Hallo,

ich wollte mal fragen, ob jemand Erfahrung hat mit Medikamenten-Einnahme bei Sozialer Phobie und ob es hilft oder nicht hilft... Macht es abhängig oder so? Fühlt man sich stärker?

Liebe Grüße,
Angsthäschen_

03.02.2008 03:09 • 31.03.2008 #1


9 Antworten ↓


Ich nehme Sertralin und ich habe dadurch einen gewissen Grundpegel an Selbstbewusstsein bekomme grübel nicht so oft rum und bin viel lockerer geworden und ziemlich euphorisch und glücklich wie seit langen nicht mehr.
Aber wirkt ja schließlich bei jeden anders.

03.02.2008 11:33 • #2


Hallo Angsthaeschen
Ich nehme seit zweieinhalb Jahren 120mg Cymbalta pro Tag.
Die Verbesserung ist enorm! Vor allem oeffentliche Vortreage, Kontakte mir Autoitaetspersonen, aber auch Smalltalk usw. sind kein Problem mehr. Ich war schon zwei Jahre lang an meinem Arbeitsplatz, und habe mir nie getraut, andere anzuprechen, obwohl ich den Wunsch hatte. Mit Cymbalta habe ich dann als Uebung alle schoenen Frauen angesprochen, die ich frueher nur aus der Ferne bewundert habe. Mein Alk. war relativ hoch, Parties habe ich ohne Alk. nicht ueberlebt. Bin zwar immer noch kein Partytiger, aber es macht mir auch keine Angst mehr. Alk. als Hilfsmittel brauche ich nicht mehr.
Am Anfang hatte ich die gesamte Liste von Nebenwirkungen. Am ersten Tag Panik und Erbrechen, laenger Verstopfung, erhoehtes Schwitzen, schwierigeres Urinieren, Libido reduziert. Mit dem Schlaf hatte ich anfangs auch Probleme. Auch habe ich Gewicht verloren, was mir aber willkommen war. Nach und nach wurden die Nebenwirkungen weniger. Nach 6 Monaten hatte ich keine Nebenwirkungen mehr. Ausser: Alptraeume, wenn ich Alk. trinke zusammen mit Cymbalta - das sollte ich wohl lassen, ist auch schlecht fuer die Leber. Meine Beziehung hat sich auch verbessert, da ich meine Beduerfnisse besser mitteilen kann.
Wie oben schon geschrieben, scheinen Medikamente individuell verschieden zu wirken, bei mir war es der Durchbruch. Und ich habe vorher auch Therapien versucht, versucht, mich "der Angst zu stellen", usw. Es war alles ein Disaster.
Jedenfalls finde ich angesichts des Leidensdrucks von sozialer Angst die Reserviertheit gegenueber Medikamenten unverstaendlich und sogar dumm. Wieso soll man etwas ablehnen, das so gut hilft?

03.02.2008 17:16 • #3


Dumm ist Reserviertheit gegenüber Psychopharmaka ganz bestimmt nicht. Die Forschung ist sich nicht einmal sicher, warum diese Art von Wirkstoffen überhaupt diese Ergebnisse erzielt. Ganz zu schweigen von möglichen Langzeitnebenwirkungen, die nach aktuellem Stand der medizinischen Forschung noch überhaupt nicht abgeschätzt werden können.
Natürlich ist das aber immer eine Kosten-Nutzen-Abwägung. Und Psychopharmaka können unzweifelhaft eine große Stütze bei psychischen Erkrankungen darstellen. In der Praxis sind es zur Zeit etwa 20 Wirkstoffe, die bei Angststörungen mit oder ohne depressiver Verstimmung eingesetzt werden können. Auch eine Kombination ist möglich. Letztlich hilft hier nur ein Ausschlußverfahren durch Probieren, um den passenden Wirkstoff zu finden.

03.02.2008 18:14 • #4


Bei unzaehligen Medikamenten ist der genaue Wirkungsmechanismus unbekannt, zum Beispiel weiss man nicht, wie das Schmerzmittel Paracetamol wirkt, das sogar Saeuglingen verabreicht werden darf. Man hat uebrigens bei SSRI , SSNRI oder MAO Hemmern plausible Modelle ueber die molekularen Mechanisms, wie man ja schon aus deren Namen erkennen kann. Es mag sein, dass noch nicht alle negativen Langzeitfolgen der Medikamente bekannt sind. Die Langzeitfolgen der sozialen Phobie sind da besser bekannt: Alk., Depression, erhoehte Suizidrate, (ganz abgesehen von dem persoenlichen Leiden).
Unverstaendlich - ja ich wiederhole: dumm - erscheint mir einfach die diffuse Weigerung, Medikamente zu versuchen, vor allem bei enormen Leidensdruck. Es gibt keine Hinweise, dass man eine soziale Phobie alleine ueberwinden kann ("stelle Dich der Angst", "Du bist ok, wie Du bist." "Das ist halt Dein Weg, und Du musst ihn in Wuerde ertragen." ) Das Gegenteil ist der Fall, die soziale Phobie verschaerft sich mit der Zeit! Ich habe das alles durchgemacht. Ich bin im nachhinein erschreckt ueber die Ignoranz der Psychiater, Therapeuten, Homöopathen, Gesitheiler usw. die ich aufgesucht habe in meinem Unglueck.
Also, Leute, luegt Euch nicht in die Tasche: Soziale Phobie ist verheerend und man kann etwas dagegen machen. Erstens: CBT, kognitive Verhaltenstherapie, zweitens: Medikamente (SSRI, SSRNI, MAO Hemmer - die scheinen uebrigens am wirksamsten zu sein, aber deren Nebenwirkungsprofil scheint nicht so gut).
Es schmerzt mich einfach zu sehen, wieviele hier leiden, ohne kompetente (!) Hilfe zu bekommen.

04.02.2008 02:31 • #5


hallo,
ich nehme seid 5 tagen trevilor retard 75mg gegen soziale phobie und depressionen... die tabletten hat mein arzt mir verschrieben obwohl ich vor zwei monaten erst 17 geworden bin (eigentlich dürfen kinder und jugendliche unter 18 sie gar nicht nehmen) ich weiß noch nich ob sie auch helfen ich hoffe es... denn meine phobie macht mir ganz schön zu schaffen und manchmal denke ich auch das es das beste wäre einfach tot zu sein... ich habe auch schon eine stationäre therapie gemacht und sie hat mir nicht geholfen...
seid einem jahr kann ich gar nicht mehr zur schule gehen und davor nur sehr unregelmäßig. dementsprechend waren auch meine zeugnisse.
in die disco oder auf party gehe ich auch nur wenn ich vorher schon bsichen was getrunken habe

vllt hat ja jemand erfahrungen mit tevilor bei sozialer phobie und kann darüber berichten...

04.02.2008 23:49 • #6


Jep, Trevilor hab ich auch schon genommen. Hatte ganz gut gewirkt, war ruhiger, gleichzeitig unternehmungslustiger und mutiger. Leider war ich auch "wuschiger", konnte mich nicht so gut konzentrieren. Hab es dann abgesetzt, nachdem ich auch noch angefangen habe sehr zu schwitzen. Kenne aber viele Leutz, dennen dieses Medi sehr gut geholfen hat.
MAO-Hemmer hatte ich auch schon. Depris gingen zurück, mehr Antrieb. Leider nach einer gewissen Zeit war ich plötzlich nur noch müde, hätte dauernd schlafen können.
Jetzt bekomme ich Citalopram, das hilft mir persönlich bis jetzt noch am besten. Aber ist halt immer individuell, muss man eben ausprobieren, was zu einem passt.

05.02.2008 13:40 • #7


Ich sehe es immer wieder ungern, wenn Ihr Euch gegenseitig Medikamente empfehlt. Das sollten Ärzte entscheiden. Ich hatte Soziale Phobie, bekam Antidepressiva. Aber ich weiß noch ganz genau, daß man mir gesagt hat, daß ich mein Leben verändern müßte und durch positive Erlebnisse gesünder würde. Ich habe es geschafft, natürlich mit Hilfe.

09.02.2008 05:15 • #8


ich habe mal tavor bekommen zur beruhigung, habe ich aber nur einmal genommen, weil es nicht gewirkt hat und ich nicht abhängig werden wollte.

da ich zwischen ängsten und depris schwanke, wüsste ich gar nicht, ob ich eher uppers oder downers nehmen müsste.

bin aber zur zeit an einem punkt, wo ich wirklich auf medikamente zurückgreifen würde, denn alleine irgendwo langlaufen ist der horror....

habe auch gehört, dass manchmal uppers helfen, weil die leute dann sagen, na mensch, das leben ist ja doch schön... und die nehmen es nur bis die packung alle ist. und sind danach erstmal beschwerdefrei.

31.03.2008 00:21 • #9


Ich nehme zwar keine Medikamente, aber würde trotzdem gerne was dazu schreiben. Es klingt bei manchen so als wären die Medikamente wahre Wundermittel und anscheinend wird auf einmal alles super. So ungefähr: Therapie schlecht-Medikamente gut. Ich denke wenn sollte man auf jedenfall beides miteinander verbinden. Also eine Therapie und "begleitend" Medikamente. Schließlich will man auch irgendwann mal wieder ohne Medikament glücklich sein oder?

31.03.2008 16:21 • #10




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