit wem ich zusammentreffe (und wenn es Leute sind, die ich bereits gut kenne), dann geht es meistens sehr gut - ich kann mich vorbereiten und die Reaktionen gut abschätzen. Oder aber eben ein privater Rahmen, in dem ich angstfrei aus mir herausgehen kann - was sehr gut tut.

Was aber gar nicht geht, das sind halt solche Situationen mit Leuten, die ich kaum kenne, wo ich aber gezwungen bin, einen guten Eindruck zu machen...
Also am Anfang bin ich immer sehr, sehr schüchtern ,wenn ich jemanden neu kennenlerne. Bei manchen Menschen kann ich diese Schüchternheit aber nach zwei, drei Treffen überwinden - und fühle sie dann sozusagen zu meinem Umfeld gehörig. Oft aber (und gerade bei Menschen, die mir eigentlich sympathisch sind und auf die ich also um jeden PReis einen guten Eindruck machen möchte) steigert sich die Schüchternheit und Befangenheit bis ins Irrationale.

Manchmal ist es dann gut, trotzdem so jemanden zu treffen und der Situation nicht aus dem Weg zu gehen. Ich sage mir vom Verstand her:. Was kann schon passieren? Im schlimmsten Fall, daß es schief geht. Also hab ich mir vorgenommen, einfach die Panik hochkommen und wieder abklingen zu lassen. Diese Erfahrung hab ich letztens gemacht: Da gab es sowas wie eine "Schwelle": Die Aufregung und Panik kam auf mich zu wie eine hohe Welle, ich tauchte unter (bin fast ohnmächtig geworden und konnte kaum weiterreden) - und irgendwann, am tiefsten Punkt, als alle Anwesenden wohl meinten, mir wäre nicht gut, hab ich mich wieder eingefangen: von dem Punkt an konnte dann ganz frei und unbefangen, ja sogar etwas euphorisch weiterreden. Ich glaube es war so etwas wie ein kleiner Nervenzusammenbruch - alle anderen haben das sicher irgendwie mitgekriegt (obwohl die wohl nur dachten, mir wäre schlecht oder ich hätte nur Kreislaufprobleme)... Bin aber stolz, daß ich es durchgestanden und mich freigeschwommen habe. Die Panik kam hoch, wurde sichtbar - und dann in der Situation selbst überwunden.

Den Mut wünsch Dir auch. Wahrscheinlich ist es auch wichtig, die richtige MEthode zum Entspannen zu finden. Ich würde mir auch so sehr wünschen, entspannt an solche Situationen herangehen zu können. Vom Kopf her sag ich mir oft: Ist mir doch egal, wenn's schief geht, geht's eben schief. Aber das sagt nur der Kopf, der Leib ist in höchster Aufregung - und verkrampft genau deswegen, weil ich "um jeden Preis" einen guten Eindruck machen will. Da bewundere ich echt die Leute mit so großem Selsbtbewußtsein, die in jeder Situation ganz locker und cool bleiben. Aber ich weiß auch, daß dies nicht immer die besseren oder intelligenteren Menschen sind. Oft sind sie einfach nur unsensibel.

Ich versuch natürlich auch, nicht hypersensible zu werden...

Oh, entschuldige für den langen Sermon. Weiß gar nicht, ob du was mit diesen Erfahrungen anfangen kannst. Vielleicht hört man mal wieder voneinander.

LG und frohe Ostern

Alpenrausch

06.04.2012 12:07 • #2



Hilfe.ich werde ständig rot!

x 3


Hallo Simone,

ich habe genau das gleiche Problem wie du. Ich werde in den unmöglichsten Situationen rot und möchte mich dann am liebsten in meinem Zimmer verkriechen.
Bei mir Schwanken diese Probleme immer ziemlich. Mal geht es mir wochenlang wirklich gut und dann bricht es wieder zusammen.
Was mir im Endeffekt immer hilft ist einfach weiterzumachen.
Zum Beispiel habe ich mich heute mit Freunden getroffen und bin wieder wahnsinnig rot geworden. Sogar noch viel schlimmer als sonst.
Meine erste Reaktion war: weg sobald ich es konnte.
Aber das ist natürlich genau der falsche Weg.
Heute Abend treffe ich mich mit genau den gleichen Leuten wieder und werde dann meinen Fehler wieder gut machen.
Wenn ich das überstanden habe, werde ich mich besser fühlen und mein Selbstwertgefühl -das jetzt grade im Keller ist- wird sich wieder ein wenig erholen.

Das wichtigste ist: Lass dich nicht unterkriegen. Vielleicht gehst du einfach mal in eine voll besuchte Kneipe oder ähnlichem, wo dich niemand kennt. Vielleicht eine, die etwas weiter weg ist. Dann ist es nicht so schlimm, wenn es zunächst nicht so klappt.

Ich hoffe, ich konnte dir mit meiner Erfahrung etwas helfen.
Ich habe mir grade zwei Bücher bestellt und werde meine Erfahrungen gerne teilen, sobald ich sie habe.

Ich drücke dir ganz doll die Daumen, dass du es schaffst, dein Leben wieder zu verbessern. denk daran, dass du nicht allein mit dem problem bist.

viele Liebe Grüße,
Nina

10.04.2012 15:46 • #3


Hallo Simone und ihr anderen diskussionsteiln.!

In deiner schilderung kann ich mich selbst wiederfinden. Der eintrag hätte auch von mir stammen können.
Das rotwerden war besonders in der pubertät schlimm und mir viele meiner entfaltungsmöglich beraubt.
Heute weiss ich nat. was dahintersteckt. Doch leider hat sich ein starkes unsicherheitsgefühl im umgang mit anderen daraus ergeben.
Heute hat sich ja eine phobie manifestiert, die es mir nur sehr eingeschränkt erlaubt, ein unbeschwertes, freies leben zu leben.

Klar, es gibt gute und schlechte phasen. Auch die teinahme in einer sh-gruppen hat mir geholfen.
Momentan allerdings habe ich wieder einen phobischen durchhänger. Bin selbst ratlos und mutlos.

Ich habe mir allerdings vorgenommen, wieder in eine sh-gruppe zu gehen.
Aus meiner erinnerung weiss ich noch, dass es so gut tut, mit anderen erfahrungen zu teilen und auch mal über den ganzen kram gemeinsam lachen zu können.
Nur... aller anfang ist schwer.
Man muss sich wirklich selbst aus dem morast ziehen.

Geht es euch ähnlich?

Lg xabbu.

23.04.2012 14:17 • #4


Hallo zusammen

Probleme mit dem Rot Werden habe ich auch und ähnlich wie "Alpenrausch" kenne ich auch die Panik davor, "an die Reihe zu kommen".

Im Prinzip kenne ich dieses Problem schon seit meiner Studienzeit – Auslöser war ein traumatisches Erlebnis, als ich vor meinen Mitstudenten etwas vorlesen musste und dabei gestottert und gezittert habe und ich mich dafür bodenlos vor den anderen geschämt habe. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich richtig in meine Angst reingesteigert, Kurse und Übungsgruppen gemieden und mich selber für meine unerklärliche Panik verachtet. Ich war froh, als ich das Studium abgeschlossen habe und im ersten Job wurde es dann besser, wahrscheinlich deshalb, weil ich nicht mehr mit solchen Situationen konfrontiert war.

Nun aber habe ich einen neuen Job und ich denke ab und zu wirklich daran, zu kündigen, wegen meiner Ängste. Obwohl mir der Job an sich Spaß macht und ich auch mit meinen Kollegen gut auskomme. Aber wir haben regelmässig Sitzungen, wo einer nach dem anderen seine Projekte den anderen Kollegen vorstellen und mitteilen muss und schon allein der Gedanke daran versetzt mich in Panik. Das wirkt sich auf mein ganzes Leben aus und ich kann mich auf nichts mehr richtig freuen, weine sehr viel, etc. Ich fühle mich schwach und minderwertig. Während diesen Sitzungen stehe ich unter enormen Stress, habe einen riesen Klos im Hals und Herzrasen. Wenn ich dann "an der Reihe" bin, fühle ich, dass ich knallrot werde und hektische Flecken bekomme und mein Herz rast weiter, was sich natürlich auch auf meine Stimme auswirkt. Kann mich dann auch nicht richtig darauf konzentrieren, was ich sage, obwohl ich sehr wohl etwas zu sagen hätte. Manchmal hab ich es schon erlebt, dass ich nur in der Zeit, bevor ich was sagen muss, diese Symptome spüre und sobald ich dran bin, bin ich ruhig und kann normal erzählen. Darauf kann ich mich nur leider nicht verlassen, es kommt auch immer wieder vor, dass ich mich während meiner ganzen "Rede" nicht entspanne, unter Strom stehe und die oben beschriebenen Symptome habe. Danach fühle ich mich ausgelaugt und mache mir grosse Vorwürfe. Ich gehe dann so schnell wie möglich nach Hause und hab schon Angst vor der nächsten Sitzung.

Mittlerweile laufe ich wegen meinen hektischen Flecken auch nur noch mit einem Halstuch rum, ohne fühle ich mich noch unsicherer. Ich habe auch Angst, wenn ich mit den Kollegen essen gehe und was sage oder was gefragt werde. Das ist alles so unnormal!! Und mittlerweile übertrage ich diese Erfahrungen auch auf mein Privatleben und auch unter Freunden/Bekannten passiert es mir, dass ich rot und hektisch werde und einen Klos im Hals habe.

Im Prinzip geht es dabei um "die Angst vor der Angst" und ich weiss auch, dass ich diese Angst akzeptieren muss, damit sie nicht eine solche Macht über mein Leben gewinnt. Und dass Konfrontation wichtig ist und eine Kündigung wohl der falsche Weg wäre … ich werde mich mal wieder auf die Suche nach einem Therapeuten machen (war ich früher auch schon). Ich hoffe sehr, dass es eine Lösung gibt und ich sowie ihr alle nicht von diesen Ängsten aufgefressen werdet.

Bounty

29.05.2012 21:10 • #5


Hallo Simone,

ich werde nicht nur mal rot, sondern bin es meistens. Ich war deswegen auch beim Hautarzt. Der meinte, ich hätte eine Couperose! Son Sch.... ! Ich hole mir bald noch eine zweite Meinung ein.
Ich habe das erst seitdem ich die Pille abgesetzt habe. Seitdem ich Waschlotion aus der Apotheke benutze, die PH-Neutral, ohne Alk., ohne Parfüm und sonstige Zusatzstoffe ist, fühlt sich meine Haut zumindest zarter an. - Also eigentlich macht es mir nichts aus "ROT zu sein". Eigentlich sehe ich damit hübsch aus! - Da ich aber befürchte, dass da eine Stoffwechselstörung, eine Hormonstörung oder Histaminintoleranz dahinter steckt, besorgt mich das ROT im Gesicht. Seitdem ich die Pille wieder nehme, bin ich zwar immer noch rot, aber ich habe keinen zusätzlichen Flush - oder eher selten. Manchmal nach dem Essen, oder in Stresssituationen wurde ich noch roter und mein Gesicht fühlte sich so an, als hätte ich in den Wangen Fieber.
Ich trinke jetzt sehr viel Wasser, keine säurehaltigen Getränke, weniger Kaffee, keinen Alk., esse wenig Zucker... nehme zusätzlich Vitamine aus der Apo...

Zumindest: Du bist nicht allein! Und Freunde solltest du wegen PAs und Rotwerden nicht verlieren oder abweisen!


Lieben Gruß! Und gaaaanz viel Mut zum Rotwerden! Das ist nichts schlimmes!

29.05.2012 22:02 • #6


Ich bin froh, dass ich euch hier gefunden habe!

Mir geht es nämlich genauso! Ich werde auch ständig rot und anstatt besser wird es immer schlimmer. Und das in meinem Alter (35)!

Ich habe auch den Eindruck, dass sich die Situationen, in denen ich rot werde, immer mehr ausweiten!

Ursprünglich war es vor allem dann, wenn ich vor einer Gruppe sprechen musste.

Dann hat sich das ausgeweitet auf den Kontakt zum anderen Geschlecht! Das nervt mich besonders, da ich plötzlich im Kontakt mit Männern rot werde, ohne Grund!

Und die Situation im Supermarkt kenne ich auch. Ich glaube, ich werde mittlerweile schon rot, sobald mich jemand ansieht.

Und dann natürlich auch immer dann, wenn ich mich irgendwie ertappt fühle..egal, ob es stimmt oder nicht.

Ich freue mich auf Kontakt zu Leidensgenossen hier!

Marilie

01.06.2012 21:39 • #7


Ich hatte früher auch immer große Angst vor dem Erröten, aber inzwischen nicht mehr .
Bei mir weiteten sich auch die Situationen, wo ich rot wurde, immer weiter aus. Inzwischen weiß ich, dass es daran lag, dass zum einen meine sozialen Ängste immer mehr zunahmen, aber zum anderen lag es auch daran, dass meine Wahrnehmung immer extremer auf meine Angstsymptome gerichtet war. Es war einer für Ängste typischer Teufelskreislauf aus körperlicher Angstreaktion, Wahrnehmung und Scham, der sich immer weiter selbst verstärkt hat. Jeder Versuch dieses Rot werden zu vermeiden oder zu unterdrücken hat es dann noch schlimmer gemacht.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen habe ich dann, wie bei all meinen vielen Angstsymptomen, mit der Selbstakzeptanz gearbeitet. Ich wusste, dass ich das Erröten nicht verhindern kann und dies vielleicht sogar nie können werde. Das einzige was ich ändern konnte, war mein persönlicher Umgang mit dieser Angstreaktion. Auch wenn es die meisten kaum glauben werden, aber man hat tatsächlich eine Wahl, wie man mit seinen Angstsymptomen, wie dem Erröten, Händezittern usw. umgeht.
Da man seine Ängste ja ablehnt und sich dafür schämt ist die typische Wahl ja, dass man auch die Angstsymptome ablehnt und sich dafür schämt. Man kann aber auch lernen seine Ängste zu akzeptieren, so dass man auch lernt die Angstsymptome zu akzeptieren. Angstsymptome zu akzeptieren bedeutet dann auch, dass man sie zulassen lernen kann, so dass man sich sogar erlauben kann, dass man mal wieder rot wird. Seltsamerweise ist ein zugelassenes Angstsymptom weit weniger belastend und beschämend, so dass man lernen kann, dass man es alleine über die Gedanken beeinflussen kann, wie man mit solchen Dingen umgeht und wie sie einem zusetzen - verhindern kann man sie aber damit nicht, aber darum geht es dabei auch gar nicht.
Ich persönlich habe einige Monate benötigt, um meine Angst vor dem Erröten los zu werden. Anfangs habe ich es immer konsequent zugelassen und mir selbst gesagt, dass ich es akzeptiere, mir erlaube und es zulasse - dies ist besonders am Anfang sehr schwer, weil es so ungewohnt ist. Mit der Zeit wurde es besser, so dass ich mir einige Gedanken darüber machte, warum das Erröten eigentlich so schlimm sein soll. Bei anderen empfinde ich das Erröten eigentlich eher als sympathisch, weil es eigentlich eine sehr menschliche Reaktion ist.
Weil sich einige Mitmenschen leider über das Erröten Anderer belustigen usw. habe ich dann angefangen selbstbewusster mit meinem Erröten umzugehen. So habe ich es hin und wieder selbst angesprochen und einen Scherz darüber gemacht. Dabei machte ich die Feststellung, dass Andere sich daran eigentlich gar nicht stören oder es oft gar nicht so wahrgenommen hatten.
Eigentlich geht es darum, dass man lernt zu dieser persönlichen Schwäche zu stehen und sich nicht dafür zu schämen, um so negativen Kommentaren und Reaktionen gelassener entgegenzutreten und sich nicht in die für Ängste typischen Selbstvorwürfe, Scham usw. zu verstricken.
Bei mir wurde jedenfalls die Angst vor dem Erröten Schritt für Schritt geringer und ist heute völlig verschwunden. Damit hat sich sich auch meine Wahrnehmung von dem Erröten weg und zu der Situation hin bewegt, so dass ich mich wieder etwas besser auf die eigentliche Situation konzentrieren kann. Auch heute werde ich hin und wieder noch rot, aber längst nicht mehr so häufig, aber das Wichtigste dabei ist, dass es mich heute nicht mehr stört.

02.06.2012 00:28 • #8




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