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201713.08




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Hallo zusammen,

seit geraumer Zeit überlege ich, ob und wie ich meinem Chef von meinen Ängsten und Glaubenssätzen erzählen soll, da mein Verhalten in jüngster Zeit eher abweisend war.

Wir sind ein kleines Internetunternehmen und man hat mir hier den Berufseinstieg ermöglicht. Mein Chef legt großen Wert auf Mitarbeiterzufriedenheit. Wenn er gelegentlich etwas Zeit hat, holt er einen zu sich ins Büro und fragt, wie es so geht und ob privat alles in Ordnung ist. Auch ist er bemüht, mit den Kollegen ein entspanntes, offenes, evtl. sogar freundschaftliches Verhältnis zu pflegen. Das ist auch bei den Kollegen so. Nur bei mir stoßen sie bei Versuchen, mich zu öffnen, auf Granit.

Folgendes ist vor einigen Wochen passiert: In der Pause sind wir, eine Kollegin, der Chef und ich essen gegangen. Damit wir uns öffnen, hat der Chef zuerst tiefe Einblicke in seine schwierige Kindheit gegeben. Danach wurde das Thema gewechselt und als er mich fragte, wie lange meine längste Beziehung gewesen sei, habe ich abgeblockt und gemeint, dass ich darüber nicht reden möchte. Als wir dann zu zweit waren, hat er sich entschuldigt und mich gefragt, ob er mir zu nahe getreten sei. Ich meinte nur, dass alles in Ordnung ist, ich brauche nur etwas mehr Zeit.

Mit 25 hatte ich noch nie eine Beziehung, weil ich mich davor fürchte. Es ist nicht nur das Ansprechen. Ich fürchte mich sehr davor, mich zu öffnen, mich zu verlieben, mich verletzlich zu machen oder ganz einfach enttäuscht zu werden. Jedenfalls fällt es mir schwer, selbst mit vertrauten Personen darüber zu reden.

Auch wenn wir mal essen gehen mit mehreren Kollegen, bin ich meist still. Alle unterhalten sich und haben Spaß und wenn ich etwas sage, ist es erzwungen. Ich möchte gar nicht wissen, wie das von außen wirkt. Mein Chef hat in Vergangenheit öfter versucht, mich in Gespräche einzubeziehen, aber ich habe nichts daraus gemacht.

Ich bin in einem Umfeld groß geworden, in dem es regelmäßig hieß „Menschen sind schlecht“ und „Vertraue niemandem“. Diese Glaubenssätze sind so tief in mir verankert, dass ich Schwierigkeiten habe, mich davon zu lösen. Das hat mir in vergangener Zeit leider viele Nachteile bereitet aus sozialer Sicht. Deshalb verhalte ich mich so. Selbst in privaten Situationen ist es nicht anders.

Es wäre nur fair, wenn ich meinem Chef diese Details erzähle. Aber ich kann nicht einschätzen, ob es das Richtige ist oder ob ich mir nur selbst ein Bein stelle, so dass dies irgendwann gegen mich gerichtet werden kann. Besonders weil ich noch in der Probezeit bin... Wie seht ihr das? Erzählen oder nicht erzählen?

Ich freue mich auf eure Antworten! :)

Auf das Thema antworten


10419
7
BaWü
5691
  13.08.2017 15:49  
Wie hast du es empfunden, als sich dein Chef so geöffnet hat? Könnte es sein, dass er ein sehr wertvoller Mensch ist, der durch eigene Erfahrungen erkennt, dass bei dir Probleme bestehen?

Eigentlich hast du den Jackpot mit so einem Chef bekommen. Ich würde mal ganz vorsichtig versuchen, die Glaubensansätze zu unterwandern. Ganz langsam den Panzer mal abtragen.

Ich bin mir eigentlich sicher, dass dein Chef schon weiss, dass du Probleme hast.

Danke1xDanke


8070
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10624
  13.08.2017 15:52  
Wenn du erst in der Probezeit bist, würde ich davon absehen. Man weiß nie, wie ein Mensch wirklich ist und schon gar nicht, nach so kurzer Zeit!
Er kann es sich erlauben, von seinen Macken zu erzählen, aber Du weißt noch nicht, wie er auf so etwas reagiert. Warte lieber ab, wie sich das
alles weiter entwickelt und beobachte, wie sich die Kollegen, ihm gegenüber verhalten, besonders die lanjährigen!
Übrigens hat mir das Leben deutlichst beigebracht, daß es sich sicherer lebt, wenn man niemandem voll vertraut, da gibt es natürlich Abstufungen
aber meine Erfahrungen haben mich gelehrt, daß man bei Menschen immer vorsichtig sein muß und immer auf alles gefaßt und gerade bei denen
wo man es anfangs am wenigsten erwartet und denkt. Natürlich sind nicht alle Menschen schlecht, aber es sind IMMER Überraschungspakete, sogar
wenn man sie lange Zeit sehr gut kennt. Mit meinem Ex, war ich 12 Jahre ununterbrochen zusammen und dachte ich kenne ihn, am Ende war er
für mich wie ein Fremder und ich hätte niemals erwartet, daß sich ein Mensch so verändern kann.

Icefalki hat geschrieben:
Eigentlich hast du den Jackpot mit so einem Chef bekommen.


Er ist noch in der Probezeit! In so kurzer Zeit, kann man doch noch keine Menschen einschätzen!
Lieber langsam und vorsichtig vortasten.

Danke2xDanke


1528
10
Ruhrgebiet
1067
  13.08.2017 16:00  
Es spräche von meiner Seite aus nichts dagegen wenn du in passender Situation einfach sagst, das du große Schwierigkeiten hast zu vertrauen und aus deinem Nähkästchen zu plaudern. Das du noch viel mehr Zeit und vor allem weniger Druck brauchst. Du musst das ja nicht verkünden als wenn morgen die Welt untergeht ;-)

Danke1xDanke


10419
7
BaWü
5691
  13.08.2017 16:01  
Ist echt interessant, wie unterschiedliche Erfahrungen wir gemacht haben. @blackstar. Ich seh im Chef vom TE eher die Chance, seine Vorstellungen ändern zu können, zumal er das irgendwie möchte.

Du wiederum mahnst zur Vorsicht. Was auch verständlich ist.

Mal gespannt, wie er sich entscheidet.



283
04*** Leipzig / Sachsen
204
  13.08.2017 16:01  
Mir ist es immer unangenehm, wenn Chefs oder auch nur Kollegen versuchen, mich nach meinem Privatleben auszufragen.
Ich erzaehle manchmal unverfaengliches und antworte auf explizite Fragen moeglichst knapp. Wenn es um Meinungen/Ansichten geht, versuche ich auch manchmal abzuschaetzen, was die gerne *beep*. Nicht noch mehr auffallen als ohnehin schon, aber genug erzaehlen, dass die nicht erst recht neugierig werden.

So wie du deine Situation beschreibst, denke ich eigentlich, dass es gut ankommt, wenn du deinem Chef sagst, dass du so erzogen wurdest, dass Privatsachen Privatsachen sind und man das fuer sich behalten soll, dass du die Atmosphaere auf Arbeit gut findest, das aber so noch gar nicht kennst und eben darum Zeit brauchst dich dran zu gewoehnen.

Grade wenn er selber ne schwere Kindheit hatte, wird er das verstehen und es passt ja auch zu deiner urspruenglichen Aussage.
Mir ginge allerdings so eine Frage zur Beziehungsdauer entschieden zu weit und so intime Fragen in offener Runde zu stellen, wo man immer schlecht dasteht wenn man nicht antwortet, zeugt davon, dass es mit der Hoeflichkeit Seitens deines Chefs nicht weit her ist. Da kannst du ihm ruhig auch sagen, dass er in Zukunft bitte nur oberflaechliche Fragen in der Runde an dich stellen soll, bis du dich von selbst oeffnest, weil du dich sonst gedraengt fuehlst.

Von konkreten Aengsten und generell Erkrankungen wuerde ich nichts sagen.



8070
6
10624
  13.08.2017 16:08  
Ja, es kommt eben auf den Chef an! Und er ist noch in der PROBEZEIT, also noch recht neu,
Ob das so gut ist, dann schon mal anzufangen, daß man psychisch nicht ganz auf der Höhe ist
und sich diese Erkenntnis, gut auf ein darauf anschließendes Arbeitsverhältnis auswirkt?
Das Geständnis, würde ich mindestens, bis eine Weile nach festem Arbeitsvertragsabschluß hinaus schieben.
Ein Chef ist immer am längeren Hebel und kann es sich durchaus erlauben, von sich zu erzählen,
andersrum kann es eher nach hinten los gehen.



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  13.08.2017 16:30  
Das mit der Probezeit wäre das einzige, was mir zu denken gibt. Ansonsten denke ich, dass Du dich dem Chef anvertrauen kannst. Besonders dann, wenn er selber schon von seiner schweren Kindheit berichtet. Anders sähe es aus, wenn er selber keine eigenen Erfahrungen in dieser Richtung gemacht hat.
Ich tippe eher darauf, dass er viel besser auf dich eingehen kann, wenn er weiß, was Sache ist. Ob er ansich vertrauenswürdig ist oder nicht, kannst nur Du beurteilen. Wenn sein Interesse an einem guten Miteinander allerdings nicht bloß geheuchelt ist, sehe ich es als Vorteil an, ihm zumindest mal ein paar Brocken hinzuwerfen.
Auch die Kollegen werden dich besser verstehen, wenn sie wissen, was dich bedrückt.


Mein Chef ist auch so, dass er großen Wert auf ein gutes Miteinander legt und als ich letztes Jahr aus heiterem Himmel in die Klinik kam, wurde ich mit voller Unterstützung wieder empfangen. Und dann hat mir mein Chef auch ein paar Sachen von sich erzählt, die Parallelen zu meinen aufwiesen. Jetzt muss er sich nicht mehr fragen, was los ist, wenn ich mal wieder die Werkzeuge durch die Gegen werfe.

Ps, aber eins noch: Ich denke, wenn ein Chef die Probleme kennt, wird er erwarten, dass man sich diesbezüglich Hilfe sucht. Denn das einfach das restliche Arbeitsleben zu tolerieren, geht dann doch über das Zwischenmenschliche hinaus. Irgendwann muss auch wieder wirtschaftlich gedacht werden.

Danke1xDanke


8070
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10624
  13.08.2017 16:45  
Galgenmännchen hat geschrieben:
Ob er ansich vertrauenswürdig ist oder nicht, kannst nur Du beurteilen.


Ja, das können wir eben nicht sehen!



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  13.08.2017 17:04  
Und trotzdem kann man Tips geben, für den Fall, dass er vertrauenswürdig ist!

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