Claudine

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Hallo zusammen!

Ich habe mich in diesem Forum angemeldet, weil ich gerne mein Problem schildern möchte und Euch um Rat fragen möchte.

Es geht bei mir um das Thema "Vorstellungsgespräch" und ich bin mir relativ sicher, dass ihr am Threadende Euch fragt, was ich wohl habe.....

Aber erstmal der Reihe nach:

Demnächst (Juli nächsten Jahres) geht mein Teamleiter in Rente und es ist geplant, dass ich die Stelle bekommen soll. In unserem Unternehmen ist es allerdings so, dass jede Stelle ausgeschrieben wird und mit den geeigneten Bewerbern ein Vorstellungsgespräch geführt wird. Bei dem Vorstellungsgespräch wiederum sitzen dann ungefähr 6-8 Personen da und beobachten das gesamte Szenario.

Alle Personen sind mir aus der bisherigen Zusammenarbeit bestens bekannt und ich würde mal behaupten, dass alle Personen auf meiner Seite sind - kurzum: niemand will mir etwas Böses.

Das Vorstellungsgespräch wird von meinem Abteilungsleiter geführt, der sich entsprechende Fragen ausdenkt (die er mir im Vorfeld definitiv nicht verraten wird). Meist ist auch eine sehr verzwickte Aufgabe dabei, die dann gelöst werden muss.

Nun ist es aber so, dass ich eine absolute Prüfungsangst (und dazu gehören nunmal auch Vorstellungsgespräche) habe.

Die Tätigkeit um die es hier geht, ist mir Bestens bekannt, da ich zum einen schon jahrelang mit meinem Teamleiter in einem Büro zusammenarbeite, wir uns in großen Teilbereichen ein Aufgabengebiet teilen und ich regelmäßig seine Urlaubs- und Krankheitsvertretung übernehme, mit anderen Worten: Ich werde die Tätigkeit, um die es hier geht, viel besser kennen, als jeder andere Bewerber.

Allerdings habe ich mich in Prüfungssituationen nicht im Griff:

- Ich vergesse zu atmen, und während ich rede klingt es so, als sei ich dem Erstickungstod sehr nahe
- Ich kann nicht klar und deutlich kommunizieren (verhaspel mich und wenn es ganz schlimm kommt, dann weiss ich plötzlich nicht mehr was ich sagen wollte)
- Ich weiss plötzlich auf die einfachsten Fragen keine Antwort

Summasumarum würde es dazu führen, dass ich mich absolut vor den anderen blamiere und letztendlich die Stelle nicht bekomme. Das wiederum würde dazu führen, dass ich dann bald eine oder einen Vorgesetzte(n) hätte, die / der sich mit der ganzen Thematik nicht auskennt, aber sich besser im Vorstellungsgespräch verkauft hat.

Eigentlich bin ich trotz meines nicht vorhandenen Selbstwertgefühls recht kommunikationsstark und in einem Seminar, wo es darum ging vor einer Gruppe zu unbekannten Themen zu telefonieren, bescheinigte man mir eine verbale Souveränität (wobei ich dies in der Situation überhaupt nicht so empfunden habe).

Da es bis zu dem Tag des Vorstellungsgespräches noch eine ganze Weile hin ist, möchte ich nun mein Problem angehen und würde mich freuen, wenn ich hier geeignete Tipps erhalten könnte (gerne auch evtl. Hinweise zu Seminaren).

Schon jetzt vielen lieben Dank und viele Grüße

Claudine

02.09.2015 15:03 • 04.09.2015 #1


9 Antworten ↓


Icefalki

Icefalki


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Hey Claudine, willkommen bei uns.

ich würde mir einen professionellen Coach suchen und das üben. Du hast noch genügend Zeit und je besser du vorbereitet bist, desto leichter fällt es dir.

Per video kannst du dich betrachten, wie du äußerlich rüberkommst.

Je mehr Sicherheit, durch üben entsteht, je leichter hast du es. Und es wäre echt jammerschade, einen solchen Job nicht zu bekommen.. Zugleich kannst du Verhaltensweisen trainieren, dein Selbstbewusstsein stärken, sprich, Vertrauen zu dir bekommen.

02.09.2015 15:21 • #2


Claudine


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Hallo Icefalki,

vielen lieben Dank für Deine prompte Antwort.

Ja, an einen Coach (oder Therapeuten) habe ich auch schon gedacht, allerdings sind solche Personen recht teuer. Ferner kommt bei mir hinzu, dass ich ja weiß, dass es in dem Moment noch um rein gar nichts geht, so dass ich bezweifel, dass ein Therapeut überhaupt versteht wo mein Proble ist.

Der Vorschlag mit dem Video ist eine gute Möglichkeit, doch bei mir absolut fehl am Platz, weil ich mich zum einen bei einer solchen Aufnahme absolut verstellen würde und zum anderen mir nachher das Ergebnis auch gar nicht ansehen möchte (weil ich mich vor mir selbst schäme).

Gestern habe ich schon mal gegooglet und an unserer hiesigen VHS ein Seminar bzgl. Selbstbewusstsein etc. gefunden. Dort wollte ich mich eigentlich anmelden, doch eine sehr sehr gute Freundin von mir meinte, dass ich da nicht hingehöre, weil ein solches Seminar nur für Personen ist, die absolute Ängste haben und für die es keinen anderen Ausweg gibt.

Ich selbst würde mich ja nicht ganz als hoffnungsloser Fall bezeichnen, aber trotzdem habe ich nunmal meine Probleme.

02.09.2015 15:31 • #3


Icefalki

Icefalki


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Dann hilft die Familie oder Freunde. Wir haben unseren Kinder auch geholfen.

Wir haben Vorstellungsgespräche geübt. Mit allen Schikanen. Du musst das nur üben.

Jeder hat das Angst und es geht ja um was.

Merke dir eins, wenn man an Problemen arbeiten kann, dann tut man es. Stellt man sich blöd an, oder meint, es ist blöd, üben, üben üben.

Ich als panikerin musste einen Vortrag halten. Bin beinahe gestorben. Aber ich habe geübt. Allein, mit Videos, dann mit meinem Mann, meinen Kinder. Und ich war spitze, am Schluss.

Frag nicht wie es zu Anfang war.

Dann gibt es noch Bücher, die helfen, sich auf eine Stellenausschreibungen vorzubereiten.

Da stehen viele Fragen, usw.

Das wäre auch mal ein Anfang. Hat mein Sohn gemacht. Nonverbales Verhalten kann man üben. Den anderen spiegeln. Wie setzt man sich auf einen Stuhl. Was machen die Arme, usw. Usw.

Das packst du. Du musst nur üben. Guck dich an. Zu Beginn muss das noch keiner sehen. Aber du siehst es und wirst immer geübter.

Mach dich schlau..

02.09.2015 15:45 • #4


Claudine


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Hallo Icefalki,

vielen Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast auf meine Beiträge hier zu antworten, doch leider ist es nicht das was ich suche - bitte nicht böse sein, es hat auch nichts mit Dir zu tun, es liegt wohl eher daran, dass keine Prüfungssituation entsteht, wenn ich Fragen, die in einem Vorstellungsgespräch vorkommen könnten, vorher mit Freunden und Bekannten oder gar Familienmitgliedern übe. Da bin ich absolut relaxt und mir würde es im Traum nicht einfallen hier auch nur ansatzweise Angst zu haben. Vielleicht liegt es auch einfach daran, dass ich dann weiß, dass es nur eine "gespielte" Situation ist.

Vielleicht auch noch etwas zur Verdeutlichung:

Ich weiß ziemlich genau wie Vorstellungsgespräche ablaufen, da ich bis dato immer auf der anderen Seite gesessen habe (also mit anderen Worten: selbst solche Gespräche geführt habe), aber nun hängt da eine ganze ganze Menge von ab und ich möchte für den Fall, dass ich mich mal wieder sehr dämlich anstelle, den anderen Beteiligten noch in die Augen sehen können.

03.09.2015 09:18 • #5


Hotin

Hotin


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Hallo Claudine,

Hallo Icefalki,

Zitat:
vielen Dank, dass Du Dir die Mühe gemacht hast auf meine Beiträge hier zu antworten, doch leider ist
es nicht das was ich suche.

Zitat:
es liegt wohl eher daran, dass keine Prüfungssituation entsteht


Was suchst Du denn dann? Der Rat von Icefalki war doch gut.

Zitat:
Nun ist es aber so, dass ich eine absolute Prüfungsangst (und dazu gehören nunmal auch Vorstellungsgespräche) habe.


Wenn doch keine Prüfungssituation entsteht, ist es doch egal, ob Du unter Prüfungsangst leidest.
Hast Du nur etwas Angst davor, Dich zu blamieren?
Und wie gehst Du damit um, falls Du die Stelle nicht bekommst?

Viele Grüße

Hotin

03.09.2015 14:45 • #6


Icefalki

Icefalki


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Claudine, bin nicht böse, aber Hotin hat recht. Es ist doch eine Prüfungssituation. Du stehst vor der Jury.

Und deine Ängste entsprechen doch dem ganz normalen Wahnsinn, wenn man beurteilt wird.

Ich habe es eigentlich verstanden. Du hast Angst dich zu blamieren und zwar vor deinen Kollegen.

Also brauchst du die Sicherheit, in dem du siehst, wie du rüberkommst, bei Bekannten, Familie, Freunde. Menschen, die dich kennen.

Oder meinst du innerlich, dass deine Kollegen dich "vorführen" könnten.

So wie, "mal gespannt, wie sie sich schlägt. Jetzt stellen wir sie mal auf die Probe?"

03.09.2015 15:35 • #7


Schlaflose

Schlaflose


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Zitat von Icefalki:
Claudine, bin nicht böse, aber Hotin hat recht. Es ist doch eine Prüfungssituation. Du stehst vor der Jury.


Ich glaube, Claudine hat gemeint, dass es keine Prüfungssituation ist, wenn sie es vor ihrer Familie übt. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, denn das würde bei mir auch nichts bringen, weil es nicht "echt" ist und es um nichts geht.

03.09.2015 16:12 • #8


Claudine


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Sorry, dass ich mich da etwas unklar ausgedrückt habe, aber wie Schlaflose das schon richtig erkannt aht, es geht um das Nachstellen einer solchen Situation innerhalb des Freundes und Bekanntenkreises. Zum einen haben die gar nicht das Fachwissen, können mir also gar keine kniffeligen Fachfragen stellen und zum anderen wäre ich sowas von relaxt, ich würde denen alles beantworten.

In einer richtigen Prüfung, und dazu zähle ich halt auch das Vorstellungsgespräch, geht es mir komplett anders und jede Coolness ist wie weggeblasen.

Zu Hotin:

JA, es ist (in Deinen Augen" NUR") die Angst sich zu blamieren. Sorry, wenn Du dies nicht nachvollziehen kannst, aber ich schleppe solche Blamagen dann noch sehr viele Jahre mit mir rum und kann nicht einfach sagen "mist happens". Nein, diese Personen, die an dem Gespräch teilnehmen, werde ich immer und immer wieder sehen - Woche für Woche.... und jedesmal wird mir die Blamage aus dem Vorstellungsgespräch präsent sein und dann natürlich die Gefahr, dass jemand evtl. die Stelle bekommen könnte, der nicht das Fachwissen wie ich hat, sich aber einfach bei dem Vorstellungsgespräch besser verkaufen konnte und deshalb die Stelle bekommt und deshalb dann mein Vorgesetzter ist- und NUR deswegen, weil ich versagt habe.

04.09.2015 07:23 • #9


Hotin

Hotin


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Hallo Claudine,

natürlich kann ich das nachvollziehen, das Du eine Niederlage in einer
Prüfung eventuell etwas länger mitschleppst.

Ich kann mir aber schlecht vorstellen, das Du wegen Deiner Angst in der Prüfung
durch fällst.

Eventuell verstehe ich etwas anderes nicht oder ich habe zu wenig Informationen.
Wenn Du eine jahrelange Mitarbeiterin in einer Firma, Behörde, oder wo immer bist.
Dann kann ich mir nicht vorstellen, das dann überhaupt eine normale Vorstellungssituation
entstehen wird.
Die kennen Dich und Deine Arbeitsweise doch. Eigentlich kann ich mir nur folgendes vorstellen.
Eine echte Prüfungssituation macht hier sehr wenig Sinn.
Die Prüfer werden schon vorher wissen, wer das Rennen gewinnen wird.
1. Mann möchte Dich in der Position haben. Dann brauchst Du keine Angst haben. Die anderen
Prüflinge sind dann nur der Form halber eingeladen.
2. Die Stelle soll durch eine externe Bewerberin wieder neu besetzt werden.
Dann hast Du nie eine Chance. Man wird Dich nur deshalb einladen,
weil man Dich nicht einfach übergehen darf.

Du solltest möglichst herausfinden, was die bei der Neubesetzung vorhaben.
Vielleicht kann Dir der jetzige Stelleninhaber sagen in welche Richtung das gehen wird.
Daher glaube ich, Du kannst dich da kaum blamieren. Wenn die Dich wollen ziehen die Dich
durch das Prüfungsgespräch. Dann passiert Dir nichts.

Viel Erfolg für Dich.

Und bitte nicht wundern, wenn wir hier Klartext schreiben und in der Sache
hart argumentieren. So sind wir halt. Bitte nimm das nicht persönlich.

Viele Grüße

Hotin

04.09.2015 08:37 • #10



Dr. Reinhard Pichler


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