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Hallo!

Ich bin neu hier und bin mir nicht sicher, wo das Thema genau hin gehört, also falls es hier falsch ist bitte verschiebt es. Tut mir Leid dann. ^^"


Ich bin 23, weiblich und habe schreckliche Angst vor jeder Form von emotionaler Nähe, die über gewöhnliche Freundschaft hinaus geht. Das Problem begleitet mich schon seit ich zurück denken kann, es war eigentlich nie anders. Deshalb kann ich auch nicht sagen wann es begonnen hat und - was ich gerne herausfinden würde - warum ich solche Angst habe. Hier auf dieser Website aber auch an anderen Orten habe ich immer wieder gelesen, dass die Angst vor Nähe ihre Ursachen in Traumata hat, in Kindheitserlebnissen, aber ich kann mich nicht erinnern, dass in meinem Leben je etwas derartiges vorgefallen wäre. Dabei müsste es doch einen Auslöser geben, der auch hinreichend schrecklich war, oder nicht?

Aber dazu einmal mehr von mir:

Ich war bereits einmal in psychischer Behandlung. Freiwillig, da ich von einem Tag auf den anderen einfach nicht mehr konnte. Mir war nicht bewusst, dass ich überhaupt traurig war, bis es eben ganz plötzlich mit einem Schlag auf mich einstürmte. Man könnte sagen: Ich ging eines Tages bei der Tür hinein und ein Ziegelstein fiel mir auf den Kopf. So in etwa war das. Danach tat einfach alles nur noch weh. Meine Diagnose war Belastungsstörung und ich ging in Behandlung, da ich selbst daran arbeiten wollte und sehr engagiert war meine Situation zu bessern. Damals war ich ca 17 Jahre alt, genau weiß ich es nicht mehr. Konkrete Gründe für meine Misere wurden keine gefunden, aber mehrere Möglichkeiten. Zu der Zeit stritten meine Eltern oft.

Obwohl ich in einem Internat wohnte kam ich jedes Wochenende nachhause und bekam natürlich alles mit. Eigentlich wachte ich jeden Morgen wegen ihrem Geschrei auf. Ich war nie Gegenstand oder gar Grund dieser Streits, doch ich hasste es dennoch. Früher hatten meine Eltern nie so gestritten, denke ich.

Ein anderer Grund war sicher die Schule einige Jahre zuvor, da war ich ca 9. Obwohl ich mich im Internat sehr wohl fühlte, von allen akzeptiert und auch meine schulische Leistung gut war, war das in den Schulen davor überhaupt nicht so gewesen. Eine Lehrerin hatte mich gehasst, ich verstehe heute noch nicht warum, aber sie mobbte mich schlimm und das griff auch auf die Klasse über. Bald wollte niemand mehr etwas mit mir zu tun haben außer um mich zu drangsalieren. Viel Geld wurde in dieser Zeit gestohlen und viel seelischer Schaden angerichtet. Meine Noten in diesem Fach waren natürlich unter aller Sau. Obwohl ich sonst recht gut war und in die nächste Klasse aufsteigen hätte dürfen, wechselte ich nach einem Jahr die Schule. Dort ging es mir besser. Ich war nicht beliebt, aber man ärgerte mich nicht mehr so schlimm. Ich dachte, darüber wäre ich hinweg gewesen, aber scheinbar doch nicht so recht, denn meine Therapeutin ging davon aus, es könne ein Grund für meine Belastungsstörung sein. Die Lehrerin hasse ich heute noch immer und wenn ich das Gefühl habe, bloßgestellt zu werden, packt mich die *beep* Angst.

Meine Behandlung verlief sehr gut, denn ich war davon überzeugt, mir würde es bald besser gehen, obwohl ich mich fühlte wie nasses, stinkendes Stück Hundedreck und nicht einmal so recht wusste wieso. Ich glaubte an mich und nach ca einem halben Jahr ging es mir wieder richtig gut; meine Therapeutin war darüber wirklich erstaunt. Und das, obwohl meine außer-schulischen Verhältnisse eigentlich schon wieder überhaupt nicht gut waren zu der Zeit, denn das war die Zeit, in der ich meine Probleme mit Nähe entdeckte.

Während ich in Behandlung war lernte ich einen netten Jungen kennen mit dem ich mich gut verstand, irgendwann so gut, dass man es Liebe nennen konnte. Bei ihm fühlte ich mich verstanden, denn wie er sehr bald nachdem er mich kennen lernte feststellte, litt auch er unter einer Belastungsstörung, die anschließend behandelt wurde. Er war meine erste Liebe und bis dato auch meine letzte. Wir quasselten, wir taten vieles gemeinsam aber obwohl ich wusste, dass er mich liebt und er mir das auch sehr deutlich machte, konnte ich ihm gegenüber nie eingestehen, dass ich das ebenfalls tat. Ich wollte nicht, dass er es weiß. Ich glaube der bloße Gedanke daran, dass er ein solches Vertrauen und eine solche /Abhängigkeit/ mir gegenüber hatte, machte mir Angst. Ich sagte ihm immer, dass ich ihn nicht lieben würde (wir hatten nie körperlichen Kontakt in keiner Form) und wir einigten uns darauf, dass man da eben nichts machen kann, dennoch konnte er nie aufhören mir gegenüber eindeutig zu sein. Ich sagte ihm ich wollte es nicht, mehrmals, doch immer flirtete er mit mir. Mir machte das rasende Angst, einerseits wollte ich nur noch weg von ihm, andererseits konnte ich nicht, da ich ihn ja liebte! öÖ Ein halbes Jahr schleppte ich mich so dahin, bis ich ihn irgendwann vor die Wahl stellte: Entweder er hört auf oder er sieht mich nie wieder. Nun, er hörte nicht auf und seither hat er mich nie wieder gesehen (Dh, ein paar Jahre später sah ich ihn mal wieder. Ich hatte immer gehofft auch er schafft es und das hat er auch, wie ich feststellte. Ihm geht es wieder gut und darüber bin ich froh, auch wenn er heute ein Ar. und ein Macho ist, ganz anders als damals. ). Ich weinte, ich fühlte mich schuldig, aber irgendwann hörte das auf und gut wars.

Meiner Psychologin habe ich von ihm nie etwas erzählt. Ich wusste, das zwar nicht alles, aber ein großer, gleicher Teil an allem meine Schuld war und schämte mich.

Meine Behandlung war vorüber, mir ging es wieder gut und so wurde sie beendet. Ich war stolz auf mich und froh 'geheilt' zu sein, obwohl ich immer noch tausend andere Probleme hatte. Ich erwähnte bereits: Die Angst vor anderen bloßgestellt zu werden und die nie erwähnte schreckliche Angst vor emotionaler Nähe.

Dass ich diese besitze wurde mir auch erst später bewusst, vorher hatte das Kind keinen Namen für mich. Auf jeden Fall habe ich nach ihm jede Beziehung erfolgreich im Keim erstickt. Eigentlich habe ich sogar Angst davor, mich mit Jungs anzufreunden, da ich Angst davor habe, sie könnten sich in mich verlieben. Manche finde ich ganz nett, aber ich lerne sie nie besser kennen und wenn ich es vermeiden kann rede ich auch nicht viel mit ihnen. Manche Jungs mochten mich dennoch gerne und haben sich an mich versucht, doch ich war immer passiv, tat so, als würde ich nichts bemerken und war froh, sobald sie wieder gingen. Das komische daran ist: Ich fürchte mich nicht davor, verletzt zu werden, ich habe Angst, die anderen zu verletzen! Das ist doch merkwürdig, oder?

Ich will von niemandem geliebt werden weil ich schreckliche Angst davor haben, den Ansprüchen nicht zu genügen oder wegen meiner Angst - denn ich weiß genau was ich in meiner Angst so mache - dem armen Jungen das Herz zu brechen... Der Gedanke, dass jemand mich um sich haben muss, um glücklich zu sein, dass jemand so abhängig von mir ist, versetzt mich in Panik. Das ist eine Macht, die ich nicht besitzen will. Ich weiß, das klingt alles sehr dumm und sehr kitschig, vielleicht sogar ausgedacht, aber es ist wirklich so. Ich will nicht, dass mir jemand so nahe kommt, sich so auf mich verlässt, weil ich mittlerweile weiß, wie das endet. Das lustige ist, ich betrachte mich als bi., vor Mädchen habe ich aber weit weniger Angst... Ich habe zwar auch das einzige Mädchen, dass es jemals versucht hätte, erfolgreich abgewehrt (was diesmal übrigends ganz alleine meine Schuld war und auch eines der peinlichsten und schrecklichsten Kapitel meines Lebens war, sehr wie damals mit meiner ersten Liebe), aber grundsätzlich gehe ich mit Mädchen viel unbefangener um. Ich habe keine Probleme neue Leute kennen zu lernen, eigentlich tue ich das gerne. Ich habe Freundinnen, zwar nicht viele, aber mir genügen sie sehr und mit meiner besten Freundin bin ich auch richtig dicke. Auf jeden Fall liebe ich keinen Menschen, habe seit dem Jungen damals auch nie wieder geliebt obwohl ich es gerne würde und werde wohl auch in Zukunft noch lange niemanden lieben. Manchmal frage ich mich ob ich das überhaupt kann oder ob das einfach alles aus mir heraus gebrannt wurde... oder es vielleicht nie da war? Viele Mädchen haben schon in der Grundschule die ersten unschuldigen Lieblinge, doch bei mir war das nie so. Für Jungs habe ich mich nie interessiert.

Warum bin ich also hier?

Ich will wissen, was das alles bedeutet. Warum habe ich solche Angst? Woher kommt sie? Und wieso liest man nie von Menschen, die Angst haben, ANDERE zu verletzen (anstatt selbst verletzt zu werden)?

Ich hatte doch nie ein Trauma. An meine Kindheit vor der Schule mit der verhassten Lehrerin kann ich mich kaum erinnern, aber falls da etwas schreckliches vorgefallen wäre, wüsste ich es. Mit meiner Weisheit bin ich schon lange am Ende und habe mich eigentlich mit meinem Schicksal abgefunden, doch wieso ich so bin, das will ich eigentlich immer noch gerne wissen.

13.11.2012 05:50 • 14.11.2012 #1


10 Antworten ↓


Du hast doch genug Gründe für deine Ängste beschrieben. Dein leben im Internat, das dadurch fehlende Urvertrauen, der Streit deiner Eltern. Dein Grundgefühl, du bist es nicht Wert geliebt zu werden und liebst dich selber nicht. Warum geben Eltern ein 9 jähriger Kind weg ins Internat? Da springt einen das Trauma ja gradezu an

13.11.2012 06:36 • #2



Angst vor Nähe, ohne Ursache?

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HeikoEN
Die Spur ist schon richtig und die Antwort dürfte relativ klar in der Kindheit liegen.

Konkret wird Dir aber hier niemand weiterhelfen können, da das Thema ja sehr individuell ist und nur Du deine Biographie kennst.

Was aber helfen kann ist, Mithilfe eines Therapeuten ein wenig Biographiearbeit zu machen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, auch an solche nicht offensichtlichen "Probleme" bzw. Ursachen heranzukommen.

Wenn man die möglichen Ursache(n) kennt, kann man direkt an ihnen arbeiten, ebenfalls im Rahmen einer Therapie, so dass Du es in dein Leben integrieren kannst und somit NICHT mehr die heutigen Denk- und Verhaltensweisen brauchen wirst, damit Du es verarbeiten kannst.

D.h., die emotionale/körperliche Nähe wäre dann ggf. möglich.

Aktuell benötigst Du sie noch, da Du etwas schützen musst, was auch gut so ist!

Und auch Deine Ablehnung gegenüber Nähe ist gut! Denn die brauchtest Du damals, um dich abzugrenzen, um ggf. zu überleben.

Wie schon o.g. geht sowas eben nur im "gesicherten" Rahmen einer Therapie und Mithilfe eines Therapeuten, mit dem Du das aufarbeiten kannst.

Wenn man von Trauma spricht, darf nicht die klassischen Gründe dafür heranziehen. Naturkatastrophen, Todessituationen bei Unfällen etc. sind typisch und jeder versteht es. Aber das für ein Kind z.B. auch eine Trennung der Eltern traumatisierend sein kann, haben die wenigstens auf dem Schirm. Genauso wie psychische Probleme der Eltern, Suchtproblematiken der Eltern, Geschwisterkonstellationen usw. sind alles mögliche Auslöser für ein Trauma!

Viel Kraft!

13.11.2012 10:52 • #3


@Prinzessin22580
Zitat:
Du hast doch genug Gründe für deine Ängste beschrieben. Dein leben im Internat, das dadurch fehlende Urvertrauen, der Streit deiner Eltern. Dein Grundgefühl, du bist es nicht Wert geliebt zu werden und liebst dich selber nicht. Warum geben Eltern ein 9 jähriger Kind weg ins Internat? Da springt einen das Trauma ja gradezu an.


Ich war damals bereits 14 und ich wurde nicht weggegeben, ich wollte dorthin. Für mich war das eine sehr logische Entscheidung diese Schule zu wählen: In Mathematik war ich nie besonders gut, was meiner Meinung teilweise an der Lehrerin lag, die mich damals so schlimm auf dem Kieker hatte. Sie war Mathe-Lehrerin und hat mich für meine schlechten Noten stets mit Genuss bloßgestellt, seither erfüllte mich das Fach mit Angst und Schrecken. Ich habe immer mehr gelernt dafür als für andere Fächer, aber mein Gehirn hatte von da an die Eigenschaft, sich, sobald ich beim Lernen etwas nicht verstand, in Sekundenschnelle in eine Panik zu steigern und dann geht natürlich gar nichts mehr...
In dieser Schule mit dem Internat war Mathematik kein Gegenstand des Abiturs und da ich immer studieren wollte, war es für mich die logische Entscheidung dorthin zu gehen (es gab natürlich auch andere Gründe wie das tolle Klima, das schöne Aussehen der Schule, die wunderbare Umgebung, die Schwerpunkte,....). Ich fühlte mich dort einfach gut aufgehoben und das war ich auch, denn das war die glücklichste Zeit meines Lebens.

Ich fühle mich weder wertlos noch hasse ich mich. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mich sobald ich in die Situation komme, immer frage, weshalb jemand mich lieben sollte. Das liegt allerdings daran, dass ich ja wie bereits erwähnt gar nichts tue um diese Liebe auf mich zu ziehen oder zu verdienen, im Gegenteil! Das mich das so wundert liegt also nicht an mir, sondern an meinen Handlungen. xD



@HeikoEN
Zitat:
Und auch Deine Ablehnung gegenüber Nähe ist gut! Denn die brauchtest Du damals, um dich abzugrenzen, um ggf. zu überleben.


Das ist lustig, dass du das erwähnst, denn meine Therapeutin damals meinte, mein Hauptproblem sei, dass ich mich nicht abgrenzen könne.

Dazu muss man wissen: Ich bin sehr sensibel. Ich bemerke die Stimmungen um mich herum, oft kann ich die Gefühle meines Gegenübers regelrecht spüren. Das funktioniert auch über das Internet und ich lese automatisch sehr viel aus der Art heraus, wie Menschen sich ausdrücken oder NICHT ausdrücken. Wenn um mich herum Streit herrscht ist das für mich schrecklich. Streit ist für mich völlig unnütz und die meisten Dinge werden nur gesagt, um sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen - ich finde das schrecklich, das spüren zu müssen... Auch wenn ich nichts damit zu tun habe, ich hasse sowas. Mir sagen oft Leute: "Wieso stört dich das überhaupt, das hat doch mit dir nichts zu tun!" oder "Wieso hörst du da überhaupt zu, sowas interessiert mich doch gar nicht, wenn andere...!" Meine Mutter meinte einmal zu mir, wieso mich das stört wenn sie mit meinem Vater streitet, weil mich das doch gar nichts angeht (Ja, sie ist leider ein wenig dumm...)

Naja, ich kann eben einfach nichts machen. Ich sehe und spüre das sofort automatisch.

Meine Therapeutin interpretierte das so, dass ich mich von anderen Personen nur schwer abgrenzen kann und deren Probleme zu meinen mache. Teilweise stimmt das ja auch: Die Probleme anderer gehen mir nahe. Ich habe es nie geschafft das zu ändern, finde aber auch, dass daran nie wirklich gearbeitet wurde...

Kann man für andere Personen völlig 'grenzenlos' sein und sich gegenüber bestimmter anderer Personen (=ev. Verehrer) völlig abschotten?

13.11.2012 13:47 • #4


HeikoEN
Zitat:
Das ist lustig, dass du das erwähnst, denn meine Therapeutin damals meinte, mein Hauptproblem sei, dass ich mich nicht abgrenzen könne.

Ja, das ist relativ typisch für traumatisierte Menschen. Von daher braucht man nicht viel zu wissen, um das schonmal sagen zu können.

Zitat:
Dazu muss man wissen: Ich bin sehr sensibel. Ich bemerke die Stimmungen um mich herum, oft kann ich die Gefühle meines Gegenübers regelrecht spüren.

Ebenfalls völlig normal und lässt mich noch viel stärker erkennen, dass das Problem bei Dir in der Kindheit liegt.

Zitat:
Meine Mutter meinte einmal zu mir, wieso mich das stört wenn sie mit meinem Vater streitet, weil mich das doch gar nichts angeht (Ja, sie ist leider ein wenig dumm...)

Och als "dumm" würde ich das gar nicht bezeichnen.

Sie wissen es eben nicht besser.

Man kann dieser Generation nicht unbedingt einen Vorwurf daraus machen, weil sie zum Zeitpunkt des Geschehens es nicht besser wussten.

Heute weiss man jedoch mehr darüber und ist sich ansatzweise im Klaren darüber, was man anrichten kann mit verschiedenen Verhaltensweisen gegenüber bzw. vor Kindern.

Zitat:
Naja, ich kann eben einfach nichts machen. Ich sehe und spüre das sofort automatisch.

Doch, machen kann man eine Menge. Wie ich schon in meiner Ursprungsantwort schrieb, kann man über verschiedene mögliche Therapieansätze sich befreien von den heutigen Denk- und Verhaltensweisen. Auch die Sache mit der Abgrenzung ist sowas.

Zitat:
Meine Therapeutin interpretierte das so, dass ich mich von anderen Personen nur schwer abgrenzen kann und deren Probleme zu meinen mache. Teilweise stimmt das ja auch: Die Probleme anderer gehen mir nahe. Ich habe es nie geschafft das zu ändern, finde aber auch, dass daran nie wirklich gearbeitet wurde...

Nunja, das kann verschiedene Gründe haben. Vielleicht lenkst Du damit von deinen eigenen Problemen ab bzw. kannst sie so für Dich innerlich "umgehen". Es ist auch so, dass man sich als traumatisierter Mensch seine (oft negative) "Lebensumgebung" selber schafft.

Warum?
Weil das vertraut ist. Vertraut aus der Kindheit.

Darum geraten so viele Frauen immer wieder an die selben schlimmen Kerle

Wie gesagt, im Rahmen einer Therapie kann man sowas sehr gut aufarbeiten und erstmal für sich erkennen. Das ist dann sozusagen die halbe Miete. Das Wichtige ist aber, es nicht kognitiv zu verstehen, weil das ist nicht schwer...wichtig ist, die zugehörigen und aufkommenden Gefühle, dorthin zu packen, wo sie hingehören...und darum geht es.

Darum ist der kognitive Ansatz bei Trauma relativ mühsam...

Zitat:
Kann man für andere Personen völlig 'grenzenlos' sein und sich gegenüber bestimmter anderer Personen (=ev. Verehrer) völlig abschotten?

Nee, das klappt nicht.
Was aber klappt ist, sich stetig zu fragen, ob das Gefühl, was da jetzt zwischen Dir und dem Gegenüber steht, auch wirklich DIR gehört? Und wenn nicht, es NICHT anzunehmen.

Sich für das Gefühl des Gegenüber verantwortlich fühlen, ist eine dramatische Sache.

Im normalen Alltagsleben kann man das sehr schön und sehr oft beobachten

Ein "freier" Mensch, bleibt schön und konsequent bei sich. Ein traumatisierter Mensch hebt ab auf den Gegenüber, in welchem Sinne auch immer (negativ oder positiv).

Die Übernahme von Schuldgefühlen, die vom Gegenüber mit "Du hast...", "Warum hast Du nicht...","Wie konntest Du nur..." usw. erzeugt werden, führen dazu, dass man nicht "frei" in seinem Handeln und Denken ist.

Eigentlich ein sehr logischer und einfacher Vorgang. Nur in der Praxis, wenn man traumatisiert ist, nicht umzusetzen sich frei davon zu machen.

Wie gesagt, ist Biographiearbeit sehr sinnvoll bei sowas und danach eine Therapieform wählen, die genau für Trauma geeignet ist.

Fragen?
Gerne!

13.11.2012 15:24 • #5


Ursachen

• Ich scheue mich davor, andere zu verletzen, weil ich Angst habe, dass sie mich dann nicht mehr akzeptieren, schätzen, lieben, oder ich fürchte das Urteil anderer Mitmenschen über mein Verhalten; ebenso will ich vermeiden, dass ich nachher Schuldgefühle bekomme, mir Vorwürfe mache und mich deshalb schlecht fühle.
• Ich hüte mich davor, andere zu verletzen, weil ich selbst nicht verletzt werden will; ich glaube (oder hoffe!), dass es so funktioniert, wie das Sprichwort meint: “Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem andern zu.” – Zeigt eure Erfahrung, dass es tatsächlich so ist? Und selbst wenn es so wäre: Dann beruht mein Verhalten doch auf Angst und ich bin mir dadurch selbst untreu, weil ich nicht so handle, wie ich es wirklich möchte. Das ist nicht gut für mich!
• Und schliesslich eine dritte Möglichkeit, eine sehr häufige, wenn wir ehrlich mit uns selbst sind. Ich ertrage es nicht, einen Mitmenschen leiden zu sehen. Es tut mir weh, wenn es einem anderen nicht gut geht. Ich leide. Genau betrachtet, besteht kein Unterschied, ob ich leide, weil ich beispielsweise krank bin, im Beruf einen Misserfolg einstecken musste, ein mir nahestehender Mensch gestorben ist und mehr, oder ob ich leide, weil ich zusehe, zusehen muss, wie es einem anderen schlecht geht. Deshalb versuche ich, eine solche Situation zu vermeiden und scheue mich, meine Mitmenschen zu verletzen. – Doch dabei geht es nur um mich selbst: Ich leide an meiner Unfähigkeit, den Schmerz eines anderen auszuhalten. Oder ich bekomme Schuldgefühle – unter denen ich dann leide. Oder ich fürchte das Urteil meiner Mitmenschen – unter dem ich dann leide.


1,2 oder 3 ?
Bei Dir ist es aber bestimmt Punkt 3. Sei ehrlich zu Dir, und Du wirst es wissen...

Gruß,
Bwin

13.11.2012 16:02 • #6


HeikoEN
Für Ursachen halte ich diese Aufzählung NICHT.

Es sind Verhaltens- bzw. Bewältigungsmuster und das auch nur ausschnittsweise.

Aber, diese sind IMMER individuell geprägt und von daher kaum ableitbar auf ein einheitliches Muster an Verhalten.

Viel spannender ist doch die Frage nach dem WARUM muss sich Ria88 so verhalten.

Denn "keine emotionale Nähe" zulassen ist eine typische Überlebensstrategie bei einem Bindungstrauma.

Und damit weisst zwangsläufig der Weg zur Mutter hin.

13.11.2012 16:25 • #7


Naja, du magst das nicht sehen aber wenn ein Kind sein Elternhaus nur zu gerne verlässt, dann bestimmt nicht, weil man sich dort glücklich und geliebt fühlt. Abitur ohne Mathe geht auch woanders. Und die Tatsache das du viele Jahr damit zu kämpfen hast mit deinem Selbstwertgefühl spricht eine deutliche Sprache.

13.11.2012 19:05 • #8


HeikoEN
Zitat von Prinzessin22580:
Naja, du magst das nicht sehen aber wenn ein Kind sein Elternhaus nur zu gerne verlässt, dann bestimmt nicht, weil man sich dort glücklich und geliebt fühlt.

Ist das wirklich so?

Sagt ein traumatisiertes Kind wirklich irgendwann zu sich selber:

"Hat das noch Sinn, dass ich hier bleibe?"

Ich glaube eher nein.

Warum nicht?

Weil es sein Leben lang endlich von den Eltern, insb. der Mutter, z.B. angenommen werden möchte. Angenommen bedeutet, Liebe bekommen. Und zwar so, wie das Kind wirklich ist.

DAS ist ja gerade Kennzeichen einer Traumatisierung, dass eben NICHT diese rationalen Gedankengänge wirklich ziehen bzw. möglich sind.

Denn selbst über den Tod der Mutter hinaus, bleibt der Wunsch, das Verlangen, des Kindes bestehen, endlich von ihr angenommen zu werden und z.B. so geliebt zu werden, wie es wirklich ist.

Wie schon an anderer Stelle gesagt, sind die Zusammenhänge, insb. bei Traumata, zumindest für mich, höchst spannend.

Und zumindest für meine Person kann ich das o.g. bestätigen. Denn bei mir ist NIE, weder mit 8, 12 oder 16, selbst nicht mit 25 Jahren der Gedanke aufgekommen, sich jetzt emotional zu trennen von meiner Mutter, weil es ja nichts bringt und ich die so sehr verlangte Annahme meiner Mutter sowieso nicht bekommen werde. Sprich mit Deinen Worten, halt woanders Mathe zu lernen

Man ist einfach auf den Verderb hinaus mit dem Eltern so eng verwunden, dass man als Kind gar keine Chance hat sich daraus zu katapultieren. Ganz im Gegenteil, denn man nimmt praktisch ALLE Verhaltensweisen der Eltern bewusst oder unbewusst mit, ob man will oder nicht.

Richtig spannend wird es, wenn man sich verdeutlicht, dass das sogar über Generationen hinweg so ist!

Franz Ruppert aus München (ein Traumaforscher) sagt z.B., dass min. 4 Generationen an einem Trauma beteiligt sind. Darum ist es so unendlich wichtig, die Sache aufzuarbeiten und sich davon zu befreien, weil man es z.B. unbewusst an seine eigenen Kinder weitergibt und somit das Trauma aufrecht erhält.

Egal, ich schweife ab...bleiben wir bei Ria88

13.11.2012 20:47 • #9


Das klingt alles sehr interessant. Es scheint so, als /könnte/ ich gar nicht selbst dahinter kommen, was wirklich in mir vorgeht und wenn ich das so lese scheinen meine unbewussten, inneren Schlüsse wirklich andere zu sein, als ich bewusst einräumen würde. Und das obwohl ich immer dachte, recht viel über Psychologie zu wissen, da mich das Thema seit jeher interessiert.



@HeikoEN
Zitat:
Sie wissen es eben nicht besser.

Man kann dieser Generation nicht unbedingt einen Vorwurf daraus machen, weil sie zum Zeitpunkt des Geschehens es nicht besser wussten.


Das stimmt vermutlich, gerade in der Psychologie hat sich viel getan. Meine Mutter ist nur leider generell ein sehr...taktloser Mensch. Ich weiß, dass sie es nicht besser weiß und sich gar nicht bewusst ist, was sie damit anrichtet, aber sie hat schon Sprüche losgelassen die nicht nur mir die Haare aufstellen.
Es geht hier aber nicht nur um Taktlosigkeit, denn die speist sich im Falle meiner Mutter meistens aus, nunja, eben Dummheit/Unvermögen. Sie ist jetzt nicht wahnsinnig doof, aber manchen Gesprächen über Wirtschaft zb kann sie nicht wirklich folgen...

Ich fühle mich ehrlich gesagt schlecht sowas zu sagen über meine eigene Mutter, denn ich weiß wie das klingt als Kind über die eigenen Eltern zu lästern. Ich mache es auch ehrlich nicht um sie schlecht zu machen, aber sie ist halt nunmal nicht so klug wie zb mein Vater.

Auf lange Sicht kriegen meine Mutter und ich uns immer in die Haare, weil wir so verschiedene Ansichten haben und ich zb auch nicht verstehen kann, wie man manche so einfache Dinge nicht wissen kann.


Zitat:
Richtig spannend wird es, wenn man sich verdeutlicht, dass das sogar über Generationen hinweg so ist!


Ich habe sogar schon einmal darüber nachgedacht, warum meine Mutter sich so verhält, da sie das ja irgendwo 'gelernt' haben muss. Ich habe das beobachtet und kann bei meinen Großeltern so ein Verhalten aber gar nicht feststellen. Sie haben sich vielleicht geändert mit den Jahren?

Meine Mutter hielt uns früher als wir noch kleiner waren immer gerne vor, dass wir dankbar sein sollen weil sie so eine gute und nachsichtige Mutter ist, weil bei ihren Eltern hätte sie dieses und jenes ja nicht gedurft! Wie habe ich das immer gehasst... Aber das ist vielleicht das 'Oma-Syndrom' dass wir als Enkelkinder unsere Großeltern nie als streng erlebt haben. Meines Erachtens nach war meine Oma immer sehr viel gelassener und verständnisvoller (ne, meine Mutter hat ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Mutter).

Auf jeden Fall eine sehr interessante Sache. Traurig irgendwie, dass die ganze Wahrheit über meine Familie niemals zutage treten wird.


Zitat:
Und damit weisst zwangsläufig der Weg zur Mutter hin.


Ich fürchte, das muss ich dann so unterschreiben. Damit weißt wohl wirklich alles in diese Richtung.

Unsere Mutter ist nicht nur für mich eine zentrale Unruhestelle in unserer Familie, im bewussten Sinne. Mein großer Bruder hatte immer schon ein schwieriges Verhältnis zu ihr und begann irgendwann einfach uns allen aus dem Weg zu gehen. Ich weiß nicht wie es um ihn steht, aber ich habe nie mitbekommen dass er eine Freundin gehabt hätte oder auch nur Interesse (er wohnt bei uns im Haus, redet aber nur selten mit uns. Wenn doch, dann ist er zumindest zu mir immer freundlich und hilfsbereit. Nur mit meiner Mutter eben...).

Mein Vater hat auch manchmal seine liebe Not mit ihr, hat aber wahrscheinlich resigniert und geht dem Streit einfach aus dem Weg. Sie waren mal bei der Eheberatung deswegen und das Verhalten meines Vater, das manchmal auch nicht ok war, hat sich fast sofort radikal gebessert. Bei meiner Mutter allerdings nicht, sie sieht keine Fehler ein. Sie hat die Therapie auch sehr bald wieder abgebrochen. Mir gegenüber meinte sie, der Therapeut habe sich auf die Seite meines Vater geschlagen, was doch schon etwas aussagt über ihre Persönlichkeit... ich höre ihre Zänkereien falls es noch welche gibt mit und meistens ist es eindeutig ihr Verhalten, das nicht ok ist. Mein Vater, der immer Probleme hatte Gefühle zu zeigen, ist uns allen gegenüber nun viel freier und wärmer, obwohl ich es immer merke, wenn er nicht genau weiß, wie er eine Absicht deutlich machen soll, weil er sich schämt. Einerseits ist es peinlich, andererseits doch sehr süß.

Naja und ich? Ich liebe meine Mutter und ich weiß, dass sie mich auch liebt. Sie unterstützt mich zusammen mit meinem Vater damit ich studieren konnte und als es mir so schlecht ging, half sie mir die Schule wechseln zu können. Auch die Psychotherapie damals war nur dank ihrer Finanzierung möglich. Ich verdanke ihr viel. Leider Gottes kann ich mit vielen ihrer charakterlichen Aspekte aber gar nichts anfangen und wir kriegen uns wie gesagt oft in die Haare. Im Sommer, wenn ich zuhause bin um zu arbeiten und kein Uni-Betrieb ist, streiten wir oft heftig. Auch meine beste Freundin, der ich als einzige solche Dinge erzähle, versteht nicht, wieso meine Mutter und manchmal auch mein Vater so sind. Sie stammt aus einer sehr gesunden Familie und ich bin oft neidisch, weil sie all diese Probleme nicht kennt. Ich würde das Verhältnis zu meiner Mutter als gestresst bezeichnen.

Ich glaube, dass es in meiner Familie viele Probleme gibt, die niemand wahr haben will und meine Mutter ist der große Pol. Sie ist sich all dessen natürlich nicht bewusst und will es sich auch nicht eingestehen, selbst wenn man es ihr sagt, was der Therapeut damals getan hat. Und deshalb hat sie abgebrochen. Sie ist unfähig, an sich etwas zu ändern und darunter leiden wir alle...



Ich möchte schon gerne in Therapie gehen um zumindest meine eigenen Probleme, die daraus erwachsen sind, aufzuarbeiten, aber wie genau muss ich das anstellen? Ist eine ganze Familientherapie sinnvoll? Oder soll ich mich auf mich selbst konzentrieren? Wie finde ich einen guten Therapeuten, der sich mit Traumata auskennt? Die Krankenkasse wird mir wohl keine Kosten übernehmen, nicht wahr?

Gibt es vielleicht ein Buch über Bindungsängste, das ihr mir empfehlen könnt? Das bedeutet: Falls ich das überhaupt lesen sollte; kontraproduktiv zur Therapie kann das hoffentlich nicht sein, oder? Ich möchte einfach gerne wissen, was ich mir wirklich denke ohne es zu wissen, das würde mir denke ich helfen einen Fokus zu bekommen, was verändert werden muss. Vielleicht gibt es ein Sachbuch, das für mich geeignet ist?

14.11.2012 02:08 • #10


Was du schreibst habe ich nie bestritten. Du gehst davon aus, dass das Gegenteil auch zutrifft, nämlich das ein traumatiertes Kind die Familie verlassen will. Ds ist, wie du ja ganz richtig schreibst, nur sehr selten der fall. Ich Sage nur, dass ein glückliches und geliebtes Kind eben auch nicht freiwillig die Familie verlässt. Wenn ein Kind von sich aus weg will und sich wo anders glücklicher fühlt, dann sagt das schon viel aus. Und ich denke auch, alleine bekommt man vieles nicht raus. Eine professionelle Führung durch die Wirkungen der eigenen Gedanken und Gefühle ist immer sinnvoll.

14.11.2012 07:35 • #11



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