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Hallo Community,

traurig zu sehen, dass es so viele Leute gibt, denen es genau so geht wie mir.

Ich fühle mich extrem einsam. Sogar unter Leuten. Freunde hatte ich noch nie viele, hab ich eigentlich auch nie gebraucht, denn ich bin schon immer gut alleine zu recht gekommen. Meine Kindheit war noch recht ok, ich war beliebt an der Schule. Dann kam das Gymnasium, und da hat es angefangen, ich hab angefangen eine Sozialphobie zu entwickeln. Das ist mir erst kürzlich bewusst geworden. Zu der Zeit hab ich dann auch zunehmends jeden Kontakt zu ehemaligen Freunden abgebrochen und habe mir auch nicht die Mühe gegeben, neue zu finden.

Und das alles eigentlich ohne Grund. Ich wurde nie in meinem Leben gemobbt, wurde nie misshandelt o.ä., bin mehr oder weniger gutaussehend. Bin jung, studiere, rauche nicht, trinke nicht, bin sportlich.

Erst im Abi-Jahr hat sich an meiner Einstellung was geändert. War mir vorher noch alles total egal, hat sich das dann in dem Jahr grundlegend geändert. Ich hab mich in ein Mädchen verliebt, selbstverständlich wurde nichts draus, weil ich mich wie ein Trampel benommen habe. Heute ist dieses Mädchen allerdings eine meiner sehr wenigen Freunde, meine beste Freundin, wenn man so will (was bei dem kleinen Freundeskreis, den ich habe, allerdings auch keine Kunst ist).

Jetzt sitze ich hier in meinem 2. Semester Uni und vereinsame mehr und mehr. Ich WILL mich ändern, doch ich KANN es nicht. Es ist nicht einmal bewusst. Wenn mich irgendjemand zu ner Party einlädt (was sowieso nur sehr selten passiert), springt gleich der Autopilot ein, ich schüttele den Kopf und sage nein. Deshalb flüchte ich mich auch mehr und mehr in den Sport, weil das im Moment die einzige Zeit ist, wo ich der Einsamkeit entfliehen kann.

Letztes hat sich sogar meine beste Freundin über mich aufgeregt: Ich hätte doch das Aussehen und den guten Charakter, wieso mache ich nichts daraus? Warum würde ich mich zuhause verkriechen? Das hat mich erschreckt... wenn sogar eine der wenigen Personen, denen ich anscheinend etwas bedeute, so deutlich wird, dann muss es ernst sein. Ehrlich gesagt macht es mich fertig. Wenn ich nicht gerade auf der Uni sitze oder Sport mache, hocke ich zuhause und fühle mich einsam. Wie gesagt: ich will was ändern, ich weiß, dass ich was ändern muss, aber wie und wo weiß ich nicht...

Also bitte liebe Community, tobt euch aus ) Was soll ich machen? Ich bin sogar ernsthaft am Überlegen, ob ich nicht mal den Gang zum Psychiater antreten sollte...

20.03.2011 00:10 • 25.03.2011 #1


10 Antworten ↓


Hallo tria,

Du schreibst, daß, wenn Dich jemand z.B. zu einer Party einlädt, gleich der Autopilot einspringt und Du nein sagst.
Du scheinst also gar keine andere Wahl zu haben, als so zu reagieren.

Sind Dir denn die Gründe bewußt, die dahinter stecken? Du schreibst nicht, wovor Du konkret Angst hast.
Ist es die Angst, nicht akzeptiert zu werden, daß Du Dich blamieren könntest, Dir vielleicht kein Gesprächsstoff einfällt oder fühlst Du Dich generell einfach unwohl unter Menschen?

Du schreibst, daß Du Dich beim Sport nicht einsam fühlst. Betreibst Du den ganz allein für Dich?
Vielleicht wäre es ja dann über den Sport noch am ehesten möglich, mit anderen in Kontakt zu kommen, z.B. in einem Verein.

Daß Du eine beste Freundin hast, die Dir auch Rückmeldung gibt, ist wirklich viel wert.

Wenn Du es alleine nicht schafftst, etwas zu ändern, wäre es bestimmt gut, wenn Du Dir professionelle Hilfe holen würdest.


LG

20.03.2011 02:32 • #2



Einsam & bräuchte mal etwas Aufmunterung

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hallo erstmal,

das mit dem psychiater (wobei ich hinzufügen muss: eigentlich psychotherapeut) wär vllt garnicht mal so schlecht
du sagst, es gibt keinen grund für deinen rückzug von andren menschen? was genau geht denn in dir vor wenn dich jemand auf ne party einlädt? hast du irgendwelche befürchtungen?beobachte dich mal genauer in so situationen.

bei mir war es so dass ich halt häufig gemobbt wurde und auch erst in der oberstufe wirklich freunde bekam. aber viele freunde hab ich auch nicht, aber das ist mir nicht so wichtig wie früher. besser wenige gute als viele oberflächliche,oder?
jedenfalls ist es bei mir seit mehreren monaten so dass es mir schwerfällt mich mit leuten zu verabreden. irgendwie stresst mich das extrem und ich will häufig alleine sein. dadurch dass ich in der pubertät kaum freunde habe fällts mir heute schwer ne engere freundschaftliche beziehung einzugehen.

was es bei dir ist, weiß ich nicht? vielleicht könnte da ein psychoanalytiker helfen?(nur son vorschlag..die meisten empfehlen eher verhaltenstherapie) aber lass dich am besten über die unterschiedlichen therapiemethoden informieren!

und wie gesagt geh vllt mal bissel in dich in nächster zeit (ich weiß klingt komisch) und denk darüber nach warum genau du so ne ablehnung davor hast mit menschen was zu unternehmen. was sind die motive dahinter usw.
viele dinge merkt man erst wenn man sich selbst genauer beobachtet.

lg.

20.03.2011 02:37 • #3


Oh, schon Rückmeldungen

Zitat von tautröpfchen:
Sind Dir denn die Gründe bewußt, die dahinter stecken? Du schreibst nicht, wovor Du konkret Angst hast.Ist es die Angst, nicht akzeptiert zu werden, daß Du Dich blamieren könntest, Dir vielleicht kein Gesprächsstoff einfällt oder fühlst Du Dich generell einfach unwohl unter Menschen?

Ich schreibe nicht, wovor ich genau Angst habe, weil ich es eigentlich nicht weiß.

Mir sind solche Situationen einfach peinlich. Ich war schon immer recht ruhig und gehemmt. Ich mag es aber auch nicht, mich dann in die Ecke zu stellen. Groß aus mich rauszugehen entspricht allerdings auch nicht meinem Charakter, deshalb bleib ich dann wohl lieber daheim. Keine Ahnung, ich kann es nicht mit Bestimmtheit sagen, das läuft alles größtenteils unbewusst ab. Es kann auch sein, dass meine Eltern mich sozusagen so erzogen haben. Seit ich klar denken kann war mein Vater nicht mit Kollegen einen trinken und hat auch niemanden zu uns eingeladen. Meine Mutter ist Hausfrau und wenn sie nicht jeden Tag mit dem Hund Gassi gehen würde, dann würde die auch nicht unter die Leute kommen. Die unterstützen mich sozusagen darin, dass ich, nicht wie andere, jedes Wochenende lange rausgehe und so seriös bin. Ich denke, es ist eine Mischung aus allem. Ich fühle mich generell unwohl... allerdings ist es auf der Uni eine ganz andere Sache, da hab ich absolut kein Problem auch mal ein paar Sätze mit Fremden zu reden. Teilweise ist es aber auch so wie bei ParanoiaGirl, ich hab mich in meiner Pubertät extrem zurückgezogen und hatte noch weniger Freunde als heute, und da hab ich halt einen Rückstand in Sachen Erfahrung.

Naja... der Sport. So viele Vereine gibt es hier in der Gegend leider nicht. Jetzt über den Winter hab ich mit einem Rennradverein in der Halle trainiert, allerdings war da nicht einer, der in meinem Alter gewesen wäre, größtenteils Männer um die 40. Aber vielleicht gibt es da draußen noch ein paar Einzelkämpfer wie ich, ich muss sie nur finden

@ParanoiaGirl
Ehm okay lass mich mal überlegen Okay, ich werde gefragt... erst mal versteinerte Miene würde ich sagen. Dann Abschalten jeglicher Gedanken außer dem einen: Och nöööö, keinen Bock. Und dann der Versuch, mich rauszureden:

Nee, ich hab schon was vor
Nee, ich muss morgen früh raus, Familienfeier.
Nee, ich bin müde und es geht mir nicht gut, ich will früh schlafen gehen.

Es ist meistens ohne ersichtlichen Grund, und das Ganze läuft eigentlich auch komplett unbewusst ab. Nach der Uni was mit den Studienkollegen was trinken oder was essen zu gehen... damit hab ich kein Problem, da bleibe ich ja unter Bekannten.

Ich will jetzt auch keine 1000 oberflächliche Freunde oder mich zum Partylöwen entwickeln. Ich wär halt schon glücklich, wenn ich ein wenig mehr unter die Leute kommen würde und ein paar Bekanntschaften machen würde. Und das kann man eben am besten auf Parties, es kommt extrem komisch an, wenn ich in einem Café jemanden anspreche. Immerhin bin ich mit meinem Status als Dauersingle auch nicht unbedingt glücklich (das hat aber auch ganz einfach nur damit zu tun, dass ich eben nicht unter die Leute komme).

20.03.2011 11:57 • #4


Hi Tria,

wie oben schon gesagt wurde klingt das schon so, als hätte sich bei dir ein gewisses Reaktionsmuster automatisiert, deswegen würde ich dir auf jeden Fall auch zu einem Gang zum Psychotherapeuten raten. Der lässt dich ja nicht gleich einweisen oder so Und es ist heutzutage viel normaler als früher, sich Hilfe zu holen, wenn man nicht mehr allein klar kommt!

Lg,
Uwe

21.03.2011 12:14 • #5


Hallo tria,

Wenn du an der Uni als Student eingeschrieben bist hast du sehr gute Möglichkeiten sowohl eine Therapie zu machen als auch Anschluss zu finden. Es gibt an jeder Uni mindestens einen Psychologen oder Psychotherapeuten, meist heißen die Beratungsstellen Krisenberatung oder direkt psychologische Beratung . Du kannst dort als Student einen Termin machen, das klappt meist relativ schnell und ohne lange Wartezeiten (ein normaler Patient muss oft Monatelang auf ein Gespräch warten!) und dann kostet es nur 10€ Praxisgebühr, sonst gar nichts. Die Therapeuten an der Uni kennen dein Problem sicherlich, Einsamkeit ist für viele Studenten ein Problem. Sie werden dir helfen deinen Autopiloten umzustellen, herauszufinden woran dein abwehrendes Verhalten liegt, dir vielleicht auch Regeln an die Hand geben mit deren Hilfe du deinen inneren Schweinehund überwinden kannst

Eine Therapie kann uind wird aber nur fruchten wenn auch du selbst aktiv zu arbeiten beginnst, Alles Andere ist verschwendete Zeit, es ist leider wirklich so. Du wirst wohl oder übel beginnen müssen auch mal Ja zu sagen wenn du eingeladen wirst, auch mal hinzugehen wenn dich jemand fragt. Macht nichts wenn du erst mal Nein sagst - du kannst im Anschluss doch trotzdem hingehen, hat dann halt spontan doch noch funktioniert, da wird sich keiner großartig wundern Du musst kein Partylöwe und Aufreißer werden, das Ruhige ist einfach dein Charakter und den kannst und sollst du nicht verändern. Aber man kann lernen gelassen im Umgang mit Anderen zu werden. Ein bisschen Freundlichkeit oder Smalltalk hat noch Keinem geschadet, auch keinem der normalerweise eher zurückhaltend ist. Du tust mit der Imnteraktion Anderen was Gutes und dir selber auch. Einen Versuch isses wert! Menschen zum Reden findest du überall, im Supermarkt, im Bus, unterwegs, in der Uni, etc. pp. Themen gibt es auch genügend. Und falls das Gespräch dir peinlich erscheint: Is egal, du siehst den Menschen danach eh nie wieder, war ja nur ein Fremder. Zu verlieren hast du also nichts!

Dann will ich noch auf deine Hobbies eingehen. Du schreibst du magst Sport. Auch Mannschaftssport? Hast du andere Hobbies? Über Hobbies lernt man so einfach andere Menschen kennen, kommt leicht ins Gespräch, man hat schon was was einen verbindet. An der Uni gibt es z.B. Unisport-Angebote, jedes Semester neue. Das geht über Joggen und Yoga bis hin zu Schwimmen und Softair-Schießen, da ist echt für JEDEN was dabei. Außerdem gibt es darüber hinaus auch Unigruppen, zum Beispiel Uni-Radio, Uni-Zeitung, Theater, Filmgruppe, Tierschutz, etc. pp. Da findet auch jeder was was ihn interessiert. Sieh dich an deiner Uni mal um und schau was dir davon zusagen könnte. Probier ruhig auch mehrere Sachen aus und scheu dich nicht vor Trial and Error Versuchen. Man weiß erst ob einem was gefällt nachdem man es probiert hat!

Ich war früher ind er Schule oft Mobbingopfer und dann wurde ich immer verschlossener, zurück gezogen. Ich hab mir die Freunde übers Internet gesucht und dann real getroffen, aber in der Schule wollte ich mit Keinem reden. (Vielleicht auch ne erste Plattform für dich um wieder zu Reden und zu Interagieren: Das Internet?) Dann hab ich beschlossen dass das so nicht weiter geht, ich war in der 11ten Klasse und kannte GAR keinen, stand immer allein in der Pause rum. Ich hab schlicht das Programm unserer Uni genutzt, hab mich bei diversen Gruppen und AGs und AKs eingeschrieben, und dann wurde es eigentlich ein Selbstläufer. Am Anfang saß ich bei den Treffen eher stumm daneben, aber man musste ja was zusammen organisieren, zusammen Heim fahren danach, zusammen hin fahren davor - da fand sich immer irgendwer der mit mir fuhr und dann fand ich irgendwann auch immer mehr Gesprächsstoff. Ich musste eigentlich nur den ersten Schritt machen und einfach mal wieder hingehen, und ab da hab ich nach und nach wieder gelernt mich zu öffnen und mit Anderen aus zu kommen. Inzwischen hab ich gar kein Problem mehr mit Kontakten und Smalltalk. Ich bin jetzt seit Donnerstag in eine neue Stadt gezogen und das macht mir überhaupt keine Angst. Ich hab schon zwei liebe Bekannte grfunden und war gestern Abend sogar schon weg. Dabei wohn ich seit nicht mal einer Woche erst hier. Früher bin ich wochenlang nicht unter Leute gekommen und hab Menschen beneidet die einfach so auf Andere zugehen. Heut versteh ich überhaupt nicht mehr wieso das früher so schwer für mich war. Das hat sicherlich seine Zeit gebraucht, etliche Monate sind ins Land gegangen bis ich kleine Fortschritte verbuchen konnte. Aber inzwischen denke ich dass man soziale Interaktion verlernen, aber eben auch sehr gut wieder ERlernen kann, mit etwas Mut und viel Geduld.

Liebe Grüße!

22.03.2011 09:15 • #6


Naja, beim Sport bin ich schon entschieden: Triathlon, und nichts anderes! Und da geht halt auch verdammt viel Zeit drauf, locker 15 Stunden die Woche, ich steh Sonntags extra um 8 Uhr auf um Rad zu fahren. Irgendwann den Ironman Hawaii zu finishen wäre natürlich toll

Aber sonst sehr interessanter Beitrag, danke dir An der Uni bin ich ganz normal. Sozial eben. Small Talk kein Problem. Eben weil ich unter Bekannten bin und ich sozusagen nichts fürchten muss. Aber in der Zeit danach... da bin ich wie ausgewechselt. Und das ist eben die Zeit, in der man Freundschaften hegt und pflegt und auch neue Leute kennenlernt. An der Uni ist man in erster Linie Kamerad, Arbeitskollege sozusagen. Wenn ich nichts mit den Leuten unternehme, dann werden sie auch Kameraden bleiben und spätestens nach dem Studium sitze ich dann wieder alleine da. Das was ich in der Uni/Schule kann, kann ich außerhalb der Schulzeit auf einmal nicht mehr, Restaurant=sehr selten, Party=Fehlanzeige, Kino=schon ewig nicht mehr, zu Freunden nach hause=im 5. Schuljahr das letzte Mal...

Die Sache mit den Wochenzielen werd ich mir merken. Gute Idee! Ich denke nicht, dass ich in irgendeiner Weise unsozialer bin als andere, ich habe nur eine Blockade, ich kann nicht JA sagen. Ich muss nur einen mentalen Trick finden um mich selbst auszutricksen.

23.03.2011 00:10 • #7


elster
Kann es sein, dass du einen inneren Konflikt in dir hast, weil dir eben vorgelebt wurde von deinen Eltern, dass man eben niemanden braucht zum Glücklichsein ? Wenn sie immer nur ein Leben ohne großartige soziale Kontakte führten, bist du vielleicht in dem Bewußtsein aufgewachsen, dass solche eben auch nicht wirklich nötig sind.
Bei mir war es ähnlich, mein Vater war auch sehr sozial zurückgezogen ( meine Oma damals *stolz*: er ging nur zum Sport und kam nach dem Training wieder heim, ist nicht mit den anderen noch um die Häuser gezogen !) Meine Mutter war anders, passte sich ihm aber über die Jahre hinweg an, er mochte es nicht, wenn sie ausging oder Freundinnen traf, irgendwann liess sie es sein. Nur mit dem Hund raus, kurze Gespräche mit der Nachbarin, das war es schon. Ich wuchs so auf, mir wurde suggeriert, dass soziale Kontakte zu anderen - Freundschaften - einfach unnütz waren. Ich wollte aber welche haben, ich bin ein andere Typ als meine Eltern. Fühlte mich wie ein Verräter, wenn ich loszog mit Freunden, meine Eltern hätten mich lieber daheim gesehen am Wochenende. Obwohl es keinen Streit gab deswegen, nur Unverständis und das Gefühl bei mir, dass ich eben was Falsches tat, wenn ich mir Gesellschaft wünschte. Nur konnte ich auf keine Erfahrungsmuster zurückgreifen, nie hatte ich vorgelebt bekommen, wie man mit Leuten umgeht / auf Leute zugeht. Es war ein Lernprozess, ich musste praktisch alle sozialen Kompetenzen erst nachträglich entwickeln und erarbeiten, andere bekamen die ja frei Haus
Ich hab nach und nach soziale Kompetenzen entwickelt, weil ich das Bedürfnis nach anderen Menschen hab. Mein Bruder aber - 4 Jahre jünger - führt ein Leben, wie du es schilderst. Macht alleine Sport, hatte damals Uni mit nur Arbeitskontakte unter Kommilitonen, hat nie Einladungen angenommen ( auch heute nicht )und zu Arbeitskollegien nur ein reserviertes Verhältnis. Er hat keine Sehnsucht nach Kontakten und sucht auch keine. Aber er vermisst auch nichts. Wenn du aber gerne Menschen in deinem Leben hättest, musst du an dir arbeiten, den Anfang finden. Ist wie eine Sprache lernen, nirgendwann merkt man, es ist nicht so schwer wie es aussieht.
Gruss

23.03.2011 08:01 • #8


Das mit den Eltern ist möglich. Ich hatte es ja bereits im Anfangspost geschrieben. Es ist eigentlich genau das selbe. Ich bin so wie dein Bruder, meine Schwester eher so ein Rebell wie du. Eigentlich hat mir auch nie etwas gefehlt... bis ich eben dieses eine Mädchen zufällig beim Ferienjob kennen gelernt habe, und erfahren durfte, wie toll dieses Gefühl der Liebe doch ist, sogar wenn sie nicht erwidert wird. Das hat mir damals die Augen geöffnet, so konnte es einfach nicht weitergehen. Davor war ich zwar nicht besonders unglücklich, aber weit davon entfernt richtig glücklich zu sein. Ich will ja auch nicht mein ganzes Leben alleine bleiben. Und deshalb ist es halt unumgänglich etwas mehr unter die Leute zu kommen, wenn ich nur zu Hause hocke lerne ich ganz sicher nicht meine zukünftige Frau kennen

Tut übrigens sehr gut, darüber zu schreiben, und, vor allem, zu lesen, dass es Leute gibt, die das selbe Problem hatten und sich mehr oder weniger ohne professionelle Hilfe da rausgekämpft haben.

23.03.2011 20:17 • #9


elster
Ich glaube, man kann durchaus auch glücklich sein in einer kleinen Welt, ich halte jetz meinen Bruder nicht für einen unglücklichen Menschen, nur denk ich, er weiss eben nicht, was er verpasst. Da gab es viele Szenen, wo ich wirklich grübeln musste, warum er keine Sehnsucht nach Gesellschaft bzw den Drang nach Kontakten verspürt. Und er versteht mich genausowenig. Ich erinnere, vor Jahren habe ich mit meinem Bruder telefoniert ( da muss er so 29 gewesen sein, ich bin 4 Jahre älter ) und ich erwähnte, ich würde gerade eine Zugverbindung nach Florenz raussuchen, weil ich im Sommer mit einer Freudin einen kleinen Urlaub in Italien verbringen wollte. Er reagiert völlig unglaubig : Warum man sich sowas denn antut. Mit Leuten wegfahren, freiwillig. Und dann auch noch in ein anderes Land und mit dem Zug. Wenn man es doch gar nicht muss. Er bedauerte mich praktisch schon . Ihm wäre nie in den Sinn gekommen, dass soetwas Menschen Spaß machen könnte und das sie es gerne tun.
Ich denke, man vermisst erstmal eigentlich nicht, wenn man so ein Leben führt. Man fühlt sich nicht schlecht oder schuldig. Mein Bruder wurde nie gemobbt, er ist witzig und durchaus angenehm als Gesprächspartner, er wird eingeladen und auch die Frauen flirten gerne mit ihm, aber er hat eben kein Bedürfnis nach sozialen Kontakten. Ist sogar darauf bedacht, sie zu vermeiden. Bei Gruppenarbeiten mit Kommilitonen war sein Hauptproblem, das sich alle abwechselten, es wurde sich Reihum immer bei einem anderen getroffen und gearbeitet. Und er erzählt : Bei mir geht es nicht, wir renovieren gerade ( oder ähnliches ). Weil er nichts mit den Leuten anzufangen wußte, wenn es über das gemeinsame Lernen hinausgehen sollte,was ja passiert, wenn man privat zusammenhockt, einer könnte ja auf die Idee kommen, noch was gemeinsam zu unternehmen. Daher liess er solche Situationen gar nicht erst entstehen. Ändern wird es sich wohl auch erst dann, wenn er sich mal richtig verlieb, so wie du. Dann spürt man erst, wie schön es sein könnte, nicht alleine zu sein. Man vermisst plötzlich etwas / jemanden. Spürt, dass die eigene Welt ein einsamer Ort ist.
Was hast du denn unternommen bisher, um einen Anfang zu finden ? Kannst du dich auf Unternehmungen einlassen mittlerweile oder fällt es dir zu schwer, fühlt es sich eher ungut und aufgezwungen an ?
Gruß Elster

24.03.2011 07:03 • #10


Klar, wenn man nichts anderes kennt, ist man zufrieden mit seiner Lage, bzw nicht unglücklich. Aber wie bereits geschrieben: dieses eine Mädchen hat sehr viel IN mir verändert. Durch sie wurde mir bewusst, dass etwas fehlte, und dass ich nicht ewig so weiterleben kann. Irgendwann wird es deinem Bruder sehr wahrscheinlich auch so gehen wie mir, und dann wird er, genau so wie ich, die vielen Jahre der freiwilligen Isolation verfluchen.

Die Beschreibung deines Bruders könnte ansonsten sehr gut auf mich passen. Ich habe auch sehr lange jeglichen tiefergehenden Kontakt vermieden.

Was sich getan hat:

1) Ich laufe in gut 2 Wochen den Halbmarathon in Bonn mit, der fängt aber schon um 9 Uhr an und ich hab 2-3 Stunden zu fahren, also fahr ich nen Tag früher dort hin und übernachte dort. Die Anmeldung war schon bezahlt, doch das Geld reichte nicht mehr für ein Hotelzimmer (jaja, als Student muss man auf seine Finanzen aufpassen..), und da war ich gezwungen das Angebot einer Freundin (studiert dort) anzunehmen, bei ihr zu übernachten. Das wird eine ganz neue Erfahrung für mich. Sowas hab ich zum letzten Mal im Kindergartenalter gemacht. Ich hoffe nur, dass es nicht so weit kommt, dass ich nachher im Auto schlafe...

2) Einladung zu einem gemeinsamen Abendessen in einem Restaurant mit ein paar Leuten von der Uni. Autopilot war gerade am hochfahren, doch zu langsam. Eine Freundin, die ein klein wenig von meinem Problem weiß, hat für uns beide zugesagt: Ja wir kommen auch. Sie kommt mich sogar abholen. Intelligenterweise hat sie mich ein paar Minuten zuvor noch gefragt, was ich am Wochenende vor hätte: Ich weiß noch nicht, etwas Sport und sonst nicht viel., so dass ich dann auch keine Ausrede mehr finden konnte.

Naja, kein großer Fortschritt, weil die Initiative nicht von mir kam, und noch lange nicht sicher ist, ob ich stark bleibe und es dann auch durchziehen werde. Aber immerhin besser als nichts.

25.03.2011 01:08 • #11



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